Kardinal Burke: „Untragbare Situation“

Kardinal Burke

(Rom) „Was mit dem jüng­sten Inter­view pas­siert ist, das Euge­nio Scal­fa­ri in der Kar­wo­che gege­ben und am Grün­don­ners­tag ver­öf­fent­licht wur­de, geht über das erträg­li­che Maß hin­aus“, sag­te Kar­di­nal Bur­ke in einem gestern von Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­da­na (NBQ) ver­öf­fent­lich­ten Inter­view.

„Daß ein bekann­ter Athe­ist den Anspruch erhebt, eine Revo­lu­ti­on in der Leh­re der katho­li­schen Kir­che zu ver­kün­den, und dabei behaup­tet, im Namen des Pap­stes zu spre­chen und die Unsterb­lich­keit der mensch­li­chen See­le und die Exi­stenz der Höl­le zu leug­nen, ist ein schwer­wie­gen­der Skan­dal nicht nur für vie­le Katho­li­ken, son­dern auch für vie­le Lai­zi­sten, die Respekt für die katho­li­sche Kir­che und ihre Leh­re emp­fin­den, auch wenn sie die­se nicht tei­len.“

So der US-ame­ri­ka­ni­sche Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke im Gespräch mit Ric­car­do Cascio­li, dem Chef­re­dak­teur von NBQ. Kar­di­nal Bur­ke ist einer der vier Unter­zeich­ner der Dubia (Zwei­fel) zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia.

„Auf höchster kirchlicher Ebene wird mit dem Glauben und der Doktrin gespielt“

„Zudem war die Ant­wort des Hei­li­gen Stuhls auf die ent­setz­ten Reak­tio­nen, die aus aller Welt ein­gin­gen, in hohem Maße unge­eig­net. Anstatt klar und deut­lich die Wahr­heit über die Unsterb­lich­keit der mensch­li­chen See­le und über die Höl­le zu bekräf­ti­gen, steht in der Gegen­dar­stel­lung ledig­lich, daß eini­ge zitier­te Wor­te nicht direkt vom Papst stam­men. Es steht dort aber nicht, daß die fal­schen, ja sogar häre­ti­schen Ideen, die mit die­sen Wor­ten aus­ge­drückt wur­den, vom Papst nicht geteilt wer­den, und daß der Papst die­se Ideen zurück­weist, weil sie im Wider­spruch zum katho­li­schen Glau­ben ste­hen. Die­ses Spie­len mit dem Glau­ben und der Dok­trin auf höch­ster kirch­li­cher Ebe­ne, ist zu Recht für Hir­ten und Gläu­bi­ge ein Skan­dal.“

„Höchste Kirchenvertreter phantasieren von einer ’neuen Kirche‘ “

Cascio­li frag­te Kar­di­nal Bur­ke, was er zum Schwei­gen vie­ler Hir­ten meint.

„Die Situa­ti­on wird durch das Schwei­gen vie­ler Bischö­fe und Kar­di­nä­le, die mit dem Papst die Obsor­ge für die Welt­kir­che tei­len, zusätz­lich ver­schärft. Eini­ge sind ein­fach nur still. Ande­re tun so, als gäbe es nichts Schwer­wie­gen­des. Noch ande­re ver­brei­ten Phan­ta­sien von einer neu­en Kir­che, einer Kir­che, die eine völ­lig ande­re Rich­tung als in der Ver­gan­gen­heit ein­schlägt. So phan­ta­sie­ren sie zum Bei­spiel von einem ’neu­en Para­dig­ma‘ für die Kir­che oder von einer radi­ka­len Umkehr der pasto­ra­len Pra­xis der Kir­che, die völ­lig neu wer­de. Dann gibt es jene, die begei­ster­te Pro­mo­to­ren einer soge­nann­ten Revo­lu­ti­on in der katho­li­schen Kir­che sind. Die Gläu­bi­gen, die die Schwe­re der Situa­ti­on erken­nen, füh­len sich durch die feh­len­de Anlei­tung durch ihre Hir­ten in Glau­bens­leh­re und Ord­nung ori­en­tie­rungs­los. Die Gläu­bi­gen, die die Schwe­re der Situa­ti­on nicht erken­nen, führt die­se Unter­las­sung durch die Hir­ten in Ver­wir­rung und macht sie mög­li­cher­wei­se sogar zu Opfern schäd­li­cher Irr­tü­mer für ihre See­le. Vie­le, die, nach­dem sie in einer pro­te­stan­ti­schen, kirch­li­chen Gemein­schaft getauft wor­den waren, in die vol­le Ein­heit mit der katho­li­schen Kir­che getre­ten sind, weil ihre kirch­li­che Gemein­schaf­ten den apo­sto­li­schen Glau­ben auf­ge­ge­ben haben, lei­den mas­siv unter die­ser Situa­ti­on: Sie neh­men wahr, daß die katho­li­sche Kir­che sich in die­sel­be Rich­tung der Glau­bens­auf­ga­be bewegt.“

