Wahrheit ist die einzige Wohltat, die der Geschichte erlaubt ist

Prof. Roberto de Mattei: Meine Beweggründe

Der heilige Gregor von Nazianz: "Jene beurteilen Sensibilität und Verhalten anderer in der Regel aufgrund ihrer eigenen Art, zu handeln und zu fühlen.“
Der heilige Gregor von Nazianz: "Jene beurteilen Sensibilität und Verhalten anderer in der Regel aufgrund ihrer eigenen Art, zu handeln und zu fühlen.“

Von Rober­to de Mattei*

In den geschicht­li­chen Epo­chen, in denen Ver­wir­rung herrscht, ent­spricht der Auto­ri­täts­kri­se eine Ver­dun­ke­lung der Wahr­heit. Ohne feste Bezugs­punk­te ersetzt der Nor­mal­bür­ger die Wahr­heit durch sei­ne eige­ne Mei­nung und lädt sie mit der gan­zen Lei­den­schaft auf, zu der jede See­le, die das Abso­lu­te sucht, fähig ist. Die Wahr­heit wird per­so­na­li­siert. Einst, wie ein fran­zö­si­scher Phi­lo­soph schon vor vie­len Jah­ren fest­stell­te, lieb­ten sich die Men­schen durch die Insti­tu­tio­nen, wäh­rend heu­te die Insti­tu­tio­nen nur durch eine ido­la­tri­sier­te Per­son ertra­gen wer­den (Gust­ave Thi­bon, Dia­gno­stics. Essai de Phy­sio­lo­gie Socia­le, Mali­cor­ne-sur-Sar­t­he 1942). So geht das mit den Ideen.

Die­se Ver­fin­ste­rung der Wahr­heit, die auf das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und die Revo­lu­ti­on von 1968 zurück­geht, wur­de von vie­len katho­li­schen Schrift­stel­lern ange­pran­gert, heu­te aber kann jeder Gläu­bi­ge ihre dra­ma­ti­schen Fol­gen selbst abschät­zen. Man gibt sich zum Bei­spiel der Illu­si­on hin, daß es, um die Kir­chen­kri­se zu been­den, aus­reicht, Papst Fran­zis­kus, der als der Haupt­ver­ant­wort­li­che für die­se Kri­se gilt, eine ande­re Gestalt, mög­lichst einen Bischof oder Kar­di­nal, ent­ge­gen­zu­set­zen. Und wer den Anti-Ber­go­glio ver­kör­pert, wird nicht grund­sätz­lich, aber de fac­to ein „Gegen­papst“. Ein Gegen­papst natür­lich ohne jeden kano­ni­schen Anspruch, anders als jene, die uns die Geschich­te ken­nen­ler­nen hat las­sen. Die Gegen­päp­ste der Ver­gan­gen­heit such­ten vor allem die juri­sti­sche Legi­ti­mi­tät, um jenen ent­geg­nen zu kön­nen, die sie für Usur­pa­to­ren hiel­ten, wäh­rend die insti­tu­tio­nel­le Dimen­si­on der Kir­che heu­te durch ein hal­bes Jahr­hun­dert Anti-Juri­sti­zis­mus getrübt ist. So wer­den dem „fal­schen“ Papst Ber­go­glio alle Feh­ler und dem tra­di­ti­ons­treu­en Bischof, der sich ihm wider­setzt, alle Tugen­den zuge­schrie­ben und jedes sei­ner Wor­te und jedes Ver­hal­ten mit Unfehl­bar­keit aufgeladen. 

Der Hin­weis auf den Casus Msgr. Viganò ist offen­sicht­lich, auch wenn ich, um jedes Miß­ver­ständ­nis aus­zu­räu­men, kei­nes­wegs behaup­te, daß sich der ita­lie­ni­sche Erz­bi­schof als Gegen­papst betrach­tet. Ich schät­ze sei­ne Treue zur wah­ren Leh­re und freue mich, daß er nie behaup­tet hat, die apo­sto­li­sche Nach­fol­ge sei unter­bro­chen. Viel­mehr befürch­te ich, daß eini­ge sei­ner fana­tisch­sten Anhän­ger ihn in den Abgrund trei­ben könn­ten, und das hat mich ver­an­laßt, mit zwei Arti­keln in der Cor­ris­pon­den­za Roma­na vom 21. (hier) und vom 23. Juni 2021 (hier) ein­zu­grei­fen. Die Arti­kel haben bei eini­gen Zustim­mung gefun­den, bei ande­ren Wut und bei wie­der ande­ren Rat­lo­sig­keit aus­ge­löst. Und es sind vor allem die Rat­lo­sen, an die ich mich jetzt wende.

