Bischof nicht, nun aber Kardinal. Der kuriose Fall des Peter Okpaleke

Von seinem Bistum konnte er nie Besitz ergreifen.

Bischof Peter Okpaleke, der nicht Bischof seiner Diözese werden konnte, wird nun Kardinal. Im April 2020 zeigte er sich mitten in Nigeria mit dem Corona-Gehorsamsfetzen. Papst Franziskus machte es möglich.
Bischof Peter Okpaleke, der nicht Bischof seiner Diözese werden konnte, wird nun Kardinal. Im April 2020 zeigte er sich, reichlich skurril, mitten in Afrika mit dem Corona-Gehorsamsfetzen – Franziskus sei Dank.

(Rom) Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag gab Papst Fran­zis­kus die Ernen­nung von 21 neu­en Kar­di­nä­len bekannt. 16 von ihnen wer­den in einem kom­men­den Kon­kla­ve wahl­be­rech­tigt sein. Unter ihnen fin­det sich auch der Name des nige­ria­ni­schen Bischofs Peter Ebe­re Okpa­le­ke, des­sen Geschich­te eine Beson­der­heit aufweist.

Okpa­le­ke wur­de 1990 für sein Hei­mat­bis­tum Awka im Staat Anam­bra zum Prie­ster geweiht. Von 1999 bis 2002 stu­dier­te er Kir­chen­recht an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät San­ta Cro­ce in Rom. In sei­ner Hei­mat­diö­ze­se wur­de er anschlie­ßend Ordi­na­ri­ats­kanz­ler, Sekre­tär des diö­ze­sa­nen Prie­ster­rats und zuletzt Rich­ter am inter­diö­ze­sa­nen Kir­chen­ge­richt und Pfar­rer bei Awka.

Am 07. Dezem­ber 2012 ernann­te Bene­dikt XVI., als eine sei­ner letz­ten Per­so­nal­ent­schei­dun­gen, Okpa­le­ke zum Bischof von Ahia­ra im nige­ria­ni­schen Staat Imo.

Bischof Okpa­le­ke mit Papst Franziskus

Als Okpa­le­ke am 21. März 2013 zum Bischof geweiht wur­de, regier­te in Rom bereits Papst Fran­zis­kus. In der Diö­ze­se Ahia­ra wehr­ten sich Prie­ster und Gläu­bi­ge gegen sei­ne Ernen­nung so ener­gisch, daß sie ihn am Betre­ten der Kathe­dra­le hin­der­ten. Wegen des Wider­stan­des muß­te die Bischofs­wei­he außer­halb der Diö­ze­se im Prie­ster­se­mi­nar Ulak­wo des Erz­bis­tums Ower­ri stattfinden.

Unmit­tel­bar nach der Ernen­nung von Okpa­le­ke war Bene­dikt XVI. eine Peti­ti­on über­mit­telt wor­den mit der Bit­te, einen ande­ren Bischof für die Diö­ze­se Ahia­ra zu ernen­nen. Durch sei­nen Amts­ver­zicht war Bene­dikt aber nicht mehr mit der Sache befaßt. Als Begrün­dung wur­de in der Peti­ti­on genannt, daß Okpa­le­ke nicht der Volks­grup­pe der Mbai­se ange­hört, die das Bis­tum bewohnt. Die Mbai­se sind Ibo (Igbo). Die Mehr­heit ist katho­lisch, eine star­ke Min­der­heit angli­ka­nisch. Ihr Gebiet geriet Anfang des 20. Jahr­hun­derts unter bri­ti­sche Kolo­ni­al­herr­schaft. Bischof Okpa­le­ke ist zwar auch Ibo, aber kein Mbai­se. Er stammt aus dem Staat Anambra.

