Papst will in Japan das Erbe der Jesuiten betonen

Asienreise: Thailand und Japan

Papst Franziskus besucht im November Thailand und Japan. Im Vorfeld oder Anschluß könnten neue Kardinäle kreiert werden.
Papst Franziskus besucht im November Thailand und Japan. Im Vorfeld oder Anschluß könnten neue Kardinäle kreiert werden.

(Rom) Papst Fran­zis­kus wird im Novem­ber Thai­land und Japan besu­chen. Das neue Datum für die Rei­se ist ein Indiz dafür, wann das Kon­si­sto­ri­um zur Kre­ierung neu­er Kar­di­nä­le statt­fin­den könn­te, das im Raum steht.

Seit der Bestä­ti­gung der Rei­se im ver­gan­ge­nen Janu­ar berich­te­ten Medi­en wie­der­holt dar­über und auch mög­li­che Pro­gramm­punk­te. Bis­her han­delt es sich aber nur um Gerüch­te. Absicht des Pap­stes ist, Naga­sa­ki und Hiro­shi­ma zu besu­chen, die bei­den Städ­te, die am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges Opfer der ersten und bis­her ein­zi­gen Atom­waf­fen­an­griffs wur­den. Zu den Opfern gehör­ten über­durch­schnitt­lich Japans Katho­li­ken, deren histo­ri­sches Zen­trum Naga­sa­ki ist. Wäh­rend 0,3 Pro­zent der japa­ni­schen Bevöl­ke­rung durch den US-Angriff ums Leben kamen, star­ben 30 Pro­zent der Katho­li­ken.

Wie die Nach­rich­ten­agen­tur Telam berich­te, wird Fran­zis­kus bei sei­ner Rei­se auch Thai­land besu­chen. Dort wird der Asi­en­be­such begin­nen. Auf dem Weg nach Japan wird der Papst, wie bereits 2014, damals auf dem Weg nach Süd­ko­rea und als erster Papst der Geschich­te, die Volks­re­pu­blik Chi­na über­flie­gen.

Telam beruft sich auf „vati­ka­ni­sche Quel­len“, da ein offi­zi­el­les Pro­gramm noch aus­stän­dig ist. Dem­nach wer­de Fran­zis­kus den Japan-Besuch am 17. Novem­ber begin­nen und bis zum 24. Novem­ber in dem Insel­staat blei­ben. Ein zuvor genann­ter spä­te­rer Ter­min scheint damit hin­fäl­lig. Sei­ne Abrei­se wird mit der Stich­wahl bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len in sei­ner Hei­mat Argen­ti­ni­en zusam­men­fal­len. Wah­len, denen Fran­zis­kus bereits 2015 erheb­li­che Auf­merk­sam­keit schenk­te. Der Papst hegt aller­dings auch im sieb­ten Jahr sei­nes Pon­ti­fi­kats kei­ne Absich­ten, sein Geburts­land zu besu­chen.

Zwei Pro­zent der Japa­ner, ins­ge­samt 127 Mil­lio­nen, sind Katho­li­ken. 90 Pro­zent sind Bud­dhi­sten und Shin­toisten, meist zugleich.

Obwohl das Chri­sten­tum in Japan sehr geschätzt wird, gelang bis­her kein wirk­li­cher Durch­bruch. Die viel­ver­spre­chen­de Evan­ge­li­sie­rung im 16. Jahr­hun­dert wur­de um 1600 durch poli­ti­sche Umwäl­zun­gen zunich­te­ge­macht, die zu einer grau­sa­men Ver­fol­gung führ­ten. Erst in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts öff­ne­te sich das Land. Japa­ner dür­fen erst seit hun­dert Jah­ren das Chri­sten­tum wie­der frei prak­ti­zie­ren.

Fran­zis­kus will, so Telam, in Japan an die star­ke jesui­ti­sche Tra­di­ti­on anknüp­fen, wobei sich jene am Beginn der Neu­zeit von der aktu­el­len unter­schei­det. Sie­he dazu:

Ein wei­te­res The­ma, neben den Atom­waf­fen, soll die Sta­bi­li­tät des Lan­des sein, in dem die­ses Jahr der G20-Gip­fel statt­fand, die Fran­zis­kus beto­nen wol­le.

