Gründer eines katholischen Fernsehsenders wegen Fundamentalkritik an Papst Franziskus „exkommuniziert“?

José Galat, Gründer, Präsident und Direktor von Teleamiga, einem der größten katholischen Fernsehsender, wurde wegen Papst-Kritik "exkommuniziert" bzw. seine Exkommunikation latae sententiae erklärt.
José Galat, Gründer, Präsident und Direktor von Teleamiga, einem der größten katholischen Fernsehsender, wurde wegen Papst-Kritik "exkommuniziert" bzw. seine Exkommunikation latae sententiae erklärt.

(Bogo­ta) In Kolum­bi­en steht im kom­men­den Sep­tem­ber ein Besuch von Papst Fran­zis­kus bevor, der sei­ne Schat­ten vor­aus­wirft. Vor weni­gen Tagen kam es zu einem schwer­wie­gen­den Kon­flikt zwi­schen der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und einem der größ­ten katho­li­schen Fern­seh­sen­der. Im Mit­tel­punkt des Kon­flik­tes steht ein bekann­ter Wis­sen­schaft­ler und Medi­en­un­ter­neh­mer, der bis­her als glau­bens­treu­er Katho­lik galt — mit einem „Defekt“: Er wagt  Kri­tik an der Amts­füh­rung von Papst Fran­zis­kus und wirft die­sem sogar vor, nicht der „legi­ti­me“ Nach­fol­ger des Petrus zu sein und „Glau­bens­wahr­hei­ten zu leug­nen“. Die Bischofs­kon­fe­renz erklär­te ihn vor weni­gen Tagen zum „Schis­ma­ti­ker“ und de fac­to für exkommuniziert.

José Galat: Präsidentenberater, Generalkonsul, Universitätsrektor

José Galat Nou­mer ist nicht nur in Kolum­bi­en, son­dern in der gesam­ten spa­nisch­spra­chi­gen Welt ein bekann­ter Mann. Gebo­ren wur­de er 1928 in Sago­ma­so (damals Bis­tum Tun­ja), einer Gegend, die heu­te vor allem für ihre Rad­renn­fah­rer bekannt ist. Er stu­dier­te Rechts­wis­sen­schaf­ten in Kolum­bi­en, Poli­tik­wis­sen­schaf­ten und Sozio­lo­gie in Paris und Phi­lo­so­phie in Bar­ce­lo­na. In Kolum­bi­en war er zunächst im Rah­men der Inter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung christ­li­cher Unter­neh­mer (UNIAPAC) aktiv. In sei­nem Arbeits­le­ben wid­me­te er sich neben der wis­sen­schaft­li­chen Arbeit dem Auf­bau von Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und des Genos­sen­schafts­we­sens. Von 1966–1974 war er Bera­ter der kolum­bia­ni­schen Staats­prä­si­den­ten Car­los Lle­ras Rest­re­po und Misa­el Pastra­na Bor­re­ro, Vor­stands­mit­glied der kolum­bia­ni­schen Volks­bank und in den 70er Jah­ren auch kolum­bia­ni­scher Gene­ral­kon­sul in Paris.

José Galat, ehemaliger Universitätsrektor
José Galat, ehe­ma­li­ger Universitätsrektor

1951 erhielt er die erste Assi­sten­ten­stel­le, auf die Lehr­auf­trä­ge und Pro­fes­su­ren an ver­schie­de­nen Uni­ver­si­tä­ten Kolum­bi­ens folg­ten. Von 1981 bis zum 17. Juli 2017 war er Rek­tor der Uni­ver­si­tät La Gran Colum­bia. Auch in die­ser Funk­ti­on lag ein beson­de­res Schwer­ge­wicht auf der För­de­rung des Genos­sen­schafts­we­sens, das er – gestützt auf die katho­li­sche Sozi­al­leh­re – als ein beson­ders geeig­ne­tes Instru­ment zur För­de­rung der Wirt­schaft, der Selb­stän­dig­keit und der Men­schen­wür­de sieht. In den von ihm bei Grün­dung und Auf­bau unter­stütz­ten Genos­sen­schaf­ten sind heu­te mehr als 250.000 Men­schen beschäftigt.

