Vor 470 Jahren: Dekret über die Rechtfertigung des Konzils von Trient (1547)

Am 13. Janaur 1547 verabschiedete das Konzil von Trient das Dekret über die Rechtfertigung (Bild: Die Bischofskirche von Trient).
Am 13. Janaur 1547 verabschiedete das Konzil von Trient das Dekret über die Rechtfertigung (Bild: Die Bischofskirche von Trient).

(Rom) Am 13. Janu­ar 1547 ver­ab­schie­de­te das Kon­zil von Tri­ent das Dekret über die Recht­fer­ti­gung. Die Recht­fer­ti­gung bil­de­te einen der zen­tra­len Streit­punk­te, zu denen Mar­tin Luther 30 Jah­re zuvor die „Refor­ma­ti­on“ los­ge­tre­ten hat­te. Nach Jah­ren der Ver­wir­rung wur­de 1545 ein öku­me­ni­sches Kon­zil ein­be­ru­fen, das Klar­heit schaff­te. In die­ser ersten Pha­se tag­te das Kon­zil in der namen­ge­ben­den Stadt Tri­ent, der dama­li­gen Haupt­stadt des gleich­na­mi­gen Hoch­stif­tes, das an der Süd­gren­ze des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nati­on lag und auf das eng­ste mit der öster­rei­chi­schen Graf­schaft Tirol ver­bun­den war. Heu­te gehört die Stadt zu Ita­li­en. Luther hat­te in erster Linie das deut­sche Volk und das römisch-deut­sche Reich gespal­ten. Nicht vom „wel­schen“ Rom, das die Pro­te­stan­ten ver­ach­te­ten, son­dern vom Boden des Regnum Teu­to­ni­co­rum wur­de ihnen Ant­wort gege­ben.

Das Dekret besteht aus zwei Tei­len. Einem aus­führ­li­chen Lehr­text und 33 Cano­nes. Im Lehr­text wer­den die Cano­nes näher erklärt. Nach­fol­gend sein Wort­laut:

Dekret über die Rechtfertigung

Tri­ent, 13. Janu­ar 1547

Da in die­ser Zeit — nicht ohne den Ver­lust vie­ler See­len und schwe­ren Scha­den für die kirch­li­che Ein­heit — eine irri­ge Leh­re über die Recht­fer­ti­gung aus­ge­sät wur­de: So beab­sich­tigt das hoch­hei­li­ge öku­me­ni­sche und all­ge­mei­ne Kon­zil von Tri­ent zum Lob und zur Ehre des all­mäch­ti­gen Got­tes, zur Beru­hi­gung der Kir­che und zum Heil der See­len … allen Christ­gläu­bi­gen die wah­re und gesun­de Leh­re von der Recht­fer­ti­gung dar­zu­le­gen, wie sie „die Son­ne der Gerech­tig­keit“ [Mal 4,2], Chri­stus Jesus, „der Urhe­ber und Voll­ender unse­res Glau­bens“ [Hebr 12,2] lehr­te, die Apo­stel über­lie­fer­ten und die katho­li­sche Kir­che durch die Ein­ge­bung des Hei­li­gen Gei­stes fort­wäh­rend bewahr­te; und sie ver­bie­tet aufs streng­ste, daß jemand künf­tig anders zu glau­ben, pre­di­gen oder leh­ren wagt, als durch das vor­lie­gen­de Dekret fest­ge­setzt und erklärt wird.

Kap. 1. Das Unver­mö­gen der Natur und des Geset­zes zur Recht­fer­ti­gung der Men­schen

Zuerst erklärt das hei­li­ge Kon­zil, daß es zum rech­ten und auf­rich­ti­gen Ver­ständ­nis der Leh­re von der Recht­fer­ti­gung gehört, daß ein jeder aner­kennt und bekennt: Nach­dem alle Men­schen in der Über­tre­tung Adams die Unschuld ver­lo­ren hat­ten [vgl. Röm 5,12; 1 Kor 15,22; DH 239], „unrein gewor­den“ [Jes 64,6] und (wie der Apo­stel sagt) „von Natur Kin­der des Zorns“ [Eph 2,3], waren sie — wie es im Dekret über die Ursün­de dar­leg­te — so sehr Skla­ven der Sün­de [vgl. Röm 6,20] und unter der Macht des Teu­fels und des Todes, daß nicht nur die Hei­den <nicht> durch die Kraft der Natur [Kan. 1], son­dern nicht ein­mal die Juden selbst sogar durch den Buch­sta­ben des Geset­zes des Mose davon befreit wer­den und sich erhe­ben konn­ten; gleich­wohl war in ihnen der freie Wil­le kei­nes­wegs aus­ge­löscht wor­den [Kan. 5], auch wenn er in sei­nen Kräf­ten geschwächt und gebeugt war [vgl. DH 378].

Kap. 2. Der Heils­plan und das Geheim­nis der Ankunft Chri­sti

So geschah es, daß der himm­li­sche Vater, „der Vater der Erbar­mun­gen und der Gott allen Tro­stes“ [2 Kor 1,3], als jene seli­ge „Fül­le der Zeit“ [Eph 1,10; Gal 4,4] kam, sei­nen Sohn Chri­stus Jesus [Kan. 1], der sowohl vor dem Gesetz als auch zur Zeit des Geset­zes vie­len hei­li­gen Vätern kund­ge­tan und ver­hei­ßen wor­den war [vgl. Gen 49,10 18], zu den Men­schen sand­te, damit er die Juden, „die unter dem Geset­ze waren, erlö­se“ [Gal 4,5], „die Hei­den, die nicht nach Gerech­tig­keit trach­te­ten, Gerech­tig­keit erlang­ten“ [Röm 9,30] und alle „die Annah­me an Kin­des Statt emp­fin­gen“ [Gal 4,5]. Ihn „setz­te Gott als Ver­söh­ner ein, durch den Glau­ben, in sei­nem Blu­te“ [Röm 3,25], „für unse­re Sün­den, aber nicht nur für unse­re, son­dern auch für die der gan­zen Welt“ [Joh 2,2].

Kap. 3 Wer durch Chri­stus gerecht­fer­tigt wird

Wenn er aber auch „für alle gestor­ben ist“ [2 Kor 5,15], so emp­fan­gen doch nicht alle die Wohl­tat sei­nes Todes, son­dern nur die­je­ni­gen, denen Anteil am Ver­dienst sei­nes Lei­dens gewährt wird. Denn so wie die Men­schen tat­säch­lich, wenn sie nicht als Abkömm­lin­ge aus dem Samen Adams gebo­ren wür­den, nicht als Unge­rech­te gebo­ren wür­den — denn durch die­se Abstam­mung zie­hen sie sich durch ihn, wenn sie emp­fan­gen wer­den, die eige­ne Unge­rech­tig­keit zu -: so wür­den sie, wenn sie nicht in Chri­stus wie­der­ge­bo­ren wür­den, nie­mals gerecht­fer­tigt wer­den [Kan. 2 und 10]; denn durch die­se Wie­der­ge­burt wird ihnen durch das Ver­dienst sei­nes Lei­dens Gna­de zuteil, auf­grund derer sie gerecht wer­den. Für die­se Wohl­tat – so ermahnt uns der Apo­stel – sol­len wir dem Vater immer Dank sagen, „der uns wür­dig mach­te für die Teil­ha­be am Erbe der Hei­li­gen im Licht, der Macht der Fin­ster­nis ent­riß und in das Reich des Soh­nes sei­ner Lie­be ver­setz­te, in dem wir die Erlö­sung und die Ver­ge­bung der Sün­den haben [Kol 1,12–14].

Kap. 4. Skiz­ziert wird die Beschrei­bung der Recht­fer­ti­gung des Gott­lo­sen und ihre Art und Wei­se in der Gna­den­ord­nung

Mit die­sen Wor­ten wird die Beschrei­bung der Recht­fer­ti­gung des Gott­lo­sen skiz­ziert, <näm­lich> daß sie eine Über­füh­rung ist von dem Stand, in dem der Mensch als Sohn des ersten Adam gebo­ren wird, in den Stand der Gna­de und „der Annah­me unter die Söh­ne“ [Röm 8,15] Got­tes, durch den zwei­ten Adam, unse­ren Erlö­ser Jesus Chri­stus; die­se Über­füh­rung kann frei­lich nach der Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums nicht ohne das Bad der Wie­der­ge­burt [Kan. 5 über die Tau­fe] oder den Wunsch danach erfol­gen, so wie geschrie­ben steht: „Wer nicht aus Was­ser und Hei­li­gem Geist wie­der­ge­bo­ren wur­de, kann nicht in das Reich Got­tes ein­ge­hen“ [Joh 3,5].

