Opus Bono Sacerdotii – Organisation im Zwielicht?

„Tag und Nacht trafen die Priester diskret ein“

Opus Bono Sacerdotii - falsche Nächstenliebe oder notwendiges Werk der Barmherzigkeit?
Opus Bono Sacerdotii - falsche Nächstenliebe oder notwendiges Werk der Barmherzigkeit?

(New York) In den USA exi­stiert eine Orga­ni­sa­ti­on, die seit Jah­ren Prie­ster unter­stützt, die des sexu­el­len Miß­brauchs beschul­digt wer­den. Asso­cia­ted Press (AP) ver­öf­fent­lich­te die Repor­ta­ge der drei Autorin­nen Mar­tha Men­do­za, Juliet Lin­der­man und Garan­ce Bur­ke über die­se Orga­ni­sa­ti­on, die in einem Grau­be­reich arbei­tet, der grund­sätz­lich im Zwie­licht steht. Die Autorin­nen bemü­hen sich ten­den­zi­ell ein nega­ti­ves Bild der Orga­ni­sa­ti­on zu zeich­nen. Die genaue Grenz­zie­hung ist aller­dings nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick schei­nen möch­te. Dies nicht zuletzt des­halb, weil welt­li­che und christ­li­che Ansich­ten und Ansprü­che in der Sache nicht deckungs­gleich sind.

Im Zen­trum des Berichts steht ein unschein­ba­res Gebäu­de, das außen durch nichts gekenn­zeich­net ist. „Tag und Nacht tra­fen die Prie­ster dis­kret ein.“ Die ein­tref­fen­den Män­ner waren nicht als Prie­ster zu erken­nen. Alles lief „unbe­merkt“ ab in der Klein­stadt im Mitt­le­ren Westen der USA. „Die Nach­barn hat­ten kei­ne Ahnung“, wer das war. Nie­mand in der Stadt wuß­te, daß die Män­ner, die in den Restau­rants der Stadt „an den Neben­ti­schen saßen, mög­li­che sexu­el­le Miß­brauch­stä­ter“ sind.

Das Gebäu­de wird von einer Orga­ni­sa­ti­on mit dem latei­ni­schen Namen Opus Bono Sacer­dotii (OBS) geführt. Dahin­ter steht eine klei­ne, aber gut orga­ni­sier­te Grup­pe.

„Seit fast zwei Jahr­zehn­ten arbei­tet die Grup­pe in einer Rei­he von nicht gekenn­zeich­ne­ten Gebäu­den im länd­li­chen Raum des Staa­tes Michi­gan und hilft Hun­der­ten, viel­leicht Tau­sen­den katho­li­schen Prie­stern aus dem gan­zen Land, die des sexu­el­len Miß­brauchs beschul­digt sind.“

Die Orga­ni­sa­ti­on bie­tet „Unter­kunft, Trans­port, Rechts­hil­fe und ande­re Unter­stüt­zung“, so die Autorin­nen.

„Immer wie­der hat das Opus Bono Sacer­dotii den Beschul­dig­ten als schnell reagie­ren­des Team gedient. Als ein Seri­en­päd­erast ins Gefäng­nis kam, weil er Dut­zen­de von Min­der­jäh­ri­gen miß­braucht hat­te, war Opus Bono für ihn da, mit regel­mä­ßi­gen Besu­chen und mit Geld. Als ein Prie­ster zugab, Jun­gens unter 14 Jah­ren sexu­ell miß­braucht zu haben, sam­mel­te das Opus Bono Geld für sei­ne Ver­tei­di­gung. Als ein ande­rer Prie­ster des Miß­brauchs eines Teen­agers ange­klagt wur­de, mach­te ihn Opus Bono spä­ter zum Rechts­be­ra­ter.“

Dann legen die Autorin­nen den Fin­ger noch tie­fer in die Wun­de und len­ken den Blick auf höhe­re Prä­la­ten:

„Wäh­rend ein­fluß­rei­che“ Geist­li­che öffent­lich zusag­ten, die Kir­che wer­de ihre Prie­ster, die sexu­el­le Ver­bre­chen began­gen haben, zur Ver­ant­wor­tung zie­hen und den Opfern hel­fen, „haben eini­ge von ihnen für die Prie­ster, die in Ver­dacht gerie­ten, den Kon­takt zum Opus Bono Sacer­dotii arran­giert und still­schwei­gend dem Opus Bono Geld zukom­men las­sen“.

