In Faraya entsteht größtes Denkmal für den heiligen Scharbel — Mönch und Eremit im Libanongebirge

Ungewöhnliche Bilder im Libanon: Transport der Statue des heiligen Scharbel nach Faraya

(Bei­rut) Auf den Stra­ßen des Liba­non zeig­te sich am ver­gan­ge­nen Sonn­tag ein unge­wöhn­li­ches Bild. Die gigan­ti­sche Sta­tue des hei­li­gen Schar­bel (1828 – 1898), die größ­te welt­weit, wur­de zu ihrem Bestim­mungs­ort trans­por­tiert. Auf ihrem Trans­port hat­te sie einen schwie­ri­gen und nicht unge­fähr­li­chen Weg zurück­zu­le­gen, um das 30 Kilo­me­ter ent­fern­te und 1.800 Meter höher gele­ge­ne Fara­ya zu errei­chen. Die Stadt Herat Sak­her, wo die Sta­tue ange­fer­tigt wur­de, liegt am Ufer des Mit­tel­meers, Fara­ya aber, ein von Chri­sten bewohn­ter Ort, hoch oben im Liba­non­ge­bir­ge.

Ruf der Heiligkeit

Der hei­li­ge Schar­bel wur­de vor bald 200 Jah­ren als Joseph Mach­luf im Liba­non (damals Osma­ni­sches Reich) gebo­ren. Er gehör­te der mit Rom unier­ten Syrisch-Maro­ni­ti­sche Kir­che von Antio­chi­en an. Schon im Kin­des­al­ter zog es ihn zum Ein­sied­ler­le­ben, das zwei sei­ner Onkel führ­ten, die Mön­che gewor­den waren. Im Alter von 23 trat er in ein maro­ni­ti­sches Klo­ster sei­ner Hei­mat ein. Einen wei­te­ren Kon­takt zur Außen­welt, auch zur eige­nen Fami­lie, lehn­te er nach Mög­lich­keit ab:

„Mei­ne Mut­ter, wir wer­den uns wie­der­se­hen und wir wer­den uns im Him­mel umar­men“.

Eremitage des heiligen Scharbel
Ere­mi­ta­ge des hei­li­gen Schar­bel

1859 wur­de er nach Abschluß der Stu­di­en vom maro­ni­ti­schen Patri­ar­chen zum Prie­ster geweiht. 16 Jah­re lang leb­te er ab die­sem Augen­blick mit Ein­wil­li­gung sei­ner Obe­ren in frei­wil­li­ger Abge­schie­den­heit im Klo­ster des hei­li­gen Maron von Anna­ya, das im Jahr sei­ner Geburt errich­tet wor­den war. Das Klo­ster liegt auf 1.200 Metern Höhe mit Blick auf das Mit­tel­meer. Mit 47 Jah­ren ent­schloß er sich auch der klö­ster­li­chen Gemein­schaft zu ent­sa­gen und ein Leben als Ein­sied­ler zu füh­ren. 1875 zog er sich in die klei­ne, den Apo­stel­für­sten Petrus und Pau­lus geweih­ten Ere­mi­ta­ge über Anna­ya zurück. Die Ere­mi­ta­ge war 1798, hun­dert Jah­re vor sei­nem Todes­jahr, als klei­nes Klo­ster errich­tet wor­den.

Zwi­schen eucha­ri­sti­scher Anbe­tung, Gebet und hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten ver­such­te er tie­fer in die Geheim­nis­se Got­tes und der Mensch­heit ein­zu­drin­gen. Es war ein Leben der Lie­be und der Selbst­auf­op­fe­rung für die Welt. Durch die Lie­be Chri­sti sei er in sei­ner Abge­schie­den­heit den­noch mit allen Men­schen ver­bun­den und bete und opfe­re für deren See­len­heil, wie zeit­ge­nös­sisch belegt ist.

Auf Wunsch sei­ner Obe­ren emp­fing er manch­mal Besu­cher in der Ein­sie­de­lei, die ihn um Rat bit­ten woll­ten. Sei­ne Rat­schlä­ge war kurz und mit ein­fa­chen Wor­ten for­mu­liert, die die See­le der Rat­su­chen­den „sofort berühr­te“, wie die Auf­zeich­nun­gen es Klo­sters besa­gen.