Galat ver­öf­fent­lich­te 22 Bücher, die sich vor­wie­gend mit Kolum­bi­en, Wirt­schafts­fra­gen, dem Genos­sen­schafts­we­sen, aber auch theo­lo­gi­schen und phi­lo­so­phi­schen Fra­gen befassen.

Teleamiga — katholischer Fernsehsender mit Millionen Zusehern

Früh­zei­tig beschäf­tig­te er sich mit Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln. Auf ihn geht in den 70er Jah­ren die Idee einer wöchent­li­chen Rund­funk­sen­dung des Staats­prä­si­den­ten zurück. 1999 grün­de­te er zusam­men mit einem Freund, Die­go Aran­go Oso­rio, den Fern­seh­sen­der Tele­a­mi­ga, der heu­te in HD-Qua­li­tät in kolum­bia­ni­schen Städ­ten über Kabel, anson­sten über Satel­lit in ganz Latein­ame­ri­ka, den USA, Euro­pa und Nord­afri­ka emp­fan­gen wer­den kann. Ziel der bei­den Grün­der war es, neben Staats- und Pri­vat­rund­funk einen Sen­der zu schaf­fen, der sich der Wert­ver­mitt­lung wid­met und nicht dem Kom­merz. Der Sen­der gehört einer gemein­nüt­zi­gen Stif­tung der Uni­ver­si­tät La Gran Colum­bia, deren Vor­sit­zen­der Galat ist.

2010 bewarb er sich dar­um, als Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der Kon­ser­va­ti­ven Par­tei Kolum­bi­ens nomi­niert zu wer­den. Als sol­cher woll­te er Nach­fol­ger sei­nes Par­tei­kol­le­gen Alva­ro Uri­be wer­den, dem „Bezwin­ger der FARC“, der nach zwei Amts­pe­ri­oden nicht mehr kan­di­die­ren durf­te. Die Par­tei ent­schied sich aber für eine ande­re Kandidatin.

Galat, heu­te 88 Jah­re alt, gestal­tet noch immer die wöchent­li­che Sen­dung „Un Café von Galat“ (Ein Kaf­fee mit Galat), die laut Ein­schalt­quo­ten zu den meist­ge­se­he­nen Sen­dun­gen von Tele­a­mi­ga gehört.

Papstkritik und Kolumbiens Bischöfe

Kri­tik am Papst ist in der Kir­che eine heik­le Sache. Grund dafür, so der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei in sei­nem jüngst in deut­scher Spra­che erschie­ne­nen Buch „Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on“, ist ein nicht nur von Kir­chen­geg­nern, son­dern zum Teil auch von Katho­li­ken miß­ver­stan­de­nes Unfehl­bar­keits­dog­ma, das 1870 vom Ersten Vati­ka­ni­schen Kon­zil beschlos­sen wurde.

Teleamiga, "50 Millionen Zuseher"
Tele­a­mi­ga, seit 1999 auf Sendung

In Kolum­bi­en kom­men noch spe­zi­fi­sche Fak­to­ren hin­zu. Die Bischofs­kon­fe­renz des Lan­des und Papst Fran­zis­kus gaben im ver­gan­ge­nen Herbst unter­schied­li­che Emp­feh­lun­gen bei der Volks­ab­stim­mung über den Frie­dens­plan von Prä­si­dent San­tos ab. Wäh­rend der Papst für den Frie­dens­plan mit der mar­xi­sti­schen Gue­ril­la­or­ga­ni­sa­ti­on FARC war, wur­de die­ser von den Bischö­fen abge­lehnt. Die Mehr­heit der kolum­bia­ni­schen Wäh­ler folg­te den Bischö­fen. Die FARC hat­te ein hal­bes Jahr­hun­dert das Land blu­ten las­sen. Vie­le Kolum­bia­ner sehen nicht ein, war­um sie nun, da sie besiegt ist, poli­tisch auf­ge­wer­tet und als Ver­hand­lungs­part­ner aner­kannt wer­den sollte.

Papst Fran­zis­kus kop­pel­te sei­nen Kolum­bi­en-Besuch an den Aus­gang der Volks­ab­stim­mung. Es bedurf­te gedul­di­ger Gesprä­che, um die Unstim­mig­kei­ten im Anschluß aus­zu­räu­men, sodaß der Papst-Besuch nun mit eini­ger Ver­spä­tung, aber doch statt­fin­den kann.

