„Die Mundkommunion steht im Evangelium. Dagegen kommt kein Bischof an“

Das Coronavirus, falsche Vorstellungen und der Fall Manfredonia

Die drei Kirchen beim Kapuzinerkloster von San Giovanni Rotondo. In der mittleren Kirche sprach der Erzbischof von Manfredonia seine "gefährlichen Überlegungen" aus.
Die drei Kirchen beim Kapuzinerkloster von San Giovanni Rotondo. In der mittleren Kirche sprach der Erzbischof von Manfredonia seine "gefährlichen Überlegungen" aus.

Wie­der­holt ver­su­chen Bischö­fe unter dem Vor­wand der Coro­na-Bekämp­fung die Mund­kom­mu­ni­on zu ver­bie­ten und aus­schließ­lich die Hand­kom­mu­ni­on zu erlau­ben. Dem ste­hen aller­dings ein­deu­ti­ge recht­li­che, lit­ur­gi­sche und theo­lo­gi­sche Hür­den ent­ge­gen, die jeden Ver­such die­ser Art zum Schei­tern verurteilen.

Recht­lich ist die Sach­la­ge klar: Die Mund­kom­mu­ni­on ist die ein­zi­ge voll­gül­ti­ge Form des Kom­mu­nion­emp­fangs, und das in der gesam­ten Welt­kir­che. Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil wur­de auf Drän­gen der Bischö­fe des deut­schen Sprach­raums den Bischofs­kon­fe­ren­zen die Mög­lich­keit ein­ge­räumt, wenn sie es für „oppor­tun“ hal­ten, zusätz­lich zur ordent­li­chen Form des Kom­mu­nion­emp­fangs noch eine außer­or­dent­li­che Form zuzu­las­sen, näm­lich die Hand­kom­mu­ni­on. Bei­de For­men sind, wo erlaubt, zwar glei­cher­ma­ßen zuge­las­sen, aber nicht gleich­wer­tig. Die ordent­li­che und eigent­li­che Form des Kom­mu­nion­emp­fangs ist und bleibt die Mund­kom­mu­ni­on. Dar­an ändert auch nichts, daß in man­chen Län­dern und Diö­ze­sen die­se Tat­sa­che syste­ma­tisch ver­schwie­gen und der Ein­druck erweckt wird, als sei die Hand­kom­mu­ni­on die heu­ti­ge Form des Kom­mu­nion­emp­fangs, die Mund­kom­mu­ni­on hin­ge­gen eine ver­al­te­te Form, die heu­te nicht mehr wirk­lich gel­te. Vor allem aber, so der erzeug­te Gesamt­ein­druck, müs­se man auf die­se „alte“ Form kei­ne Rück­sicht mehr neh­men. Dem ist aber nicht so. 

Ein Ver­bot der Mund­kom­mu­ni­on ist kir­chen­recht­lich undenk­bar, das der Hand­kom­mu­ni­on hin­ge­gen jeder­zeit, womit die Hier­ar­chie die­ser bei­den For­men ein­deu­tig defi­niert ist.

In Coro­na-Zei­ten wird auf den Schutz der Gesund­heit ver­wie­sen, um die Mund­kom­mu­ni­on zu unter­sa­gen. Das riecht nach einem Vor­wand und ist auch einer. Es ent­behrt jeder hygie­ni­schen oder medi­zi­ni­schen Logik. Ärz­te haben dar­auf ver­wie­sen, daß die Mund­kom­mu­ni­on im Zwei­fels­fall siche­re­rer ist als die Hand­kom­mu­ni­on (sie­he auch „Mund­kom­mu­ni­on garan­tiert am besten Gesund­heit und Hygie­ne“). Des­in­fi­ziert der Prie­ster vor der Kom­mu­ni­ons­pen­dung sei­ne Hän­de, ist jede Kon­ta­mi­na­ti­on aus­ge­schlos­sen, da die kon­se­krier­te Hostie nur durch sei­ne Hand geht. Bei der Hand­kom­mu­ni­on sind es hin­ge­gen vie­le Hände.

