Erzbischof Viganò muß 1,8 Millionen Euro zahlen

Urteil erster Instanz in einem Rechtsstreit

Erzbischof Carlo Maria Viganò brachte Papst Franziskus in schwere Bedrängnis. Sether steht der Vatikandiplomat im Scheinwerferlicht. Das brachte auch einen Rechtsstreit mit seinem Bruder an die Öffentlichkeit.
Erzbischof Carlo Maria Viganò brachte Papst Franziskus in schwere Bedrängnis. Sether steht der Vatikandiplomat im Scheinwerferlicht. Das brachte auch einen Rechtsstreit mit seinem Bruder an die Öffentlichkeit.

(Rom) Die Angelegenheit wäre von der Öffentlichkeit unbeachtet geblieben, doch derzeit richten sich die Scheinwerfer auf den ehemaligen Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò – besonders auch die seiner Gegner, seit er Ende August mit einem Dossier Papst Franziskus im sexuellen Mißbrauchsskandal in schwere Bedrängnis brachte.

In dem seither tobenden Krieg, an kleineren und größeren Fronten, findet ein vielschichtiger Schlagabtausch statt. Dazu gehört auch eine heute von der italienischen Presseagentur ANSA verbreitete Meldung, die bereits auf den 9. Oktober zurückgeht.

Damals entschied eine Einzelrichterin in Mailand in erster Instanz, daß Erzbischof Viganò seinem leiblichen Bruder Lorenzo Viganò, der ebenfalls Priester ist, 1,8 Millionen Euro bezahlen muß. Grund ist ein Erbschaftsstreit zwischen den beiden Brüdern. Der Bruder des ehemaligen Spitzendiplomaten des Vatikans fühlt sich um einen Teil des väterlichen Erbes gebracht. Die Richterin in Mailand gab ihm Recht.

Insgesamt gibt es sechs Geschwister, unter denen das Erbe des Vaters aufgeteilt wurde. Die anderen vier Geschwister, die vom Rechtsstreit nicht betroffen sind, gaben bereits 2013 eine öffentliche Erklärung ab, mit der sie Erzbischof Carlo Maria Viganò verteidigten und gegen die Angriffe von Bruder Lorenzo in Schutz nahmen. Dieser führte jedoch seinen Rechtsstreit weiter.

Erzbischof Viganò verwaltet das väterliche Erbe, das im Jahr 2010 aus sieben Millionen Euro Bargeld und aus 20 Millionen Euro an Immobilienbesitz bestand. Laut Urteil von Richterin Susanna Terni muß Erzbischof Viganò seinem Bruder Lorenzo eine „Ausgleichszahlung“ von 1,8 Millionen Euro leisten.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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7 Kommentare

  1. Oh, das sind ja ungeheure Summen.
    Ich frage mich immer wieder, wie Christen noch dazu Priester zu solchen Summen kommen; in diesem Fall also durch Erbschaft. Aber wie auch immer, als Christ bin ich natürlich für Privateigentum, ich habe auch nichts gegen „Reiche“, wenn sie ihrem Reichtum christlich verpflichtet sind. Dennoch stellt sich bei den Summen mir die Frage, spenden sie nichts? Wir im Verhältnis sehr armen Gläubigen werden ständig zu Spenden aufgerufen, für jede Kleinigkeit wie Kirchenheizung (die Kirche ist ungeheizt, die Kniekissen zerschlissen), Blumenschmuck (der „Blumen“schmuck besteht aus an dunklem Standort dahinvegetierenden Pflanzen), Reparatur von Orgelpfeifen wegen des heißen Sommers etc. Wofür wird die Kirchensteuer ausgegeben? – dafür offensichtlich nicht. Auch ein alter Kardinal hat sich vor einigen Jahren in Rom eine Eigentumswohnung von einer aus meiner Sicht völlig überdimensionierten Größe gekauft – ein Vorbild für die Familien, die mit mehreren Kindern auf sehr engem Raum auskommen müssen? Wenn ich mir solche Prälaten zum Vorbild nehmen würde, dann würde ich nie spenden, denn derart hohe Summen kann ich mir nicht erarbeiten, um dann danach mit dem Spenden anzufangen.

    • Diese Frage „Spenden die nichts?“ habe ich mir nicht gestellt. Ich selber spende grundsätzlich nichts mehr für christliche Hilfswerke. Die Kiche hat Geld satt… und eigentlich sogar zuviel.

      Auf der anderen Seite brächte es rein gar nichts, zum Beispiel die Kirchenschätze zu Geld zu machen, und das Geld an die Armen zu verteilen. Das wäre so hirnrissig wie nur was.

      Geld ist ein Machtinstrument, ein Machterhaltungsinstrument und leider auch ein Unterordnungsinstrument und Unterdrückungsinstrument. Mit Geld kann man viel mehr kaputt als gut machen. Aber man ‚kann‘ eben auch sehr viel Gutes tun.

      Rotschild und Rockefeller könnten 100 Jahre lang Geld verbrennen. Sie würden nicht ausreichen,um es zu vernichten. Diese Herren begreifen nicht, dass der Wert nicht im Geld an sich liegt, sondern in der Arbeit, die dem Geld vorausgeht. Gleichzeitig sind sie daran interessiert, Menschen am Existenzlimit zu halten, so dass sie in ständiger Angst leben müssen, bei unliebsamen Äußerungen gegen das System auch das wenige Geld oder den Wohnraum zu verlieren.

