Coronavirus: Was machen Südkorea, Taiwan und Singapur besser als China und Italien?

Stimmen die italienischen Totenzahlen? Viele Fragen und einige Antworten

Das Coronavirus – warum ist die Sterblichkeitsrate in Italien so hoch und in Südkorea so niedrig?
Das Coronavirus – warum ist die Sterblichkeitsrate in Italien so hoch und in Südkorea so niedrig?

(Rom) Das Coro­na­vi­rus brei­tet sich wei­ter aus, jeden­falls in Euro­pa und beson­ders in Ita­li­en. Auf vie­le Fra­gen gibt es noch kei­ne Ant­wor­ten, bei­spiels­wei­se auf die Fra­ge, war­um Ita­li­en am stärk­sten betrof­fen ist von allen Län­dern welt­weit. Umstrit­ten ist auch eine Rei­he von Gegen­maß­nah­men. Ein Ver­gleich mit ost­asia­ti­schen Län­dern (nicht nur Chi­na) lohnt, dazu noch die Auf­for­de­rung an die Ver­ant­wor­tungs­trä­ger, Ant­wor­ten zu geben.

Die Regie­rung in Rom hat Ita­li­en zum Sperr­ge­biet erklärt. Ein gan­zes Land wur­de unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Die Volks­re­pu­blik Chi­na, wo das Coro­no­vi­rus zum Aus­bruch gelang­te, dach­te nie an eine ver­gleich­ba­re Maß­nah­me. Wie das?

Die ita­lie­ni­schen Bischö­fe haben in allen Diö­ze­sen, ein­schließ­lich jener des Pap­stes, in Rom selbst, alle Mes­sen unter­sagt. Die­se und ande­re „Vor­sichts­maß­nah­men“ sto­ßen auf erheb­li­che Skep­sis.

Der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz wird Regie­rungs­hö­rig­keit vor­ge­wor­fen. Die Kir­che sei aber kein ver­län­ger­ter Arm des Staa­tes, son­dern ein in ihrem Bereich eigen­stän­di­ges und sou­ve­rä­nes Sub­jekt. Meh­re­re Prie­ster wand­ten sich an die Öffent­lich­keit, so Don Gabrie­le Man­gi­a­rot­ti, und for­dern wegen und gegen das Coro­na­vi­rus „mehr Mes­sen statt weni­ger“ . Ande­re wie das Insti­tut Mater Boni Con­si­lii ent­decken die Bedeu­tung der Sün­de im Zusam­men­hang mit kör­per­li­chen Krank­hei­ten wie­der.

Es tut sich also viel­leicht etwas an der geist­li­chen Front.

Schwer erklärliche Zahlen

Unbe­ant­wor­tet bleibt vor­erst, war­um die Zah­len von Erkrank­ten und Toten zwi­schen den Län­dern sol­che Unter­schie­de auf­wei­sen. In Ita­li­en wur­de gestern die Mar­ke von 10.000 posi­tiv gete­ste­ten Per­so­nen über­schrit­ten. Die Zahl der Toten steigt Rich­tung 700. Mehr als 1.000 Men­schen gel­ten als geheilt. Selbst die fünf­stel­li­ge Erkran­kungs­zif­fer bedeu­tet aber, daß kei­ne 0,02 Pro­zent der Bevöl­ke­rung betrof­fen sind. In der Lom­bar­dei, der am stärk­sten betrof­fe­nen Regi­on in Euro­pa, sind es auch nur 0,06 Pro­zent. In Codo­g­no, dem bis­her fest­ge­stell­ten Aus­gangs­punkt für die Epi­de­mie in Ita­li­en wur­de gestern erst­mals kei­ne Neu­erkran­kung gemel­det. Ein Hoff­nungs­schim­mer.

