[Update] Sexueller Mißbrauch in der Kirche: Täter sind vorwiegend homosexuell

Sexueller Mißbrauch in der Kirche: vorwiegend homosexuelle Täter
Sexueller Mißbrauch in der Kirche: vorwiegend homosexuelle Täter

Ein Gast­kom­men­tar von Hubert Hecker.

Wel­chen Anteil haben Homo­se­xu­el­le am pädo­kri­mi­nel­len Kom­plex? Die­se Fra­ge stell­te sich in Deutsch­land erst­mals im Früh­jahr 2010. Damals befeu­er­te das Trei­ben über­grif­fi­ger Leh­rer die öffent­li­che Debat­te.

Am kirch­li­chen Cani­si­us­kol­leg in Ber­lin oder dem Ettal-Inter­nat in Bay­ern waren eben­so wie in welt­li­chen Schu­len jah­re­lang Miss­brauch­stä­ter in der Betreu­ung jun­ger Men­schen ein­ge­setzt. Sogar hoch­an­ge­se­he­ne Reform­in­sti­tu­te wie die Wies­ba­de­ner Hele­ne-Lan­ge-Schu­le und die von der UNESCO aus­ge­zeich­ne­te Oden­wald­schu­le ent­pupp­ten sich als Orte kon­ti­nu­ier­li­chen Miss­brauchs an Schutz­be­foh­le­nen. Zu dem inzwi­schen geschlos­se­nen Eli­te-Inter­nat blei­ben die Zah­len in Erin­ne­rung: Von bis zu 20  Leh­rern ein­schließ­lich des schwu­len Direk­tors wur­den min­de­stens 132 Schü­ler im geschlechts­rei­fen Alter miss­braucht. Die Päd­era­sten waren hier wie in den ande­ren Schu­len vor­wie­gend über­grif­fi­ge Homo­se­xu­el­le.

Ein Großteil von Homosexuellen begehren geschlechtsreife Jungen

In der dama­li­gen Medi­en­öf­fent­lich­keit wur­de der Zusam­men­hang von Homo­se­xua­li­tät und Miss­brauch weit­ge­hend tabui­siert, von Homo­se­xu­el­len­ver­bän­den sogar bestrit­ten. Eine Gegen­stra­te­gie der Homo­lob­by (so die Selbst­be­zeich­nung von queer.de und ande­ren) besteht in der Ver­wir­rung durch Begrif­fe: Pädo­phi­lie als eige­ne sexu­el­le Iden­ti­tät müs­se strikt von Homo­se­xua­li­tät getrennt wer­den.

Leygraf-Studie sexueller Mißbrauch
Ley­graf-Stu­die: sexu­el­ler Miß­brauch durch katho­li­sche Geist­li­che

Tat­säch­lich sind pädo­phil ori­en­tier­te Män­ner sexu­ell vor­wie­gend an vor­pu­ber­tä­ren Kin­der­kör­pern inter­es­siert. In den oben beschrie­be­nen Fäl­len ging es aber um Jun­gen von Beginn der Puber­tät bis zum Abschluss der Geschlechts­rei­fe. Die sexu­el­le Prä­fe­renz oder Vor­lie­be von Män­nern für jun­ge Bur­schen im Alter von 11 bis 17 Jah­ren heißt Ephe­bo­phi­lie oder Päd­era­stie. Sie ist eng mit Homo­se­xua­li­tät ver­knüpft. Magnus Hirsch­feld, Begrün­der der Sexu­al­wis­sen­schaft, schätz­te in sei­nem 1914 publi­zier­ten Haupt­werk, dass 45 Pro­zent der Homo­se­xu­el­len ephe­bo­phil ori­en­tiert sei. Zwei empi­ri­sche Stu­di­en aus den 50er und 60er Jah­ren bestä­tig­ten die­se Ten­denz: Von 222 befrag­ten homo­se­xu­el­len Män­nern gaben jeweils 24 Pro­zent die unte­re Gren­ze des bevor­zug­ten Part­ne­ral­ters mit einem Wert zwi­schen 13 und 16 bzw. zwi­schen 17 und 19 Jah­ren an. In die­sem Alters­rah­men erstreck­te sich damals die Pha­se der Geschlechts­rei­fe. Als Resü­mee der For­schun­gen ist fest­zu­stel­len: Ein hoher Anteil von Homo­se­xu­el­len hat eine star­ke Nei­gung, puber­tie­ren­de Jun­gen und geschlechts­rei­fe Ado­les­zen­ten sexu­ell zu begeh­ren.