Und wei­ter:

„Die­se gan­ze Situa­ti­on läßt sich immer mehr über die Bot­schaft der Got­tes­mut­ter in Fati­ma nach­den­ken, die uns vor dem Übel des Glau­bens­ab­falls in der Kir­che warnt – was noch weit schwer­wie­gen­der ist als die schwer­wie­gend­sten Übel, die durch den athe­isti­schen Kom­mu­nis­mus ver­brei­tet wer­den. Die Num­mer 675 des Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che lehrt uns: ‚Vor dem Kom­men Chri­sti muß die Kir­che eine letz­te Prü­fung durch­ma­chen, die den Glau­ben vie­ler erschüt­tern wird. Die Ver­fol­gung, die ihre Pil­ger­schaft auf Erden beglei­tet, wird das Myste­ri­um der Bos­heit ent­hül­len: Ein reli­giö­ser Lügen­wahn bringt den Men­schen um den Preis ihres Abfalls von der Wahr­heit eine Schein­lö­sung ihrer Pro­ble­me‘.“

Kar­di­nal Bur­ke nennt mög­li­che Initia­ti­ven, die zu ergrei­fen sind:

„In einer sol­chen Situa­ti­on haben die Bischö­fe und die Kar­di­nä­le die Pflicht, die wah­re Leh­re zu ver­kün­den. Zugleich müs­sen sie die Gläu­bi­gen zur Süh­ne wegen der Belei­di­gun­gen von Chri­stus anlei­ten und wegen der Sei­nem mysti­schen Leib, der Kir­che, zuge­füg­ten Ver­let­zun­gen, wenn der Glau­be und die Ord­nung von den Hir­ten nicht auf rech­te Wei­se gewahrt und geför­dert wer­den. Der gro­ße Kir­chen­recht­ler des 13. Jahr­hun­derts Hein­rich von Susa oder Hosti­en­sis sag­te, als er die schwie­ri­ge Frag behan­del­te, wie ein Papst zurecht­zu­wei­sen ist, der im Wider­spruch zu sei­nem Amt han­delt, daß das Kar­di­nals­kol­le­gi­um eine De-fac­to-Kon­trol­le gegen den päpst­li­chen Irr­tum aus­übt.“

Dar­aus fol­ge:

„Wenn der Papst sein Amt nicht zum Wohl aller See­len aus­übt, besteht nicht nur die Mög­lich­keit, son­dern die Not­wen­dig­keit, den Papst zu kri­ti­sie­ren. Die­se Kri­tik muß der Leh­re Chri­sti von der brü­der­li­chen Zurecht­wei­sung fol­gen (Mt 18,15–18). Zuerst muß der Gläu­bi­ge oder Hir­te sei­ne Kri­tik in pri­va­ter Form vor­brin­gen, sodaß der Papst die Mög­lich­keit hat, sich zu kor­ri­gie­ren. Wenn der Papst sich aber wei­gert, sei­ne Art zu leh­ren oder schwer feh­ler­haft zu han­deln, zu kor­ri­gie­ren, muß die Kri­tik öffent­lich gemacht wer­den, weil es um das All­ge­mein­wohl der Kir­che und der Welt geht. Eini­ge haben jene kri­ti­siert, die den Papst öffent­lich kri­ti­siert haben, und die­se Kri­tik als Aus­druck der Rebel­li­on und des Unge­hor­sams hin­ge­stellt. Doch mit dem sei­nem Amt geschul­de­ten Respekt das Kor­ri­gie­ren einer Ver­wir­rung oder eines Irr­tums Irr­tums zu ver­lan­gen, ist kein Akt des Unge­hor­sams, son­dern ein Akt des Gehor­sams gegen­über Chri­stus und daher auch gegen­über Sei­nem Stell­ver­tre­ter auf Erden.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

4 Kommentare

  1. Das Unter­gra­ben der kirch­li­chen Leh­re mit­tels eines aussen­ste­hen­den, erklär­ten Athe­isten, dem der Papst per­sön­lich (!) Inter­views zu Lehr- und Glau­bens­fra­gen gewährt, und der die­se wie­der­holt öffent­lich, in der kirch­li­chen Leh­re offen wie­der­spre­chen­de Mei­nun­gen des amtie­ren­den Pap­stes (!) lan­ciert, ohne dass es den Bruch der Bezie­hung nach sich zöge, schlägt dem Fass den Boden aus. Man fragt sich, hat in der katho­li­schen Kir­che ein Papst Nar­ren­frei­heit? Gibt es überhapt etwas, was ihn in einer mög­li­chen Hybris auf­hal­ten könn­te? Wenn nein, steht damit nichts weni­ger als das Papst­amt zur Dis­po­si­ti­on. Viel­leicht ist das Gan­ze sogar ein per­fi­des Spiel, um das Papst­amt für die Zukunft ret­tungs­los zu des­avoie­ren. Man kann es nicht mehr aus­schlie­ssen. An Unmög­lich­keit, ist ein der­ar­ti­ges Vor­ge­hen nicht mehr zu über­bie­ten. Da ret­tet auch das Fran­zis­kus-Wer­be­buch des Jesui­ten Bat­logg nichts mehr. Es ist offen­kun­dig ein Tief­punkt erreicht.

  2. Hof­fent­lich been­det der Fran­zis­kus sei­ne Amts­zeit bald um nicht noch mehr die Ver­wir­rung zu stif­ten. Durch die gewoll­te Spal­tung lei­den die wah­ren Katho­li­ker und die Kir­che hat auch vie­le Gläu­bi­ge ver­lo­ren. Am mei­sten sind in der Höl­le die, die nicht an die Höl­le glau­ben. Das hat auch der Kar­di­nal Marx gesagt, dass er nicht an die Höl­le glaubt. Der gan­zer Him­mel weint um eine ver­lo­re­ne für die Ewig­keit See­le. Wir müs­sen immer unse­re Kreu­ze auf­op­fern für die Frei­mau­rer, der ver­stor­be­ne Kar­di­nal Leh­man wur­de geret­tet vor eigen Pein in der Höl­le, sei­ne See­le befin­det sich im tief­sten Fege­feu­er durch die Gebe­te und Auf­op­fe­rung der Süh­ne­see­len.

    • „sei­ne See­le befin­det sich“
      Sagen kann das jeder. Mich erstaunt nur, mit wel­cher Selbst­si­cher­heit die­se genaue See­len­ver­or­tung kom­mu­ni­ziert wird.

  3. An und für sich ist das ein von mir lan­ge erhoff­ter Fron­tal­an­griff eines nicht pflicht­ver­ges­se­nen Kar­di­nals gegen die­sen Papst. Das ist doch wahr­lich kei­ne Klei­nig­keit. Und was pas­siert? Nichts! Anschei­nend wis­sen nur wir Kath-Info-Leser davon. Über­all busi­ness as usu­al.
    Die Lage ist gespen­stisch.

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