Fra­gen wirft ein inter­na­tio­na­ler Ver­gleich auf (die Zah­len bezie­hen sich alle auf gestern): Die Volks­re­pu­blik Chi­na ver­zeich­ne­te 80.757 Erkrank­te und 3.136 Tote. Die Mor­ta­li­täts­ra­te liegt damit bei 3,88 Pro­zent oder mehr als 38-mal höher als bei einer übli­chen Win­ter­grip­pe. Ein ähn­li­ches Ver­hält­nis weist auch der Iran auf mit 8.042 Kran­ken und 291 Toten (Sterb­lich­keits­ra­te: 3,61 Pro­zent). In Ita­li­en gab es gestern 10.149 Erkran­kun­gen, aber 631 Tote, was einer Sterb­lich­keits­ra­te von 6,21 Pro­zent ent­spricht. Das ist 61-mal höher als bei der übli­chen Win­ter­in­flu­en­za. Nun kom­men erst die ver­blüf­fend­sten Zah­len: Süd­ko­rea, das eini­ge Zeit die höch­ste Zahl an Erkran­kun­gen im Ver­gleich zur Bevöl­ke­rung auf­wies, zählt 7.513 Kran­ke und nur 54 Tote oder 0,72 Pro­zent. Das ent­spricht zwar immer noch dem Sie­ben­fa­chen einer Influ­en­za, liegt aber deut­lich unter den Wer­ten der vor­ge­nann­ten Län­der. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gab es bis gestern 1.467 Fäl­le und nur zwei Tote (das sind 0,14 Pro­zent, also der Anteil einer nor­ma­len Grip­pe­wel­le).

War­um die­se Unter­schie­de?

Die ergrif­fe­nen Maß­nah­men wer­den sich von Land zu Land bis zu einem bestimm­ten Punkt unter­schei­den. Sie kön­nen die mas­si­ven Unter­schie­de aber nicht erklä­ren. In den mei­sten Fäl­len ist das Coro­na­vi­rus – wie ein Grip­pe­vi­rus – eine Art bedau­er­li­cher „Gna­den­stoß“ für meist betag­te und hoch­be­tag­te Men­schen, die bereits geschwächt sind oder an ande­ren Krank­hei­ten lei­den. Das Virus allein ist nicht töd­lich. Erst die Kom­bi­na­ti­on ergibt eine töd­li­che „Dosis“, und die­se Kom­bi­na­ti­on wirkt, wenn sie ein­tritt, über­all gleich – staat­li­che Maß­nah­men hin oder her.

Ein Hin­weis der ita­lie­ni­schen Regie­rung zu den ver­öf­fent­lich­ten 631 Todes­fäl­len wirft zusätz­lich Fra­gen auf:

„Die­se Zahl kann aber erst bestä­tigt wer­den, sobald das Natio­na­le Gesund­heits­in­sti­tut (ISS) die Todes­ur­sa­che fest­ge­stellt haben wird.“

Ric­car­do Cascio­li, der Chef­re­dak­teur der Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na schreibt dazu:

“Heißt das, daß im Zwei­fel alles dem Coro­na­vi­rus zuge­scho­ben wird? Was müs­sen wir uns also erwar­ten? Müs­sen wir fest­stel­len, daß die Zahl der Coro­na­vi­rus-Toten stark auf­ge­bläht wur­de? Vor allem: Nach wel­chen Kri­te­ri­en wird die Todes­ur­sa­che dem Covid-19 oder einer ande­ren fort­ge­schrit­te­nen Krank­heit zuge­schrie­ben?“

Keine Bewunderung für das totalitäre China angebracht

Man­che Beden­ken läßt auch die offe­ne Bewun­de­rung für die tota­li­tä­re Volks­re­pu­blik Chi­na auf­kom­men, die wie­der­holt in die­sen Tagen anklingt. Die west­li­chen Staa­ten wol­len Demo­kra­tien blei­ben, aber sie ver­su­chen die rot­chi­ne­si­schen Ein­däm­mungs­me­tho­den nach­zu­ah­men. Der Hin­weis, es gehe um Effi­zi­enz, greift nur bedingt, denn ein Rechts­staat und eine Demo­kra­tie zeich­nen sich gera­de durch die Ach­tung der Grund­rech­te aus, über die eine Regie­rung nicht belie­big ver­fü­gen kann.

Viel­leicht ist es daher emp­feh­lens­wert, den Blick nicht so sehr auf das kom­mu­ni­sti­sche Regime in Peking, son­dern auf ande­re asia­ti­sche Staa­ten zu len­ken, die eben­so erfolg­reich oder sogar erfolg­rei­cher das Coro­na­vi­rus bekämp­fen, über die aber kaum berich­tet wird. Dazu gehö­ren Tai­wan, der freie Teil Chi­nas, aber auch Sin­ga­pur und vor allem Süd­ko­rea.

