Kardinal Silvestrini – ein großer Gegner von Benedikt XVI. – verstorben

Leben, Einfluß und Ränke eines Mitglieds der Geheimgruppe von St. Gallen

Achille Silvestrini mit Papst Franziskus
Achille Kardinal Silvestrini mit Papst Franziskus

(Rom) Im Alter von 95 Jah­ren ist gestern im Vati­kan Achil­le Kar­di­nal Sil­ve­stri­ni ver­stor­ben. Der in der Nähe von Raven­na gebo­re­ne Pur­pur­trä­ger war von 1971–1988 für die vati­ka­ni­sche Diplo­ma­tie ver­ant­wort­lich. 2000 schied er alters­be­dingt aus allen akti­ven Ämtern aus. Vor allem war er einer der Vor­den­ker einer Grup­pe von pro­gres­si­ven Kar­di­nä­len, die zuerst Car­lo Maria Kar­di­nal Mar­ti­ni und dann Jor­ge Mario Kar­di­nal Ber­go­glio auf den Stuhl Petri brin­gen woll­te. Mit Sil­ve­stri­ni ist ein wei­te­res Mit­glied der omi­nö­sen Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len aus die­ser Welt abbe­ru­fen wor­den.

Jahr­zehn­te­lang war Sil­ve­stri­ni Domi­nus der Vil­la Naza­reth, eines 1945 von Dome­ni­co Kar­di­nal Tar­di­ni gegrün­de­ten Uni­ver­si­täts­kol­legs, das zu einem pro­gres­si­ven Dreh- und Angel­punkt in der Kir­che wur­de. Stu­dent dort war auch Giu­sep­pe Con­te, der bis­he­ri­ge und wahr­schein­lich auch künf­ti­ge, Mini­ster­prä­si­dent von Ita­li­en. Seit meh­re­ren Jah­ren sitzt er im wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat des Kol­legs. Dadurch erklärt sich, war­um ein bestimm­ter Teil der Kir­che nicht erst in der aktu­el­len Regie­rungs­kri­se Sym­pa­thie für den par­tei­lo­sen Öko­no­men zeigt, obwohl die bis­he­ri­ge Regie­rung aus Fünf­ster­ne­be­we­gung und Lega, der auch schon Con­te vor­stand, abge­lehnt wur­de.

Sil­ve­stri­ni gehör­te unter den Vati­kan­di­plo­ma­ten zum Roma­gna-Clan (Grup­pe der „Roma­gna-Hügel“), der auch die Kar­di­nä­le Amle­to Cico­gna­ni, Gaeta­no Cico­gna­ni, Aue­lio Sabat­ti­ni, Dino Mon­duz­zi, Edo­ar­do Meni­chel­li, Lui­gi Bet­t­az­zi und Pio Laghi ange­hör­ten. Die­se Grup­pe war vie­le Jah­re sehr ein­fluß­reich an der Römi­schen Kurie und stand an der Sei­te von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Agosti­no Casa­ro­li und des­sen „Ost­po­li­tik“ für ein Agree­ment mit dem kom­mu­ni­sti­schen Ost­block.

Sil­ve­stri­ni wur­de des­halb, obwohl nie nament­lich erwähnt, zur Ziel­schei­be des Buches „Via col ven­to in Vati­ca­no“ (Vom Win­de ver­weht im Vati­kan), das 1999 für Auf­se­hen sorg­te. Es han­del­te sich um die anony­me Ankla­ge inter­ner Macht­kämp­fe an der Kurie, die unter einem Pseud­onym ver­öf­fent­licht wur­de, in Wirk­lich­keit von Msgr. Lui­gi Mari­nel­li stamm­te. Mari­nel­li hat­te sein hal­bes Leben an der Kurie ver­bracht. Als er in Pen­si­on ging, schrieb er das Buch. Schnell wur­de er als Urhe­ber „ent­tarnt“ und soll­te sich vor der Rota Roma­na ver­ant­wor­ten. Weni­ge Mona­te nach der Buch­ver­öf­fent­li­chung starb er jedoch im Okto­ber 2000. Das Buch selbst wur­de zum Ver­kaufs­schla­ger.

