Auf Amazonassynode folgt Frauensynode

Frauensynode
Lateinamerikakommission schlägt Papst Franziskus die Einberufung einer Frauensynode vor.

(Rom) Plant Papst Fran­zis­kus bereits die vier­te Syn­ode sei­nes Pon­ti­fi­kats? Sie soll den Frau­en gewid­met sein.

Bis­her fand unter dem Pon­ti­fi­kat des regie­ren­den Pap­stes erst eine Syn­ode statt, dafür gleich eine dop­pel­te zum The­ma Fami­lie in den Jah­ren 2014 und 2015. Die­se Dop­pel­syn­ode war von schwer­wie­gen­den Kon­flik­ten beglei­tet und hat­te noch schwer­wie­gen­de­re Kon­flik­te zur Fol­ge. Die Zer­würf­nis­se sind von so grund­le­gen­der Natur und die päpst­li­che Ent­schlos­sen­heit zur Durch­set­zung sei­ner Neue­run­gen – Stich­wort Amo­ris lae­ti­tia – ist so ein­sei­tig, daß sogar von der Gefahr eines Schis­mas die Rede ist.

Im kom­men­den Herbst wird als zwei­te Syn­ode des Pon­ti­fi­kats eine Jugend­syn­ode statt­fin­den. Im Okto­ber 2019 als drit­te die Ama­zo­nas­syn­ode fol­gen.

Erste Synode stürzte die Kirche in „größte Verwirrung“

Seit den Erfah­run­gen rund um die Fami­li­en­syn­ode, die auf Tei­le der Kir­che ernüch­tern, auf ande­re sogar schockie­rend wirk­ten, herrscht in glau­bens­treu­en Kir­chen­krei­sen gro­ßes Miß­trau­en gegen­über dem „syn­oda­len Weg“ von Papst Fran­zis­kus. Das Ergeb­nis der Fami­li­en­syn­ode wird von Kri­ti­kern als Will­kür­akt gese­hen. Was Fran­zis­kus mit dem nach­syn­oda­len Schrei­ben umset­zen will, die Zulas­sung zu den Sakra­men­ten von Per­so­nen, die sich im Stand der schwe­ren Sün­de befin­den, sei von der Syn­ode nie so beschlos­sen wor­den und hät­te dort auch nie die dafür not­wen­di­ge Mehr­heit gefun­den.

Amoris laetitia
Amo­ris lae­ti­tia

Das Instru­ment Bischofs­syn­ode habe dem­nach nur als Vor­wand gedient, um bereits fest­ste­hen­de Ergeb­nis­se durch­set­zen zu kön­nen. Die Ein­be­ru­fung der Syn­ode soll­te ledig­lich den Ein­druck einer brei­ten kirch­li­chen Dis­kus­si­on vor­täu­schen, wäh­rend die Syn­oden­re­gie kla­re Zie­le ver­folg­te, die­se aber ver­bor­gen hielt. Ver­bor­gen hielt und hält Papst Fran­zis­kus auch das eigent­li­che Ziel, das er damit errei­chen woll­te: die Auf­wei­chung des Ehe­sa­kra­ments und die fak­ti­sche Aner­ken­nung von Schei­dung und Zweit­ehe. Auf­merk­sa­me Beob­ach­ter warn­ten bereits 2013 vor die­ser Stoß­rich­tung der päpst­li­chen Poli­tik. Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke beklag­te wäh­rend der ersten Fami­li­en­syn­ode im Okto­ber 2014 Mani­pu­la­tio­nen der Syn­ode. Dafür wur­de er von Papst Fran­zis­kus abge­setzt und aus der Römi­schen Kurie ent­fernt. Drei­zehn Kar­di­nä­le pro­te­stier­ten am Beginn der zwei­ten Fami­li­en­syn­ode im Okto­ber 2015 gegen die Syn­oden­re­gie und den Ver­dacht vor­ge­fer­tig­ter Ergeb­nis­se. Fran­zis­kus wies alle Vor­wür­fe zurück und sei­ne Entou­ra­ge stürz­te sich empört auf die Kri­ti­ker. Inzwi­schen ist bekannt, daß deren Pro­test mehr als berech­tigt war.

Mit ent­spre­chen­der Sor­ge blicken nicht uner­heb­li­che Tei­le der Kir­che auf die bevor­ste­hen­den Syn­oden. Seit Dezem­ber 2015 steht der kon­kre­te Ver­dacht im Raum, daß nach dem Ehe­sa­kra­ment (mit Aus­wir­kun­gen auf das Buß- und Altarsa­kra­ment) nun Hand ans das Wei­he­sa­kra­ment gelegt wer­den soll (wie­der­um mit Aus­wir­kun­gen auf die vom Prie­ster gespen­de­ten Sakra­men­te). Die Jugend­syn­ode könn­te den Auf­takt bil­den, damit die Ama­zo­nas­syn­ode die Abschaf­fung des Zöli­bats für Prie­ster ein­füh­ren kann – mög­li­cher­wei­se wie­der­um so ver­steckt und ver­stoh­len wie die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten.

