Wagen Sie es, Monsignore! – Appell der Stiftung Lepanto

25 Jahre später...

Jesus in der Krippe, doch die Kirchenkrise weitet sich aus. Prof. Roberto de Mattei verfaßte einen dringenden Appell.
Jesus in der Krippe, doch die Kirchenkrise weitet sich aus. Prof. Roberto de Mattei verfaßte einen dringenden Appell.

Vor 25 Jah­ren, am 8. Febru­ar 1994, stimm­te das Euro­päi­sche Par­la­ment für eine Reso­lu­ti­on, mit der die euro­päi­schen Staa­ten auf­ge­for­dert wur­den, die Homo­se­xua­li­tät zu för­dern und recht­lich zu schüt­zen.

Beim Ange­lus vom 20. Febru­ar 1994 wand­te sich der Hei­li­ge Vater Johan­nes Paul II. an die Welt­öf­fent­lich­keit mit der Fest­stel­lung, daß „die recht­li­che Aner­ken­nung der homo­se­xu­el­len Pra­xis mora­lisch unzu­läs­sig ist. (…) Mit der Reso­lu­ti­on des Euro­päi­schen Par­la­ments wur­de gefor­dert, eine mora­li­sche Unord­nung zu legi­ti­mie­ren. Das Par­la­ment hat abwei­chen­den Ver­hal­tens­wei­sen einen unzu­läs­si­gen insti­tu­tio­nel­len Wert zuge­mes­sen, die dem Plan Got­tes nicht ent­spre­chen.“

Im Mai des­sel­ben Jah­res ver­brei­te­te das Kul­tur­zen­trum Cen­tro Cul­tu­ra­le Lepan­to in Straß­burg unter den Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten ein Mani­fest mit der Über­schrift „Euro­pa in Straß­burg: ver­tre­ten oder ver­ra­ten“. Es war ein empör­ter Pro­test gegen die För­de­rung eines vom christ­li­chen und abend­län­di­schen Gewis­sen ver­ur­teil­ten Lasters. Es for­der­te von allen euro­päi­schen Bischö­fen:

„ihre Stim­me mit der des ober­sten Hir­ten zu ver­ei­nen, um sie in ihren Diö­ze­sen zu mul­ti­pli­zie­ren, indem sie öffent­lich die mora­li­sche Schuld anpran­gern, derer sich das Euro­päi­sche Par­la­ment befleckt hat­te, und indem sie die ihnen anver­trau­te Her­de vor den wach­sen­den Angrif­fen der anti­christ­li­chen Kräf­te in der Welt war­nen“.

Heu­te hat einer der wich­tig­sten euro­päi­schen Staa­ten nach dem ande­ren, ein­schließ­lich jener mit der älte­sten katho­li­schen Tra­di­ti­on, die Homo­se­xua­li­tät zum Rechts­gut erho­ben, indem sie in unter­schied­li­cher Form die soge­nann­te „Homo-Ehe“ aner­kannt und die Straf­tat der „Homo­pho­bie“ ein­ge­führt haben. Die Hir­ten der Kir­che, die der Homo­se­xua­li­sie­rung der Gesell­schaft, die von der poli­ti­schen Klas­se und den Medi­en- und Finanz-Olig­ar­chien geför­dert wird, einen unüber­wind­ba­ren Damm ent­ge­gen­set­zen hät­ten müs­sen, haben sie in Wirk­lich­keit durch ihr Schwei­gen begün­stigt. Sogar an der Spit­ze der Kir­che hat sich die prak­ti­zier­te Homo­se­xua­li­tät und eine soge­nann­te „Gay-friendly“-Kultur wie eine Meta­sta­se aus­ge­brei­tet, die das homo­se­xu­el­le Laster recht­fer­tigt und ermu­tigt.

Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der, der Weih­bi­schof von Asta­na, schrieb am 28. Juli 2018:

„Wir sind Zeu­gen des unglaub­li­chen Sze­na­ri­os, daß eini­ge Prie­ster und sogar Bischö­fe und Kar­di­nä­le schon damit begon­nen haben, ohne zu errö­ten, Weih­rauch­kör­ner vor dem Göt­zen der Ideo­lo­gie der Homo­se­xua­li­tät bzw. der Gen­der­theo­rie zu ver­bren­nen, und das unter dem Bei­fall der Mäch­ti­gen die­ser Welt, d.h. unter dem Bei­fall von Poli­ti­kern, der Mas­sen­me­di­en und mäch­ti­ger inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen.“

Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò pran­ger­te in sei­nem histo­ri­schen Zeug­nis vom 22. August 2018 unter Nen­nung von kon­kre­ten Namen und prä­zi­sen Umstän­den die Exi­stenz einer „homo­se­xu­el­len­freund­li­chen Strö­mung“ an,

„wel­che für einen Umsturz der katho­li­schen Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät ist, einer Strö­mung, die schon 1986 von Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger, dem dama­li­gen Prä­fek­ten der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re im Schrei­ben an die Bischö­fe der katho­li­schen Kir­che über die Seel­sor­ge für homo­se­xu­el­le Per­so­nen ange­zeigt wur­de“.

Die­se muti­gen Stim­men sind bis heu­te iso­liert geblie­ben. Das Kli­ma von Gleich­gül­tig­keit und Schwei­gen, das in der Kir­che herrscht, hat tie­fe, mora­li­sche und dok­tri­nä­re Wur­zeln, die bis in die Zeit des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils zurück­rei­chen, als die kirch­li­chen Hier­ar­chien den Säku­la­ri­sie­rungs­pro­zeß als ein unum­kehr­ba­res Phä­no­men akzep­tier­ten.

Wenn sich die Kir­che aber dem Säku­la­ris­mus unter­ord­net, wird das Reich Got­tes ver­welt­licht und zu einer Macht­struk­tur redu­ziert. Der kämp­fe­ri­sche Geist löst sich auf, und die Kir­che beugt das Evan­ge­li­um nach den Wün­schen der Welt, anstatt die Welt zum Gesetz des Evan­ge­li­ums zu bekeh­ren.

Wir möch­ten wie­der die glü­hen­den Wor­te eines hei­li­gen Petrus Damia­ni und eines hei­li­gen Bern­har­din von Sie­na ver­neh­men, statt den Satz von Papst Fran­zis­kus: „Wenn jemand homo­se­xu­ell ist und Gott sucht und guten Wil­lens ist, wer bin ich, über ihn zu urtei­len?“ Wenn die Bedeu­tung die­ses Sat­zes von den Mas­sen­me­di­en ent­stellt wur­de, wäre es not­wen­dig, die media­le Instru­men­ta­li­sie­rung mit kla­ren und fei­er­li­chen Doku­men­ten zu bekämp­fen, mit denen die Homo­se­xua­li­tät ver­ur­teilt wird, wie das der hei­li­ge Pius V. mit den bei­den Kon­sti­tu­tio­nen Cum Pri­mum vom 1. April 1566 und mit Hor­ren­dum illud scleus vom 30. August 1568 getan hat. Das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia von Papst Fran­zis­kus vom 8. April 2016 schweigt hin­ge­gen nicht nur zu die­ser sehr schwer­wie­gen­den, mora­li­schen Unord­nung, son­dern rela­ti­viert die Bestim­mun­gen des Natur­rechts, indem es dem Kon­ku­bi­nat und dem Ehe­bruch den Weg ebnet.

Des­halb wen­den wir uns mit die­sem Appell an Sie, Mon­si­gno­re.

