Vertuschung homosexueller Übergriffe an geschlechtsreifen Jungen

Münchener Generalvikar zur Missbrauchsstudie

Warum lenkt Generalvikar Peter Beer (Erzbistum München-Freising) vom enorm überproportionalen Anteil Homosexueller an den sexuellen Missbrauchstätern ab? Will er von schwulen Klerikern ablenken? Oder fürchtet er die Homo-Lobby?
Warum lenkt Generalvikar Peter Beer (Erzbistum München-Freising) vom enorm überproportionalen Anteil Homosexueller an den sexuellen Missbrauchstätern ab? Will er von schwulen Klerikern ablenken? Oder fürchtet er die Homo-Lobby?

Der Mün­che­ner Gene­ral­vi­kar Peter Beer hat sich kürz­lich in einem Inter­view zur aktu­el­len Miss­brauchs­stu­die geäu­ßert. Sei­ne Dar­stel­lung, auf der Sei­te der Erz­diö­ze­se Mün­chen und Frei­sing publi­ziert, darf als die offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me vom Erz­bis­tum unter Kar­di­nal Marx ange­se­hen wer­den.

Ein Gast­kom­men­tar von Hubert Hecker.

Wort-Keulen gegen realistische Aussagen zum Missbrauch durch Homosexuelle

Im Ein­zel­nen sag­te der Gene­ral­vi­kar: „Es gibt jetzt immer wie­der Hin­wei­se dar­auf, dass im Rah­men der Unter­su­chun­gen zuta­ge getre­ten ist, dass die Miss­brauchs­op­fer mei­stens Jun­gen sind und die Täter eben mei­stens Män­ner. Ich möch­te davor aus­drück­lich war­nen, wegen die­ser Fest­stel­lung einen direk­ten Zusam­men­hang zwi­schen Miss­brauch und Homo­se­xua­li­tät her­zu­stel­len. Hier wür­de es sich um eine uner­träg­li­che Dis­kri­mi­nie­rung von homo­se­xu­ell ver­an­lag­ten Men­schen han­deln.“ In einer wei­te­ren Pas­sa­ge bestä­tig­te Beer sei­nen Frei­spruch für Homo­se­xu­el­le bezüg­lich Miss­brauchs­be­schul­di­gun­gen: „Alle Fach­leu­te sagen, dass es sich bei den Miss­brauchs­fäl­len weni­ger oder gar nicht um homo­se­xu­el­le Taten oder homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen han­delt.“

Generalvikar Peter Beer klammert zentrale Aspekte aus
Gene­ral­vi­kar Peter Beer klam­mert zen­tra­le Aspek­te aus

Der Gene­ral­vi­kar ori­en­tier­te sich in sei­nen Kern­sät­zen an einer Stel­lung­nah­me des Schwei­zer Bis­tums St. Gal­len. Die nann­te es „inak­zep­ta­bel“ und „uner­träg­lich“, wenn die The­ma­tik der Über­grif­fe über­haupt „mit dem The­ma Homo­se­xua­li­ät ver­bun­den wird“. Außer­dem ver­let­ze der her­ge­stell­te Zusam­men­hang „homo­se­xu­el­le Men­schen in ihrer Wür­de“.

Bei­de kirch­li­chen Stel­len wol­len offen­sicht­lich den Tat­be­stand von zahl­rei­chen Miss­brauchs­fäl­len durch homo­se­xu­el­le Kle­ri­ker tabui­sie­ren. Mit sol­chen Wort-Keu­len wie „uner­träg­li­che Dis­kri­mi­nie­rung“ oder „inak­zep­ta­ble“ Ver­let­zung der Men­schen­wür­de sol­len Hin­wei­se auf über­grif­fi­ge Homo­se­xu­el­le unter­drückt wer­den. Für die­sen durch­sich­ti­gen Ver­such der Ver­tu­schung von Homo-Miss­bräu­chen in der Kir­che bekom­men die bei­den Bis­tü­mer Bei­fall von Sei­ten der Homo-Ver­bän­de. Das Por­tal „queer.de, das Zen­tral­or­gan der Homo­lob­by“ rekla­miert den Mün­che­ner Gene­ral­vi­kar als Kron­zeu­gen für sei­ne Mei­nung, dass Homo­se­xu­el­le in Miss­brauchs­hand­lun­gen nicht ver­strickt wären.

