Aus Sekretariat wird Dikasterium

Kommunikationssekretariat
Aus Kommunikationssekretariat wird Kommunikationsdikasterium: Was aber bedeutet die Umbenennung?

(Rom) Die jüng­ste Kuri­en­re­form ist eine Umbe­nen­nung: Das erst vor drei Jah­ren gegrün­de­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­at wur­de von Papst Fran­zis­kus umbe­nannt.

Am 27 Juni 2015 errich­te­te Papst Fran­zis­kus mit dem Motu pro­prio L’attuale con­testo comu­ni­ca­tivo ein eige­nes Dikaste­ri­um für die Kom­mu­ni­ka­ti­on des Vati­kans. Das neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mi­ni­ste­ri­um wur­de von ihm Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­at genannt. Dar­in wur­den schritt­wei­se alle Medi­en des Hei­li­gen Stuhls zusam­men­ge­faßt und eine zen­tra­le Redak­ti­on mit ver­schie­de­nen Sprach­dien­sten geschaf­fen. Ein Ergeb­nis der Neu­ord­nung ist das Nach­rich­ten­por­tal Vati­can News.

Zuletzt wur­de zu Jah­res­be­ginn der Osser­va­to­re Roma­no in das Dikaste­ri­um ein­ge­glie­dert. Dann geriet die Insti­tu­ti­on in einen Skan­dal, der am 19. März 2018 zum Rück­tritt des ersten Prä­fek­ten, Msgr. Dario Edo­ar­do Viganò, führ­te. In sei­nem Bestre­ben, Papst Fran­zis­kus zum fünf­ten Thron­ju­bi­lä­um ein beson­de­res media­les „Geschenk“ zu machen, hat­te sich Viganò zunächst um einen Brief von Bene­dikt XVI. bemüht und die­sen dann ver­zer­rend wie­der­ge­ge­ben, daß inter­na­tio­na­le Pres­se­agen­tu­ren von „Mani­pu­la­ti­on“ und zwei­fel­haf­ter Berufs­ethik spra­chen.

Fran­zis­kus miß­fiel es, den von ihm ein­ge­setz­ten Viganò offi­zi­ell fal­len­las­sen zu müs­sen: er ernann­te bis heu­te kei­nen Nach­fol­ger und stat­te Viganò mit einem Bera­ter­auf­trag für das­sel­be Mini­ste­ri­um aus, von des­sen Spit­ze er soeben zurück­tre­ten muß­te.

Am Sams­tag erfolg­te durch Fran­zis­kus die Umbe­nen­nung des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­ats in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­di­kaste­ri­um. Ein ent­spre­chen­der Beschluß wur­de bereits am ver­gan­ge­nen 27. Febru­ar getrof­fen wor­den, wie es einem Rescrip­tum ex Audi­en­tia von Kuri­en­erz­bi­schof Ange­lo Becciu heißt. Mit der nun erfolg­ten Ver­öf­fent­li­chung in den Acta Apo­sto­li­cae Sedis trat die Bestim­mung in Kraft.

Wel­chen Zweck die Umbe­nen­nung hat, wur­de nicht bekannt­ge­ge­ben. Der­zeit sind kei­ne Kon­se­quen­zen bekannt, die sich aus der Maß­nah­me erge­ben. Aska­news spe­ku­lier­te, daß Fran­zis­kus erst­mals eine Frau an die Spit­ze eines Dikaste­ri­ums beru­fen könn­te. Auf dem Rück­flug aus Genf hat­te der Papst am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag dar­über gespro­chen, mehr Frau­en in „hohe und höch­ste“ Ämter der Römi­schen Kurie beru­fen zu wol­len. Bereits am Vor­tag hat­te Reu­ters berich­tet, Fran­zis­kus fas­se die Ernen­nung einer Frau an die Spit­ze des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­ats ins Auge.

Rang­mä­ßig bedeu­tet die Umbe­nen­nung in ein Dikaste­ri­um eine Zurück­stu­fung. Den höch­sten Rang neh­men Kon­gre­ga­tio­nen ein, die von einem Kar­di­nal gelei­tet wer­den. Laut Aska­news schwe­be dem Papst eine neue Stu­fung vor. Die Lei­tung der Kon­gre­ga­tio­nen sol­le bei den Kar­di­nä­len blei­ben, die Päpst­li­chen Räte soll­ten künf­tig nur mehr von Kuri­en­erz­bi­schö­fen gelei­tet wer­den, und die von ihm ein­ge­führ­ten Dikaste­ri­en könn­ten auch von Lai­en geführt wer­den. Davon gab es bis­her zwei.

  • das Dikaste­ri­um für Lai­en, Fami­lie und Leben;
  • das Dikaste­ri­um für den Dienst zugun­sten der ganz­heit­li­chen Ent­wick­lung des Mensch.

Nun sind es drei mit dem:

  • Dikaste­ri­um für die Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Aller­dings wer­den die bei­den bis­he­ri­gen Dikaste­ri­en auch von Kar­di­nä­len gelei­tet. Ob die von Aska­news genann­te Drei­glie­de­rung (Kar­di­nä­le, Bischö­fe, Lai­en) nur eine exter­ne Ein­flü­ste­rung ist oder tat­säch­lich umge­setzt wer­den soll, muß sich erst noch zei­gen.

Ver­mu­tet wird zudem, daß Fran­zis­kus dem­nächst auch das ande­re von ihm errich­te­te Sekre­ta­ri­at, das mehr oder weni­ger lahm­ge­leg­te Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at umbe­nen­nen und umbau­en könn­te.

Im Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at woll­te Fran­zis­kus Wirt­schaft und Ver­wal­tung des Hei­li­gen Stuhls kon­zen­trie­ren. Dage­gen gab es aber von füh­ren­den Ber­go­glia­nern im Vati­kan, die Zustän­dig­kei­ten abge­ben soll­ten, hef­ti­gen Wider­stand. Fran­zis­kus nahm soviel Rück­sicht auf die Wün­sche sei­ner Unter­stüt­zer, daß er sei­ne eige­ne Reform ampu­tier­te. Kar­di­nal Geor­ge Pell, den Fran­zis­kus eigens aus Austra­li­en nach Rom geholt hat­te, um als Kar­di­nal­prä­fekt das Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at zu lei­ten, fühl­te sich im Stich gelas­sen. Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr stell­te Pell sei­ne Auf­ga­ben in Rom ruhend und kehr­te in sei­ne Hei­mat zurück, um sich Vor­wür­fen im Zusam­men­hang mit sexu­el­len Miß­brauchs­skan­da­len zu stel­len. Der Abgang aus Rom dürf­te ihm, zumin­dest was die römi­schen Erfah­run­gen betraf, nicht beson­ders schwer­ge­fal­len sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can News (Screen­shot)