„Sein gan­zes Sein war in Gehor­sam ganz in Gott ein­ge­taucht.“

Nach 23 Jah­ren als Ere­mit zele­brier­te er am 16. Dezem­ber 1898 am frü­hen Mor­gen die hei­li­ge Mes­se, bei der ihm ein Mönch assi­stier­te. Als er die Wor­te der Lit­ur­gie sprach: „Vater der Wahr­heit“ war er gelähmt. So ver­brach­te er die letz­ten acht Tage und wie­der­hol­te auf sei­nem Schlaf­la­ger immer wie­der die Wor­te: „Vater der Wahr­heit, sie­he dei­nen Sohn“. Am neun­ten Tag ist er in der Hei­li­gen Nacht sanft ent­schla­fen.

Unverwester Körper 1899 — 1927 — 1950 — 1952 — 1965

Das Kloster von Annaya (rechts) und die neuerbaute Kirche
Das Klo­ster von Anna­ya (rechts) und die 1974 neu­erbau­te Kir­che

Nach sei­nem Tod stell­ten die Mön­che fest, daß Blut aus sei­nem gan­zen Kör­per drang. Noch am Christ­tag wur­de er nach der Tra­di­ti­on des Klo­sters ohne Sarg in der blo­ßen Erde begra­ben. In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezem­ber erschie­nen über dem Grab auf dem Klo­ster­fried­hof uner­klär­li­che Lich­ter. Aus der Umge­bung ström­ten die Men­schen zusam­men, weil sie das Licht sahen.

Der Ruf der Hei­lig­keit des Ein­sied­lers, der Schar­bel schon vor sei­nem Tod umge­ben hat­te, ver­brei­te­te sich nun um so schnel­ler. Pil­ger such­ten sein Grab auf und rie­fen ihn als Für­spre­cher an.

Am 8. Febru­ar 1899 ord­ne­te die maro­ni­ti­sche Kir­che die Öff­nung des Gra­bes an. Als man den Leich­nam aus der Erde geholt hat­te, stell­te man fest, daß er nach 45 Tagen im blo­ßen Erd­reich begra­ben noch völ­lig unver­west und geschmei­dig war. Die anwe­sen­den Ärz­te konn­ten kei­ne Zer­set­zung des Kör­pers fest­stel­len.

Die Lei­che wur­de neu ein­ge­klei­det und in einen Holz­sarg gelegt, der in der Klo­ster­kir­che auf­ge­stellt und ummau­ert wur­de. Bald sicker­te Blut aus die­ser Mau­er. Nach meh­re­ren Wochen erfolg­te eine zwei­te Exhu­mie­rung. Die Ärz­te stell­ten fest, daß eine öli­ge Flüs­sig­keit mit fri­schem Blut­ge­ruch aus sei­nem Kör­per drang. Die sterb­li­chen Über­re­ste wur­den erneut neu ein­ge­klei­det und wie­der ein­ge­mau­ert.

1927 ord­ne­te Papst Pius XI. eine drit­te Exhu­mie­rung für eine Exper­ti­se an. Erneut wur­de das Aus­tre­ten der­sel­ben blu­ti­gen Flüs­sig­keit fest­ge­stellt und die Ein­bet­tung sei­nes Holz­sar­ges in einen Zink­sarg ange­ord­net, dann der Sarg wie­der ein­ge­mau­ert. Papst Pius XI. erklär­te den Ere­mi­ten zum Ehr­wür­di­gen Die­ner Got­tes und stimm­te der Ein­lei­tung eines Selig­spre­chungs­ver­fah­rens zu.

Transport über enge Bergstraßen: Aufnahme von L'Orient-Le Jour
Trans­port über enge Berg­stra­ßen: Auf­nah­me von L’O­ri­ent-Le Jour

1950 drang erneut ein blu­ti­ger Erguß aus der Wand. Papst Pius XII. ver­an­laß­te eine wei­te­re Exhu­mie­rung, an der zahl­rei­che Exper­ten und welt­li­che und kirch­li­che Ver­tre­ter teil­nah­men. Im 1927 wegen der Flüs­sig­keit schräg ein­ge­mau­er­ten Zink­sarg befan­den sich am unte­ren Ende acht Zen­ti­me­ter blu­ti­ge Flüs­sig­keit. Das gan­ze Gewand des Mönchs war blut­durch­tränkt. Der Leich­nam selbst wur­de erneut völ­lig intakt vor­ge­fun­den. Fast 52 Jah­re nach sei­nem Tod wies er kei­ne Zer­set­zungs­er­schei­nun­gen auf. Mit gro­ßer Erschüt­te­rung bezeug­ten zudem alle Anwe­sen­den, daß das Lei­chen­tuch, das Schar­bel 1927 über das Gesicht gelegt wor­den war, einen Abdruck des­sel­ben auf­wies wie das Grab­tuch von Turin. Gleich­zei­tig zeig­te hin­ge­gen das Zink­rohr, das mit dem Abschluß­be­richt der Exhu­mie­rung von 1927 in den Zink­sarg gelegt wor­den war, deut­li­che Kor­ro­si­ons­er­schei­nun­gen.

