Macht unterlassene Kniebeuge durch Papst Franziskus unter Priestern Schule?

Drei Beobachtungen zur Kirchweihe in Rom












Papst Franziskus am vergangenen Sonntag: Weihe von Kirche und Altar der römischen Pfarrei San Giulio Papa.
Papst Franziskus am vergangenen Sonntag: Weihe von Kirche und Altar der römischen Pfarrei San Giulio Papa.

(Rom) Am vergangenen Sonntag, dem Passionssonntag, besuchte Papst Franziskus die römische Pfarrei San Giulio in Monteverde. Grund des Besuches war die Weihe der neuen Pfarrkirche. Patron der Kirche ist der heilige Papst Julius I. Drei Beobachtungen.

Beobachtung 1

Offizielle katholische Medien des Vatikans und in Italien wie die Tageszeitung Avvenire der Italienischen Bischofskonferenz meldeten keine Weihe, sondern eine Kirch- und Altarwidmung. Historisch ist das nicht falsch, die Begriffe Kirchweihe und Kirchwidmung wurden in früheren Zeiten gelegentlich synonym verwendet. Das gilt für mittelalterliche Quellen, allerdings selten und mit abnehmender Tendenz. Seit dem 17. Jahrhundert faktisch so gut wie gar nicht mehr. Im konkreten Fall wurde der Begriff Konsekration (consecratio) durch den unspezifischeren Überbegriff Widmung (dedicatio) ersetzt, der offenläßt, ob es sich um eine Segnung (benedictio) oder eine Weihe handelt. Letzteres war am Sonntag der Fall.

Die Pfarrkirche war in den 1960er Jahren schlecht gebaut worden. Da das Kirchendach einzustürzen drohte, mußte mit einem weitgehenden Neubau begonnen werden. Drei Jahre verbrachte die Pfarrei in einem Zelt als Behelfsunterkunft.

Altarweihe durch Papst Franziskus
Altarweihe durch Papst Franziskus

Am Sonntag wurde die völlig umgebaute Kirche neu geweiht. Zugleich erfolgte die Altarweihe. In den neuen Altar wurden Reliquien des heiligen Johannes Bosco, der heiligen Margareta Maria Alacoque und der heiligen Maria Goretti eingelassen. Kirchenpatron ist der erwähnte, heilige Papst Julius I., der von 337–352 regierte. Er bestätigte den von den Arianern aus seiner Bischofsstadt vertriebenen Patriarchen von Alexandria, den heiligen Athanasius den Großen, in seinem Amt. Er ließ im angrenzenden Viertel Trastevere die Kirchen Santa Maria in Trastevere und Santi XII Apostoli (zu den zwölf Aposteln) erbauen und legte Weihnachten, das Hochfest der Geburt des Herrn, endgültig auf den 25. Dezember fest.

Beobachtung 2

Die Eucharistiefeier mit dem Widmungsritus (recte Weiheritus), die um 17.40 Uhr begann, wurde vom vatikanischen Fernsehen und dem Fernsehsender der Italienischen Bischofskonferenz direkt übertragen. Obwohl vom Heiligen Stuhl Papst Franziskus offiziell als Zelebrant ausgewiesen wurde, geschah während der Zelebration zeitweise ein „Zelebrantenwechsel“ und damit Ungewöhnliches.

Kardinalvikar De Donatis (Altarweihe)
Kardinalvikar De Donatis (Altarweihe)

Papst Franziskus zelebrierte tatsächlich weite Teile der Messe, wurde als Zelebrant aber zeitweise von Kardinalvikar Angelo De Donatis abgelöst, um dann wieder weiter zu zelebrieren. Der Papst wechselte damit während der Zelebration aus der Rolle des Zelebranten in die eines Konzelebranten und wieder zurück in die des Zelebranten. Es gibt, Liturgieexperten mögen dies korrigieren, keine liturgischen Normen, die einen solchen „fliegenden“ Wechsel vorsehen. Das ungewöhnliche Geschehen wurde in der Medienberichterstattung nicht erwähnt, wofür bei den weltlichen Medien mangelnde liturgische Kenntnis verantwortlich sein dürfte, bei katholischen Medien allerdings nicht.