Mit die­sen Daten und Defi­ni­tio­nen im Hin­ter­grund soll der Aus­gangs­fra­ge wei­ter nach­ge­gan­gen wer­den: Wel­chen Anteil haben Homo­se­xu­el­le am pädo­se­xu­el­len Kom­plex in der Kir­che? Nach 2010 sind eine Rei­he von For­schungs­stu­di­en publi­ziert wor­den, die sich mit Miss­brauch von Kin­dern und Jugend­li­chen im kirch­li­chen Bereich beschäf­tig­ten.

  • An erster Stel­le ist die John-Jay-Stu­die des renom­mier­ten John Jay Col­le­ges der Uni­ver­si­tät der Stadt New York zu nen­nen. Das Kri­mi­na­li­sti­tut leg­te 2011 eine von der Kir­che beauf­trag­te Meta­stu­die zu allen Bis­tü­mern der USA vor.
  • Der jüngst erschie­ne­ne Penn­syl­va­nia-Report der Grand Jury von Penn­syl­va­nia erforsch­te die Per­so­nal­ak­ten von sechs der acht Diö­ze­sen die­ses Bun­des­staa­tes.
  • Für Deutsch­land ist die Ley­graf-Stu­die von Nor­bert Ley­graf u. a. von 2012 rele­vant. Dar­in wer­den die Tät­er­gut­ach­ten aus den Jah­ren vor 2010 unter­sucht.
  • Schließ­lich ist die kürz­lich von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz vor­ge­stell­te MHG-Stu­die von Pro­fes­so­ren aus Mann­heim, Hei­del­berg und Gie­ßen (daher das Akro­nym MHG) ein­zu­be­zie­hen. Dar­aus sind ins­be­son­de­re das Teil­pro­jekt 5 inter­es­sant, eine Meta­stu­die zu 40 Miss­brauchs­for­schun­gen, sowie das zwei­te Pro­jekt, in dem Inter­views mit Miss­brauch­stä­tern vor­ge­stellt und aus­ge­wer­tet wur­den.

Annäherung an die Zahl der homosexuellen Missbrauchstäter

John-Jay-Studie
John-Jay-Stu­die

Aus­gangs­punkt für die fol­gen­de Unter­su­chung sind die unbe­streit­ba­ren Opfer­da­ten aus den bis­he­ri­gen Stu­di­en. Im Penn­syl­va­nia-Report ist auf Sei­te elf zu lesen, dass 81 Pro­zent der Opfer Jun­gen im Kin­des- und Jugend­al­ter war. Die Zahl stimmt über­ein mit den 80 Pro­zent der männ­li­chen Opfer, die die John-Jay-Stu­die für die kle­ri­ka­len Miss­brauchs­ver­ge­hen in den gesam­ten USA recher­chiert hat­te. Die MHG-Stu­die (Teil­pro­jekt 5) bestä­tigt die­se Ten­denz für Deutsch­land. Danach sind 78,6 Pro­zent der Opfer männ­li­che Min­der­jäh­ri­ge. Im Ein­zel­nen waren nach der John-Jay-Stu­die von den miss­brauch­ten Jun­gen 12 Pro­zent unter 11 Jah­ren und 41 Pro­zent zwi­schen 11 und 14 Jah­re alt. In die Kate­go­rie der Ado­les­zenz von 15 bis 17 Jah­ren fie­len 27 Pro­zent.

Aus die­sen Daten ist eine erste Fol­ge­rung als vor­läu­fi­ge und all­ge­mei­ne Hypo­the­se zu zie­hen:

Wenn über zwei Drit­tel der Miss­brauchs­op­fer (68 Pro­zent) geschlechts­rei­fe Jun­gen waren, spricht das deut­lich für einen ephe­bo­phil-homo­se­xu­el­len Hin­ter­grund der Ver­ge­hen.

Selbst­ver­ständ­lich ist bei die­ser The­se vor­aus­zu­set­zen, dass der Anteil der homo­se­xu­el­len Geist­li­chen in der Kir­che höher ist als im gesell­schaft­li­chen Durch­schnitt. (Nach der CDC-Befra­gung von 2013 bezeich­ne­ten sich 1,6 Pro­zent aller Män­ner der USA als homo­se­xu­ell.) Ent­spre­chen­de Daten zu Kle­ri­kern gibt es nicht. Schät­zun­gen spre­chen von 10 bis 30 Pro­zent. Eine mitt­le­re Grö­ße von 20 Pro­zent wäre dem­nach wahr­schein­lich. Die­ser Schätz­zahl schließt sich Wuni­bald Mül­ler an, der jahr­zehn­te­lang in der The­ra­pie von miss­brauchs­be­schul­dig­ten Prie­stern tätig war. Auch nach der Ley­graf-Stu­die sind Homo­se­xu­el­le unter Geist­li­chen „deut­lich über­re­prä­sen­tiert“.

