Trump zu Papst Franziskus: „Ich werde Ihre Worte nicht vergessen“

Papst Franziskus mit US-Präsident Donald Trump (rechts Melania Trump, links Ivanka Kushner-Trump und Jared Kushner)
Papst Franziskus mit US-Präsident Donald Trump (rechts Melania Trump, links Ivanka Kushner-Trump und Jared Kushner)

(Rom) Knapp 30 Minu­ten dau­er­te die Begeg­nung zwi­schen Papst Fran­zis­kus und US-Prä­si­dent Donald Trump. Sie war für 8.30 Uhr ange­setzt wor­den. Um 9.30 Uhr begann auf dem Peters­platz bereits die Gene­ral­au­di­enz. Die Zusam­men­kunft zwi­schen dem katho­li­schen Kir­chen­ober­haupt und dem neu­en US-Prä­si­den­ten fand hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt.

Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein begrüß­te Prä­si­dent Trump und sein Gefol­ge im Dama­sus­hof und beglei­te­te ihn zum Papst, wo die Begeg­nung unter Aus­schluß der Öffent­lich­keit fort­ge­setzt wur­de. Nur ein jun­ger, eng­lisch­spra­chi­ger Prie­ster war als Über­set­zer zuge­gen. Anschlie­ßend begrüß­te Fran­zis­kus auch die Beglei­tung des Prä­si­den­ten, des­sen Frau Mela­nia, Toch­ter Ivan­ka und Schwie­ger­sohn Jared Kush­ner.

Trump traf sich zudem mit Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin, der von Msgr. Paul Richard Gal­lag­her, dem vati­ka­ni­schen „Außen­mi­ni­ster“ beglei­tet wur­de.

Laut vati­ka­ni­schem Pres­se­amt sei die bei­der­sei­ti­ge Genug­tu­ung über die guten bila­te­ra­len Bezie­hun­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und den USA her­vor­ge­ho­ben wor­den. Betont wur­den auch das gemein­sa­me Inter­es­se und der gemein­sa­me Ein­satz für das Leben und die Frei­heit der Reli­gi­on und des Gewis­sens.

Bei­de Sei­ten hät­ten sich, laut Pres­se­amt, für eine gute Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kir­che und Staat in den USA aus im gemein­sa­men Ein­satz für die Men­schen in den Berei­chen Gesund­heit, Bil­dung und Hil­fe für die Ein­wan­de­rer.

Am Ende der halb­stün­di­gen Aus­spra­che habe der US-Prä­si­dent dem Papst ver­si­chert: „Ich wer­de Ihre Wor­te nicht ver­ges­sen“.

Wall Street Journal: Versuch einer Gleichsetzung von Papst und Präsident

Wall Street Journal Papst und Trump
„Wall Street Jour­nal“ Papst und Trump

Gestern schrieb Bill McGurn in der Euro­pa-Aus­ga­be des Wall Street Jour­nal, daß Papst Fran­zis­kus und Donald Trump sich näher sein könn­ten, als die Öffent­lich­keit denkt. Als Bei­spiel nann­te der Kolum­nist, daß bei­de dazu nei­gen, Per­so­nen „zu belei­di­gen“, die nicht ihrer Mei­nung sind.

Als kon­kre­tes Bei­spiel schrieb McGurn: „Der­sel­be Mann, der berühm­ter­wei­se sag­te, ‚Wer bin ich, um zu urtei­len‘, hat­te kein Pro­blem damit, jemand, der dar­an denkt, eine Grenz­mau­er zu errich­ten, als ‚unchrist­lich‘ zu ver­ur­tei­len.“ Der­sel­be Papst sag­te ein Jahr spä­ter, er mag es nicht, wenn „vor­schnell“ über Per­so­nen geur­teilt wer­de. Gleich­zei­tig warn­te er vor der „Gefahr“, „Popu­li­sten“ zu wäh­len und ver­glich die­se mit Hit­ler.

US-Prä­si­dent Trump, so McGurn, sei nicht der ein­zi­ge, der den „päpst­li­chen Sta­chel“ zu spü­ren bekom­me. Fran­zis­kus hal­te auch einen Groß­teil sei­ner Her­de für „bedau­erns­wert“. Den katho­li­schen Frau­en sag­te er, sie soll­ten sich „nicht wie Kar­nickel ver­meh­ren“. Wen jemand nicht mit ihm über­ein­stim­me, so ließ Fran­zis­kus wis­sen, habe er wohl einen „psy­chi­sches Scha­den“.

Die gemein­sa­me Nei­gung von Papst und Prä­si­dent, ihre Geg­ner zu belei­di­gen, wer­de von kaum jemand bemerkt.

McGurns Grund­te­nor ist sei­ne Ver­tei­di­gung von Frei­han­dels­ab­kom­men. Donald Trump, so der Kolum­nist, mache kein Hehl aus sei­ner Abnei­gung gegen den all­ge­mei­nen Frei­han­del. Er habe pro­tek­tio­ni­sti­sche Ansät­ze und kri­ti­sie­re die Ver­la­ge­rung von Pro­duk­ti­ons­stät­ten ins Aus­land als „unpa­trio­tisch“. Papst Fran­zis­kus unter­schei­de sich nicht wirk­lich dar­in, denn auch er behand­le den Frei­han­del als Form des Yan­kee-Impe­ria­lis­mus. In Evan­ge­lii gau­di­um schrieb er von einer „Wirt­schaft, die tötet“.

McGurn wirft Papst Fran­zis­kus vor, zur Kri­se in Vene­zue­la zu schwei­gen, weil die­ses Land sozia­li­stisch regiert wird. Doch nicht in Hong Kong, wo der Kapi­ta­lis­mus herr­sche, wer­den Men­schen getö­tet, son­dern in Vene­zue­la.

Wie genau sich die päpst­li­che Kapi­ta­lis­mus-Kri­tik, die McGurn beklagt, mit dem aus­ge­präg­ten Geschäfts­sinn von Donald Trump auf eine gemein­sa­me Linie brin­gen läßt, der in den Augen des Pap­stes als Pro­to­typ eines Kapi­ta­li­sten erschei­nen muß, ver­rät der Kolum­nist in sei­ner etwas gezwun­gen wir­ken­den Gleich­set­zung der bei­den Staats­füh­rer nicht.

McGurn abschlie­ßend:

„Die wah­re Tra­gö­die der Begeg­nung am Mitt­woch im Vati­kan ist, daß weder der Prä­si­dent noch der Papst in der Situa­ti­on ist, sich auf den ande­ren ein­zu­las­sen.“

Text: Andre­as Becker
Bild: CTV/vatican.va (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. „Ich wer­de Ihre Wor­te nicht ver­ges­sen“.

    Genau.
    Die Erin­ne­rung von salop­pen Wor­ten, von Unfug und Belei­di­gung ist das Schlimmste,was einem Des­po­ten pas­sie­ren kann.

    „Oder­int dum metu­ant“: „Sie dür­fen mich has­sen, solan­ge sie mich fürch­ten“:
    Die­ser abschät­zi­ger Spruch eines tyran­ni­schen römi­schen Kai­sers gilt auch heu­te noch inner­halb der eige­nen Insti­tu­ti­on.
    Das Nicht­ver­ges­sen außer­halb ist zugleich auch immer die Erin­ne­rung an das Schö­ne, Gute und Lie­be, das ein­mal kaputt geschla­gen wur­de.

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