Kardinal Cacciavillan spricht von „Gerüchten“ über McCarrick im Jahr 1994

Ehemaliger Nuntius nimmt zum Viganò-Dossier Stellung

Kardinal Cacciavillan, Nuntius in den USA in den 90er Jahren, berichtet von ersten Gerüchten über McCarrick sexuelles Fehlverhalten im Jahr 1994.
Kardinal Cacciavillan, Nuntius in den USA in den 90er Jahren, berichtet von ersten Gerüchten über McCarrick sexuelles Fehlverhalten im Jahr 1994.

(Washington) Ein weiterer ehemaliger Nuntius in den USA gab bekannt, 1994 Gerüchte über ein sexuelles Fehlverhalten von Theodore McCarrick vernommen zu haben. Allerdings sei das damals noch sehr vage gewesen.

Kardinal Agostino Cacciavillan ist inzwischen 93 Jahre alt. 1990 trat der ehemalige Vatikandiplomat seinen Dienst als Pro-Nuntius in den USA an, wo er bis 1998 bleiben sollte. Gestern sagte er dem Catholic News Service, der Presseagentur der Amerikanischen Bischofskonferenz, 1994 den Telefonanruf einer Frau erhalten zu haben. Das sei mehrere Monate vor dem Besuch von Papst Johannes Paul II. in den USA im Jahr 1995 gewesen.

„Ich erinnere mich, daß ich 1994 während der Vorbereitungen für den Papstbesuch in New York, Newark und Baltimore einen Telefonanruf erhielt“, so der Kardinal. Er hielt sich damals in der Apostolischen Nuntiatur in Washington auf.

Die Frau sagte, daß es einen „Medienskandal“ geben werde, „wenn der Papst nach Newark kommt“. In Newark war damals McCarrick Erzbischof. Als Grund nannte die Frau „Gerüchte über das Verhalten von McCarrick mit den Seminaristen“.

Das sei „keine formale Beschwerde“ gewesen, sondern „Ausdruck einer Sorge“, so der damalige Nuntius. Dennoch kontaktierte der Diplomat den damaligen Erzbischof von New York, Kardinal John O’Connor: „Niemand wußte besser Bescheid über das, was in den US-Diözesen geschah als der Erzbischof von New York“.

Kardinal O’Connor sagte eine „Untersuchung“ zu. Als Ergebnis derselben wurde dem Nuntius mitgeteilt, es gebe „keine Hindernisse für einen Besuch des Papstes in Newark“.

Der 2000 verstorbene Kardinal O’Connor wird vom Nuntius als „sehr kompetent“ beschrieben, weshalb er keinen Grund gesehen habe, die Angaben der Untersuchung zu bezweifeln.

Mit McCarrick, den er während seiner acht Dienstjahre in Washington mehrfach getroffen habe, habe er aber nie über diese Gerüchte gesprochen. Auch den Vatikan habe er nach der Rückmeldung von Kardinal O’Connor nicht darüber informiert.

Erst Anfang Oktober habe er erstmals mit einem Vatikanfunktionär über die Sache gesprochen, nachdem Kardinal Marc Ouellet in einem offenen Brief auf Nuntius Carlo Maria Viganò antwortete. Kardinal Cacciavillan bestreitet, McCarrick aufgefordert zu haben, ein Haus in Sea Girt im Staat New Jersey zu verkaufen, in das er Gruppen von Seminaristen eingeladen haben soll, um mit ihnen Homo-Orgien zu feiern. McCarrick verkaufte das Haus jedenfalls 1997, als Cacciavillan noch Nuntius in Washington war.

Cacciavillan wird von Erzbischof Viganò in seinem Dossier, das am 26. August veröffentlicht wurde, nicht erwähnt. In dem Dossier erhebt er schwere Anschuldigung gegen McCarrick, gegen Papst Franziskus und gegen eine Homo-Lobby in der Kirche. Seither sind 65 Tage vergangen, doch Papst Franziskus verweigert jede Antwort auf die Anschuldigungen und die damit verbundene Rücktrittsforderung.

Msgr. Viganò listete in seinem Dossier hingegen die Schritte seiner direkten Vorgänger, der Nuntien Montalvo und Sambi, im Fall McCarrick auf, a sie in den Nuntiaturakten Niederschlag gefunden hatten. Der Fall sei insgesamt erst Ende 2000/Anfang 2001 mit der Ernennung von McCarrick zum Erzbischof von Washington und seiner Übersiedlung in die Bundeshauptstadt richtig virulent geworden, so Kardinal Cacciavillan.

Die Frage ist, was für eine Art von „Untersuchung“ Kardinal O’Connor 1994 in die Wege leitete, die ein Nullergebnis erbrachte. O’Connor gehörte mit McCarrick einige Jahre zuvor zu den Gründern der Papststiftung. Deren Geldflüsse nach Rom könnten eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben, sowohl in den USA als auch in Rom „wohlwollend“ zu sein.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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