Pfarrer wird von politisch korrekter Kirchenhierarchie „gekreuzigt“

Was ist die entscheidende Frage?

Don Piacentini, Pfarrer südlich von Rom, ärgerte sich über den Migrationsbetrug und die Verzerrung der Wirklichkeit durch die politische Korrektheit. Die stürzte sich gleich auf ihn.
Don Piacentini, Pfarrer südlich von Rom, ärgerte sich über den Migrationsbetrug und die Verzerrung der Wirklichkeit durch die politische Korrektheit. Die stürzte sich gleich auf ihn.

(Rom) Er hat­te es bereits befürch­tet, ans Kreuz geschla­gen zu wer­den: Don Dona­to Pia­cen­ti­ni, Pfar­rer von Sora in Ita­li­en, wird von schwe­rem Geschütz des Ein­heits­den­kens ins Visier genom­men. Grund ist sei­ne Pre­digt, die er am Fest des hei­li­gen Rochus am 16. August hielt. Dabei fiel das Stich­wort Migra­ti­on, und dabei sehen man­che rot, neu­er­dings vor allem auch in der Kir­che.

Eine Dik­ta­tur kommt weder immer im Stech­schritt, in Uni­form oder sonst­wie ein­deu­tig erkenn­bar. Es gibt auch ein schlei­chen­des Abglei­ten, indem eine Grup­pe ihr Den­ken dem Rest auf­zwingt – und das immer bedin­gungs­lo­ser. Don Pia­cen­ti­ni sprach in sei­ner Pre­digt aus, was die vie­le sei­ner Lands­leu­te den­ken: Von den Schif­fen der soge­nann­ten NGO-See­not­ret­ter gehen zahl­rei­che Wirt­schafts­mi­gran­ten von Bord, die trotz gegen­tei­li­ger Behaup­tun­gen kei­ne Flücht­lin­ge sind und auch nie in See­not gera­ten sind. Den Pfar­rer stör­te vor allem der drei­fa­che Betrug, denn als wür­de das Gesag­te noch nicht rei­chen, geben sich etli­che der ille­ga­len Ein­wan­de­rer als Min­der­jäh­ri­ge aus, obwohl sie es gar nicht sind.

„Sie haben ein Smart­pho­ne in der Hand und eine Gold­ket­te um den Hals, behaup­ten aber, Flücht­lin­ge zu sein und Ver­fol­gung zu lei­den. Wel­che Ver­fol­gung denn? Schau­en wir uns um, schau­en wir uns unse­re Stadt an, schau­en wir unser Vater­land an. Wir brau­chen nicht die Bil­der aus dem Fern­se­hen, um die Wirk­lich­keit zu sehen. Wir müs­sen nur die Augen auf­ma­chen. (…) Und schau­en wir auf die Men­schen, die uns nahe sind, und die unse­re Hil­fe brau­chen.“

Der Pfar­rer sag­te nichts, wie er anschlie­ßend erklär­te, was er nicht aus eige­ner Anschau­ung bezeu­gen könn­te. Den­noch war sei­ne Pre­digt wie ein Stich ins Wes­pen­nest. Das Aus­maß des Stur­mes, der über ihn her­ein­brach, hat­te er sich nicht aus­ma­len kön­nen. Am Wochen­en­de muß­te er von der Poli­zei in die Kir­che beglei­tet wer­den, um die Mes­se zele­brie­ren zu kön­nen.

Der Pfar­rer hat­te nur eine Mei­nung geäu­ßert. Über sie mag man dis­ku­tie­ren kön­nen, aber genau das hal­ten man­che, die gro­ßen Ein­fluß haben, bereits für uner­träg­lich. Er hat kein Dog­ma geleug­net, kein Kir­chen­ge­setz ver­letzt und kei­nen lit­ur­gi­schen Unfug getrie­ben. Den­noch wur­de er von der Kir­chen­hier­ar­chie sofort gerügt. Sein eige­ner Bischof, Msgr. Ger­ar­do Anto­naz­zo, zog gegen sei­nen Pfar­rer ins Feld, um den Mei­nungs­mäch­ti­gen, bestimm­ten Par­tei­en, Orga­ni­sa­tio­nen und Medi­en zu gefal­len – und natür­lich auch San­ta Mar­ta. Viel­leicht kann der Bischof selbst die „ande­re“ Mei­nung sei­nes Pfar­rers nicht ertra­gen.