Der Kirche dienen

Das Wort Mon­si­gno­re bezeich­net eine Wür­de, aber weder eine Macht noch eine büro­kra­ti­sche Funk­ti­on. Allen Bischö­fen als Nach­fol­ger der Apo­stel wird der Titel eines Mon­si­gno­re zuer­kannt, aber auch ein­fa­che Prie­ster kön­nen ihn erhal­ten. Das Wort Wür­de, auch wenn ihr eine Erklä­rung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils gewid­met ist, scheint heu­te ihre Bedeu­tung ver­lo­ren zu haben. Wür­de bedeu­tet, sich einer Rol­le und einer Auf­ga­be bewußt zu sein, die von Gott anver­traut wur­de. Vom Respekt für die eige­ne Wür­de lei­tet sich das Ehr­ge­fühl ab. Ihre Wür­de, Mon­si­gno­re, rührt von der Ehre her, die Ihnen zukommt, der Kir­che zu die­nen, ohne eige­ne Inter­es­sen oder die Zustim­mung der Mäch­ti­gen zu suchen. Die Wür­de als Mon­si­gno­re haben Sie von der Kir­che und nicht von den Män­nern der Kir­che erhal­ten, und allein der Kir­che sind Sie Rechen­schaft schul­dig. Die Kir­che ist die gött­li­che Gesell­schaft, die von Jesus Chri­stus gegrün­det wur­de, die immer per­fekt und sieg­reich ist, in Zeit und Ewig­keit. Die Kir­chen­män­ner kön­nen der Kir­che die­nen oder sie ver­ra­ten. Der Kir­che die­nen heißt, die Inter­es­sen der Kir­che, die jene von Jesus Chri­stus sind, den per­sön­li­chen Inter­es­sen vor­an­zu­stel­len. Die Kir­che ver­ra­ten heißt, die Inter­es­sen einer Fami­lie, eines Ordens, einer kirch­li­chen Auto­ri­tät im Sin­ne einer Pri­vat­per­son der Wahr­heit der Kir­che vor­an­zu­stel­len, die die Wahr­heit Jesu Chri­sti ist, dem ein­zi­gen Weg, der ein­zi­gen Wahr­heit und dem ein­zi­gen Leben (Joh 14,6).

Wir wür­den Ihrer Intel­li­genz Unrecht tun, Mon­si­gno­re, wenn wir nicht anneh­men wür­den, daß Sie sich in gewis­ser Wei­se der Kri­se der Kir­che bewußt sind. Eini­ge füh­ren­de Kar­di­nä­le haben bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten ihr Unbe­ha­gen und ihre Sor­ge zum Aus­druck gebracht über das, was in der Kir­che geschieht. Das­sel­be Unbe­ha­gen emp­fin­det auch der ein­fa­che Mensch, der von den neu­en reli­giö­sen und mora­li­schen Para­dig­men tief des­ori­en­tiert ist. Wie oft haben Sie, wegen die­ses Unbe­ha­gens, im Pri­va­ten die Arme aus­ge­brei­tet und ihren Gesprächs­part­ner zu beru­hi­gen ver­sucht mit Wor­ten wie: „Wir kön­nen nichts machen, außer Schwei­gen und Beten. Der Papst ist nicht unsterb­lich. Den­ken wir an das näch­ste Kon­kla­ve“.

Alles, aber nicht spre­chen, aber nicht han­deln. Das Schwei­gen als ober­ste Ver­hal­tens­re­gel. Fällt bei die­ser Hal­tung nicht auch die mensch­li­che Unter­wür­fig­keit, der Ego­is­mus, der vor allem auf ein ruhi­ges Leben abzielt, und der Oppor­tu­nis­mus jener, die imstan­de sind, sich jeder Situa­ti­on anzu­pas­sen, ins Gewicht? Es zu bestä­ti­gen, hie­ße, den Absich­ten den Pro­zeß zu machen, doch den Absich­ten kön­nen nicht die Men­schen den Pro­zeß machen, son­dern nur Gott am Tag des Gerichts, wenn wir allein vor Ihm ste­hen wer­den, um aus Sei­nem Mund das unan­fecht­ba­re Urteil  zu hören, das uns zur ewi­gen Glück­se­lig­keit oder zur ewi­gen Ver­damm­nis führt. Wer auf Erden lebt, kann nur über die Fak­ten und die Wor­te urtei­len, so wie sie objek­tiv klin­gen. Die Wor­te, mit denen Sie, Mon­si­gno­re, Ihr Ver­hal­ten erklä­ren, sind manch­mal edler als Ihre Gefüh­le. „Wir müs­sen dem Papst gehor­chen, auch wenn es uns miß­fällt, weil er der Fels ist, auf dem Chri­stus sei­ne Kir­che erbaut hat“, oder: „Wir müs­sen um jeden Preis ein Schis­ma ver­mei­den, weil es das schlim­me­re Unglück für die Kir­che wäre“.

Edle Wor­te, weil sie die Wahr­heit sagen. Der Papst ist das Fun­da­ment der Kir­che, und die Kir­che hat nichts mehr zu fürch­ten, als ein Schis­ma. Wir möch­ten Sie, Mon­si­gno­re, aber dar­über zum Nach­den­ken brin­gen, daß der Weg des abso­lu­ten Schwei­gens, den Sie gehen, dem Papst Scha­den bringt und das Schis­ma in der Kir­che nur beschleu­nigt.