Mari­nel­li woll­te die Kir­che weder bloß­stel­len noch angrei­fen, son­dern ihre Rei­ni­gung errei­chen, indem er den Ver­rat, die Macht­spie­le und das Wir­ken von Frei­mau­rer­lo­gen im Vati­kan ent­hüll­te. Der Autor schrieb des­halb:

„Gott ernied­rigt die Kir­che, um sie dann zu erhe­ben.“

Den Roma­gna Clan, dem Sil­ve­stri­ni ange­hör­te, bezeich­ne­te Mari­nel­li als „frei­mau­rer­ähn­li­chen“ Zusam­men­schluß zur Erobe­rung von Macht­po­si­tio­nen. Sil­ve­stri­nis Kar­rie­re schien, so der Autor, nur ein­mal ernst­haft gefähr­det – aller­dings nur kurz­zei­tig –, als Albi­no Kar­di­nal Lucia­ni, der Patri­arch von Vene­dig, 1978 zum Papst gewählt wur­de. Im Gegen­satz zum kurz dar­auf gewähl­ten Polen Karol Woj­ty­la war Lucia­ni über die Kir­che in Ita­li­en und den Vati­kan sehr gut im Bil­de.

Wie in der Ost­po­li­tik posi­tio­nier­te sich Sil­ve­stri­ni auch ins­ge­samt poli­tisch links. Eines der Instru­men­te sei­ner poli­ti­schen Akti­vi­tä­ten war die 1980 von ihm gegrün­de­te Stif­tung Sacra Famiglia di Naza­reth, deren Prä­si­dent er war. Er för­der­te den Links­ka­tho­li­ken Roma­no Pro­di aus der roten Emi­lia-Roma­gna. Pro­di gehör­te den Christ­de­mo­kra­ten an, trat aber für eine Alli­anz mit der poli­ti­schen Lin­ken ein – und brach­te es damit 1996 und 2006 zum ita­lie­ni­schen Mini­ster­prä­si­den­ten und von 1999 bis 2004 zum Prä­si­den­ten der EU-Kom­mis­si­on.

Dem­entspre­chend war Sil­ve­stri­ni sowohl gegen Ber­lus­co­ni als auch gegen die Lega. Par­al­lel zeig­te sich der Kar­di­nal zu ethi­schen, auch bio­ethi­schen Fra­gen gesprächs­be­reit. So unter­stütz­te er in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die stu­fen­wei­se Aner­ken­nung der „Homo-Ehe“.

Wäh­rend der dop­pel­ten Fami­li­en­syn­ode, 2014/2015, die zur teil­wei­sen Aner­ken­nung von Ehe­bruch und Schei­dung führ­te, war Vil­la Naza­reth das Haupt­quar­tier eini­ger Syn­oda­len, die für einen Para­dig­men­wech­sel in der Moral­leh­re ein­tre­ten. Unter ihnen waren die Kar­di­nä­le Wal­ter Kas­per, Chri­stoph Schön­born und Edo­ar­do Meni­chel­li.

Das von Kar­di­nal Sil­ve­stri­ni gelei­te­te Kol­leg war auch in der von Papst Fran­zis­kus gewoll­ten Annä­he­rung zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Volks­re­pu­blik Chi­na aktiv. Der in der Ost­po­li­tik erfah­re­ne Kar­di­nal wuß­te sich in „Neu­en Ost­po­li­tik“ schnell zu ori­en­tie­ren. Das Ergeb­nis war das im Sep­tem­ber 2018 zwi­schen dem Vati­kan und Peking unter­zeich­ne­te Geheim­ab­kom­men. Sil­ve­stri­ni, stets gut infor­miert, wur­de zwar nicht mehr selbst aktiv. Das über­nahm ein ande­rer ein­fluß­rei­cher Kuri­en­ver­tre­ter des Roma­gna Clans, Msgr. Clau­dio Maria Cel­li.