„Ständige Kritik an Papst Franziskus“

Die Bischö­fe sind des­halb an kei­nen „Stö­run­gen“ des kirch­li­chen Frie­dens inter­es­siert. Das ist ein Grund für die schar­fe Reak­ti­on, die in den ver­gan­ge­nen Tagen eine in der Ver­gan­gen­heit so ver­dien­te katho­li­sche Per­sön­lich­keit wie Pro­fes­sor Jose Galat traf.

Galat ist tat­kräf­ti­ger Mann, wie sein Lebens­lauf beweist. Er ist aber auch ein Mann der kla­ren Spra­che. Die Wider­sprüch­lich­kei­ten im Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus, bei­de sind Latein­ame­ri­ka­ner, ver­schweigt er nicht. Kri­tik übte Galat vor allem im Zusam­men­hang mit der Fami­li­en­syn­ode und dem umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia. Zeit­lich fiel die zwei­te Bischofs­syn­ode mit Ent­hül­lun­gen von Kar­di­nal Dan­neels zusam­men, die Galats Hal­tung ent­schie­den ver­än­dert haben. Sei­ne Kri­ti­ker spre­chen von einer „ zuneh­men­den Radikalisierung“.

Galats Fern­seh­sen­der erreicht bis zu 50 Mil­lio­nen Zuschau­er, so Info­Va­ti­ca­na. Das ist eine Medi­en­groß­macht, die nicht unbe­ach­tet bleibt, weder von den Bischö­fen noch von Rom.

Im Febru­ar 2016 sprach die Kolum­bia­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz erst­mals in einer Erklä­rung vom „Ärger“ über die „stän­di­ge Kri­tik“ von José Galat „an der Per­son von Papst Fran­zis­kus“. Auf­ge­schreckt hat­te die Bischö­fe die Mel­dung von Tele­a­mi­ga, daß „eine Grup­pe von Bischö­fen gegen Papst Fran­zis­kus“ sei­en. Die­se Behaup­tung wur­de „ent­schie­den“ zurück­ge­wie­sen und die „ein­mü­ti­ge Gemein­schaft mit dem Hei­li­gen Vater“ betont.

Noch im sel­ben Monat kam es zu einer Aus­spra­che zwi­schen Ver­tre­tern der Bischofs­kon­fe­renz und der Direk­ti­on von Tele­a­mi­ga, dar­un­ter Galat.

Franziskus könnte dem „Antichrist die Tür zur Welteinheitsregierung öffnen“

Bruch zwischen Freunden Arango (links)
Bruch zwi­schen Freun­den Aran­go (links)

Hin­ter­grund war ein für die Öffent­lich­keit über­ra­schen­der Bruch. Nach 17 Jah­ren der Zusam­men­ar­beit und einer noch län­ge­ren Freund­schaft, trenn­te sich Galat von Die­go Aran­go Oso­rio, mit dem er Tele­a­mi­ga gegrün­det hat­te. Galat warf Aran­go vor, gegen die „Leh­re der katho­li­sche Kir­che“ zu sein. Aran­go sag­te in einem Inter­view mit El Spec­ta­tor, daß Galat es „für mög­lich hält“, daß Papst Fran­zis­kus ein „fal­scher Papst“ sein könnn­te. Daher sehe er die Gefahr, daß Fran­zis­kus „dem Anti­christ die Türen zur Kir­che“ öff­ne, „um eine Welt­ein­heits­re­gie­rung zu instal­lie­ren“. Aran­go weiter:

„Vie­le Men­schen kön­nen ein sol­che theo­lo­gi­sche und dog­ma­ti­sche Posi­ti­on nicht ver­ste­hen und in einem Sen­der, der von so vie­len Bür­gern gese­hen wird, sind vie­le alar­miert, wenn Don José mit die­sen Theo­rien hören. Ich tei­le die­se Posi­ti­on von Don José nicht. Ich bin über­zeugt, daß der Papst, wie alle Päp­ste, vom Hei­li­gen Geist gewählt ist.“

Galat kün­dig­te den Ver­trag mit sei­nem frü­he­ren Part­ner wegen „unüber­brück­ba­rer Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten“ auf.