Kap. 5. Die Not­wen­dig­keit der Vor­be­rei­tung auf die Recht­fer­ti­gung bei Erwach­se­nen, und woher sie kommt

Es erklärt außer­dem, daß die­se Recht­fer­ti­gung bei Erwach­se­nen ihren Anfang von Got­tes zuvor­kom­men­der Gna­de durch Chri­stus Jesus [Kan. 3] neh­men muß, das heißt, von sei­nem Ruf, durch den sie — ohne daß ihrer­seits irgend­wel­che Ver­dien­ste vor­lä­gen — geru­fen wer­den, so daß sie, die durch ihre Sün­den von Gott abge­wandt waren, durch sei­ne erwecken­de und hel­fen­de Gna­de dar­auf vor­be­rei­tet wer­den, sich durch freie Zustim­mung und Mit­wir­kung mit die­ser Gna­de [Kan. 4 und 5] zu ihrer eige­nen Recht­fer­ti­gung zu bekeh­ren; wenn also Gott durch die Erleuch­tung des Hei­li­gen Gei­stes das Herz des Men­schen berührt, tut der Mensch selbst, wenn er die­se Ein­hau­chung auf­nimmt, weder über­haupt nichts — er könn­te sie ja auch ver­schmä­hen — , noch kann er sich ande­rer­seits ohne die Gna­de Got­tes durch sei­nen frei­en Wil­len auf die Gerech­tig­keit vor ihm zube­we­gen [Kan. 3]. Wenn daher in der hei­li­gen Schrift gesagt wird: „Kehrt um zu mir, und ich wer­de zu euch umkeh­ren“ [Sach 1,3], wer­den wir an unse­re Frei­heit erin­nert; wenn wir ant­wor­ten: „Keh­re uns um, Herr, zu dir, und wir wer­den umkeh­ren“ [Klgl 5,21], beken­nen wir, daß uns die Gna­de Got­tes zuvor­kommt.

Kap. 6. Die Wei­se der Vor­be­rei­tung

Vor­be­rei­tet aber wer­den sie zu die­ser Gerech­tig­keit [Kan. 7 und 9], indem sie, durch die gött­li­che Gna­de erweckt und unter­stützt, den Glau­ben auf­grund des Hörens [vgl. Röm 10,17] anneh­men und sich Gott aus frei­en Stücken zuwen­den, glau­bend, daß wahr ist, was von Gott geof­fen­bart und ver­hei­ßen ist [Kan. 12–14], und vor allem dies, daß der Gott­lo­se von Gott durch sei­ne Gna­de gerecht­fer­tigt wird, durch die Erlö­sung, die in Chri­stus Jesus ist“ [Röm 3,24]; fer­ner indem sie sich — wenn sie erken­nen, daß sie Sün­der sind, und sich von der Furcht vor der gött­li­chen Gerech­tig­keit, durch die sie heil­sam erschüt­tert wer­den [Kan. 8], zur Besin­nung auf die Barm­her­zig­keit Got­tes bekeh­ren — zur Hoff­nung auf­rich­ten im Ver­trau­en dar­auf, daß Gott ihnen um Chri­sti wil­len gnä­dig sein wer­de, ihn als Quel­le aller Gerech­tig­keit zu lie­ben begin­nen und sich des­we­gen mit einem gewis­sen Maß an Haß und Abscheu gegen die Sün­den wen­den [Kan. 9], das heißt, durch jene Buße, die man vor der Tau­fe tun muß [vgl. Apg 2,38], schließ­lich indem sie sich vor­neh­men, die Tau­fe zu emp­fan­gen, ein neu­es Leben zu begin­nen und die gött­li­chen Gebo­te zu beach­ten.

Über die­se Vor­be­rei­tung steht geschrie­ben: „wer sich Gott nahen will, muß glau­ben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ein Ver­gel­ter ist“ [Hebr 11,6]; und: „Hab Ver­trau­en, mein Sohn, dei­ne Sün­den wer­den dir ver­ge­ben“ [Mt 9,2; Mk 2,5]; und „Die Furcht des Herrn ver­treibt die Sün­de“ [Sir 1,27]; und: „Tut Buße, und ein jeder von euch soll getauft wer­den im Namen Jesu Chri­sti zur Ver­ge­bung eurer Sün­den, und ihr wer­det die Gabe des Hei­li­gen Gei­stes emp­fan­gen“ Apg 2,38]; und: „Gehet also hin und lehrt alle Völ­ker, tauft sie im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes und lehrt sie, alles zu hal­ten, was ich euch auf­ge­tra­gen habe“ [Mt 28,19f]; schließ­lich: „Berei­tet eure Her­zen für den Herrn“ [1 Sam 7,3].

Kap. 7. Was das Wesen der Recht­fer­ti­gung des Gott­lo­sen ist und wel­ches ihre Ursa­chen sind

Die­ser Zurü­stung bzw. Vor­be­rei­tung folgt die Recht­fer­ti­gung selbst, die nicht nur Ver­ge­bung der Sün­den ist [Kan. 11], son­dern auch Hei­li­gung und Erneue­rung des inne­ren Men­schen durch die wil­lent­li­che Annah­me der Gna­de und der Gaben, auf­grund derer der Mensch aus einem Unge­rech­ten ein Gerech­ter und aus einem Feind ein Freund wird, so daß er „Erbe gemäß der Hoff­nung auf ewi­ges Leben“ [Tit 3,7] ist.

Die Ursa­chen die­ser Recht­fer­ti­gung sind: näm­lich die Zweck­ur­sa­che die Ehre Got­tes und Chri­sti sowie das ewi­ge Leben; die Wir­k­ur­sa­che aber der barm­her­zi­ge Gott, der umsonst abwäscht und hei­ligt [vgl. 1 Kor 6,11], indem er „mit dem Hei­li­gen Geist der Ver­hei­ßung“ sie­gelt und salbt [vgl. 2 Kor 1,21f], „der das Pfand unse­res Erbes ist“ [Eph 1,13f]; Ver­dien­st­ur­sa­che aber <ist> sein viel­ge­lieb­ter Ein­zig­ge­bo­re­ner, unser Herr Jesus Chri­stus, der uns, „als wir Fein­de waren“ [Röm 5,10], „wegen der über­gro­ßen Lie­be, mit der er uns lieb­te“ [Eph 2,4], durch sein hei­lig­stes Lei­den am Holz des Kreu­zes Recht­fer­ti­gung ver­dien­te [Kan. 10] und Gott, dem Vater, für uns Genug­tu­ung

lei­ste­te; eben­so <ist> Instru­men­tal­ur­sa­che das Sakra­ment der Tau­fe, das das „Sakra­ment des Glau­bens“ ist, ohne den kei­nem jemals Recht­fer­ti­gung zuteil wird.

Schließ­lich ist die ein­zi­ge For­mal­ur­sa­che die Gerech­tig­keit Got­tes, nicht <jene>, durch die er selbst gerecht ist, son­dern <die>, durch die er uns gerecht macht [Kan. 10 und 11], mit der von ihm beschenkt wir näm­lich im Gei­ste unse­res Gemü­tes erneu­ert wer­den [vgl. Eph 4,23] und nicht nur <als gerecht> gel­ten, son­dern wahr­haft gerecht hei­ßen und sind [vgl. Joh 3,1], indem wir die Gerech­tig­keit ein jeder die sei­ne — in uns auf­neh­men nach dem Maß, das der Hei­li­ge Geist den ein­zel­nen zuteilt, wie er will [vgl. 1 Kor 12,11], und nach der eige­nen Vor­be­rei­tung und Mit­wir­kung eines jeden.