80 Prozent missbrauchte Jungen weisen auf homosexuelle Täter hin

Laut den ame­ri­ka­ni­schen und deut­schen Miss­brauchs­stu­di­en sind etwa 80 Pro­zent der von Prie­stern miss­brauch­ten Opfer Jun­gen, davon drei Vier­tel im geschlechts­rei­fen Alter von 11 bis 17 Jah­ren. Die­ser Tat­be­stand lässt für seriö­se Fach­leu­te nur einen Schluss zu, dass homo­se­xu­el­le Kle­ri­ker in hohem Maße dar­an betei­ligt waren. Die genaue­re Anteils­quo­te an über­grif­fi­gen Homo­se­xu­el­len sind in wei­te­ren Ana­ly­sen der sta­ti­sti­schen Daten zu klä­ren (sie­he Sexu­el­ler Miss­brauch in der Kir­che: Täter sind vor­wie­gend homo­se­xu­ell).

Sexueller Missbrauch in Zahlen: 80 Prozent homosexuelles Tatmotiv
Sexu­el­ler Miss­brauch in Zah­len: 80 Pro­zent homo­se­xu­el­les Tat­mo­tiv

Aber auch die Erfah­run­gen an kirch­li­chen und welt­li­chen Schu­len zei­gen, dass die Päd­era­sten vor­wie­gend über­grif­fi­ge Homo­se­xu­el­le waren: An der Oden­wald­schu­le miss­brauch­ten 20 Leh­rer ein­schließ­lich des schwu­len Direk­tors mehr als 132 Schü­ler. Empi­ri­sche Stu­di­en, die in der aktu­el­len MHG-Stu­die refe­riert wer­den, bestä­ti­gen eben­falls die­se Ten­denz. Danach oute­ten sich ca. 40 Pro­zent der kirch­li­chen Miss­brauch­stä­ter als homo­se­xu­ell. Die­ser Täter­an­teil an Homo­se­xu­el­len ist aus dem Grund für eine deut­lich höhe­re Quo­te von miss­brauch­ten Jun­gen ver­ant­wort­lich, da die mei­sten Mehr­fach­tä­ter schwu­le Kle­ri­ker waren. Dani­el Deckers beschreibt in der FAZ vom 15. Sep­tem­ber 2018 so einen homo­se­xu­el­len Seri­en­tä­ter: Der Geist­li­che hat­te an ver­schie­de­nen Gemein­de­sta­tio­nen 23 Jun­gen im Alter von 11 bis 16 Jah­ren miss­braucht. Die Sexu­al­wis­sen­schaft kenn­zeich­net das homo­se­xu­el­le Begeh­ren nach geschlechts­rei­fen Jun­gen als Ephe­bo­phi­lie oder Päd­era­stie. Empi­ri­sche Stu­di­en wei­sen den Anteil der Homo­se­xu­el­len mit die­ser Prä­fe­renz auf 30 bis 40 Pro­zent aus. Auch die­se Zahl passt zu der oben genann­ten empi­ri­schen Stu­die, wonach 40 Pro­zent von homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern sich an Jun­gen im Teen­ager­al­ter ver­grif­fen haben.

