Marien‑, Engel- und Jesuserscheinungen — Was hat es mit dem Phänomen auf sich?

Die Marienerscheinungen von Laus sind kirchlich anerkannt. Für viele andere gilt das nicht.
Die Marienerscheinungen von Laus sind kirchlich anerkannt. Für viele andere gilt das nicht.

(Rom) Die Zahl der welt­wei­ten „Erschei­nungs­or­te“, an denen Engel, Maria oder Jesus einem oder meh­re­ren Per­so­nen erschei­nen, „Bot­schaf­ten“ geben, spe­zi­el­le „Offen­ba­run­gen“ ent­hül­len, „wun­der­sa­me“ Zei­chen schen­ken, Hei­lun­gen pas­sie­ren, hat in den ver­gan­ge­nen Jahr stark zuge­nom­men. Was sagt die Kir­che dazu? Skep­sis und Vor­sicht gegen­über For­men des Appa­ri­tio­nis­mus sind gebo­ten. Den­noch steht die Fra­ge im Raum, was es damit auf sich hat.

Zunächst stellt sich die Fra­ge nach der Echt­heit des einen oder ande­ren Phä­no­mens. Die Kir­che reagiert vor­sich­tig, zurück­hal­tend und behut­sam. Sie hat kei­ne Eile, weil die gött­li­che Offen­ba­rung mit Chri­stus abge­schlos­sen ist und „Son­der­of­fen­ba­run­gen“ ihr nichts mehr hin­zu­fü­gen kön­nen, was nicht schon gesagt ist. Es han­delt sich dabei, ob aner­kannt oder nicht, bei allen Phä­no­men seit­her um Pri­va­tof­fen­ba­run­gen, denen kein offi­zi­el­ler Cha­rak­ter zukommt und die – selbst bei kirch­li­cher Aner­ken­nung – von kei­nem Gläu­bi­gen geglaubt und aner­kannt wer­den müs­sen.

Marienerscheinung 1504 im Veltlin.
Mari­en­er­schei­nung 1504 im Velt­lin.

Die Mari­en­er­schei­nun­gen von Fati­ma, die vor 100 Jah­ren statt­fan­den und von der Kir­che offi­zi­ell aner­kannt sind, las­sen sich mit der Auf­for­de­rung zu Buße und Umkehr zusam­men­fas­sen, die mit der Ver­hei­ßung ver­bun­den ist, daß dadurch Frie­den, Ein­tracht und Wohl­erge­hen herr­schen wer­den, aber auch mit der War­nung, daß andern­falls durch die Sün­de der Men­schen Krieg und Ver­der­ben her­auf­be­schwört wer­den. Die Bot­schaft von Fati­ma sind kei­ne neue Offen­ba­rung, son­dern eine Bekräf­ti­gung und Ver­deut­li­chung des bereits Bekann­ten.

Wenn die Kir­che ein­greift, dann pri­mär unter dem Gesichts­punkt, Gläu­bi­ge vor Ab- und Irr­we­gen zu bewah­ren. Pri­va­tof­fen­ba­run­gen sind dann als falsch abzu­leh­nen, wenn sie die gött­li­che Offen­ba­rung Jesu Chri­sti ver­bes­sern, ver­voll­stän­di­gen, ergän­zen, über­win­den oder kor­ri­gie­ren wol­len. Pri­va­tof­fen­ba­run­gen kön­nen nur dann echt sein, so die Kir­che, wenn sie die Gläu­bi­gen an die gött­li­che Offen­ba­rung her­an­füh­ren und bei­tra­gen, daß die Men­schen die­se bes­ser ver­ste­hen und sich zu eigen machen. Als Maß­stab bei der Fra­ge nach der Echt­heit gilt, ob eine „Erschei­nung“ sich ver­selb­stän­digt oder vom genann­ten Ziel abweicht und ein ande­res oder „bes­se­res“ Ange­bot macht, als den Heils­weg Chri­sti. Pri­va­tof­fen­ba­run­gen füh­ren, wenn sie echt sind, immer zur geof­fen­bar­ten Wahr­heit hin. Ein beson­de­res Merk­mal ist, daß sie zu einem bestimm­ten Zeit­punkt in einer bestimm­ten Gegend auf eine bestimm­te Wahr­heit hin­wei­sen, die gera­de bedroht ist. Ech­te Erschei­nun­gen kön­nen nie der blo­ßen Sen­sa­ti­ons­lust die­nen, wie Papst Fran­zis­kus mehr­fach kri­ti­sier­te und sogar von einer Erschei­nungs- und Bot­schaf­ten­sucht sprach.