Denn es kann zwar nie­mand gerecht sein, ohne daß ihm Anteil an den Ver­dien­sten des Lei­dens unse­res Herrn Jesus Chri­stus ver­lie­hen wird; doch das geschieht in die­ser Recht­fer­ti­gung des Gott­lo­sen dadurch, daß auf­grund des Ver­dien­stes die­ses hei­lig­sten Lei­dens durch den Hei­li­gen Geist die Lie­be Got­tes in die Her­zen derer aus­ge­gos­sen wird [vgl. Röm 5,5], die gerecht­fer­tigt wer­den, und ihnen ein­wohnt [Kan. 11]. Daher erhält der Mensch in der Recht­fer­ti­gung selbst zusam­men mit der Ver­ge­bung der Sün­den durch Jesus Chri­stus, dem er ein­ge­glie­dert wird, zugleich alles dies ein­ge­gos­sen: Glau­be, Hoff­nung und Lie­be.

Denn wenn zum Glau­ben nicht Hoff­nung und Lie­be hin­zu­tre­ten, eint er weder voll­kom­men mit Chri­stus, noch macht er zu einem leben­di­gen Glied sei­nes Lei­bes. Aus die­sem Grun­de wird völ­lig zurecht gesagt, daß Glau­be ohne Wer­ke tot und müßig sei vgl. Jak 2,17 20; Kan. 19], und daß „bei Chri­stus Jesus weder die Beschnei­dung noch das Unbe­schnit­ten­sein etwas gel­te, son­dern der Glau­be, der durch die Lie­be wirkt“ [Gal 5,6; vgl. 6,15].

Die­sen Glau­ben erbit­ten die Katechu­me­nen vor dem Sakra­ment der Tau­fe nach der Über­lie­fe­rung der Apo­stel von der Kir­che, wenn sie „den Glau­ben, der das ewi­ge Leben ver­bürgt“, erbit­ten, das der Glau­be ohne Hoff­nung und Lie­be nicht ver­bür­gen kann. Daher hören sie auch sogleich das Wort Chri­sti: „Wenn du zum Leben ein­ge­hen willst, hal­te die Gebo­te“ [Mt 19,17; Kan. 18–20]. Des­halb wer­den sie, wenn sie die wah­re und christ­li­che Gerech­tig­keit emp­fan­gen, sogleich als Wie­der­ge­bo­re­ne gehei­ßen, die­se gleich­sam als bestes Kleid [vgl. Lk 15,22], das ihnen durch Chri­stus Jesus anstel­le von jenem geschenkt wur­de, das Adam durch sei­nen Unge­hor­sam sich und uns ver­lor, leuch­tend und makel­los zu bewah­ren, damit sie es vor den Rich­ter­stuhl unse­res Herrn Jesus Chri­stus tra­gen und das ewi­ge Leben haben.

Kap. 8. Die Bedeu­tung der Aus­sa­ge, daß der Gott­lo­se durch den Glau­ben und umsonst gerecht­fer­tigt wird

Wenn aber der Apo­stel sagt, der Mensch wer­de „durch den Glau­ben“ [Kan. 9] und „umsonst“ [Röm 3,22 24] gerecht­fer­tigt, so sind die­se Wor­te in dem Sin­ne zu ver­ste­hen, den die katho­li­sche Kir­che in bestän­di­ger Über­ein­stim­mung fest­hielt und zum Aus­druck brach­te, näm­lich daß des­halb gesagt wird, wir wür­den durch den Glau­ben gerecht­fer­tigt, weil „der Glau­be der Anfang des mensch­li­chen Hei­les ist“, die Grund­la­ge und Wur­zel jeder Recht­fer­ti­gung, „ohne den es unmög­lich ist, Gott zu gefal­len“ [Hebr 11,6] und zur Gemein­schaft sei­ner Kin­der zu gelan­gen; daß wir aber umsonst gerecht­fer­tigt wür­den, wird des­halb gesagt, weil nichts von dem, was der Recht­fer­ti­gung vor­her­geht, ob Glau­be oder Wer­ke, die Gna­de der Recht­fer­ti­gung selbst ver­dient; „wenn sie näm­lich Gna­de ist, dann nicht mehr auf­grund von Wer­ken; sonst wäre (wie der­sel­be Apo­stel sagt) Gna­de nicht mehr Gna­de“ Röm 11,6].

Kap. 9. Gegen das eit­le Ver­trau­en der Häre­ti­ker

Obwohl man aber glau­ben muß, daß Sün­den nur umsonst, allein durch die gött­li­che Barm­her­zig­keit um Chri­sti wil­len ver­ge­ben wer­den und immer ver­ge­ben wur­den, so muß man doch sagen, daß kei­nem die Sün­den ver­ge­ben wer­den oder ver­ge­ben wur­den, der sich mit dem Ver­trau­en und der Gewiß­heit in bezug auf die Ver­ge­bung sei­ner Sün­den brü­stet und sich allein damit zufrie­den­gibt; denn die­ses eit­le und von jeder Fröm­mig­keit ent­fern­te Ver­trau­en kann sich auch bei Häre­ti­kern und Schis­ma­ti­kern fin­den, ja in unse­rer stür­mi­schen Zeit fin­det es sich und wird in erbit­ter­tem Kampf gegen die katho­li­sche Kir­che gepre­digt [Kan. 12].

Man darf aber auch nicht behaup­ten, daß die­je­ni­gen, die wahr­haft gerecht­fer­tigt wur­den, völ­lig ohne jeden Zwei­fel bei sich selbst fest­stel­len müß­ten, sie sei­en gerecht­fer­tigt, und daß nur der von den Sün­den los­ge­spro­chen und gerecht­fer­tigt wer­de, der fest glaubt, er sei los­ge­spro­chen und gerecht­fer­tigt wor­den, und daß allein durch die­sen Glau­ben die Los­spre­chung und Recht­fer­ti­gung voll­endet wer­de [Kan. 14], so als ob, wer dies nicht glaubt, an den Ver­hei­ßun­gen Got­tes und an der Wirk­sam­keit des Todes und der Auf­er­ste­hung Chri­sti zwei­fel­te. Denn so wie kein Got­tes­fürch­ti­ger an der Barm­her­zig­keit Got­tes, am Ver­dienst Chri­sti und an der Kraft und Wirk­sam­keit der Sakra­men­te zwei­feln darf: so kann jeder, wenn er auf sich selbst und sei­ne eige­ne Schwach­heit und Unzu­läng­lich­keit schaut, sich um sei­ne Gna­de äng­sti­gen und fürch­ten [Kan. 13]; denn kei­ner ver­mag mit der Sicher­heit des Glau­bens, dem kein Trug zugrun­de­lie­gen kann, zu wis­sen, daß er die Gna­de Got­tes erlangt hat.

Kap. 10. Das Wachs­tum der emp­fan­ge­nen Recht­fer­ti­gung

Die so also Gerecht­fer­tig­ten und zu „Freun­den Got­tes“ sowie „Haus­ge­nos­sen“ [Joh 15,15; Eph 2,19] Gewor­de­nen „schrei­ten von Tugend zu Tugend“ [Ps 84,8] und „wer­den (wie der Apo­stel sagt) von Tag zu Tag erneu­ert“ [2 Kor 4,16], indem sie näm­lich die Glie­der ihres Flei­sches abtö­ten [vgl. Kol 3,5] und sie zu Waf­fen der Gerech­tig­keit machen für die Hei­li­gung [vgl. Röm 6,13 19], durch die Beach­tung der Gebo­te Got­tes und der Kir­che; in die­ser durch Chri­sti Gna­de emp­fan­ge­nen Gerech­tig keit wach­sen sie — wobei der Glau­be mit den guten Wer­ken zusam­men­wirkt [vgl. Jak 2,22] — und wer­den noch mehr gerecht­fer­tigt [Kan. 24 und 32], wie geschrie­ben steht: „Wer gerecht ist, wer­de wei­ter­hin gerecht­fer­tigt“ [Offb 22,11]; und wie­der­um: „Scheue dich nicht, bis zum Tode gerecht­fer­tigt zu wer­den“ [Sir 18,22]; und wie­der: „Ihr seht, daß der Mensch auf­grund von Wer­ken gerecht­fer­tigt wird, und nicht nur auf­grund des Glau­bens“ [Jak 2,24]. Die­sen Zuwachs an Gerech­tig­keit aber erbit­tet die hei­li­ge Kir­che, wenn sie betet: „Gib uns, Herr, Wachs­tum des Glau­bens, der Hoff­nung und der Lie­be“.