Es stimmt, daß der Papst das Fun­da­ment der Kir­che ist, aber mehr noch als auf ihn ist die Kir­che auf Jesus Chri­stus gegrün­det. Jesus Chri­stus ist das erste und gött­li­che Fun­da­ment der Kir­che. Petrus ist das nach­ge­ord­ne­te, zwei­te und mensch­li­che, wenn auch gött­lich unter­stütz­te Fun­da­ment. Der gött­li­che Bei­stand schließt weder den Irr­tum noch die Sün­de aus. In der Kir­chen­ge­schich­te fehlt es nicht an Päp­sten, die gesün­digt und geirrt haben, ohne daß dadurch die Insti­tu­ti­on des Papst­tums beein­träch­tigt wur­de. Zu sagen, daß man dem Papst fol­gen müs­se, ohne jemals von ihm abzu­rücken, und indem man ver­zich­tet, ihn in Aus­nah­me­fäl­len respekt­voll zurecht­zu­wei­sen, hie­ße, der Kir­che alle Feh­ler zuzu­schrei­ben, die im Lau­fe der Jahr­hun­der­te von Kir­chen­män­nern began­gen wur­den. Der Man­gel an die­ser Unter­schei­dung zwi­schen Kir­che und Kir­chen­män­nern nützt aber den Fein­den der Kir­che, um sie anzu­grei­fen, und den fal­schen Freun­den, um ihr nicht die­nen zu müs­sen.

Eben­so fol­gen­reich ist die Behaup­tung, das Schwei­gen zu bre­chen, die Wahr­heit zu sagen und – wenn nötig – die Untreue selbst des höch­sten Hir­ten anzu­pran­gern, wür­de zu einem Schis­ma füh­ren. Das Schis­ma aber bedeu­tet Spal­tung, doch nie zuvor schien die Kir­che in ihrem Inne­ren gespal­te­ner und frag­men­tier­ter als in die­sem Moment. Inner­halb jeder Pfar­rei, jeder Diö­ze­se, jeder Nati­on ist es unmög­lich, eine all­ge­mei­ne Regel zu defi­nie­ren, wie das Evan­ge­li­um zu leben ist, weil jeder die Erfah­rung eines ande­ren Chri­sten­tums macht, sowohl im lit­ur­gi­schen wie im dog­ma­ti­schen Bereich, indem er sich sei­ne eige­ne Reli­gi­on zim­mert, sodaß an Gemein­sa­men nur der Name bleibt, aber nicht mehr die Sub­stanz. Was sind die Grün­de für die­se Zer­split­te­rung? Der Stern ist ver­schwun­den, der den Weg weist, und die Gläu­bi­gen rücken im Dun­kel der Nacht vor, indem sie Mei­nun­gen und per­sön­li­chen Gefüh­len fol­gen, ohne daß eine Stim­me sich erhebt, um ihnen die unver­än­der­li­che Glau­bens­leh­re und Glau­bens­pra­xis der Kir­che in Erin­ne­rung zu rufen. Das Schis­ma wird durch die Dun­kel­heit pro­vo­ziert, die eine Toch­ter des Schwei­gens ist. Nur kla­re Wor­te, kri­stall­kla­re Stim­men, Stim­men, die der Tra­di­ti­on voll­kom­men treu sind, kön­nen die Fin­ster­nis besei­ti­gen und es den guten Katho­li­ken ermög­li­chen, die von die­sem Pon­ti­fi­kat pro­vo­zier­ten Spal­tun­gen zu über­win­den und neue Demü­ti­gun­gen der Kir­che, nach jenen, die ihr von Papst Fran­zis­kus zuge­fügt wur­den, zu ver­mei­den. Um die Kir­che vor dem Schis­ma zu bewah­ren, gibt es nur einen Weg: Die Wahr­heit zu ver­kün­den. Durch Schwei­gen begün­sti­gen wir es nur.