Zudem wur­de in den 14 Mona­ten der angeb­li­chen Coro­na-Pan­de­mie kein Fall einer Infek­ti­ons­über­tra­gung durch den Kom­mu­nion­emp­fang bekannt. In Öster­reich wur­de zwar vor kur­zem durch die Kro­nen­zei­tung ver­sucht, einen Zusam­men­hang zwi­schen Meß­be­such und Infek­ti­on zu kon­stru­ie­ren, doch erwie­sen sich bei­de Fäl­le bei nähe­rer Betrach­tung als unse­riö­ser Jour­na­lis­mus. In der Tat ist die Vor­stel­lung gro­tesk, daß der heil­brin­gen­de Leib Chri­sti Krank­heits­über­trä­ger sein könn­te. Die Bischö­fe im deut­schen Sprach­raum geben durch ihre Coro­na-Maß­nah­men, was die Real­prä­senz betrifft, kein gutes Vorbild.

Der Fall Manfredonia

Auch der Erz­bi­schof von Man­fre­do­nia-Vie­ste-San Gio­van­ni Roton­do, Msgr. Fran­co Mos­co­ne, Ordens­prie­ster des Somas­ker­or­dens, stell­te „gefähr­li­che Über­le­gun­gen“ an, so der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti. Die Erz­diö­ze­se umfaßt zwei histo­ri­sche Bis­tü­mer und gehört seit 1979 zur Kir­chen­pro­vinz Fog­gia. Sie behielt jedoch den Rang und die Wür­de eines Erz­bis­tums. Zu ihr gehö­ren das berühm­te Erz­engel-Micha­el-Hei­lig­tum Mon­te San­t’An­ge­lo und die Stadt San Gio­van­ni Roton­do, in wel­cher der stig­ma­ti­sier­te hei­li­ge Pater Pio von Piet­rel­ci­na 50 Jah­re sei­nes Lebens ver­brach­te und auch bestat­tet ist. Der Hei­li­ge ist seit 2002 einer der Patro­ne des Erzbistums. 

Msgr. Mos­co­ne wur­de 2018 von Papst Fran­zis­kus auf den Erz­bi­schofs­stuhl beru­fen. Er ist Jahr­gang 1957 und stammt aus der Stadt Alba in Pie­mont. Am ver­gan­ge­nen 3. Janu­ar äußer­te er wäh­rend einer Meß­ze­le­bra­ti­on eine grund­sätz­li­che Ableh­nung der Mund­kom­mu­ni­on, die er in die dra­sti­schen und vie­le Gläu­bi­ge ver­stö­ren­de Wor­te kleidete:

„Die Mund­kom­mu­ni­on ist ein Mißbrauch.“

Seit­her kommt die Dis­kus­si­on dar­über im Bis­tum nicht zur Ruhe. Die Aus­sa­ge zu ein­deu­tig, um miß­ver­stan­den zu wer­den oder dem Erz­bi­schof fälsch­lich Absich­ten zu unter­stel­len, die ihm fern­lie­gen. Laut Msgr. Mos­co­ne ist die Mund­kom­mu­ni­on grund­sätz­lich falsch, wes­halb sich sein Wider­spruch, wie er selbst gegen­über der Pres­se beton­te, nicht nur wegen des Coro­na­vi­rus ergibt.