Obwohl Süd­ko­rea zah­len­mä­ßig eine gewis­se Zeit noch stär­ker betrof­fen war als die Volks­re­pu­blik Chi­na, ist es dem ost­asia­ti­schen Land gelun­gen, die Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus schnel­ler unter Kon­trol­le zu brin­gen als Peking, und das ganz ohne Ein­satz von tota­li­tä­ren Metho­den oder die Blocka­de gan­zer Regio­nen und auch ohne Lahm­le­gung gan­zer Wirt­schafts­zwei­ge, wie das nun auch in Euro­pa geschieht.

Wäh­rend die Kom­mu­ni­sten in der Volks­re­pu­blik Chi­na als erste Maß­nah­me eine Nach­rich­ten­sper­re ver­häng­ten und Mel­dun­gen über das Virus unter Zen­sur stell­ten, sorg­te Tai­wan umge­hend für vol­le Trans­pa­renz und eine effi­zi­en­te Infor­ma­ti­on sei­ner Bür­ger. Durch sei­ne Ver­schleie­rungs­po­li­tik trifft das kom­mu­ni­sti­sche Regime wahr­schein­lich sogar maß­geb­li­che Schuld, daß sich das Virus über­haupt außer­halb Chi­nas aus­brei­ten konn­te. Die­ses Ver­hal­ten soll­te man den Macht­ha­bern in Peking bei Gele­gen­heit in Rech­nung stel­len.

Tai­wan hat aus der SARS-Kri­se von 2002/2003 gelernt. Pas­sa­gie­re aus Wuhan wur­den in Tai­peh bereits kon­trol­liert, noch bevor Peking über­haupt den Ernst der Lage zuge­ge­ben hat­te. Wer aus der Pro­vinz Hubei die Insel betrat, wur­de seit Ende Janu­ar in Qua­ran­tä­ne genom­men. Ab Febru­ar galt das für alle Rei­sen­den aus der Volks­re­pu­blik, auch jene, die über Hong Kong oder ande­re Desti­na­tio­nen indi­rekt Tai­wan erreich­ten. Der­glei­chen gilt in Euro­pa noch immer nicht. Aus Ita­li­en kann man bei­spiels­wei­se Öster­reich zwar nicht mehr direkt anflie­gen, aber pro­blem­los über den Umweg Frank­furt und ande­re Dritt­län­der. Eine Nicht­be­ach­tung der Qua­ran­tä­ne oder fal­sche Anga­ben wer­den in Tai­wan mit Stra­fen von 10.000 Dol­lar sank­tio­niert.

Die Maß­nah­men waren erfolg­reich. Bis gestern zähl­te Tai­wan nur 47 Fäl­le auf 22 Mil­lio­nen Ein­woh­ner.

Ähn­li­ches gilt für Sin­ga­pur, das auf­grund sei­ner eben­falls mehr­heit­lich chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rung enge Kon­tak­te zum übri­gen chi­ne­si­schen Raum unter­hält. Wie in Tai­wan wur­de früh­zei­tig auf Abschot­tung gegen­über Rot­chi­na geach­tet. Mit Erfolg: Bis­her wur­den auf fünf Mil­lio­nen Ein­woh­ner nur 166 Fäl­le regi­striert, von denen 93 bereits geheilt sind. Wie auf Tai­wan gibt es bis­her kei­nen Todes­fall.

Nun mag man ein­wen­den, daß Tai­wan und Sin­ga­pur als Insel­staa­ten mehr und bes­se­re Mög­lich­kei­ten haben, sich abzu­schot­ten. Aller­dings haben bei­de Staa­ten auch mehr Ver­bin­dun­gen zu Fest­land­chi­na. Ent­schei­den­der scheint, daß die SARS-Erfah­rung in bei­den Län­dern zu erhöh­ter Wach­sam­keit führ­te, sodaß sie Ende Janu­ar bereits Maß­nah­men ergrif­fen, die in Euro­pa erst Wochen spä­ter anlie­fen.

