„Confino“ für Kardinal Burke auf Lampedusa … Guam?

Kardinal Burke nach Guam entsandt
Kardinal Burke nach Guam entsandt

(Rom) Wie Asso­cia­ted Press (AP) gestern berich­te­te, ent­sand­te Papst Fran­zis­kus einen Kar­di­nal auf die Insel Guam, um in einem sexu­el­len Miß­brauchs­fall zu ermit­teln. Wie die Tages­zei­tung Paci­fic Dai­ly News mel­de­te, han­delt es sich bei dem Pur­pur­trä­ger um Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke.

Kanonisches Verfahren gegen Erzbischof der Südsee

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Kar­di­nal und nam­haf­te Kir­chen­ju­rist wur­de mit dem Auf­trag ent­sandt, einen ehe­ma­li­gen Mini­stran­ten auf der Süd­see­insel zu befra­gen, der behaup­tet, von Erz­bi­schof Antho­ny Apu­ron sexu­ell miß­braucht wor­den zu sein, so AP.

Guam gehört zum Maria­nen-Archi­pel und ist Teil eines Außen­ge­bie­tes der USA. Die­se unter­ste­hen den USA, sind aber nicht Teil der USA. Die Ein­woh­ner haben kein Wahl­recht bei Bun­des­wah­len.

Msgr. Antho­ny Sab­lan Apu­ron, auf Guam gebo­ren, gehört dem Kapu­zi­ner­or­den an. 1983 ernann­te ihn Papst Johan­nes Paul II. zum Weih­bi­schof des Erz­bis­tums Aga­ña. 1986 wur­de er Erz­bi­schof von Aga­ña. Im Juni 2016 wur­den von ehe­ma­li­gen Meß­die­nern schwe­re Vor­wür­fe wegen sexu­el­len Miß­brauchs gegen ihn erho­ben, und Apu­ron von Papst Fran­zis­kus sei­nes Amtes ent­ho­ben. Die Vor­wür­fe bezie­hen sich auf die 70er Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts. Gegen den Erz­bi­schof wur­de nun ein kano­ni­sches Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Zum vor­sit­zen­den Rich­ter des Ver­fah­rens, das bei der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on anhän­gig ist, ernann­te Papst Fran­zis­kus Kar­di­nal Bur­ke.

Erz­bi­schof Apu­ron wies bis­her alle Vor­wür­fe zurück. Gegen ihn ist kein straf­recht­li­ches Ver­fah­ren vor einem staat­li­chen Gericht anhän­gig.

Etappen einer Ausgrenzung

Offen­bar weiß Papst Fran­zis­kus nicht mehr wohin mit Kar­di­nal Bur­ke. Der als bril­lan­ter Kir­chen­recht­ler bekann­te Kar­di­nal war als Prä­si­dent des Ober­sten Gerichts­ho­fes der Apo­sto­li­schen Signa­tur höch­ster Rich­ter beim Hei­li­gen Stuhl. Dann kam Papst Fran­zis­kus. Der Kar­di­nal ver­tei­dig­te 2014 im Vor­feld und auf der ersten Bischofs­syn­ode über die Fami­lie das Ehe­sa­kra­ment. Dabei wur­de er zum Wort­füh­rer der Ver­tei­di­ger der über­lie­fer­ten Moral­leh­re und Sakra­men­ten­ord­nung. Er deck­te Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che durch die Syn­oden­re­gie auf und sprach von „vor­ge­fer­tig­ten“ Ergeb­nis­sen. Eine Kri­tik, die am Beginn der zwei­ten Bischofs­syn­ode 2015 von drei­zehn wei­te­ren Kar­di­nä­len in einem Brief an Papst Fran­zis­kus wie­der­holt wur­de.

Kar­di­nal Bur­ke war nicht mehr dar­un­ter, denn Papst Fran­zis­kus setz­te ihn nach der ersten Bischofs­syn­ode als Prä­si­dent des Ober­sten Gerichts­ho­fes ab und ent­fern­te ihn wegen sei­nes Wider­stan­des gegen die Kas­pe­ria­ner aus dem Vati­kan. Da er dadurch nicht mehr Dikaste­ri­en­lei­ter war, konn­te er nicht mehr am zwei­ten Teil der Syn­ode teil­neh­men. Eine Maß­nah­me, die als geziel­te Schwä­chung einer der bei­den Par­tei­en durch den Papst gese­hen wur­de. Seit­her gilt Kar­di­nal Bur­ke als eigent­li­cher Gegen­spie­ler von Papst Fran­zis­kus im Rin­gen um den Kurs der katho­li­schen Kir­che.