Warum nehmen „Erscheinungen“ immer mehr zu?

Wei­ter stellt sich die Fra­ge, war­um es heu­te so vie­le Phä­no­me­ne gibt, die­se welt­weit auf­tre­ten und an Zahl immer mehr zuneh­men. Hat das eine beson­de­re Bedeu­tung? Sind es war­nen­de Zei­chen einer Nega­tiv­be­schleu­ni­gung im Wel­ten­lauf? Offen­bar sind sie Signa­le einer Über­hit­zung, doch wel­cher? Über­hitzt sich die Welt durch eine sünd­haf­te Abkehr von Gott? Über­hit­zen sich Tei­le der Chri­sten­heit als Reak­ti­on auf eine um sich grei­fen­de Ent­christ­li­chung? Oder han­delt es sich um eine vom Him­mel gewähr­te Form der spi­ri­tu­el­len Regu­lie­rung, weil die der­zei­ti­gen Kir­chen­ver­tre­ter den Gläu­bi­gen nicht mehr aus­rei­chend geist­li­che Nah­rung geben?

Es gibt Tabel­len, in denen alle bekann­ten Mari­en­er­schei­nun­gen der Geschich­te chro­no­lo­gisch auf­ge­li­stet sind. Die Auf­li­stun­gen sind unter­schied­lich. Der bekann­te Mario­lo­ge René Lau­ren­tin, der weni­ge Tage nach der letz­ten Mari­en­er­schei­nung in Fati­ma gebo­ren wur­de und daher im 100. Lebens­jahr steht,  listet in sei­nem 2010 erschie­nen, monu­men­ta­len Dic­tion­n­aire des appa­ri­ti­ons de la vier­ge Marie mehr als 2.400 unter­schied­li­che Mari­en­er­schei­nun­gen auf. Der weit­aus größ­te Teil ereig­ne­te sich in den ver­gan­ge­nen 350 Jah­ren, von denen nur über­schau­ba­re 15 von der Kir­che offi­zi­ell aner­kannt wur­den (Ort, Zeit, Name des Sehers):

  • Laus (1664–1718), Benà´ite Ren­cu­rel
  • Rom (1842), Alp­hon­se Ratis­bon­ne
  • La Salet­te (1846), Maxi­min Giraud, Mela­nie Cal­vat
  • Lour­des (1858), Ber­na­det­te Sou­bi­rous
  • Cham­pi­on (1859), Ade­le Bri­se
  • Pontmain (1871) Euge­ne Bar­be­det­te, Joseph Bar­be­det­te, Fran­cois Richer, Jean­ne Lebos­sé
  • Diet­richs­wal­de (1877), Justi­ne Schafrins­ka, Bar­ba­ra Samu­low­s­ka
  • Knock (1879), Mar­ga­ret Beir­ne und wei­te­re Per­so­nen
  • Fati­ma (1917), Lucia Dos San­tos, Fran­ci­so Mar­to, Jacin­ta Mar­to
  • Beau­raing (1932), Fer­nan­de Voi­sin, Gil­ber­te Voi­sin, Albert Voi­sin, Andrée Degeim­bre, Gil­ber­te Degeim­bre
  • Ban­neux (1932), Mari­et­te Béco
  • Amster­dam (1945–1959), Ida Peer­de­mann
  • Aki­ta (1973–1981), Agnes Sasa­ga­wa
  • Beta­nia (1976–1988) Maria Espe­r­an­za Meda­no
  • Kibe­ho (1981–1986), Aphon­si­ne Mumere­ke, Natha­lie Ukama­zim­pa­ka, Marie-Clai­re Mukan­gan­go

Welche Bedeutung hat die Topograhie der Erscheinungen?

Wel­che Bedeu­tung kommt der Topo­gra­phie die­ser aner­kann­ten Erschei­nungs­or­te zu? Wel­che Bedeu­tung ihrem zeit­li­chen Auf­tre­ten? Es fällt auf, daß der ita­lie­ni­sche (Ratis­bon­ne war Sohn einer jüdi­schen Fami­lie aus dem Elsaß) und der deut­sche Sprach­raum (die bei­den Sehe­rin­nen im ermlän­di­schen Diet­richs­wal­de waren Polin­nen) nicht davon berührt sind, stark hin­ge­gen der fran­zö­si­sche Sprach­raum.