Fran­zis­kus beton­te mehr­fach, er wol­le nur „Pro­zes­se ansto­ßen“, aller­dings „irrever­si­ble“. Wor­te, die von man­chen in der Kir­che inzwi­schen als Dro­hung ver­stan­den wer­den.

Auf Jugend und Amazonas(priestertum) folgen die Frauen

Gestern wur­de bekannt, daß Papst Fran­zis­kus eine wei­te­re Syn­ode in Pla­nung zu haben scheint: eine Frau­en­syn­ode.

Frauensynode
Frau­en­syn­ode

Der Anstoß dazu kommt for­mal von der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on für Latein­ame­ri­ka. Die­se schlug eine „Syn­ode zum The­ma der Frau im Leben und Auf­trag der Kir­che“ vor.

Die Voll­ver­samm­lung der Latein­ame­ri­ka­kom­mis­si­on tag­te vom 6.–9. März im Vati­kan und ver­ab­schie­de­te dabei ein Doku­ment mit „Schluß­fol­ge­run­gen und pasto­ra­len Emp­feh­lun­gen“. In den „Schluß­fol­ge­run­gen“ (3) ist die Rede von einer „Bewußt­seins­ent­wick­lung“ und dem „syn­oda­len Weg“. Die Welt erle­be einen „Epo­chen­wech­sel“, das ver­lan­ge von der Kir­che „eine neue mis­sio­na­ri­sche Dyna­mik“. Die­se habe Papst Fran­zis­kus mit „Evan­ge­lii gau­di­um“ vor­ge­ge­ben. Dar­in ver­lan­ge er eine „Men­ta­li­täts­än­de­rung“ und einen „Trans­for­ma­ti­ons­pro­zeß“. Um klar­zu­stel­len, was damit gemeint ist, ver­weist die Kom­mis­si­on auf die Fami­li­en­syn­ode:

„Ana­log wie Papst Fran­zis­kus es mit den Syn­oden­ver­samm­lun­gen über die Fami­lie kon­kret gelun­gen ist.“

Neomalthusianische Kräfte

Und wei­ter:

„Die katho­li­sche Kir­che muß gemäß dem Bei­spiel Jesu frei von Vor­ur­tei­len, Ste­reo­ty­pen und von Frau­en erlit­te­nen Dis­kri­mi­nie­run­gen sein.“

Die christ­li­chen Gemein­schaf­ten hät­ten eine „ernst­haf­te Über­prü­fung“ ihres Lebens im Sin­ne einer „pasto­ra­len Umkehr“ durch­zu­füh­ren, die „imstan­de ist, um Ver­zei­hung zu bit­ten für alle Situa­tio­nen, in denen sie Kom­pli­zen von Anschlä­gen gegen die Wür­de“ der Frau waren und sind.

Hier klingt eine Spra­che an, die an jene von Gen­der-Ideo­lo­gen erin­nert.

In der Schluß­fol­ge­rung 10 heißt es aller­dings auch, es wäre „naiv“ nicht zu sehen, daß das „neue Selbst­be­wußt­sein“ der Frau­en in Latein­ame­ri­ka von „den gro­ßen neo­mal­thu­sia­ni­schen Kräf­ten“ aus­ge­nützt wer­de, um die Abtrei­bung als „Recht“ der Frau­en zu pro­kla­mie­ren. Ver­wie­sen wird zudem auf eine „Bana­li­sie­rung“ der Lie­be und des Ver­hält­nis­ses von Mann und Frau durch die Ver­hü­tungs­men­ta­li­tät, die Sexua­li­tät und Zeu­gung trennt.

In den „Emp­feh­lun­gen“ (IX) wird auf die Bedeu­tung der „‘Syn­oda­li­tät‘ auf allen Ebe­nen“ ver­wie­sen, die Papst Fran­zis­kus beto­ne. Es gebe „hier­ar­chi­sche Gaben“ und „cha­ris­ma­ti­sche Gaben“.

Es sei „mög­lich und drin­gend“, die „Plät­ze und Mög­lich­kei­ten der Mit­ar­beit von Frau­en in den pasto­ra­len Struk­tu­ren der Pfar­rei­en, der Diö­ze­sen, auf der Ebe­ne der Bischofs­kon­fe­ren­zen und der Römi­schen Kurie zu erwei­tern“.

