Linkes Urgestein wird Karikaturist der Zeitung der Bischöfe

Sergio Stiano, Ehrenvorsitzender der Union der Atheisten und Agnostiker, wird neuer Karikaturist des "Avvenire", der Tageszeitung der Italienischen Bischofskonferenz.
Sergio Stiano, Ehrenvorsitzender der Union der Atheisten und Agnostiker, wird neuer Karikaturist des "Avvenire", der Tageszeitung der Italienischen Bischofskonferenz.

(Rom) Die Tages­zei­tung Avve­ni­re gehört der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Chef­re­dak­teur ist seit 2009 Mar­co Tar­qui­nio. Die Auf­la­ge liegt bei 140.000 Exem­pla­ren. Ab nun wird jeden Sonn­tag ein unge­wöhn­li­cher Kari­ka­tu­rist die Titel­sei­te mit­ge­stal­ten.

Der Spiritus rector der Zeitung

Das Sagen in der Zei­tung hat seit 2014 Bischof Nun­zio Galan­ti­no. Der dama­li­ge Bischof von Cassa­no all’Jonio wur­de am 28. Dezem­ber 2013 von Papst Fran­zis­kus  zum Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­kon­fe­renz ernannt. Seit­her ist er dort der „Mann des Pap­stes“. Zu sei­nem Zustän­dig­keits­be­reich gehö­ren die Medi­en der Bischö­fe.

Von Galan­ti­no wur­den 2016 im Hin­ter­grund die Gesprä­che mit der ita­lie­ni­schen Links­re­gie­rung in Sachen Lega­li­sie­rung der „Homo-Ehe“ geführt. Gleich­zei­tig zeig­te der Vati­kan der Bür­ger­be­we­gung gegen die „Homo-Ehe“ und die Ein­füh­rung der Gen­der-Ideo­lo­gie an den Schu­len die kal­te Schul­ter. Die Orga­ni­sa­to­ren des Fami­ly Day brach­ten im Juni 2015 in ganz Ita­li­en eine Mil­li­on Men­schen und im Janu­ar 2016 zwei Mil­lio­nen Men­schen auf die Stra­ße, die für die Ehe und die Fami­lie ihre Stim­me erho­ben. Aus dem Vati­kan kam jedoch kein Zei­chen des Wohl­wol­lens.

In einer Kate­che­se beim Welt­ju­gend­tag in Kra­kau behaup­te­te Msgr. Galan­ti­no am 24. Juli 2016, daß Sodom „geret­tet“ wur­de. Wört­lich sag­te der Gene­ral­se­kre­tär der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz vor Jugend­li­chen:

„Sodom „war eine Stadt, auf die nie­mand irgend etwas ver­wet­tet hät­te, außer Abra­ham. Sein Bitt­ge­bet und sein Wunsch zu wagen, ret­ten Sodom. Die Stadt wird geret­tet, weil es Gerech­te gibt, auch wenn es nur weni­ge sind: aber die Stadt ist geret­tet, vor allem weil es Abra­ham gibt, den Mann des Gebets, der nicht den uner­bitt­li­chen Anklä­ger macht, der nicht gegen, son­dern für redet. Abra­ham, der Mann des Gebets, klagt nicht die Mis­se­ta­ten an, son­dern ver­kün­det die Mög­lich­keit von etwas Neu­em.“

In Wirk­lich­keit berich­tet die Bibel (Gene­sis 18–19), daß die Städ­te Sodom und Gomor­rha wegen der Sün­den ihrer Bewoh­ner von Gott zer­stört wur­den. Als Sün­de wird dabei aus­drück­lich Homo­se­xua­li­tät genannt, die im der­zeit statt­fin­den­den Kul­tur­kampf eine zen­tra­le Rol­le spielt.

Sergio Staino, Urgestein der radikalen Linken

Künf­tig wird der Avve­ni­re einen neu­en Kari­ka­tu­ri­sten beschäf­ti­gen: Ser­gio Stai­no. Ein erstaun­li­cher Neu­zu­gang für die Zei­tung der Bischö­fe. Stai­nos Kari­ka­tur „Bobo“ ist seit Jahr­zehn­ten so etwas wie eine Psy­cho­couch der ita­lie­ni­schen Lin­ken. Von Sep­tem­ber 2016 bis April 2017 war er Chef­re­dak­teur der tra­di­ti­ons­rei­chen kom­mu­ni­sti­schen Par­tei­zei­tung L’Unità .