Vom Stand­punkt der Dok­trin aus bin ich besorgt über ein gewis­ses, von Msgr. Viganò ver­wen­de­tes Ver­schwö­rungs­den­ken, um eine Erzäh­lung ohne ratio­na­le Grund­la­ge durch­zu­set­zen, ähn­lich wie jene, die sich angeb­li­cher Pri­va­tof­fen­ba­run­gen bedie­nen, um ihre Gesprächs­part­ner zum Schwei­gen zu brin­gen. Das Ver­schwö­rungs­den­ken hat nichts mit dem ernst­haf­ten und quel­len­ge­stütz­ten Stu­di­um der Geheim­ge­sell­schaf­ten zu tun. Es ist viel­mehr ein blin­des Fest­hal­ten an der Ideo­lo­gie der „per­ma­nen­ten Ver­schwö­rung“, für die, wie zu Recht ange­merkt wur­de, „jene, wel­che die Theo­rie der Ver­schwö­rung nicht tei­len, selbst Teil der Ver­schwö­rung sind oder im Sold jener ste­hen, die sie anzet­teln; wäh­rend die­je­ni­gen, die die Ver­schwö­rung anpran­gern, als Pro­phe­ten ange­se­hen wer­den, auf die man sich ver­las­sen kann, um aus ihr her­aus­zu­kom­men“.

In die­sem kon­spi­ra­ti­ven Rah­men ver­su­chen eini­ge, Msgr. Viganò zu einer „No-Vax-Reli­gi­on“ [Anti-Impf-Reli­gi­on] zu drän­gen, die bestimm­te legi­ti­me Kri­tik­punk­te, die an der welt­wei­ten Impf­kam­pa­gne geübt wer­den kön­nen, in Dog­men ver­wan­delt. Für jeden, der den No-Vax-Glau­ben ablehnt, steht die Exkom­mu­ni­ka­ti­on bereit.

Noch gra­vie­ren­der ist der Anspruch, Msgr. Viganò eine Heils­mis­si­on inner­halb der Kir­che zuzu­spre­chen, die in Wirk­lich­keit nur durch ihren Grün­der Jesus Chri­stus geret­tet wer­den kann. Msgr. Mar­cel Lef­eb­v­re, mit dem eini­ge Msgr. Viganò ver­glei­chen wol­len, blieb der Tra­di­ti­on in einer stür­mi­schen Zeit treu, aber er war nie Ver­fas­ser von Pro­kla­ma­tio­nen an Staats­ober­häup­ter, Bischö­fe oder ein­fa­che Gläu­bi­ge, noch hat er gegen­über Paul VI. Aus­drücke der Ver­ach­tung geäu­ßert, wie Msgr. Viganò sie gegen­über Papst Fran­zis­kus gebraucht.

Aus die­sem Grund schien ich eine Diver­genz zwi­schen der Spra­che und dem Inhalt des Msgr. Viganò erster Art (2018/2019) aus­zu­ma­chen, den ich ken­nen­ge­lernt und geschätzt habe, und dem beun­ru­hi­gen­den Msgr. Viganò zwei­ter Art (2020/2021). Man­che sehen in die­ser Ver­än­de­rung eine „Rei­fung“ sei­ner Posi­tio­nen. Ich hin­ge­gen hege den Ver­dacht, daß es das Ergeb­nis einer gewis­sen Mani­pu­la­ti­on sein könn­te. Wir wis­sen wenig oder nichts über die aktu­el­len Mit­ar­bei­ter von Msgr. Viganò, weil der Erz­bi­schof an einem unbe­kann­ten Ort lebt und fast nie in der Öffent­lich­keit auf­tritt. Wir glau­ben jedoch, in Cesa­re Baro­nio ali­as Pie­tro Sif­fi, Autor des Blogs Oppor­tu­ne e impor­tu­ne, sei­nen wich­tig­sten „Ghost­wri­ter“ iden­ti­fi­ziert zu haben. Ich habe nichts Per­sön­li­ches gegen Pie­tro Sif­fi, ich habe kein Detail sei­nes Lebens preis­ge­ge­ben, das nicht doku­men­tiert wer­den könn­te, noch habe ich mora­li­sche Urtei­le über sei­ne per­sön­li­chen Ange­le­gen­hei­ten geäu­ßert. Ich habe mich dar­auf beschränkt, mich über die Zusam­men­ar­beit von Msgr. Viganò mit die­sem umstrit­te­nen Cha­rak­ter zu wun­dern, der außer­halb Ita­li­ens unbe­kannt, aber in tra­di­tio­na­li­sti­schen Krei­sen Ita­li­ens bekann­ter ist, als es scheint.