Reife und unreife Sexualität sind  keine brauchbare Diagnose-Kategorien

Von den genann­ten Fak­ten und For­schun­gen konn­te und muss­te der Mün­che­ner Gene­ral­vi­kar Peter Beer wis­sen. Aber die­se Rea­li­tät blen­det er aus. Statt­des­sen ver­sucht er mit unpas­sen­den Erklä­run­gen die „schwu­len Prie­ster“ von Miss­brauchs­be­schul­di­gun­gen zu exkul­pie­ren: An den Miss­brauch­s­ta­ten wären weni­ge oder gar kei­ne homo­se­xu­ell ori­en­tier­te Kle­ri­ker betei­ligt. Die Über­grif­fe sei­en Aus­druck einer „unrei­fen Sexua­li­tät“. Die­sen Begriff hat der Prie­ster­the­ra­peut Wuni­bald Mül­ler ein­ge­führt. Beer hat den Zusam­men­hang offen­sicht­lich miss­ver­stan­den, indem er den Ter­mi­nus dem Zusam­men­hang nach auf hete­ro­se­xu­el­le Kle­ri­ker anwen­det. Mül­ler dage­gen bezieht die sexu­el­le Unrei­fe auf  „homo­se­xu­el­le Prie­ster als Risi­ko­fak­to­ren“ in der Kir­che, da die­se Grup­pe „für pädo­phi­les oder ephe­bo­phi­les Ver­hal­ten beson­ders anfäl­lig ist“ (FR 22. 2. 2010). Doch was heißt ‚sexu­ell unrei­fes Ver­hal­ten’? Der erfah­re­ne Arzt und The­ra­peut Man­fred Lütz kri­ti­siert den Begriff, der auch in der MHG-Stu­die auf­taucht, als „dia­gno­stisch unbe­kannt“. Für Ana­ly­se und Fol­ge­run­gen ist die Kate­go­rie eben­falls unbrauch­bar. Schützt etwa eine aus­ge­reif­te oder abge­klär­te Homo­se­xua­li­tät vor Miss­brauch? Das Ver­hal­ten von ephe­bo­phi­len Mehr­fach­tä­tern zeigt das Gegen­teil (sie­he oben). Gera­de wegen ihrer gefe­stig­ten Homo­se­xua­li­tät ver­hal­ten sich Seri­en­tä­ter unein­sich­tig und „the­ra­pie­re­si­stent“, wie psych­ia­tri­sche Gut­ach­ter fest­stell­ten. Eben wegen die­ser homo­se­xu­el­len Risi­ko­fak­to­ren bestehen die Päp­ste Bene­dikt XVI. und Fran­zis­kus dar­auf, dass Prie­ster­amt­skan­di­da­ten mit „tief­sit­zen­den homo­se­xu­el­len Nei­gun­gen“ oder Aus­le­ben in der Gay-Sze­ne nicht geweiht wer­den dür­fen.

Ausweichmanöver, um vom offenkundigen Missbrauch Homosexueller abzulenken

Gene­ral­vi­kar Beers prä­sen­tiert eine zwei­te Idee, war­um nach sei­ner Ansicht  Homo­se­xu­el­le nicht an Miss­brauchs­hand­lun­gen betei­ligt wären. Die „Grenz­ver­let­zun­gen und sexu­el­le Über­grif­fe auch im Gra­de des Ver­bre­chens“ sei­en „qua­si eine Art Über­sprungs­hand­lun­gen“.  Auch die­se Erklä­rung ent­springt einer plat­ten Anwen­dung psy­cho­lo­gi­scher Pro­zes­se. Über­sprungs- oder Ablen­kungs­hand­lun­gen kom­men bei Mensch und Tie­ren in Stress- und Kon­flikt­si­tua­tio­nen vor. Wenn man sich schwer ent­schei­den kann, weil bei­de Alter­na­ti­ven Risi­ken ber­gen, kommt es gele­gent­lich zu Aus­weich­hand­lun­gen wie am Kopf krat­zen oder mit den Hän­den zwir­beln, was tat­säch­lich den Stress min­dert. Und mit sol­chen Reak­ti­ons­mu­stern will Beer die mas­sen­haf­ten sexu­el­len Über­grif­fe an Jun­gen erklä­ren? Sein Kon­zept ist wohl selbst ein Aus­weich­ma­nö­ver, um vom offen­kun­di­gen Miss­brauch Homo­se­xu­el­ler abzu­len­ken.

MHG-Studie in der Kritik
MHG-Stu­die in der Kri­tik

Schließ­lich holt Beer in einem Con­tra-Arti­kel der Wochen­zei­tung Die Tages­post aus dem Setz­ka­sten der Psy­cho­lo­gie eine wei­te­re Theo­rie her­vor. Dar­in spricht er von Kle­ri­kern, die ihre Sexua­li­tät nicht in ihre Lebens­form inte­grier­ten. Die dadurch ver­dräng­te Sexua­li­tät wür­de „sich irgend­wann Bahn bre­chen und zu mehr oder weni­ger unkon­trol­lier­tem Aus­agie­ren füh­ren“. Die Freud’sche Ver­drän­gungs­theo­rie gilt heu­te bei seriö­sen Psy­cho­lo­gen als nicht mehr über­zeu­gend, weil die­ses Modell die Per­sön­lich­keits­kräf­te unter­schätzt und in die psy­chi­sche Dyna­mik all­zu mecha­ni­sti­sche Pro­zes­se hin­ein­in­ter­pre­tiert: Wie in einem Über­druck­kes­sel wür­de sich die ver­dräng­te Sexua­li­tät einen Aus­weg suchen oder sich Bahn bre­chen zum Dampf­ab­las­sen. Nach dem natu­ra­li­sti­schen Modell von Sig­mund Freud ist eine zöli­ba­tä­re Sub­li­mie­rung von Sexua­li­tät sowie­so nicht mög­lich.