Unsere Liebe Frau von Kibeho
Unse­re Lie­be Frau von Kibe­ho (Ruan­da)

An den Tabel­len läßt sich able­sen, daß in jüng­ster Zeit eine rapi­de Zunah­me die­ser Phä­no­me­ne statt­ge­fun­den hat. Wie erklärt sich das? Psy­cho­lo­gi­sie­rend wird in die­sem Zusam­men­hang ger­ne, gele­gent­lich auch inner­kirch­lich, auf eine unbe­wuß­te Sehn­sucht reli­giö­ser Men­schen nach Sicher­heit in einer zuneh­mend agno­sti­schen und unsi­cher wer­den­den Welt ver­wie­sen. Sind die „Erschei­nungs­phä­no­me­ne“ nur Pro­jek­tio­nen eines inne­ren Sicher­heits­be­dürf­nis­ses über­spann­ter Zeit­ge­nos­sen? Das Erklä­rungs­mu­ster ist alt und reicht bereits in vori­gen Jahr­hun­der­te zurück. So wenig wie es damals taug­te, scheint es auch heu­te untaug­lich, die quan­ti­ta­ti­ve und qua­li­ta­ti­ve Band­brei­te des Erschei­nungs­phä­no­mens aus­rei­chend erfas­sen und erklä­ren zu kön­nen. Ihm haf­tet zudem der Bei­geschmack anti­kle­ri­ka­ler Ableh­nung an. Wer nicht glau­ben will, wehrt sich mas­siv gegen über­na­tür­li­che Phä­no­me­ne, weil er instink­tiv wit­tert, daß die Bereit­schaft, auch nur die Echt­heit eines ein­zi­gen Phä­no­mens anzu­er­ken­nen, auf­grund der intel­lek­tu­el­len Red­lich­keit zwangs­läu­fig die Aner­ken­nung eines per­so­na­len Got­tes, der Herr über Leben und Tod und Gedeih und Ver­derb ist, nach sich zieht. Die Kir­che hat von die­sem anti­kle­ri­ka­len Zwang viel pro­fi­tiert, wie das Gezer­re um die Echt­heit des Turi­ner Grab­tu­ches belegt. Wer ehr­lich auf der Suche nach der Wahr­heit ist, und aus die­ser Hal­tung her­aus, die Echt­heit eines über­na­tür­li­chen Phä­no­mens zu wider­le­gen ver­sucht, dient letzt­lich der Kir­che, denn er wird am Ende Gegen­ar­gu­men­te ent­kräf­ten und neue Indi­zi­en für die Echt­heit lie­fern. Kein Nut­zen ent­steht dort, wo nicht Wahr­heits­su­che, son­dern ver­stock­te Ableh­nung am Werk sind. Die Mit­tel die­ser Geg­ner sind nicht die Wis­sen­schaft, son­dern Nie­der­tracht und Spott.

Sind die zahl­rei­chen „Erschei­nun­gen“ sogar hin­der­lich für die Glau­bens­wei­ter­ga­be? Dies behaup­ten man­che in der Kir­che, die einen Irra­tio­na­lis­mus gegen die Ratio am Werk sehen, der zu einer wei­te­ren Ent­frem­dung von Chri­sten und Nicht-Chri­sten bei­tra­ge und die Kluft zwi­schen der moder­nen Welt und einer zurück­ge­blie­be­nen Kir­che ver­tie­fe. Oder ist das Erschei­nungs­phä­no­men ein not­wen­di­ges Hilfs­mit­tel, das der Him­mel gera­de in unse­rer Zeit groß­zü­gig gewährt, um die Men­schen dar­an zu erin­nern, daß Gott die Natur­ge­set­ze geschaf­fen hat und sie selbst über­win­den kann, damit sie nicht im Mate­ria­lis­mus ersticken?

Welche Bedeutung hat die Botschaftenflut?