Cel­li war es, der den rom­treu­en Unter­grund­bi­schö­fen mit­teil­te, daß Papst Fran­zis­kus ihren Rück­tritt wünscht, um Platz zu machen für regi­me­hö­ri­ge, von den Kom­mu­ni­sten ein­ge­setz­te Bischö­fe.

Cel­li fädel­te auch die ersten bei­den Bischofs­er­nen­nun­gen und Wei­hen ein, die in die­ser Woche in der Volks­re­pu­blik Chi­na gemäß dem Geheim­ab­kom­men erfolg­ten. Zudem soll er sich – als guter Diplo­mat stets im Hin­ter­grund tätig – für das Zustan­de­kom­men einer neu­en Links­re­gie­rung in Ita­li­en aus Fünf­ster­ne­be­we­gung (M5S) und Links­de­mo­kra­ten (PD) unter der Füh­rung von Giu­sep­pe Con­te, dem Schütz­ling Sil­ve­stri­nis, ein­ge­setzt haben. Daß Con­te den Auf­trag zur Bil­dung einer vom Brüs­se­ler Estab­lish­ment gewünsch­ten, EU-freund­li­chen Regie­rung unter Aus­schluß der Lega „an sei­nem Todes­tag akzep­tier­te, hät­te Sil­ve­stri­ni sicher gefreut“, so die Tages­zei­tung La Veri­tà heu­te.

Aus der Vil­la Naza­reth stammt gewis­ser­ma­ßen auch der amtie­ren­de Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin, der dort eini­ge Zeit geist­li­cher Assi­stent der Stu­den­ten war.

Meh­re­re Jahr­zehn­te war Vil­la Naza­reth ein Zen­trum der inner­kirch­li­chen Oppo­si­ti­on gegen die Pon­ti­fi­ka­te von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. Mit der Wahl von Papst Fran­zis­kus wech­sel­ten die Vor­zei­chen. Fran­zis­kus ließ es nicht an Auf­merk­sam­keit mis­sen: Min­de­stens zwei­mal emp­fing er mit Sil­ve­stri­ni die Ver­tre­ter der Vil­la Naza­reth, zuletzt am 15. Dezem­ber 2018. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin nahm in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als Red­ner an min­de­stens zwei Tagun­gen von Sil­ve­stri­ni teil.

Der fran­zö­si­sche Jour­na­list Nico­las Diat zitiert in sei­nem 2014 erschie­ne­nen Buch über den Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. einen unge­nann­ten „latein­ame­ri­ka­ni­schen Kar­di­nal“:

„Am Abend der Wahl [von Bene­dikt XVI. im Jahr 2005] bin ich in der Nähe von St. Peter Kar­di­nal Sil­ve­stri­ni begeg­net. Er trug einen blin­den Zorn in sich. […] Er war über­zeugt, daß Ratz­in­ger nur ein Über­gangs­papst sein wer­de. Für ihn und für ande­re Prä­la­ten war Bene­dikt XVI. die Ver­nei­nung aller Reform­be­stre­bun­gen, die Anti­the­se von dem, wofür er in sei­nem Leben gekämpft hat­te.“

Bestä­tigt wird das durch die Ent­hül­lun­gen zum Ver­lauf des Kon­kla­ves von 2005, die gegen­über dem dama­li­gen Vati­ka­ni­sten des TG2 (RAI2), Lucio Bru­nel­li, gemacht wur­den. Bru­nel­li, heu­te Chef von TV2000, dem Fern­seh­sen­der der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, ver­öf­fent­lich­te die ihm zuge­spiel­ten Ent­hül­lun­gen in der lin­ken, geo­po­li­ti­schen Zeit­schrift Limes.