Kap. 11. Die Beach­tung der Gebo­te und ihre Not­wen­dig­keit und Mög­lich­keit

Nie­mand aber, wie sehr er auch gerecht­fer­tigt sein mag, darf mei­nen, er sei frei von der Beach­tung der Gebo­te [Kan. 20], nie­mand jenes leicht­fer­ti­ge und von den Vätern unter <Andro­hung des> Anathe­ma ver­bo­te­ne Wort benüt­zen, die Vor­schrif­ten Got­tes sei­en für einen gerecht­fer­tig­ten Men­schen unmög­lich zu beob­ach­ten [Kan. 18 und 22; vgl. DH 397]. „Denn Gott befiehlt nichts Unmög­li­ches, son­dern wenn er befiehlt, dann mahnt er, zu tun, was man kann, und zu erbit­ten, was man nicht kann“, und er hilft, daß man kann; „sei­ne Gebo­te sind nicht schwer“ [Joh 5,3], sein Joch ist sanft und <sei­ne> Last leicht“ [Mt 11,30]. Die näm­lich Söh­ne Got­tes sind, lie­ben Chri­stus: Die aber ihn lie­ben, bewah­ren (wie er selbst bezeugt) sei­ne Wor­te [vgl. Joh 14,23], was sie zumal mit gött­li­cher Hil­fe lei­sten kön­nen.

Denn wenn auch in die­sem sterb­li­chen Leben noch so Hei­li­ge und Gerech­te zuwei­len wenig­stens in leich­te und all­täg­li­che Sün­den, die man auch ver­zeih­li­che Kan. 23] nennt, fal­len, so hören sie des­we­gen doch nicht auf, Gerech­te zu sein. Denn den Gerech­ten kommt jenes demü­ti­ge und wahr­haf­ti­ge Wort zu: „Ver­gib uns unse­re Schul­den“ [Mt 6,12; vgl. DH 229f].

Daher müs­sen sich die Gerech­ten umso mehr ver­pflich­tet füh­len, auf dem Wege der Gerech­tig­keit zu wan­deln, da sie, „befreit von der Sün­de, aber nun Knech­te Got­tes gewor­den“ [Röm 6,22], „nüch­tern, gerecht und fromm lebend“ [Tit 2,12], Fort­schrit­te machen kön­nen durch Chri­stus Jesus, durch den sie Zugang zu die­ser Gna­de hat­ten [vgl. Röm 5,2]. Denn Gott „ver­läßt“ die durch sei­ne Gna­de ein­mal Gerecht­fer­tig­ten „nicht, wenn er nicht zuvor von ihnen ver­las­sen wird“.

Des­halb darf sich nie­mand allein im Glau­ben [Kan. 9; 19; 20] schmei­cheln und mei­nen, allein auf­grund des Glau­bens sei er als Erbe ein­ge­setzt und wer­de die Erb­schaft erlan­gen, auch wenn er nicht mit Chri­stus lei­det, um auch ver­herr­licht zu wer den [vgl. Röm 8,17]. Denn auch Chri­stus selbst (wie der Apo­stel sagt), „obwohl er Sohn Got­tes war, lern­te aus dem, was er litt, Gehor­sam und wur­de, zur Voll­endung gebracht, für alle, die ihm gehor­chen, Ursa­che des ewi­gen Hei­les“ [Hebr 5,8f].

Des­we­gen ermahnt der Apo­stel selbst die Gerecht­fer­tig­ten und sagt: „Wißt ihr nicht, daß die, wel­che in der Renn­bahn lau­fen, zwar alle lau­fen, aber <nur> einer den Preis erhält? Lauft so, daß ihr <ihn> erlangt. Ich also lau­fe so, nicht gleich­sam ins Unge­wis­se; ich kämp­fe so, nicht gleich­sam die Luft schla­gend; son­dern ich züch­ti­ge und knech­te mei­nen Leib, damit ich nicht, wäh­rend ich ande­ren pre­di­ge, selbst ver­wor­fen wer­de“ [1 Kor 9,24–27]. Eben­so der Apo­stel­fürst Petrus: „Bemüht euch, um durch gute Wer­ke eure Beru­fung und Erwäh­lung sicher­zu­stel­len; denn wenn ihr dies tut, wer­det ihr nie­mals feh­len“ [2 Petr 1,10].

Daher steht fest, daß die­je­ni­gen der recht­gläu­bi­gen Reli­gi­ons­leh­re wider­strei­ten, die sagen, der Gerech­te sün­di­ge in jedem guten Wer­ke wenig­stens läß­lich [Kan. 25; vgl. DH 1481f] oder (was noch uner­träg­li­cher ist) ver­die­ne ewi­ge Stra­fen; und auch die, die behaup­ten, die Gerech­ten sün­dig­ten in allen Wer­ken, wenn sie in ihnen — ihre eige­ne Schlaff­heit anspor­nend und sich zum Lauf in der Renn­bahn ermun­ternd — zusam­men mit dem Haupt­zweck, daß Gott ver­herr­licht wer­de, auch den ewi­gen Lohn im Blick haben [Kan. 26 31]; denn es steht geschrie­ben: „Ich habe mein Herz geneigt gemacht, dei­ne Sat­zun­gen zu erfül­len wegen der Ent­gel­tung“ [Ps 119,112], und von Mose sagt der Apo­stel, daß „er auf die Beloh­nung blick­te“ [Hebr 11,26].

Kap. 12. Man muß sich vor der leicht­fer­ti­gen Ver­mu­tung der Vor­her­be­stim­mung hüten

Auch darf nie­mand, solan­ge in die­ser Sterb­lich­keit gelebt wird, so weit­ge­hen­de Ver­mu­tun­gen über das ver­bor­ge­ne Geheim­nis der gött­li­chen Vor­her­be­stim­mung anstel­len, daß er mit Sicher­heit behaup­tet, er gehö­re in jeder Hin­sicht zu der Zahl der Vor­her­be­stimm­ten [Kan. 15], so als ob es wahr wäre, daß ein Gerecht­fer­tig­ter ent­we­der nicht mehr sün­di­gen kön­ne [Kan. 23], oder, wenn er gesün­digt hat, sich eine siche­re Sin­nes­wand­lung ver­spre­chen sol­le. Denn ohne eine beson­de­re Offen­ba­rung kann man nicht wis­sen, wen Gott sich aus­er­wählt hat [Kan. 16].

Kap. 13. Die Gabe der Beharr­lich­keit

Eben­so soll sich nie­mand — auch wenn alle ihre ganz feste Hoff­nung auf die Hil­fe Got­tes grün­den und set­zen müs­sen — mit abso­lu­ter Gewiß­heit etwas Siche­res ver­spre­chen in bezug auf die Gabe der Beharr­lich­keit [Kan. 16], von der geschrie­ben steht: „Wer aus­ge­harrt hat bis ans Ende, der wird geret­tet wer­den“ [Mt 10,22; 24,13] (Man kann es frei­lich nir­gend­wo­her erlan­gen, außer von dem, der „mäch­tig ist, den, der steht, zu stüt­zen“ [Röm 14,4], damit er beharr­lich ste­he, und den, der fällt, wie­der­auf­zu­rich­ten). Denn wenn sie sich nicht selbst sei­ner Gna­de ver­sagt haben, wird Gott das gute Werk so voll­enden, wie er es begon­nen hat [vgl. Phil 1,6 ], indem er das Wol­len und das Voll­brin­gen wirkt [vgl. Phil 2,13; Kan. 22].

