Priester fordert von Papst Franziskus „Ungerechtigkeit der Superreichen beim Namen zu nennen“ und „Frauendiakonat“

Don Albanesi Papst franziskus
Don Albanesi am 25. Februar mit Papst Franziskus: Audienz für Gemeinschaft von Capodarco.

(Rom) Ver­gan­ge­nen Sams­tag emp­fing Papst Fran­zis­kus Don Vini­cio Alba­ne­si und Ange­hö­ri­ge, Freun­de Sym­pa­thi­san­ten der Gemein­schaft von Capod­ar­co. Don Alba­ne­si for­der­te den Papst auf, das Frau­en­dia­ko­nat zu gewäh­ren und die „Unge­rech­tig­keit beim Namen zu nen­nen, daß „ein Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung gleich­viel Res­sour­cen besitzt wie die übri­gen 99 Pro­zent zusam­men“.

Priester mit dem „Geruch der Schafe“ im Einsatz für „sozial Benachteiligte“

Beglei­tet wur­den die Ver­tre­ter der Gemein­schaft von meh­re­ren ita­lie­ni­schen Bischö­fen. Don Alba­ne­si ist nicht der Grün­der der Gemein­schaft von Capod­ar­co, aber seit 1994 deren Vor­sit­zen­der. Die Gemein­schaft wur­de 1966 von einem ande­ren Prie­ster gegrün­det und enga­giert sich im Sozi­al­be­reich unter ande­rem für Behin­der­te, Gei­stes­kran­ke und Ein­wan­de­rer. Den „sozia­le Benach­tei­lig­ten“ gilt „unse­re Auf­merk­sam­keit“, so Don Alba­ne­si. Inhalt­lich posi­tio­niert sich die Gemein­schaft im pro­gres­si­ven Spek­trum. Sie gilt als „links­ka­tho­lisch“ und Don Alba­ne­si als Pro­to­typ des Prie­sters „an den Rän­dern“ mit dem „Geruch der Scha­fe“, wie Medi­en im Zusam­men­hang mit dem Emp­fang Wor­te von Papst Fran­zis­kus auf ihn anwand­ten.

Buch für das Frauendiakonat übergeben

Zwei Termine am selben Tag: Oben Papst Franziskus mit dem scheidenen Dekan der Rota Romana, Msgr. Pinto, darunter Forderung "Vorwäts beim Frauendiakonat" von Don Albanesi.
Zwei Ter­mi­ne am sel­ben Tag: Oben Papst Fran­zis­kus mit dem schei­den­den Dekan der Rota Roma­na, Msgr. Pin­to, dar­un­ter For­de­rung „Vor­wärts beim Frau­en­dia­ko­nat“ von Don Alba­ne­si.

Bei der Audi­enz wur­den dem Papst von Don Alba­ne­si vier Geschen­ke über­reicht, dar­un­ter sein neu­es Buch für das Frau­en­dia­ko­nat, das am 23. Febru­ar in den Buch­han­del kam. Der Titel des Buches lau­tet: „Ist das Dia­ko­nat für die Frau­en mög­lich?“ (Il dia­co­na­to alle don­ne. E‘ pos­si­bi­le?).

Am Ran­de der Audi­enz sag­te der „Prie­ster der Armen und der sozi­al Benach­tei­lig­ten“: „Mei­ner Mei­nung nach ist das Frau­en­dia­ko­nat mög­lich“, so die Tages­zei­tung Il Mat­ti­no. „Wer an den Rän­dern lebt, weiß, daß es vie­le Ordens­frau­en, aber auch Lai­en gibt, Kate­che­tin­nen, Leh­re­rin­nen, Wis­sen­schaft­le­rin­nen, Fami­li­en­müt­ter, Frau­en, die sich der Näch­sten­lie­be wid­men, die das Dia­ko­nat emp­fan­gen kön­nen, das zwar Teil des Wei­he­sa­kra­ments ist, aber immer vom prie­ster­li­chen Dienst unter­schie­den wur­de. Es ist ein eige­ner Dienst, daher gibt es kei­nen Grund, wes­halb es nicht auch Frau­en über­tra­gen wer­den könn­te.“ Don Alba­ne­si erin­ner­te in die­sem Zusam­men­hang dar­an, daß Papst Fran­zis­kus im ver­gan­ge­nen August eine Stu­di­en­kom­mis­si­on zum Frau­en­dia­ko­nat errich­te­te, wie die Inter­net­sei­te der Gemein­schaft berich­te­te.

Am Tag zuvor hat­te die Inter­net­platt­form Katholisch.de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz ein Inter­view mit Kuri­en­kar­di­nal Gian­fran­co Rava­si ver­öf­fent­licht, der das Frau­en­dia­ko­nat für „mög­lich“ erklär­te.