„Obwohl katho­li­sche Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten leug­nen, daß die Kir­che in irgend­ei­ner offi­zi­el­len Bezie­hung zu die­ser Grup­pe steht, hat das Opus Bono erfolg­reich Netz­wer­ke auf­ge­baut, die bis in den Vati­kan rei­chen.“

Die Autorin­nen konn­ten die Exi­stenz und die Arbeits­wei­se die­ser Orga­ni­sa­ti­on in „Dut­zen­den von Gesprä­chen mit Exper­ten, Rechts­an­wäl­ten, Prie­stern, ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern und Hun­der­ten Sei­ten von Doku­men­ten“ über­prü­fen. Den Ein­druck eines wirk­li­chen Netz­werks in der Kir­che, mit höch­sten Kon­tak­ten und die bis in den Vati­kan, konn­ten die Autorin­nen aber nicht erbrin­gen, wenn­gleich sie die­sen Ein­druck zu erwecken ver­su­chen. Das gilt eben­so für die sat­zungs­ge­mä­ßen Akti­vi­tä­ten der Orga­ni­sa­ti­on, die nicht ille­gal sind.

„Notwendiges Wirken“ in einem zwielichtigen Bereich

Die Orga­ni­sa­ti­on wirkt in einem Bereich, der per se im Zwie­licht steht, was aber noch nicht bedeu­tet, daß die Orga­ni­sa­ti­on zwie­lich­tig ist.

Tat­sa­che ist, daß es kle­ri­ka­le Miß­brauch­stä­ter gibt. Tat­sa­che ist auch, daß ande­re Prie­ster unschul­dig ange­klagt wur­den. Durch media­le Über­zeich­nung und mora­li­sche Empö­rung herrscht in den USA wie auch in man­chen euro­päi­schen Staa­ten eine Bereit­schaft zur gene­rel­len Vor­ver­ur­tei­lung von Prie­stern, obwohl Min­der­jäh­ri­ge in ande­rem Umfeld und ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen nicht weni­ger gefähr­det sind, son­dern sta­ti­stisch zum teil sogar einem deut­lich höhe­ren Risi­ko aus­ge­setzt sind.

Selbst der Täter aber hat ein Recht auf Ver­tei­di­gung, auch dann, wenn das den Mit­men­schen wegen der Schwe­re der Tat auf­stößt. Das ist der Rechts­staat, der den zivi­li­sa­to­ri­schen Fort­schritt bedeu­tet, und der garan­tiert wer­den muß.

Wer garan­tiert aber den schul­di­gen Prie­stern und erst recht den unschul­di­gen Prie­stern den nöti­gen Rechts­bei­stand. Wer bie­tet ihnen Schutz, wenn sie von einem Augen­blick auf den ande­ren ihre Pfar­rei ver­las­sen müs­sen, schul­dig oder unschul­dig, weil die Medi­en berich­ten und an den Pran­ger stel­len?

Die Ant­wort dar­auf ist nicht leicht, zumal es ein drän­gen­des Anlie­gen ist, Unschul­di­gen hel­fen zu wol­len, aber die Gefahr besteht, einem Schul­di­gen zu hel­fen. Die Not­wen­dig­keit einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Prie­ster, die nicht im Regen ste­hen­ge­las­sen wer­den sol­len, ist objek­tiv gege­ben und bedeu­tet nicht, daß sie den Geset­zen der Kir­che oder des Staa­tes, sprich den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den ent­zo­gen wer­den sol­len.