Papst Johan­nes Paul II. hat­te 1981 das „Land der auf­ge­hen­den Son­ne“ besucht. Fran­zis­kus wird in Tokio mit Kai­ser Naru­hi­to und Pre­mier­mi­ni­ster Shin­zo Abe zusam­men­tref­fen. Die­se Begeg­nun­gen sind ein offe­ner Wunsch des Pap­stes. Die vati­ka­ni­sche Diplo­ma­tie arbei­tet seit Mona­ten dafür. Eine offi­zi­el­le Bestä­ti­gung liegt noch nicht vor.

In Thai­land leben 300.000 Katho­li­ken unter 69 Mil­lio­nen Ein­woh­nern. Der Groß­teil der Bevöl­ke­rung ist bud­dhi­stisch. Der Besuch in dem süd­ost­asia­ti­schen König­reich wird stark inter­re­li­gi­ös geprägt sein. Laut Telam wer­de der Papst einen bud­dhi­sti­schen Tem­pel besu­chen, wie das bereits Johan­nes Paul II. bei sei­nem Besuch 1984 getan hat­te.

Die Asi­en­rei­se ist vor allem auch mit Blick auf die Ein­be­ru­fung, vor­her oder nach­her, eines Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­ums von Inter­es­se – bei dem neue Pur­pur­trä­ger kre­iert wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. Ja, war­um gera­de Naga­sa­ki als Ziel des Atom­bom­ben­ab­wurfs – eine über­wie­gend zivil struk­tu­rier­te Stadt ohne nen­nens­wer­te Gar­ni­son? Die offi­zi­el­le Histo­ri­ker­schaft hüllt sich über­wie­gend in „bered­tes Schwei­gen“, die spär­li­chen Ant­wor­ten blei­ben vage und selt­sam ein­sil­big — mal wer­den die Mitsu­bi­shi-Werf­ten genannt, mal eine unbe­stimm­te „poten­ti­el­le Abschreckungs­wir­kung gegen­über der UdSSR“, mal etwas hilf­los eine erhoff­te „psy­cho­lo­gi­sche Wir­kung“ auf die japa­ni­sche Füh­rung (als sei dies nach dem ersten ver­hee­ren­den Atom­an­griff auf Hiro­shi­ma noch erfor­der­lich gewe­sen).

    Außer­dem sei die Ent­wick­lung der bei­den Bom­ben nun mal enorm arbeits‑, zeit- und finanz­in­ten­siv gewe­sen, da woll­te man sie halt auch ein­set­zen.
    Ja nu, war halt so, nicht wahr?
    Blöd gelau­fen, irgend­wie.

    Seit Jahr­zehn­ten wird dies medi­al brav repe­tiert, eige­ne Reflek­tio­nen zum The­ma ver­sagt man sich. Kei­ne kri­ti­sche Reflek­ti­on der Grün­de, kein Ein­be­zie­hen rele­van­ter Aspek­te. Statt­des­sen wird die Tat­sa­che, dass Naga­sa­ki Hoch­burg des katho­li­schen Glau­bens in Japan war (dut­zen­de Genera­tio­nen gaben den Glau­ben im Gehei­men wei­ter) von der offi­zi­el­len For­schung im Kon­text „Ziel­aus­wahl“ osten­ta­tiv igno­riert, eben­so der Ein­fluß der Logen (dabei sind die­se in den USA rela­tiv frei­zü­gig mit der Dar­stel­lung ihrer erfolg­rei­chen Beein­flus­sung der Poli­tik).
    Wenig ver­wun­der­lich, wäre doch die aka­de­mi­sche Kar­rie­re sofort been­det und man als „kru­de® Verschwörungstheoretiker(in)“ in Acht und Bann, poli­ti­sche Stig­ma­ti­sie­rung (immer­hin: revi­sio­ni­sti­sche Sicht auf den 2. Welt­krieg) und psy­chi­sche Ver­un­glimp­fung als labi­le, leicht beein­fluß­ba­re Per­sön­lich­keit ohne Urteils­ver­mö­gen inklu­si­ve.
    Also glaubt man, was im Schul­buch steht.
    Bes­ser ist das.

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