Die jedoch mei­nen, sie stün­den, sol­len zuse­hen, daß sie nicht fal­len [vgl. 1 Kor 10,12], und mit Furcht und Zit­tern ihr Heil wir­ken [vgl. Phil 2,12] in Mühen, in Wachen, in Almo­sen, in Gebe­ten und Opfern, in Fasten und Keusch­heit [vgl. 2 Kor 6,5f]. Im Bewußt­sein, daß sie zur Hoff­nung [vgl. 1 Petr 1,3] auf die Herr­lich­keit und noch nicht zur Herr­lich­keit wie­der­ge­bo­ren sind, müs­sen sie sich näm­lich fürch­ten wegen des Kamp­fes, den es noch zu bestehen gilt mit dem Fleisch, mit der Welt und mit dem Teu­fel; in ihm kön­nen sie nur Sie­ger sein, wenn sie mit Got­tes Gna­de dem Apo­stel gehor­chen, der sagt: „Schuld­ner sind wir nicht dem Flei­sche, um nach dem Flei­sche zu leben. Wenn ihr näm­lich nach dem Flei­sche gelebt habt, wer­det ihr ster­ben. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Flei­sches abge­tö­tet habt, wer­det ihr leben“ Röm 8,12f].

Kap. 14. Die Gefal­le­nen und ihre Wie­der­auf­rich­tung

Die aber durch die Sün­de von der emp­fan­ge­nen Gna­de der Recht­fer­ti­gung abfie­len, wer­den wie­der gerecht­fer­tigt wer­den kön­nen [Kan. 29], wenn sie sich auf Anre­gung Got­tes dar­um bemüht haben, durch das Sakra­ment der Buße auf­grund des Ver­dien­stes Chri­sti die ver­lo­re­ne Gna­de wie­der­zu­er­lan­gen. Die­se Wei­se der Recht­fer­ti­gung näm­lich ist die Wie­der­auf­rich­tung des Gefal­le­nen, die die hei­li­gen Väter tref­fend „die zwei­te <Ret­tungs> plan­ke nach dem Schiff­bruch der ver­lo­re­nen Gna­de“ genannt haben. Denn für die, die nach der Tau­fe in Sün­den fal­len, hat Chri­stus Jesus das Sakra­ment der Buße ein­ge­setzt, indem er sag­te: „Emp­fan­get den Hei­li­gen Geist; denen ihr die Sün­den ver­gebt, denen wer­den sie ver­ge­ben, und denen ihr sie behal­tet, sind sie behal­ten“ [Joh 20,22f].

Daher muß man leh­ren, daß die Buße eines Chri­sten­men­schen nach dem Fall ganz anders beschaf­fen ist als die bei der Tau­fe, und daß in ihr nicht nur das Ablas­sen von den Sün­den und der Abscheu vor ihnen, oder „ein zer­knirsch­tes und gede­mü­tig­tes Herz“ [Ps 51,19] ent­hal­ten sind, son­dern auch ihr sakra­men­ta­les Bekennt­nis — wenig­stens der Wunsch, es zu gege­be­ner Zeit abzu­le­gen -, die Los­spre­chung durch den Prie­ster und eben­so die Genug­tu­ung durch Fasten, Almo­sen, Gebe­te und ande­re from­me übun­gen des geist­li­chen Lebens, zwar nicht anstel­le der ewi­gen Stra­fe, die durch das Sakra­ment oder den Wunsch nach dem Sakra­ment zusam­men mit der Schuld erlas­sen wird, aber anstel­le der zeit­li­chen Stra­fe [Kan. 30], die (wie die hei­li­ge Schrift lehrt) denen nicht immer ganz — wie es in der Tau­fe geschieht — erlas­sen wird, die — undank­bar gegen­über der Gna­de Got­tes, die sie emp­fan­gen haben — den Hei­li­gen Geist betrüb­ten [vgl. Eph 4,30] und sich nicht scheu­ten, den Tem­pel Got­tes zu ent­wei­hen [vgl. 1 Kor 3,17].

Über die­se Buße steht geschrie­ben: Den­ke dar­an, wor­aus du gefal­len bist; tu Buße und ver­rich­te die ersten Wer­ke“ [Offb 2,5]; und wie­der­um: „Was Betrüb­nis im Sin­ne Got­tes ist, bewirkt Buße zu bestän­di­gem Hei­le“ [2 Kor 7,10]; und wie­der: „Tut Buße“ [Mt 3,2; 4,17]; und: Bringt wür­di­ge Früch­te der Buße“ [Mt 3,8; Lk 3,8].

Kap. 15. Durch jede Tod­sün­de wird die Gna­de ver­lo­ren, nicht der Glau­be

Auch muß gegen den ver­schla­ge­nen Sinn gewis­ser Leu­te, die „durch süße Reden und from­me Sprü­che die Her­zen der Arg­lo­sen ver­füh­ren“ [Röm 16,18], gesagt wer­den, daß nicht nur durch Unglau­ben Kan. 27], durch den auch der Glau­be selbst ver­lo­ren wird, son­dern auch durch jede belie­bi­ge ande­re Tod­sün­de zwar nicht der Glau­be ver­lo­ren wird [Kan. 28], aber doch die emp­fan­ge­ne Gna­de der Recht­fer­ti­gung ver­lo­ren wird; dadurch wird die Leh­re des gött­li­chen Geset­zes ver­tei­digt, das vom Reich Got­tes nicht nur die Ungläu­bi­gen aus­schließt, son­dern auch die gläu­bi­gen Unzüch­ti­gen, Ehe­bre­cher, Lüst­lin­ge, Päd­era­sten, Die­be, Geiz­häl­se, Trun­ken­bol­de, Läste­rer und Räu­ber [vgl. Kor 6,9f], und alle ande­ren, die Tod­sün­den bege­hen, von denen sie sich mit Hil­fe der gött­li­chen Gna­de ent­hal­ten kön­nen und für die sie von Chri­sti Gna­de getrennt wer­den [Kan. 27].

Kap. 16. Die Frucht der Recht­fer­ti­gung, das heißt, das Ver­dienst der guten Wer­ke und die Eigen­art die­ses Ver­dien­stes

Aus die­sem Grun­de also muß man den gerecht­fer­tig­ten Men­schen, ob sie nun die emp­fan­ge­ne Gna­de stän­dig bewahrt oder sie die ver­lo­re­ne wie­der­erlangt haben, die Wor­te des Apo­stels vor Augen hal­ten: Seid über­reich an jedem guten Wer­ke und wißt, daß eure Mühe nicht ver­ge­bens ist im Herrn“ [1 Kor 15,58]; „denn Gott ist nicht unge­recht, so daß er eure Mühe und Lie­be ver­gä­ße, die ihr in sei­nem Namen gezeigt habt“ [Hebr 6,10]; und: „Ver­liert nicht eure Zuver­sicht, die rei­chen Lohn bringt“ [Hebr 10,35]. Und des­halb muß denen, die „bis ans Ende“ [Mt 10,22; 24,13] gute Wer­ke tun und auf Gott hof­fen, das ewi­ge Leben vor­ge­stellt wer­den sowohl als Gna­de, die den Kin­dern Got­tes durch Chri­stus Jesus barm­her­zig ver­hei­ßen wur­de, als auch „als Lohn“, der nach der Ver­hei­ßung Got­tes selbst, für ihre guten Wer­ke und Ver­dien­ste getreu zu erstat­ten ist [Kan. 26 und 32]. Dies ist näm­lich jener Kranz der Gerech­tig­keit, von dem der Apo­stel sag­te, er sei für ihn zurück­ge­legt, damit er ihm nach sei­nem Kampf und Lauf vom gerech­ten Rich­ter ver­lie­hen wer­de, aber nicht nur ihm, son­dern auch allen, die sei­ne Ankunft lie­ben [vgl. 2 Tim 4,7f].