Das näch­ste Pro­blem brach­te im Herbst 2016 die Volks­ab­stim­mung. Die Bischö­fe waren ange­strengt bemüht, trotz der offen­kun­di­gen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über den Frie­dens­pro­zeß des Lan­des, den Ein­druck einer „völ­li­gen Über­ein­stim­mung“ zwi­schen Papst und Bischö­fen zu vermitteln.

Danneels Enthüllungen über die „Mafia von Sankt Gallen“

Der Kon­flikt zwi­schen Galat und den Bischö­fen ist aber nicht innen­po­li­ti­scher, son­dern inner­kirch­li­cher Natur. Galat berich­te­te seit dem Okto­ber 2015 mehr­fach in sei­ner Sen­dung „Un Café con Galat“ über Hin­ter­grün­de der Papst­wahl von 2013, beson­ders den obsku­ren Geheim­zir­kel Sankt Gal­len. Grund sind die Ent­hül­lun­gen von Kar­di­nal God­fried Dan­neels und sei­ner Bio­gra­phen über die Exi­stenz die­ser Geheim­grup­pe in der Kir­che. Dan­neels hat­te im Herbst 2015 frei­mü­tig sei­ne Mit­glied­schaft in der, so sei­ne Anga­ben, von Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ in den 90er Jah­ren gegrün­de­ten Grup­pe von höch­sten Kir­chen­ver­tre­tern bekannt­ge­ge­ben, die eine pro­gres­si­ve Gesin­nung und eine Ableh­nung der „Restau­ra­ti­on“ von Johan­nes Paul II. ein­te. Dan­neels ent­hüll­te als Zweck der gehei­men Grup­pe, das Pon­ti­fi­kat von Johan­nes Paul II. zu boy­kot­tie­ren und die Wahl eines pro­gres­si­ven Nach­fol­gers vorzubereiten.

Mit die­ser Absicht schei­ter­te die Grup­pe aller­dings 2005 an Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, der zum Papst Bene­dikt XVI. gewählt wur­de. Bereits 2005 war Kar­di­nal Ber­go­glio Kan­di­dat die­ser Grup­pe. 2013, nach dem über­ra­schen­den Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI., der die Kir­che in ein uner­war­te­tes Füh­rungs­va­ku­um stürz­te, war die Grup­pe – die als ein­zi­ge orga­ni­siert in das Kon­kla­ve ging – im zwei­ten Anlauf erfolg­reich. Kar­di­nal Wal­ter Kas­per, neben Dan­neels, Leh­mann und Mur­phy O’Connor einer der Haupt­ak­teu­re des Geheim­zir­kels, warn­te den zurück­ge­tre­te­nen Bene­dikt XVI. Anfang März 2013 in schar­fem Ton, sich in die Wahl sei­nes Nach­fol­gers einzumischen.

Galat: „Wahl nicht legitim“ — „Exkommunikation“ durch die Bischofskonferenz

Jose Galat leg­te die­se Fak­ten, die von nicht weni­gen katho­li­schen Medi­en ver­schwie­gen wer­den, auf den Tisch und warf die Fra­ge nach der Legi­ti­mi­tät der Wahl von Papst Fran­zis­kus auf. Wäh­rend der Vati­ka­nist Anto­nio Soc­ci, der als erster Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Wahl äußer­te, von die­ser Posi­ti­on wie­der abrück­te, beant­wor­te­te Galat die­se Fra­ge mit zuneh­men­der Deut­lich­keit mit Nein. Zudem behaup­te­te er, „daß Papst Fran­zis­kus vie­le grund­le­gen­de Aspek­te der Leh­re der katho­li­schen Kir­che ver­fäl­sche“, so Mai­ke Hick­son von One­Pe­ter­Fi­ve, die den Fall Galat mit beson­de­rer Auf­merk­sam­keit auf­griff. Galat nennt ihn einen „Häre­ti­ker“.