Bischof Viganò wird von der tra­di­tio­nel­len Welt applau­diert, wenn er Papst Fran­zis­kus beschul­digt, von einem „magi­schen Kreis“ von „Per­ver­sen“ umge­ben zu sein, wie er es in der Erklä­rung an die Zei­tung La Veri­tà vom 3. Novem­ber 2020 und in unzäh­li­gen ande­ren Schrif­ten getan hat. Wenn jemand aber respekt­voll Msgr. Viganò auf­merk­sam macht, daß er sich von Cha­rak­te­ren distan­zie­ren soll­te, die ihn umge­ben, die der Gay-friend­ly-Welt ver­bun­den sind, macht er sich des Cri­men lae­sae maie­sta­tis schul­dig. Hier zeigt sich, ich sage nicht eine böse Absicht, aber zumin­dest ein schlech­ter Gebrauch der Ver­nunft durch eini­ge mei­ner Kritiker.

Wie bereits geschrie­ben, hät­ten wir nie einen Fall dar­aus gemacht, wenn nicht so vie­le gute Tra­di­tio­na­li­sten die Erklä­run­gen, nicht von Msgr. Viganò, son­dern sei­nes „Dop­pel­gän­gers“, wie ein Qua­si-Lehr­amt prä­sen­tie­ren wür­den. Unse­re Beden­ken sind nicht über­trie­ben. „Wenn wir uns nicht sor­gen um ein Gewand, des­sen Naht auf­geht, wird es sich am Ende über­all auf­lö­sen; wenn sich nie­mand Gedan­ken macht, weil eini­ge Dach­zie­gel her­un­ter­ge­fal­len sind, wird am Ende das gan­ze Haus ein­stür­zen“ (Johan­nes Chryso­sto­mus, Home­lie zum ersten Brief an die Korin­ther, 8,4).

Auf unse­re Bit­te um Klar­stel­lung hat Msgr. Viganò nach einer Woche noch nicht geant­wor­tet. Dafür wur­den wir von zahl­rei­chen Blogs, die sein Den­ken ver­brei­ten, hart ange­grif­fen. Die Hef­tig­keit die­ser Reak­tio­nen bestä­tigt, wie not­wen­dig unse­re Inter­ven­ti­on war. Ich bezie­he mich nicht auf jene, die zu Ver­leum­dun­gen und Belei­di­gun­gen gegrif­fen haben, die ob ihrer Absur­di­tät kei­ne Beach­tung ver­die­nen, son­dern auf jene, die den Ver­dacht geweckt haben, daß ich ein ver­steck­tes Inter­es­se an die­ser Kon­tro­ver­se haben könn­te. Heu­te ist die rela­ti­vi­sti­sche Men­ta­li­tät so weit ver­brei­tet, daß man sich offen­bar nicht mehr vor­stel­len kann, daß es jeman­den geben könn­te, der aus rei­ner Lie­be zur Wahr­heit kämpft. Die­je­ni­gen, die glau­ben, daß jede Hand­lung durch nied­ri­ge Gefüh­le und dunk­le Inter­es­sen erklärt wer­den muß, sind offen­sicht­lich dar­an gewöhnt, so zu han­deln und ver­ste­hen das Des­in­ter­es­se erha­be­ne­rer See­len, als es die ihren sind, nicht. Des­halb sagt der hei­li­ge Gre­gor von Nazi­anz: „Jene beur­tei­len Sen­si­bi­li­tät und Ver­hal­ten ande­rer in der Regel auf­grund ihrer eige­nen Art, zu han­deln und zu füh­len“ (Ser­mo apo­lo­ge­ti­cus de fuga, hier zitiert nach: Fuga e auto­bio­gra­fia, Città Nuo­va, Rom 1987, S. 33).