Pennsylvania-Report
Penn­syl­va­nia-Report

Auf die Fra­ge, wel­chen Anteil die besag­ten 20 Pro­zent der homo­se­xu­el­len Kle­ri­ker an den Miss­brauch­s­ta­ten hat­ten, ist aus den genann­ten Unter­su­chun­gen kei­ne Ant­wort zu erse­hen. Nur zwei klei­ne­re empi­ri­sche Stu­di­en geben eine daten­ba­sier­te Ori­en­tie­rung: 34,9 Pro­zent der miss­brauchs­be­schul­dig­ten Kle­ri­ker ord­ne­ten sich der homo­se­xu­el­len Ori­en­tie­rung zu, 6,7 Pro­zent bekann­ten sich zu Bise­xua­li­tät. Im Hin­blick auf die­se Daten kann die oben auf­ge­stell­te all­ge­mei­ne Hypo­the­se nun­mehr prä­zi­siert wer­den: In Bezug auf den mut­maß­lich zugrun­de­ge­leg­ten 20 Pro­zent-Anteil Homo­se­xu­el­ler an der Gesamt­heit der Geist­li­chen war ein etwa dop­pelt so hoher Anteil von homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern an Miss­brauchs­ver­ge­hen an puber­tie­ren­den und ado­les­zen­ten Jun­gen betei­ligt.

Es gibt seit 2010 Stim­men in der kon­ser­va­tiv-kirch­li­chen Publi­zi­stik, die aus dem Anteil der Jun­gen-Opfer von 80 Pro­zent ein gleich hohes Niveau von Homo­sex-Tätern erschlie­ßen wol­len, also eben­falls 80 Pro­zent. Die­se Hypo­the­se ist auf den Prüf­stand zu stel­len — auch unter Ein­be­zie­hung von Gegen­ar­gu­men­ten. Dabei kommt man nicht um die Mühe her­um, aus dem sta­ti­sti­schen Zah­len­ma­te­ri­al eine daten­ba­sier­te Anteils­zahl zu ermit­teln:

▪Unter der Ver­hält­nis­zahl von 80 Pro­zent Jun­gen-Opfern waren 12 Pro­zent männ­li­che Kin­der unter 11 Jah­ren (in der HMG-Stu­die deut­lich mehr). Die­se Opfer wer­den gemein­hin pädo­phi­len Tätern zuge­rech­net. Pädo­phi­lie als sexu­el­le Fixie­rung von Män­nern auf vor­pu­ber­tä­re Jun­gen und Mäd­chen gilt als eige­ne sexu­el­le Ori­en­tie­rung. Die müs­se strikt von Homo­se­xua­li­tät getrennt wer­den, wie die Homo-Ver­bän­de nicht müde wer­den zu beto­nen. Daher dürf­ten die­se Täter und ihre Opfer nicht der Homo­se­xua­li­tät zuge­rech­net wer­den.
Dage­gen spre­chen fol­gen­de Daten: In der Gesamt­ge­sell­schaft ist das pädo­phi­le Begeh­ren nach Kin­dern etwa gleich ver­teilt auf Jun­gen und Mäd­chen. Ein signi­fi­kan­ter Unter­schied besteht aber im Durch­schnitts­al­ter der pädo­phi­len Opfer: bei Mäd­chen um 8 Jah­ren, bei den begehr­ten Jun­gen deut­lich höher bei 11,5 Jah­ren, also im Bereich der Früh­pu­ber­tät. Wegen die­ser spe­zi­fi­schen Fak­to­ren kommt die psych­ia­tri­sche Fach­li­te­ra­tur zu der Fest­stel­lung, dass es neben der hete­ro­se­xu­el­len Pädo­phi­lie mit der Fixie­rung auf klei­ne Mäd­chen eine homo­se­xu­ell ori­en­tier­te Pädo­phi­lie als Kna­ben­lie­be gibt. Die Dif­fe­ren­zie­rung erlaubt es, zwei ver­brei­te­te Anschau­un­gen als feh­ler­haft abzu­wei­sen: Eine (sum­ma­ri­sche) Gleich­stel­lung von Pädo­phi­lie mit Homo­se­xua­li­tät ist eben­so falsch wie die Behaup­tung, das Begeh­ren nach vor­pu­ber­tä­ren Jun­gen habe nichts mit Homo­se­xua­li­tät zu tun.
Jeden­falls ergibt sich aus den bis­he­ri­gen Erwä­gun­gen der Schluss, dass Pädo­phi­lie an männ­li­chen Kin­dern eben­so wie Ephe­bo­phi­lie an geschlechts­rei­fen Jun­gen als eine  Aus­prä­gung der homo­se­xu­el­len Ori­en­tie­rung anzu­se­hen sind. Zudem ist es nach die­ser Erör­te­rung berech­tigt, neben den 69 Pro­zent an miss­brauch­ten Jun­gen zwi­schen 11 und 17 Jah­ren auch die 12 Pro­zent miss­brauch­ter Kna­ben und ihre Täter der Homo­se­xua­li­tät zuzu­rech­nen.