Der Wider­stand und der dar­aus ent­stan­de­ne Schwe­be­zu­stand des geweih­ten Bischofs, der von sei­ner Diö­ze­se nicht Besitz ergrei­fen konn­te, zogen sich Jah­re hin, bis Fran­zis­kus am 9. Juni 2017 den Prie­stern von Ahia­ra ein Ulti­ma­tum sui gene­ris stell­te. Sie hat­ten Bischof Okpa­le­ke inner­halb von 30 Tagen aus­drück­lich und schrift­lich zu akzep­tie­ren, oder wür­den sus­pen­diert. Die Geist­li­chen began­nen, Ent­schul­di­gungs­schrei­ben zu ver­schicken, ohne jedoch ihren Pro­test gegen die Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung, wie sie sag­ten, auf­zu­ge­ben. Seit Ahia­ra 1987 als eige­nes Bis­tum errich­tet wur­de, hat sich die Zahl der Prie­ster fast ver­drei­facht. Gut 80 Pro­zent der Bevöl­ke­rung sind katholisch.

Am 19. Febru­ar 2018 wur­de dann bekannt, daß Fran­zis­kus den Rück­tritt Okpa­le­kes als Bischof von Ahia­ra akzep­tiert hat­te, der das Amt fünf Jah­re lang nicht ange­tre­ten hat­te. Von da an trug er den Titel eines „Eme­ri­tus“ die­ser Diözese.

Wei­te­re zwei Jah­re ver­gin­gen, bis Fran­zis­kus am 5. März 2020 die Diö­ze­se Ekwu­lo­bia im Bun­des­staat Anam­bra errich­te­te, deren Gebiet er von der Diö­ze­se Awka, Okpa­le­kes Hei­mat­bis­tum, abtrenn­te, und Okpa­le­ke zu ihrem ersten Bischof ernann­te. Am 29. April 2020 konn­te er von sei­nem neu­en Bis­tum Besitz ergrei­fen und sein Amt als Diö­ze­san­bi­schof antreten.

Am kom­men­den 27. August wird Papst Fran­zis­kus Bischof Okpa­le­ke zum Kar­di­nal kre­ieren. Der ernann­te Kar­di­nal wur­de Anfang März 59 Jah­re alt, wes­halb er, aller Vor­aus­sicht nach, zu den Papst­wäh­lern im kom­men­den Kon­kla­ve gehö­ren wird.

Die Diö­ze­se Ahia­ra wird seit Juli 2013 von Apo­sto­li­schen Admi­ni­stra­to­ren ver­wal­tet. Zunächst war die­se Auf­ga­be Kar­di­nal John Onai­ye­kan über­tra­gen wor­den, der bis 2019 Erz­bi­schof von Abu­ja war. Seit Febru­ar 2018 übt Msgr. Luci­us Iwe­ju­ru Ugor­ji, Bischof von Umu­ahia, die­ses Amt aus.

Bischof Iwe­ju­ru Ugor­ji wur­den von Fran­zis­kus am 6. März zum Erz­bi­schof und Metro­po­li­ten von Ower­ri beför­dert. Am 22. Juni wird er von sei­ner neu­en Diö­ze­se Besitz ergrei­fen. Drei Tage nach sei­ner Beför­de­rung trat Msgr. Iwe­ju­ru Ugor­ji das Amt des Vor­sit­zen­den der Nige­ria­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz an. Vor­erst wird er als Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor auch wei­ter­hin zusätz­lich die Diö­ze­se Ahia­ra leiten.

Durch die lan­ge Nicht-Ernen­nung eines Diö­ze­san­bi­schofs wird dem Bis­tum Ahia­ra signa­li­siert, daß der Wider­stand in San­ta Mar­ta kein Wohl­ge­fal­len gefun­den hat. In die glei­che Rich­tung weist die nun­meh­ri­ge Erhe­bung von Bischof Okpa­le­ke in den Kar­di­nal­s­rang, des­sen pri­mä­re Qua­li­fi­ka­ti­on für den Pur­pur, wie es in Rom gewohnt spitz heißt, in sei­ner Ableh­nung durch den Kle­rus und die Gläu­bi­gen von Ahia­ra bestehe.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/​VaticanMedia (Screen­shot)

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