Bereitet Papst Franziskus den Gegenangriff vor?

Papst Franziskus
Ist das Schweigen von Papst Franziskus zum Viganò-Dossier, das ihn schwer belastet, nur „strategisch“?

(Rom) Das Schwei­gen, das sich Papst Fran­zis­kus zum Viganò-Dos­sier selbst auf­er­leg­te, sei nur „stra­te­gisch“ und nei­ge sich ihrem Ende zu, berich­te­te gestern eine ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung.

Am 26. August wur­de das Dos­sier des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA, Msgr. Car­lo Maria Viganò, ver­öf­fent­licht. Der Titu­lar­erz­bi­schof selbst nann­te sein Memo­ran­dum „Zeug­nis“. Dar­in wer­den vom eme­ri­tier­ten Spit­zen­di­plo­ma­ten schwe­re Vor­wür­fe gegen Papst Fran­zis­kus erho­ben. Als Kon­se­quenz dar­aus for­der­te Msgr. Viganò den Rück­tritt von Fran­zis­kus.

Noch am sel­ben Tag wur­de Papst Fran­zis­kus auf dem Rück­flug aus Dub­lin von Jour­na­li­sten dazu befragt. Als Ant­wort erklär­te der Papst, nichts dazu sagen zu wol­len. An die­ser Linie hält der Vati­kan seit­her fest.

Laut der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Il Fat­to Quo­ti­dia­no (FQ) könn­te die­ses Schwei­gen jedoch bald ein Ende haben, da es ledig­lich „stra­te­gi­scher“ Natur sei. Der Papst habe näm­lich kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung des Dos­siers inter­ne Ermitt­lun­gen ange­ord­net, um auf die Anschul­di­gun­gen reagie­ren zu kön­nen.

Bereits ver­gan­ge­ne Woche hat­te der Histo­ri­ker und katho­li­sche Intel­lek­tu­el­le Rober­to de Mattei davor gewarnt, daß Msgr. Viganò bestraft wer­den soll, „weil er die Wahr­heit sag­te“. Ihm sei von „meh­re­ren Quel­len“ im Vati­kan bestä­tigt wor­den, daß Papst Fran­zis­kus Kir­chen­recht­ler damit beauf­tragt habe, Wege zu stu­die­ren, wie gegen Msgr. Viganò vor­ge­gan­gen wer­den kön­ne. Eine zen­tra­le Rol­le kom­me dabei dem Kir­chen­recht­ler Kar­di­nal Coc­co­pal­me­rio zu, der selbst im Viganò-Dos­sier der vati­ka­ni­schen „Homo-Lob­by“ zuge­rech­net wird. Nicht der Schul­di­ge, son­dern der, der die Schuld auf­ge­deckt, soll bestraft wer­den, resü­mier­te de Mattei über einen „Wider­spruch“ im der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat.

Il Fat­to Quo­ti­dia­no titel­te in der gest­ri­gen Aus­ga­be (9. Sep­tem­ber):

„Der Papst im Gegen­an­griff: Dos­sier über Viganò & Co.“

Wört­lich schreibt die Zei­tung:

„Das Kli­ma ist gespannt. Es wer­den Seil­schaf­ten und Kom­plot­te befürch­tet. Nach dem Aus­plau­dern des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA berei­tet der Papst sei­ne Ant­wort vor, um jenen zu reagie­ren, die ihn wegen McCarrick beschul­di­gen – aber nicht nur. Nun ord­net Fran­zis­kus ein Dos­sier gegen die ‚feind­li­chen Bom­ben‘ an“.

Und wei­ter:

„Jor­ge Mario Ber­go­glio hat eine inter­ne Unter­su­chung ange­ord­net, um die Befehls­ket­te zu rekon­stru­ie­ren, die es Ex-Kar­di­nal Theo­do­re McCarrick, einem Seri­en­tä­ter, ermög­lich­te, mehr als 20 Jah­re unge­stört, ganz jun­ge Semi­na­ri­sten zu miß­brau­chen. Auf die­se Wei­se beab­sich­tigt der Papst auf das von Car­lo Maria Viganò, ehe­ma­li­ger Apo­sto­li­scher Nun­ti­us in Washing­ton, unter­zeich­ne­te Dos­sier zu ant­wor­ten, mit dem sein Rück­tritt gefor­dert wur­de, weil er angeb­lich McCarrick gedeckt habe. Fran­zis­kus erleg­te sich selbst zu Viganò ein stra­te­gi­sches Schwei­gen auf, um – und der Hei­li­ge Stuhl bestä­tigt das – eine soli­de Reak­ti­on mit Doku­men­ten, Daten und Namen vor­zu­be­rei­ten, bereit, sie in der Öffent­lich­keit und vor allem im Vati­kan zu ver­wen­den. ‚Jeden Tag explo­diert eine Bom­be, die die Gläu­bi­gen ver­wirrt. Wer den Papst ver­ach­tet, arbei­tet bereits an sei­ner Nach­fol­ge‘, erzählt ein Mit­ar­bei­ter von Fran­zis­kus.“

Der Arti­kel bestä­tigt indi­rekt, daß es neben dem selbst­auf­er­leg­ten Schwei­gen noch eine zwei­te Reak­ti­on gibt, die seit dem 26. August erfolgt: Msgr. Viganòs Glaub­wür­dig­keit wird vom päpst­li­chen Umeld in Fra­ge gestellt, ohne auf den Inhalt sei­nes Dos­siers ein­zu­ge­hen. Zugleich wird von den­sel­ben Krei­sen unter­stellt, das Dos­sier sei Teil eines Kom­plotts „kon­ser­va­ti­ver“ Kir­chen­krei­se gegen Papst Fran­zis­kus. Offen­bar hofft man im enge­ren Krei­se des Pap­stes allein dadurch aus­rei­chend Soli­da­ri­tät in- und außer­halb der Kir­che zu erhal­ten, ohne auf die unan­ge­neh­men Fra­gen, die das Viganò-Dos­sier auf­wirft, ant­wor­ten zu müs­sen. Immer­hin funk­tio­nier­te die­se Stra­te­gie bereits erfolg­reich im Zusam­men­hang mit den Dubia (Zwei­feln) von vier Kar­di­nä­len zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia.

Das The­ma und die Ebe­nen sind aller­dings ver­schie­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: FQ (Screen­shot)

 

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