▪Bei der Fra­ge nach der Täter­quo­te ist Fol­gen­des zu berück­sich­ti­gen: Die Ver­hält­nis­zahl der miss­brauch­ten Jun­gen von 80 Pro­zent kann nur dann mit einer ent­spre­chen­den Täter­zahl gleich­ge­setzt wer­den, wenn es sich dabei nur um Täter an jeweils einem Opfer han­delt. Tat­säch­lich sind aber Mehr­fach­tä­ter in Rech­nung zu stel­len. 149 Prie­ster, 3,5 Pro­zent der Beschul­dig­ten im John-Jay-Report, waren als Seri­en­tä­ter für 2.960 Miss­bräu­che ver­ant­wort­lich an 26 Pro­zent aller Miss­brauchs­op­fer. Wegen der vor­wie­gend homo­se­xu­ell-ephe­b­o­pi­len Mehr­fach­tä­ter redu­ziert sich die Quo­te der Beschul­dig­ten: Wenn z. B. 20 homo­se­xu­el­le Kle­ri­ker je vier Jun­gen miss­brau­chen sowie wei­te­re 20 Prie­ster je ein Mäd­chen, so ist bei einem Ver­hält­nis der Opfer von 80 zu 20 das der Täter 50 zu 50.“

MHG-Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
MHG-Stu­die im Auf­trag der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz

Es stellt sich die Fra­ge, um wel­chen bezif­fer­ba­ren Anteil die Täter­zahl gegen­über der Opfer­zahl von 80 Pro­zent zu ver­min­dern ist. Aus dem Penn­syl­va­nia-Report geht her­vor, dass Seri­en­tä­ter über­wie­gend homo­se­xu­ell waren und nur rela­tiv weni­ge hete­ro­se­xu­ell. Dann ist es rea­li­stisch, den Anteil der homo­se­xu­el­len Mehr­fach­tä­ter von 3,5 auf 3 Pro­zent zu redu­zie­ren und damit auch die 26prozentige Opfer­quo­te auf etwa 20 Pro­zent zurück­zu­set­zen. Von 80 Pro­zent der männ­li­chen Opfer wären dem­nach ein Vier­tel den Seri­en­tä­tern zuzu­ord­nen. Aber auch an den ver­blei­ben­den 60 Pro­zent der miss­brauch­ten Jun­gen waren nicht nur homo­se­xu­el­le Täter an je einem Kind über­grif­fig gewor­den. Wegen der klei­ne­ren Anzahl der Täter, die an zwei oder mehr Kin­dern Miss­brauch ver­üb­ten, muss die Täter­quo­te wei­ter redu­ziert wer­den – etwa auf 50 Pro­zent. Wenn zu die­ser Quo­te die drei Pro­zent Seri­en­tä­ter dazu­ge­rech­net wer­den, ergibt sich eine Gesamt­quo­te der Homo­sex-Täter von etwa 53 Pro­zent, die an 80 Pro­zent der Opfer (den Jun­gen und männ­li­chen Jugend­li­chen) Miss­brauch began­gen haben.

▪ Bei der Täter­grup­pe mit Beschul­di­gung nur zu einem Opfer bestand ein gro­ßer Teil der Miss­brauchs­hand­lun­gen in „unan­ge­mes­se­nen Kör­per­be­rüh­run­gen“, mit 29,5 Pro­zent der größ­te Anteil von Über­grif­fen (MHG-Stu­die). Unter jener Kate­go­rie wur­den leich­te Kör­per­kon­tak­te, auch durch die Klei­dung, aber nicht an den pri­mä­ren und sekun­dä­ren Geschlechts­or­ga­nen zusam­men­ge­fasst. Im Ein­zel­fall kann ein Arm­strei­cheln, Knuf­fen oder Über-die-Haa­re-Strei­chen dazu­ge­hö­ren.  Zu die­sen Hand­lun­gen an Jun­gen wur­den nach­weis­lich auch hete­ro­se­xu­el­le Geist­li­che beschul­digt. Deren Anteil ist nicht bekannt, er dürf­te aber rela­tiv klein sein und müss­te eben­falls von den bis­her ermit­tel­ten 53 Pro­zent von Homo­sex-Tätern abge­zo­gen wer­den. Gleich­falls ist um die­sen klei­nen Pro­zent­an­teil von hete­ro­se­xu­el­len Tätern das Niveau der homo­se­xu­ell miss­brauch­ten Opfer von 80 Pro­zent her­ab­zu­set­zen.

