Portugiesische Diözese gibt Vaterschaft eines Priesters bekannt

Priesterzölibat Portugal La Croix
Die Vaterschaft eines portugiesischen Priesters und der Priesterzölibat.

(Lissabon) Die portugiesische Kirche hat die Existenz verschiedener Priester eingeräumt, die Väter von Kindern sind. Die Zeitung der französischen Bischöfe nützt die Gelegenheit, um nur halb versteckte Pfeile gegen den Priesterzölibat abzufeuern.

„Die Vaterschaft von Priestern ist eine heikle Angelegenheit und ein Tabu, weil es keine gültige Beistimmung für die ganze Kirche gibt.“

Mit diesen Worten beschreibt La Croix, die Tageszeitung der Französischen Bischofskonferenz auf etwas ungewöhnliche Weise einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Priesterzölibat. Die Zeitung berichtete die Meldung sowohl in ihrer französischen als auch in ihrer spanischen Ausgabe.

Vaterschaft anerkannt

Der Bischof von Funchal auf der portugiesischen Insel Madeira erlaubt einem seiner Priester, der die Vaterschaft eines Mädchens anerkannte, die im Sommer 2017 geboren wurde, weiterhin sein priesterliches Amt auszuüben, nunmehr allerdings „zu den von der Kirche verlangten Bedingungen“. Mit anderen Worten, er solle sein Keuschheitsversprechen einhalten.

Die Entscheidung löste in Portugal zahlreiche Reaktionen aus.

Die Frage der Priesterkinder ist in der Tat heikel und offenbart, daß ein Verstoß gegen den Priesterzölibat schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann, nicht nur für den Priester selbst, sondern in besonderer Weise auch für die Mutter und die Kinder.

Manche Diözesen zahlen die Alimente für die Kinder, die von inkardinierten Priestern gezeugt wurden. Die Angelegenheiten werden vertraulich behandelt, weil die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu wahren sind und die Kirchenverantwortlichen zu Recht fürchten, die Betroffenen und die Kirche der zersetzenden Sensationsgier der Medien auszusetzen. Die Kirche kennt, was die Zölibatsverletzung betrifft, die Sündenvergebung. Wenn Kinder gezeugt werden, ergeben sich jedoch zahlreiche weitere Fragen, die mit Verantwortung zu tun haben. Damit kann viel Schmerzhaftes verbunden sein.

Der Priester Giselo Andrade, Pfarrer von Nossa Senhora do Monte, erkannte im vergangenen November 2017 die Vaterschaft eines Mädchens an, das im August geboren wurde. Die Diözese Funchal, die davon betroffen ist, erklärte, daß „die Kirche ein Ort der Barmherzigkeit ist, und Gott allen vergibt“, aber ein Doppelleben nicht dulde.

Niemand wird gezwungen, Priester zu werden

Nach einer Zeit der Unterscheidung gab Msgr. Antonio José Cavaco Carrilho, der Bischof von Funchal, in Absprache mit Andrade eine Entscheidung bekannt: Andrade wird von seiner Pfarrei entbunden, darf aber seinen priesterlichen Dienst weiterhin ausüben. In welchem Bereich genau das der Fall sein wird, wurde noch nicht gesagt, dürfte aber mit dem Kommunikationssektor zu tun haben. In jedem Fall habe Andrade, so der Bischof, seine Verantwortung als Vater zu übernehmen.

Der Fall sei eine „Gelegenheit“ gewesen, so die Diözese, um über die „derzeitige Disziplin der Kirche in Sachen Priesterzölibat nachzudenken“:

„Die Kirche ist nicht statisch, sondern dynamisch. Sie hat eine Geschichte, die es ihr erlaubt, die Werte und die Schwächen ihrer Präsenz in der Gesellschaft zu erkennen und zu bewerten, im Positiven wie im Negativen. Veränderungen erfolgen aber nicht, weil es gerade populär wäre oder weil es Mehrheitsmeinung ist.“

Die Diözese betonte in ihrer Erklärung, daß jeder Priesteramtskandidat sich aus freien Stücken zum Priester weihen lasse und aus freien Stücken ein Zölibatsversprechen ablegt. Mit anderen Worten, niemand wird gezwungen, Priester zu werden. Wer aber Priester wird, habe sich an den damit verbundenen Priesterzölibat zu halten. Dieser Umstand sei allen Priesterkandidaten hinreichend bekannt.

Irische Richtlinien und Kardinal Bergoglios „Naturrecht vor Priesterrecht“

Bereits im vergangenen November hatten die portugiesischen Bischöfe wegen des Falls Andrade zugegeben, daß es ähnliche Fälle gibt. Der Patriarch von Lissabon erklärte, daß Priester, die sich der Untreue gegenüber ihrem Zölibatsversprechen schuldig gemacht haben, die Verantwortung tragen müßten. Wenn die nötige Reue gegeben sei, und der feste Wille zur Umkehr, könne der priesterliche Dienst fortgesetzt werden.

