Weltweite Drogen-Epidemie

Drogen-Epidemie
Es herrscht eine weltweite Drogen-Epidemie, doch das Drogenproblem scheint ein politisches Tabu-Thema zu sein.

(New York) Mel­dun­gen über Dro­gen­kon­sum, Abhän­gig­keit, Sucht und Dro­gen­to­te beherrsch­ten in den spä­ten 70er und frü­hen 80er Jah­ren die Tages­zei­tun­gen. 1982 star­ben in Deutsch­land (West) 383 Men­schen an Dro­gen. 2016 waren es 1.333. Trotz des mas­si­ven Anstie­ge ist der Ein­druck heu­te fast idyl­lisch. Ein Dro­gen­pro­blem scheint es für die Öffent­lich­keit kaum zu geben. Dabei spricht das Büro der Ver­ein­ten Natio­nen für Dro­gen- und Ver­bre­chens­be­kämp­fung von einer regel­rech­ten Dro­gen-Epi­de­mie. Wie das?

Wenn heu­te im Chro­nik­teil der Medi­en von Dro­gen die Rede ist – sel­ten genug –, dann in fer­nen Län­dern oder als rarer, gro­ßer Dro­gen­fund durch die Poli­zei oder im Zusam­men­hang von Klein­dea­ler­sze­ne und Migra­ti­on. Jen­seits der blo­ßen Sta­ti­stik sind Dro­gen­to­te und Dro­gen­ab­hän­gi­ge kein wirk­li­ches The­ma mehr. Gera­de so, als gäbe es sie nicht mehr. Im poli­ti­schen Teil der Zei­tun­gen und den Feuil­le­tons ist dage­gen – wenn schon – die Rede von Dro­gen­li­be­ra­li­sie­rung, ein Kampf­the­ma nicht nur der Grü­nen, son­dern auch der Radi­kal­li­be­ra­len. Sie haben ein Tabu dar­aus gemacht. Der Dro­gen­kon­su­ment darf nicht mehr the­ma­ti­siert wer­den (Stich­wort: per­sön­li­cher Kon­sum). Damit ist jede Dro­gen­be­kämp­fung ampu­tiert.

Drogen für Mainstream salonfähig

Drogenfund
Dro­gen­fund

Dro­gen sind für den Main­stream längst salon­fä­hig. Vor allem die soge­nann­ten „wei­chen“ Dro­gen. Um deren Akzep­tanz zu erhö­hen, wer­den Schat­ten­sei­ten des Dro­gen­pro­blems ver­schwie­gen. Auch hier geht Ideo­lo­gie vor Wirk­lich­keit. Das zeig­te sich jüngst Ende Juni, als der World Report on Drugs 2018 vor­ge­stellt wur­de, aber von den gro­ßen Medi­en unbe­ach­tet blieb. Die Welt wird von Dro­gen über­schwemmt wie noch nie, doch die Mei­nungs­ma­cher schau­en weg.

Ent­kri­mi­na­li­sie­rung, in den Medien­re­dak­tio­nen bereits gei­stig vor­weg­ge­nom­men, fri­siert die Wahr­neh­mung und die Poli­zei­sta­ti­stik. Das Pro­blem aber bleibt.

Und gerät jemand wirk­lich außer Rand und Band, gibt es still­schwei­gend öffent­li­che Behand­lungs­ein­rich­tun­gen, um ihn unsicht­bar ver­schwin­den und danach wie­der in die Gesell­schaft ent­las­sen zu kön­nen. So zumin­dest der trü­ge­ri­sche Schein. Die Zah­len zei­gen, daß sich die Lage seit den 80er Jah­ren rapi­de ver­schlim­mert hat. Die Zahl der Dro­gen­ab­hän­gi­gen (und gemeint sind damit die ger­ne zur Ver­schleie­rung ins Feld geführ­ten Alko­hol- und Tabak­kon­su­men­ten, deren tat­säch­li­che oder behaup­te­te „Sucht“ von man­chen zur Ablen­kung vom Pro­blem der Opi­ate ein­ge­setzt wird) ist grö­ßer denn je.

