Schwimmende Bikinikommunion

Neue Form des Kommunionempfangs: schwimmende Bikinikommunion.
Neue Form des Kommunionempfangs: schwimmende Bikinikommunion.

(Rom) Seit der Lit­ur­gie­re­form ste­hen sich zwei For­men des Kom­mu­nion­emp­fangs gegen­über: die ordent­li­che Form der knien­den Mund­kom­mu­ni­on und die Aus­nah­me der ste­hen­den Hand­kom­mu­ni­on. Bekannt­lich wur­de längst aus der Aus­nah­me, von der Mehr­heit der Bischö­fe und des Kle­rus geför­dert, zumin­dest im deut­schen Sprach­raum, die fast allei­ni­ge Form. Damit ist das Reper­toire aber nicht erschöpft. Neu­er­dings gibt es auch die schwim­men­de Biki­ni­kom­mu­ni­on.

Messe am Kai mit Minialtar
Mes­se am Kai mit Minialtar

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag, dem Fest des hei­li­gen Johan­nes des Täu­fers, wur­de in Por­to­no­vo in den Mar­ken eine Hei­li­ge Mes­se am Strand gefei­ert. Por­to­no­vo ist ein Orts­teil von Anco­na und zählt amt­lich nur einen Ein­woh­ner, aller­dings meh­re­re Hotels und Feri­en­häu­ser. Auf den schö­nen Adria­strän­den am Fuß des Mon­te Cor­ne­ro fin­den sich im Som­mer Hun­der­te von Urlau­bern ein.

Um sie zu errei­chen, so offen­sicht­lich die Über­le­gung, zele­brier­te ein Prie­ster die Mes­se auf dem Kai neben dem Haupt­strand. Als impro­vi­sier­ter Altar dien­te ein klei­ner Tisch aus dem Gast­gar­ten der neben­ste­hen­den Bar. Eini­ge von den Bade­gä­sten wohn­ten der Mes­se im Was­ser oder auf Surf­bret­tern bei. Auch die Kom­mu­ni­on spen­de­te der Prie­ster jenen im Was­ser. Dazu muß­te er frei­lich am Kai-Rand in die Hocke gehen. Bequem­lich­keit muß sein – für die Gläubigen.

Nur einen Kilo­me­ter vom Kai ent­fernt steht auf einer klei­nen Anhö­he direkt über dem Strand die Kir­che San­ta Maria di Por­to­no­vo, ein Juwel der Kir­chen­bau­kunst. Sie gilt als ein Mei­ster­werk roma­ni­scher Bau­kunst in Ita­li­en und wird sogar von Dan­te im Can­tus XXI sei­ner Gött­li­chen Komö­die  erwähnt.

Santa Maria di Pontenovo am Monte Cornero
San­ta Maria di Pon­te­no­vo am Mon­te Cornero

An die­sem einst abge­schie­de­nen Ort lie­ßen sich vor tau­send Jah­ren Bene­dik­ti­ner nie­der, die wahr­schein­lich nor­man­ni­scher Her­kunft waren. Sie errich­te­ten die erst­mals 1034 erwähn­te Kir­che und ein Kloster.

Im Klo­ster fand der hei­li­ge Gau­den­ti­us (1018–1042), Bischof von Osor auf der kroa­ti­schen Insel Cres, Zuflucht, der wegen sei­ner Ver­tei­di­gung des Ehe­sa­kra­ments vor ört­li­chen Poten­ta­ten flüch­ten muß­te. Osor, heu­te ein klei­nes Dorf mit nur 73 Ein­woh­nern, war im Mit­tel­al­ter eine bedeu­ten­de Stadt, ehe die Mala­ria ihren Nie­der­gang erzwang. Das ein­sti­ge Bis­tum ist heu­te Teil des Bis­tums Krk. Gau­den­ti­us wur­de vom hei­li­gen Kir­chen­leh­rer Petrus Damia­ni in den Bene­dik­ti­ner­or­den auf­ge­nom­men und trat in das Klo­ster am Mon­te Cor­ne­ro ein.

Nach einem Erd­be­ben und wegen Stein­schlag­ge­fahr gaben die Bene­dik­ti­ner 1320 das Klo­ster auf, das in der Fol­ge von Ere­mi­ten bewohnt wur­de. Ein blu­ti­ger Über­fall mus­li­mi­scher Pira­ten ver­setz­te 1518 auch die­sem geist­li­chen Leben den Gnadenstoß.

Santa Maria di Portonovo vom Berg aus gesehen
San­ta Maria di Por­to­no­vo vom Berg aus gesehen

Die Reste der zer­fal­le­nen Klo­ster­ge­bäu­de wur­den 1811 von den Fran­zo­sen als Bau­ma­te­ri­al zur Errich­tung einer Küsten­forts gegen die Roy­al Navy verwendet.

1837 nahm sich der Mönch und spä­te­re Grün­der der Bene­dik­ti­ner­kon­gre­ga­ti­on von Sub­ia­co, Pie­tro Fran­ces­co Casa­ret­to, der noch vor­han­de­nen Kir­che an. Er zog sich eini­ge Zeit als Ere­mit nach San­ta Maria di Pon­te­no­vo zurück. Er ließ Reno­vie­rungs­ar­bei­ten durch­füh­ren, die den Bestand der Kir­che sicher­ten. Dabei wur­de auch das Grab des hei­li­gen Gau­den­ti­us gefunden.

Ist es zuviel ver­langt, daß die Gläu­bi­gen für eine Drei­vier­tel­stun­de in die Kir­che kom­men, oder ist ihnen auch am Sonn­tag der Strand wichtiger?

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cor­rie­re Adriatico/Wikicommons (Screen­shots)

2 Kommentare

  1. Frü­her war die katho­li­sche Kir­che etwas Gro­ßes und in ihrer alt­ehr­wür­di­gen Tra­di­ti­on Ehr­furcht­ge­bie­ten­des, auch für den Außen­ste­hen­den. Sine ira et stu­dio und ganz nüch­tern betrach­tet, ver­fällt sie in den letz­ten Jahr­zehn­ten. Das ist offen­sicht­lich. Bei Fotos wie die­sem muß man sich fast über­ge­ben. Zumin­dest ent­steht Ekel­reiz. Was sind das für „Prie­ster“, die so etwas tun? Mei­ne trau­ri­ge Pro­gno­se: Der Katho­li­zis­mus wird nur in weni­gen stren­gen Orden, tra­di­tio­na­len Bene­dik­ti­ner­ab­tei­en und klei­nen Gemein­den über­le­ben. Jam­mer­voll ist, daß das gro­ße Erbe auch in sei­ner mate­ria­len Über­lie­fe­rung, äußerst Schand­ba­ren in die Hän­de gege­ben wurde.

  2. Schwie­ri­ge Situa­ti­on. Ich wür­de nicht zu hart zu Gericht gehen mit dem Prie­ster, der ver­sucht „an die Rän­der zu gehen“ und das beste aus der Situa­ti­on im Urlaubs­ge­biet zu machen. Immer­hin han­delt es sich wohl um Gläu­bi­ge und nicht um kri­mi­nel­le Mus­li­me, wie es „von ganz oben“ vor­ex­er­ziert wird.

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