Als Ergeb­nis die­ser Berech­nun­gen ten­diert die Quo­te von homo­se­xu­el­len Miss­brauch­tä­tern auf 50 Pro­zent zu. Die­ses Zah­len­ni­veau kann durch die oben erwähn­te empi­ri­sche Stu­die aus dem MHG-Bericht bestä­tigt wer­den, wenn­gleich es für die US-Kir­che um acht Pro­zent höher liegt. Bei dem 20prozentigen  Anteil der Homo­se­xu­el­len an der Gesamt­heit der Kle­ri­ker wäre deren Täter­quo­te um das Ein­ein­halb­fa­che grö­ßer. Die Zah­len sind als Annäh­rungs­wer­te anzu­se­hen. Aber sie sind aus den gege­be­nen empi­ri­schen Daten mit ratio­na­ler, nach­prüf­ba­rer Argu­men­ta­ti­on in Bezug auf die Täter-Opfer-Kon­stel­la­tio­nen abge­lei­tet. Wer etwas ande­res behaup­ten will, müss­te die­se daten­ba­sier­ten Nach­wei­se wider­le­gen.

Auf dem Hin­ter­grund der Zah­len­ver­hält­nis­se ist die Ant­wort auf die ein­gangs gestell­te Fra­ge schluss­end­lich so zu for­mu­lie­ren:

Für bis zu 80 Pro­zent der Miss­brauchs­op­fer – Miss­brauch began­gen an Jun­gen und männ­li­chen Jugend­li­chen – waren homo­se­xu­el­le Täter ver­ant­wort­lich.

Durch Mehr­fach­tä­ter­schaft liegt der Anteil homo­se­xu­el­ler Täter an der Gesamt­zahl der Täter bei etwa 50 Pro­zent.

Anders aus­ge­drückt:

Etwa 50 Pro­zent homo­se­xu­el­le Täter sind für rund 80 Pro­zent der Miß­bräu­che ver­ant­wort­lich.

Unter der Berück­sich­ti­gung, dass das Zah­len­ni­veau wegen Schätz­zah­len und wei­te­ren Unsi­cher­heits­fak­to­ren um eini­ge Pro­zent­punk­te ver­min­dert wer­den könn­te, lau­tet die vor­sich­ti­ge­re Schluss­fol­ge­rung, aber eben des­halb rela­tiv siche­re The­se:

  • Für mehr als drei Vier­tel der Miss­brauchs­op­fer waren homo­se­xu­el­le Kle­ri­ker ver­ant­wort­lich in einer Grö­ßen­ord­nung, die ihr Anteil von 20 Pro­zent am gesam­ten Kle­rus um mehr als das Dop­pel­te über­stieg. Ent­spre­chend unter­pro­por­tio­nal fiel der Anteil der hete­ro­se­xu­ell ori­en­tier­ten Prie­ster an Miss­brauchs­hand­lun­gen aus.

Amerikanische Missbrauchsberichte unter dem Druck der Homo-Lobby

Die John-Jay-Stu­die, auf den sich die auf­ge­führ­ten Berech­nun­gen bezie­hen, kommt ist sei­ner Aus­wer­tung aller­dings zu ganz ande­ren Fol­ge­run­gen und Schlüs­sen. Doch was ist der Hin­ter­grund dafür? In den USA haben die dor­ti­gen Homo­lob­by-Orga­ni­sa­tio­nen schon weit frü­her als in Euro­pa enor­men Druck auf Medi­en und staat­li­chen Insti­tu­tio­nen auf­ge­baut, um kri­ti­sche Anfra­gen und Aus­sa­gen über Homo­se­xu­el­le zu unter­bin­den. Die­sem Druck beug­te sich offen­bar auch das John-Jay-Insti­tut für Kri­mi­na­li­stik bei sei­ner kirch­lich beauf­trag­ten Stu­die. Die fol­gen­de kri­ti­sche Ana­ly­se zeigt die (homo-) ideo­lo­gi­sche Schlag­sei­te der betref­fen­den Stu­die.

Analyse von Brian Clowes (2010). über 80 Prozent Opfer homosexueller Täter
Bri­an-Clo­wes-Ana­ly­se (2010): über 80 Pro­zent Opfer homo­se­xu­el­ler Täter