Im Juni 2014 schrieb das Wochen­ma­ga­zin Focus:

„Deut­sche schmug­geln mehr Meth denn je“.

Im Augst 2017 titel­te die Mit­tel­baye­ri­sche Zei­tung:

„Immer mehr Kif­fer in Deutsch­land“.

Im März 2018 mel­de­te das Schwei­zer Tag­blatt:

„St. Gal­ler kok­sen mehr denn je“.

Und Anfang Juni die öster­rei­chi­sche Kro­nen­zei­tung:

„Dro­gen aus dem Darknet über­schwem­men Öster­reich“.

World Drug Report: „Opiat-Epidemie“

Das Phä­no­men ist flä­chen­deckend gleich. Spo­ra­di­sche Medi­en­be­rich­te schei­nen ach­sel­zuckend zur Kennt­nis genom­men zu wer­den. Die The­men­füh­rer und kul­tu­rel­len Hege­mo­ne inter­es­siert das Pro­blem nicht wirk­lich. Dabei sind die Fol­gen die­ser Dro­gen­sucht grö­ßer denn je.

UNODC spricht von einer "Drogenepidemie"
UNODC spricht von einer „Dro­gen­epi­de­mie“

Sta­ti­stisch gese­hen kon­su­mier­ten 2017 welt­weit fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung zumin­dest ein­mal eine ille­ga­le Dro­ge. Die Zahl der Dro­gen­ab­hän­gi­gen wird mit 275 Mil­lio­nen ange­ge­ben. Die Dro­gen­pro­duk­ti­on ist ein Wachs­tums­markt, der die unglaub­li­che Men­ge von 10.000 Ton­nen im Jahr über­schrit­ten hat. Das ist der höch­ste Stand seit Beginn der Auf­zeich­nun­gen Anfang des Jahr­hun­derts. Der World Drug Report 2018 spricht von einer regel­rech­ten „Opi­at-Epi­de­mie“. Er wird jähr­lich vom Büro der Ver­ein­ten Natio­nen für Dro­gen- und Ver­bre­chens­be­kämp­fung (United Nati­ons Office on Drugs and Crime, UNODC) her­aus­ge­ge­ben, das sei­nen Sitz in Wien hat.

Aus den UNODC-Anga­ben ergibt sich ein kla­res Bild: Die Poli­tik der Dro­gen­be­kämp­fung und Dro­gen­prä­ven­ti­on ist geschei­tert. Mehr noch: Vor allem die west­li­chen Regie­run­gen schei­nen den Wider­stand auf­ge­ge­ben zu haben. Ein Phä­no­men das zeit­lich syn­chron mit dem Auf­stieg von Par­tei­en ein­her­geht, die für eine Dro­gen­li­be­ra­li­sie­rung und Ent­kri­mi­na­li­sie­rung ein­tre­ten.

Der Dro­gen­markt kennt kei­ne Kri­se. Der euro­päi­sche Markt ist „bestens“ belie­fert. Die Fol­gen aber sind pre­kär. Neu­er­dings, so der Dro­gen­re­port, ent­decken die Händ­ler Afri­ka als zusätz­li­chen Markt. Der World Drug Report sagt es deut­lich:

„Den Regie­run­gen gelingt es nicht, die Pro­duk­ti­on unter Kon­trol­le zu brin­gen“.

Alarm Fentanyl: Bereits mehr Tote als im Vietnamkrieg

Ärztezeitung über die Drogentoten
Ärz­te­zei­tung über die Dro­gen­to­ten

Der jüng­ste Alarm heißt „Fen­tanyl“ und über­schwemmt die zah­lungs­kräf­ti­ge­ren Krei­se der USA. Die Dro­ge for­der­te seit 2016 rund 60.000 Tote, „mehr als der Viet­nam­krieg“, so der World Drug Report.

Die welt­wei­te Zahl der Dro­gen­to­ten wird vom UNODC für 2016 mit 450.000 ange­ge­ben.