Damit wird ein Blick nach Süd­ko­rea unum­gäng­lich, wo es einem Land gelun­gen ist, das Coro­na­vi­rus unter Kon­trol­le zu brin­gen, obwohl es sich bereits im Land sehr schnell aus­brei­te­te. Obwohl Süd­ko­rea gleich hin­ter der Volks­re­pu­blik Chi­na kommt, was Erkran­kun­gen betrifft, geht die Zahl der Neu­erkran­kun­gen inzwi­schen rapi­de zurück. Auch die Regie­rung von Seo­ul hat nicht auf tota­li­tä­re Metho­den zurück­ge­grif­fen. Sie hat kei­ne „roten Zonen“ errich­tet und nicht gan­ze Städ­te und Pro­vin­zen wie in der Volks­re­pu­blik Chi­na, und nun auch in Ita­li­en, abge­sperrt. Die Bewe­gungs­frei­heit der Bür­ger wur­de nie ein­ge­schränkt, aus­ge­nom­men der eng gezo­ge­ne Raum der beson­ders betrof­fe­nen Gebie­te wie die Stadt Dae­gu.

Die ange­wand­ten Metho­den waren die von Tai­wan und Sin­ga­pur. Süd­ko­rea begann früh­zei­tig das Coro­na­vi­rus auf­zu­stö­bern, die Ansteckungs­ket­te zu rekon­stru­ie­ren und alle Kon­takt­per­so­nen der Betrof­fe­nen aus­fin­dig zu machen. Das Land mit 52 Mil­lio­nen Ein­woh­nern läßt sich sehr gut mit den gro­ßen EU-Staa­ten wie Ita­li­en ver­glei­chen. Die Behör­den setz­ten auf Geo­lo­ka­li­sie­rung über die Mobil­te­le­fo­ne, um schnel­len Kon­takt mit den poten­ti­ell Betrof­fe­nen her­zu­stel­len. Wäh­rend an den Gren­zen syste­ma­tisch kon­trol­liert wur­de, boten die süd­ko­rea­ni­schen Behör­den früh­zei­tig auch im Lan­des­in­ne­ren an, daß sich alle testen las­sen kön­nen, die es wol­len. Dazu wur­den ent­lang der Stra­ßen mobi­le Test­stel­len errich­tet, sodaß ein Test mög­lich wur­de, ohne aus dem Auto zu stei­gen, in etwa das, was nun auch an tsche­chi­schen und öster­rei­chi­schen Gren­zen gemacht wird. Kur­ze Zeit dar­auf wur­de der Test­per­son das Ergeb­nis auf das Mobil­te­le­fon mit­ge­teilt. Wer sich ange­steckt hat­te, muß­te sofort sich auf direk­tem Weg in häus­li­che Qua­ran­tä­ne bege­ben, eben­so alle Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen. Die behörd­li­che Regi­strie­rung als Betrof­fe­ne erfolg­te auto­ma­tisch. Wer gegen die Qua­ran­tä­ne­auf­la­gen ver­stößt, dem dro­hen saf­ti­ge Geld­stra­fen. Auch Gefäng­nis ist mög­lich. 

App-Ent­wick­ler lie­fer­ten ein Pro­gramm, das jedem auf sei­nem Smart­pho­ne die auf­ge­tre­te­nen Fäl­le ohne Nen­nung per­sön­li­cher Daten loka­li­siert, eben­so deren Bewe­gun­gen und Auf­ent­halts­or­te. Alle sehen somit, ob eine Gegend, ein Ort, eine Stadt, eine Stra­ße, ein Gast­lo­kal betrof­fen sein könn­ten oder nicht. Die Pri­vat­in­itia­ti­ve ver­knüpf­te sich mit dem Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein des Ein­zel­nen. Die Regie­rung griff dies­be­züg­lich erst spä­ter ein und bie­tet nun auch ihrer­seits eine eige­ne App, die Men­schen, die sich in Qua­ran­tä­ne befin­den, lau­fend infor­miert und zugleich den Behör­den stän­dig den genau­en Stand­ort der Per­so­nen anzeigt. Damit wird die Ein­hal­tung der Qua­ran­tä­ne über­wacht.

Die Kehr­sei­te der pri­va­ten Apps ist ein ver­ba­les „Lyn­chen“ von man­chen Betrof­fe­nen in sozia­len Netz­wer­ken. Anhand der von der pri­va­ten App ange­ge­be­nen Daten kön­nen Betrof­fe­ne mit eini­ger Recher­che aus­fin­dig gemacht wer­den. Man­chen wer­den von Bekann­ten nun Vor­hal­tun­gen gemacht, sich ver­ant­wor­tungs­los ver­hal­ten und ande­re gefähr­det oder ange­steckt zu haben. Gast­stät­ten, die ver­mehrt von Erkrank­ten besucht wur­den, wer­den natür­lich gemie­den.