Der Bischof rüg­te Don Pia­cen­ti­ni, weil es gewagt hat­te, vom Vater­land und von not­lei­den­den Ein­hei­mi­schen zu spre­chen. Das machen bestimm­te Prie­ster und Bischö­fe näm­lich nicht, garan­tiert nicht. Da fährt der Zug drü­ber. Statt­des­sen wün­schen sie, und das gar nicht klein­laut, einen Innen­mi­ni­ster Matteo Sal­vi­ni von der Lega, oder einen Sil­vio Ber­lus­co­ni von For­za Ita­lia lie­ber „zum Teu­fel“. Die Zei­ten sind vor­bei, als die poli­ti­sche Lin­ke und die Kir­che sich Mini­ster­po­sten, Rund­funk­in­ten­dan­zen und Fest­piel­di­rek­tio­nen auf­teil­ten und jedes­mal unüber­hör­bar kund­ta­ten: „Ich bin zwar nicht dei­ner Mei­nung, aber ich wür­de mein Leben geben, damit du dei­ne Mei­nung sagen kannst.“ Die­sel­be Lin­ke und die­sel­be Kir­che machen heu­te gemein­sa­me Sache, um den Pfar­rer einer Klein­stadt öffent­lich an den Pran­ger zu stel­len. Die lin­ken Medi­en, allen vor­an jene aus der Schu­le eines Euge­nio Scal­fa­ri, mit dem Papst Fran­zis­kus so gut befreun­det ist, brand­mark­ten den Prie­ster als „Sal­vi­ni-Pfar­rer“ – was immer das sein soll­te.

„Wenn es hilft, ent­schul­di­ge ich mich“, sag­te Don Pia­cen­ti­ni inzwi­schen, sicht­lich gezeich­net von den ver­ba­len Ohr­fei­gen der Gut­men­schen, die auf ihn nie­der­gin­gen. Er wur­de in sol­chem Aus­maß damit ein­ge­deckt, daß es nicht ver­wun­dern darf, daß ihm bang wur­de. Nicht die Hie­be von welt­li­cher Sei­te haben den Pfar­rer erschüt­tert. So weh­lei­dig ist er nicht. Es sind die Schlä­ge, die aus den Rei­hen der Kir­che erfolg­ten, die ihn getrof­fen haben. Wenn er klein­laut wur­de, dann des­halb, weil ihm angst wur­de, sus­pen­diert zu wer­den und sei­ne Pfar­rei und die ihm anver­trau­ten Gläu­bi­gen zu ver­lie­ren. Sei­ne Gläu­bi­gen, die kein schlech­tes Wort über ihren Pfar­rer von sich gaben, obwohl sich Dut­zen­de Jour­na­li­sten sofort dar­um bemüh­ten. Selbst La Repub­bli­ca muß­te berich­ten, daß sich in einer Blitz­um­fra­ge 70 Pro­zent der Bewoh­ner der Stadt Sora hin­ter Don Pia­cen­ti­ni stell­ten – und gegen die fal­schen Flücht­lin­ge mit Smart­pho­ne und Gold­ket­te.

Don Dona­to Pia­cen­ti­ni weiß aber, daß ihn auch die­se Unter­stüt­zung nicht ret­ten kann, wenn sein Bischof ihn fal­len­läßt. Es ist für einen Prie­ster nicht leicht mutig zu sein, wenn die Rücken­deckung fehlt.

Sora ist eine Klein­stadt mit 26.000 Ein­woh­nern in der Regi­on Lati­um (ehe­mals Kir­chen­staat). Die Stadt ist auch Sitz des Bischofs von Sora-Cas­si­no-Aqui­no-Pon­te­cor­vo. In Cas­si­no befin­det sich die berühm­te Bene­dik­ti­ner­ab­tei Mon­te­cas­si­no und Aqui­no ist der Geburts­ort des hei­li­gen Tho­mas von Aquin. Das ist histo­ri­scher, christ­li­cher Boden. Das Klo­ster, das als Ter­ri­to­ri­al­ab­tei eine eige­ne Juris­dik­ti­on bil­det, wur­de 2014 von Papst Fran­zis­kus aller 53 Pfar­rei­en ent­klei­det und dem Bis­tum von Msgr. Anto­naz­zo ange­glie­dert. Der unge­wöhn­lich lan­ge, vier­glied­ri­ge Name des Bis­tums geht auf meh­re­re Zusam­men­le­gun­gen zurück. Das Bis­tum Aqui­no ent­stand bereits im 5. Jahr­hun­dert. 1725 wur­de es in Per­so­nal­uni­on mit dem Bis­tum Pon­te­cor­vo ver­bun­den und 1818 auch mit dem Bis­tum Sora. 1986 wur­de aus den for­mal noch immer drei Bis­tü­mern ein ein­zi­ges gemacht. 2014 füg­te Papst Fran­zis­kus wegen der Ein­glie­de­rung der Pfar­rei­en der Bene­dik­ti­ner­ab­tei Mon­te­cas­si­no den Namen Cas­si­no hin­zu.

