Esoterik in der regulären Wiener Freimaurerei und im „Journal für Freymaurer“ (1784–1786) – (2. und letzter Teil)

Was die Logenbrüder nicht sehen oder nicht sagen

Wenn die angeblich anti-magische, aufgeklärte Freimaurerei so viele magische, esoterische Elemente enthält, wie viele dann erst die magisch-okkulte Freimaurerei?
Wenn die angeblich anti-magische, aufgeklärte Freimaurerei so viele magische, esoterische Elemente enthält, wie viele dann erst die magisch-okkulte Freimaurerei?

von Pater Pao­lo M. Siano*

In den bei­den Kapi­teln des ersten Teils habe ich die Geschich­te und die Eso­te­rik der regu­lä­ren öster­rei­chi­schen Frei­mau­re­rei im 18. Jahr­hun­dert skiz­ziert, ins­be­son­de­re das Vor­han­den­sein von zwei Strö­mun­gen, in denen regu­lä­re Frei­mau­rer­mei­ster aktiv waren (sogar hohe Wür­den­trä­ger der öster­rei­chi­schen Frei­mau­re­rei): die magi­sche Strö­mung (z. B. Gold- und Rosen­kreu­zer, Asia­ti­sche Brü­der…) und die auf­klä­re­ri­sche, ratio­na­li­sti­sche und anti­kle­ri­ka­le Strö­mung, d. h. die Baye­ri­schen Illu­mi­na­ten, die in der öster­rei­chi­schen Frei­mau­re­rei, ins­be­son­de­re in der Wie­ner Loge „Zur wah­ren Ein­tracht im Ori­ent“, sehr prä­sent waren. Wie ich bereits erwähnt habe, waren Eso­te­rik und Gno­sis auch der Loge „Zur wah­ren Ein­tracht“ nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick schei­nen mag. Der Geist die­ser Loge wird in der öster­rei­chi­schen Frei­mau­re­rei nach wie vor geschätzt und ist dort lebendig.

Ich möch­te nun auf eini­ge Arti­kel aus dem Jour­nal für Frey­mau­rer, der frei­mau­re­ri­schen Zeit­schrift der Loge „Zur wah­ren Ein­tracht“, hin­wei­sen, aus denen her­vor­geht, daß Eso­te­rik und Gno­sis auch in jener soge­nann­ten „rei­nen“ Frei­mau­re­rei zu fin­den sind, die angeb­lich – zumin­dest nomi­nell – im Gegen­satz zur magi­schen Strö­mung steht.

3. Einige Artikel aus dem Journal für Freymaurer (1784–1786)

Die Loge „Zur wah­ren Ein­tracht“ behaup­tet, die frei­mau­re­ri­sche Strö­mung der Rosen­kreu­zer, Alche­mi­sten und Kab­ba­li­sten zu bekämp­fen, doch in Wirk­lich­keit teilt sie, wie wir sehen wer­den, deren eso­te­ri­sche und gno­sti­sche Ele­men­te, die in Wirk­lich­keit die ritu­el­le und sym­bo­li­sche Essenz der „rei­nen“ Frei­mau­re­rei ausmachen.

Ich stel­le eini­ge Arti­kel aus dem Jour­nal für Frey­mau­rer (Abkür­zung: JF) zusam­men­fas­send vor, wobei ich mit ara­bi­schen Zif­fern das Jahr (1 = 1784; 2 = 1785; 3 = 1786) und mit römi­schen Zif­fern den Quar­tals­band (I, II, III, IV) und dann, wie­der­um mit ara­bi­schen Zif­fern, die Sei­ten­zahl angebe.

1) In dem Arti­kel „Über die Myste­ri­en der Aegyp­tier“ (JF 1/​I, 15–132) ver­gleicht der Stuhl­mei­ster der Loge „Zur wah­ren Ein­tracht“, Ignaz von Born, die alt­ägyp­ti­schen Myste­ri­en (Bräu­che und Zere­mo­nien) mit der Frei­mau­re­rei.