Wenn also ein Pro­blem in den drei asia­ti­schen Län­dern besteht, dann ist es eine mög­li­che Ver­let­zung der Pri­vat­sphä­re, nicht so sehr durch den Staat, son­dern von pri­va­ter Sei­te. Tai­wan, Sin­ga­pur und Süd­ko­rea haben aber gezeigt, daß rich­ti­ges und vor allem früh­zei­ti­ges Han­deln ent­schei­dend ist – und es dafür kei­nes tota­li­tä­ren Regimes bedarf, son­dern schnel­ler und effi­zi­en­ter Reak­ti­on.

Text: Andre­as Becker/Giuseppe Nar­di
Bild: MiL

12 Kommentare

  1. Vie­len Dank für die sorg­fäl­ti­ge und kla­re Ana­ly­se, die sich wohl­tu­end von so man­chen schwarm­gei­sti­gen Berich­ten und Kom­men­ta­ren in einem ande­ren nam­haf­ten katho­li­schen Nach­rich­ten­por­tal abhebt.

  2. Ist Katho­li­sches Info nun zum Wah­rer des maso­ni­sti­schen Frei­heits­rechts­ge­dan­ken gewor­den? Chi­nas Maß­nah­men sind anhand des Maß­sta­bes „wirk­sam-unwirk­sam“ zu beur­tei­len u. ggfs. zu kri­ti­sie­ren, aber doch nicht anhand irgend­wel­cher obsku­rer göt­zen­ar­ti­ger Vor­ga­ben!

    • Mit Sicher­heit nicht: Wie im Arti­kel geschrie­ben trägt das kom­mu­ni­sti­sche Regime die Haupt­schuld, daß es über­haupt zur Aus­brei­tung außer­halb Chi­nas kam, weil Peking zu lan­ge zu undurch­sich­tig agier­te und das Aus­maß der Gefahr ver­schlei­er­te. Zwei­tens wird gesagt, daß die euro­päi­schen Ver­ant­wor­tungs­trä­ger mehr auf Süd­ko­rea statt auf die Volks­re­pu­blik Chi­na schau­en soll­ten, das nicht Aus­gangs­herd war, son­dern ein betrof­fe­nes Land wie nun die euro­päi­schen Staa­ten auch, und dank effi­zi­en­ter Maß­nah­men ohne inva­si­ve Ein­grif­fe das Pro­blem gelöst haben. Das wur­de auch des­halb geschrie­ben, weil Poli­ti­ker hier, wie zuletzt gestern, auf Chi­na ver­wei­sen, aber Süd­ko­rea, das Vor­bild sein soll­te, nicht erwäh­nen.
      Der Arti­kel will das Augen­merk auf Bei­spie­le erfolg­rei­cher Abwehr und Bekämp­fung len­ken und sagt damit natür­lich auch, daß euro­päi­sche Poli­ti­ker weni­ger Effi­zi­enz gehan­delt haben als ihre Kol­le­gen in den drei genann­ten Bei­spiel­staa­ten. Das kann man als Ankla­ge ver­ste­hen. Das gilt erst recht für sinn­lo­se, ja sinn­wid­ri­ge Maß­nah­men (wie die gene­rel­le Schlie­ßung der Schu­len, sie­he Öster­reich; die­ser Ein­griff trifft eine Null-Risi­ko­grup­pe, kaum mehr als 0,2 Pro­zent aller Erkrank­ten sind unter 20 Jah­re alt; und sie bringt eine zwei­te Null-Risi­ko­grup­pe, die Grup­pe der Erwerbs­tä­ti­gen bis 55 Jah­ren bei Berufs­tä­tig­keit in Schwie­rig­kei­ten bezüg­lich der Kin­der­ver­sor­gung. Das nennt sich Inef­fi­zi­enz: anstatt Risi­ko­grup­pen zu schüt­zen (fast 90 Pro­zent der Coro­na-Toten sind über 80 Jah­re alt), wer­den Nicht-Risi­ko­grup­pen ins Cha­os gestürzt oder unnö­tig bela­stet. Also genau jene, die für die Ver­sor­gung der Risi­ko­grup­pen gebraucht wer­den.