Erklärung der Bischofskonferenz
Erklä­rung der Bischofskonferenz

Am 25. Juli 2017, andert­halb Mona­te vor dem Papst-Besuch, war für die Bischö­fe die rote Linie über­schrit­ten. Die Kolum­bia­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz ver­öf­fent­lich­te eine Erklä­rung, mit der sie sich von Tele­a­mi­ga, „beson­ders vom Pro­gramm ‚Un Café con Galat‘“ distan­ziert. Unter­zeich­net ist die Erklä­rung von Erz­bi­schof Oscar Urbi­na Orte­ga, dem Vor­sit­zen­den, von Erz­bi­schof Ricar­do Tobon Rest­re­po, dem stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den, und von Weih­bi­schof Elkin Fer­nan­do Alva­rez Bote­ro, dem Gene­ral­se­kre­tär der Bischofskonferenz.

Die Bischö­fe wer­fen Galat vor, daß Tele­a­mi­ga „nicht die Leh­re der katho­li­schen Kir­che wider­spie­gelt“ und spre­chen dem Sen­der ab, „katho­lisch“ zu sein. Wel­chen Vor­wurf erhe­ben die Bischö­fe kon­kret? Unter Ver­weis auf Canon 751 des Kir­chen­rech­tes wer­fen sie Galat die „Ver­wei­ge­rung der Unter­ord­nung unter den Papst“ vor. Damit wer­de auf schwer­wie­gen­de Wei­se die Gemein­schaft der Kir­che ver­letzt, was „ein Schis­ma“ bedeu­te. Durch sei­nen Fern­seh­sen­der ver­lei­te Galat auch ande­re zum Schisma.

Man habe in den ver­gan­ge­nen „Jah­ren das Gespräch gesucht“. Ein katho­li­scher Rund­funk­sen­der habe der Evan­ge­li­sie­rung zu die­nen und nicht, „Ver­wir­rung im gläu­bi­gen Volk“ zu stif­ten durch „fal­sches Denken“.

Priester müssen Zusammenarbeit beenden — Meßübertragung untersagt

„Alle Prie­ster und Ordens­leu­te“ wur­den auf­ge­for­dert, „jede Form der Zusam­men­ar­beit“ mit dem Sen­der zu been­den, um einen „Scha­den für die Beru­fung“ abzu­wen­den. Wer sich nicht dar­an hal­te, bege­he einen „offen­kun­di­gen Unge­hor­sam“ (Can. 754; 1373).

Die Bischö­fe unter­sag­ten zudem die Über­tra­gung der Hei­li­gen Mes­se durch den Sen­der und die Auf­be­wah­rung des aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­ment am Haupt­sitz des Sen­ders. Die täg­li­che Meß­fei­er bil­det den Kern des Pro­gramms von Tele­a­mi­ga, womit der Sen­der an sei­nem Nerv getrof­fen wird.

Die Gläu­bi­gen, die zu den Zuschau­ern von Tele­a­mi­ga gehö­ren, wer­den von den Bischö­fen zur „Unter­schei­dung der Gei­ster“ auf­ge­ru­fen und soll­ten „alles zurück­zu­wei­sen, was der Ein­heit mit dem Papst und der Kir­che“ widerspricht.

Die Bischofs­kon­fe­renz beton­te zugleich, in „kei­ner Wei­se“ bei der staat­li­chen Rund­funk­be­hör­de (ANTV) inter­ve­niert zu haben, um Tele­a­mi­ga die Sen­de­li­zenz zu entziehen.

Die Bischö­fe rie­fen das katho­li­sche Volk auf, „wie eine Fami­lie“ zu sein, die sich ernst­haft im Glau­ben for­me „und sich vor­be­rei­tet, mit Freu­de und Gewinn Papst Fran­zis­kus bei sei­nem nahen­den Besuch unse­res Lan­des als Vater“ zu empfangen.

Kirchenrichter auf Twitter: Galat „aus der Kirche ausgeschlossen“

Am Tag nach der Erklä­rung der Bischö­fe ver­öf­fent­lich­te Msgr. Pedro Mer­ca­do, der Vor­sit­zen­de des Kir­chen­ge­richts von Bogo­ta auf Twit­ter die Nachricht:

„Wegen beharr­li­chen Unge­hor­sams gegen den Papst, hat sich Jose Galat selbst aus der Gemein­schaft der Kir­che aus­ge­schlos­sen. Er darf kei­ne Sakra­men­te empfangen.“