Am 4. August 1950 konn­te der Kör­per Schar­bels mit Geneh­mi­gung von Papst Pius XII. in einem Glas­sarg aus­ge­stellt wer­den. Tau­sen­de Chri­sten, aber auch Mus­li­me und Dru­sen aus dem Liba­non und den angren­zen­den ara­bi­schen Län­dern ström­ten zusam­men. Alle katho­li­schen Patri­ar­chen des Ori­ents ver­sam­mel­ten sich an die­sem Tag. Dann wur­de der Sarg mit dem Leich­nam wie­der ein­ge­mau­ert. Mit die­sem Tag begin­nen die offi­zi­el­len Auf­zeich­nun­gen über Gebets­er­hö­run­gen, die der Für­spra­che des Ere­mi­ten zuge­schrie­ben wer­den. Die Zahl wis­sen­schaft­lich nicht erklär­ba­rer Hei­lun­gen und Dank­sa­gun­gen für Gebets­er­hö­run­gen ist sehr lang. Drei von der Kir­che aner­kann­te Wun­der führ­ten zur Selig­spre­chung im Jahr 1965 und zur Hei­lig­spre­chung im Jahr 1977.

Für den Selig­spre­chungs­pro­zeß erfolg­te am 7. April 1952 erneut eine Öff­nung des Gra­bes, um den Leich­nam vom 7. – 25. August des­sel­ben Jah­res öffent­lich zur Ver­eh­rung aus­zu­stel­len. Vor allem euro­päi­sche Medi­en berich­te­ten mit gro­ßen Let­tern, und es fehl­te nicht an Spott, daß die Zeit „ihre Arbeit getan“ haben wer­de. Um so grö­ßer das Erstau­nen, als berich­tet wer­den muß­te

„Die Natur hat ihre Geset­ze aus­ge­setzt!“

Das Ergeb­nis war das­sel­be der vor­he­ri­gen. Der Kör­per war völ­lig unver­west, „als wäre er leben­dig“, so der maro­ni­ti­sche Prie­ster Joseph Mah­fouz, der an der Öff­nung des Gra­bes teil­nahm. Wei­ter­hin drang Flüs­sig­keit aus sei­nem Kör­per. Joseph Mah­fouz, der spä­ter Bischof in Bra­si­li­en wur­de, bestä­tig­te, daß der Kör­per des Hei­li­gen auch zum Zeit­punkt der Selig­spre­chung 1965 noch völ­lig unver­west war.

Verwester Körper 1976 — Wundersames Photo

1976, als wegen der Hei­lig­spre­chung die bis­her letz­te Exhu­mie­rung erfolg­te, war der Kör­per hin­ge­gen völ­lig zer­setzt. Es waren nur noch Kno­chen übrig. Wann genau zwi­schen 1965 und 1976 der Ver­we­sungs­pro­zeß ein­setz­te und sich sehr schnell voll­zo­gen hat­te, ist unbe­kannt. Unbe­kannt sind auch die Ursa­chen dafür. Theo­lo­gisch wur­de die Fra­ge gestellt, war­um Gott nach min­de­stens 67 Jah­ren der Unver­west­heit, es sich anders über­legt hat­te.

Bis 1967 leb­ten Ein­sied­ler in der Ere­mi­ta­ge. Der letz­te Ere­mit von Anna­ya war Vater Eli­as Abi Ramia El Ahma­jy (1870–1967). Er war der letz­te Mönch des Klo­sters, der den hei­li­gen Schar­bel noch per­sön­lich gekannt hat­te. Nach einem Tod wur­de die Ein­sie­de­lei wegen der erfolg­ten Selig­spre­chung Schar­bels in eine inter­na­tio­na­les Hei­lig­tum umge­wan­delt.