      • Aber auch die Null­pro­zen­t­ri­si­ko­grup­pe tragt das Virus zu Opa und Oma wei­ter…
        Die Fra­ge der Effi­zi­enz der Maß­nah­men ist sehr schwie­rig und wohl von uns nicht zu lösen. Über das Phä­no­men Süd­ko­rea rät­seln auch die Exper­ten.
        Dass Chi­na ursprüng­lich viel falsch gemacht hat, steht außer Zwei­fel. Dar­aus folgt nicht, dass die har­ten Maß­nah­men nicht gebo­ten waren.
        Für mich stellt sich auch ganz ent­schie­den die Fra­ge, ob gewis­se wirt­schaft­li­che Destruk­ti­ons­er­schei­nun­gen nicht höchst heil­sam sein kön­nen, vor allem im Hin­blick auf die Zukunft: es wäre ja auch irgend­wann eine Pan­de­mie mit wirk­lich gefähr­li­chen Viren denk­bar… man ver­ges­se nicht, dass sich sol­che Virus auf­grund durch­aus ver­werf­li­cher Phä­no­me­ne aus­brei­ten: Glo­ba­li­sie­rung, sinn­lo­ser, weil gei­stig lee­rer Mas­sen­tou­ris­mus und Bil­ligst-Schwarz-Akkord­ar­beit (Chi­ne­sen in der ital. Tex­til­in­du­strie). Als Chri­sten müs­sen wir nicht auto­ma­tisch den Stand­punkt einer aus den Fugen gera­te­nen und oben­drein mit unse­ren Idea­len ganz und gar nicht kom­pa­ti­blen Welt­wirt­schaft ver­tre­ten. In Sozia­lis­mus und Öko­lo­gis­mus mag per se kein christ­li­ches Heil zu lie­gen, in einer glo­ba­li­sier­ten Wirt­schaft jedoch noch viel weni­ger!

      • Die­se Grup­pe wel­che Sie hier erwäh­nen über­tra­gen aber sym­ptom­los die Krank­heit! Und kön­nen somit ande­re gefähr­den

  3. Der Coro­na­vi­rus sei „eine Art Gna­den­stoß“ für Alte und Geschwäch­te. Das erin­nert an den „Gna­den­schuss“ für alte Acker­gäu­le. Die Kul­tur des Todes hier ein­mal auf katholisches.info!

    • Dan­ke für den Hin­weis, die­ses Wort soll­te natür­lich unter Anfüh­rungs­zei­chen ste­hen. Das wur­de nach­ge­holt. Die töd­li­che Kom­bi­na­ti­on aus Vorerkrankungen/geschwächtem Immun­sy­stem und Coro­na­vi­rus ent­spricht lei­der den Tat­sa­chen.
      Die Erwäh­nung der „Kul­tur des Todes“ ist bedau­er­lich, die­se bezieht sich auf mensch­li­ches Ein­grei­fen zur geziel­ten Tötung (Abtrei­bung, Eutha­na­sie), das kann vom unglück­li­chen Zusam­men­tref­fen von Vor­er­kran­kun­gen und einer Coro­na­vi­rus-Infek­ti­on ja nicht gesagt wer­den.

      • Es gibt eben Leu­te, wel­che grund­sätz­lich das Haar in der Sup­pe suchen.
        Das mit dem Gna­den­stoß war über­haupt nicht anstö­ßig.
        Es ist nun mal so, dass die mei­sten Leu­te mit über 80 Jah­ren oft ihre Beschwer­den haben. So eine Krank­heit ist dann sehr wohl ein Gna­den­stoß. Nie­mand lebt ewig.
        Ein Gna­den­schuss für alte Acker­gäu­le ist streng genom­men Eutha­na­sie. Eine poten­ti­ell töd­li­che Krank­heit ist was ganz ande­res, denn hier hilft der Mensch nicht nach, son­dern er ver­sucht (lei­der ver­geb­lich) leben zu ret­ten.

        Das eine (Eutha­na­sie + Abtrei­bung) mit dem ande­ren (eine poten­ti­ell töd­li­che Krank­heit) gleich­zu­set­zen und bei­des als Kul­tur des Todes zu bezeich­nen ist schon ein star­kes Stück.

  4. In Öster­reich wer­den Got­tes­dien­ste ab Mon­tag gesperrt genau­so wie in Ita­li­en! Nähe­res wird heu­te in einer Pres­se­kon­fe­renz bekannt gege­ben. Auch eine Geschäfts­sper­re droht als Selb­stän­di­ge zit­te­re ich bereits! Der­zeit haben wir einen Toten..