Zwei Län­der sind Spit­zen­pro­du­zen­ten. An erster Stel­le steht mit gigan­ti­schem Abstand Afgha­ni­stan. Laut UNODC wur­de 2017 der Anteil an der welt­wei­ten Dro­gen­pro­duk­ti­on auf fast 87 Pro­zent erhöht. Die Iro­nie der Geschich­te: Das Land war 12 Jah­re von einer US-geführ­ten Koali­ti­on west­li­cher Trup­pen besetzt. Das ISAF-Man­da­te ende­te zwar 2014 wur­de aber durch das RS-Man­dat ersetzt. Was Besat­zungs­sta­tus bedeu­tet, weiß Deutsch­land selbst noch. Damit besteht kein Zwei­fel: Der Mohn­an­bau wird von den inter­na­tio­na­len Trup­pen, die offi­zi­ell als Frie­dens­stif­ter und Demo­kra­tiebrin­ger im Land sind, gedul­det. Wie ist das aber mög­lich? Der Zusam­men­hang wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von kri­ti­schen Stim­men auf­ge­wor­fen. Kon­se­quen­zen erga­ben sich dar­aus kei­ne.

2017 warf allein Afgha­ni­stan 9.000 Ton­nen auf den Dro­gen­markt.

An zwei­ter Stel­le folgt Kolum­bi­en mit einer Koka­in­pro­duk­ti­on von 866 Ton­nen. Jah­re­lang finan­zier­ten sich auch kom­mu­ni­sti­sche Gue­ril­la­or­ga­ni­sa­tio­nen mit der Dro­gen­pro­duk­ti­on. Der Frie­dens­pro­zeß mit der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on FARC, die inzwi­schen als poli­ti­sche Par­tei aner­kannt wur­de, brach­te im Dro­gen­be­reich bis­her noch kei­ne Ent­span­nung.

Vom UNODC wird in bei­den Fäl­len das Feh­len einer effek­ti­ven, staat­li­chen Kon­trol­le über das Ter­ri­to­ri­um als Grund für die unge­zü­gel­te Dro­gen­pro­duk­ti­on genannt. In den west­li­chen Staa­ten wäre die­se Kon­trol­le gege­ben.

Text: Andre­as Becker
Bild: UNODC/NBQ/Ärztezeitung (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Es gab im Jahr 2016 oder 2017 eine Mel­dung die besag­te, dass die Schlaf­mohn­an­bau­flä­che in Afgha­ni­stan inner­halb der letz­ten 10 — 15 Jah­re bis zum Zeit­punkt die­ser Mel­dung gewal­tig ange­stie­gen ist.
    (Aller­dings weiß ich nicht mehr den genau­en ‑sehr hohen- Pro­zent­satz)
    Fast zeit­gleich mit der obi­gen Mel­dung gab es ein Inter­view mit einem sehr hohen bri­ti­schen Besat­zungs­of­fi­zier: „Wir haben in Afgha­ni­stan im wesent­li­chen unse­re Zie­le erreicht“!
    Soge­nann­te Verschwörungstheoretiker(die ande­ren sind dann wohl Rea­li­täts­prak­ti­ker — nichts ande­res sagt die­ses Wort) sagen ja schon lan­ge, dass die US-Geheim­dien­ste zumin­dest teil­wei­se aus dunk­len Quel­len finan­ziert wer­den und die US-Dro­gen­be­hör­de DEA nur dazu da ist Kon­kur­ren­ten aus dem Weg zu räu­men.

  2. Die Dro­gen­to­ten sind eine Säu­le zur Ver­rin­ge­rung der Welt­be­völ­ke­rung, eben­so wie die Abtrei­bung und die Homo­se­xua­li­tät.
    Dro­gen­han­del zer­stört die Men­schen durch Dro­gen­sucht, Abtrei­bung und Homo­se­xua­li­tät durch Selbst­sucht und Sex­sucht, spült viel Geld auf die Kon­ten der Kri­mi­nel­len „Eli­ten“.
    Nie­mand, der nicht mit einem sehr festen Glau­ben und dem Emp­fang vie­ler Sakra­men­te durch unser Eltern-Kita-Schul-Uni­ver­si­täts-Medi­en-Poli­tik-Kir­chen­funk­tio­närs­sy­stem mani­pu­liert wur­de, wird das ver­ste­hen und sich bemü­hen, Chri­stus nach­zu­fol­gen.

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