Wie ein Jesuit gegen die Lehre der Kirche über die Eucharistie kämpft

Dem Rom gerade wieder das Rektorat erlaubte

Des jesuiten Wucherpfennigs Eucharistie-Verständnis - und dennoch bestätigte ihn Rom als Rektor der Jesuitenhochschule.
Des jesuiten Wucherpfennigs Eucharistie-Verständnis - und dennoch bestätigte ihn Rom als Rektor der Jesuitenhochschule.

Gast­kom­men­tar von Uwe Lay

„Der Vati­kan hat sein ‚Nihil obstat‘ für eine wei­te­re Amts­zeit des Theo­lo­gie­pro­fes­sors Ans­gar Wucher­pfen­nig als Rek­tor der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Sankt Georgen/Frankfurt a.M. erteilt“ (Kath net, 19.11.2018).

Katholisch.de prä­zi­sier­te am 15.11.2018:

„Die Unbe­denk­lich­keits­er­klä­rung wur­de nach Aus­sa­ge der Jesui­ten durch die vati­ka­ni­sche Bil­dungs­kon­gre­ga­ti­on erteilt, nach­dem Wucher­pfen­nig eine Erklä­rung abge­ge­ben habe, als Ordens­mann und Prie­ster dem authen­ti­schen Lehr­amt der Kir­che ver­pflich­tet zu sein.“

Was ver­steht nun die­ser Jesu­it unter, dem authen­ti­schen Lehr­amt der Kir­che ver­pflich­tet zu sein?

Stimmen der Zeit 12/2018
Stim­men der Zeit 12/2018

Sein Auf­satz: „Wie hat Jesus die Eucha­ri­stie gewollt? Neu­te­sta­ment­li­che Gedan­ken zur eucha­ri­sti­schen Gast­freund­schaft“, erschie­nen in: Stim­men der Zeit 12/2018, S. 855–860 offen­bart sein Ver­ständ­nis, näm­lich, daß die­ser Neu­te­sta­ment­ler und Rek­tor der Jesui­ten­hoch­schu­le sich zum Kampf gegen die Leh­re der Kir­che beru­fen fühlt. So pro­kla­miert die­ser Jesu­it, daß Jesus mit“ Aus­ge­sto­ße­nen, Zöll­nern, Dir­nen Mahl gehal­ten habe (S. 857). Er spricht von Jesu Mahl­fei­ern mit die­sen Per­so­nen! Daß hier­bei die Eucha­ri­stie­fei­er, zu der der Herr nur sei­ne 12 Apo­stel ein­lud, mit den Mit­tags-und Abend­essen Jesu ver­wech­selt wird ist offen­sicht­lich, aber beab­sich­tigt: Wenn Jesus die ein­lud, wie kann die Kir­che sich dann anma­ßen, Men­schen vom Emp­fang der Eucha­ri­stie aus­zu­schlie­ßen. Dar­um wird auch pro­kla­miert: „Jesus ist der Gast­ge­ber, nicht die Kir­chen“.

In typisch pro­te­stan­ti­scher Manier stellt er so anti­the­tisch der Kir­che Jesus gegen­über, als wäre die Kir­che nicht der Leib des Herrn. Das Ver­ram­schen der Eucha­ri­stie, jeder, der will, soll sie auch bekom­men, nach dem Urteil des Jesui­ten auch Unge­tauf­te und Hin­dus (S. 859), demon­striert über­deut­lich, daß hier ein Jesu­it den Gene­ral­an­griff auf das Sakra­ment des Alta­res initi­iert.

Wie eröff­net nun die­ser Rek­tor der jesui­ti­schen Hoch­schu­le sei­nen Angriff auf die katho­li­sche  Leh­re von der Eucha­ri­stie?

Wohl­wol­lend erklärt er, daß in der Evan­ge­li­schen Kir­che Hes­sen-Nas­sau nicht nur alle Chri­sten, son­dern auch alle Nicht­chri­sten zum Abend­mahl ein­ge­la­den sind, wenn sie sich von Chri­stus ein­ge­la­den füh­len (S. 855), also, wenn sie am Abend­mahl teil­neh­men wol­len. Die­sen Wil­len deu­tet der Jesu­it dann als sich ein­ge­la­den wis­sen!