      Die soziale Ungleichheit und die soziale Not in der Gesellschaft sind gewollt. Durch Spenden können wir nichts verändern; rein gar nichts.

      Jedes Jahr werden eine Billionen Euro ohne Gegenwert gedruckt und in die europäische Union gepumpt. Die Finanzblase ist reif zum platzen. Geld ist eine (Glaubens-) Fiktion und ein Machtinstrument zur Unterdrückung der Massen. Weil wir alle daran glauben und das Geld systematisch (und oft falsch) konzentriert haben, haben wir uns völlig abhängig gemacht. Machen Aldi und Lidl für 14 Tage dicht, sterben die ersten Menschen.

      Die Abhängigkeit vom System ist so groß, dass selbst katholisches.info oder die Tagespost nicht wirklich frei sind. Auch sie sind abhängig vom (Spenden-) Geld.

      Es gibt viel viel finanzielle Ungerechtigkeit und Not in diesem Land mit 10 Mio Arbeitslosen. 2 Mio sind ein Fake! Man denke an die vielen Harz IVler; 15 Mio Rentner bekommen zudem weniger als 800 Euro Rente!

      Geld kann dazu dienen, auch eine gute Macht zu erhalten. Deswegen würde ich nicht grundsätzich oberflächliche Kritik am Familienbesitz der Viganos üben.

  2. Wenn man so viel Kohle hat ist man als Erzbischof unglaubwürdig. Ein hl. Pius X. hätte das Geld längst unter die Armen verteilt. Und dass ausgerechnet die beiden Priesterbrueder wegen des Geldes einen Erbschaftsstreit anzetteln ist mehr als traurig!

  3. Nach christlichem Glauben gilt für Erzbischof Viganò wie für jeden(!) anderen Menschen auch:
    Kein Mensch kann etwas dafür, ob er in eine arme oder in eine reiche Familie hineingeboren wurde.

    Ein (kleines oder auch großes) Vermögen zu erben, das ist an sich nicht verwerflich.
    Es kommt immer(!) darauf an, wie man mit dem eigenen Vermögen umgeht;
    verprasst man es für ein übertriebenes Luxusleben, für Wein, Weib, Spielleidenschaften…,also ein „Lotterleben“,
    fordert man für Immobilien übertriebene Mieten, verleiht Geld für überhöhte Zinsen … etc. usf.
    Oder geht man verantwortungsvoll mit seinem Besitz um,
    indem man vergleichsweise bescheiden lebt,
    sofern man Angestellte hat (und sei es „nur“ eine Hausgehilfin bzw. eine Putzfrau), diesen (dieser) gerechte Löhne bezahlt sowie die vorgeschriebenen Sozialabgaben für diese entrichtet,
    (zumindest) von den Zinsen bzw. sonstigen Erträgen, die einem das Vermögen bzw. das eigene Einkommen bescheren,
    auch an Bedürftige oder für gemeinnützige Angelegenheiten etwas spendet bzw. schlussendlich das eigene Vermögen
    entsprechend für gute Zwecke weitervererbt.

    Außerdem gibt es wohl kaum eine Familie, in der es zwischen Geschwistern oder anderen Verwandten nicht größere oder
    zumindest kleinere Rivalitäten gibt; zu tief schlummern im Inneren des Menschen negative Gefühle wie z.B. Neid, Mißgunst, Habgier, Rachsucht, die nur darauf warten, geweckt zu werden.
    Und nicht jeder Mensch hat die seelische Stärke, diese Negativa stets und konsequent zu beherrschen bzw. zum Schweigen zu bringen.
    Ein Blick in die Geschichte (oder auch die Bibel) liefert beredte Beispiele dafür.

    Da im Hinblick auf Erzbischof Viganò sogar vier von fünf Geschwistern für ihn sprechen, sollte man sich auf jeden Fall davor hüten, vorschnell über seine Persönlichkeit zu urteilen, zumal das Gerichtsurteil nicht rechtskräftig ist.

    Darüber hinaus bedeutet die Tatsache, dass sein Bruder Lorenzo ihn in einer Erbangelegenheit vor Gericht zerrt, nicht, dass Erzbischof Viganò in der „Causa sexueller Mißbrauch durch Angehörige der kirchlichen Hierarchie“ die Unwahrheit sagt.

    Vielmehr stellt sich ernsthaft die Frage, weshalb gewisse Leute ein offenbar beachtliches Interesse daran haben,
    diese leidige Erbstreitigkeit unter Verwandten, die m.E. mit der „Causa sexueller Mißbrauch durch…“
    absolut gar nichts zu tun hat, gerade jetzt ans Licht der Öffentlichkeit zerren. Cui bono?

    Zum Schluss noch ein Gedanke, den einst ein Pater SJ(!) zu „Reichtum, Armut und Bescheidenheit“ äußerte:
    „Man kann ‚restlos alles‘ zu seinem Reichtum machen, auch Armut und Bescheidenheit;
    man kann auch die eigene Armut und Bescheidenheit als seinen Reichtum,
    seinen wertvoll(st)en Besitz vor sich hertragen,
    im Sinne von: ‚Schaut mal, wie arm ich bin! Schaut her, wie bescheiden ich lebe!'“

    Als jener Pater SJ(!) diesen Satz sagte, da war noch Johannes Paul II. als Nachfolger des Apostels Petrus tätig.

    Warum ich wohl seit einiger Zeit wieder vermehrt an den Satz dieses Paters SJ(!) denken muss?

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