Galat außerhalb der Kirche
Galat außer­halb der Kirche

Unter den Dut­zen­den von Reak­tio­nen auf Twit­ter fand sich kei­ne, die Msgr. Mer­ca­do zustimm­te. „Wel­che Häre­sie hat José Galat ver­brei­tet?“, „War­um gibt es kei­ne so har­te Hand gegen Häre­ti­ker?“ So und ähn­lich lau­te­ten zahl­rei­che Fra­gen an den Prä­la­ten. Die­ser twit­ter­te noch am sel­ben Tag ein Pho­to von sich und Papst Fran­zis­kus mit den Wor­ten: „Ich bin katho­lisch und ich bin in der Gemeinschaft!“

Der 88 Jahr alte José Galat dürf­te, im Fal­le sei­nes wahr­schein­lich nicht all­zu fer­nen Todes, nicht mehr kirch­lich begra­ben wer­den. Ob Galat tat­säch­lich exkom­mu­ni­ziert wur­de, ist aber nicht ganz klar. Die Bischofs­kon­fe­renz ist als Kol­lek­tiv­or­gan nicht dafür zustän­dig, wenn ihr auch der für Galat zustän­di­ge Bischof ange­hört. Zwei­fel an der Exkom­mu­ni­ka­ti­on nähr­te näm­lich Weih­bi­schof Elkin Alva­rez, der als Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­kon­fe­renz selbst die öffent­li­che Erklä­rung unter­zeich­net hat­te. Am Tag nach deren Ver­öf­fent­li­chung, am 26. Juli, sag­te er in einem Inter­view mit Cor­a­col Radio:

„Ich schlie­ße die Mög­lich­keit nicht aus, daß das Erz­bis­tum Bogo­ta ein Dekret erläßt, in dem gesagt wird, daß im Sen­der Tele­a­mi­ga die Eucha­ri­stie nicht zele­briert wer­den darf.“

Auf die Fra­ge, ob Galat „exkom­mu­ni­ziert wird“, sag­te Weih­bi­schof Alva­rez, daß kei­ne Erklä­rung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on „not­wen­dig“ sei, „wenn jemand von der gesun­den Leh­re abweicht, weil die­se Tat­sa­che einen Bruch mit der Kir­che“ impli­zie­re. In die­sem Sinn, stell­te Alva­rez fest, „daß Galat außer­halb der katho­li­schen Kir­che ist“, so Cor­a­col Radio.

Msgr. Mer­ca­do, der auch Sekre­tär der Bischofs­kon­fe­renz für die Bezie­hun­gen zum Staat ist, erklär­te gegen­über der Nach­rich­ten­agen­tur ACI­Pren­sa:

„Es ist schmerz­lich für mich, zu sehen, daß Dr. Galat, der vie­le Jah­re der Kir­che treu gedient hat, sei­ne Tage in einer gei­stig so erbärm­li­chen Situa­ti­on beendet.“

Galat: „Bischöfe haben auf meine Kritik nicht geantwortet“

Die Grün­de, die Galat zu sei­ner Kri­tik an Papst Fran­zis­kus ver­an­laß­ten, wur­den von den kolum­bia­ni­schen Kir­chen­ver­tre­tern weder erwähnt  Weder die Bischofs­kon­fe­renz noch Msgr. Mer­ca­do haben dem Grün­der und Direk­tor von Tele­a­mi­ga auf sei­ne Kri­tik an Papst Fran­zis­kus geantwortet.

Galat selbst ant­wor­te­te den Bischö­fen noch am 25. Juli auf Face­book. In einer Erklä­rung, die kür­zer aus­fiel als jene der Bischö­fe, wie­der­hol­te er sei­ne Fun­da­men­tal­kri­tik an Franziskus.

„Dem LEGITIMEN [Her­hor­he­bung im Ori­gi­nal] Nach­fol­ger des Apo­stels Petrus ist jeder Katho­lik in Lie­be und Anhäng­lich­keit ver­pflich­tet, nicht aber einem nicht von Gott, son­dern von Men­schen und noch schlim­mer von einer ‚Mafia von Kar­di­nä­len‘ gewähl­ten, ein zyni­scher Aus­druck, den ein füh­ren­der Ver­tre­ter der­sel­ben, Kar­di­nal God­fried Dan­neels öffent­lich gebrauchte.“

Unter Beru­fung auf die Aus­sa­gen von Kar­di­nal Dan­neels, die Galat mit zahl­rei­chen Quel­len auf Face­book doku­men­tier­te, wie­der­hol­te er die Behaup­tung, daß die Wahl „von Fran­zis­kus anti­ka­no­nisch“ erfolg­te und daher „zwei­fel­los ille­gi­tim“ sei.

