„Die Ausgangstür von Benedikt ist auch für Franziskus immer dort“ — Kardinal Turkson zu einem möglichen Papst-Rücktritt

Kardinal Turkson: "Ich weiß nicht, ob er das tut, aber die Tür zum Rücktritt ist immer offen"
Kardinal Turkson: "Ich weiß nicht, ob er das tut, aber die Tür zum Rücktritt ist immer offen"

(Lis­sa­bon) Die por­tu­gie­si­sche Tages­zei­tung Sol ver­öf­fent­lich­te am 3. Juni ein Inter­view mit Kar­di­nal Peter Turk­son. Der Kar­di­nal aus Gha­na nahm dabei auch zur Mög­lich­keit eines Rück­tritts von Papst Fran­zis­kus Stel­lung.

Der Kar­di­nal war Vor­sit­zen­der des Päpst­li­chen Rates Ius­ti­tia et Pax und ist seit 2016 erster Prä­fekt des von Papst Fran­zis­kus neu­errich­te­ten Dikaste­ri­ums für die ganz­heit­li­che Ent­wick­lung des Men­schen, in dem der von ihm zuvor gelei­te­te Rat auf­ge­gan­gen ist.

Auszug aus dem Interview

Die Tages­zei­tung Sol titel­te zu den Wor­ten von Kar­di­nal Turk­son sinn­ge­mäß: „Die Aus­gangs­tür von Bene­dikt ist auch für Fran­zis­kus immer dort“.

Sol: Ist es mög­lich, daß Fran­zis­kus dem Bei­spiel von Bene­dikt XVI. folgt und zurück­tritt?

Kar­di­nal Turk­son: Ich weiß nicht, ob er das tun wird. Das ist eine Sache zwi­schen ihm und Gott. Es ist aber auch wahr, daß das, was Bene­dikt getan hat, zu einem Teil der Insti­tu­ti­on wur­de. Das bedeu­tet: Die Frei­heit es zu tun [zurück­zu­tre­ten], ist immer gege­ben.

Sol: Sie mei­nen, auch wenn er die Tür nicht öff­net, ist die Tür immer dort?

Kar­di­nal Turk­son: Defi­ni­tiv. Das kann gesche­hen.

Figur eines „emeritierten Papstes“ umstritten

Die­se „Wei­ter­ent­wick­lung“ der Insti­tu­ti­on des Papst­tums durch den Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. und den unge­wöhn­li­chen, von ihm beschrit­te­nen Weg sich wei­ter­hin als Papst zu klei­den, sei­nen Papst­na­men bei­zu­be­hal­ten und sich als „eme­ri­tier­ter Papst“ anre­den zu las­sen, ist sehr umstrit­ten. Kar­di­nal Wal­ter Brand­mül­ler bezeich­ne­te die Figur eines eme­ri­tier­ten Pap­stes als „gro­ße Gefahr“ für die Ein­heit der Kir­che.

Gegen die ver­such­te Insti­tu­tio­na­li­sie­rung eines „eme­ri­tier­ten Pap­stes“ erho­ben Kir­chen­recht­ler sogar vehe­ment ihre Stim­me. Für den renom­mier­ten Kir­chen­recht­ler Giu­sep­pe Sci­ac­ca, Kuri­en­bi­schof und Sekre­tär der Apo­sto­li­schen Signa­tur, ist die Figur eines eme­ri­tier­ten Pap­stes „theo­lo­gisch und recht­lich unhalt­bar“.  Ganz ver­klärt sprach von die­ser Figur hin­ge­gen im Mai 2016 Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein in einem Vor­trag, der hef­ti­ge Reak­tio­nen (sie­he auch) aus­lö­ste.

Rücktrittssignale von Papst Franziskus?

Im ver­gan­ge­nen Halb­jahr ver­dich­te­te sich die Dis­kus­si­on über einen mög­li­chen Rück­tritt von Papst Fran­zis­kus, der selbst einen sol­chen andeu­te­te. Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei schrieb anläß­lich des 80. Geburts­tags von Fran­zis­kus und im Zusam­men­hang mit den von ihm unbe­ant­wor­te­ten Dubia (Zwei­feln) nam­haf­ter Kar­di­nä­le zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia, daß es im Lau­fe des Jah­res 2017 nicht aus­zu­schlie­ßen sei, daß Fran­zis­kus durch einen Amts­ver­zicht die Flucht nach vor­ne antre­ten könn­te.

Das argen­ti­ni­sche Wochen­ma­ga­zin Per­fil inter­pre­tier­te Wor­te von Fran­zis­kus vom 30. Mai als Rück­tritts­si­gna­le. Der Papst hat­te bei der mor­gend­li­chen Pre­digt in San­ta Mar­ta gesagt:

„Wir Hir­ten müs­sen alle Abschied neh­men. Es kommt ein Moment, wo der Herr uns sagt, ‚Geh woan­ders hin, geh dahin, geh dort­hin, komm zu mir.“

Per­fil schrieb dazu:

„Fran­zis­kus nähr­te heu­te die Idee, wie sein Vor­gän­ger sein Amt vor sei­nem Tod zurück­zu­le­gen.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Sol (Screen­shot)

 

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