In den USA hat eine Grup­pe von Katho­li­ken um Joe Maher sich die­ser Auf­ga­be ange­nom­men. Sie bemüh­ten sich aus ver­ständ­li­chen Grün­den um Dis­kre­ti­on. Sie gerie­ten aller­dings noch in ande­rer Hin­sicht ins Zwie­licht. Auch dar­über berich­ten die drei Autorin­nen, wenn­gleich sie etwas rei­ße­risch bemüht sind, das Zwie­licht zu breit zu streu­en.

Peter Ferrara und Joe Maher (rechts).
Peter Fer­ra­ra und Joe Maher (rechts).

Anfang des Jah­res wur­den die bei­den Grün­der und Lai­en der Orga­ni­sa­ti­on, Joe Maher und Peter Fer­ra­ra, vom Staat Michi­gan aus ihren Posi­tio­nen ver­drängt, nach­dem der Gene­ral­staats­an­walt auf sie auf­merk­sam wur­de. Die Staats­an­walt­schaft ermit­tel­te nicht wegen der sat­zungs­mä­ßi­gen Akti­vi­tä­ten, son­dern wegen des Ver­dachts auf Miß­brauch von Spen­den­gel­dern.

In der Tat war das lan­ge Zeit eine ver­brei­te­te Reak­ti­on unter US-Katho­li­ken, als Miß­brauchs­vor­wür­fe öffent­lich bekannt wur­den. Das war wie­der­holt auch zutref­fend. Der Ein­druck eines halt­lo­sen Angriffs gegen die Kir­che und das Prie­ster­tum konn­te auch des­halb ent­ste­hen, weil kir­chen­feind­li­che Krei­se mit beson­de­rem Nach­druck den Miß­brauchs­vor­wurf breit­walz­ten. Hin­zu­kam, daß vie­le gläu­bi­ge Katho­li­ken es auch nicht wahr­ha­ben woll­ten, daß ein gesalb­ter Prie­ster sich des sexu­el­len Miß­brauchs an Min­der­jäh­ri­gen oder auch Erwach­se­nen schul­dig macht.

Die Fol­ge war, daß auch wirk­li­che Miß­brauch­stä­ter in Schutz genom­men wur­den. Inzwi­schen hat das Pen­del eher ins Gegen­teil umge­schla­gen.

Die Ent­ste­hung des OBS reicht bis ins Jahr 2002 zurück, als ein sexu­el­ler Miß­brauchs­skan­dal eine Pfar­rei in Detroit erschüt­ter­te.

25 Jah­re war Edu­ard Per­ro­ne Pfar­rer an der Kir­che gewe­sen. Father Per­ro­ne wir­ke „streng und impo­sant“, so die Autorin­nen. Er sei „ein über­zeug­ter Kon­ser­va­ti­ver“, der sich wei­ge­re, Ehe­paa­re zu trau­en, wenn das Kleid der Braut „zu frei­zü­gig“ sei.

Anfang Juli wur­de Father Per­ro­ne, heu­te 70 Jah­re alt, aus dem Pfarr­dienst ent­las­sen, nach­dem eine kirch­li­che Unter­su­chungs­kom­mis­si­on zum Schluß gekom­men war, daß Anschul­di­gun­gen, er habe vor Jahr­zehn­ten ein Kind miß­braucht, einen „Anschein von Wahr­heit“ hät­ten. Per­ro­ne bestritt die Anschul­di­gen gegen­über AP ener­gisch. In dem sei­ner­zei­ti­gen Vor­fall dürf­te der Beweg­grund für sein Han­deln in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren zu suchen sein.

Damit zurück in das Jahr 2002.

Father Perrone und die ersten Fälle

In den Jah­ren unmit­tel­bar davor hat­te Per­ro­ne „min­de­stens zwei Prie­ster“, die in ande­ren Staa­ten der USA des Miß­brauchs beschul­digt wur­den, in sei­ner Pfar­rei auf­ge­nom­men. Er begrün­de­te dies damit, daß es sich um Mit­brü­der und Prie­ster han­delt. Das sei­en sie auch und trotz der Anschul­di­gun­gen. Eine Schuld war zu jenem Zeit­punkt noch von kei­nem Gericht fest­ge­stellt wor­den.