Beobachtung 3

Am Ende der Kommunion wurde das Allerheiligste in feierlicher Prozession vom Pfarrer aus der Behelfskirche in den Tabernakel der neugeweihten Kirche überführt. Als das allerheiligste Altarsakrament durch die Kirche an ihnen vorbeigetragen wurde, machte keiner der zahlreich anwesenden Priester, viele davon jungen Alters, eine Kniebeuge.

Übertragung des Allerheiligsten, doch kein Priester beugte sein Knie.
Übertragung des Allerheiligsten, doch kein Priester beugte sein Knie.

In der Grundordnung des Missale Romanum heißt es zur Genuflexio:

„Die Kniebeuge, bei der das rechte Knie bis zum Boden gebeugt wird, bringt die Anbetung zum Ausdruck; sie ist deshalb dem allerheiligsten Sakrament vorbehalten.“

Sie erfolgt durch jeden Gläubigen, wenn er die Kirche betritt oder verläßt und wann immer er vor dem Tabernakel vorbeigeht. Gleiches gilt für die Priester. Gleiches gilt natürlich auch, wenn das Allerheiligste an den Gläubigen vorbeigetragen wird.

Seit sechs Jahren erlebt die Kirche einen Papst, der kein Geniculator ist, ohne daß dieses Verhalten bisher vom Vatikan offiziell erklärt wurde.

Macht die fehlende Ehrfurchtsbezeugung und Anbetung, die Papst Franziskus der Gegenwart des allmächtigen, dreieinigen Gottes entgegenbringt, unter den Priestern seines Bistums Schule?

Text: Giuseppe Nardi
Bild: CTV/Parrocchia San Giulio Papa (Screenshots)

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6 Kommentare

  1. Wenn ich mir die Zustände in meiner geliebten Kirche anschaue überkommt mich einfach nur noch ein Grauen.
    Es tut unendlich weh wie so viele Riten und Zeichen einfach weg gewischt werden.
    Herr schenke uns so schnell als möglich Priester, heilige Priester, viele heilige Priester
    und eine Leitung die dem Titel Stellvertreter Christi auf Erden gerecht werden.
    Kann man diese „Vögel“ nicht aus der Kirche entfernen. In anderen Religionsgemeinschaften sind diese viel
    besser aufgehoben. Ich bete jeden Tag für das Heil der Kirche, aber ich glaube wir müssen noch ein sehr tiefes Tal
    durchschreiten. Ein Christ, egal welchen Standes, der aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen dem Herrn der Welt
    die Ehrerbietung des Kniefalls nicht erweist ist für mich untragbar. Nehmt euch ein Beispiel an Papst Johannes Paul!

  2. Warum Kniebeuge, man hat doch Christus zum „Kumpel“ und seine Lehre zur Beliebigkeit degradiert, Kniebeuge nur noch vor Klima, Häretikern, Homos, Muslims etc.
    Horror

  3. Ich glaube Franziskus weiß wohl um die Realpräsenz Jesu in der Eucharistie. Jedoch passt diese nicht zu seinen freimaurerisch geprägten Plänen und Vorstellungen. Es drängt sich die Frage auf, ob Franziskus nicht mehr Freimaurer als wahrer und treuer Katholik!

  4. Wieder eine Kirche aus den 1960er Jahren, die abbruchreif war – beileibe keine Seltenheit.
    In der Regel ist in diesen Bauten die Akustik unterirdisch, im Sommer ist es brütend heiß, im Winter eiskalt, zugig und einfach zum weglaufen. Auch im übertragenen Sinne sind die damals geschaffenen Strukturen abbruchreif, mit dem „weitgehenden Neubau“ müßte begonnen werden…

  5. Hier im Ort, wo ich wohne, ist es schon lange „Gewohnheit“, daß Priester keine Kniebeuge vor dem Allerheiligsten, unserem Herrn, mehr machen. Bestenfalls noch die im Ruhestand lebenden älteren Priester, soweit sie es noch können, haben noch Ehrfurcht vor unserem Herrn und Heiland.

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