„Klärung“ gegen „Ungerechtigkeit“ gefordert

In sei­ner kur­zen Anspra­che vor dem Papst reg­te Don Alba­ne­si eine „Syn­ode“ über die „mensch­li­chen Fähig­kei­ten“ an, „auch wenn die­se ver­mischt sind mit Schwä­chen und Wider­sprü­chen“. Wört­lich sagt er zum Papst:

„Wir ersu­chen Sie, auch um Gedan­ken zum Dra­ma, zum Skan­dal der Ungleich­heit zwi­schen einem Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung, der allein soviel Res­sour­cen besitzt wie die rest­li­chen 99 Pro­zent. Unse­re Moral hat seit jeher auf ‚Gerech­tig­keit‘ beharrt. Sie hat es all­ge­mein getan. Viel­leicht ist der Zeit­punkt für eine Klä­rung gekom­men und die Unge­rech­tig­keit, von der die Welt befal­len wird, bei ihrem Namen zu nen­nen und kon­kre­te Lösun­gen auf­zu­zei­gen. Dür­fen wir uns von Ihnen ein Apo­sto­li­sches Schrei­ben zu die­sem The­ma erwar­ten?“

„Gegen die Pharisäer, die Wege der Barmherzigkeit nicht begreifen“

Dann folg­te ein Sei­ten­hieb gegen die kir­chen­in­ter­nen Kri­ti­ker der Amts­füh­rung von Papst Fran­zis­kus:

„Wir umar­men Sie herz­lich, gera­de jetzt, da angeb­li­che Trä­ger der Wahr­heit, die mehr Pha­ri­sä­er schei­nen, nicht ein­mal Schrift­ge­lehr­te, Regeln ein­for­dern, die sie selbst als erste über­tre­ten, weil sie die Wege der Barm­her­zig­keit nicht begrei­fen, die Sie so uner­müd­lich in Erin­ne­rung rufen.“

„Rebellion, Widerstand, Befreiung“

Über die Gemein­schaft von Capod­ar­co sag­te Don Alba­ne­si, laut Inter­net­sei­te der Gemein­schaft, zum Papst:

„Wir sind das Volk der Hoff­nung. Wir müs­sen an die­sen inten­si­ven Tag glau­ben, an dem der beste Teil des Vol­kes von Capod­ar­co, ver­teilt über ganz Ita­li­en, mit der Kir­che den Weg der Befrei­ung leben will. Wir sind die Ban­ner­trä­ger der drei ‚R‘: (ribel­lio­ne) Rebel­li­on, um frei zu sein; (resi­sten­za) Wider­stand, um unse­re Träu­me vor­an­zu­tra­gen, und (ris­cat­to) Befrei­ung der Armen.“

Papst Fran­zis­kus lob­te in sei­ner Anspra­che den sozia­len Ein­satz der Gemein­schaft für die „glei­che Wür­de aller Men­schen“ und dank­te dafür, sich „die Klei­nen“ anzu­neh­men. Im Zusam­men­hang mit der „Glo­ba­li­sie­rung“, die er erwähn­te, sprach er von „Her­aus­for­de­run­gen“, die anzu­ge­hen sei­en. Jede Form der „Dis­kri­mi­nie­rung“ auf der Grund­la­ge von „Ras­se oder Stand oder Reli­gi­on“ sei ver­werf­lich.

„Evangelium der Ränder: Der Traum von einer anderen Kirche“

Das Symbol der Gemeinschaft
Das Sym­bol der Gemein­schaft von Capod­ar­co

Don Alba­ne­si stammt aus einer Arbei­ter­fa­mi­lie und wur­de 1967 zum Prie­ster geweiht. !969 und 1971 erwarb er an der Gre­go­ria­na das Lizen­ti­at der Theo­lo­gie und des Kir­chen­rechts. Zudem schloß er ein Diplom­stu­di­um in Jour­na­li­stik ab. Seit 1984 ist er Pfar­rer von San Mar­co alle Palu­di von Fer­mo in den Mar­ken und seit 1988 Offi­zi­al am regio­na­len Kir­chen­ge­richt. Von 2003–2013 war er zudem Direk­tor der Diö­ze­sanca­ri­tas.

Don Alba­ne­si ist Kolum­nist in den füh­ren­den offi­zi­el­len katho­li­schen Medi­en Ita­li­ens mit pro­gres­si­vem Ein­schlag (Famiglia Cri­stia­na, Jesus, Il Reg­no, Set­ti­ma­na usw.) und Autor meh­re­rer Bücher mit ent­spre­chen­der Grund­aus­rich­tung.

2014 schrieb er das Buch: „Der Traum von einer ande­ren Kir­che. Ein Kir­chen­recht­ler von den Rän­dern schreibt dem Papst“ (Il sog­no di una Chie­sa diver­sa. Un cano­ni­sta di perife­r­ia scri­ve al Papa).