Schließ­lich gibt es jene, die mir vor­wer­fen, die tra­di­tio­nel­le Welt spal­ten zu wol­len. Das sind die­sel­ben Vor­wür­fe, die wäh­rend des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils gegen die Kon­zils­vä­ter des Coe­tus inter­na­tio­na­lis erho­ben wur­den von gewis­sen kon­ser­va­ti­ven Bischö­fen, die die Ein­heit der Kir­che über die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums stell­ten, selbst dann noch, als der sicht­ba­re Kör­per der Kir­che objek­tiv bereits zer­trüm­mert war.

In Ita­li­en wird der 700. Todes­tag von Dan­te Ali­ghie­ri (1265–1321) began­gen. Der gro­ße Dich­ter, der per­sön­lich an den poli­ti­schen und reli­giö­sen Kämp­fen sei­ner Zeit teil­nahm, heg­te eine star­ke Ver­ach­tung für die Schüch­ter­nen und Klein­mü­ti­gen. „Die trau­ri­gen See­len derer / die ohne Schan­de und ohne Lob leb­ten“ (Höl­le III, 36), sind die erste Grup­pe von Gei­stern, die er trifft, sobald er die Schwel­le zur Höl­le über­schrei­tet. Sie sind ein­ge­mengt in den schlech­ten Chor „der Engel, die weder rebel­lisch noch Gott treu waren“. Das ist die „drit­te Par­tei“ derer, die ihre Feig­heit „Beson­nen­heit“ nen­nen und sich immer in den gro­ßen Lehr­kon­flik­ten der Geschich­te einer Par­tei­nah­me enthalten.

Inne­re Kämp­fe und Spal­tun­gen haben die Geschich­te der Kir­che stän­dig beglei­tet. War­um läßt Gott sie zu? Der hei­li­ge Pau­lus schreibt im Ersten Brief an die Korin­ther: „Denn es muß Par­tei­un­gen geben unter euch; nur so wird sicht­bar, wer unter euch treu und zuver­läs­sig ist“ (1 Kor 11,19). Spal­tun­gen, wie der hei­li­ge Vin­zenz von Lérins erklärt (Com­mo­ni­to­ri­um, XIX, 1), sind von der gött­li­chen Vor­se­hung erlaubt, denn: „Der Herr, euer Gott, stellt euch auf die Pro­be, um zu wis­sen, ob ihr Ihn von gan­zem Her­zen und mit gan­zer See­le liebt“ (Deu­te­ro­no­mi­um 13,3). In der Tat, „der wah­re und ech­te Katho­lik ist jener, der die Wahr­heit Got­tes und die Kir­che, den Leib Chri­sti, liebt, der nichts der gött­li­chen Reli­gi­on und dem katho­li­schen Glau­ben vor­zieht, weder die Auto­ri­tät eines Men­schen noch die Lie­be noch die Bega­bung noch die Bered­sam­keit noch die Phi­lo­so­phie“ (Com­mo­ni­to­ri­um, XX, 1).

Schließ­lich wird mir vor­ge­wor­fen, eine Kon­tro­ver­se ad per­so­nam zu füh­ren, aber es ist ein typisch libe­ra­ler Irr­tum, sich dem kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Kampf zu stel­len, indem man von denen abstra­hiert, die die Ideen, die wir bekämp­fen, för­dern und ver­tei­di­gen. Die mei­sten Wer­ke des hei­li­gen Augu­sti­nus waren eine per­sön­li­che und zugleich dok­tri­nä­re Kon­tro­ver­se, wie die Titel vie­ler sei­ner Wer­ke bezeu­gen: Con­tra For­tu­na­tum; Adver­sus Ada­man­ti­um; Con­tra Feli­cem; Con­tra Secun­dinum; Quis fue­rit Peti­lia­nus; De gestis Pela­gii; Con­tra Julia­num (Don Felix Sar­da y Sal­va­ny, Le libé­ra­lis­me est un péché, Edi­ti­ons de la Nou­vel­le Auro­re, Paris 1915, S. 116).

Des­halb wer­de ich wei­ter­hin loy­al und unei­gen­nüt­zig für die Wahr­heit kämp­fen, ohne vor per­sön­li­chen Kon­tro­ver­sen zurück­zu­scheu­en. Ein gro­ßer kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­rer Histo­ri­ker wie Jac­ques Cré­ti­ne­au-Joly (1803–1875) erin­nert uns dar­an, daß „die Wahr­heit die ein­zi­ge Wohl­tat ist, die der Geschich­te erlaubt ist“.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017 und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

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Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana


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4 Kommentare

  1. Ich bin mein eige­ner Doppelgänger.
    Wie bin ich dazu gewor­den? Durch das Reden, Tun und Unter­las­sen, durch die Ver­än­de­rung anderer.