Schon im For­schungs­an­satz ver­eng­te man die Miss­brauchs­grün­de auf psy­cho-sozia­le Fak­to­ren – haupt­säch­lich „Defi­zi­te bei Inti­mi­tä­ten und per­sön­li­chen Bezie­hun­gen“ sowie ver­wirr­te oder unrei­fe Iden­ti­tä­ten. Die­se Kate­go­ri­en über­nahm die Stu­die aus den Ergeb­nis­sen von The­ra­pie­grup­pen, an denen 40 Pro­zent der über­grif­fi­gen Kle­ri­ker teil­nah­men. Die ent­spre­chen­den psy­cho­lo­gi­schen „Merk­ma­le“ der Täter lau­ten nach der MHG-Stu­die: „emotionale/sexuelle Unrei­fe, Per­sön­lich­keits­stö­rung, Alko­hol­miss­brauch, Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit als Jugend­li­che“. Dar­aus ent­sprin­gen dann die Rat­schlä­ge, dass „Fort- und Wei­ter­bil­dung, Super­vi­si­on, Gesprächs­grup­pen und Psy­cho­the­ra­pie“ mit emo­tio­na­ler Nach­rei­fung dazu bei­tra­gen könn­ten, pädo­phi­le und päd­era­sti­sche Prä­fe­renz­stö­run­gen „gut zu kon­trol­lie­ren und zu kom­pen­sie­ren“. Die­ser nai­ve the­ra­peu­ti­sche Opti­mis­mus hat­te in den Jah­ren vor 2000 dazu geführt, dass über­grif­fi­ge Kle­ri­ker all­zu schnell wie­der als „geheilt“ in die Seel­sor­ge­pra­xis zurück­ka­men – und auch rück­fäl­lig wur­den.

In die Merk­mals­li­ste der MHG-Stu­die ist auch Pädo­phi­lie auf­ge­nom­men, Ephe­bo­phi­lie dage­gen weg­ge­las­sen. Bei­de Vor­ge­hens­wei­sen sind als homoideo­lo­gi­sche Tak­ti­ken anzu­se­hen: Pädo­phi­lie gilt als nicht-homo­se­xu­ell (was nicht stimmt – sie­he oben). Wegen der deut­li­chen Homo­sex-Bezü­ge der Ephe­bo­phi­lie wird die­se Kate­go­rie erst gar nicht auf­ge­li­stet. Jeden­falls ergibt sich aus dem ver­eng­ten psy­cho­lo­gi­schen Ansatz der John-Jay-Stu­die die logi­sche Fol­ge, dass die kli­ni­schen Daten kei­ne Hin­wei­se auf  erhöh­te Zah­len von homo­se­xu­el­len Tätern erbrach­ten – ein Zir­kel­schluss.

Von Homosexualität ablenkende Zahlenspiele

Bei der Inter­pre­ta­ti­on der Zah­len gin­gen die Stu­di­en­ma­cher eben­so ein­sei­tig vor. Zu dem hohen Anteil von 80 Pro­zent an männ­li­chen Opfern  schlos­sen sie die zwin­gen­de Pri­mär-Hypo­the­se von homo­se­xu­el­len Prä­fe­renz­tä­tern ein­fach aus. Ihre Gegen­the­se vom Miss­brauch durch leich­te­ren Zugang zu Jun­gen konn­ten sie aber mit den Zah­len nicht wirk­lich bele­gen:

  • Der signi­fi­kan­te Anstieg von Jun­gen-Miss­brauch zwi­schen 1964 und 1984 wur­de mit mehr Gele­gen­hei­ten  erklärt. Doch wie­so soll­te es in den 70er Jah­ren plötz­lich einen „ver­mehr­ten Zugang der Prie­ster zu Buben“ gege­ben haben, der die Ver­dopp­lung der Zahl der Miss­brauchs­op­fer gegen­über der Vor­kon­zils­zeit erklä­ren könn­te? Viel­mehr kor­re­liert der Miss­brauchs­an­stieg einer­seits mit einer ste­ti­gen Zunah­me von homo­se­xu­el­len Prie­stern in jenen Jah­ren. Ande­rer­seits ist die Infra­ge­stel­lung der kirch­li­chen Sexu­al­mo­ral durch den Kon­zils­geist für die Miss­brauchs­zu­nah­me in Rech­nung zu stel­len. Der Rück­gang der Miss­brauchs­zah­len ab 1990 ist dage­gen auf die zuneh­men­de gesell­schaft­li­che Äch­tung und Straf­ver­fol­gung von Pädo­phi­lie und Päd­era­stie zurück­zu­füh­ren.
  • Nach der Gele­gen­heits­the­se inter­pre­tier­te man auch den Anstieg von Über­grif­fen auf Mäd­chen zwi­schen 1990 und 2002, näm­lich als ver­mehr­ten Zugang zu Mess­die­ne­rin­nen seit 1983. Dabei war das Zah­len­ni­veau von miss­brauch­ten Mäd­chen in jenen Jah­ren mit 30 Pro­zent genau­so hoch wie im Jahr­zehnt vor dem Kon­zil, als Kle­ri­ker weit weni­ger Zugang zu Mäd­chen hat­ten. Die Inter­pre­ta­ti­ons­li­ni­en der John-Jay-Stu­die erwei­sen sich als durch­sich­ti­ge Kon­struk­te, um von den erdrücken­den Daten­hin­wei­sen auf homo­se­xu­el­le Täter­schaf­ten abzu­len­ken.