Von August bis Novem­ber 2015 konn­te er im öffent­lich-recht­li­chen Fern­seh­sen­der RAI 1 das Sonn­tags­evan­ge­li­um aus­le­gen und „ver­deut­li­chen“, wie das „Evan­ge­li­um der Rän­der“ kon­kret wird „durch die Annah­me von Behin­der­ten, psy­chisch Kran­ken und Ein­wan­de­rern“, so die links­li­be­ra­le Tages­zei­tung La Repub­bli­ca.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Il Mat­ti­no

 

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2 Kommentare

  1. Wenn man doch so sehn­süch­tig von „einer ande­ren Kir­che träumt“, soll­te man sich doch end­lich auf­ma­chen und zu die­ser ande­ren Kir­che wech­seln, die es ja längst in tau­send­fa­cher Aus­füh­rung um uns her­um gibt! War­um in der kath. Kir­che blei­ben, wo in den pro­te­stan­ti­schen und evan­ge­li­ka­len Sek­ten bereits alle „Träu­me“ (bit­te­re) Wahr­heit wur­den?

  2. Alle Frau­en und sogar Hir­ten, die zum Sturm auf das geweih­te Prie­ster­tum bla­sen, geben dadurch Zeug­nis davon, dass sie alle­samt weder Mari­en­ver­eh­rer, Rosen­kranz­be­ter, „Mari­en­kin­der“, Hei­li­gen­ver­eh­rer, Kir­chen­leh­re­rin­nen-Ver­eh­rer noch wah­re Kin­der Got­tes sind.
    Alle pro­gres­si­ven Rebel­len ver­ges­sen oder unter­schla­gen die Tat­sa­che, dass es in der katho­li­schen Kir­che bereits welt­weit zahl­rei­che groß­ar­ti­ge hei­li­ge Frau­en als Schutz­pa­tro­nin­nen von Bis­tü­mern, für beson­de­re Anlie­gen, als Orts- oder Lan­des- oder sogar Natio­nal­hei­li­ge gibt. Frau­en haben seit jeher in der katho­li­schen Kir­che sehr viel zu sagen, sie­he alle hei­li­gen Frau­en! Die wich­tig­ste Frau inner­halb der katho­li­schen Kir­che ist und bleibt die Got­tes­mut­ter Maria.
    Die Natio­nal­hei­li­ge Frank­reichs ist die hei­li­ge Johan­na von Orleans — bes­ser bekannt als Jean­ne d‘ Arc. In Ita­li­en wird neben Pater Pio eine Frau als Natio­nal­hei­li­ge ver­ehrt: die groß­ar­ti­ge hei­li­ge Rita von Cascia. Bei soviel Frau­en­power inner­halb der katho­li­schen Kir­che, müss­te man eher fra­gen: ..„Und wo bleibt die Män­ner­quo­te?“
    Bevor irgend­je­mand ein Frau­en­dia­ko­nat ohne jeg­li­che Daseins­be­rech­ti­gung for­dert, möge man prü­fen, wie­vie­le hei­li­ge Frau­en in der Tra­di­ti­on der über­lie­fer­ten hei­li­gen katho­li­schen Kir­che ‑ohne Dia­ko­nat, und ohne geweih­tes Prie­ster­tum — statt­des­sen sogar als wei­se Papst — und Für­sten-Rat­ge­be­rin­nen (z. B. Hil­de­gard von Bin­gen) bis heu­te ver­ehrt wer­den.

    Die­se hei­li­gen Frau­en haben nie­mals ein beson­de­res Amt — oder gar das Prie­ster­tum der Frau — pro­pa­giert, weil sie sich unab­läs­sig betend ‑nicht dis­ku­tie­rend — in den wich­tig­sten Tugen­den, die heut­zu­ta­ge völ­lig ver­kannt — sprich: „uncool“ — sind, übten:
    Demut, Fröm­mig­keit, Selbst­ver­leug­nung, Keusch­heit, Ein­fach­heit, fro­he Got­tes- und Näch­sten­lie­be, Gehor­sam­keit gegen­über dem Gött­li­chen Wil­len und Dank­bar­keit.

    Es ist ein beson­ders schmerz­li­cher Stich ins Herz der Got­tes­mut­ter Maria, dass die unbe­rech­tig­te Dia­ko­nis­sen-For­de­rung aus­ge­rech­net zeit­gleich mit dem hun­dert­jäh­ri­gen Fati­ma­ju­bi­lä­um immer lau­ter wird.

    Fazit: In kei­ner ande­ren men­schen­ge­mach­ten Reli­gi­on, Sek­te oder Glau­bens­ge­mein­schaft wird der Frau auch nur annä­hernd soviel Respekt, Ehre und Gleich­be­rech­ti­gung zuteil, wie in der von Jesus Chri­stus ein­ge­setz­ten, über­lie­fer­ten, hei­li­gen katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che.

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