In der Kirche „auf Augenhöhe mit den Männern“

Die­se „Öff­nung“ sei kein Zuge­ständ­nis auf­grund von „kul­tu­rel­lem und media­lem Druck“, son­dern „Aus­druck einer Bewußt­seins­bil­dung“, die sich gegen eine „kirch­li­che Lücke mit nega­ti­vem Effekt“ rich­te, näm­lich gegen ein „kle­ri­ka­les Ver­ständ­nis“ und gegen ein „Macho­ver­ständ­nis“.

In der Emp­feh­lung X heißt es:

„Natür­lich setzt die­se not­wen­di­ge und drin­gen­de Öff­nung eine Inve­sti­ti­on in die christ­li­che, theo­lo­gi­sche und pro­fes­sio­nel­le Bil­dung der Frau­en, ob Lai­en oder Ordens­frau­en, vor­aus, sodaß sie auf glei­cher Augen­hö­he mit ihren männ­li­chen Kol­le­gen in aller Nor­ma­li­tät und Aus­ge­gli­chen­heit arbei­ten kön­nen“.

Emp­feh­lung XI for­dert die katho­li­schen Hoch­schu­len und Theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten auf, eine Ver­tie­fung der „Theo­lo­gie der Frau“ vor­an­zu­trei­ben.

„Synode der Weltkirche über das Thema der Frau“

Die ent­schei­den­de Stel­le fin­det sich im aller­letz­ten Satz, in der XIV. und letz­ten „Emp­feh­lung“:

„Die­se Päpst­li­che Kom­mis­si­on für Latein­ame­ri­ka erhebt nicht den Anspruch, ihre Über­le­gun­gen und Not­wen­dig­kei­ten auf die Welt­kir­che pro­ji­zie­ren zu wol­len, stellt sich aber ernst­haft die Fra­ge nach einer Syn­ode der Welt­kir­che über das The­ma der Frau im Leben und dem Auf­trag der Kir­che.“

Frauensynode für die Weltkirche
Frau­en­syn­ode für die Welt­kir­che

Eine sol­che Emp­feh­lung wäre nicht denk­bar, wenn Papst Fran­zis­kus dazu nicht sei­ne Zustim­mung erteilt hät­te.

Die Kom­mis­si­on erwähnt die Fra­ge nicht: Im Raum steht jedoch auch die Zulas­sung der Frau zum Wei­he­sa­kra­ment. Nicht nur in pro­gres­siv gepräg­ten Kir­chen­krei­se West­eu­ro­pas wird die Ein­füh­rung von Dia­ko­nin­nen gefor­dert, wobei das eigent­li­che Ziel das Frau­en­prie­ster­tum ist. Der bra­si­lia­ni­sche Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, füh­ren­der Ver­tre­ter Latein­ame­ri­kas, eng­ster Papst-Ver­trau­ter und maß­geb­li­cher Archi­tekt der Ama­zo­nas­syn­ode zur Ein­füh­rung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster, sprach sich ein Jahr nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus für das Frau­en­prie­ster­tum aus.

Zum The­ma hat­te Fran­zis­kus 2015 eine Kom­mis­si­on errich­tet, die das Frau­en­dia­ko­nat „stu­die­ren“ soll­te. Kar­di­nal Mül­ler, damals noch Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on konn­te kei­ne Not­wen­dig­keit für die­se Kom­mis­si­on erken­nen, da erst weni­ge Jah­re zuvor eine ande­re Kom­mis­si­on alles stu­diert hat­te. Damals wur­den die irri­gen Behaup­tun­gen kor­ri­giert, auf die sich Befür­wor­ter des „Frau­en­dia­ko­nats“ stüt­zen, es habe in früh­christ­li­cher Zeit bereits ein Frau­en­dia­ko­nat gege­ben. Tat­säch­lich gab es Dia­ko­nis­sen, die kei­nen Anteil am Wei­he­sa­kra­ment hat­ten und Auf­ga­ben erfüll­ten, die für Män­ner damals nicht schick­lich waren. Kar­di­nal Mül­ler resü­mier­te daher: „Für Dia­ko­nis­sen gibt es kei­nen Bedarf mehr und für Dia­ko­nin­nen kei­ne Grund­la­ge“.

Die römi­sche Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà Cat­to­li­ca durf­te 2017 das The­ma Frau­en­prie­ster­tum mit päpst­li­cher Druck­erlaub­nis wie­der auf­wer­fen.

Der Vor­schlag Frau­en­syn­ode liegt auf dem Schreib­tisch von Papst Fran­zis­kus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/Wikicommons (Screen­shots)