Tschechische Bischöfe bei Benedikt XVI.

30 Jahre Ende der kommunistischen Diktatur

Benedikt XVI. mit Kardinal Duka und Erzbischof Graubner
Benedikt XVI. mit Kardinal Duka und Erzbischof Graubner

(Rom) Die vati­ka­ni­schen Medi­en ver­su­chen Bene­dikt XVI. in der Regel unsicht­bar zu machen. Das vor­ma­li­ge Kir­chen­ober­haupt emp­fängt aber, wenn auch in ein­ge­schränk­te­rem Aus­maß, wei­ter­hin Besu­cher. Längst nicht alle berich­ten anschlie­ßend von ihrer Begeg­nung, weil sie ihre Freu­de dar­über tei­len, aber auch Signa­le aus­sen­den wol­len.

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag, dem 11. Novem­ber, stat­te­ten Bischö­fe der Tsche­chi­schen Repu­blik Bene­dikt XVI. im Klo­ster Mater Eccle­siae einen Besuch ab. Anlaß war eine Dank­wall­fahrt zum 30. Jah­res­tag der Hei­lig­spre­chung der hei­li­gen Agnes von Böh­men und dem Ende der kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur vor 30 Jah­ren.

Unter der kom­mu­ni­sti­schen Herr­schaft hat­te die Kir­che schwe­re Unter­drückung zu lei­den. Die Bischö­fe wur­den inter­niert oder unter Haus­ar­rest gestellt, die Aus­übung ihres Amtes unmög­lich gemacht und nach ihrem Tod die Neu­be­set­zung der Bischofs­stüh­le ver­hin­dert. Das Regime ver­such­te par­al­lel die Kir­che zu spal­ten. Die offi­zi­el­len Kir­chen­zei­tun­gen wur­den in Sprach­roh­re des Regimes umge­wan­delt.

Nach der gewalt­sa­men Nie­der­schla­gung des Pra­ger Früh­lings gab es meh­re­re Jah­re lang kei­nen ein­zi­gen Bischofs­stuhl in der heu­ti­gen Tsche­chi­schen Repu­blik, der noch besetzt war. Erst 1977 wur­de die Ernen­nung eines Erz­bi­schofs von Prag erlaubt, der bis zum Zusam­men­bruch der kom­mu­ni­sti­schen Gewalt­herr­schaft der ein­zi­ge amtie­ren­de Bischof des gan­zen Lan­des blei­ben soll­te. Die ande­ren Bischofs­stüh­le konn­ten erst Ende 1989/1990 wie­der besetzt wer­den. Die erste Beset­zung nach dem Ende der kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur war die Ernen­nung eines neu­en Bischofs von König­grätz (Hra­dec Král­o­vé) am 21. Dezem­ber 1989.

Die von Kar­di­nal Domi­nik Duka ange­führ­ten Bischö­fe aus Böh­men und Mäh­ren berich­te­ten anschlie­ßend auf der Inter­net­sei­te der Tsche­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz über ihr Zusam­men­tref­fen.

Das dürf­te auch der Grund sein, war­um Vati­can­News eine sel­te­ne Aus­nah­me mach­te und eben­falls Bene­dikt XVI. ins Bild und in den Text setz­te.

Die Bischö­fe waren mit 2.000 Pil­gern nach Rom gekom­men, um der bei­den histo­ri­schen Ereig­nis­se des Jah­res 1989 zu geden­ken.

Die hei­li­ge Agnes (1211–1282) war eine Toch­ter von König Otto­kar I. von Böh­men und Kon­stan­ze von Ungarn. Sie wuchs in der Obhut ihrer baye­ri­schen Tan­te, der hei­li­gen Hed­wig von Schle­si­en, auf. Agnes grün­de­te in jun­gen Jah­ren ein Armen­spi­tal in der Pra­ger Alt­stadt, aus der 1234 ein Kla­ris­sen­klo­ster her­vor­ging. Sie selbst trat selbst in den damals noch ganz jun­gen Orden der hei­li­gen Kla­ra von Assi­si ein. Kurz­zei­tig wur­de sie sogar Äbtis­sin des spä­ter nach ihr benann­ten Agnes­klo­sters. Das Amt gab sie aber nach zwei Jah­ren wie­der auf, um als ein­fa­che Schwe­ster zu leben. Vor­bild für ihr Han­deln war ihre Cou­si­ne, die hei­li­ge Eli­sa­beth von Thü­rin­gen. Nach ihrem Tod 1282 im Klo­ster bestat­tet, wur­de ihr Grab in den 40er Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts bei archäo­lo­gi­schen Gra­bun­gen wie­der­ent­deckt.

Das blü­hen­de Kla­ris­sen­klo­ster fiel 1420 dem Hus­si­ten­sturm zum Opfer und konn­te sich trotz der Rück­kehr der Ordens­frau­en im Jahr 1439 nicht mehr wirk­lich davon erho­len. 1782 wur­de es von Kai­ser Joseph II. auf­ge­ho­ben.

Agnes von Böh­men wur­de 1874 von Papst Pius IX. selig- und am 12. Novem­ber 1989 von Papst Johan­nes Paul II. hei­lig­ge­spro­chen. Ihr Gedächt­nis wird von der Kir­che am 2. März began­gen.

Am 17. Novem­ber 1989, nur weni­ge Tage nach der Hei­lig­spre­chung, brach die kom­mu­ni­sti­sche Herr­schaft in der dama­li­gen Tsche­cho­slo­wa­ki­schen Sozia­li­sti­schen Repu­blik zusam­men. Für vie­le ste­hen die bei­den Ereig­nis­se in einem Zusam­men­hang. Die Hei­lig­spre­chung wird als „eine Vor­weg­nah­me der nach­fol­gen­den Revo­lu­ti­on“ gese­hen, so Vati­can­News.

Kar­di­nal Duka als Erz­bi­schof von Prag und Erz­bi­schof Jan Graub­ner als Erz­bi­schof von Olmütz führ­ten die Pil­ger nach Rom. Sie ste­hen den bei­den Kir­chen­pro­vin­zen des Lan­des vor. 973 war das Bis­tum Prag errich­tet wor­den, des­sen Gebiet bis dahin zum Bis­tum Regens­burg gehör­te. 1063 wur­de für Mäh­ren das Bis­tum Olmütz gegrün­det, des­sen Gebiet zuvor zum Bis­tum Prag gehört hat­te. Bis 1344 waren Böh­men und Mäh­ren Teil der Kir­chen­pro­vinz Mainz. Im Spät­mit­tel­al­ter erfolg­te die Erhe­bung Prags zum Erz­bis­tum und 1777 auch jene von Olmütz.

Die tsche­chi­schen Bischö­fe über­brach­ten Bene­dikt XVI. die Kopie einer Büste, die vor kur­zem in Alt­bunz­lau (Stará Boles­lav) in Erin­ne­rung an sei­nen Besuch der Tsche­chi­schen Repu­blik im Sep­tem­ber 2009 ent­hüllt wur­de.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: cirkev.cz (Screen­shots)