    Män­ner und Frau­en, die Macht haben, weil sie ein Amt beklei­den, dann aber durch ihr Reden und/oder Han­deln ande­ren, zu deren Wohl sie in das Amt berufen/gewählt wur­den, gro­ßen Scha­den zufü­gen und ein Ver­hal­ten zei­gen, das nicht nur ihres Amtes nicht wür­dig ist, son­dern, dass selbst vom ein­fa­chen Bür­ger nicht tole­riert wer­den kann, dann gehe ich abge­stuft vor.
    Ich spre­che per mail freund­lich dage­gen, ich besu­che deren öffent­li­che Auf­trit­te und spre­che sie per­sön­lich freund­lich an. Geht das schä­di­gen­de Ver­hal­ten, gehen schä­di­gen­de Ent­schei­dun­gen wei­ter, gehen ich mit Gleich­ge­sinn­ten dage­gen an mit Peti­tio­nen, freund­li­chen, fried­li­chen Demon­stra­tio­nen und schrei­be Kom­men­ta­re in den Medi­en, um ande­re auf­merk­sam zu machen.

    Wird der Scha­den grö­ßer oder mehr, schrei­be ich deut­li­che­re Kom­men­ta­re, nicht mehr ganz so diplo­ma­tisch. Jetzt spre­che ich nicht nur gegen das Schä­di­gen­de, son­dern auch gegen das Unter­las­se­ne, das Schweigen. 

    „Die­je­ni­gen, die glau­ben, daß jede Hand­lung durch nied­ri­ge Gefüh­le und dunk­le Inter­es­sen erklärt wer­den muß, sind offen­sicht­lich dar­an gewöhnt, so zu han­deln und ver­ste­hen das Des­in­ter­es­se erha­be­ne­rer See­len, als es die ihren sind, nicht.“

    Bit­te lesen Sie Ihren Satz noch ein­mal, hal­ten Sie ihn nicht auch für „schwarz-weiß“, belei­di­gend und arrogant?

    Und spä­te­stens jetzt bin ich mein eige­ner Dop­pel­gän­ger, der jetzt anders schreibt.