Denn Chri­stus Jesus selbst läßt wie das Haupt in die Glie­der [vgl. Eph 4,15] und wie der Wein­stock in die Reb­zwei­ge [vgl. Joh 15,5] in die Gerecht­fer­tig­ten selbst immer­dar Kraft ein­strö­men, eine Kraft, die ihren guten Wer­ken immer vor­an­geht, sie beglei­tet und ihnen nach­folgt, und ohne die sie auf kei­ne Wei­se Gott gefäl­lig und ver­dienst­voll sein könn­ten [Kan. 2]; des­halb muß man glau­ben, den Gerecht­fer­tig­ten feh­le nichts mehr dazu, um sie als sol­che zu betrach­ten, die durch die­se Wer­ke, die in Gott getan wur­den, dem gött­li­chen Geset­ze ange­sichts des Zustan­des die­ses Lebens völ­lig Genü­ge gelei­stet und wahr­haft ver­dient haben, auch das ewi­ge Leben zu gege­be­ner Zeit (sofern sie nur in der Gna­de ver­stor­ben sind [vgl. Offb 14,13]) zu erlan­gen [Kan. 32]; denn Chri­stus, unser Erlö­ser, sagt: „Wer von dem Was­ser trinkt, das ich ihm geben wer­de, wird in Ewig­keit nicht dür­sten, son­dern es wird in ihm zu einem Quell von Was­ser wer­den, das auf­spru­delt zu ewi­gem Leben“ [Joh 4,14].

So wird weder unse­re eige­ne Gerech­tig­keit gleich­sam als eige­ne aus uns [vgl. 2 Kor 3,5] hin­ge­stellt, noch wird die Gerech­tig­keit Got­tes ver­kannt oder zurück­ge­wie­sen [vgl. Röm 10,3]; die Gerech­tig­keit näm­lich, die unse­re genannt wird, weil wir durch sie, wenn sie uns inne­wohnt, gerecht­fer­tigt wer­den [Kan. 10 und 11], eben­die­sel­be ist die Gerech­tig­keit Got­tes, weil sie uns von Gott durch das Ver­dienst Chri­sti ein­ge­gos­sen wird.

Man darf aber auch fol­gen­des nicht außer acht las­sen: Wenn auch den guten Wer­ken in der hei­li­gen Schrift so hohe Bedeu­tung bei­gemes­sen wird, daß Chri­stus sogar ver­spricht, wenn jemand einem von sei­nen Gering­sten einen Trunk fri­schen Was­sers gege­ben hat, wer­de er sei­nes Loh­nes nicht ent­beh­ren [vgl. Mt 10,42; Mk 9,41], und der Apo­stel bezeugt, daß „das, was gegen­wär­tig in unse­rer Bedräng­nis vor­über­ge­hend und gering­fü­gig ist, in uns über­mä­ßig in der Erha­ben­heit ein ewi­ges Gewicht an Herr­lich­keit wir­ke“ [2 Kor 4,17], so sei es den­noch fer­ne, daß ein Chri­sten­mensch in sich selbst sein Ver­trau­en set­ze oder sich in sich selbst rüh­me und nicht im Herrn [vgl. 1 Kor 1,31; 2 Kor 10,17], des­sen Güte gegen­über allen Men­schen so groß ist, daß er will, daß ihre Ver­dien­ste sei­en [Kan. 32], was sei­ne eige­nen Geschen­ke sind [vgl. DH 248].

Und weil „wir alle in vie­lem feh­len“ Jak 3,2; Kan. 23], muß ein jeder einer­seits Barm­her­zig­keit und Güte, ande­rer­seits Stren­ge und Gericht vor Augen haben, und kei­ner darf über sich selbst urtei­len, auch wenn er sich kei­ner Schuld bewußt ist; denn das gesam­te Leben der Men­schen ist nicht mit mensch­li­chem Urteil zu prü­fen und zu beur­tei­len, son­dern mit dem Got­tes, der „das im Dun­kel Ver­bor­ge­ne ans Licht brin­gen und die Plä­ne der Her­zen offen­bar machen wird; und dann wird einem jeden Lob zuteil wer­den von Gott“ [1 Kor 4,4f], „der“, wie geschrie­ben steht, „einem jeden nach sei­nen Wer­ken ver­gel­ten wird“ [Röm 2,6].

Das hei­li­ge Kon­zil beschloß, nach die­ser katho­li­schen Leh­re über die Recht­fer­ti­gung [Kan. 33], die jeder gläu­big und fest anneh­men muß, um gerecht­fer­tigt zu wer­den, die fol­gen­den Kano­nes anzu­schlie­ßen, damit alle wis­sen, nicht nur, was sie fest­hal­ten und befol­gen, son­dern auch, was sie mei­den und flie­hen müs­sen.

Kanones

Kan. 1. Wer sagt, der Mensch kön­ne durch sei­ne Wer­ke, die durch die Kräf­te der mensch­li­chen Natur oder ver­mit­tels der Leh­re des Geset­zes getan wer­den, ohne die gött­li­che Gna­de durch Chri­stus Jesus vor Gott gerecht­fer­tigt wer­den: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1521].

Kan. 2. Wer sagt, die gött­li­che Gna­de wer­de durch Chri­stus Jesus allein dazu geschenkt, daß der Mensch leich­ter gerecht leben und das ewi­ge Leben ver­die­nen kön­ne, so als ob er durch den frei­en Wil­len ohne Gna­de bei­des — wenn auch nur müh­sam und schwer — könn­te: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1524f].

Kan. 3. Wer sagt, der Mensch kön­ne ohne die zuvor­kom­men­de Ein­hau­chung des Hei­li­gen Gei­stes und sei­ne Hil­fe glau­ben, hof­fen und lie­ben, oder Buße tun, wie es nötig ist, daß ihm die Gna­de der Recht­fer­ti­gung ver­lie­hen wird: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1525].

Kan. 4. Wer sagt, der von Gott beweg­te und erweck­te freie Wil­le des Men­schen wir­ke durch sei­ne Zustim­mung zu der Erweckung und dem Ruf Got­tes nichts dazu mit, sich auf den Emp­fang der Recht­fer­ti­gungs­gna­de zuzu­rü­sten und vor­zu­be­rei­ten, und er kön­ne nicht wider­spre­chen, wenn er woll­te, son­dern tue wie etwas Leb­lo­ses über­haupt nichts und ver­hal­te sich rein pas­siv: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1525].

Kan. 5. Wer sagt, der freie Wil­le des Men­schen sei nach der Sün­de Adams ver­lo­ren und aus­ge­löscht wor­den, oder es gehe nur um eine Bezeich­nung, ja, eine Bezeich­nung ohne Inhalt, schließ­lich um eine vom Satan in die Kir­che ein­ge­führ­te Erdich­tung: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1521; DH 1525; DH 1486].

Kan. 6. Wer sagt, es ste­he nicht in der Macht des Men­schen, sei­ne Wege schlecht zu machen, son­dern Gott wir­ke die schlech­ten Wer­ke so wie die guten, nicht nur, indem er sie zuläßt, son­dern auch im eigent­li­chen Sin­ne und durch sich, so daß der Ver­rat des Judas nicht weni­ger sein eige­nes Werk ist als die Beru­fung des Pau­lus: der sei mit dem Anathe­ma belegt.

Kan. 7. Wer sagt, alle Wer­ke, die vor der Recht­fer­ti­gung gesche­hen, gleich­gül­tig, auf wel­che Wei­se sie gesche­hen sind, sei­en in Wahr­heit Sün­den bzw. ver­dien­ten den Haß Got­tes; oder je ange­streng­ter sich einer bemü­he, sich auf die Gna­de vor­zu­be­rei­ten, desto schwe­rer sün­di­ge er: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1526].

Kan. 8. Wer sagt, die Furcht vor der Höl­le, durch die wir unse­re Zuflucht zur Barm­her­zig­keit Got­tes neh­men, indem wir über die Sün­den Schmerz emp­fin­den, oder uns vom Sün­di­gen ent­hal­ten, sei Sün­de oder mache die Sün­der noch schlech­ter: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1526; DH 1456].

Kan. 9. Wer sagt, der Gott­lo­se wer­de allein durch den Glau­ben gerecht­fer­tigt, so daß er <dar­un­ter> ver­steht, es wer­de nichts ande­res erfor­dert, wodurch er zur Erlan­gung der Recht­fer­ti­gungs­gna­de mit­wir­ke, und es sei kei­nes­wegs not­wen­dig, daß er sich durch sei­ne eige­ne Wil­lens­re­gung vor­be­rei­te und zurü­ste: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1532; DH 1538; DH 1465; DH 1460f].

Kan. 10. Wer sagt, die Men­schen wür­den ohne die Gerech­tig­keit Chri­sti, durch die er für uns Ver­dien­ste erwarb, gerecht­fer­tigt oder sei­en for­mal durch eben die­se gerecht: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1523; DH 1529 ].