Vertuschung der Homosextäter durch Medien und kirchliche Stellen

Nach die­ser Fokus­sie­rung auf Täter­pro­fi­le und Opfer­quo­ten ist noch ein­mal die Gesamt­si­tua­ti­on in den Blick zu neh­men. Dabei ist dar­an zu erin­nern, dass die über­grif­fi­gen Geist­li­chen vier Pro­zent des gesam­ten Kle­rus der USA aus­mach­ten (in der MHG-Stu­die 4,4 Pro­zent).

Mit­hin war 96 Pro­zent der Prie­ster bezüg­lich die­ses Kom­ple­xes unbe­schol­ten.

Zu den homo­se­xu­ell ori­en­tier­ten Kle­ri­kern ist fest­zu­hal­ten:

Ver­mut­lich ist eine gro­ße Min­der­heit von homo­se­xu­el­len Prie­stern über­grif­fig gewor­den, aber eine Mehr­heit von ent­halt­sam leben­den Homo­se­xu­el­len eben auch nicht.

Pennsylvania-Report: homosexuelle Täterschaft
Penn­syl­va­nia-Report: homo­se­xu­el­le Täter­schaft

Gleich­wohl bleibt fest­zu­hal­ten, was Weih­bi­schof Ele­gan­ti von Chur kürz­lich in ver­schie­de­nen Stel­lung­nah­men äußer­te: Für die hohe Zahl von männ­li­chen Miss­brauchs­op­fern in der Kir­che sind mit über­gro­ßer Mehr­heit homo­se­xu­el­le Täter ver­ant­wort­lich. „Das Ver­schwei­gen die­ser Tat­sa­che ist eine wei­te­re Form der Ver­tu­schung, die lei­der auch Kir­chen­ver­ant­wort­li­che in der Schweiz betrei­ben“ – sowie anders­wo bis in die Spit­zen der Kir­che hin­ein. Auch der Papst ver­schweigt den Homo-Kom­plex beim Miss­brauch. In sei­nem „Brief an das Volk Got­tes“ als päpst­li­che Ant­wort auf den Penn­syl­va­nia-Report wer­den nicht ein­mal homo­se­xu­el­le Geist­li­che als Täter benannt. Vie­le Medi­en ver­tu­schen sogar den hohen Jun­gen-Anteil bei den Opfern und in der Fol­ge die hohe Täter­quo­te von homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern. Der SPIEGEL vom 22. 9. beschreibt in sei­ner Titel­ge­schich­te von der Kri­se des Pap­stes und der Kir­che allein das Lei­den von zwei weib­li­chen Opfern aus Süd- und Nord­ame­ri­ka. Ähn­lich die Süd­deut­sche Zei­tung vom 15. 8., die zu dem Penn­syl­va­nia-Report zwei Geschich­ten von miss­brauch­ten Mäd­chen auf­führt. Wie bei der Flücht­lings­kri­se, als die Pres­se­bil­der und ‑tex­te haupt­säch­lich die Min­der­heit von Frau­en und Kin­dern zeig­ten, wird in die­sem Fall der unwah­re Ein­druck ver­mit­telt, dass vor­wie­gend Mäd­chen miss­braucht wor­den wären – mit dem eben­so fal­schen Sub­text: von hete­ro­se­xu­ell ori­en­tier­ten kle­ri­ka­len Tätern.

Von Sei­ten der kirch­li­chen Homo­lob­by geht man noch einen Schritt wei­ter, indem jene dif­fa­miert wer­den, die den Zusam­men­hang zwi­schen Miss­brauch und Homo­se­xua­li­tät auf­decken. Die Diö­ze­se St. Gal­len ver­brei­te­te ohne Bezug und Begrün­dung mit Daten die absur­den Behaup­tun­gen: Bei den bekannt­ge­wor­de­nen Miss­brauchs­fäl­len auf die vor­wie­gend homo­se­xu­el­len Täter zu ver­wei­sen, sei für sie „uner­träg­lich“. Außer­dem ver­letz­ten die Hin­wei­se Ele­gan­tis (auf Tat­sa­chen) die Wür­de homo­se­xu­el­ler Men­schen. In Deutsch­land hat Pater Klaus Mer­tes SJ damit gedroht, die­je­ni­gen als homo­phob zu psy­cho­pa­tho­lo­gi­sie­ren, die auf den hohen Anteil von homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern bei Über­grif­fen ver­wei­sen. Dabei weiß der lang­jäh­ri­ge Schul­lei­ter genau, was homo­se­xu­el­le Seri­en­tä­ter in den jesui­ti­schen Kol­legs und ande­ren kirch­li­chen  Schu­len an Opfer­leid ange­rich­tet haben.