Eine Rekon­struk­ti­on der Ereig­nis­se fin­det sich auch an ande­rer Stel­le, etwa 2009 im Buch über die „Bekennt­nis­se eines Kar­di­nals“ von Oli­ver Le Gend­re. Dem­nach habe Kar­di­nal Sil­ve­stri­ni ver­sucht, damals bereits 81 Jah­re alt und nicht mehr wahl­be­rech­tigt, mit einer orga­ni­sier­ten Akti­on, die Wahl von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger zum Papst zu ver­hin­dern. Sil­ve­stri­ni war aus der Six­ti­ni­schen Kapel­le aus­ge­schlos­sen, ver­füg­te aber noch über vie­le Kon­tak­te und beträcht­li­chen Ein­fluß. Er betä­tig­te sich als orga­ni­sa­to­ri­scher Kopf einer Grup­pe pro­gres­si­ver Kar­di­nä­le, die den selbst­er­klär­ten „Ante­pa­pa“ und dama­li­gen Erz­bi­schof von Mai­land, Car­lo Maria Kar­di­nal Mar­ti­ni SJ, zum Nach­fol­ger von Papst Johan­nes Paul II. küren woll­te. Als sich dies als aus­sichts­los erwies, wur­den die Stim­men auf einen ande­ren Jesui­ten, Jor­ge Mario Kar­di­nal Ber­go­glio, umge­lenkt. Gewählt wur­de schließ­lich doch Kar­di­nal Ratz­in­ger, der den Namen Bene­dikt XVI. annahm.

Nach dem Kon­kla­ve wur­de in der Zeit­schrift von Vil­la Naza­reth ohne nähe­re Anga­ben das Foto eines ver­trau­li­chen Vor­be­rei­tungs­tref­fens ver­öf­fent­licht. Der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne, fran­zö­si­sche Prie­ster Clau­de Bar­t­he mach­te 2009 auf das Tref­fen von „acht Anti-Ratz­in­ger-Kar­di­nä­len“ auf­merk­sam.

Neben Sil­ve­stri­ni war das der Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel, Kar­di­nal Dan­neels, der – offen­sicht­lich so ver­är­gert über die Wahl Ratz­in­gers – die tra­di­tio­nel­le Ein­la­dung des neu­en Pap­stes zum Essen aus­schlug. Wei­ters waren dabei: Kar­di­nal Backis, damals Erz­bi­schof von Wil­na, die deut­schen Kar­di­nä­le Kas­per und Leh­mann, Kar­di­nal Mar­ti­ni, der Bri­te Murphy‑O’Connor, Erz­bi­schof von West­min­ster, und „der Fran­zo­se Kar­di­nal Tau­ran, damals Beauf­trag­ter der Vati­kan­bi­blio­thek, von dem nie­mand wuß­te, nicht ein­mal er selbst, was er dort eigent­lich mach­te“.

Heu­te weiß man, durch die Offen­her­zig­keit von Kar­di­nal Dan­neels im Jahr 2015, daß das Foto Mit­glie­der der damals noch unbe­kann­ten, inner­kirch­li­chen Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len zeigt. Eine von Kar­di­nal Mar­ti­ni in den 90er Jah­ren gegrün­de­te, gehei­me Oppo­si­ti­ons­grup­pe, die das Pon­ti­fi­kat von Johan­nes Paul II. boy­kot­tie­ren und sabo­tie­ren soll­te.

Nico Spun­to­ni von La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na nennt Sil­ve­stri­ni sogar den „Regis­seur der Grup­pe von Sankt Gal­len”. Ähn­li­ches bestä­tigt auf der dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­te Maria Anto­ni­et­ta Cala­b­rò von der lin­ken Huf­fing­ton Post, wenn sie Sil­ve­stri­ni als „ent­schie­de­nen, auch öffent­li­chen Geg­ner von Ratz­in­ger“ bezeich­net.