Einer von ihnen gab spä­ter aller­dings zu, in den 80er und 90er Jah­ren „bis zu 50 Kin­dern sexu­ell belä­stigt zu haben, wie Gerichts­ak­ten in Texas bele­gen“.

1999 nahm Per­ro­ne den zwei­ten Prie­ster, einen West­afri­ka­ner, auf. Zwei Jah­re spä­ter for­der­te das Erz­bis­tum Detroit vom West­afri­ka­ner, in sein Hei­mat­land Togo zurück­zu­keh­ren, nach­dem Vor­wür­fe des sexu­el­len Fehl­ver­hal­tens in Detroit und zuvor bereits in Flo­ri­da bekannt wur­den.

Der Prie­ster ver­ließ die USA aber nicht, son­dern wech­sel­te erneut den Staat. 2002 wur­de gegen ihn Ankla­ge erho­ben, weil er ein Mit­glied des Kir­chen­cho­res von Father Per­ro­nes Pfar­rei ver­ge­wal­tigt habe. Das Opfer sag­te über Per­ro­nes Reak­ti­on vor Gericht aus, der Pfar­rer habe ihr gera­ten: „Geh ein­fach an ihm vor­bei und igno­ri­er ihn.“

Als der afri­ka­ni­sche Prie­ster in der Pfar­rei war, rief Father Per­ro­ne die Pfarr­an­ge­hö­ri­gen dazu auf, den Prie­ster in „sei­ner Zeit der Kri­se“ zu unter­stüt­zen.

Joe Maher, Ange­hö­ri­ger der Pfar­rei, reagier­te auf die Auf­for­de­rung Per­ro­nes, Hil­fe zu lei­sten, und grün­de­te das Opus Bono Sacer­dotii.

Maher, der in einer katho­li­schen Fami­lie des Mitt­le­ren Westens auf­wuchs, war nach Kali­for­ni­en, wo er Arbeit bei einem Medi­en­un­ter­neh­men fand, das Live-Über­tra­gun­gen für Hol­ly­wood-Preis­ver­lei­hun­gen und ähn­li­che Ver­an­stal­tun­gen pro­du­zier­te. „Ich hat­te Zugang zu allen Stu­di­os“, sag­te er spä­ter. Nach sei­ner Rück­kehr nach Michi­gan und da er sich im Umgang mit Medi­en aus­kann­te, fun­gier­te er wäh­rend des Gerichts­ver­fah­rens gegen den west­afri­ka­ni­schen Prie­sters als Medi­en­spre­cher. Maher nahm den Prie­ster sogar zu sich nach Hau­se, wo er mit der Fami­lie leb­te. Mahers Toch­ter Mary Rose war damals zehn Jah­re alt.

AP fand in den Gerichts­ak­ten die Aus­sa­gen von zwei wei­te­ren Frau­en, die Mit­glie­der des Pfarr­cho­res waren, und die anga­ben, von dem west­afri­ka­ni­schen Prie­ster belä­stigt wor­den zu sein. Ihre Fäl­le wur­den aller­dings nie vor Gericht ver­han­delt. Im Pro­zeß stand Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge, wie Staats­an­wäl­tin Maria Mil­ler bestä­tigt. Der West­afri­ka­ner wur­de frei­ge­spro­chen und zog nach Las Vegas. Father Per­ro­ne sei „wie ein Vater gewe­sen“, sagt er heu­te. Er sei ihm zu wirk­li­chem Dank ver­pflich­tet, denn es sei eine „schreck­li­che Zeit“ für ihn gewe­sen.

Die Gründung des Opus Bono Sacerdotii

Der Fall samt Frei­spruch wur­de über die Medi­en bekannt und hat­te zur Fol­ge, daß Joe Maher von Hil­fe­ru­fen ande­rer Prie­ster aus den gan­zen USA „über­schwemmt“ wur­de. Das war der Grund, wes­halb er das Opus Bono Sacer­dotii ins Leben rief.

