Fernandez, der Ghostwriter des Papstes, ist nicht mehr Rektor

Victor Manuel Fernandez auf dem Weg zu neuen Aufgaben - in Rom?
Victor Manuel Fernandez auf dem Weg zu neuen Aufgaben - in Rom?

(Bue­nos Aires) Die Päpst­li­che Katho­li­sche Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en erhält mor­gen einen neu­en Rek­tor. Damit endet die Amts­zeit von Msgr. Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez, einem der eng­sten und umstrit­ten­sten Ver­trau­ten von Papst Fran­zis­kus. In Rom fra­gen sich man­che bang: Was aber wer­den sei­ne neu­en Auf­ga­ben sein?

Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez gilt als Ghost­wri­ter von Papst Fran­zis­kus und als ein Alter ego sei­nes argen­ti­ni­schen Lands­man­nes auf dem Papst­thron. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster zählt ihn neben dem Jesui­ten Anto­nio Spa­daro und dem pres­by­te­ria­ni­schen Pastor Mar­ce­lo Figuer­oa zu den zwei­fel­haf­ten „drei Mus­ke­tie­ren des Pap­stes“

Bergoglios Protegé

Kardinal Bergoglio mit Victor Manuel Fernandez
Kar­di­nal Ber­go­glio mit Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez

Am Mon­tag ver­öf­fent­lich­te die Pon­ti­fi­cia Uni­ver­sidad Cato­li­ca Argen­ti­na (UCA) eine Pres­se­er­klä­rung, mit der ein „neu­er Rek­tor der UCA“ ange­kün­digt wird. Laut Erklä­rung habe es eine „zwi­schen Rek­tor Msgr. Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez und dem Groß­kanz­ler, Kar­di­nal Mario Aure­lio Poli, ver­ein­bar­te Amts­zeit“ gege­ben. Kar­di­nal Poli ist der von Papst Fran­zis­kus im April 2013 ernann­te Nach­fol­ger als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires. Der jewei­li­ge Erz­bi­schof von Bue­nos Aires ist auto­ma­tisch auch Groß­kanz­ler der Uni­ver­si­tät.

Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez wur­de 2009 Rek­tor der UCA. Sei­ne Ernen­nung war ein Macht­kampf zwi­schen dem dama­li­gen Erz­bi­schof von Bue­nos Aires, Jor­ge Mario Kar­di­nal Ber­go­glio, und dem Vati­kan. An der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für das katho­li­sche Bil­dungs­we­sen gab es star­ke Beden­ken gegen Fer­nan­dez, des­sen Publi­ka­tio­nen nicht über­zeug­ten, son­dern eini­ge Zwei­fel auf­war­fen. Fer­nan­dez‘ Erst­lings­werk von 1995 trägt den Titel „Hei­le mich durch dei­nen Mund. Die Kunst des Küs­sens“. Magi­ster schrieb im Som­mer 2017:

„Es ver­wun­dert nicht, daß Rom nach die­sem Buch und wei­te­ren nicht weni­ger umstrit­te­nen Buch­pro­duk­tio­nen ein Veto gegen die Ernen­nung von Fer­nan­dez zum Rek­tor der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en ein­leg­te.“

2004 und 2005 ver­öf­fent­lich­te er Auf­sät­ze, in denen er die Situa­ti­ons­ethik ver­tei­dig­te. Der Ein­fluß des päpst­li­chen „Aug­ap­fels“ auf Ber­go­glio wür­de eine eige­ne Unter­su­chung ver­die­nen.

Kar­di­nal Ber­go­glio hielt jedoch hart­näckig an der Ernen­nung sei­nes Ver­trau­ten zum Uni­ver­si­täts­rek­tor fest und setz­te sich damit gegen Rom durch, das dem Wil­len des Jesui­ten „an der Peri­phe­rie“ beug­te.

Doch damit nicht genug: Als Ber­go­glio vier Jah­re spä­ter zum Papst gewählt wur­de, räch­te er sich an den römi­schen Wider­sa­chern in die­sem Macht­kampf. Demon­stra­tiv ernann­te er Fer­nan­dez als eine sei­ner ersten Per­so­nal­ent­schei­dun­gen zum Titu­lar­erz­bi­schof. Gleich­zei­tig setz­te er die römi­schen Kon­tra­hen­ten vor die Tür. Weni­ge Mona­te nach sei­ner Wahl ent­ließ er neun Mit­glie­der der Bil­dungs­kon­gre­ga­ti­on.

Und noch mehr: Mit der Per­so­nal­ak­te Fer­nan­dez war 2009 der fran­zö­si­sche Domi­ni­ka­ner, Kuri­en­erz­bi­schof Jean-Lou­is Bru­guès, befaßt. Msgr. Bru­gués war damals Sekre­tär der Bil­dungs­kon­gre­ga­ti­on und äußer­te Zwei­fel und Beden­ken gegen die Ernen­nung von Fer­nan­dez zum Rek­tor. Papst Bene­dikt XVI., der den Domi­ni­ka­ner schätz­te, mach­te ihn Ende 2012 zum Archi­var und Biblio­the­kar der Hei­li­gen Römi­schen Kir­che. Die­ses Amt, das „Gedächt­nis“ der Kir­che, ist tra­di­tio­nell mit der Kar­di­nal­s­wür­de ver­bun­den. Doch die­se wird Bru­gués seit­her von einem nach­tra­gen­den Fran­zis­kus ver­wei­gert.

