Fauxpas im Petersdom

Wie konnte das passieren?

Der Erste Organist des Petersdomes Josep Solé Coll am Spieltisch der Tamburini-Orgel.
Der Erste Organist des Petersdomes Josep Solé Coll am Spieltisch der Tamburini-Orgel.

(Rom) Die Lit­ur­gie der Oster­nacht zele­brier­te Papst Fran­zis­kus im Peters­dom am Kathe­dra-Altar in einem fak­tisch lee­ren Peters­dom. Nur weni­ge Kar­di­nä­le, Prä­la­ten, Ordens­leu­te und Vati­kan­mit­ar­bei­ter waren unter Ver­weis auf die angeb­li­che Coro­na-Pan­de­mie zuge­las­sen. Zum Aus­zug spiel­te die Orgel den Schluß­chor der Mat­thä­us-Pas­si­on von Johann Seba­sti­an Bach. Ein Fauxpas?

Das 1727 in der Tho­mas­kir­che zu Leip­zig urauf­ge­führ­te Ora­to­ri­um hat das Lei­den und Ster­ben Jesu Chri­sti zum The­ma. Den Kern bil­det das Evan­ge­li­um nach Mat­thä­us, das durch Pas­si­ons­cho­rä­le (Cho­ral im pro­te­stan­ti­schen Wort­sinn) und ver­ton­te erbau­li­che Tex­te ergänzt ist.

Die ora­to­ri­sche Pas­si­on Bachs endet mit dem frei­en Chor­ein­schub „Wir set­zen uns mit Trä­nen nie­der“. Deren Text lau­tet:

CHOR

Wir set­zen uns mit Trä­nen nie­der
Und rufen dir im Gra­be zu:
Ruhe sanf­te, sanf­te ruh!
Ruht, ihr aus­ge­so­gnen Glie­der!
Euer Grab und Lei­chen­stein
Soll dem ängst­li­chen Gewis­sen
Ein beque­mes Ruhe­kis­sen
Und der See­len Ruh­statt sein.
Höchst ver­gnügt schlum­mern da die Augen ein.

Wie die gesam­te Mat­thä­us-Pas­si­on bezieht sich auch er auf den Kar­frei­tag und ist durch die Dra­ma­tik von Lei­den und Tod Jesu Chri­sti bestimmt. Der Schluß­chor wird als Schlaf­lied bezeich­net, da er sich auf die Gra­bes­ru­he des Herrn bezieht, in der Er „hin­ab­ge­stie­gen in das Reich des Todes“ ist.

Die Oster­nacht steht dazu in dia­me­tra­lem Gegen­satz, denn sie gedenkt der Auf­er­ste­hung. „Am drit­ten Tage auf­er­stan­den von den Toten“, wie es im Apo­sto­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis heißt. Trau­er und Ver­zweif­lung des Kar­frei­tags wei­chen in der „Nacht der Näch­te“ der unaus­sprech­li­chen Freu­de. Denn Jesus Chri­stus hat in die­ser Nacht den Tod besiegt und überwunden.

Die­ser völ­li­ge Sze­nen­wech­sel erklingt auf unnach­ahm­li­che Wei­se im Exsul­tet der Oster­nacht, das mit fol­gen­den Wor­ten beginnt, sei­nen Höhe­punkt erreicht und auf das Licht der Oster­ker­ze bezo­gen ausklingt:

Froh­locket, ihr Chö­re der Engel,
froh­locket, ihr himm­li­schen Scha­ren,
las­set die Posau­ne erschal­len,
prei­set den Sie­ger, den erha­be­nen König!

O wahr­haft seli­ge Nacht,
die Him­mel und Erde ver­söhnt,
die Gott und Men­schen verbindet!

Sie leuch­te, bis der Mor­gen­stern erscheint,
jener wah­re Mor­gen­stern, der in Ewig­keit nicht unter­geht:
dein Sohn, unser Herr Jesus Chri­stus,
der von den Toten erstand,
der den Men­schen erstrahlt im öster­li­chen Licht;
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

In der Oster­nacht fin­det sich nichts mehr von den „Trä­nen“ der Kar­frei­tags­lit­ur­gie. Wie konn­te es also pas­sie­ren, daß der Orga­nist im Peters­dom zum Abschluß der Papst­mes­se eine völ­lig fal­sche Bot­schaft ver­kün­de­te und dem aus­zie­hen­den Papst und den Gläu­bi­gen in der Basi­li­ka und den Mil­lio­nen in aller Welt mit­gab? Die Bot­schaft der Welt, die im Tod das Ende sieht?