Kan. 11. Wer sagt, die Men­schen wür­den ent­we­der allein durch die Anrech­nung der Gerech­tig­keit Chri­sti oder allein durch die Ver­ge­bung der Sün­den ohne die Gna­de und Lie­be gerecht­fer­tigt, die in ihren Her­zen durch den Hei­li­gen Geist aus­ge­gos­sen wird [vgl. Röm 5,5] und ihnen ein­wohnt; oder auch, die Gna­de, durch die wir gerecht­fer­tigt wer­den, sei nur die Gunst Got­tes: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1528–1531; DH 1545f].

Kan. 12. Wer sagt, der recht­fer­ti­gen­de Glau­be sei nichts ande­res als das Ver­trau­en in die gött­li­che Barm­her­zig­keit, die um Chri­sti wil­len die Sün­den ver­gibt; oder es sei allein die­ses Ver­trau­en, durch das wir gerecht­fer­tigt wer­den: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1533f].

Kan. 13. Wer sagt, um die Ver­ge­bung der Sün­den zu erlan­gen, sei es für jeden Men­schen not­wen­dig, fest und ohne jeden Zwei­fel wegen der eige­nen Schwach­heit und Unzu­läng­lich­keit zu glau­ben, daß ihm die Sün­den ver­ge­ben sind: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1533f; DH 1460–1464].

Kan. 14. Wer sagt, der Mensch wer­de des­halb von sei­nen Sün­den los­ge­spro­chen und gerecht­fer­tigt, weil er fest glau­be, er wer­de los­ge­spro­chen und gerecht­fer­tigt; oder in Wahr­heit sei nur der gerecht­fer­tigt, der glaubt, er sei gerecht­fer­tigt, und allein durch die­sen Glau­ben wer­de die Los­spre­chung und Recht­fer­ti­gung voll­endet: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. wie oben ].

Kan. 15. Wer sagt, der wie­der­ge­bo­re­ne und gerecht­fer­tig­te Mensch sei auf­grund des Glau­bens gehal­ten, zu glau­ben, er gehö­re sicher zur Zahl der Voher­be­stimm­ten: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1540].

Kan. 16. Wer mit abso­lu­ter und unfehl­ba­rer Sicher­heit sagt, er wer­de jene gro­ße Gabe der Beharr­lich­keit bis zum Ende [vgl. Mt 10,22; 24,13] sicher haben, ohne daß er dies aus einer beson­de­ren Offen­ba­rung erfah­ren hät­te: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1540f].

Kan. 17. Wer sagt, die Gna­de der Recht­fer­ti­gung wer­de nur den zum Leben Vor­her­be­stimm­ten zuteil, alle übri­gen aber, die geru­fen wer­den, wür­den zwar geru­fen, aber nicht die Gna­de emp­fan­gen, da sie ja durch die gött­li­che Macht zum Bösen vor­her­be­stimmt sei­en: der sei mit dem Anathe­ma belegt.

Kan. 18. Wer sagt, die Gebo­te Got­tes sei­en auch für einen gerecht­fer­tig­ten und unter der Gna­de ste­hen­den Men­schen unmög­lich zu beob­ach­ten: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1536].

Kan. 19. Wer sagt, im Evan­ge­li­um sei nichts vor­ge­schrie­ben außer dem Glau­ben, das übri­ge sei gleich­gül­tig, weder vor­ge­schrie­ben noch ver­bo­ten, son­dern frei; oder die zehn Gebo­te hät­ten kei­ne Bedeu­tung für die Chri­sten: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1536f].

Kan. 20. Wer von einem gerecht­fer­tig­ten und noch so voll­kom­me­nen Men­schen sagt, er sei nicht gehal­ten zur Beob­ach­tung der Gebo­te Got­tes und der Kir­che, son­dern nur zum Glau­ben, so als ob das Evan­ge­li­um die blo­ße und unbe­ding­te Ver­hei­ßung des ewi­gen Lebens sei, ohne die Bedin­gung, die Gebo­te zu beob­ach­ten: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1536f].

Kan. 21. Wer sagt, Chri­stus Jesus sei von Gott den Men­schen geschenkt wor­den als Erlö­ser, dem sie ver­trau­en sol­len, nicht auch als Gesetz­ge­ber, dem sie gehor­chen sol­len: der sei mit dem Anathe­ma belegt.

Kan. 22. Wer sagt, der Gerecht­fer­tig­te kön­ne ohne die beson­de­re Hil­fe Got­tes in der emp­fan­ge­nen Gerech­tig­keit ver­har­ren, oder er kön­ne <es> mit ihr nicht: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1541].

Kan. 23. Wer sagt, ein ein­mal gerecht­fer­tig­ter Mensch kön­ne nicht mehr sün­di­gen oder die Gna­de ver­lie­ren, und des­halb sei der, der fällt und sün­digt, nie­mals wahr­haft gerecht­fer­tigt gewe­sen; oder umge­kehrt, er kön­ne im gan­zen Leben alle Sün­den, auch die ver­zeih­li­chen, mei­den, wenn nicht auf­grund eines beson­de­ren Vor­rech­tes von Gott, wie es die Kir­che in bezug auf die seli­ge Jung­frau fest­hält: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1537; DH 1549].

Kan. 24. Wer sagt, die emp­fan­ge­ne Gerech­tig­keit wer­de durch gute Wer­ke vor Gott nicht bewahrt und auch nicht ver­mehrt, son­dern die­se Wer­ke sei­en ledig­lich die Früch­te und Zei­chen der erlang­ten Recht­fer­ti­gung, nicht auch die Ursa­che ihrer Ver­meh­rung: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1535].

Kan. 25. Wer sagt, der Gerech­te sün­di­ge in jedem guten Wer­ke wenig­stens ver­zeih­lich oder (was noch uner­träg­li­cher ist) töd­lich, und ver­die­ne des­we­gen ewi­ge Stra­fen; und er wer­de nur des­halb nicht ver­ur­teilt, weil Gott die­se Wer­ke nicht zur Ver­ur­tei­lung anrech­net; der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1539; DH 1481f].

Kan. 26. Wer sagt, die Gerech­ten dürf­ten für ihre guten Wer­ke, die in Gott getan wur­den [vgl. Joh 3,21], kei­ne ewi­ge Ent­gel­tung von Gott durch sei­ne Barm­her­zig­keit und das Ver­dienst Jesu Chri­sti erwar­ten und erhof­fen, wenn sie im guten Tun und in der Bewah­rung der gött­li­chen Gebo­te bis ans Ende aus­ge­harrt haben [vgl. Mt 10,22; 24,13]: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1538f].

Kan. 27. Wer sagt, es gebe kei­ne Tod­sün­de außer dem Unglau­ben, oder man ver­lie­re die ein­mal emp­fan­ge­ne Gna­de durch kei­ne ande­re noch so schwe­re und gro­ße Sün­de außer dem Unglau­ben: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1544].

Kan. 28. Wer sagt, wenn die Gna­de durch die Sün­de ver­lo­ren ist, wer­de immer zugleich auch der Glau­be ver­lo­ren; oder der Glau­be, der zurück­bleibt, sei kein wah­rer Glau­be, wenn er auch nicht leben­dig ist [vgl. Jak 2,26]; oder wer den Glau­ben ohne Lie­be hat, der sei kein Christ: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. wie oben].

Kan. 29. Wer sagt, der nach der Tau­fe Gefal­le­ne kön­ne nicht durch Got­tes Gna­de wie­der­auf­ste­hen; oder er kön­ne zwar die ver­lo­re­ne Gerech­tig­keit wie­der­erlan­gen, aber allein durch den Glau­ben, ohne das Sakra­ment der Buße, wie es die hei­li­ge Römi­sche und all­ge­mei­ne Kir­che, von Chri­stus, dem Herrn, und sei­nen Apo­steln belehrt, bis zu die­sem Zeit­punkt ver­kün­det, bewahrt und gelehrt hat: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1542f].