Nun habe die Jesui­ten­hoch­schu­le mit einer sol­chen evan­ge­li­schen Gemein­de und einer katho­li­schen ein öku­me­ni­sches Pro­jekt gestar­tet, daß man fak­tisch  das Abend­mahl bzw. die  Eucha­ri­stie mit­ein­an­der fei­ert. Daß die­se Pra­xis kir­chen­recht­lich uner­laubt ist, inter­es­siert den Jesui­ten nicht. Er seg­net ja auch Homosex­paa­re uner­laubt. Aber die katho­li­sche Gemein­de dür­fe nicht offi­zi­ell die Evan­ge­li­schen zur Eucha­ri­stie ein­la­den und auch nicht die Nicht­chri­sten. Dar­aus ent­springt nun das Anlie­gen die­ses Auf­sat­zes, daß es doch mehr als erstre­bens­wert wäre, wenn die Eucha­ri­stie wie bei den Pro­te­stan­ten eine für jeder­mann wäre: Jeder, der will, bekommt sie auch. Dar­in mani­fe­stiert sich der Grund­zug aller Reform­kon­zep­te, nicht nur der Jesui­ten: Das Heil kommt von den Pro­te­stan­ten. Je pro­te­stan­ti­scher wir wer­den, je mehr die Kir­che sich ent­ka­tho­li­siert, desto bes­ser!

Nun ver­sucht sich unser Jesu­it mit neu­te­sta­ment­li­cher Exege­se. Da stellt er ein­fach die The­se auf:  „Von Anfang an gibt es in den neu­te­sta­ment­li­chen Schrif­ten eine Plu­ra­li­tät von eucha­ri­sti­schen Fei­ern.“ (S. 856). Aber was sol­len denn die­se eucha­ri­sti­schen Fei­ern sein? Ent­we­der meint er dabei jedes Essen, in dem Gott für die Gaben gedankt wird, dann trägt die­se Plu­ra­li­tät aber nichts zum The­ma der Eucha­ri­stie bei, oder er will behaup­ten, daß es eine Plu­ra­li­tät von Wei­sen der Zele­bra­ti­on der Eucha­ri­stie gege­ben hät­te. Dafür aber gibt es kei­nen ein­zi­gen Beleg. Er ver­weist dann nur dar­auf hin, daß es vier dif­fe­ren­te Dar­stel­lun­gen des einen Her­ren­mah­les im Neu­en Testa­ment gäbe. Da die­se sich aber auf die eine von Jesus Chri­stus selbst gestif­te­te erste Eucha­ri­stie­fei­er bezieht, sind das nur unter­schied­li­che Zeug­nis­se ein und der­sel­ben Fei­er und ver­wei­sen so gera­de nicht auf eine Plu­ra­li­tät von Wei­sen der Zele­bra­ti­on die­ses Sakra­men­tes.

Gera­de­zu phan­ta­stisch ist nun die­se durch nichts exege­tisch begrün­de­te The­se: „Jesus Chri­stus hat die Eucha­ri­stie am Anfang nicht als Form einer ein­heit­li­chen Fei­er gewollt. Sein Wil­le lässt ver­schie­de­ne For­men und Ver­ständ­nis­se die­ser Fei­er zu.“ (S. 857). Das Fak­tum, daß Chri­stus die Fei­er die­ses Sakra­men­tes am Grün­don­ners­tag ein­setz­te und daß es dar­über vier in eini­gen Punk­ten dif­fe­ren­te Dar­stel­lun­gen in der Bibel gibt, läßt die­sen Schluß nicht zu. Es behaup­tet ja auch kein Exeget, daß Jesus Chri­stus vier­mal in ver­schie­de­ner Wei­se gekreu­zigt wor­den sei, weil es vier dif­fe­ren­te Berich­te über sei­ne Kreu­zi­gung gibt. Wenn es dann tat­säch­lich im Urchri­sten­tum ver­schie­de­ne Wei­sen gege­ben haben soll, das Urbild der Eucha­ri­stie­fei­er abbild­lich nach­zu­fei­ern oder mit­zu­fei­ern als Teil­ha­be an die­ser Urfei­er, dann bleibt es doch bei der allei­ni­gen Nor­ma­ti­vi­tät die­ser ersten Fei­er des Sakra­men­tes, die so nicht ein­fach eine belie­bi­ge Plu­ra­li­tät von Wei­sen der Fei­er der Eucha­ri­stie zuläßt.

Nun ver­wirrt der Jesu­it die Eßpra­xis Jesu, mit ande­ren gemein­schaft­lich zu essen, mit der Pra­xis der Eucha­ri­stie, die eben nicht ihren Ursprung in Mahl­fei­ern hat­te, die einem som­mer­li­chen Pick­nick im Grü­nen ver­gleich­bar sei­en. (S. 857f). Völ­lig häre­tisch ist dann die Behaup­tung: „Die Eucha­ri­stie setzt viel eher eine Mahl­tra­di­ti­on fort, die ver­mut­lich schon wäh­rend des öffent­li­chen Wir­kens Jesu begon­nen hat“. Es sei dar­an erin­nert, daß der Begriff des Mah­les nur ein reich­hal­ti­ges Essen meint! Somit wird das Wesen der Eucha­ri­stie­fei­er, daß sie eine Opfer­fei­er ist, und daß die Kir­che Gott das hei­li­ge Meß­op­fer dar­bringt, völ­lig ver­dun­kelt, weil nur noch von einem reich­hal­ti­gen Essen mit einem Tisch­ge­bet gespro­chen wird. Ein sol­ches Essen, mag auch noch so fromm gebe­tet wer­den, ist aber kei­ne Eucha­ri­stie­fei­er!