Fak­tisch lei­tet der Bischof heu­te ein Bis­tum aus vier ein­sti­gen Bis­tü­mern und mit einem lan­gen Namen, doch offen­bar mit einem kur­zen Gedächt­nis, was die Maß­stä­be der Kir­che anbe­langt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

4 Kommentare

  1. Die­sen Bericht wür­de ich ger­ne den­je­ni­gen um die Ohren hau­en, die groß­spu­rig über Amts­per­so­nen her­zie­hen, die erst dann „mutig“ wer­den, wenn sie a. D. sind.

  2. Hier ein stim­mungs­vol­ler Ein­druck von der Pro­zes­si­on zu Ehren des hl. Rochus am 16. August in Sora.
    https://www.diocesisora.it/pdigitale/festa-san-rocco/#prettyPhoto

    Zu die­sem Zeit­punkt war die Empö­rung wohl noch nicht über Don Pia­cen­ti­ni aus­ge­gos­sen.
    Es ist beäng­sti­gend: Das, was heu­te noch gesagt wer­den darf, ohne Schwie­rig­kei­ten zu bekom­men, redu­ziert sich immer mehr.
    Wohin wird uns alle das noch füh­ren?

    Doch davon abge­se­hen, die Fotos las­sen Urlaubs­ge­füh­le auf­kom­men. Es sind Bil­der aus einer nor­ma­len Stadt, eben aus Sora und nicht aus einem Tou­ri­sten­zen­trum.
    Echt ita­lie­nisch also!

  3. Don Pia­cen­ti­ni hat genau die­ses Ange­spro­chen, was die mei­sten den­ken und Poli­ti­ker, wie auch der Bischof und man­che Kir­chen­ver­tre­ter, wol­len es nicht wahr haben.

    Dan­ke ‚Don Pia­cen­tinit ‚für sei­nen Mut, über die Wahr­heit zu spre­chen.

    Wir sind kei­ne unmün­di­ge Chri­sten und mer­ken, was in der Kir­che falsch läuft.
    Die Kir­chen­aus­trit­te zei­gen doch das Ergeb­nis.

    Es sind mei­stens jun­ge Män­ner, die ihr Land mit auf­bau­en könn­ten.
    Ein „Armer“ kann den Preis der Schlep­per nicht bezah­len.

  4. Man soll­te unter­schei­den zwi­schen unse­rer scha­blo­nen­haf­ten, ideo­lo­gisch ver­blen­de­ten Flücht­lings­po­li­tik und Men­schen in kon­kre­ter Not (Krieg, Hun­ger, Aus­sichts­lo­sig­keit), die hier­zu­lan­de Hil­fe suchen und bei Inte­gra­ti­ons­wil­lig­keit auch hier blei­ben kön­nen. Das Asyl­recht ist in sei­ner aktu­el­len Fas­sung nicht mehr trag­bar und scha­det unse­ren Inter­es­sen. Eine euro­päi­sche Lösung wird es nicht geben. Zudem gilt es zu beden­ken, dass ein Land das inte­grie­ren will, in einer gewis­sen histo­risch-gei­sti­gen Selbs­ver­ge­wis­se­rung wur­zeln muss. Und dazu gehört in Deutsch­land, fast 1000 Jah­re Schutz­macht der Chri­sten­heit in Euro­pa, ins­be­son­de­re der Glau­be. Aber genau die­sen Schritt kann unser hoff­nungs­los zeit­gei­sti­ger Staat nicht mehr lei­sten. Er ist ver­fan­gen in einem Neu­tra­li­täts­wahn, spricht wirr­haft von Wer­ten und Offen­heit und ver­kommt zu einer Ein­rich­tung, deren schein­ba­re Tole­ranz nichts ande­res als Gleich­gül­tig­keit. Wo soll das enden?

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