Aus dem Vatikan nach Malta und weiter …

Fran­zis­kus schob den Juri­sten im Novem­ber 2014 als Kar­di­nal­pa­tron (päpst­li­chen Bot­schaf­ter) zum Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­den ab. Dort kam Bur­ke dem regie­ren­den Papst Ende 2016 erneut in die Que­re. Der Kar­di­nal unter­rich­te­te den Papst im ver­gan­ge­nen Novem­ber über Logen­um­trie­be unter den Obö­di­enz­rit­tern des Ordens und die Ver­strickung des Mal­te­ser Hilfs­wer­kes in die „Kul­tur des Todes“. Fran­zis­kus for­der­te den Kar­di­nal in einem Schrei­ben vom 1. Dezem­ber auf, ent­schlos­sen gegen die­se Umtrie­be vor­zu­ge­hen.

Dar­auf­hin kam es am 6. Dezem­ber zur Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen dem Groß­mei­ster des Mal­te­ser­or­dens, Pro­feß­rit­ter Mat­thew Festing, und dem Groß­kanz­ler, Obö­di­enz­rit­ter Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger, der für die Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln in Hilfs­ge­bie­ten, auch sol­chen mit abtrei­ben­der Wir­kung, ver­ant­wort­lich gemacht wur­de. Die Kon­fron­ta­ti­on ende­te mit der Amts­ent­he­bung Boe­sela­gers als Groß­kanz­ler.

Obwohl es sich um die inter­ne Ange­le­gen­heit eines sou­ve­rä­nen Völ­ker­rechts­sub­jekts han­del­te, der Groß­mei­ster übt die Funk­ti­on eines Staats­ober­haup­tes aus, der Groß­kanz­ler die eines Regie­rungs­chefs und ist damit dem Staats­ober­haupt ver­pflich­tet und wei­sungs­ge­bun­den, misch­te sich das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at in die Sache ein. Die Ach­se Boe­sela­ger – Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin wur­de akti­viert. Papst Fran­zis­kus schloß sich, trotz der gegen­tei­li­gen Anwei­sung, die er nur weni­ge Tage zuvor Kar­di­nal Bur­ke schrift­lich erteilt hat­te, der Posi­ti­on Paro­lins an, daß es — aus wel­chen Grün­den auch immer — wich­ti­ger sei, Boe­sela­ger im Amt zu hal­ten. Der Vati­kan ver­lang­te des­sen Wie­der­ein­set­zung ins Amt. Für „Pro­ble­me“ mit dem Moral­ge­setz der Kir­che soll­ten ande­re „Lösun­gen“ gesucht wer­den, so Kar­di­nal Paro­lin kurz vor Weih­nach­ten an Groß­mei­ster Festing, der Papst habe mit sei­ner Auf­for­de­rung zu „ent­schlos­se­nem“ Han­deln nicht gemeint, jeman­den (Boe­sela­ger) zu „ver­ja­gen“.

Der Groß­mei­ster wei­ger­te sich, sich zum Nar­ren hal­ten zu las­sen, zumal die Ver­ant­wor­tung Boe­sela­gers für die Ver­teil­ak­tio­nen von Ver­hü­tungs­mit­teln unab­hän­gig von­ein­an­der durch zwei Unter­su­chungs­be­rich­te als erwie­sen galt. Papst Fran­zis­kus setz­te aber auf Anra­ten Paro­lins eine neue Unter­su­chungs­kom­mis­si­on ein, deren hand­ver­le­se­ne Mit­glie­der in ihrer Mehr­heit aus Per­so­nen bestand, die in einem Nähe­ver­hält­nis zu Boe­sela­ger ste­hen. Die­se Kom­mis­si­on kam in kür­ze­ster Zeit zu einem gegen­tei­li­gen Schluß und stell­te fest, daß im Grun­de alles gar „nicht“ so gewe­sen sei, es jeden­falls kei­nen Anlaß zu einer Ent­las­sung Boe­sela­gers gebe.

Fran­zis­kus ließ Groß­mei­ster Festing erst am 24. Janu­ar in Audi­enz vor und stütz­te sich bei die­ser Gele­gen­heit auf die­ses „Gut­ach­ten“. Als Groß­mei­ster Festing nicht bereit war, Boe­sela­ger wie­der ins Amt zu set­zen, for­der­te Papst Fran­zis­kus sei­nen Rück­tritt. Festing wil­lig­te ent­täuscht ein. Boe­sela­ger wur­de, obwohl der Orden ein sou­ve­rä­nes Völ­ker­rechts­sub­jekt ist, vom Vati­kan wie­der als Regie­rungs­chef ein­ge­setzt und ist seit­her, mehr denn je, der eigent­li­che Herr über den Orden, zumal es kei­nen Groß­mei­ster gibt, und die Wahl eines sol­chen bis auf wei­te­res durch den Hei­li­gen Stuhl unter­sagt wur­de.