Thot/​Hermes Tris­me­gi­stos gab den Prie­stern des alten Ägyp­ten das Wis­sen und die Schlüs­sel zu den Hie­ro­gly­phen, in denen sie ihre Wis­sen­schaft ver­bar­gen (vgl. S. 23f, 30–32). Die Prie­ster des alten Ägyp­ten kann­ten die her­me­ti­sche Phi­lo­so­phie (Her­me­tik), die Magie, die Alche­mie (vgl. S. 72) und prak­ti­zier­ten die Theur­gie, d. h. den Kon­takt mit Gei­stern (vgl. S. 73). Von Born führt aus, daß die anti­ken Myste­ri­en (anti­ke Kul­te und Initia­ti­ons­ri­ten der heid­ni­schen Welt) einen drei­fa­chen Sinn hat­ten: mora­lisch, histo­risch und mystisch (vgl. S. 85). Um den mysti­schen Sinn zu ver­ste­hen, kön­nen „uns­re soge­nann­ten erleuch­te­ten Brü­der uns hier­in nicht zu Hil­fe kom­men“ (S. 86), „und man wird die Aehn­lich­keit der Ein­wei­hung des ägyp­ti­schen Prie­sters und des Mau­rers nicht ver­ken­nen“ (S. 99).

Von Born stellt fest, daß die Mau­rer­kel­le die Kunst der Frei­mau­re­rei aus­drückt, die Osi­ris ent­deckt haben muß, eine Kunst, die den Ein­ge­weih­ten hei­lig gewe­sen sein muß und der sich die ägyp­ti­schen Prie­ster völ­lig ver­schrie­ben haben (vgl. S. 108). Von Born setzt das Arbeits­werk­zeug, das die dem Gott Osi­ris gleich­ge­stell­te Figur des ägyp­ti­schen Prie­sters („Werk­zeu­ges“) in der Hand hält (vgl. S. 109), mit dem Ham­mer bei den Arbei­ten der Mau­rer gleich („der Ham­mer bey den Arbei­ten der Mau­rer“: S. 110).

Von Born betont die Ähn­lich­keit der Hie­ro­gly­phen des Tafel- oder Logen­bil­des mit den von den Prie­stern im alten Ägyp­ten ver­wen­de­ten Zei­chen (vgl. S. 113f).

Von Born erklärt, daß bei den alten Ägyp­tern und der Alche­mie („uns­re Che­mie“) das nach unten zei­gen­de Drei­eck für Was­ser (Osi­ris, Leben) und das nach oben zei­gen­de Drei­eck für Feu­er (Set oder Typhon, Tod) steht. Daher kön­nen die Frei­mau­rer in ihrer Kel­le das Drei­eck der ägyp­ti­schen Kos­mo­go­nie sehen, Sym­bol für Feu­er und Was­ser, und sich an „Her­mes Tris­me­gi­stos“ erin­nern. Die blaue Far­be der Frei­mau­rer­mei­ster war die Far­be der Prie­ster im alten Ägyp­ten (vgl. S. 117f).

Dann legt von Born auf ziem­lich unver­hüll­te Wei­se die Ähn­lich­keit zwi­schen der Legen­de von Osi­ris (ägyp­ti­scher Gott, der von sei­nem bösen Bru­der Set oder Typhon getö­tet wur­de) und der frei­mau­re­ri­schen Legen­de von Hiram nahe, also einen ägyp­ti­schen Ursprung der Legen­de des drit­ten Gra­des der Frei­mau­rer (vgl. S. 122–125).

Der erste der ana­ly­sier­ten Arti­kel im Jour­nal für Frey­mau­rer der Loge Zur Wah­ren Ein­tracht im Ori­ent von Wien.