„Rund um die Uhr klin­gel­te das Tele­fon, das als Kon­takt der Orga­ni­sa­ti­on ange­ge­ben wur­de“, so AP.

Joe Maher (Vor­sit­zen­der des OBS) und der Mit­grün­der Peter Fer­ra­ra (Kas­sier) hol­ten betrof­fe­ne Prie­ster per­sön­lich ab, orga­ni­sier­ten Flug­tickets, Hotel­un­ter­brin­gung oder eine Woh­nung als Unter­kunft.

„Wir sind auf dem Weg, einem hilfs­be­dürf­ti­gen Prie­ster im Mitt­le­ren Westen zu hel­fen. Es wird also eine lan­ge Rei­se und nicht viel Schlaf geben, und es könn­te mög­li­cher­wei­se eine gefähr­li­che Situa­ti­on sein.“

So schil­der­te Maher in einem selbst­ge­dreh­ten Video, das auf der Face­book-Sei­te des OBS ver­öf­fent­licht wur­de, einen Ein­satz.

Internetauftritt des Opus Bono Sacerdotii
Inter­net­auf­tritt des Opus Bono Sacer­dotii

Die Liste der Prie­ster, denen Maher und sei­ne Orga­ni­sa­ti­on gehol­fen hat, ist ver­trau­lich. In einer Wer­be­bro­schü­re ist von „mehr als 8.000 Prie­stern“ die Rede. Die Gene­ral­staats­an­walt­schaft von Michi­gan geht hin­ge­gen von einer Zahl aus, „die näher an 1.000“ liegt.

Einer von ihnen ist Father Gre­go­ry Ingels, ein bekann­ter Prie­ster des Erz­bis­tums San Fran­cis­co. Er wur­de 2003 beschul­digt, in den 70er Jah­ren einen 15jährigen Jun­gen miß­braucht zu haben. Die Straf­an­zei­ge gegen ihn wur­de vom Gericht abge­wie­sen, nach­dem eine Ein­schrän­kung der gel­ten­den Ver­jäh­rung für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt wor­den war. Das Opus Bono setz­te Ingels dar­auf als Rechts­be­ra­ter ein.

AP kon­tak­tier­te den Prie­ster, der wie­der­hol­te, daß die dama­li­ge Anschul­di­gung gegen ihn falsch und sei­ne Mit­ar­beit beim OBS mini­mal war. Er habe als Kano­nist Fra­gen des Kir­chen­rechts beant­wor­tet, bevor er in den Ruhe­stand trat.

Betreuung von verurteilten Sexualstraftätern

Das Opus Bono unter­stütz­te auch Jason Sig­ler, einen inzwi­schen lai­sier­ten Prie­ster aus Detroit, der wegen des Miß­brauchs Dut­zen­der Kin­der in den Staa­ten Neu Mexi­ko und Michi­gan ver­ur­teilt wur­de.

Maher besuch­te Sig­ler regel­mä­ßig im Gefäng­nis und finan­zier­te sei­ne Ver­tei­di­gung. Die Betreu­ung von Gefan­ge­nen gehö­re zu den Pflich­ten eines Chri­sten. Das müs­se also erst recht für gefan­ge­ne Prie­ster gel­ten. Mahers Toch­ter wur­de Jason von ihrem Vater vor­ge­stellt. Sie tele­fo­nier­te mit dem Prie­ster, als die­ser im Gefäng­nis saß.