Dringender Appell

Mon­si­gno­re, Sie, der über eine Wür­de ver­fügt, eine mora­li­sche Auto­ri­tät aus­übt, ein Erbe besitzt, wovor fürch­ten Sie sich? Die Welt kann Sie angrei­fen mit Ver­leum­dun­gen und übler Nach­re­de. Ihre Obe­ren kön­nen Sie Ihrer Auto­ri­tät und äuße­ren Wür­de berau­ben. Sie sind aber dem Herrn Rechen­schaft schul­dig, wie jeder von uns, am Tag des Gerichts, wenn alles gewo­gen und beur­teilt wird. Fra­gen Sie nicht uns, was kon­kret zu tun ist. Wenn Sie es wagen wol­len, wird der Hei­li­ge Geist es nicht an Bei­stand feh­len las­sen und Ihrem Gewis­sen Zeit, Art und Ton ein­ge­ben, um aus der Deckung zu tre­ten und „Licht der Welt“ und eine „Fackel auf dem Leuch­ter“ zu sein, denn „eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht ver­bor­gen blei­ben“ (Mt 5,13–16).

Wor­um wir Sie bit­ten, Mon­si­gno­re, ist, eine Hal­tung der kind­li­chen Kri­tik, des respekt­vol­len Wider­stan­des und der got­tes­fürch­ti­gen, mora­li­schen Distan­zie­rung von den Ver­ant­wort­li­chen der Selbst­zer­stö­rung der Kir­che. Wagen Sie es, offen jene zu ermu­ti­gen, die die Kir­che in ihrem Inne­ren ver­tei­di­gen, und beken­nen Sie öffent­lich die gan­ze katho­li­sche Wahr­heit. Wagen Sie es, ande­re Mit­brü­der zu suchen, die sich Ihnen und uns anschlie­ßen, um gemein­sam jenen Schlacht­ruf der Lie­be aus­zu­ru­fen, den der hei­li­gen Lud­wig Maria Gri­g­ni­on de Mont­fort im pro­phe­ti­schen Flam­menge­bet for­mu­lier­te:

„Feu­er! Feu­er! Feu­er! Zu Hil­fe! Zu Hil­fe! Zu Hil­fe! Feu­er im Hau­se Got­tes! Feu­er in den See­len! Feu­er bis ins Hei­lig­tum!“

Feu­er­zun­gen wie jene zu Pfing­sten, grel­ler Feu­er­schein, wie jener der Höl­le schei­nen auf der Erde in der Schwe­be. Zer­stö­re­ri­sches Feu­er, rei­ni­gen­des Feu­er, erneu­ern­des Feu­er, das bestimmt ist, die Erde zu umfas­sen, zu ver­zeh­ren und zu ver­wan­deln. Möge das gött­li­che Feu­er vor jenem des Zorns auf­lo­dern, das unse­re Gesell­schaft zu Staub zer­fal­len läßt, wie es Sodom und Gomor­rha erging. Das ist der Grund für den Appell, den ich an Sie rich­te, 25 Jah­re nach jener ver­häng­nis­vol­len Reso­lu­ti­on des Euro­päi­schen Par­la­ments, für das Heil der See­len, für die Ehre der Kir­che und für die Ret­tung unse­rer Gesell­schaft.

Mon­si­gno­re, machen Sie sich den Appell zu eigen, der auch eine Anru­fung der Got­tes­mut­ter und der Engel ist, damit sie so schnell als mög­lich ein­grei­fen, um die Kir­che und die gan­ze Welt zu ret­ten. Wagen Sie es, Mon­si­gno­re, machen Sie sich die­sen hei­li­gen Vor­satz für das Jahr 2019 zu eigen, und Sie wer­den uns im guten Kampf an Ihrer Sei­te haben!

Rober­to de Mattei
Prä­si­dent der Fon­da­zio­ne Legan­to
zu Füßen der Krip­pe, an die­sem ersten Sams­tag im Monat Janu­ar des Jah­res 2019, der Vigil der hei­li­gen Epi­pha­nie.

www.fondazionelepanto.org – info [a] fondazionelepanto.org

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

2 Kommentare

  1. Zitat: „Wir müs­sen dem Papst gehor­chen, auch wenn es uns miß­fällt, weil er der Fels ist, auf dem Chri­stus sei­ne Kir­che erbaut hat“, oder: „Wir müs­sen um jeden Preis ein Schis­ma ver­mei­den, weil es das schlim­me­re Unglück für die Kir­che wäre“. Edle Wor­te, weil sie die Wahr­heit sagen. Der Papst ist das Fun­da­ment der Kir­che, und die Kir­che hat nichts mehr zu fürch­ten, als ein Schis­ma.