2) In dem Arti­kel „Ueber Ana­lo­gie zwi­schen dem Chri­stent­hu­me der erstern Zei­ten und der Frey­mau­re­rey“ (JF 1/​II, 5–64) behaup­tet der Frei­mau­rer Br. M*ch***r, daß die drei Sakra­men­te, „die Tau­fe, das Abend­mahl und die Prie­ster­wei­he“, jenen zum Vor­bild gedient haben könn­ten, wel­che die drei Gra­de der Frei­mau­re­rei gestal­tet haben (vgl. S. 37). Der anony­me Frei­mau­rer ver­gleicht die frei­mau­re­ri­sche Initia­ti­on des 1. Gra­des, des Lehr­lings, mit der Tau­fe und erklärt, daß die Exor­zis­men gegen den Teu­fel den sym­bo­li­schen Rei­sen und der Rei­ni­gung (die durch die 4 Ele­men­te erfolgt) in der Ein­wei­hungs­ze­re­mo­nie des Lehr­lings­gra­des entsprechen: 

„Die Exor­cis­men oder Beschwö­run­gen des Teu­fels mögen wohl für uns­re sym­bo­li­schen Rei­sen und uns­re Rei­ni­gun­gen durch die Ele­men­te gel­ten“ (S. 38).

Auf die Zun­ge des Neu­ge­tauf­ten wird Salz gelegt, „wir drücken Salo­mons Sie­gel auf die Zun­ge des Ein­ge­weih­ten“. Der Neu­ge­tauf­te erhält eine bren­nen­de Ker­ze und ein wei­ßes Gewand; dem neu­en Frei­mau­rer­lehr­ling wird das Licht gezeigt und er erhält eine wei­ße Schür­ze, die die Unschuld sym­bo­li­siert (vgl. S. 39f).

3) In der „Rede über die Lei­den und Freu­den des mensch­li­chen Lebens“ (JF 1/​II, 157–162) sagt der Frei­mau­rer Br. B***r, das „Natur­ge­setz“, das man im Leben lernt, sei, daß es kein Licht ohne Schat­ten, kei­ne Tugend ohne Laster, kei­ne Freu­de ohne Schmerz gibt (vgl. S. 158). Kurz­um, die Ver­bin­dung der Gegensätze…

4) In dem Bericht „Ueber die Myste­ri­en der Indier“ (JF 1/​IV, 5–54) behaup­tet der Logen­mei­ster Ignaz von Born, daß die alten hin­du­isti­schen Myste­ri­en von den ägyp­ti­schen abstam­men (vgl. S. 28–30) und daß Osi­ris-Isis-Typhon die Ent­spre­chung in Bra­ma-Vis­nu-Shi­va haben (vgl. S. 31). Von Born sieht Ähn­lich­kei­ten zwi­schen brah­ma­ni­schen und frei­mau­re­ri­schen Initia­ti­ons­ze­re­mo­nien (vgl. S. 50f).

5) In dem Arti­kel „Geschich­te des pytha­go­räi­schen Bun­des“ (JF 2/​I, 3–28) gibt der Frei­mau­rer Br. K*l eine Ver­bin­dung zwi­schen Pythagoras/​Pythagoräern und der Frei­mau­re­rei zu ver­ste­hen. Pytha­go­ras wur­de dem­nach in die Myste­ri­en des alten Ägyp­ten ein­ge­weiht (vgl. S. 6). Der Pytha­go­räer­or­den bestand aus einer äuße­ren Klas­se („Exo­te­ri­ker“) und einer inne­ren Klas­se („Eso­te­ri­ker“) (vgl. S. 18). Mit der Ein­wei­hung wur­de man Teil des eso­te­ri­schen Bereichs, man emp­fing das Licht… Unter ihre Sym­bo­le gehör­ten: das Drei­eck und der fünf­zacki­ge Stern… (vgl. S. 22–24).

6) In dem Arti­kel „Ueber die Magie“ (JF 2/​I, 29–56) weist der Frei­mau­rer Br. H***r dar­auf hin, daß nicht weni­ge Frei­mau­rer sich der Magie widmen:

„Es ist kein Geheim­nis für den in unsern Kreis Auf­ge­nom­me­nen, daß eine nicht gerin­ge Zahl unse­rer Brü­der hin­ter den Hye­ro­gly­phen unse­res königl. Kunst das gro­ße Geheim­niß suchen, sich gleich dem Besit­zer von Salo­mons Sie­gel der Herr­schaft der Gei­ster­welt zu bemäch­ti­gen. Ein gro­sser Gedan­ke! Herr der sicht­ba­ren und unsicht­ba­ren Schöp­fung“ (S. 29).

