Gibt es einen, zwei oder drei Päpste? Für den Papst-Vertrauten Spadaro schon

Zwei, drei Päpste "zusammen", so der Papst-Vertraute P. Antonio Spadaro. Im Bild: Papst Franziskus, Tawadros, der koptisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria und Bartholomäus, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel.
Zwei, drei Päpste "zusammen", so der Papst-Vertraute P. Antonio Spadaro. Im Bild: Papst Franziskus, Tawadros, der koptisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria und Bartholomäus, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel.

(Rom) Gibt es einen Papst? Gibt es zwei Päp­ste? Oder sind es gar drei Päp­ste? Geht es nach einem der eng­sten Mit­ar­bei­ter von Papst Fran­zis­kus sind es min­de­stens drei: Papst Fran­zis­kus, der eme­ri­tier­te Papst Bene­dikt XVI. und der kop­ti­sche Papst Tawa­dros. Viel­leicht sind es aber auch noch mehr.

Auf Twit­ter ver­öf­fent­lich­te Pater Anto­nio Spa­daro, der Schrift­lei­ter der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca, am 29. April, dem zwei­ten Tag des Ägyp­ten-Besu­ches von Papst Fran­zis­kus, ein Pho­to, das Papst Fran­zis­kus mit dem kop­tisch-ortho­do­xen Patri­ar­chen Tawa­dros und dem grie­chisch-ortho­do­xen Patri­ar­chen Bar­tho­lo­mä­us zeigt. Dazu schrieb Spa­daro:

„An die­ses histo­ri­sche Bild, das ich gestern abend gese­hen habe, wer­den wir uns erin­nern: Papst Fran­zis­kus, Papst Tawa­dros und Patri­arch Bar­tho­lo­mä­us zusam­men!“

Zwei Päpste mit Patriarch
Zwei Päp­ste mit Patri­arch

Tat­säch­lich wird der kop­ti­sche Patri­arch von Alex­an­dria in der kop­tisch-ortho­do­xen Kir­che als Papst ange­spro­chen. Die Bezeich­nung geht auf den ersten kop­ti­schen Patri­ar­chen Dio­sko­ros I. zurück, der von 444–451 nach Chri­stus im Amt war. Der mono­phy­si­tisch gesinn­te Dio­sko­ros ließ 449 von sei­nen Anhän­gern auf der Räu­ber­syn­ode von Ephe­sos, Fla­via­nus, den Erz­bi­schof von Kon­stan­ti­no­pel so schwer miß­han­deln, daß die­ser an den Fol­gen der Ver­let­zun­gen starb. Fla­via­nus wird von der römisch-katho­li­schen und der grie­chisch-ortho­do­xen Kir­che als Hei­li­ger ver­ehrt.

451 wur­de Dio­sko­ros auf Betrei­ben von Papst und Kai­ser jedoch vom Kon­zil von Chal­ce­don abge­setzt und die „Räu­ber­syn­ode“ für ungül­tig erklärt.

Dar­auf­hin spal­te­te Dio­sko­ros sei­nen Juris­dik­ti­ons­be­reich Ägyp­ten von der Kir­che ab. Das Jahr 451 gilt in Rom und Kon­stan­ti­no­pel als Grün­dungs­jahr der kop­tisch-ortho­do­xen Kir­che. Im sel­ben Jahr leg­te er sich selbst und demon­stra­tiv den Titel Papst zu. Zu der Zeit regier­te in Rom mit dem hei­li­gen Leo dem Gro­ßen bereits der 44. Nach­fol­ger des Apo­stels Petrus. Die Kop­ten nen­nen als Ent­ste­hungs­jahr 42 nach Chri­stus, als der Apo­stel und Evan­ge­list Mar­kus, die Gemein­de von Alex­an­dria grün­de­te. In den ersten 400 Jah­re bestand Ein­heit mit der übri­gen Kir­che. Zu sei­nen Vor­gän­gern als Patri­arch von Alex­an­dria gehör­te der hei­li­ge Kir­chen­va­ter Atha­na­si­us (328–373).

Es besteht kein Zwei­fel, daß die Kop­ten für ihr Ober­haupt den Titel Papst bean­spru­chen. Die Anre­de des kop­ti­schen Patri­ar­chen als „Papst“ durch Nicht-Kop­ten fin­det als Kurio­si­tät in histo­risch-kul­tu­rel­len Dar­stel­lun­gen häu­fi­ge Erwäh­nung. Unge­wöhn­lich ist der öffent­li­che Gebrauch aller­dings durch einen der eng­sten Mit­ar­bei­ter des Pap­stes, zudem auf Twit­ter, also im per­sön­li­chen Bereich und nicht in einem offi­zi­el­len, diplo­ma­ti­schen Rah­men.

Spa­daro scheint Gefal­len dar­an gefun­den zu haben, denn er wie­der­hol­te am 28. und 29. April die Beti­te­lung bei­der Kir­chen­ver­tre­ter als Päp­ste gleich mehr­fach auf Twit­ter. Die dazu von ihm ver­öf­fent­li­chen Bil­der ver­mit­teln den Ein­druck, daß Papst Fran­zis­kus nur ein Papst unter meh­re­ren Päp­sten sei. Viel­leicht ein Pri­mus inter pares?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Twit­ter (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Mit wel­chem Titel benennt die kop­ti­sche Kir­che denn den Bischof von Rom?
    Auch als Papst?
    Wie dem auch sei:
    Vie­le Kop­ten lei­den und wer­den getö­tet für ihren Glau­ben,
    ob mit oder ohne kop­ti­schem Papst. Sie sind für uns alle in ihrer Glau­bens­treue ein Vor­bild!

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