Kan. 30. Wer sagt, jedem reui­gen Sün­der wer­de nach Emp­fang der Recht­fer­ti­gungs­gna­de so die Schuld ver­ge­ben und die Straf­wür­dig­keit für die ewi­ge Stra­fe getilgt, daß kei­ne Straf­wür­dig­keit für eine zeit­li­che Stra­fe übrig bleibt, die ent­we­der in die­ser Zeit oder künf­tig im Rei­ni­gungs­ort zu bezah­len ist, bevor der Zutritt zum Him­mel­reich offen­ste­hen kann: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1543].

Kan. 31. Wer sagt, der Gerecht­fer­tig­te sün­di­ge, wenn er im Blick auf den ewi­gen Lohn gut han­delt: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1539].

Kan. 32. Wer sagt, die guten Wer­ke des gerecht­fer­tig­ten Men­schen sei­en so Gaben Got­tes, daß sie nicht auch die guten Ver­dien­ste des Gerecht­fer­tig­ten selbst sind; oder der Gerecht­fer­tig­te erlan­ge mit den guten Wer­ken, die von ihm durch Got­tes Gna­de und das Ver­dienst Jesu Chri­sti (des­sen leben­di­ges Glied er ist) getan wer­den, in Wahr­heit nicht die Ver­meh­rung der Gna­de, das ewi­ge Leben und (sofern er nur in der Gna­de gestor­ben ist) den Ein­tritt in die­ses ewi­ge Leben, wie auch die Ver­meh­rung der Herr­lich­keit: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1548; DH 1545–1550].

Kan. 33. Wer sagt, durch die­se katho­li­sche Leh­re über die Recht­fer­ti­gung, die vom hei­li­gen Kon­zil in die­sem vor­lie­gen­den Dekret for­mu­liert wur­de, wer­de in irgend­ei­ner Hin­sicht der Ehre Got­tes oder den Ver­dien­sten unse­res Herrn Jesus Chri­stus Abbruch getan, und es wer­de nicht viel­mehr die Wahr­heit unse­res Glau­bens und schließ­lich die Ehre Got­tes und Chri­sti Jesu ins Licht gesetzt: der sei mit dem Anathe­ma belegt.

Quel­le: DH 1520–1583

Bild: Rora­te Cae­li

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10 Kommentare

  1. Alle Luther-Bejub­ler soll­ten gezwun­gen wer­den die­ses Doku­ment zu lesen. Dann wür­den sie sehen, wel­chem Irr­tum sie auf­ge­ses­sen sind.
    Welch Schan­de für die katho­li­sche Kir­che, wir haben 100 Jah­re Fati­ma und im Fokus steht aus­ge­rech­net 500 Jah­re Refor­ma­ti­on. Bezeich­nen­der geht es kaum.

    • Statt sich auf die Bot­schaft von Fati­ma auf­grund des 100 Jahr-Jubi­lä­ums zu besin­nen, was dem katho­li­schen Glau­ben NICHT wider­spricht.

  2. Fati­ma wird kaum groß raus­kom­men, weil es den impli­zier­ten Glau­bens­ab­fall
    mit Vati­can II the­ma­ti­siert, und des­halb wird es um jeden Preis ver­ne­belt, damit man sich selbst die gewal­ti­gen Irr­tü­mer und Häre­si­en, die not­wen­di­ger­wei­se mit dem Glau­bens­ab­fall ein­her gehen, nicht ein­ge­ste­hen muss.
    Offi­zi­ell wird man es so hin­stel­len, dass Fati­ma die Öku­me­ne stö­re…

    • Für unse­re Kir­chen­obe­ren ist Fati­ma ver­nach­läs­sig­bar.
      Was gilt schon die Got­tes­mut­ter Maria ange­sichts der „Bedeu­tung“ Luthers.
      Aller­dings hege ich gegen­über Fati­ma auch ein gewis­ses Miss­trau­en. In einem Buch, wel­ches ich bei der Pius-Bru­der­schaft erwor­ben habe, stand zu lesen ‑belegt mit Ori­gi­nal­zi­ta­ten- dass es dort ganz star­ke Ten­den­zen gege­ben habe, eine Art Welt­ein­heits­re­li­gi­on zu eta­blie­ren.
      Ob dies stimmt und es heu­te noch so ist, kann ich nicht beur­tei­len, aber beun­ru­hi­gend wäre dies schon.
      (Buch: Öku­me­ne gegen Herz Mariä Wei­he, Okt.2004, KSA Kath. Schrif­ten-Apo­sto­lat)

      • Der Gedan­ke einer Welt­ein­heits­re­li­gi­on taucht schon im Neu­en Testa­ment auf: gehet hin und leh­ret alle Völ­ker. Eine Welt­ein­heits­re­li­gi­on ist per se nichts schlech­tes, ganz im Gegen­teil. Sie muss halt nur eine Reli­gi­on sein, die an den wah­ren Gott zu glau­ben heißt. Und die­se Reli­gi­on ist bekannt­lich der römisch-katho­li­sche Glau­be an Jesus Chri­stus, den Ret­ter und Erlö­ser der Welt, gebo­ren aus Maria, der Jung­frau.

  3. Kan. 12. Wer sagt, der recht­fer­ti­gen­de Glau­be sei nichts ande­res als das Ver­trau­en in die gött­li­che Barm­her­zig­keit, die um Chri­sti wil­len die Sün­den ver­gibt; oder es sei allein die­ses Ver­trau­en, durch das wir gerecht­fer­tigt wer­den: der sei mit dem Anathe­ma belegt [vgl. DH 1533f].

    Nun, mir scheint, jemand soll­te die­sen Satz Ber­go­glio ein­mal zur Kennt­nis brin­gen, denn allem, was er redet und schreibt, liegt genau die­se anathe­ma­ti­sier­te Glau­bens­mei­nung zugrun­de. Doch er wird ihn ken­nen. Kein Wun­der also, dass er bestän­dig sei­ne Auf­fas­sung von barm­her­zi­ger Pasto­ral gegen die über­lie­fer­te Glau­bens­leh­re und alle, die sich dar­an ori­en­tie­ren, aus­spielt.

  4. Dan­ke für den Tip,auch ich hege seit eini­ger Zeit Zwei­fel an Fati­ma (neu­er­dings stört mich schon der Name).

  5. Ist doch tak­tisch nur logisch. Da das Geheim­nis von Fati­ma den Glau­bens­ab­fall von Vati­can II the­ma­ti­siert, bleibt nur des­sen Ver­ein­nah­mung für des­sen Zwecke.
    Das Pro­blem ist nur, die Bot­schaft von Fati­ma ist nicht irdi­schen Ursprungs.

  6. „In der Recht­fer­ti­gungs­leh­re gibt es kei­ne tren­nen­den Gegen­sät­ze mehr (Gemein­sa­me Erklä­rung, seit 31. Okto­ber 1999 ver­bind­lich; ent­spre­chend Lehr­ver­ur­tei­lun­gen — kir­chen­tren­nend? 1986).“ (Heinz Schüt­te, Klei­ner Öku­me­ni­scher Kate­chis­mus, 5. aktua­li­sier­te u. ergänz­te Aufl., Johan­nes-Ver­lag Leu­tes­dorf 2001, S. 24)
    Der „Klei­ne Öku­me­ni­sche Kate­chis­mus“ erschien mit kirch­li­cher Druck­emp­feh­lung des Bis­tums Trier und bil­li­gen­den Geleit­wor­ten: von Metro­po­lit Augo­u­sti­nos von Deutsch­land und Exarch von Zen­tral­eu­ro­pa, von der Grie­chisch-Ortho­do­xen Kir­che; von Johan­nes Han­sel­mann, Lan­des­bi­schof i. R. von der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che; von Ger­rit Nol­tens­mei­er, Lan­des­su­per­in­ten­dent, von der Evan­ge­lisch-Refor­mier­ten Kir­che; und von Paul-Wer­ner Schee­le, Bischof von Würz­burg, von der römisch-katho­li­schen Kir­che.

  7. Wie soll­te es auch noch „tren­nen­de“ Gegen­sät­ze (gibt es auch ande­re?) geben, wenn alles neben­ein­an­der gleich­be­deu­tend ver­ein­nahmt wird?
    Vie­len Dank für die licht­rei­chen Erklä­run­gen des Kon­zils von Tri­ent

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