Der Autor scheint die mensch­li­che Arro­ganz zu ver­ach­ten, die behaup­tet, die Gei­ster mit Magie zu beherr­schen (vgl. S. 30). Dann stellt er aber fest, daß unter den Anhän­gern die­ser Wis­sen­schaft Pytha­go­ras, Apu­lei­us und ande­re sind, die nach Ägyp­ten gin­gen, um die Magie zu ler­nen (vgl. S. 30).

7) In der Abhand­lung „Von den Wir­kun­gen der Mau­re­rey auf den Muth und die Thä­tig­keit des Men­schen­freun­des“ (JF 2/​I, S. 59–76) hat der Frei­mau­rer Br. K**l defi­niert die Logen als hei­li­ge, geweih­te Orte („an die Pfor­te unse­rer hei­li­gen Hal­len“. S. 62; „unse­res gehei­lig­ten Vier­ecks“, S. 62) und setzt den Frei­mau­rer mit dem „Pro­me­theus“ gleich, der den Men­schen das gött­li­che Licht brach­te (vgl. S. 62).

An die­ser Stel­le wei­se ich dar­auf hin, daß der frei­mau­re­ri­sche Glau­be an die Sakra­li­sie­rung der Loge durch ritu­el­le Hand­lun­gen zwei­fel­los auf eine magi­sche Men­ta­li­tät hin­weist; außer­dem wis­sen die Frei­mau­rer deut­scher Spra­che auch heu­te noch, daß der Pro­me­theus der grie­chi­schen Mytho­lo­gie dem gno­sti­schen Luzi­fer ent­spricht…

8) In sei­ner Stu­die „Geschich­te der Neu­pla­to­ni­ker“ (JF 2/​II, 5–51) lobt der Frei­mau­rer Br. K**l aus­drück­lich die Neu­pla­to­ni­ker, Anhän­ger der „her­me­ti­schen Wis­sen­schaft“, „Theur­gie und Magie“ (S. 5), die vie­le Bewun­de­rer unter den Frei­mau­rern haben (vgl. S. 6).

1784, fünf Jah­re vor der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, befaß­te sich die Wie­ner Loge mit dem „Ein­flus­se der Mau­re­rey auf die bür­ger­li­che Gesellschaft“

Br. K**l ver­gleicht Neo­pla­to­nis­mus und Frei­mau­re­rei und bekräf­tigt, daß der Neo­pla­to­nis­mus noch unter den Frei­mau­rern domi­niert: „Ich sag­te in der Ein­lei­tung zu die­ser Geschich­te, daß der neue Pla­to­nis­mus unter unsern Brü­dern, die in der Mau­re­rey wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis­se suchen, noch herr­sche “ (S. 46f).

Br. K**l gibt zu ver­ste­hen, daß:

  1. Frei­mau­re­rei und Neu­pla­to­nis­mus davon aus­ge­hen, daß Her­mes, Zara­thu­stra, die Prie­ster des alten Ägyp­tens, die per­si­schen Wei­sen und die alten Myste­ri­en alle aus der­sel­ben Quel­le stam­men, aus deren Prin­zi­pi­en sich die Frei­mau­re­rei und der Neu­pla­to­nis­mus ablei­ten. Bei­de leh­ren mit der her­me­ti­schen Kunst die Reha­bi­li­tie­rung oder Reinte­gra­ti­on des Men­schen in den ursprüng­li­chen Zustand vor dem Sün­den­fall (vgl. S. 48).
  2. Frei­mau­re­rei und Neu­pla­to­nis­mus suchen bei­de nach ver­lo­re­nen Wahr­hei­ten, sie sind bei­de „eine Art von tra­di­tio­nel­ler Mystik“ (S. 48f).
  3. Die Frei­mau­re­rei und der Neu­pla­to­nis­mus legen Wert auf das gehei­me Wis­sen der Natur, die her­me­ti­sche Wis­sen­schaft, den Kon­takt mit Gei­stern, die Magie und die Theur­gie (vgl. S. 49f).
  4. Die Frei­mau­rer sehen in den Neu­pla­to­ni­kern die Besit­zer der könig­li­chen Kunst der Frei­mau­re­rei (vgl. S. 50).