Mit der Zunah­me der „Erschei­nungs­or­te“ hat auch die Zahl der „Bot­schaf­ten“ zuge­nom­men. Damit ist nicht die Glei­chung mehr Orte, mehr Bot­schaf­ten gemeint. Die Zahl der an den ein­zel­nen „Erschei­nungs­or­ten“ aus­ge­ge­be­nen Bot­schaf­ten hat sich viel­mehr teils exor­bi­tant ver­mehrt. Es scheint eine gan­ze Pri­va­tof­fen­ba­rungs­in­du­strie zu geben. Wie erklärt sich die­ses Phä­no­men? Wel­chen Sinn und Nut­zen hät­te es, soll­te es echt sein? Wie­viel davon ist echt? Wie­viel Tritt­brett­fah­rer­tum? Wie­viel Betrug?

Med­ju­g­or­je scheint dabei ein Eck­punkt zu sein. Auch davor gab es Visio­nä­re, die oft jah­re­lang Schau­un­gen hat­ten, die sich in ver­schie­de­ner For­men arti­ku­lier­ten, aber nur in klei­nem Umfang in Form von Bot­schaf­ten für die Öffent­lich­keit. Med­ju­g­or­je ist der erste „Erschei­nungs­ort“, wo seit 1981 eine kaum mehr über­schau­ba­re Anzahl an „Bot­schaf­ten“ an die gan­ze Mensch­heit aus­ge­ge­ben wur­de und wei­ter­hin wer­den. Die­se „Bot­schaf­ten­flut“, die zuvor in der Kir­chen­ge­schich­te unbe­kannt war, trat seit­her an zahl­rei­chen ande­ren Orten auf. Haben Erschei­nun­gen in einer bestimm­ten histo­ri­schen Epo­che bestimm­te, gemein­sa­me Merk­ma­le? Ist die Bot­schaf­ten­flut die ein Merk­mal unse­rer Zeit?

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren kam das Phä­no­men von „Anonym­bot­schaf­ten“ hin­zu, das unter dem Stich­wort „Die Wahr­heit“ bekannt wur­de. Nie­mand kennt den oder die „Seher“, alles geschieht anonym, unüber­prüf­bar und unkon­trol­lier­bar. Die Kir­che nahm nicht offi­zi­ell dazu Stel­lung. Von ver­schie­de­nen Kir­chen­ver­tre­tern wur­de das Phä­no­men jedoch als offen­kun­di­ger Betrug kri­ti­siert und nament­lich mit einer Sek­te mit Bezug zu Austra­li­en in Zusam­men­hang gebracht, deren Guru wegen sexu­el­len Miß­brauchs im Gefäng­nis sitzt. Was es auch immer damit auf sich haben soll­te: Anonym­bot­schaf­ten des Him­mels sind ein Wider­spruch in sich, wie Kir­chen­ver­tre­ter beto­nen.

So wie die „Die Wahr­heit“ auf­tauch­te, ver­schwand sie auch wie­der. Auch in die­sem Fall gibt es Nach­fol­ge­phä­no­me­ne, die plötz­lich dem­sel­ben Muster fol­gen und wie Tritt­brett­fah­rer wir­ken.

Kirchliches Vorgehen

1978 erließ die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Nor­men „über die Vor­gangs­wei­se bei der Beur­tei­lung angeb­li­cher Erschei­nun­gen und Offen­ba­run­gen“. Zustän­dig ist dem­nach der Orts­bi­schof. Er hat eine Exper­ten­kom­mis­si­on zu beru­fen und das Phä­no­men unter­su­chen zu las­sen. Auf der Grund­la­ge die­ser Unter­su­chung kann er sich äußern. Ist Gefahr im Ver­zug muß er sich äußern. Auf­grund von Beson­der­hei­ten und Aus­wir­kun­gen, die über die Diö­ze­san­gren­zen hin­aus­ge­hen, kann sich die Bischofs­kon­fe­renz des Lan­des damit befas­sen oder auch der Hei­li­ge Stuhl.