Der päpstliche Ghostwriter

Seit Kar­di­nal Ber­go­glio als Papst Fran­zis­kus nach Rom wech­sel­te, pen­delt auch Fer­nan­dez zwi­schen Bue­nos Aires und dem Vati­kan. Er gilt als der eigent­li­che Reden­schrei­ber des Pap­stes. Um genau zu sein, ver­brach­te er in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr Zeit in Rom als in Bue­nos Aires.

Als Bera­ter von Papst Fran­zis­kus fiel Msgr. Fer­nan­dez vor allem durch frag­wür­di­ge Bei­trä­ge auf.

Fer­nan­dez gehör­te dem Redak­ti­ons­team für Amo­ris lae­ti­tia an. Gan­ze Absät­ze des beson­ders umstrit­te­nen ach­ten Kapi­tels, „mit dem Papst Fran­zis­kus die Kir­che am mei­sten erschüt­tert hat“, so Magi­ster im Vor­jahr, stam­men aus älte­ren Schrif­ten von Fer­nan­dez. Ähn­li­che Text­spen­den fin­den sich auch in ande­ren päpst­li­chen Doku­men­ten.

Victor Manuel Fernandez
Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez, Alter ego von Fran­zis­kus

Im Som­mer 2017 wur­de ein Auf­satz des Pro­te­gés des Pap­stes in der Zeit­schrift Medel­lín ver­öf­fent­licht. Dort ließ Fer­nan­dez gewis­ser­ma­ßen die Kat­ze aus dem Sack, indem er aus­brei­te­te, was bis dahin vom päpst­li­chen Umfeld vehe­ment bestrit­ten wur­de: Fast andert­halb Jah­re nach Ver­öf­fent­li­chung des nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia gab Fer­nan­dez zu, daß Papst Fran­zis­kus damit die „Dis­zi­plin“ der Kir­che ändern will und auch geän­dert habe. Bis­her war aus dem päpst­li­chen Umfeld gegen­über Kri­ti­kern mit Nach­druck behaup­tet wor­den, es ände­re sich „nichts“.

Beden­ken von katho­li­schen Theo­lo­gen, Intel­lek­tu­el­len, Bischö­fen und Prie­stern zu Amo­ris lae­ti­tia, so die  von vier Kar­di­nä­le, tat Fer­nan­dez im Dezem­ber 2016 als „ultra­ka­tho­li­sche“ Zwi­schen­ru­fe ab. Die Kir­che sei schließ­lich „kei­ne Kano­ne, die siche­re Leh­ren abfeu­ert“.

Am 12. August 2017 sprach er in einem Inter­view mit der argen­ti­ni­schen Zei­tung La Voz del Inte­rior von einem „neu­en Orga­ni­sa­ti­ons­ty­pus in den Pfar­rei­en“. Den Zöli­bat bezeich­ne­te er als blo­ße „Norm“ der Kir­che. Kri­tik am Zöli­bat sei mit der Wahr­neh­mung der Zustän­dig­kei­ten eines Pfar­rers als „Macht“ ver­bun­den. Daher soll­ten neu­en Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren für Pfar­rei­en geschaf­fen wer­den, indem die „Macht“ an Lai­en, „Män­ner und Frau­en“ über­ge­he. Dann „stö­re“ es weni­ger, daß es in den Pfar­rei­en „der Prie­ster zöli­ba­tär“ lebt, was dann auch „weni­ger in Fra­ge gestellt wird“.

Der neue Rektor – und die neuen Aufgaben des Alten?

Neu­er Rek­tor der 1958 gegrün­de­ten UCA wird Miguel Angel Schia­vo­ne, der bereits vom Hei­li­gen Stuhl bestä­tigt wur­de. Am mor­gi­gen Mar­kus­tag tritt der Arzt und erste Laie an der Spit­ze der Uni­ver­si­tät sein Amt als 6. Rek­tor in der Geschich­te der UCA an. Die offi­zi­el­le Ange­lo­bung mit einer aka­de­mi­schen Fei­er wird am 9. Mai statt­fin­den.

Fer­nan­dez ver­ab­schie­det sich heu­te mit der Zele­bra­ti­on einer Mes­se von der Uni­ver­si­tät.

Die Fra­ge ist: Wel­che neu­en Auf­ga­ben wird Fer­nan­dez nun über­neh­men?

Der „gefühl­te“ Ein­fluß von „Tucho“, wie ihn Freun­de nen­nen, ist so groß, daß er nach der Ent­las­sung von Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler sogar gerüch­te­wei­se als neu­er Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on nicht aus­ge­schlos­sen wur­de.

Da er sich bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr in Rom als in Argen­ti­ni­en auf­hielt, um Papst Fran­zis­kus zu bera­ten und für ihn zu tex­ten, muß mit noch mehr Fer­nan­dez im Vati­kan gerech­net wer­den.

Offi­zi­ell heißt es bis­her nur, der schei­den­de Rek­tor wer­de dem neu­en Rek­tor unter­stüt­zend zur Sei­te ste­hen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Rora­te Coeli/Fratres in unum/Cope (Screen­shots)