„Ich hat­te kei­ne Ahnung, wer Jason war und ver­stand als Kind auch nicht, war­um ich mit einem Prie­ster im Gefäng­nis spre­chen muß­te.“

Sie und ihre Freun­de arbei­te­ten als Jugend­li­che für die Orga­ni­sa­ti­on ihres Vaters. Die­se unter­stütz­te auch P. Den­nis Drug­gan, der im Staat Mon­ta­na in den 80er Jah­ren an einer katho­li­schen Schu­le für Kin­der von India­nern einen min­der­jäh­ri­gen Jun­gen miß­braucht haben soll. Er wur­de 2012 aus dem katho­li­schen Schul­dienst und 2013 nach einer Unter­su­chung durch die Kapu­zi­ner­pro­vinz auch aus dem Orden ent­las­sen. Drug­gan wur­de haupt­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter des Opus Bono, wie aus den Akten der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Michi­gan her­vor­geht.

2003 wur­de der inzwi­schen lai­sier­te Prie­ster Robert Kea­ly aus Chi­ca­go an das Opus Bono ver­mit­telt, nach­dem er gestan­den hat­te, männ­li­che Jugend­li­che sexu­ell miß­braucht zu haben. Kea­ly, ein Kir­chen­recht­ler, war zuvor für die Unter­su­chung von sexu­el­len Miß­brauchs­fäl­len durch Kle­ri­ker zustän­dig. In den Akten des Erz­bis­tums ist Mahr als „The­ra­peut“ aus­ge­wie­sen und das Opus Bono als geschütz­te Ein­rich­tung ein­ge­stuft, in der sich Kea­ly „unter Beob­ach­tung“ befand. Die Autorin­nen legen nahe, daß die­se Ein­schät­zung des Erz­bis­tums wohl nicht den Tat­sa­chen ent­spro­chen habe.

Kea­ly nahm an einer Kon­fe­renz von Opus Bono in Detroit teil, die von Msgr. Wil­liam Var­va­ro, dem ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den der Canon Law Socie­ty of Ame­ri­ca und frü­he­ren OBS-Bera­ter, orga­ni­siert wur­de. Auf Anfra­gen der AP-Jour­na­li­stin­nen ant­wor­te­te Kea­ly nicht. Msgr. Vava­ro ist bereits 2007 ver­stor­ben.

Maher mach­te sich die Hal­tung zu eigen, daß eine straf­recht­li­che Ver­fol­gung um jeden Preis und egal wie lan­ge eine Tat zurück­liegt, „Rache“ sei. Sei­ne Auf­ga­be sah er dar­in, kei­nen Prie­ster „in Not im Stich zu las­sen“. Über Schuld oder Unschuld hät­ten die staat­li­chen und kirch­li­chen Gerich­te zu urtei­len, nicht er. Solan­ge die Schuld nicht erwie­sen sei, gehe er von der Unschuld eines Prie­sters aus, und habe ihm bei­zu­ste­hen. Wer­de er ver­ur­teilt, brau­che die­ser Prie­ster sei­ne Näch­sten­lie­be wie es die täti­gen Wer­ke der Barm­her­zig­keit ver­lan­gen.

Diskrete Arbeit und Spendensammlung

Nicht alle Ame­ri­ka­ner und auch nicht alle US-Katho­li­ken tei­len die­se Hal­tung Mahers, wes­halb er wegen des all­ge­mei­nen gesell­schaft­li­chen Kli­mas bemüht war, mög­lichst unauf­fäl­lig zu han­deln. Es gehe ihm nicht um die Beein­flus­sung der öffent­li­chen Mei­nung, son­dern um kon­kre­te Hil­fe.

In Wer­be­bro­schü­ren, mit denen um Spen­den gewor­ben wur­de, ver­öf­fent­lich­te Maher Fotos, die ihn mit bekann­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Kir­chen­ver­tre­tern zei­gen. Bevor­zugt mit kon­ser­va­ti­ven Prä­la­ten und Pur­pur­trä­gern. Damit ver­mit­tel­te er gläu­bi­gen Katho­li­ken den Ein­druck einer „offi­zi­el­len“ kirch­li­chen Aner­ken­nung und Unter­stüt­zung. Zumin­dest ein Teil der Betrof­fe­nen scheint aller­dings nichts davon gewußt zu haben, weder von den genau­en Akti­vi­tä­ten des Opus Bono Sacer­dotii noch davon, daß die „Erin­ne­rungs­fo­tos“, wie sie stän­dig gemacht wer­den, für Wer­be­zwecke benützt wer­den.