Schon damals beklag­te die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on:

„Ande­rer­seits machen es die heu­ti­ge Men­ta­li­tät und die Not­wen­dig­keit einer kri­ti­schen wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chung schwie­ri­ger, wenn nicht fast unmög­lich, mit der gebo­te­nen Schnel­lig­keit jenes Urteil zu fäl­len, das in der Ver­gan­gen­heit die Unter­su­chun­gen zur Sache abge­schlos­sen hat (cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te, non cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te) und den Ordi­na­ri­en die Mög­lich­keit bot, den öffent­li­chen Kult oder ande­re For­men der Ver­eh­rung durch die Gläu­bi­gen zu gestat­ten oder zu ver­bie­ten.“

Drei mög­li­che Ent­schei­dun­gen bezüg­lich der Echt­heit sind vor­ge­se­hen: ein nega­ti­ves Urteil (cons­tat de non super­na­tu­ra­li­ta­te; die Nicht-Über­na­tür­lich­keit steht fest), ein abwar­ten­des Urteil (non cons­tat de  super­na­tu­ra­li­ta­te; die Über­na­tür­lich­keit steht nicht fest) und ein posi­ti­ves Urteil (cons­tat de super­na­tu­ra­li­te; die Über­na­tür­lich­keit steht fest). Das abwar­ten­de Urteil besagt neu­tral, daß zum gege­be­nen Zeit­punkt eine Über­na­tür­lich­keit des Phä­no­mens nicht fest­steht, aber eben­so­we­nig ein nega­ti­ves Urteil abge­ge­ben wer­den kann. In den Nor­men von 1978 ist die­se neu­tra­le Zwi­schen­stu­fe nicht vor­ge­se­hen, wird aber seit­her prak­ti­ziert.

Im März 2015 sprach der Erz­bi­schof von Brin­di­si ein nega­ti­ves Urteil über die von einem ört­li­chen „Seher“ behaup­te­ten „Erschei­nun­gen“ aus.

Es gibt noch einen vier­ten Weg, der in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach began­gen wur­de. Ein Orts­bi­schof äußert sich offi­zi­ell gar nicht zu einem Phä­no­men, erkennt aber die Güte der dadurch geför­der­ten Fröm­mig­keit an. In die­sem Fall wur­den „Erschei­nungs­or­te“ nicht als sol­che aner­kannt, aber zu Gebets­stät­ten erho­ben und damit der Kult in gewis­ser Wei­se erlaubt. So ist es in Herolds­bach gesche­hen oder jüngst durch den Erz­bi­schof von Cata­nia, der 2000 den „Erschei­nungs­ort“ von Bel­pas­so zur Gebets­stät­te erhob. Dort soll von 1981–1986 die Got­tes­mut­ter erschie­nen sein. Die Erschei­nun­gen wur­den nicht aner­kannt. Der Erz­bi­schof begab sich den­noch jähr­lich zum Jah­res­tag der „Erschei­nun­gen“ zur Gebets­stät­te, eben­so inzwi­schen sein Nach­fol­ger.

Auch Gua­da­lu­pe in Mexi­ko wur­de offi­zi­ell nie aner­kannt, son­dern nur de fac­to. Weil die Aner­ken­nun­gen seit Jahr­hun­der­ten kon­so­li­diert ist, ver­zich­tet die Kir­che auf eine nach­träg­li­che For­ma­li­sie­rung.

Die von Maria gewünschte Wundertätige Medaille
Die von Maria gewünsch­te Wun­der­tä­ti­ge Medail­le (1830)

Als die Got­tes­mut­ter dem bereits getauf­ten Azte­ken Juan Die­go (sein heid­ni­scher Name war Cuauh­t­la­to­atzin) 1531 erschien, war das Chri­sten­tum gera­de erst seit zehn Jah­ren bis in die­se Gegend vor­ge­drun­gen. Der Orts­bi­schof ließ am Ort der Erschei­nung eine Kapel­le errich­ten. Kurz dar­auf gewähr­te Papst Gre­gor XIII. den Pil­gern einen voll­kom­me­nen Ablaß. Die Aner­ken­nung erfolg­te sofort, wenn auch ohne Dekret. 2002 wur­de Juan Die­go von Papst Johan­nes Paul II. hei­lig­ge­spro­chen.

Kei­ne offi­zi­el­le Aner­ken­nung gibt es auch für die Erschei­nun­gen der hei­li­gen Cathe­ri­ne Labou­ré von Paris. Eine sol­che lehn­te Labou­ré ab, weil sie jedes Auf­se­hen um ihre Per­son ver­mei­den woll­te. Ihre Mit­schwe­stern im Orden erfuh­ren erst Jahr­zehn­te spä­ter, daß die Got­tes­mut­ter ihr den Auf­trag zum Prä­gen der Wun­der­tä­ti­gen Medail­le erteilt hat­te. Die Medail­le war daher vom Erz­bi­schof von Paris nur mit­tels pasto­ra­ler Maß­nah­men aner­kannt und geför­dert wor­den.