Br. K**l been­det den Arti­kel, indem er mit den Neu­pla­to­ni­kern sym­pa­thi­siert und in ihnen Frei­mau­rer­brü­der sieht („und ich sah in den Neu­pla­to­ni­kern mei­ne Brü­der“, S. 50f).

9) In dem Bericht „Ueber die Myste­ri­en der alten Hebrä­er“ (JF 3/​I, S. 5–79) stellt ein anony­mer Frei­mau­rer klar, daß die der Frei­mau­re­rei eigen­tüm­li­chen Wis­sen­schaf­ten oder Erkennt­nis­se von den Juden und ins­be­son­de­re vom System der Kab­ba­la stam­men (vgl. S. 18).

10) Pan­the­isti­sche Mystik fin­den wir in der Rede „Tod ist Leben“ (JF 3/​II, 153–158) des Frei­mau­rers Br. Sz, der den Tod als eine neue Form des Lebens dar­stellt; im Uni­ver­sum gibt es kei­ne Zer­stö­rung, son­dern das Leben geht in neu­en For­men wei­ter (vgl. S. 153f). Nach dem Tod des Kör­pers setzt die mensch­li­che See­le, die ein gött­li­cher Fun­ke, ein Teil Got­tes ist, ihre unend­li­che Ent­wick­lung fort, in ewi­ger Bewe­gung kehrt sie zu ihrem Ursprung, zu Gott, zurück (vgl. S. 155f). Die See­le ver­läßt Gott und kehrt zu Gott zurück (vgl. S. 158).

11) In dem lan­gen Arti­kel „Ueber die gröss­ten Myste­ri­en der Hebrä­er“ (JF 3/​III, 5–98) behaup­tet ein anony­mer Frei­mau­rer, daß „Aegyp­ten, die Schu­le der Gesetz­ge­ber, auch bekann­ter­ma­ssen das Vater­land der Myste­ri­en“ war, die sich dann unter ver­schie­de­nen Göt­ter­na­men nach Grie­chen­land und Asi­en ver­brei­te­ten (vgl. S. 9).

Der Anony­mus unter­schei­det zwi­schen den „klei­ne­ren Myste­ri­en“ und den „grö­ße­ren Myste­ri­en“ (vgl. S. 10f). Die Ein­ge­weih­ten der gro­ßen Myste­ri­en in Ägyp­ten und spä­ter in Grie­chen­land und Asi­en lehr­ten die Nicht­exi­stenz der Volks­göt­ter und die Ein­heit des Höch­sten Wesens (S. 14).

Der anony­me Autor ver­gleicht die frei­mau­re­ri­schen Myste­ri­en mit den jüdi­schen Myste­ri­en, die Frei­mau­re­rei mit dem Juden­tum („eine nähe­re Ver­glei­chung der mau­re­ri­schen Myste­ri­en mit den hebräi­schen“, „mit dem Hebrais­mus“: S. 88–90).

Der Autor erwähnt die hebräi­schen Hie­ro­gly­phen in der frei­mau­re­ri­schen Sym­bo­lik („uns­re hebräi­schen Hie­ro­gly­phen“, vgl. S. 88). Die Frei­mau­rer­lo­ge ist wie ein Hei­lig­tum für Frei­mau­rer („in uns­rem Hei­lig­t­hu­me“, vgl. S. 89). Der anony­me Frei­mau­rer bekräf­tigt die Bedeu­tung der Kennt­nis­se des drit­ten Gra­des des Frei­mau­rer­mei­sters: „Ich wer­de frey­lich die Kennt­nis­se uns­res Mei­ster­gra­des über­ho­len müs­sen“ (S. 89).