Father Per­ro­ne erzähl­te 2013 in einem Inter­view, das Opus Bono hal­te im Ver­hält­nis zur offi­zi­el­len Kir­che absicht­lich Distanz.

„Die Kir­che pro­fi­tiert von dem, was wir tun, aber es gibt kei­ne Unter­stüt­zung.“

Wie­der­holt fan­den die Ver­tre­ter der Orga­ni­sa­ti­on aller­dings Zugang zu katho­li­schen Medi­en, wodurch sie Bekannt­heit und Glaub­wür­dig­keit erhö­hen konn­ten, was sich auch Spen­den ein­brach­te.

Vier Nie­der­las­sun­gen betreibt das Opus Bono im Staat Michi­gan. Der Haupt­sitz befin­det sich in Oxford (Michi­gan). Die zwei­te Nie­der­las­sung ent­stand im klei­nen Ort Dry­den. Maher und Fer­ra­ra gaben gegen­über den Behör­den an, in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Lager­haus ein Film­stu­dio ein­rich­ten zu wol­len. Prie­ster wur­den gegen­über den Behör­den nicht erwähnt. Das Ziel war „Unsicht­bar­keit“.

Die Mit­ar­bei­ter von Maher ver­schick­ten „jede Woche“, so AP, Auf­ru­fe an poten­ti­el­le Spen­der in Umschlä­gen zusam­men „mit Bil­dern des Pap­stes“. Gewor­ben wur­de für die Unter­stüt­zung von Prie­stern, die sich „in ver­zwei­fel­ten Kri­sen“ befin­den. Als mög­li­cher Grund wur­den unter ande­rem fal­sche Anschul­di­gun­gen des sexu­el­len Miß­brauchs genannt. Es sei auch Selbst­mord­ge­fahr in Ver­zug, hieß es.

Selbst wenn ein Prie­ster „nichts Fal­sches“ getan habe, kön­ne sein prie­ster­li­cher Dienst durch fal­sche Anschul­di­gun­gen unmög­lich gemacht wer­den, so eines der „Zeug­nis­se“, das vom OBS an Spen­der ver­schickt wur­de. Der Gene­ral­staats­an­walt spricht von „Irre­füh­rung“ zum Zweck der Spen­den­ge­win­nung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staats­an­walt­schaft wur­de auf den Plan geru­fen, weil sich eine ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­te­rin des Opus Bono Sacer­dotii, Mahers eige­ne Toch­ter Mary Rose, inzwi­schen 27 Jah­re alt, an sie gewandt hat­te. Sie beschul­dig­te die Orga­ni­sa­ti­on im Febru­ar 2017 in einem Brief an den Gene­ral­staats­an­walt finan­zi­el­ler Unre­gel­mä­ßig­kei­ten.

Es ist schwer zu sagen, inwie­weit der fami­liä­re Kon­flikt den Streit wegen des OBS bestimmt. Mahers Toch­ter macht ihrem Vater zum Vor­wurf, in Prie­stern nur „Unschul­di­ge“ zu sehen, was sie ange­sichts der Miß­brauchs­op­fer uner­träg­lich fin­de.

Sie schrieb an die Staats­an­walt­schaft: „Eine ein­fa­che Unter­su­chung der gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on Opus Bono Sacer­dotii in Michi­gan wür­de die Mil­lio­nen von ver­un­treu­ten Dol­lars durch jah­re­lan­gen Post­be­trug und den syste­ma­ti­schen Miß­brauch von Spen­den ans Licht brin­gen“.