Nach­dem so nun das Sakra­ment der Eucha­ri­stie sei­ner Sub­stanz beraubt wur­de, kommt es noch ärger. Der Jesu­it zitiert nun Joh 6,37: „Wer zu mir kommt, den wer­de ich nicht hin­aus­wer­fen“ und meint damit, daß jeder, der die Eucha­ri­stie emp­fan­gen will, sie auch bekom­men dür­fe, weil sonst ein zu Jesus kom­men Wol­len­der hin­aus­ge­wor­fen wür­de. Nun ist es aber jedem Ken­ner des Johan­nes­evan­ge­li­ums klar, daß dies Kom­men zu mir meint: „Wer das Leben von ihm emp­fan­gen will, muß also an ihn glau­ben – oder wie es in bibli­scher Wen­dung heißt: ‚zu ihm kom­men‘ “ (R. Bult­mann, Das Evan­ge­li­um des Johan­nes, 1962, S. 168; auch wenn die­ser Kom­men­tar zum ersten Male 1941 erschien, ist er immer noch einer der besten, in rein exege­ti­scher Hin­sicht).

Zudem wäre, wenn die Deu­tung des Jesui­ten zuträ­fe, völ­lig unbe­greif­lich, war­um Pau­lus vor den Fol­gen eines sakri­le­gi­schen Kom­mu­nion­emp­fan­ges  warnt, wenn es sol­che doch gar nicht geben kön­ne, weil Jesus doch kei­nen zu ihm Gekom­me­nen so stra­fen kön­ne.  Das voll­stän­di­ge Aus­blen­den der Gefahr eines sakri­le­gi­schen Emp­fan­ges gehört aber heut­zu­ta­ge zu den Stan­dards der Öku­me­ne.

Zum Schluß kommt der Rek­tor der Jesui­ten­hoch­schu­le dann zu dem Schluß, daß die Plu­ra­li­tät der Wei­sen der Fei­er  im Urchri­sten­tum und in der Bibel die heu­ti­ge Plu­ra­li­tät in den ver­schie­de­nen christ­li­chen Con­fes­sio­nen legi­ti­mie­re: „War­um haben Kir­chen das Recht, im Fal­le von Unter­schie­den im kon­fes­sio­nel­len Ver­ständ­nis, Chri­sten einer ande­ren Kon­fes­si­on aus der Eucha­ri­stie aus­zu­schlie­ßen? (S. 859).

Daß Unter­schie­de zu beur­tei­len und zu bewer­ten sind, ob es sich um legi­ti­me oder um ille­gi­ti­me Ver­schie­den­hei­ten han­delt, ver­neint die­ser Theo­lo­ge. Daß das Tri­en­ter Kon­zil ein­deu­tig die evan­ge­li­schen Abend­mahls­leh­ren als ille­gi­tim ver­ur­teilt hat, igno­riert die­ser Jesu­it – aber was küm­mert ihn das Lehr­amt der Kir­che!

Ach ja: Was weiß die­ser Jesu­it über die Eucha­ri­stie selbst zu sagen, was denn ihr Wesen sei? „Denn das ess­ba­re Brot ist Zei­chen für das Brot vom Him­mel, also die Per­son und die Leh­re Jesu selbst.“ (S. 858). Soll das hei­ßen, daß auch in der Eucha­ri­stie nur die­ses Zei­chen emp­fan­gen wird, das den Emp­fän­ger auf die Per­son Jesu und sei­ne Leh­re ver­wei­sen soll?

Auch bei wohl­wol­lend­ster Lek­tü­re kann unmög­lich behaup­tet wer­den, daß die­ser Theo­lo­ge auch nur ansatz­wei­se die Leh­re der Kir­che zu die­ser Cau­sa dar­legt, und daß es ihm gelän­ge, sei­ne mit der Leh­re unver­ein­ba­ren The­sen exege­tisch zu veri­fi­zie­ren. Durch nichts begrün­de­te The­sen wer­den auf­ge­stellt über eine Plu­ra­li­tät von Wei­sen der Eucha­ri­stie­fei­er im Neu­en Testa­ment, die Dif­fe­renz zwi­schen einem Essen mit Tisch­ge­bet und der von Jesus Chri­stus am Grün­don­ners­tag ein­ge­setz­ten Eucha­ri­stie­fei­er wird nicht berück­sich­tigt und die Johann­ei­sche Theo­lo­gie völ­lig miß­ver­stan­den.

Text: Uwe Lay
Bild: herder.de/stz (Screen­shots)