Der Anony­mus ver­gleicht die „klei­nen Myste­ri­en der Mau­re­rey“ (S. 90f), d. h. „Die drey ersten Gra­de“ der Frei­mau­re­rei, mit den klei­nen Myste­ri­en der Juden, die auf die sitt­li­che und sozia­le Lebens­füh­rung und die „Ein­wei­hung eines gan­zes Volks“ abziel­ten (vgl. S. 90f).

Dann ver­bin­det der anony­me Frei­mau­rer die „Grö­ße­re Myste­ri­en der Frey­mau­re­rey“ mit dem jüdi­schen San­he­drin („San­he­d­rim“, S. 90–98), mit dem er wie­der­um die Hoch­gra­de der Frei­mau­re­rei („in den höhern Gra­den“, S. 90f) verbindet.

Der anony­me Frei­mau­rer erklärt, daß eben­so wie die „Schu­le der Pro­phe­ten“ und der San­he­drin in enger Bezie­hung zu den gro­ßen Geheim­nis­sen der alten Juden stan­den, es „ein mau­re­ri­sches Insti­tut“ gibt, das die „gehei­me Kunst“ hütet (S. 94). 

„Die­ses Insti­tut ist die eigent­li­che und wah­re Pro­phe­ten­schu­le der Frey­mau­re­rey“ (S. 94), mit dem „die Erkennt­niß des Steins der Wei­sen, der Kab­ba­la und Magia“ ver­bun­den ist (S. 94f).

12) Zu Beginn der Rede „Ueber den heu­ti­gen Wun­der­glau­ben“ (JF 3/​III, 101–108), Frei­mau­rer Br. S–z erwähnt den „ewi­gen Wett­ei­fer“ in der phy­si­schen und mora­li­schen Welt zwi­schen Licht und Schat­ten, Gut und Böse, Tugend und Laster… :

„In dem gan­zen Umfan­ge der phy­si­schen und mora­li­schen Welt erblicken wir einen ewi­gen Wett­ei­fer zwi­schen Licht und Schat­ten, Gut und Uebel, Glück und Unglück, Voll­kom­men­heit und Gebre­chen, Tugend und Laster. Die­ser Wett­ei­fer ist das gro­ße Trieb­rad, wel­ches die gan­ze Schöp­fung in Bewe­gung setzt, und ihr Gleich­ge­wicht, Hal­tung, Dau­er, ewi­ge Leben­dig­keit, kurz, die gan­ze Voll­kom­men­heit gibt, wel­che die all­mäch­ti­ge Hand des wei­se­sten Bau­mei­sters ihr zu geben beschloß“ (S. 101).

Br. S–z macht deut­lich, daß in die­sem Gesetz/​Wechsel/​Gleichgewicht der Gegen­sät­ze, das „ewi­ge Leben­dig­keit“ ver­leiht, auch die ersten Men­schen und „eine Schlan­ge“ ste­hen, „neben Abel ein Cain“ (vgl. S. 103).

Die­ses Gesetz ist für den Frei­mau­rer Br. S–z kei­nes­wegs Aberglaube.

Zusam­men­fas­send ist fest­zu­stel­len, daß sich im Jour­nal für Frey­mau­er Lob fin­det für: das alte Ägyp­ten, die Prie­ster der alt­ägyp­ti­schen Myste­ri­en, Her­mes Tris­me­gi­stos, die Neu­pla­to­ni­ker, die Kab­ba­la, die pan­the­isti­sche Mystik, das Gesetz der Not­wen­dig­keit von Gegen­sät­zen (Licht-Dun­kel­heit, Leben-Tod, Osi­ris-Set…). Das ist die „rei­ne“ und auf­ge­klär­te Freimaurerei! 

Wie ist dann erst die magisch-okkul­te Freimaurerei?

*Pater Pao­lo Maria Sia­no gehört dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta (FFI) an; der pro­mo­vier­te Kir­chen­hi­sto­ri­ker gilt als einer der besten katho­li­schen Ken­ner der Frei­mau­re­rei, der er meh­re­re Stan­dard­wer­ke und zahl­rei­che Auf­sät­ze gewid­met hat.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana/opacplus.bsb-muenchen.de (Screen­shots)

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