"Bobo", Stianos linke Kultfigur.
„Bobo“, Stai­nos lin­ke Kult­fi­gur.

Die Unità  (Die Ein­heit) wur­de 1924 von Anto­nio Gram­sci, dem dama­li­gen ZK-Vor­sit­zen­den der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens (KPI) als Par­tei­or­gan gegrün­det. Als 1991 das Ende der Sowjet­uni­on kam und die KPI in Par­tei der Demo­kra­ti­schen Lin­ken (PDS) und 1998 in Links­de­mo­kra­ten (DS) umbe­nannt wur­de, blieb die Unità  deren Par­tei­or­gan. Nach Stai­nos Rück­tritt wur­de die Zei­tung im Juni 2017 in Demo­cra­ti­ca umbe­nannt.

1961 wur­de er Mit­glied der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei, 1969 Funk­tio­när der sta­li­ni­stisch-mao­isti­schen Links­ab­spal­tung Mar­xi­stisch-Leni­ni­sti­sche Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Ita­li­ens (PCIML). Er kehr­te nach eini­gen Jah­ren in die KPI zurück und ist noch heu­te Mit­glied der links­de­mo­kra­ti­schen Nach­fol­ge­par­tei, die seit 2013 Ita­li­ens Mini­ster­prä­si­dent stellt. 2009 kan­di­dier­te Stai­no den­noch bei den Euro­pa­wah­len für die radi­ka­le Lin­ke aus Alt-Kom­mu­ni­sten und Grü­nen, was ihm fast den Raus­wurf bei den Links­de­mo­kra­ten ein­brach­te.

Ehrenvorsitzender der Union der Atheisten und Agnostiker

Stai­no, bekannt für sei­ne anti­kle­ri­ka­len Posi­tio­nen, ist auch Ehren­vor­sit­zen­der der Uni­on der ratio­na­li­sti­schen Athe­isten und Agno­sti­ker (UAAR). Die UAAR ist die ita­lie­ni­sche Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on des Huma­ni­sti­schen Ver­ban­des Deutsch­lands, der Gior­da­no-Bru­no-Stif­tung, der Frei­den­ker-Ver­ei­ni­gung der Schweiz und des Frei­den­ker­bun­des Öster­reichs. Sei­ne Kari­ka­tu­ren erschei­nen auch im UAAR-Haus­blatt L’A­teo (Der Athe­ist). Eine UAAR-Akti­on war die Auto­bus­wer­bung mit der Auf­schrift:

„Die schlech­te Nach­richt ist, daß es kei­nen Gott gibt. Die gute Nach­richt ist, daß Du ihn nicht brauchst.“

„Humor ist, wenn man trotz­dem lacht“, besagt eine Redens­art. Sie scheint wie auf die Beru­fung Stai­nos zur Zei­tung der Bischö­fe zuge­schnit­ten.

Jede Woche wird Stai­no künf­tig im Avve­ni­re eine Kari­ka­tur ver­öf­fent­li­chen und dies sin­ni­ger­wei­se auf der Titel­sei­te der Sonn­tags­aus­ga­be.

Sar­ka­stisch mein­te dazu der katho­li­sche Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti:

„Dann hof­fen wir, daß sie wenig­stens anti­kle­ri­kal ist.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Freedom (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Mit Ver­laub, Nach­rich­ten wie die­se schei­nen nicht mehr in das Gebiet der Theo­lo­gie zu pas­sen, Psych­ia­trie scheint mir hier ange­mes­se­ner. Eine ande­re Mög­lich­keit sprach der katho­li­sche Phi­lo­soph Prof. Dr. von Hil­de­brand in sei­nem Werk „Der ver­wü­ste­te Wein­berg“ bereits 1973 an: „Wenn es sich gar um unse­re Hal­tung zu allen Ver­fü­gun­gen eines Bischofs han­delt, so wäre die­se Loya­li­tät ein Unrecht in einer Zeit, in der eine „Fünf­te Kolon­ne“ in der Kir­che exi­stiert, zu der auch Bischö­fe gehö­ren und in der auch vie­le Bischö­fe, obwohl sie nicht selbst dazu gehö­ren, doch die öffent­li­che Mei­nung mehr fürch­ten als Gott und dar­um immer mit dem Strom des Zeit­gei­stes mit­schwim­men oder wenig­stens den Kampf gegen die herr­schen­den Ten­den­zen nicht auf­zu­neh­men wagen“ (a.a.O., Sei­te 242).

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