  2. Sehr geehr­ter, geschätz­ter Prof. Rober­to de Mattei,
    in die­sem Bei­trag legen Sie Ihre Beweg­grün­de für die Angrif­fe gegen Erz­bi­schof Viga­no dar – so jeden­falls der Unter­ti­tel des Arti­kels. Nach mei­ner Ein­schät­zung zei­gen Sie rich­tig wich­ti­ge und rich­ti­ge Par­al­le­len auf zwi­schen der herr­schen­den Ver­wir­rung in der Welt, der „Ver­fin­ste­rung der Wahr­heit, die auf das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil […] zurück­geht“ und der Suche der Men­schen nach Halt und einer Füh­rungs­per­son auf. Auch die ange­spro­che­ne psy­cho­lo­gi­sche Kom­po­nen­te, dass die Wahr­heit dann oft durch die eige­ne Mei­nung ersetzt und per­so­na­li­siert wird, ist sicher­lich rich­tig. Aus­drück­lich bedan­ken möch­te ich mich für Ihre Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen geschicht­lich gesi­cher­ten Geheim­ge­sell­schaf­ten und Ver­si­che­rungs­theo­rien – nicht alles, was wir nicht ver­ste­hen, ist Ursa­che einer Verschwörung!
    Soweit ich mich erin­ne­re, war der Aus­gangs­punkt der Mei­nungs­ver­schie­den­heit zwi­schen Ihnen und Erz­bi­schof Viga­no eine unter­schied­li­che Ein­schät­zung der Gefähr­lich­keit des SARS-Cov‑2 Virus und der all­ge­mein emp­foh­le­nen Schutz­imp­fung. Lei­der habe ich weder von Ihnen noch von Erz­bi­schof Viga­no detail­lier­te Aus­füh­run­gen zu die­sem The­ma gele­sen, die sich wis­sen­schaft­lich oder mathe­ma­tisch mit die­sen Fra­gen beschäf­ti­gen – viel­leicht ein Ver­säum­nis mei­ner­seits. Mög­li­cher­wei­se wür­de es hel­fen, die Zah­len der „an oder mit“ COVID-19 Ver­stor­be­nen, die Ver­tei­lung der Zah­len auf ver­schie­de­ne Alters­grup­pen und auch die „an oder mit“ der Imp­fung Ver­schie­de­nen gegen­über­zu­stel­len, um die bei­den Stand­punk­te zu unter­mau­ern. Der der­zeit in der Öffent­lich­keit geführ­te ideo­lo­gi­sche Schlag­ab­tausch ist nicht hilf­reich und er ver­tieft nur Bruch­li­ni­en, die sich der­zeit durch die Gesell­schaft, durch Fami­li­en und nun lei­der auch durch die Grup­pe der tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken ziehen.
    Lei­der muss ich auch fest­stel­len, dass Sie genau den Feh­ler machen, den Sie dem „Nor­mal­bür­ger“ vor­wer­fen, auch wenn Sie das am Ende Ihres Arti­kels bestrei­ten: Ja, Sie per­so­na­li­sie­ren die gegen­tei­li­ge Ansicht in Erz­bi­schof Viga­no und füh­ren die Dis­kus­si­on ad per­so­nam! Sie schwä­chen es sofort wie­der ab, den­noch beschul­di­gen Sie ihn ein „Gegen­papst“ und ein Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker zu sein; auch soll er einen Ghost­wri­ter haben, der mit der LGBT-Welt ver­bun­den sei.
    Was soll das, sehr geehr­ter Pro­fes­sor de Mattei? Den Anders­den­ken­den per­sön­lich anzu­grei­fen und ihm dis­kre­di­tie­ren­de Din­ge zu unter­stel­len, anstatt sich einer fak­ten­ba­sier­ten Dis­kus­si­on zu stel­len, ist die Stra­te­gie der Main­stream Pro­pa­gan­da, aber Ihrer nicht wür­dig! Bit­te sagen Sie uns, wie begrün­den Sie die der­zeit statt­fin­den­de Ent­wick­lung, in der sich nahe­zu alle Regie­run­gen der Welt der von der WHO ver­öf­fent­lich­ten Ansicht anschlie­ßen – auch wenn die­se weder durch belast­ba­re Zah­len belegt noch frei von Wider­sprü­chen ist?
    Wei­te­re Anmer­kun­gen möch­te ich wegen der gebo­te­nen Kür­ze nur strei­fen, z.B., dass mei­ne Erfah­rung genau umge­kehrt zu Ihrer zu sein scheint: Gera­de in der Grup­pe der Impf­an­hän­ger hat sich eine wah­re Staats­re­li­gi­on mani­fe­stiert; die Coro­na-Dog­men dür­fen nicht in Fra­ge gestellt wer­den, die Imp­fung wird zur Tau­fe erho­ben, denn nur Geimpf­ten wer­den die Bür­ger­rech­te wie­der voll zuer­kannt, nicht Geimpf­te wer­den „exkom­mu­ni­ziert“. Ich erlau­be mir auch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es deut­li­cher Wor­te bedarf um die der­zei­ti­gen Misstän­de in Kir­che, Poli­tik und Gesell­schaft dar­zu­stel­len. Mund­tote (oder mund­tot gemach­te?) Hir­ten wie Kar­di­nal Bur­ke oder Bischof Atha­na­sisus Schnei­der haben den Ernst der Lage sicher erkannt, sie hel­fen aber nie­man­dem, wenn sie ihr Amt nur im Stil­len ausführen!
    Noch ein Gedan­ke zum Schluss: Ver­schwö­run­gen sind nicht erst dann Ver­schwö­run­gen, wenn sie histo­risch belegt sind, sie sind es schon dann, wenn sie statt­fin­den. Die Stra­te­gie der Ablen­kung, berech­tig­te Befürch­tun­gen lächer­lich zu machen und sie mit Theo­rien wie „aus Flug­zeu­gen ver­sprüh­ten psy­cho­lo­gi­schen Kampf­stof­fen“ und „Schutz durch Tra­gen von Alu­mi­ni­um­hü­ten“ auf eine Stu­fe zu stel­len, passt ganz genau in die bekann­ten Muster der – eben­falls welt­wei­ten – Medi­en­pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie. Das soll­ten wir bei aller gebo­te­nen Skep­sis nicht vergessen.