    • „Der­zeit haben wir nur einen Toten…“
      natür­lich kann man das alles so und so sehen.
      Am Coro­na­vi­rus wür­de kei­ne Gesell­schaft zer­bre­chen, da es nur Alte und Schwa­che trifft. Man hat 2 Mög­lich­kei­ten: wei­ter­wur­steln oder was tun. Erste­res bedeu­tet, dass wir in 2 Wochen die 5% Inten­siv­fäl­le nicht mehr behan­deln kön­nen und daher zum Groß­teil ster­ben las­sen müs­sen. Dafür, dass das nicht ein­tritt, wer­den nun rigo­ro­se, bis dato nicht für mög­lich gehal­te­ne Maß­nah­men gesetzt, die mas­siv in Grund- und Frei­heits­rech­te der gesam­ten Bevöl­ke­rung ein­grei­fen. Dh für mich per­sön­lich wären die­se Maß­nah­men über­zo­gen, aber nicht für mei­ne 80-jäh­ri­ge Mut­ter. Ich bin gegen­über der moder­nen Gesell­schaft und die­sem Staat sehr kri­tisch ein­ge­stellt, muss aber sagen, dass mich die­se Soli­da­ri­tät mit den Alten und Schwa­chen sogar rührt. Ich hät­te nie­mals damit gerech­net, dass der Staat die hei­li­ge Kuh Wirt­schaft opfert, „nur um ein paar Tau­send Alte und Schwa­che“ zu ret­ten. Eigent­lich ist die­se Vor­ge­hens­wei­se zutiefst christ­lich und soll­te im Rah­men eines Forums wie die­sen auch so gewür­digt wer­den. Man betrach­te die Staa­ten, die sich für die ande­re Mög­lich­keit ent­schei­den: BRD und USA. Mer­kel hasst ihr Volk, wie viel­fach bewie­sen, und sei­ne Alten und Schwa­chen sind ihr egal. Dafür holt sie gera­de jetzt 1.500 Zudring­lin­ge in ihr Land. Die paar tau­send nicht ver­hin­der­ten Coro­na­to­ten wer­den für rela­tiv rasch ver­füg­ba­ren Wohn­raum sor­gen. Die USA als wirt­schafts­hö­ri­ger Staat sind ja legen­där.
      Ein kri­ti­sches The­ma sind die aus­fal­len­den Mess­be­su­che in die­ser noch dazu hei­li­gen Zeit.
      Dazu ist aus­zu­füh­ren: 1) natür­lich ist dies Maß­nah­me wie vie­le ande­re auch als Ein­zel­maß­nah­me über­zo­gen, aber jedoch ein Teil eines wirk­sa­men Pakets.
      2) wir leben in einem säku­la­ren Staat, der den Glau­ben ver­lo­ren hat. Das wis­sen wir nicht erst jetzt. Es ist daher unter die­sen Umstän­den nicht zu erwar­ten gewe­sen, dass irgend­je­mand auf­steht und sagt: wir brau­chen in die­ser Kri­se NOCH mehr Mes­sen. Wir wis­sen von unse­ren Bischö­fen, dass man sich hin­sicht­lich ihres Glau­bens nicht sicher sein kann, und haben nicht ein­mal eine laue Ver­tei­di­gung der Mes­sen erwar­tet.
      3) Real­po­li­tisch lässt sich sogar die Fra­ge stel­len, ob eine sol­che Ver­tei­di­gung klug gewe­sen wäre. Ich will hier nicht ja oder nein sagen, son­dern das offen­las­sen. Die Gesell­schaft opfert all ihre hei­li­gen Kühe — Sport­events, Club­bings oder was auch immer. Kann man von den Kir­chen da nicht einen Soli­dar­bei­trag erwar­ten, schon nur um nicht mit „schlech­tem“ Bei­spiel vor­an­ge­hen zu müs­sen? Wie wür­den die Kir­che und die abge­hal­te­nen Hl.Messen medi­al des­avou­iert wer­den? Wel­che ande­re Insti­tu­tio­nen wür­den schrei­en: tu quo­que, bzw ähn­li­che Aus­nah­men for­dern? Wol­len wir das wirk­lich? Man ver­ges­se nicht, dass — wirk­lich ein­mal aus­nahms­wei­se — all das einem guten Zweck dient. Wir haben den alten Grund­kon­sens über das in den Sakra­men­ten lie­gen­de Heil ver­lo­ren und wür­den in einer der­ar­ti­gen Dis­kus­si­on nicht obsie­gen.
      4) Natür­lich kann man das auch anders sehen und unse­re Bischö­fe wegen ihrer Rück­grats­lo­sig­keit rügen. Aller­dings könn­ten auch glau­bens­treue Bischöfr in die­ser nicht ein­fa­chen real­po­li­ti­schen Fra­ge uneins wer­den. Unse­re Kir­che ist abge­fal­len und hat reagiert, wie wir erwar­tet haben. Aller­dings kann man ihr im ggst. Fall noch am wenig­sten Vor­wür­fe machen, denn die­ser ist nicht leicht zu beur­tei­len. Sie haben schon in leich­te­ren Fäl­len gründ­lich ver­sagt, unse­re lie­ben Bischö­fe.
      4) Sich auf Reli­gi­ons­frei­heit zu beru­fen, ist ver­fehlt. Die­ses erz­ma­so­ni­sti­sche, gegen den Katho­li­zis­mus gerich­te­te Recht hat uns nicht zu inter­es­sie­ren. Über­dies wer­den auch ande­re Grund-und Frei­heits­rech­te ein­ge­schränkt.
      5)Hand aufs Herz: wer von uns legt sei­ne Hand ins Feu­er, dass Mes­sen à la NOM noch hin­rei­chend heils­brin­gend sind? Dass Hand­kom­mu­ni­on und Frie­dens­gruß so gott­ge­wollt sind, um vor Über­tra­gung zu schüt­zen?