Zudem warf Galat Papst Fran­zis­kus vor, Leh­ren „im Wider­spruch zum katho­li­schen Glau­ben zu verbreiten“:

  • eine Aller­lö­sungs­leh­re, die „offen dem Her­ren­wort Mt 22,14 widerspricht“;
  • die Behaup­tung Pro­se­ly­ten­ma­che­rei sei eine „Dumm­heit“, was dem Her­ren­wort Mt 28,19 widerspreche;
  • der Kom­mu­nion­emp­fang für Ehe­bre­cher, gegen den sich der Apo­stel Pau­lus in 1 Kor 11,27 wendet.

„Es gibt viel mehr Bei­spie­le, die in den ver­schie­de­nen Sen­dun­gen von Tele­a­mi­ga auf­ge­zeigt wur­den“, so Galat, der sei­ne Ant­wort mit einer Fra­ge beendete:

„War­um ver­folgt Ihr jene, die den Glau­ben der Kir­che verteidigen?“

In einem Inter­view mit El Spec­ta­tor vom 28. Juli bestä­tig­te Galat sei­ne Vor­wür­fe. Daß die Wahl von Papst Fran­zis­kus auf eine „Kar­di­nal­s­ma­fia“ zurück­ge­he, habe nicht er gesagt, son­dern Kar­di­nal Dan­neels, „einer der Anfüh­rer die­ser Verschwörung“.

El Spec­ta­tor: War­um sagen Sie, daß Papst Fran­zis­kus schäd­lich ist?

José Galat: Er ist ein Häre­ti­ker und leug­net die Wahr­hei­ten des Glau­bens. Bene­dikt XVI. soll­te nach Kolum­bi­en kom­men, denn er ist der wirk­li­che Papst. Es herrscht eine gro­ße Igno­ranz, das sage nicht nur ich. Der Pro­phet Hosea sagt: „Mein Volk kommt um, weil ihm die Erkennt­nis fehlt“, und dafür kön­nen die Leu­te ver­ur­teilt werden.

Galat: Franziskus "ist ein Häretiker"
Galat: Fran­zis­kus „ist ein Häretiker“

Beson­ders har­te Kri­tik an Galats Hal­tung kam nicht von pro­gres­si­ver Sei­te oder von Kir­chen­geg­nern, die – zumin­dest in Kolum­bi­en – den „Bru­der­zwist“ mit eini­ger Genug­tu­ung zur Kennt­nis genom­men haben, son­dern von bis­he­ri­gen, inner­kirch­li­chen Weg­ge­fähr­ten. Um genau zu sein von katho­li­schen Stim­men und Medi­en, die Kri­tik an Papst Fran­zis­kus ganz oder weit­ge­hend mei­den, aber den­noch von der Sor­ge getrie­ben schei­nen, bei Fran­zis­kus und sei­nem Umfeld in Ungna­de zu fallen.

Ob und wel­che Zukunft Tele­a­mi­ga haben kann, ange­sichts der Ver­bo­te der Bischofs­kon­fe­renz, ist der­zeit unklar. Das Pro­gramm läuft unver­än­dert wei­ter. Galat gestal­tet auch wei­ter­hin sei­ne Sen­dung „Un Café con Galat“. Auch auf der Face­book-Sei­te der Bischofs­kon­fe­renz gab es nur ver­ein­zelt Zustim­mung zur Erklä­rung der Bischö­fe. Die gro­ße Mehr­heit äußer­te sich ablehnend.

Don José Galat, wie er in Kolum­bi­en genannt wird, zeigt kei­ne Absicht, zu schwei­gen. In Kolum­bi­en wird ange­nom­men, daß er sei­ne media­le Kri­tik an Papst Fran­zis­kus noch ver­stär­ken könnte.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Facebook/Teleamiga/CEC/Twitter (Screen­shots)

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