Am kom­men­den 13. Okto­ber wäre Sil­ve­stri­ni 96 gewor­den.

Requie­scat in pace.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

6 Kommentare

  1. Dan­ke an Herr Nar­di für den aus­ge­zeich­ne­ten Bericht zum Tode von Kar­di­nal Sil­ve­stri­ni. Sehr wich­tig für die Beur­tei­lung
    erscheint mir, dass die über­wie­gen­de Mehr­zahl der oben genann­ten Kar­di­nä­le Frei­mau­rer nach der Pec­corel­li — Liste waren und aus die­sem Grun­de eine ande­re Vati­kan­po­li­tik betrie­ben. Sie sehen die Listen­num­mer, den Namen, die Funk­ti­on, das Ein­tritts­da­tum und die Kurz­be­zeich­nung:
    17. 17. Bet­t­az­zi, Lui­gi. Bishop of Ive­ra, Ita­ly. 5–11-66; # 1347–45. „LUBE.“
    31. 31. Casa­ro­li, Agosti­no. Car­di­nal. Secreta­ry of Sta­te (next to Pope) under Pope John Paul II sin­ce July 1, 1979 until reti­red in 1989. 9–28-57; # 41–076. „CASA.“
    94. 94. Sab­ba­ta­ni, Aure­lio. Arch­bi­shop of Giu­s­ti­nia­na (Giu­s­g­no, Milar Pro­vin­ce, Ita­ly). First Secreta­ry Supre­me Apo­sto­lic Seg­na­tu­ra. 6–22-69; # 87–43. „ASA“
    55. 55. Laghi, Pio. Nun­zio, Apo­sto­lic Dele­ga­te to Argen­ti­na, and then to U.S.A. until 1995. 8–24-69; # 0–538. „LAPI.“
    74. 74. Mon­duz­zi, Dino. Regent to the Pre­fect of the Pon­ti­fi­cal Hou­se. 3–11 ‑67; # 190–2. „MONDI.“
    94. 94. Sab­ba­ta­ni, Aure­lio. Arch­bi­shop of Giu­s­ti­nia­na (Giu­s­g­no, Milar Pro­vin­ce, Ita­ly). First Secreta­ry Supre­me Apo­sto­lic Seg­na­tu­ra. 6–22-69; # 87–43. „ASA“
    Es scheint mir wich­tig mit­tels die­ser Zitie­rung auf­zu­zei­gen, wel­che Kräf­te und mit wel­chen Zie­len die Zer­stö­rung der Kir­che seit Ende der fünf­zi­ger Jah­ren syste­ma­tisch betrie­ben wird. Sie haben alle Kar­rie­re gemacht.

  2. 1.Zitat: „Gott ernied­rigt die Kir­che, um sie dann zu erhe­ben.“
    Die­se For­mu­lie­rung von Msgr.Marinelli ist m.E. ‑respekt­voll aus­ge­drückt- nicht beson­ders geglückt.
    Das hört sich an, als ob Gott ein Böse­wicht wäre, der wider­spen­sti­ge Men­schen zuerst nach unten drückt, um sich nach­her gene­rös zu zei­gen, indem er sie wie­der auf­rich­tet.
    Ernied­ri­gen tun sich die Men­schen schon sel­ber. Dazu brau­chen sie Gott nicht.

    2. Nach Lek­tü­re die­ses Tex­tes kann man man­ches bes­ser ein­ord­nen.
    Es wird deut­li­cher, was Papst Bene­dikt wohl mein­te, als er anfangs sei­nes Pon­ti­fi­kats von den „Wöl­fen im Schafs­pelz“ sprach.
    Das gan­ze Tun die­ser Leu­te offen­bart deren ego­isti­sche, im Grun­de gren­zen­lo­se Selbst­herr­lich­keit. Denen scheint es nicht um das Wohl der Kir­che Jesu Chri­sti zu gehen, son­dern um Errich­tung ihres eige­nen Macht­zir­kels. Auf mich wirkt die­ses Gesche­hen, als ob sie die Kir­che Jesu Chri­sti zer­stö­ren wol­len. Vie­les, was seit 2013 geschah, wird auf ein­mal logisch erklär­bar. Es passt alles auch zu Äuße­run­gen von diver­sen Theo­lo­gen und Geist­li­chen, auch von der SJ, mit denen ich bis­lang zu tun hat­te. …