Erschei­nun­gen und Pri­va­tof­fen­ba­run­gen kön­nen, wenn sie echt sind, immer nur zum Glau­ben hin­füh­ren, aber nie Grund sein, vom Glau­ben weg­zu­füh­ren. Wo sie mehr Anlaß zu Streit und Kon­flik­ten in der Kir­che und unter den Gläu­bi­gen sind, schei­nen Zwei­fel ange­bracht.

Die ganz unter­schied­li­chen, nicht aner­kann­ten Phä­no­me­ne wie Med­ju­g­or­je, Gara­band­al, Civi­ta­ve­c­chia, Schio, Oli­ve­to Citra, Cua­pa, Bay­si­de, Hee­de, Mar­pin­gen, St. Leon­hard in Kärn­ten, Ghi­aie di Bona­te, Pla­ca­ni­ca, San Damia­no Pia­cen­ti­no, Turin, Ter­ni, Mal­ta, Pia­na del Tau­ro und vie­le ande­re mehr stel­len in jedem Fall eine Her­aus­for­de­rung für die Kir­che dar. Selbst bei einem abwar­ten­den oder nega­ti­ven Urteil sind die Hin­ter­grün­de jedes ein­zel­nen Phä­no­mens zu unter­su­chen und zu ergrün­den.

Text: Ger­traud Schwai­ger
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7 Kommentare

  1. Amster­dam is sehr sehr frag­wür­dig. Der Vati­kan hat die Aner­ken­nung abge­lehnt, ein Orts­bi­schof es aber bestä­tigt.
    Mir per­sön­lich is es befremd­lich, wenn es zum Dog­ma erho­ben wer­den soll, daß Maria Mit­erlö­se­rin ist. Zwar hat sie in allem ihren Sohn unter­stützt, und ihre Grö­ße wird von den Men­schen nie gebüh­rend aner­kannt, daß Werk der Erlö­sung ist aber ein­zig und allein das Werk des mensch­ge­wor­de­nen Got­tess­soh­nes.

    • Lie­ber @ Bal­int Jozsef,
      Darf ich Ihnen emp­feh­len, in der qua­li­tät­vol­len Mystik (z. B.: A. K. Emme­rich; Maria von Agre­da, Cäci­lia Maria Baij, etc.), ins­be­son­de­re bei Maria Val­tor­ta „Der Gott­mensch“ über Aspek­te des Geheim­nis­ses der Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens sich ein­mal kun­dig zu machen? Im letz­ten oder vor­letz­ten Band (11 od. 12) kön­nen wir lesen und erken­nen, dass Maria der ein­zi­ge Mensch war, der noch an die Auf­er­ste­hung Jesu, ihres gott­mensch­li­chen Soh­nes, glaub­te; der himm­li­sche Vater gab ihr als Glau­bens­hil­fe und Stär­kung des wun­der­ba­re Bild­nis auf dem Schweiß­tuch der Vero­ni­ka durch Johan­nes in die Hän­de. Sie konn­te nur allei­ne noch glau­ben, weil sie allei­ne ohne Erb­sün­de war; und sonst kein Mensch.
      Das ist zu beden­ken wenn man das Geheim­nis der Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens ver­ste­hen möch­te. Außer­dem kön­nen wir durch betrach­ten­des Rosen­kranz­ge­bet — im Lau­fe von Jah­ren — die Mög­lich­keit fin­den, sich die­sem wun­der­ba­ren Rat­schluss Got­tes, „Maria als Mit­erlö­se­rin“ erwählt zu haben, ganz lang­sam gedank­lich zu nähern.

      Indem man jedes „Ave Maria“, das „Vater Unser“ und das „Ehre sei dem Vater“ sowie das „Glau­bens­be­kennt­nis“ und die „ein­zel­nen Geheim­nis­se des Rosen­kran­zes“ täg­lich ehr­furchts­voll betrach­tend betet, erschlie­ssen sich dem wohl­wol­lend zustim­men­den und fra­gen­den Her­zen eini­ge Aspek­te der über­na­tür­li­chen Dimen­sio­nen des Han­delns Got­tes.
      Die Erfah­rung der Teil­nah­me an täg­li­chen Hei­li­gen Mes­sen oder das täg­li­che Lesen der lit­ur­gi­schen Tex­te im Kir­chen­jahr erschliesst zusätz­li­che Hori­zon­te.