Homosexuelle Täter schieben ihre Verantwortung auf die Kirche ab

Auch die MHG-Stu­die bleibt – ähn­lich wie die ame­ri­ka­ni­schen Berich­te – bezüg­lich der homo­se­xu­el­len Miss­brauch­stä­ter in vagen, teil­wei­se ent­schul­di­gen­den Aus­sa­gen stecken. Es wird vie­les auf eine „unrei­fe homo­se­xu­el­le Nei­gung“ abge­scho­ben – ein „dia­gno­stisch unbe­kann­ter Begriff“, wie Man­fred Lütz in sei­nem Kath.net-Kom­men­tar „Lei­der spek­ta­ku­lär miss­lun­gen!“ bemerkt.

Explosion der Sexualstraftaten 1965-1985
Explo­si­on der Sexu­al­straf­ta­ten 1965–1985

Die Autoren der Stu­die beto­nen, dass „Homo­se­xua­li­tät nicht eo ipso ein Risi­ko­fak­tor für sexu­el­len Miss­brauch“ dar­stellt. Aber sie ver­säu­men es, das Aus­maß und die For­men dar­zu­stel­len, nach denen homo­se­xu­el­le Kle­ri­ker in über­pro­por­tio­na­ler Wei­se zu Tätern und nicht weni­ge zu Seri­en­tä­tern wur­den. Dani­el Deckers beschreibt in der FAZ vom 15. 9. einen sol­chen Fall. Man­fred Lütz weist zu dem Teil­pro­jekt 2, in dem homo­se­xu­el­le Täter inter­viewt wer­den, gra­vie­ren­de Feh­ler nach. Auf­grund der ein­füh­len­den Empa­thie­ge­sprä­che der Inter­view­er über­nah­men die Autoren der Stu­die viel­fach die Ent­schul­di­gungs­stra­te­gi­en der Täter: Vie­le Miss­brauch­stä­ter scho­ben die Ver­ant­wor­tung für ihre schänd­li­chen Taten auf die Gesell­schaft und vor allem die Kir­che ab. Bei sol­chen Ein­las­sun­gen wäre nach Lütz der Vor­halt not­wen­dig gewe­sen, „dass ein erwach­se­ner Mann für sei­ne Taten aus­schließ­lich sel­ber ver­ant­wort­lich ist“. Statt­des­sen fol­gen die Autoren den Ankla­gen der Täter als „Ver­mu­tun­gen“ gegen die Kir­che. Lütz nennt es einen der „Tief­punk­te“ in der MHG-Stu­die, wenn dar­in die man­geln­de Daten­ana­ly­se mit Vor­wür­fen gegen kirch­li­che Leh­ren und Ein­stel­lun­gen kom­pen­siert wird: „Die Hal­tung der katho­li­schen Kir­che zur Homo­se­xua­li­tät, ja ‚eine für Tei­le der römisch-katho­li­schen Kir­che cha­rak­te­ri­sti­sche Homo­pho­bie’ habe ‚zum sexu­el­len Miss­brauch von Min­der­jäh­ri­gen bei­getra­gen haben kön­nen’“. Beson­ders dis­kre­di­tie­rend für die Stu­di­en­ma­cher ist die Anfüh­rung von Homo­pho­bie, die als Kampf­wort zur Dif­fa­mie­rung jeg­li­cher Kri­tik von der Homo­lob­by gebraucht wird. Noch absur­der ist es, den psych­ia­tri­schen Fach­be­griff für eine krank­haf­te Angst­stö­rung als Miss­brauchs­er­klä­rung her­vor­zu­keh­ren. In Ana­lo­gie zu einem berüch­tig­ten Spruch des Homo-Akti­vi­sten Rosa von Praun­heim vor 50 Jah­ren heißt die Ten­denz der MHG-Stu­die: Nicht die homo­se­xu­el­len Kle­ri­ker sind ver­ant­wort­lich für die von ihnen began­ge­nen Miss­bräu­che an min­der­jäh­ri­gen Opfern, son­dern die Kir­che mit ihrer Bewer­tung von prak­ti­zier­ter Homo­se­xua­li­tät und Päd­era­stie als Sün­de.

Man­fred Lütz befürch­tet, dass mit die­ser „man­gel­haf­ten Stu­die“ die not­wen­di­ge Hil­fe der Wis­sen­schaft bei der Durch­leuch­tung der kirch­li­chen Miss­brauchs­fäl­le „dis­kre­di­tiert wird“.

Text: Hubert Hecker
Bild: Medium/DBK/Attorneygeneral.gov/USCCB (Screen­shots)




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