Mary Rose Maher, die Anklägerin gegen ihren Vater
Mary Rose Maher, die Anklä­ge­rin gegen ihren Vater

Das Schrei­ben lan­de­te auf dem Schreib­tisch von Gene­ral­staats­an­walt Wil­liam Bloo­m­field, einem gläu­bi­gen Katho­li­ken, der dar­auf aktiv wur­de. Nach einem Jahr der Ermitt­lun­gen bestä­tig­ten sich zwar nicht die Anschul­di­gun­gen von Mary Rose Maher, doch gelang­te er zum Schluß, daß irre­füh­ren­de Spen­den­samm­lun­gen und ein Ver­stoß gegen das Gesetz über die Gemein­nüt­zig­keit vor­lie­gen. Je mehr Geld der Orga­ni­sa­ti­on zufloß, desto sorg­lo­ser sei damit umge­gan­gen wor­den.

Die Spen­den­ein­nah­men waren von 73.000 Dol­lar im Jahr 2002 auf 1,3 Mil­lio­nen Dol­lar im Jahr 2016 ange­stie­gen. Die Zah­lun­gen an Maher wuch­sen zugleich von 40.500 Dol­lar auf 212.000 Dol­lar, jene von Fer­ra­ra von 16.300 Dol­lar sogar auf 316.000 Dol­lar. Die Betrof­fe­nen ver­tei­dig­ten sich damit, daß die Orga­ni­sa­ti­on ihnen nur zurück­ge­zahlt habe, was sie am Beginn vor­ge­streckt hät­ten.

Außergerichtliche Einigung und neue Organisationen

Fol­ge der staats­an­walt­schaft­li­chen Ermitt­lun­gen war eine außer­ge­richt­li­che Eini­gung: Maher und Fer­ra­ra muß­ten ihre Posi­tio­nen in der Orga­ni­sa­ti­on auf­ge­ben und die gesam­te Füh­rungs­ebe­ne des OBS muß­te aus­ge­tauscht wer­den. Bei­de Sei­ten hat­ten offen­sicht­lich kei­ne Lust auf ein Gerichts­ver­fah­ren. Das OBS nicht, weil es teu­er, lang­wie­rig und kre­dit­schä­di­gend gewe­sen wäre, der Staats­an­walt offen­bar nicht, wegen eines unge­wis­sen Aus­gan­ges.

Zudem und unab­hän­gig davon ersuch­te das Erz­bis­tum Detroit den Vati­kan, die Vor­wür­fe des sexu­el­len Miß­brauchs gegen Father Per­ro­ne zu prü­fen.

Mary Rose Maher hat inzwi­schen ihre eige­ne gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on gegrün­det, deren Ziel die Unter­stüt­zung von Miß­brauchs­op­fern ist, also das Gegen­teil des­sen, was ihr Vater mit dem Opus Bono mach­te.

Joe Maher wur­de in der außer­ge­richt­li­chen Eini­gung zur Auf­la­ge gemacht, im Staat Michi­gan nie mehr eine gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on zu betrei­ben. Er soll aber eine neue Orga­ni­sa­ti­on im Staat India­na namens Men of Mel­chi­ze­dek gegrün­det haben, die dem­sel­ben Ziel des Opus Bono, der Unter­stüt­zung „schutz­be­dürf­ti­ger Prie­ster“ gewid­met ist.

Internetauftritt von Men of Melchizedek
Inter­net­auf­tritt von Men of Mel­chi­ze­dek

Das Opus Bono und Men of Mel­chi­ze­dek haben den­sel­ben kano­ni­schen Rechts­bei­stand, Father David Dei­bel. Weder Dei­bel noch Maher reagier­ten auf Anfra­gen von AP.

Auf ihrer Inter­net­sei­te sagt die neue Orga­ni­sa­ti­on „wer­tungs­freie Unter­stüt­zung und lebens­lan­ge Beglei­tung für unse­re hilfs­be­dürf­ti­gen Prie­ster“ zu.

„Wir wei­sen kei­nen Prie­ster ab.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Youtube/Opusbono.org/menofmelchizedek.org (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Ist Gut­mensch eine ideo­lo­gi­sche Seu­che?
    Man ist hin- und her­ge­ris­sen bei die­sem Sach­ver­halt. Die Toch­ter als Con­tra zum Vater?

Kommentare sind deaktiviert.