      Übri­gens muss bei die­sem „Geheim­nis der Mit-Erlö­ser­schaft Mari­ens“ auch bedacht wer­den, dass Maria die „Neue Eva“ ist und Jesus der „Neue Adam“ ist.

      • Hal­lo,
        AK Emme­rich und Maria Agre­da schät­ze ich sehr. Bei Maria Val­tor­ta habe ich mei­ne Beden­ken. CM Baij ken­ne ich nicht.
        Wie dem auch sei: Das alles sind Pri­va­tof­fen­ba­run­gen, und als sol­che sind sie dem Urteil der Kir­che zu unter­wer­fen. Ich möch­te noch­mal beto­nen, die Men­schen wer­den nie gebüh­rend schät­zen kön­nen, was Maria für sie getan hat. Rein aus logi­schen Grün­den (Ver­nunfts­grün­den) möch­te ich jedoch dar­an fest­hal­ten, daß die Erlö­sung das Werk Chri­sti war.

        • Lie­ber @ Bal­int Jozsef,
          Die Mit-Erlö­ser­schaft Mari­ens ist ein gro­ßes Geheim­nis und kann ratio­nal nicht kon­kret erfasst wer­den. Mit-Erlö­ser­schaft muss auch nicht hei­ssen: zu glei­chen Tei­len Anteil an der Erlö­sung haben. Natür­lich ist die Mit-Erlö­ser­schaft Mari­ens der Erlö­ser­schaft Jesu nach­ge­ord­net: theo­lo­gisch heisst das rich­tig: Jesus ist der ein­zi­ge Erlö­ser (als Gott­mensch der Ver­mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen). Den­noch hat Maria einen sehr geheim­nis­vol­len — und wohl nicht unwe­sent­li­chen — Anteil an der Erlö­sung des gan­zen Men­schen­ge­schlech­tes durch ihr beson­de­res Mit-Lei­den.
          In der Lit­ur­gie der Kir­che wird ein Zitat aus den Weis­heits­bü­chern an bestimm­ten Festen Jesu und an bestimm­ten Festen Mari­ens gele­sen, in denen es etwa so heisst: „Die Weis­heit, die vor aller Zeit an dei­ner Sei­te ruh­te, …“ Das gilt in der Lit­ur­gie der Kir­che sowohl für Jesus als — beson­ders geheim­nis­voll — wohl auch für Maria.
          Dies habe ich in Hl. Mes­sen (in den Lesungs­tex­ten) beob­ach­ten kön­nen, zu Zei­ten als ich täg­lich in der Hl. Mes­se sein konn­te. Und die­se Wor­te aus den Weis­heits­bü­chern sind kom­pa­ti­bel mit den Aus­füh­run­gen in „Der Gott­mensch“ von Maria Val­tor­ta und eben­so mit ande­rer Mystik, die ich jetzt — zeit­lich — lei­der nicht direkt bele­gen kann (z. B.: wohl auch aus dem sog. ‚Blau­en Buch‘ der MPB).

          • Ich habe mir den Arti­kel von Feli­zi­tas Küb­le auch — etwas genau­er (mit Nach­le­sen im ‚Blau­en Buch‘)- unter die Lupe genom­men und bin zu fol­gen­dem Ergeb­nis gekom­men:

            Die Autorin scheint ein Vor­ur­teil gegen jeg­li­che Mystik zu haben. Das kann man auch im Ver­gleich zu die­sem Arti­kel von Ger­traud Schwai­ger sehr schnell erken­nen; der Stil ist — lei­der muss ich die­ses bei mei­ner Ana­ly­se fest­stel­len — : recht­ha­be­risch, zumal wenn man sich die Bot­schaf­ten auf die ein­ge­gan­gen wird, genau­er ansieht. Es gibt auch noch ande­re Grün­de, die ich hier — aus Platz­grün­den — lei­der nicht auf­füh­ren kann. Aber: Wenn jemand mit einem Vor­ur­teil an die Sache her­an­geht, wird es schwie­rig mit der Wahr­heits­lie­be und ‑fin­dung.