Für sei­ne irri­tie­ren­de Aus­sa­ge wähl­te der Erz­bi­schof, was nicht min­der irri­tie­rend ist, die Kir­che San­ta Maria del­le Gra­zie in San Gio­van­ni Roton­do. Das ist die „mitt­le­re Kir­che“ des gro­ßen Kapu­zi­ner­kom­ple­xes, die in den spä­ten 50er Jah­ren an die klei­ne Klo­ster­kir­che des Kapu­zi­ner­kon­vents ange­baut und 1959 geweiht wur­de. Den vie­len Pil­gern, die zum Grab des hei­li­gen Pater Pio kom­men, wird eini­ges zuge­mu­tet. In der neu­en Kir­che, die 2004 geweiht wur­de und in deren Unter­kir­che sich das Grab befin­det, wird den Gläu­bi­gen das Knien aus­ge­trie­ben. Geht es nach dem Erz­bi­schof, soll ihnen nun auch die Mund­kom­mu­ni­on genom­men wer­den. Es läßt stau­nen, wie ein Bischof zur Ansicht gelan­gen kann, daß eine von der Kir­che stets geüb­te und nie auf­ge­ge­be­ne Pra­xis grund­sätz­lich falsch sein könnte.

Don Bux: „Die Mundkommunion ist im Evangelium belegt. Dagegen kommt kein Bischof an“

Don Nico­la Bux, inter­na­tio­nal renom­mier­ter Lit­ur­gi­ker, Freund von Bene­dikt XVI. und selbst gebür­ti­ger Apu­lier, nahm zur Aus­sa­ge des Erz­bi­schofs Stel­lung. Sei­ne Ant­wort rich­tet sich auch an die ande­ren Bischö­fe, die mit oder ohne Coro­na die Mund­kom­mu­ni­on ein­schrän­ken wol­len. In sei­ner Reak­ti­on ist der Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­ler nicht min­der ein­deu­tig als Msgr. Moscone:

„Der Bischof hat einen Feh­ler gemacht. Aus der Prü­fung des grie­chi­schen Evan­ge­li­en­tex­tes läßt sich über­haupt nicht ablei­ten, daß der Leib Chri­sti in die Hand gelegt wurde.“

Der Gebrauch einer Pate­ne ergä­be kei­nen Sinn, wenn die Hand­kom­mu­ni­on prak­ti­ziert wor­den wäre. „Allen­falls“, so Don Bux, könn­te anhand des Pur­pur­ko­dex von Rossa­no aus dem fünf­ten Jahr­hun­dert behaup­tet wer­den, Gläu­bi­ge der Anti­ke hät­ten die Hostie mit dem Mund von ihrer Hand­flä­che auf­ge­nom­men, „jedoch nie mit den Fin­gern der ande­ren Hand.“ Wahr­schein­li­cher ist, daß der Codex Pur­pu­re­us Ros­sa­nen­sis nur die weni­ge Jahr­zehn­te zuvor ergan­ge­ne Ein­la­dung des hei­li­gen Cyr­il­lus, Bischof von Jeru­sa­lem (348–386), wiedergibt. 

Die­ser for­der­te dazu auf, „die Hän­de zu einem Thron zu for­men, nicht, um die Kom­mu­ni­on auf die Hand zu emp­fan­gen, wie heu­te fälsch­lich behaup­tet wird, son­dern um die so geform­te Hand direkt unter den Mund zu hal­ten und damit beim Emp­fang des eucha­ri­sti­schen ‚Bis­sen‘ zu ver­hin­dern, daß die klein­ste Par­ti­kel verlorengeht.“

Die Auf­for­de­rung des hei­li­gen Cyr­il­lus war eine Vor­weg­nah­me der Pate­ne, aber kei­ne Handkommunion.