Ein ähn­li­ches Erklä­rungs­mu­ster für unkon­trol­lier­ten Sexua­li­täts­aus­bruch fin­det sich in der MHG-Stu­die. Danach gin­gen Über­grif­fe „weni­ger auf bestehen­de Vor­sät­ze der Beschul­dig­ten zurück als viel­mehr auf die Dyna­mik der Bezie­hung“ (S. 64). Die Täter sei­en „mit der gan­zen Inten­si­tät ihrer Emo­tio­na­li­tät und Sexua­li­tät kon­fron­tiert“ gewe­sen, die sie über­haupt nicht mehr hät­ten kon­trol­lie­ren kön­nen. Man­fred Lütz weist in sei­ner Kath.net-Ana­ly­se „Lei­der spek­ta­ku­lär miss­lun­gen!“ den Autoren der Stu­die nach, dass sie an ande­rer Stel­le genau das Gegen­teil fest­stel­len: „83,1 Pro­zent der Taten waren geplant, nur 5,4 erfolg­ten spon­tan.“ Die über­wie­gend geplan­ten Miss­brauchs­hand­lun­gen spre­chen deut­lich gegen die The­se von unrei­fer Ver­drän­gung und unkon­trol­lier­tem Sexu­al­aus­bruch.

Ausblendung der Realität

Die drei genann­ten Erklä­rungs­mo­del­le sind nicht auf Daten basiert, son­dern frei­schwe­ben­de Plau­si­bi­li­täts­deu­tun­gen nach dem Mot­to: Ich erklä­re es mir so, wie es gewe­sen sein könn­te. Gene­ral­vi­kar Beer macht sich nicht ein­mal die Mühe, sei­ne Inter­pre­ta­tio­nen mit den sta­ti­sti­schen Daten der deut­schen und ame­ri­ka­ni­schen Miss­brauchs­stu­di­en in Ein­klang zu setz­ten. Im Gegen­teil: Noch vor einer vor­ur­teils­lo­sen Fra­ge­stel­lung zu der hohen Miss­brauchs­quo­te an geschlechts­rei­fen Jun­gen warnt er davor, den sich auf­drän­gen­den, wenn nicht zwin­gen­den Zusam­men­hang zwi­schen Miss­brauch und Homo­se­xua­li­tät her­zu­stel­len. Man sol­le „sol­chen Paro­len nicht fol­gen“. Damit wird allein schon die nahe­lie­gen­de Hypo­the­se mit einem Denk­ver­bot belegt. Zusätz­lich brand­markt er den genann­ten Bezug als „uner­träg­li­che Dis­kri­mi­nie­rung“ von Homo­se­xu­el­len. Beer zeigt in sei­nen Dar­le­gun­gen ein ideo­lo­gisch moti­vier­tes Vor­ge­hen. Sei­ne Argu­men­ta­ti­on ist nicht wis­sen­schaft­lich fun­diert.

Der Mün­che­ner Gene­ral­vi­kar lässt an kei­ner Stel­le die Bereit­schaft erken­nen, objek­tiv und offen die Fra­ge nach der Ver­tei­lung der Täter nach­zu­ge­hen. Mit sei­nen psy­cho­lo­gi­schen Kon­struk­ten ver­sucht er, die Über­grif­fe homo­se­xu­el­ler Kle­ri­ker zu ver­tu­schen. Die Mah­nung, nicht zu dis­kri­mi­nie­ren, fällt auf ihn zurück, indem er die rela­tiv hohe Zahl von Homo-Über­grif­fen letzt­lich den hete­ro­se­xu­el­len Geist­li­chen in die Schu­he schiebt. In die­ser Ten­denz ist eine Anbie­de­rung an die Homo-Lob­by zu erken­nen. Die Homo­ver­bän­de selbst sind eben­falls nicht bereit, die Rea­li­tät zur Kennt­nis zu neh­men, nach der ein über­re­prä­sen­ta­ti­ver Anteil von schwu­len Kle­ri­kern geschlechts­rei­fe Jun­gen miss­braucht hat. Noch weni­ger fra­gen sie nach der Art und dem Aus­maß von homo­se­xu­el­len Risi­ko­fak­to­ren, ins­be­son­de­re zur ver­brei­te­ten Ephe­bo­phi­lie.