    Die ober­ste und edel­ste Auf­ga­be des Pap­stes ist es, das Depó­si­tum Fidei unver­kürzt und unver­än­dert zu bewah­ren, sowie es unver­kürzt und unver­än­dert wei­ter­zu­ge­ben. Weder darf er etwas hin­zu­fü­gen, noch etwas davon weg­neh­men. Der Papst steht nicht über dem Glau­ben, son­dern ist des­sen ober­ster Die­ner, Sach­wal­ter und Ver­tei­di­ger. Dar­in liegt das Prin­zip der Tra­di­ti­on, und nur so war über­haupt deren lücken­lo­se Wei­ter­ga­be mög­lich. Es gilt das Wort des hei­li­gen Apo­stels Pau­lus: „Trá­di­di enim vobis in pri­mis quod et acce­pi. (1. Cor. 15;3)“ – „Ich habe es euch vor allem so wei­ter­ge­ge­ben, wie ich es sel­ber emp­fan­gen habe.“ Genau die­se Sen­tenz hat­te sich der ver­ehr­te Erz­bi­schof, S.E. Mar­cel Lef­eb­v­re, zum Wahl­spruch aus­er­ko­ren.

    Die katho­li­sche Theo­lo­gie unter­schei­det Tugen­den und Kar­di­nal­tu­gen­den. Eine Kar­di­nal­tu­gend gilt immer, über­all, zu jeder Zeit, grund­sätz­lich, aus­nahms­los und bedin­gungs­los, wie etwa das Erste Gebot. Für eine ordi­nä­re Tugend gilt das hin­ge­gen nicht so rigo­ros, wie etwa für den Gehor­sam – etwa heut­zu­ta­ge post­kon­zi­li­ar den Gehor­sam gegen­über der for­mell gesetz­ten Auto­ri­tät der Hei­li­gen Kir­che.
    In der Kano­nik unter­schei­den wir wei­ter zwei Kate­go­rien von Gehor­sam: Dok­tri­nel­ler Gehor­sam, sowie prag­ma­ti­scher Gehor­sam. Dok­tri­nel­ler Gehor­sam bedeu­tet für uns Katho­li­ken, daß wir uns dazu bereit fin­den, alles zu glau­ben, was die Kir­che uns gelehrt hat – was zwangs­läu­fig die Prä­mis­se beinhal­tet und vor­aus­setzt, daß sich die Kir­che nie­mals irrt, sich nie­mals wider­spricht oder Brü­che in der Leh­re offen­bart. Denn: Wel­che Leh­re wäre denn dann die rich­ti­ge? Wel­che die fal­sche? Wel­che von bei­den wäre ich als Kind der Kir­che denn dann gehal­ten zu glau­ben? Bei­de zusam­men simul­tan und syn­chron zu glau­ben ist nach allen Geset­zen der Logik nicht mög­lich: Hin­sicht­lich einer Pro­blem­stel­lung kön­nen The­se und Anti­the­se nicht gleich­zei­tig rich­tig oder eben gleich­zei­tig falsch sein.

    Die Hei­li­ge Kir­che ist eine hier­ar­chisch struk­tu­rier­te Kör­per­schaft, und selbst­ver­ständ­lich muß sie als sol­che auch effi­zi­ent funk­tio­nie­ren. Prag­ma­ti­scher Gehor­sam besagt, daß der Unter­ge­be­ne dem Vor­ge­setz­ten Gehor­sam schul­det – unter der Vor­aus­set­zung, daß der Vor­ge­setz­te sei­ne höhe­re Posi­ti­on nicht miß­bräuch­lich ver­wen­det. Kein Vor­ge­setz­ter dürf­te von mir Gehor­sam ein­for­dern, dum­me, fal­sche oder böse Din­ge zu tun, zu sagen oder zu glau­ben. Man darf von mir z.B. nicht ver­lan­gen, etwa ein gel­bes anstel­le eines grü­nen Autos zu kau­fen, zu behaup­ten, 1 + 1 erge­be 3 – oder etwas Böses, was gegen den Glau­ben gerich­tet ist.
    Es dürf­te klar erkenn­bar sein, daß der dok­tri­nel­le Gehor­sam dem prag­ma­ti­schen grund­sätz­lich über­ge­ord­net ist, also Vor­aus­set­zung und Grund­la­ge für die funk­tio­nie­ren­de und rechts­si­che­re Prag­ma­tik ist, und genau dar­auf hat ja unser ver­ehr­ter Erz­bi­schof, S.E. Mar­cel Lef­eb­v­re, immer beharrt: Rom muß zuerst den wah­ren Glau­ben wie­der­fin­den.