Erz­bi­schof Mos­co­ne ver­wies in sei­ner Pre­digt hin­ge­gen auf das „nehmt und eßt“, das er als Beleg für die Hand­kom­mu­ni­on aus­leg­te. Dazu Don Bux:

„Das Johan­nes­evan­ge­li­um besagt ein­deu­tig, daß Jesus beim Abend­mahl dem Judas einen ‚Bis­sen‘ gab und ein Bis­sen ist etwas, was man in den Mund gibt.“

Bereits im Mai 2020, als in ande­ren Diö­ze­sen unter Ver­weis auf das Coro­na­vi­rus gegen die Mund­kom­mu­ni­on vor­ge­gan­gen wur­de, sag­te Don Bux, daß im Johan­nes­evan­ge­li­um von einem ein­ge­tauch­ten Bis­sen die Rede ist (vgl. Joh 13, 26–27). In der deut­schen Ein­heits­über­set­zung heißt es:

„Jesus ant­wor­te­te: Der ist es, dem ich den Bis­sen Brot, den ich ein­tau­che, geben wer­de. Dann tauch­te er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.“

Don Bux dazu:

„Die­se Form ist unter den Ori­en­ta­len und in der Ost­kir­che noch heu­te bei der Kom­mu­ni­ons­pen­dung üblich. Ein Bis­sen ein­ge­tauch­tes Brot kann nicht auf die Hand gege­ben wer­den, son­dern nur in den Mund.“

Das heu­te in den volks­sprach­li­chen Über­set­zun­gen des Mis­sa­le Roma­num für die Wand­lungs­wor­te gebrauch­te „nehmt“, gibt im Grie­chi­schen und im Latei­ni­schen das Wort λάβετε/acci­pi­te wie­der, das aber nicht refle­xiv im Sin­ne von „sich neh­men“, son­dern „emp­fan­gen“ im Sin­ne von „auf­neh­men“ und „ein­neh­men“ bedeutet.

„Der Bischof macht einen kla­ren Feh­ler, wenn er glaubt, daß ’neh­men‘ mit den Hän­den neh­men bedeu­tet. Nein, die Hostie wird ‚emp­fan­gen‘, im kon­kre­ten Fall mit dem Mund. Ich den­ke an die Reak­ti­on des hei­li­gen Pater Pio, wenn er einen Bischof so spre­chen gehört hätte!“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons


Lese­emp­feh­lung zum The­ma:
P. Mar­tin Lug­mayr FSSP: Hand­kom­mu­ni­on: Eine histo­risch-dog­ma­ti­sche Unter­su­chung, mit einem Vor­wort von Prof. Robert Spa­e­mann, 2. Aufl., Domi­nus-Ver­lag, Augs­burg 2020.

Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der OCR: Cor­pus Chri­sti. Gedan­ken über die hei­li­ge Kom­mu­ni­on und die Erneue­rung der Kir­che, mit einem Vor­wort von Ray­mond Leo Kar­di­nal Bur­ke, 2. Aufl., Domi­nus-Ver­lag, Augs­burg 2014.

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6 Kommentare

  1. Im Johan­nes­evan­ge­li­um ist, im Gegen­satz zu den Syn­op­ti­kern, nicht von der Ein­set­zung der Eucha­ri­stie die Rede, son­dern von einem Abschieds­mahl, den die Fuß­wa­schung vor­aus­geht. Das Johan­nes­evan­ge­li­um kennt kei­ne Ein­set­zung der Eucha­ri­stie; statt­des­sen fin­det sich dort die „eucha­ri­sti­sche Brot­re­de im 6. Kapitel.