Gene­ral­vi­kar Beer mahnt in sei­nem Inter­view „grö­ße­re Auf­rich­tig­keit“ an. Er soll­te bei sei­nen öffent­li­chen Äuße­run­gen selbst damit begin­nen.

PS: Skandalöse Verletzung der Publikationsregeln

Von dem unda­tier­ten Inter­view mit dem Mün­che­ner Gene­ral­vi­kar Peter Beer wer­den unter der Adres­se des Erz­bis­tums Mün­chen-Frei­ding zwei Ver­sio­nen prä­sen­tiert: Aus dem ori­gi­na­len Gesprächs­vi­deo zitiert der Autor sowie meh­re­re Homo-Sei­ten nach der übli­chen Publi­ka­ti­ons­re­gel: Es gilt das gespro­che­ne Wort. Dane­ben ist ein ver­schrift­lich­ter Inter­view­text ein­ge­stellt. In der Schrift­form sind die Fra­gen mit der Gesprächs­form iden­tisch, die Ant­wor­ten von Beer dage­gen sind voll­stän­dig umfor­mu­liert.

Zum Bei­spiel sagt Beer im Ori­gi­nal­ge­spräch in einer Pas­sa­ge (ab Minu­te 14): „Alle Fach­leu­te sagen, dass es sich bei die­sen Miss­brauchs­fäl­len (von Män­nern an Jun­gen ) weni­ger oder gar nicht um homo­se­xu­el­le Taten oder homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen han­delt, son­dern dass die­se Miss­brauch­s­ta­ten Aus­druck einer unrei­fen Sexua­li­tät sind, bei der qua­si in einer Art Über­sprungs­hand­lun­gen sol­che Grenz­ver­let­zun­gen und sexu­el­le Über­grif­fe auch im Gra­de des Ver­bre­chens statt­fin­den.“

Im Schrift­text heißt es dage­gen: „Fach­leu­te gehen davon aus, dass miss­bräuch­li­che sexu­el­le Hand­lun­gen von Män­nern an Jun­gen kaum als wirk­lich homo­se­xu­ell moti­viert klas­si­fi­ziert wer­den kön­nen, son­dern als Aus­druck einer unrei­fen, unge­klär­ten Sexua­li­tät.“

In der Schrift­form wer­den gegen­über dem Ori­gi­nal die Begrif­fe Miss­brauchs­fäl­le, Miss­brauch­s­ta­ten, homo­se­xu­el­le Taten, homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen, Grenz­ver­let­zun­gen, sexu­el­le Über­grif­fe und Ver­bre­chen teil­wei­se ersetzt durch abge­mil­der­te For­mu­lie­run­gen. Der Begriff Über­sprungs­hand­lung wird ohne Ent­spre­chung eli­mi­niert. Zu der Wen­dung unrei­fe Sexua­li­tät wird das Adjek­tiv unge­klärt hin­zu­ge­fügt. Eine ent­schei­den­de Text­ver­än­de­rung besteht dar­in, dass Beer für sei­ne Behaup­tun­gen alle Fach­leu­te in Anspruch nimmt, der Schrift­text dage­gen nur von (eini­gen) Fach­leu­ten spricht. Eben­falls schwer­wie­gend ist fol­gen­de Sinn­ver­än­de­rung: Der Gene­ral­vi­kar behaup­tet, dass es sich bei den Miss­brauch­s­ta­ten von Män­nern an geschlechts­rei­fen Jun­gen weni­ger oder gar nicht um homo­se­xu­el­le Taten oder homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen han­deln wür­de. In der Schrift­form heißt es …kaum als wirk­lich homo­se­xu­ell moti­viert klas­si­fi­ziert.