            Fol­gen­des möch­te ich für die Authen­ti­zi­tät der Bot­schaf­ten an den Prie­ster Don Gob­bi auch Ihnen zu beden­ken geben:

            Das Buch hat mit Datum vom 2. Febru­ar 1998 Impri­matur von Ber­na­di­no Kar­di­nal Eche­ver­ria Ruiz, OFM.

            Die Autorin Feli­zi­tas Küb­le hat ihren Blog mit dem Namen „Cha­ris­ma­tis­mus“ von einem ursprüng­lich evan­ge­li­schen Chri­sten (Vol­ker Joseph Jor­dan; sh. a.: „End­lich Zuhau­se — mein Weg zur Kir­che“) vor des­sen Krebs­tod über­nom­men, was eine gewis­se Vor­ein­ge­nom­men­heit auch impli­zie­ren kann.

            Zu den Aus­fal­tun­gen der Schrift im Rah­men der Mystik ist Fol­gen­des zu sagen: Das Wort Got­tes ist immer auch geheim­nis­voll und wei­te­re Ent­fal­tung durch den Hl. Geist ist mög­lich oder sogar erfor­der­lich, um die Zeit(en) zu ver­ste­hen. Das wir in einem Zitat von Papst Bene­dikt zu Fati­ma deut­lich (am 13. Mai 2010 in Fati­ma): „Wer glaubt, dass die pro­phe­ti­sche Dimen­si­on Fati­mas been­det sei, der irrt sich.“ Und auf dem Rück­flug nach Rom zu Nach­fra­gen der Jour­na­li­sten zum 3. Geheim­nis: „So, wür­de ich sagen, wer­den auch hier über die gro­ße Visi­on des Lei­dens des Pap­stes hin­aus, …, Rea­li­tä­ten der Zukunft der Kir­che auf­ge­zeigt, die sich nach und nach ent­fal­ten und zei­gen. Daher … …, und daher wer­den Lei­den der Kir­che ange­kün­digt.“

            Bei den Bot­schaf­ten an Don Gob­bi ist zu beach­ten, dass die Bibel schon geheim­nis­voll und nicht immer von allen in ihrer mysti­schen Dimen­si­on ver­stan­den wird. Dazu bedarf es außer des Bemü­hens um ein rei­nes Herz auch ste­ter Umkehr­be­reit­schaft und der Hal­tung der Demut vor Gott sowie unbe­ding­ter Wahr­heits­lie­be. All das erken­ne ich in den Bot­schaf­ten an Don Gob­bi, die ich lei­der nur in deut­scher Über­set­zung lesen kann.

            Auch ist zu beden­ken, dass Don Gob­bi die­se sei­ne Beru­fung in Fati­ma bekom­men hat, womit der Him­mel aus­drück­lich erneut auf die Botschaft(en) von Fati­ma hin­ge­wie­sen hat bzw. hin­weist.

            Im Übri­gen gibt es ein gro­ßes Geheim­nis der Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens wel­ches sich wohl auch noch — wie ande­re Lehr­sät­ze der Kir­che zur gege­be­nen Zeit — ent­fal­ten wird: Maria hat, da sie allein ohne Sün­de war und von Ewig­keit von Gott für ihre Auf­ga­ben erwählt wur­de, als ein­zi­ger Mensch noch bei der Gra­bes­ru­he an die Auf­er­ste­hung ihres gött­lich-mensch­li­chen Soh­nes geglaubt.

  2. Bei allen post­kon­zi­lia­ri­schen Erschei­nun­gen, ob Geist, Engel, Hei­li­ge, ist es gemein­sam, daß sie sehr schweig­sam zum Vati­ka­num II. sind. Weder eine Bestä­ti­gung des neu­en Kur­ses, noch eine Ver­ur­tei­lung davon. „Fastet, betet, tut Buße“ — hör­ten wir schon tau­send­mal. Ken­nen wir genü­gend, ist schon etwas infla­tio­när. Was wir aber ver­mis­sen, eine himm­li­sche Stel­lung­nah­me bei den kirch­lich aner­kann­ten Erschei­nun­gen zum Kon­zil. Med­ju­g­or­je hat das Kon­zil zwar bestä­tigt, es ist aber nicht kirch­lich aner­kannt.

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