Ein Faux­pas? Nur ein Faux­pas? Nur ein Faux­pas von Josep Solé Coll, dem Orga­ni­sten der Julia­ni­schen Kapel­le („Cap­pel­la Giu­lia“), eines der bei­den Chö­re des Petersdomes?

Josep Solé Coll ist Erster Orga­nist des Peters­do­mes und der Päpst­li­chen Zele­bra­tio­nen. Seit dem 10. April ist er auch Orga­nist des Päpst­li­chen Cho­res der Six­ti­ni­schen Kapel­le. Auf sei­ner Inter­net­sei­te bestä­tigt er, was auf­merk­sa­me Ohren erkannt haben (an die­ser Stel­le sei einem auf­merk­sa­men Leser gedankt, der uns den Hin­weis übermittelte):

Johann S. Bach (1685–1750) — Mat­theus-Final
da „Bach Memen­to“ di Charles M. Widor (1844–1937)“

Wie kann bei einer Papst­mes­se ein sol­cher Faux­pas passieren?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: josepsolecoll.weebly.com (Screen­shot)

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2 Kommentare

  1. Wenn man sieht was die Kir­che des Kon­zils ange­rich­tet hat, ist die Mat­thä­us Pas­si­on der geeig­ne­te­re Text.
    Das Gan­ze zeigt aber auch, wie egal der Kir­che des neu­en Advents Lit­ur­gie und lit­ur­gi­sche Hand­lun­gen sind.
    Der mysti­sche Leib der Kir­che lebt in der klei­nen Her­de, die die Tra­di­ti­on unver­kürzt ver­kün­det und auch in der Mes­se aller Zei­ten fei­ert. Das „Kon­zilsrom“ ist ein Men­schen­werk, also vom Teufel.

  2. Ein Faux­pas? Der „Faux­pas“ drückt instink­tiv die kran­ke See­len­la­ge der Bür­ger u. Gläu­bi­gen, die vom Coro­na-Wahn befal­len, alle ande­ren gna­den­los ter­ro­ri­sie­ren, aus. Aber auch u. wohl mehr noch die See­len­la­ge der Men­schen, die zu den Ter­ro­ri­sier­ten gehö­ren. Die Kar­frei­tags­kla­gen klin­gen in die­sem Jahr lei­der wei­ter. Auch wenn hier u. da u. Gott sei Dank Oster­ju­bel durchbricht.
    Aber Got­tes­dien­ste sind nach wie vor beschränkt, alten Men­schen wird, trotz Imp­fun­gen, Nähe u. Zärt­lich­keit ver­wei­gert, wird Aus­ge­hen ver­wei­gert. Neu­ge­bo­re­ne wer­den in Kli­ni­ken von den Müt­tern fern­ge­hal­ten, auch ihnen wird Mut­ter­lie­be u. Zärt­lich­keit ver­wei­gert. Kin­der leben im Kon­takt-Lock­down, sind per­ma­nent häus­li­chen Gewalt­ex­zes­sen aus­ge­setzt, wer­den gren­zen­los gequält.
    Mög­li­cher­wei­se hör­te der Orga­nist eine Botschaft…?
    Noch eine Anmer­kung zu einem The­ma, das ich gera­de oben im Titel sehe: „…Homo-Ehe, Zöli­bat u. Frau­en­prie­ster­tum.“ Sie kön­nen bei­lei­be nicht die Zöli­bats­fra­ge mit der Homo-Ehe in einen Topf wer­fen. Wir hat­ten über 1100 Jah­re lang vie­le ver­hei­ra­te­te Prie­ster i. d. Kir­che, die im Sakra­ment der Ehe leb­ten u. Ehe u. Prie­ster­tum mit­ein­an­der ver­ban­den. Denen letzt­lich der Zöli­bat durch ver­schie­de­ne Päp­ste u. Bischö­fe, auch mit Gewalt, auf­ge­zwun­gen wur­de (in ver­schie­de­nen Quel­len der Kir­chen­ge­schich­te nach­zu­le­sen). Die Prie­ster der mit Rom unier­ten Ost­kir­chen sind zu 90% ver­hei­ra­tet. Unter ihnen gibt es vie­le tief­gläu­bi­ge Gottesmänner.
    Dr. Julia­na Bauer

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