Bischof wegen „völlig inakzeptablem Verhalten“ zurückgetreten

Neuseeland

Bischof Charles Drennan (ganz lnks) bei der Bischofssynode 2015. In der Mitte Kardinal Blase Cupich, der Wortführer der progressiven Minderheit unter den US-Bischöfen.
Bischof Charles Drennan (ganz lnks) bei der Bischofssynode 2015. In der Mitte Kardinal Blase Cupich, der Wortführer der progressiven Minderheit unter den US-Bischöfen.

(Rom) Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt gab im gest­ri­gen Tages­bul­le­tin bekannt, daß von Papst Fran­zis­kus der Rück­tritt von Msgr. Charles Edward Drenn­an als Bischof von Pal­mers­ton North in Neu­see­land akzep­tiert wur­de. Zu den Hin­ter­grün­den äußer­te sich der Hei­li­ge Stuhl nicht, dafür aber Neu­see­lands Medi­en.

Die Mit­tei­lung im Tages­bul­le­tin fiel gewohnt knapp und nüch­tern aus:

„Der Hei­li­ge Vater hat den Ver­zicht auf die pasto­ra­le Lei­tung der Diö­ze­se von Pal­mers­ton North (Neu­see­land) akzep­tiert, die von S.Ex. Msgr. Charles Edward Drenn­an ein­ge­reicht wur­de.“

Es wur­de weder ein Nach­fol­ger noch ein Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor ernannt, was auf eine über­ra­schen­de Ent­schei­dung hin­deu­tet.

Bischof Drenn­an ist erst 59 Jah­re alt. Er wur­de als Spät­be­ru­fe­ner 1996, im Alter von fast 36 Jah­ren, zum Prie­ster der Diö­ze­se Christ­church geweiht. 2011 erfolg­te sei­ne Ernen­nung zum Bischof-Koad­ju­tor und weni­ge Mona­te spä­ter zum zwei­ten Bischof, der erst 1980 errich­te­ten Diö­ze­se Pal­mers­ton North, einem Suf­fra­gan­bis­tum der Erz­diö­ze­se Wel­ling­ton. Die Diö­ze­se Pal­mers­ton North ist das flä­chen­größ­te Bis­tum Neu­see­lands. Der Katho­li­ken­an­teil an der Bevöl­ke­rung liegt bei rund 14 Pro­zent.

Da der Vati­kan kei­nen Rück­tritts­grund nann­te, ist – wie in sol­chen Fäl­len üblich – ein Blick auf die welt­li­chen Medi­en not­wen­dig, um die Hin­ter­grün­de zu ver­ste­hen. Die neu­see­län­di­sche Pres­se berich­te­te wegen der Zeit­ver­schie­bung bereits meh­re­re Stun­den vor der Ver­öf­fent­li­chung des Tages­bul­le­tins.

Der Eme­ri­tie­rung, die nach offi­zi­el­ler Sprach­re­ge­lung des Hei­li­gen Stuhls, durch Annah­me eines Rück­tritts­ge­suchs durch den Papst erfolgt, gin­gen Ermitt­lun­gen wegen „inak­zep­ta­blem Sexu­al­ver­hal­ten“ vor­aus, wie gestern der staat­li­che Sen­der Radio New Zea­land berich­te­te.

Kar­di­nal John Dew, der Erz­bi­schof von Wel­ling­ton, gab in einer öffent­li­chen Erklä­rung bekannt, daß auf­grund einer Anzei­ge Ermitt­lun­gen gegen Bischof Drenn­an durch die unab­hän­gi­ge Unter­su­chungs­stel­le der Kir­che in Neu­see­land auf­ge­nom­men wur­den.

Die Anzei­ge brach­te eine jun­ge Frau ein. Weder ihr Alter noch Details wur­den bekannt­ge­ge­ben. Sie hat­te die unab­hän­gi­ge Unter­su­chungs­stel­le um Dis­kre­ti­on gebe­ten, wie Kar­di­nal Dew mit­teil­te.

Der Kar­di­nal sag­te aber soviel, daß „das Ver­hal­ten von Bischof Drenn­an in den Augen der katho­li­schen Kir­che völ­lig inak­zep­ta­bel ist“.