    • Tja, wenn man die Din­ge aus­ein­an­der­di­vi­die­ren will, dann hat nichts mit nichts zu tun, da erle­ben wir ja gera­de auch bei Coro­na. Auch von dort wis­sen wir aber, dass in Wirk­lich­keit alles mit allem zu tun hat:
      Selbst ange­nom­men es gin­ge im Johan­nes­evan­ge­li­um nicht um die Ein­set­zung der Eucha­ri­stie, ändert das nichts dar­an, daß dezi­diert genau das Mahl geschil­dert wird. Wor­aus soll­te also, logisch gedacht, fol­gern, dass das Letz­te Abend­mahl der Syn­op­ti­ker anders ver­lau­fen wäre als das von Johan­nes geschil­der­te Mahl? Es geht um die Rei­chung von „Brot“ und „Wein“. Genau das wird bei Johan­nes, nicht bei den Syn­op­ti­kern, beschrie­ben. Die Schluss­fol­ge­rung dar­aus ist ein­deu­tig. Und sie wird bestä­tigt durch die Kom­mu­ni­ons­pen­dung wie sie in der Kir­che im Osten direkt und im Westen indi­rekt prak­ti­ziert wird. Im Osten direkt, wie von Johan­nes berich­tet, im Westen indi­rekt durch die Tren­nung der bei­den Gestal­ten, indem nur der Leib Chri­sti gereicht wird.
      Don Bux ist mit sei­ner Dar­stel­lung ein genia­ler Wurf gelun­gen, weil er uns ein­sei­tig ver­zo­ge­ne West­ler wie­der in den Kon­text der Evan­ge­li­en, der frü­hen Kir­che und der Lit­ur­gie­ge­schich­te zurück­holt. Das ist ein Aha-Erleb­nis. Bravo!

  2. Das scheint ja wirk­lich eines Ihrer Haupt­pro­ble­me zu sein: die Mund­kom­mu­ni­on bzw. Hand­kom­mu­ni­on. Und ver­zei­hen Sie, aber aus den Evan­ge­li­en lässt sich erste­re nicht ablei­ten. In den 3 syn­op­ti­schen und zudem älte­sten Evan­ge­li­en, denen nach Mat­thä­us: 26,26–29, nach Mar­kus: 14,22–25, nach Lukas: 22, 17–20 heißt es bei der Beschrei­bung (hier ist Matth. zitiert):
    „Wäh­rend des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lob­preis; dann brach er das Brot, reich­te es ihnen und sag­te: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dank­ge­bet, reich­te ihn den Jün­gern und sie tran­ken alle dar­aus. Und er sag­te zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bun­des, das für vie­le ver­gos­sen wird. Amen, ich sage euch: Ich wer­de nicht mehr von der Frucht des Wein­stocks trin­ken bis zu dem Tag, an dem ich von neu­em davon trin­ke im Reich Gottes.“
    Es ist unum­strit­ten, dass Jesus den Ritus dem Schab­bat-Mahl, das in der jüdi­schen Fami­lie am Abend des Schab­bats gefei­ert wird, ent­nom­men hat, einem Mahl, das Jesus selbst wie jeder gläu­bi­ge Jude am Beginn des 7.Tags der Woche fei­er­te. Dort seg­net der Familienvater/Familienälteste Brot und Wein, preist Gott und reicht Brot und Wein den um den Tisch Ver­sam­mel­ten. Mit sei­nen Wor­ten, die auf sei­nen Tod hin­wei­sen, gab Jesus die­sem Ritus, einem schon im Juden­tum hei­li­gen Ritus, eine neue Bedeu­tung, einen neu­en Sinn und setz­te ihn als sein Gedächt­nis­mahl ein.
    Wenn Sie das Johan­nes­evan­ge­li­um, wel­ches das jüng­ste unter den vie­ren ist, anfüh­ren — war­um eigent­lich nur die­ses? -, so heißt es dort: „Der ist es, dem ich den Bis­sen Brot, den ich ein­tau­che, geben wer­de. Dann tauch­te er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iska­ri­ot“ (Joh.13,26). Die­sem Bericht geht kei­ne Seg­nung vor­aus, er ist auch völ­lig aus den Abend­mahl-bzw. den Ein­set­zungs-Wor­ten Jesu und dem Ritus her­aus­ge­nom­men. Auch bei Matth., Mk und Lk kommt die ent­spre­chen­de Vor­aus­sa­ge vor, jedoch „wäh­rend sie aßen“… „Jesus ant­wor­te­te: Der die Hand mit mir in die Schüs­sel ein­tunkt, wird mich aus­lie­fern“ (Mt 17,20, 23; Mk 14,20). Danach erst fol­gen Abend­mahl-Wor­te u. Ein­set­zungs­ri­tus, ohne Bezug zu den auf Judas gemünz­ten Wor­ten. (Bei Lukas folgt der Hin­weis auf Judas sogar erst nach den Ein­set­zungs­wor­ten, Lk 22,21).
    Wie kom­men Sie und auch der von ihnen zitier­te Prie­ster eigent­lich dazu, aus dem Johan­nes­evan­ge­li­um auf die „Mund­kom­mu­ni­on“ zu schlie­ßen? Aus einer Stel­le, an der über­haupt nicht von der Ein­set­zung des Gedächt­nis­mahls gespro­chen wird. Die „Mund­kom­mu­ni­on“ gibt es übri­gens nach meh­re­ren kir­chen­hi­sto­ri­schen Quel­len in eben die­ser aus­schließ­li­chen Form erst seit dem 9.Jh. Was auch Papa eme­ri­to Ratz­in­ger, der grund­sätz­lich ein Unter­stüt­zer der Mund­kom­mu­ni­on ist, bestä­tigt. Im übri­gen lässt er Bischö­fen und Pfar­rern sowie dem Lai­en-Gläu­bi­gen die freie Ent­schei­dung u. weist dar­auf hin, dass die Hän­de beim Emp­fang der Kom­mu­ni­on ein Kreuz bil­den („Gott ist uns nah – Eucha­ri­stie, Mit­te des Lebens“).
    Es wäre zudem drin­gend gebo­ten, sich ein­mal mit dem jüdi­schen Brauch­tum und Glau­ben aus­ein­an­der­zu­set­zen, um die Hand­lun­gen u. Wor­te Jesu bes­ser zu verstehen.
    Zu Ihrer per­ma­nen­ten Begrün­dung, die Mund­kom­mu­ni­on sei wür­di­ger, als die Hand­kom­mu­ni­on: das ist die gro­ße Fra­ge. Der Mund ist bei vie­len Leu­ten oft genug sün­dig. Man spricht nicht umsonst vom „bösen Maul“ oder einer „bösen Zun­ge“, die ein Mann oder eine Frau hat. Umge­kehrt wird mit den Hän­den, die nun mal eben­so von Gott geschaf­fen sind, auch viel Gutes getan: der Ehe­part­ner wird z.B. lieb­kost, Kin­der wer­den lie­be­voll ver­sorgt, kran­ke oder alte Men­schen gepflegt, har­te Arbeit zum Lebens­un­ter­halt aus­ge­führt… usw.
    Dr. Julia­na Bauer