In Irland hatte ein Psychologe erstritten, seinen Vater, ein Priester, kennenlernen zu können. Die Irische Bischofskonferenz veröffentlichte daraufhin im Frühjahr 2017 Richtlinien für Priester, die nach der Priesterweihe Vater werden. Dabei geht es vor allem um klare Verhaltensregeln, was die Verantwortung gegenüber dem Kind und der Mutter anbelangt.

Als Papst Franziskus noch Erzbischof von Buenos Aires war, galt in der Sache ein klarer Standpunkt. Er verlangte von Priestern, die Vater wurden, daß sie sich laisieren lassen. Im Gesprächsbuch mit seinem Freund, Rabbi Abraham Skorka, nahm er dazu Stellung. „Das Naturecht kommt vor seinem Recht als Priester“, heißt dort. Deshalb habe ein solcher Priester seinen Dienst aufzugeben und sich um sein Kind zu kümmern, „selbst dann, wenn er die Mutter nicht heiraten sollte“. So wie ein Kind ein Recht auf eine Mutter habe, so habe es auch ein Recht auf einen Vater. „Wenn ein Priester mir sagt, daß er sich von der Leidenschaft habe hinreißen lassen, daß er einen Fehler begangen habe, helfe ich ihm, sich zu bessern. Das heißt: Buße zu tun und den Zölibat einzuhalten, denn ein Doppelleben tut nicht gut.“

Die kleinen Seitenhiebe von La Croix

Der La Croix-Bericht läßt allerdings nicht nur am Beginn, sondern auch am Ende erkennen, daß die Geschichte des portugiesischen Priesters Andrade auch deshalb erzählt wird, um den Priesterzölibat in Nebensätzen in Zweifel zu ziehen.

Am Ende des Artikels heißt es, die Vaterschaft von Priestern sei in der Kirche ein „Tabu“. Dazu wird den Lesern der irrige Eindruck vermittelt, den Priesterzölibat gebe es erst „seit dem Mittelalter“. Und schließlich wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Zölibat nur die Priester der Westkirche, aber nicht der Ostkirche betrifft, die „heiraten und Kinder haben können“.

Der Artikel der Zeitung der Französischen Bischofskonferenz stellt ein Beispiel dar, wie derzeit auch offiziöse katholische Medien die Disziplin des Priesterzölibats mehr oder weniger elegant untergraben. Die Amazonassynode wird zwar nicht erwähnt, scheint aber bei manchem Satz Pate gestanden zu haben.

Eine ernsthafte Verteidigung des Priesterzölibats sieht jedenfalls anders aus. In offiziellen kirchlichen Medien kann man sie, zumindest in Europa, kaum mehr finden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: La Croix en espanol (Screenshot)

3 Kommentare

  1. Wo Menschen am Werk sind, menschelt es. Das ist überall so. Da muss man eine vernünftige Lösungen finden. Als Argument für oder gegen den Zölibat ist so ein Fall nicht geeignet.

  2. In den 80er Jahren kam in den bundesdeutschen Medien wirklich dauernd etwas über geheime Priesterfrauen und – kinder; es hieß immer wieder 1/3 bis 3/4 der Zölibatären hätten klandestine Beziehungen zu Frauen, z.B. ihren Haushälterinnen. Seit ein paar Jahren heißt es, 10% bis 80% des Klerus wäre homosexuell, würde das mehr oder weniger geheim oder offen leben. Nun wird einem, besonders widerlich, von den Mainstreammedien nahegelegt, ein Großteil wäre auch pädophil, ja das gehörte zum „institutionell Unbewußten“ der Kirche; man liest von ungeheuren Fallzahlen. Wenn ich von all dem eine Schnittmenge bilde, müßten ausgerechnet die freiwillig ehelosen Kleriker zu einer weit über dem Durchschnitt der Bevölkerung, insbesondere der mir bekannten, ja weit über alle Maßen sexuell aktiven Gruppe gehören. Gradezu extrem triebstark hervorstehen! Aber das wäre nicht nur absurd, sondern passt auch nicht so ganz zu dem, was ich wahrnehme und höre – und ich bin durchaus klatschaffin und skeptisch! Also: ganz so schlimm mag es vielleicht noch nicht sein, wenn das Bild der gegenwärtigen Geistlichkeit auch trostlos ist, so horribel wie die antikatholischen Medien es interessengeleitet gern hätten?

  3. Die Zeitung LaCroix hat ein kurzes Gedächtnis.
    In dem katholizisilieu in Frankreich war noch bis in den 80er Jahren die Erinnerung an den mittelalterlichem Priester-Philosoph Abaelard und an seine tollverliebte Héloîse wach:
    Der Hl. Bernhard von Clairvaux prangerte dies an und Héloîses Brüder schritten zur Tat : keine Laizisierung sondern Kastration.
    Ich erinnere mich übrigens (bei einem hartgesottenem präkonziliären Bauer) an einem braven braunen Wallach mit diesem Namen…

Schreibe einen Kommentar zu Adrien Antoine Antworten abbrechen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*