  5. Zu dem Bei­trag von Herrn Lech­ner möch­te ich fol­gen­des anfüh­ren: Dass im Ergeb­nis ins­be­son­de­re älte­re Per­so­nen durch die Maß­nah­men mit­ge­schützt wer­den, ist unstrei­tig. Ob dies aller­dings ein rele­van­tes Motiv für die ent­spre­chen­den Beschlüs­se war, sei dahin­ge­stellt. Es gibt ja auch vie­le jün­ge­re Leu­te mit Vor­er­kran­kun­gen, die eben­falls gefähr­det sind. Man weiß ja auch noch nichts Genau­es über Über­tra­gungs­we­ge, Ver­läu­fe und geeig­ne­te Vor­sor­ge­maß­nah­men.
    Zu der Auf­nah­me von von Kin­dern an der tür­kisch-grie­chi­schen Gren­ze: Man darf die aktu­ell dort gestran­de­ten Men­schen nicht als Zudring­lin­ge bezeich­nen. Es sind viel­mehr Opfer eines poli­ti­schen Rän­ke­spiels. Die Bun­des­re­gie­rung hat uns aller­dings ins­ge­samt mit dem mas­si­ven Zuzug von Flücht­lin­gen seit Jah­ren — unter dem Dach eines ideo­lo­gisch auf­ge­la­de­nen Gut­men­schen­tums über­kom­me­nen Asyl­rechts – einen Bären­dienst erwie­sen. Natür­lich tra­gen wir für alle Per­so­nen, denen wir ein Auf­ent­halts­recht oder Blei­be­recht gewäh­ren, Ver­ant­wor­tung. Aber kön­nen wir eine sol­che Ver­ant­wor­tung – auch in Abwä­gung gegen­über den Inter­es­sen des ange­stamm­ten Vol­kes – auf Dau­er schul­tern? Ich befürch­te, nicht, und wenn es zu einer nach­hal­ti­gen Rezes­si­on kommt, was zu befürch­ten steht, wer­den uns die Fol­gen ein­ho­len….
    Die Fra­gen in Bezug auf ein Ansteckungs­ri­si­ko bei dem Besuch hl. Mes­sen, Frie­dens­gruß, Hand­kom­mu­ni­on sind schwer zu beant­wor­ten. Irgend­wie muss man einen Mit­tel­weg zwi­schen schwarm­gei­sti­gem Leicht­sinn und über­trie­be­ner Ängst­lich­keit fin­den. Katho­li­scher Glau­be und Ver­nunft gehö­ren jeden­falls zusam­men.

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