Die „Konfination“ nach Guam

For­mal ist Kar­di­nal Bur­ke noch Kar­di­nal­pa­tron des Mal­te­ser­or­dens. De fac­to wur­de er jedoch am 4. Febru­ar mit der Ernen­nung von Kuri­en­erz­bi­schof Ange­lo Becciu, der rech­ten Hand von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin, zum Päpst­li­chen Lega­ten beim Orden ersetzt. Seit Ende Janu­ar steht der Mal­te­ser­or­den fak­tisch unter kom­mis­sa­ri­scher Ver­wal­tung durch den Hei­li­gen Stuhl. Becciu soll, so der offi­zi­el­le Auf­trag, dem Orden „bei der Wahl des neu­en Groß­mei­sters hel­fen“, wie der päpst­li­che Haus­va­ti­ka­nist Andre­as Tor­ni­el­li die Ereig­nis­se erklär­te.

Nach sei­ner Ent­fer­nung aus dem Vati­kan und sei­ner fak­ti­schen Ent­fer­nung aus dem Mal­te­ser­or­den wur­de Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke nun von Papst Fran­zis­kus auf die Süd­see­insel Guam geschickt. Eine grö­ße­re Ent­fer­nung zum Vati­kan ist auf Erden kaum mehr mög­lich. Sie scheint der gefühl­ten Distanz von Papst Fran­zis­kus zu dem Kar­di­nal zu ent­spre­chen, der vor allem vom päpst­li­chen Umfeld gefürch­tet ist.

Eine der her­aus­ra­gend­sten Gestal­ten des Kar­di­nals­kol­le­gi­ums erlebt damit unter dem Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus eine wah­re Odys­see der Aus­gren­zung und Mar­gi­na­li­sie­rung. Im ita­lie­ni­schen König­reich und dann im Faschis­mus gab es den „con­fi­no“. Die Kon­fi­na­ti­on, die auch dem Kir­chen­recht bekannt ist, bedeu­te­te die Ver­ban­nung, meist auf ent­le­ge­ne Mit­tel­meer­in­seln, um die Betrof­fe­nen mög­lichst von jedem sozia­len Kon­takt abzu­schnei­den. Bevor­zugt wur­den Regime­geg­ner auf Mit­tel­meer­in­seln um Sizi­li­en ver­bannt, dar­un­ter auch Lam­pe­du­sa.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: One­Pe­ter­Fi­ve

8 Kommentare

  1. Ich hal­te Kar­di­nal Bur­ke für sol­che Auf­ga­bem für bestens geeig­net. An sich auch weit wich­ti­ger als der Posten bei den Mal­te­sern.

  2. So demon­tier­te man zu allen Zei­ten star­ke Geg­ner:
    Man befeh­lig­te sie zu einem „Him­mel­fahrts­kom­man­do“ in die Pro­vinz!
    Bei einem sol­chen Ver­fah­ren kann man sich nur die Fin­ger ver­bren­nen. Geht es gerecht zu und die Vor­wür­fe erwei­sen sich als Luft­num­mern, wird man ihn als Ver­tu­scher hin­stel­len. Ist an den Vor­wür­fen etwas dran und wird er ent­spre­chen­de Sank­tio­nen for­dern, wird es den einen zu mil­de, den ande­ren zu rigi­de sein. Die ame­ri­ka­ni­schen Medi­en wer­den das schon im Sin­ne des NWO zu orche­strie­ren wis­sen.

  3. Egal wo man Kar­di­nal Bur­ke hin­schickt — sei­ne Mis­si­on ist nicht zu unter­bin­den: Er wird auch dort auf­räu­men und die Erde wei­ter­hin zum Beben brin­gen. Man soll­te abge­le­ge­ne Orte nicht unter­schät­zen — sie haben oft die größ­te Strahl­kraft für die Kir­che.

    • Ich erin­ne­re in die­sem Sin­ne an die jahr­zeh­en­te­lan­ge Aus­strah­lung von Auw a.d. Kyll im Bis­tum Trier nach der soge­nann­ten Lit­ur­gie­re­form.

    • Vera — ich stim­me Ihren Wor­ten zu. Kar­di­nal Bur­ke wird im Gehor­sam zur Kir­che und für Gott mit dem Auf­trag von Papst Fran­zis­kus han­deln. Das Han­deln im Gehor­sam wird ihm nicht scha­den und wohl eher Segen und Stär­ke von oben als Frucht her­vor­brin­gen.

  4. Guam liegt wohl geo­gra­phisch am ande­ren Ende der Welt;
    die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen sind jedoch aus­ge­zeich­net.
    Und man darf auch nicht ver­ges­se: dort wird gewacht und gear­bei­tet wer­den, wenn wir schla­fen; umso grö­ßer unse­re Pflicht, zu arbei­ten und zu wachen damit der Mut und Ein­satz dort nicht umsonst wäre.
    Und in dem 2. Welt­krieg fand dort die berühm­te Schlacht bei den Maria­nen statt:
    „Das gro­ße Trut­hahn­schie­ssen bei den Maria­nen“.
    An Kar­nickel wur­de damals noch nicht gedacht.
    Für einen frü­he­ren Kar­di­nal­pa­tron des ehe­mals tap­fe­ren Mal­te­ser Rit­ter­or­den jeden­falls ein sin­ni­ger und pas­sen­der Auf­trag.
    Bon cou­ra­ge!

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