    Ab dem Pon­ti­fi­kat Papst Johan­nes XXXIII. und des­sen initi­ier­ten Kon­zil VK II haben die Kon­zils­vä­ter vor­sätz­lich zahl­lo­se Brü­che an der Leh­re began­gen: Sie haben sich für die Sakra­men­te neue For­meln und Defi­ni­tio­nen aus­ge­dacht, und sie haben das Hei­li­ge Meß­op­fer „neu“ defi­niert oder gar völ­lig umde­fi­niert und damit ent­stellt. Vor allem für Pro­te­stan­ten hat man sich einen „Öku­me­nis­mus“ aus­ge­dacht – gera­de so, als es z.B. mög­lich wäre, Papst und Papst­tum gleich­zei­tig anzu­neh­men und eben abzu­leh­nen. Man hat sich eine „Reli­gi­ons­frei­heit“ aus­ge­dacht – gera­de so, als ob man sich aus­su­chen kön­ne, ob denn nun das Erste Gebot, sowie die Wor­te Unse­res Herr­gott Jesus Chri­stus „Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben. Nie­mand kommt zum Vater denn durch mich!“ gül­tig sei­en oder eben nicht.

    Es gibt also angeb­lich kei­ne abso­lu­ten Wahr­hei­ten mehr, alles ist gleich, rela­tiv und abhän­gig von Gefüh­len, Mei­nun­gen und/oder pri­va­tem Gusto. Rela­ti­vis­mus eben. Rela­ti­vis­mus eben demon­stra­tiv auch des­we­gen, weil die post­kon­zi­lia­ren Kir­chen­für­sten behaup­ten, es habe ja nie­mals einen Bruch gege­ben. Papst Bene­dikt XVI. selbst sprach ja völ­lig unge­rührt von einer „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“. Was bedeu­tet all dies z.B. in Anbe­tracht der Tat­sa­che, daß wir momen­tan zwei leben­de Päp­ste neben­ein­an­der haben? Als „Zwie­sprech und Dop­pel­denk“ cha­rak­te­ri­sier­te Geor­ge Orwell das Rela­ti­vis­mus-Phä­no­men in sei­nem weg­wei­sen­den Roman „1984“.
    Jeder, der sei­ne Sin­ne bei­sam­men hat, sich um Klar­heit und Wahr­heit im Den­ken, Spre­chen und Han­deln müht, und der eben kei­ne sini­stren, bos­haf­ten Din­ge im Schil­de führt, muß klar erken­nen: Seit dem Able­ben von Papst Pius XII., also seit A.D. 1958, haben die seit damals ver­ant­wort­li­chen Kir­chen­für­sten einen tie­fen Bruch in Leh­re und Tra­di­ti­on began­gen und dem­nach zu ver­ant­wor­ten.

    Ver­ab­so­lu­tiert man also das ein­gangs ange­führ­te Zitat, begeht man, erstens, wenn­gleich womög­lich unab­sicht­lich, einen schwe­ren Feh­ler, sowie zwei­tens, schiebt man den tra­di­ti­ons­treu­en Katho­li­ken Schuld an und Ver­ant­wor­tung für die aus allen Wun­den blu­ten­de Kir­che zu. Wir schul­den dem Papst und den kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten Gehor­sam, aber kei­nen Kada­ver­ge­hor­sam. Sie kön­nen von uns nicht ver­lan­gen, grund­sätz­lich alles zu tun, zu den­ken und zu glau­ben was sie wol­len; das wäre ja pure Will­kür. Es gilt die Sen­tenz aus der Philíp­pi­ka des Hei­li­gen Apo­stels Petrus (Act. 5; 29) an die Juden: „Wir müs­sen Gott mehr gehor­chen als den Men­schen!“

    In Cri­sto per Mari­am +

    Car­los­mi­guel

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