    • Sehr geehr­te Frau Dr. Julia­na Bauer

      ich weiß nicht wie weit Ihre theo­lo­gi­schen Kennt­nis­se gehen. Möch­te es auch nicht wis­sen. Ich schrei­be es ganz kurz und knapp. Wir Katho­li­ken glau­ben dass in die­ser klei­nen kon­se­krier­ten Hostie der Herr selbst ist. In Fleisch und Blut. Und es geht um die Par­ti­kel die auf den Boden fal­len. Und wenn Par­ti­kel auf den Boden fal­len und wir drauf­tre­ten, dann tre­ten wir auf den Herrn. Mit unse­ren drecki­gen Schu­hen. Des­we­gen haben wir die Mund­kom­mu­ni­on und die Pate­ne die uns unter dem Mund gehal­ten wird, damit ja kei­ne Par­ti­kel auf den Boden fal­len. Des­halb ist die Mund­kom­mu­ni­on die ein­zi­ge wür­di­ge Form. Und natür­lich kniend noch dazu. Die Hand­kom­mu­ni­on ist eine Schandtat.Wir sind nicht wür­dig die Kom­mu­ni­on mit der Hand anzu­fas­sen. Nur der Prie­ster. Und nur weil Papa Eme­ri­tus etwas geschrie­ben hat, muss man es ja nicht gleich befol­gen. Got­tes Segen.