Die schrift­li­che Form des Inter­views ent­hält dem­nach Kür­zun­gen, Aus­las­sun­gen, Erwei­te­run­gen, sinn­ent­stel­len­de Neu­for­mu­lie­run­gen, Ent­schär­fun­gen  und Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen. Der zwei­te Text wirkt wie eine Aus­füh­rung des erz­bi­schöf­li­chen Pres­se­spre­chers nach der Anwei­sung: Zusam­men­fas­sung der Ant­wor­ten des Gene­ral­vi­kars, Kor­rek­tu­ren der inhalt­li­chen Män­gel, Glatt­bü­geln von Schär­fen und holp­ri­gem Stil in der Form. Das Skan­da­lö­se an dem Vor­ge­hen besteht dar­in, dass der voll­stän­dig neu for­mu­lier­te Zweit­text ohne irgend­wel­che Kenn­zeich­nun­gen als Ver­schrift­li­chung des Ori­gi­nal­in­ter­views aus­ge­ge­ben wird. Die Zusam­men­fas­sung von zwei unter­schied­li­chen Text­va­ri­an­ten unter einer Quel­len­an­ga­be führt sowohl bei der publi­zi­sti­schen Ver­brei­tung als auch in der spä­te­ren wis­sen­schaft­li­chen Auf­be­rei­tung zu größt­mög­li­cher Ver­wir­rung.

Text: Hubert Hecker
Bild: Die Tagespost/Erzbistum Mün­chen-Frei­sin­g/DBK (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Es ist ver­dienst­voll, dass Sie auf die beab­sich­tig­te Begriffs­ver­wir­rung hin­wei­sen, mit der Gene­ral­vi­kar Beer, d. h. qua sei­ner Amts­stel­lung die katho­li­sche Kir­che die Homo­se­xua­li­tät aus der Dis­kus­si­on um die sexu­el­len Über­grif­fe in der Kir­che her­aus­zu­las­sen ver­sucht. Die Kir­che reiht sich damit in die Lob­by­isten — Orga­ni­sa­tio­nen der Homo­se­xu­el­len ein und hält mit ihnen die Rei­hen in Igno­ranz der Fak­ten fest­ge­schlos­sen. Man kann sich nicht des Ein­drucks erweh­ren, dass in der Amts­kir­che star­ke homo­se­xu­el­le Seil­schaf­ten das Sagen haben. Der Begriff „sexu­el­le Unrei­fe“ ist schon bei der letz­ten öffent­li­chen Dis­kus­si­on – aus­ge­löst durch die Cani­si­us — Schu­le der Jesui­ten in Ber­lin von dem Ham­bur­ger Weih­bi­schof Jasch­ke sehr geschickt als Ablen­kungs­vo­ka­bel benutzt wor­den. Die­ser bio­lo­gisch – medi­zi­ni­sche Ter­mi­nus, der den Zustand der Vor­pu­ber­tät beschreibt, hat von sei­ner Bedeu­tung her nichts mit sexu­el­len Über­grif­fen auf wen auch immer zu tun. Die Öffent­lich­keit hat die Ablen­kungs­vo­ka­bel offen­kun­dig so hilf­reich gefun­den, dass Weih­bi­schof Jasch­ke damals in vie­len Talk­run­den sei­ne „Ein­sicht“ ver­kün­den durf­te. Mit der Begriffs­ver­wir­rung ist es aller­dings schon so weit gekom­men, dass sie mit­un­ter nicht mehr auf­fällt und unbe­ab­sich­tigt über­nom­men wird. Wenn heu­te von miss­bräuch­li­chen sexu­el­len Hand­lun­gen an Kin­dern und Her­an­wach­sen­den und von Män­nern an männ­li­chen Her­an­wach­sen­den die Rede ist, muss man die Fra­ge stel­len, ob es denn auch “nicht miss­bräuch­li­che“ sexu­el­le Hand­lun­gen an Kin­dern und Her­an­wach­sen­den gibt und nach dem kath. Kate­chis­mus zudem, ob es denn auch “nicht miss­bräuch­li­che“ sexu­el­le Hand­lun­gen unter Gleich­ge­schlecht­li­chen gibt.

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