„Die katho­li­sche Kir­che dul­det kein unan­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten ihrer Glie­der. Ich ermu­ti­ge jeden, der ein sol­ches Ver­hal­ten erlebt, es der Kir­che, der Poli­zei oder einer Orga­ni­sa­ti­on zur Kennt­nis zu brin­gen, die geeig­net erscheint.“

Der Kar­di­nal gab zudem bekannt, daß das Opfer über den Rück­tritt von Bischof Drenn­an infor­miert wur­de und die Kir­che sich zu einer fort­ge­setz­ten Hil­fe für die jun­ge Frau und ihre Fami­lie ver­pflich­tet.

Der Kle­rus, das Per­so­nal und ande­re Ver­ant­wort­li­che der Diö­ze­se Pal­mers­ton North wur­den von der Eme­ri­tie­rung in Kennt­nis gesetzt und ihnen Ori­en­tie­rungs­hil­fen gege­ben, um die Gläu­bi­gen zu infor­mie­ren.

Msgr. Drenn­an arbei­te­te meh­re­re Jah­re im vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at, bevor er als Bischof nach Neu­see­land zurück­ge­schickt wur­de. In jün­ge­rer Zeit gehör­te Drenn­an einer Arbeits­grup­pe an, die im Namen der Kir­che eine Auf­ar­bei­tung von Miß­brauch – nicht nur sexu­el­lem – an neu­see­län­di­schen Heim­kin­dern durch­führt. Dies erfolgt in Zusam­men­ar­beit mit einer könig­li­che Kom­mis­si­on, die den Miß­brauch von Kin­dern unter­sucht, die sich zwi­schen 1950 und 1999 in der Obhut des Staa­tes oder ande­rer Ein­rich­tun­gen, dar­un­ter auch der Kir­che, befan­den.

Bischof Drenn­an ver­trat Neu­see­land bei der Fami­li­en­syn­ode von 2015. Sei­ne Ent­sen­dung galt als Kom­pro­miß zwi­schen jenen Bischö­fen, die an der über­lie­fer­ten Ehe­leh­re fest­hal­ten woll­ten und jenen, dar­un­ter Kar­di­nal Dew, die sich für die „Öff­nun­gen“ von Kar­di­nal Kas­per aus­spra­chen. Drenn­an hat­te sich im Vor­feld zurück­ge­hal­ten, schwenk­te dann aber mode­rat auf die Linie des umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia um.

Die Eme­ri­tie­rung erfolg­te unmit­tel­bar vor dem Ad-limi­na-Besuch der neu­see­län­di­schen Bischö­fe, der noch im Okto­ber statt­fin­den wird. In Rom woll­te man kom­pro­mit­tie­ren­des Bild­ma­te­ri­al ver­mei­den, das Bischof Drenn­an zeigt, wie er Papst Fran­zis­kus die Hand gibt oder in unmit­tel­ba­rer Nähe des Pap­stes abge­lich­tet wird, wäh­rend die Gläu­bi­gen und die Öffent­lich­keit zu Hau­se über das Ver­hal­ten des Bischofs empört ist.

Die Eme­ri­tie­rung durch Papst Fran­zis­kus und die Pres­se­er­klä­rung von Kar­di­nal Dew zei­gen Ent­schlos­sen­heit und Hand­lungs­fä­hig­keit. Ein Bischof schwän­gert ein jun­ges Mäd­chen, was rich­ti­ger­wei­se als „völ­lig inak­zep­ta­bles Ver­hal­ten“ ange­pran­gert wird, auf das ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen fol­gen.

Die­sel­be Reak­ti­on und die­sel­be kla­re Spra­che ver­mis­sen die Gläu­bi­gen bis­her, wenn es um ein „völ­lig inak­zep­ta­bles Ver­hal­ten“ eines Bischofs durch homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen und Miß­brauch von Jugend­li­chen oder sogar Semi­na­ri­sten und Prie­ster des eige­nen Bis­tums geht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Mit Ver­laub: Als nor­mal-hete­ro­se­xu­el­ler Mann darf ich mir die Mei­nung erlau­ben, dass es einer­seits zwar selbst­ver­ständ­lich „inak­zep­ta­bel“ ist, wenn ein Bischof ein jun­ges Mäd­chen schwän­gert; für noch viel weni­ger akzep­ta­bel hal­te ich ande­rer­seits aber homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen eines Bischofs, v.a. wenn es dabei um den Miss­brauch von männ­li­chen Jugend­li­chen oder sogar von Semi­na­ri­sten und Prie­stern des eige­nen Bis­tums geht.

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