    3. In guter (christ­li­cher) Manier been­det Herr Nar­di den Text mit den Wor­ten: Requie­scat in pace.
    Selbst wenn Achil­le Sil­ve­stri­ni in Frie­den ruhen soll­te, sei­ne und sei­ner Kol­le­gen Taten haben ande­ren Men­schen z.T. gro­ßen Unfrie­den berei­tet und/oder sie in Glau­bens­schwie­rig­kei­ten gestürzt.
    Ein Prie­ster und Theologe(SJ) hat ein­mal (sinn­ge­mäß) so for­mu­liert: ‚In die­ser Welt kön­nen wir uns alle unse­re Taten, auch die fie­se­sten Schand­ta­ten schön­re­den, für alles kön­nen wir hier in die­ser Welt gute Grün­de anfüh­ren…; wenn wir aber nach unse­rem irdi­schen Tod vor Gott ste­hen, dann wer­den wir unse­re wah­ren Grün­de für unse­re Taten / Schand­ta­ten erken­nen…“

    Ob die Her­ren Mar­ti­ni, Dan­neels, Sil­ve­stri­ni und Co. jetzt über ihre Taten in die­ser Welt so glück­lich und zufrie­den sind?

  3. Ein her­vor­ra­gen­der Arti­kel.
    Drei zusätz­li­che Bemer­kun­gen:
    1. Kar­di­nal Pio Laghi war von 1974–1980 Nun­ti­us in Argen­ti­ni­en ( 2. Pero­ni­sti­sche Peri­ode, Mili­tär­jun­ta und „Ope­raci­on Con­dor“.
    Die Tur­bu­len­zen der dor­ti­gen Jesui­ten und die psych­ia­tri­sche Zustän­de von Jor­ge Ber­go­glio dürf­ten ihm mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit gut bekannt gewe­sen sein.
    Ab 1980 apo­sto­li­scher Dele­gat in den USA; er hob die Zusam­men­ar­beit mit den USA auf einem sol­chen Niveau, daß er selbst der erste Nun­ti­us in den USA wur­de; zu glei­cher Zeit (1985) ent­stand dort die Papal Foun­da­ti­on mit gro­ßen Geld­quel­len für den Vati­kan, wo beson­ders Theo­do­re McCarrick sich pro­fi­lier­te.
    Ab 1993 in Rom, dort u.A. sehr ver­bun­den mit der Gre­go­ria­na, wo die Abtei­lung Kir­chen­recht sich als Brut­stät­te von Homo- und Pädo­phi­lie ent­wickel­te.
    Schon in 1998 wuß­te Pio Laghi Bescheid über das gewal­ti­ge Aus­maß von Pädo­phi­lie in Bel­gi­en und über die zen­tra­le Rol­le dar­in von Kar­di­nal Dan­neels.
    Die St.-Gallenmafia in der Kurie konn­te da noch ein Jahr die Bekämp­fung ver­zö­gern.
    2. Bei Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni war schon 1996 (68 Jah­re alt) die Par­kin­son-Krank­heit bekannt (wahr­schein­lich schon frü­her dia­gno­sti­ziert).
    In sei­nem Fal­le rasch vor­an­schrei­tend und bei der bekann­ten Erschöp­fung der Arz­neithe­ra­pie nach ca. 10 bis 12 Jah­ren war Mar­ti­ni in 2005 schon äusserst stark ange­schla­gen und pfle­ge­be­dürf­tig.
    Als papa­bi­le kam er bei der Kon­kla­ve in 2005 nicht mehr in Betracht.
    3. Die Ver­samm­lung der Mit­glie­der des Klubs von ankt-Gal­len direkt vor der Kon­kla­ve 2005 ist nicht nur durch das Foto in der Zeit­schrift der Vil­la Naza­reth doku­men­tiert.
    In bester Stim­mung schick­ten die Mit­glie­der eine Ansicht­kar­te aus Rom zu Bischof Ingo Fürer, damals Bischof von St.-Gallen und lang­jäh­ri­ger Gast­ge­ber die­ser Mafia­kon­fe­renz, und schrie­ben auf der Rück­sei­te:
    „Wir sind hier ver­eint in dem Geist von St.-Gallen“.
    Viel idio­ti­scher kann Hybris nicht sein.