    • In der Tat ist das ein „Pro­blem“ wie ande­re Pro­ble­me auch. Und es ist ange­mes­sen hier nach dem Bei­spiel und Vor­bild des Herrn zu stre­ben. Zur Behaup­tung, das stim­me so nicht, weil die Syn­op­ti­ker es nicht bereich­ten und Johan­nes angeb­lich etwas ande­res, wie­der­ho­le ich mich gerne:

      Tja, wenn man die Din­ge aus­ein­an­der­di­vi­die­ren will, dann hat nichts mit nichts zu tun, da erle­ben wir ja gera­de auch bei Coro­na. Auch von dort wis­sen wir aber, dass in Wirk­lich­keit alles mit allem zu tun hat:
      Selbst ange­nom­men es gin­ge im Johan­nes­evan­ge­li­um nicht um die Ein­set­zung der Eucha­ri­stie, ändert das nichts dar­an, daß dezi­diert genau das Mahl geschil­dert wird. Wor­aus soll­te also, logisch gedacht, fol­gern, dass das Letz­te Abend­mahl der Syn­op­ti­ker anders ver­lau­fen wäre als das von Johan­nes geschil­der­te Mahl? Es geht um die Rei­chung von „Brot“ und „Wein“. Genau das wird bei Johan­nes, nicht bei den Syn­op­ti­kern, beschrie­ben. Die Schluss­fol­ge­rung dar­aus ist ein­deu­tig. Und sie wird bestä­tigt durch die Kom­mu­ni­ons­pen­dung wie sie in der Kir­che im Osten direkt und im Westen indi­rekt prak­ti­ziert wird. Im Osten direkt, wie von Johan­nes berich­tet, im Westen indi­rekt durch die Tren­nung der bei­den Gestal­ten, indem nur der Leib Chri­sti gereicht wird.
      Don Bux ist mit sei­ner Dar­stel­lung ein genia­ler Wurf gelun­gen, weil er uns ein­sei­tig ver­zo­ge­ne West­ler wie­der in den Kon­text der Evan­ge­li­en, der frü­hen Kir­che und der Lit­ur­gie­ge­schich­te zurück­holt. Das ist ein Aha-Erleb­nis. Bravo!

      Das „Pro­blem“ ist also mehr eine ver­zerr­te theo­lo­gi­sche Lehr­mei­nung, die an theo­lo­gi­schen Hoch­schu­len gelehrt wird und der durch Scha­blo­nen ele­men­ta­re Prin­zi­pi­en logi­schen Erken­nens ver­lo­ren­ge­gan­gen scheinen.
      Dank Don Bux ver­ste­he ich auch, war­um ich von sei­ner völ­lig ein­leuch­ten­den, kla­ren Erklä­rung bei uns bis­her nie etwas gehört habe. Das Pro­blem sind unse­re Theologen!

  3. Ihre wort­rei­chen Aus­füh­run­gen geben in der Tat wohl das gan­ze Argu­men­ta­ri­um der Befür­wor­ter der Hand­kom­mu­ni­on wie­der. Erwar­tungs­ge­mäss dann auch an Schluss die Poin­te mit dem sün­di­gen Mund…

    All das ist jedoch nicht ent­schei­dend: Die Mund­kom­mu­ni­on ist schlicht und ein­fach die logi­sche Kon­se­quenz der Leh­re von der Trans­sub­stan­tia­ti­on. Wer an die­se glaubt, weiss den gan­zen Chri­stus in jedem Par­ti­kel­chen — und ver­steht und will die Mund­kom­mu­ni­on. Wer nicht dar­an glaubt und das alles eher sym­bo­lisch auf­fasst, kann bei­des akzep­tie­ren, wird dann aber letzt­lich die Hand­kom­mu­ni­on vor­zie­hen und praktizieren.

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