Freimaurerei finanzierte Garibaldis Zug der Tausend

Garibaldi-Denkmal auf dem Gianicolo in Rom. Der Hochgradfreimaurer war Großmeister des Großorient von Italien. Der Blick Garibaldis ist auf den Petersdom gerichtet, um zu signalisieren, wer neuer Herr in Rom ist.
Garibaldi-Denkmal auf dem Gianicolo in Rom. Der Hochgradfreimaurer war Großmeister des Großorient von Italien. Der Blick Garibaldis ist auf den Petersdom gerichtet, um zu signalisieren, wer neuer Herr in Rom ist.

(Rom) Die Erobe­rung der Staa­ten, die die ita­li­sche Halb­in­sel vor der Eini­gung bil­de­ten und beson­ders des wohl­ha­ben­den süd­ita­lie­ni­schen König­reichs Bei­der Sizi­li­en war nicht nur eine Not­wen­dig­keit, die von den Schul­den Pie­monts dik­tiert war. Die Ban­que Roth­schild hat­te erheb­li­che Sum­men in die Kriegs­aben­teu­er des König­reichs Pie­mont-Sar­di­ni­en inve­stiert. Im Hin­ter­grund betrieb die bri­ti­sche Frei­mau­re­rei Geo­po­li­tik.

Am Zustan­de­kom­men des Zugs der Tau­send von Giu­sep­pe Gari­bal­di spiel­te näm­lich die bri­ti­sche Frei­mau­re­rei die ent­schei­den­de Rol­le. Sie finan­zier­te mit drei Mil­lio­nen Fran­ken die gesam­te Ope­ra­ti­on und behielt zu jedem Zeit­punkt die Ober­auf­sicht dar­über.

„Die Finan­zie­rung durch die bri­ti­sche Frei­mau­re­rei erfolg­te aus einem Fond schot­ti­scher Pres­by­te­ria­ner und wur­de nur unter der Auf­la­ge gewährt, daß Gari­bal­di nicht in Nea­pel Halt machen, son­dern bis Rom vor­sto­ßen und den katho­li­schen Kir­chen­staat besei­ti­gen soll­te“,

Freimaurerei
Das Denk­mal wid­me­te „Die ita­lie­ni­sche Frei­mau­re­rei“ ihrem „Groß­mei­ster“ nicht Anno Domi­ni 1907, son­dern ab Urbe con­dita 2660.

erklär­te Pro­fes­sor Aldo Mola, Dozent für Geschich­te der Neu­zeit an der Uni­ver­si­tät Mai­land mit den For­schungs­schwer­punk­te Geschich­te der Frei­mau­re­rei und Geschich­te des Risor­gi­men­to. „Die gesam­te gari­bal­di­ni­sche Akti­on wur­de von der bri­ti­schen Frei­mau­re­rei beauf­sich­tigt“, führ­te Mola wei­ter aus. Das Ziel der Frei­mau­re­rei sei eine „histo­ri­sche Mis­si­on“ gewe­sen, näm­lich die Besei­ti­gung des Kir­chen­staa­tes und damit die Schwä­chung des Pap­stes und der katho­li­schen Kir­che. Und Mola ergänz­te: „Auch die USA, die damals noch kei­ne diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen zum Hei­li­gen Stuhl unter­hiel­ten, unter­stütz­ten die Akti­on.“

Die Gel­der der bri­ti­schen Frei­mau­re­rei dien­ten Gari­bal­di, nach Ansicht des Histo­ri­kers, zum Kauf von Prä­zi­si­ons­waf­fen in Genua, ohne die er das bour­bo­ni­sche Heer nie her­aus­for­dern hät­te kön­nen, das „eine gut orga­ni­sier­te Armee war“. Ohne die­se Waf­fen hät­te Gari­bal­di das Ende ande­rer Auf­stän­di­scher genom­men, wie Car­lo Pisa­ca­ne und die Brü­der Ban­die­ra, die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts hin­ge­rich­tet wor­den sind.

„Die Zuge­hö­rig­keit zur Frei­mau­re­rei“, so Mola, „garan­tier­te Gari­bal­di die Unter­stüt­zung durch die Welt­pres­se, vor allem der eng­li­schen Medi­en, die ihm eine Rei­he von Son­der­kor­re­spon­den­ten zur Sei­te stell­ten und wesent­lich dazu bei­tru­gen, sei­nen Mythos zu kon­stru­ie­ren. Aber auch durch bekann­te Schrift­stel­ler wie Alex­andre Dumas, die sei­ne Taten über­schweng­lich fei­er­ten.“

Auf der Grün­dungs­ver­samm­lung des Groß­ori­ents von Ita­li­en, die vom 26. Dezem­ber 1861 bis zum 1. Janu­ar 1862 in Turin statt­fand, wur­de Gari­bal­di als „erster Frei­mau­rer Ita­li­ens“ begrüßt und in den 33. Grad der schot­ti­schen Mau­re­rei ein­ge­weiht. 1881 wur­de er auch zum Groß-Hiero­phant des Mem­phis-Mis­raim-Ritus des irre­gu­lä­ren Hoch­grad­sy­stems.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Sple­ndor Veritatis/Wikicommons (Screen­shot)