Der heilige Scharbel nach dem wundersamen Photo von 1950
Der hei­li­ge Schar­bel nach dem wun­der­sa­men Pho­to von 1950

Zeit sei­nes Lebens wur­de vom hei­li­gen Schar­bel weder eine Pho­to­gra­phie ange­fer­tigt noch ein Bild gemalt. Die heu­te bekann­ten Dar­stel­lun­gen des Hei­li­gen gehen auf eine Bege­ben­heit vom 8. Mai 1950 zurück. An jenem Tag besucht ein Auto­bus mit etwa 40 maro­ni­ti­schen Mön­chen das Klo­ster und die Ein­sie­de­lei von Anna­ya, wo der Ere­mit gelebt hat­te und begra­ben liegt. Das nur einen Monat nach der Exhu­mie­rung in jenem Hei­li­gen Jahr. Die Mön­che mach­ten zur Erin­ne­rung auch ein Grup­pen­pho­to. Beim Ent­wickeln der Auf­nah­me stell­ten sie zu ihrem Erstau­nen fest, daß noch eine ihnen unbe­kann­te Per­son zu sehen war. Sie über­mit­tel­ten das ent­wickel­te Pho­to samt Nega­tiv dem Gen­ral­abt der maro­ni­ti­schen Mön­che, der es Mit­brü­dern des hei­li­gen Schar­bel vor­leg­te, die in noch per­sön­lich gekannt hat­ten. Unab­hän­gig von­ein­an­der erkann­ten sie ihn dar­auf wie­der. Alle heu­te bekann­ten Dar­stel­lun­gen des Hei­li­gen gehen auf die­ses Pho­to zurück.

Der Gedenk­tag des hei­li­gen Schar­bel ist im römi­schen Ritus der 24. Juli. Die Maro­ni­ten geden­ken sei­ner am drit­ten Sonn­tag im Juli.

Nun wird dem Hei­li­gen in Fara­ya ein gro­ßes Denk­mal gesetzt. Die Sta­tue des liba­ne­si­schen Künst­lers Nayef Alwan ist 27 Meter hoch, hat einen Durch­mes­ser von neun Metern und wiegt 40 Ton­nen. Sie wur­de aus Glas­fa­ser gefer­tigt, um dem wid­ri­gen Kli­ma im Liba­non­ge­bir­ge zu trot­zen.

Für den 14. Sep­tem­ber 2017, dem Fest Kreuzer­hö­hung, ist die fei­er­li­che Seg­nung vor­ge­se­hen. Der Groß­teil der Skulp­tur besteht aus einem ein­zi­gen Teil, was erheb­li­che Trans­port­pro­ble­me auf den Berg­stra­ßen des Liba­non ver­ur­sach­te.

Die Rei­se-Rou­te der Sta­tue wur­de von tau­sen­den Men­schen gesäumt. Die Ankunft der Sta­tue in Fara­ya wur­de von den Gläu­bi­gen mit Glocken­ge­läut und Feu­er­werk gefei­ert.

Laut Anga­ben des Künst­lers und der Gemein­de­ver­wal­tung von Fara­ya, die Auf­trag­ge­be­rin der Sta­tue ist, soll das Denk­mal des hei­li­gen Schar­bel min­de­stens 400 Jah­re  über­dau­ern, ohne daß Nach­bes­se­run­gen von Nöten sein soll­ten.

Ein Bericht über den Trans­port der Sta­tue nach Fara­ya:

Und ein Bericht über die Her­stel­lung der Sta­tue:

Bil­der: L’O­ri­ent — Le Jour/saintcharbel-annaya.com/Joachim Schä­fer (Hei­li­gen­le­xi­kon) (Screen­shots)

2 Kommentare

  1. Wer sich in die Wer­ke über den Hl. Char­bel ver­tieft, erkennt die über­ir­di­sche Hei­lig­keit die­ses fas­zi­nie­ren­den Men­schen. Genannt sei­en hier „Der Wun­der­mönch vom Liba­non“ von Prof. Dr. Ernst Josef Gör­lich (http://www.miriam-verlag.de/detail.php?id=2064) sowie „Hei­li­ger Char­bel, Pil­ger des Abso­lu­ten“ von Jean Skan­dar (http://www.miriam-verlag.de/detail.php?id=60566). Sehr emp­feh­len möch­te ich auch die Nove­ne zu ihm, ein hilf­rei­cher Link zum The­ma: http://heilig-blut.com/index.php?plink=heiliger-charbel-makhlouf-entstehung.

  2. Ja der hl. Char­bel ist ein ganz gro­sser ich habe auch das Buch gele­sen der Wun­der­mönch vom Liba­non und ein paar Fil­me von ihm gese­hen! Wir kön­nen dem lie­ben Gott nur dan­ken für die­sen gro­ssen Hei­li­gen! Herr schen­ke uns vie­le Hei­li­ge Prie­ster und Ordens­frau­en! Betet bit­te viel in die­sem Anliegen.…Ave Maria.….…

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