  4. Kaum ein Cha­rak­ter in „Der letz­te Papst“ — mit Aus­nah­me von Papst Johan­nes Paul II. — der so scharf cha­rak­te­ri­siert ist, wie Achil­le Sil­ve­stri­ni ali­as Sil­vio Aurea­ti­ni.

  5. Wer den Arti­kel von Herrn Nar­di genau liest, der erkennt eine Etap­pe und ver­mut­lich die letz­te Etap­pe der Kir­chen­ge­schich­te.
    Sil­ve­stri­ni war an ent­schei­den­der Stel­le. Es ist erkenn­bar, dass die Frei­mau­re­rei ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Kir­che auch mit sei­nem Ein­fluss gewon­nen hat und nur mehr ein Ziel hat­te, den zukünf­ti­gen Papst zu bestim­mem und für ihre Zie­le arbei­ten zulas­sen. Dies gelang mit dem Kon­kla­ve 2015 nicht und der im Sin­ne der Frei­mau­rer fata­le „Feh­ler“ von 2005 wur­de 2013 kor­ri­giert. Aber Bene­dikt XVI lebt immer noch als Katechon, als der Papst eme­ri­tus mit allen äuße­ren Zei­chen eines Pap­stes beklei­det. Wer offe­ne Fra­gen hat, der kann in sei­nem geschrie­be­nen Wort, sei­nen groß­ar­ti­gen Reden,die poli­tisch so unge­wollt waren, nach­se­hen und wird Ant­wort bekom­men, auch auf die Fra­gen, die sich aus den Ver­kün­di­gun­gen und Stel­lung­nah­men des Fran­zis­kus erge­ben.

    • Lie­ber Hans 2. Es kann letz­ten Endes nicht sein, dass sich Gott das Heft des Han­delns aus der Hand neh­men lässt, von wem auch immer, auch wenn dies der­zeit manch­mal den Anschein hat. Daher und auf­grund diver­ser pro­phe­ti­scher Wor­te, vor allem die der Evan­ge­li­sten, ver­spü­re auch ich zuneh­mend deut­li­cher, dass sich die Geschich­te der Kir­che – möch­te sogar mei­nen, die Geschich­te der Mensch­heit – in einer ent­schei­den­den Etap­pe, mög­li­cher­wei­se ihrer letz­ten befin­det.

      Auch wenn mir per­sön­lich die Frei­mau­re­rei noch immer ziem­lich fremd ist, dürf­te Giu­sep­pe Nar­dis Bericht mei­ner Ein­schät­zung nach ins Schwar­ze tref­fen — und kann also kaum als „schwar­ze Legen­de“ abzu­tun sein.

      Was den aus — wel­chen Grün­den auch immer — eme­ri­tier­ten Papst betrifft, so ist er, solan­ge er lebt auf Erden, nach wie vor der von mir hoch­ge­schätz­te Papst Bene­dikt XVI. Sei­ne Wor­te, sei­ne Theo­lo­gie wer­den nicht ver­ge­hen, denn sie ste­hen mit den Wor­ten Jesu in vol­lem Ein­klang.

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