  3. Kann nur den Kopf schüt­teln. Aber es wur­de ja pro­phe­zeit — es kommt gro­ße Verwirrung.

  4. Wenn es nicht Prof. Mattei wäre, der die­sen Arti­kel schreibt, wür­de ich dar­über lachen!
    Ich bin unter den, ver­deckt frei­mau­re­ri­schen, sprich sich Huma­ni­sten nen­nen­den Teu­feln auf­ge­wach­sen, und wur­de durch den drei­ei­n­i­gen Gott, den Vater JHWH, den Sohn Jesus Chri­stus und den hei­li­gen Geist vor ihnen gerettet.
    Eigent­lich komisch, wie infle­xi­bel die Teu­fel doch sind, und wie sie auch in weit über einem hal­ben Jahrhun­tert immer noch die glei­chen Lügen­ma­schen verwenden.
    Behaup­ten, dass jeder, der der irgend­wo etwas böses sieht, ja nur so denkt, weil er sel­ber sol­che Bos­heit in in sich hat.
    Völ­lig gleich­gül­tig, wie gut begrün­det es ist. Und frei­lich, wenn sie noch so schlau sind, nicht im glei­chen Text sel­ber in Hass­ti­ra­den über ihre Geg­ner aus­zu­bre­chen, so kommt die böse Unter­stel­lung garan­tiert in den nächsten.
    Zwei­tens: Inte­lek­tu­ell tun, und hoch­tra­ben­de Begrif­fe für ein­fa­che, archai­sche, sprich bibli­sche Bil­der ver­wen­den, und behaup­ten, dass die­se archai­schen, kämp­fe­ri­schen Bil­der lächer­lich sind, etwas für schlich­te, ein­fa­che Gemüter.
    Und ein paar Nebel­ker­zen in bestimm­te Rich­tun­gen los­las­sen, ohne sie genau­er zu begrün­den, was aber nütz­lich ist, um die nicht wohl geson­ne­nen Leser abzu­len­ken und zu verwirren.
    Und, nach­dem man ein Feld mit inte­lek­tu­ell klin­gen­den Nebel­ker­zen, sprich Wort und Text­hül­sen ein­ge­hüllt hat (der gan­ze Text ist damit gespickt, aber hier ein Bei­spiel): „Wenn wir uns nicht sor­gen um ein Gewand, des­sen Naht auf­geht, wird es sich am Ende über­all auf­lö­sen; wenn sich nie­mand Gedan­ken macht, weil eini­ge Dach­zie­gel her­un­ter­ge­fal­len sind, wird am Ende das gan­ze Haus ein­stür­zen“ (Johan­nes Chryso­sto­mus, Home­lie zum ersten Brief an die Korin­ther, 8,4).
    fängt man an den Geg­ner zu dif­fa­mie­ren, indem man ihm alles, was man sel­ber gera­de tut, unter­stellt zu tun.

    Aber Herr Mattei, ange­sichts der Viel­falt der Kri­tik an den Wuhan­vi­rus­maß­nah­men, den immer unver­blümt vor­lie­gen­den Zah­len und immer häu­fi­ger auf­tre­ten­den, bekann­ten Impf­ne­ben­wir­kun­gen, und ange­sichts der sich stän­dig erfül­len­den Pro­phe­zei­un­gen der Impf­geg­ner, wie z.B. dass sie gegen die Mutan­ten ja gar nicht hilft, soll­ten Sie wenig­stens so tun, als ob Sie an Fak­ten, und nicht an Ideo­lo­gie inter­es­siert wären.
    Auch ange­sichts des­sen, was Sie noch 2020 über Ber­go­glio und den syn­oda­len Weg von sich gege­ben haben, und ange­sichts sei­nes Chors, in den Sie sich jetzt lei­den­schaft­lich ein­rei­hen, wirkt ihr Schrei­ben für jeden Men­schen guten Wil­lens doch reich­lich lüg­ne­risch und lächer­lich, wenn nicht Sie das wären, wür­de ich sagen:
    Jun­ge, lass Dir was bes­se­res ein­fal­len, es sei denn Du baust dar­auf, dass man Dich als Hof­narr nicht ernst nimmt, und Dich des­we­gen gewäh­ren lässt, wo man ande­re nicht gewäh­ren las­sen würde

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