Papst Franziskus verwirft 99 Prozent der Medjugorje-Botschaften — Der Rest müsse weiter untersucht werden

Papst Franziskus und Medjugorje: "kurzer Prozeß", "Intrige" oder ... "pastorale Betreuung"?
Papst Franziskus und Medjugorje: "kurzer Prozeß", "Intrige" oder ... "pastorale Betreuung"?

(Rom) Die jüng­sten Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus zu Med­jug­or­je sor­gen unter Katho­li­ken für ein Wech­sel­bad der Gefüh­le und schaf­fen den­noch kei­ne Klar­heit. Das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt stell­te sich auf dem Rück­flug aus Fati­ma am ver­gan­ge­nen Sams­tag wie gewohnt den Fra­gen der mit­flie­gen­den Jour­na­li­sten. Dabei kam Fran­zis­kus auch auf den Abschluß­be­richt der soge­nann­ten Rui­ni-Kom­mis­si­on zu Med­jug­or­je zu spre­chen. Ric­car­do Cascio­li (Chef­re­de­dak­teur von Il Timo­ne und Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na) spricht von einer „Bom­be“, die der Papst „auf die Mil­lio­nen von Gläu­bi­gen“ abge­feu­ert habe, die seit 35 Jah­ren in den her­ze­go­wi­ni­schen Ort gepil­gert sind.

Der Papst bot erst­mals einen Spalt Ein­blick in das Ergeb­nis der Arbeit, die von der inter­na­tio­na­len Exper­ten­kom­mis­si­on gelei­stet wur­de, die sein Vor­gän­ger, Bene­dikt XVI., 2010 ein­ge­rich­tet hat­te. Die Lei­tung war vom deut­schen Papst Kar­di­nal Camil­lo Rui­ni über­tra­gen wor­den. Die­se Kom­mis­si­on habe „eine sehr, sehr gute Arbeit“ gelei­stet, so Fran­zis­kus am Abend des 13. Mai.

Papst: „Ich glaube nicht an eine Briefträger-Madonna“

Wird es eine Aner­ken­nung der von sechs „Sehern“ behaup­te­ten Mari­en­er­schei­nun­gen in der Her­ze­go­wi­na geben? Klar­heit herrscht auch nach den Fran­zis­kus-Wor­ten nicht, dafür wis­sen Ver­eh­rer des Phä­no­mens in dem klei­nen Berg­dorf nicht mehr so recht, wo ihnen der Kopf steht.

Fran­zis­kus sag­te, daß zu den „ersten Erschei­nun­gen“, jene von 1981, „wei­te­re Unter­su­chun­gen“ not­wen­dig sind. Über die Tau­sen­den von „Erschei­nun­gen“, die bis zum heu­ti­gen Tag im Gan­ge sind, mein­te das Kir­chen­ober­haupt lapi­dar, daß es sich um eine Sache „auf per­sön­li­cher Ebe­ne“ hand­le. Mit ande­ren Wor­ten, dazu gebe es so star­ke Zwei­fel, daß sie für eine kirch­li­che Aner­ken­nung nicht näher in Betracht zu zie­hen seien.

Wört­lich sag­te der Papst gene­rell zur Frage:

„Ich glau­be an die Got­tes­mut­ter, unse­re gute Mut­ter, nicht an die Büro­lei­te­rin eines Tele­gra­phen­am­tes, die jeden Tag zu einer bestimm­ten Stun­de ihre Bot­schaf­ten absendet.“

Der Papst ließ damit erst­mals eine sich abzeich­nen­de Ent­schei­dung durch­blicken. Der Groß­teil des Phä­no­mens von Med­jug­or­je scheint, laut sei­nen Anga­ben, für eine kirch­li­che Aner­ken­nung nicht in Fra­ge zu kom­men. Der ver­blei­ben­de Rest, den Fran­zis­kus als die „frü­hen“ Erschei­nun­gen bezeich­ne­te, ohne eine genau zeit­li­che Abgren­zung vor­zu­neh­men, sei wei­te­ren Unter­su­chun­gen zu unterziehen.

Fran­zis­kus hielt sich daher auch nicht bei der Fra­ge nach der Echt­heit auf, son­dern ging in sei­nen Aus­füh­run­gen gleich auf die „pasto­ra­le“ Betreu­ung der Gläu­bi­gen über. Das sei der „Kern“, sprich, die wich­ti­ge Frage.

Karmeliter: „Papst sollte bestimmte Ausdrücke für sich behalten“

Die Reak­tio­nen blie­ben nicht aus. Die Tages­zei­tung Avve­ni­re der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz erreich­ten zahl­rei­che Pro­test­schrei­ben. Eines davon, das eines Prie­sters, wur­de ver­öf­fent­licht. Der Kame­li­ten­pa­ter Giu­s­ti­no Zop­pi schreibt dar­in über Med­jug­or­je, geht aber zu einer grund­sätz­li­chen Kri­tik über:

„Ich wür­de es vor­zie­hen, wenn der Hei­li­ge Vater bestimm­te Aus­drücke für sich behal­ten wür­de wie den der ‚Brief­trä­ger-Madon­na‘, die sicher nicht die Got­tes­mut­ter belei­di­gen, aber jene belei­di­gen, die an die Bot­schaf­ten von Med­jug­or­je glau­ben. Es han­delt sich jeden­falls weder um häre­ti­sche noch um nega­ti­ve Bot­schaf­ten, auch wenn es sich nicht um Offen­ba­run­gen, son­dern nur um die Wie­der­ga­be ein­fa­cher, inne­rer Aus­sa­gen han­deln soll­te. Sie scha­den jeden­falls nicht. Was mir hin­ge­gen weh­tut, ist, daß Ihre Zei­tung die­se Aus­drücke ver­stärkt und über­haupt alle Aus­sa­gen des Pap­stes ohne jede kri­ti­sche Betrach­tung und ohne die Fähig­keit, jenen eine Stim­me zu geben, die sich nicht dem päpst­li­chen Den­ken anpassen.“

Die­se Kri­tik an der Tages­zei­tung dürf­te die Redak­ti­on zur Ver­öf­fent­li­chung die­ses und nicht ande­rer Pro­test­brie­fe ver­an­laßt haben. Ent­spre­chend schob die Redak­ti­on dem stark gekürz­ten Brief von Pater Zop­pi, wie die Redak­ti­on selbst aus­führ­te, eine fünf­mal so lan­ge Erwi­de­rung nach. Dar­in heißt es, daß durch die Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Brie­fes die dar­in geäu­ßer­te Anschul­di­gung gegen die Zei­tung bereits wider­legt sei. Gleich­zei­tig führt der Avve­ni­re aus, daß es wegen Med­jug­or­je im Inter­net mas­siv „rumo­re“. Häu­fig sei unter den „Anhän­gern von Med­jug­or­je zu hören: Wenn eine Ent­schei­dung zwi­schen Papst Fran­zis­kus und Med­jug­or­je ver­langt wer­de, ste­he die Ent­schei­dung bereits fest, näm­lich für Medjugorje.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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