Keine „brüderliche Visitation“ für „offene“ Diözese

Bischof Sergio Osvaldo Buenanueva von San Francisco en Cordoba, im Bild als Weihbischof von Mendoza, im Hintergrund der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio.
Bischof Sergio Osvaldo Buenanueva von San Francisco en Cordoba, im Bild als Weihbischof von Mendoza, im Hintergrund der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio.

(Rom) Das Ver­sa­gen im prie­ster­li­chen Keusch­heits­ver­spre­chen ist so alt wie das Prie­ster­tum, man weiß dar­um, stellt es in Rech­nung, und den­noch ist es immer neu ein Ärger­nis, und zwar den Gläu­bi­gen wie den Ungläu­bi­gen, wobei letz­te­re es ger­ne zur mora­li­schen Ankla­ge gegen die Kir­che nüt­zen. Das war zur Zeit Luthers nicht anders als heu­te. Ulrich Zwing­li, der Schwei­zer „Refor­ma­tor“ geriet nach sei­ner Prie­ster­wei­he zuerst in die Müh­len der Poli­tik, dann ins Bett einer Frau, die er schwän­ger­te, und schließ­lich dräng­te es ihn in die vor­de­re Rei­he der „Refor­ma­ti­on“. In Argen­ti­ni­en berich­ten die Medi­en, nicht anders als in Euro­pa, in einer Mischung aus Skan­dal und Scha­den­freu­de über den drit­ten Prie­ster der Diö­ze­se San Fran­cis­co en Cor­do­ba, der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sein Prie­ster­tum auf­ge­ben muß­te, weil er nicht nur im geist­li­chen, son­dern auch im phy­si­schen Sinn „Vater“ wur­de. Der jüng­ste Fall betrifft den Prie­ster Mar­cio Pei­ro­ni.

Die 1961 errich­te­te Diö­ze­se zählt ins­ge­samt 32 Diö­ze­san­prie­ster, was bedeu­tet, daß drei bekeb­ste Prie­ster ein schmerz­li­cher Ader­laß für das Bis­tum sind. Es gibt vor­erst kei­ne Anzei­chen, daß Rom der Diö­ze­se eine „brü­der­li­che Visi­ta­ti­on“ zu schicken beab­sich­tigt, um nach dem Rech­ten zu sehen, wie es 2014 der Diö­ze­se Ciu­dad del Este im benach­bar­ten Para­gu­ay wider­fah­ren ist.

Der Unter­schied scheint dar­in zu lie­gen, daß Bischof Rogelio Livie­res Pla­no von Ciu­dad del Este ein tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Bischof aus den Rei­hen des Opus Dei war, der durch sein umfang­rei­ches pasto­ra­les Wir­ken die befrei­ungs­theo­lo­gisch ange­hauch­te Para­gu­ay­ische Bischofs­kon­fe­renz „beschäm­te“. Das Bis­tum von San Fran­cis­co en Cor­do­ba gilt hin­ge­gen als „offen für die Über­ra­schun­gen des Hei­li­gen Gei­stes“, wie die Zei­tung La Capi­tal in ihrer gest­ri­gen Aus­ga­be schrieb.

Bischof Livie­res stieg aus der lan­des­wei­ten Ein­heits­aus­bil­dung der Semi­na­ri­sten aus und grün­de­te 2007 ein eige­nes diö­ze­sa­nes Prie­ster­se­mi­nar. Dort wur­den die Prie­ster­amts­an­wär­ter in bei­den For­men des Römi­schen Ritus und im tra­di­tio­nel­len Sinn aus­ge­bil­det. Das Prie­ster­se­mi­nar von Ciu­dad del Este zähl­te 2014 zwei­ein­halb Mal soviel Semi­na­ri­sten als alle ande­ren Diö­ze­sen Para­gu­ays zusam­men. Obwohl nur etwa zehn Pro­zent der para­gu­ay­ischen Gläu­bi­gen zu die­sem Bis­tum gehö­ren, hat­te Bischof Livie­res 70 Pro­zent aller Semi­na­ri­sten des Lan­des. Das hat­te mit dem unter­schied­li­chen Prie­ster- und Kir­chen­ver­ständ­nis zu tun. Doch das war nicht erwünscht, da ein sol­ches Über­ge­wicht bald lan­des­wei­te Fol­gen gezei­tigt hät­te.

Die „brüderliche“ Zuwendung für Ciudad del Este

Bischof Livie­res galt den ande­ren Bischö­fen als „Stö­ren­fried“. Einem von ihnen, dem Befrei­ungs­theo­lo­gen Fer­nan­do Lugo, Bischof von San Pedro, war das poli­ti­sche Enga­ge­ment so wich­tig, daß er sich von sei­nen bischöf­li­chen Rech­ten und Pflich­ten ent­bin­den ließ, um gestützt auf eine Links­ko­ali­ti­on Staats­prä­si­dent wer­den zu kön­nen. Nach­träg­lich stell­te sich her­aus, daß die Ent­bin­dung mehr mit wie­der­hol­ter Ver­let­zung sei­nes Zöli­bats­ver­spre­chens zu tun hat­te. Er ist Vater von zumin­dest zwei Kin­dern ver­schie­de­ner Frau­en. Mit wei­te­ren Frau­en hat­te er als Prie­ster und Bischof sexu­el­le Bezie­hun­gen. Als Staats­prä­si­dent wur­de er nach weni­ger als vier Jah­ren Amts­zei­ten nach des Amtes ent­ho­ben. Heu­te sitzt er als Ver­tre­ter der Links­par­tei Fren­te Gua­su, die Mit­glied der Sozia­li­sti­schen Inter­na­tio­na­le (SI) ist, im para­gu­ay­ischen Senat.

Papst Fran­zis­kus schick­te 2014 Bischof Livie­res einen „brü­der­li­chen Visi­ta­tor“, der so brü­der­lich war, daß der Bischof kurz dar­auf ohne Nen­nung eines Grun­des und unter schä­bi­gen Umstän­den sei­nes Amtes ent­ho­ben wur­de, ohne sich gegen wel­che Anschul­di­gung auch immer recht­fer­ti­gen zu kön­nen. Papst Fran­zis­kus ver­wei­ger­te ihm die Audi­enz. Fran­zis­kus wer­de sich dafür vor Gott recht­fer­ti­gen müs­sen, schrieb Bischof Livie­res in einer Erklä­rung zu sei­ner Abset­zung. Ein Jahr spä­ter erlag er einer schwe­ren Krank­heit.

Das Prie­ster­se­mi­nar von Ciu­dad del Este exi­stiert zwar noch, wur­de jedoch vom neu­en Bischof wie­der an das Natio­na­le Semi­nar von Asun­ci­on gekop­pelt. Die Zahl der Semi­na­ri­sten ist nach einer mas­si­ven Säu­be­rungs­ak­ti­on „kon­ser­va­ti­ver“ Kan­di­da­ten auf ein Vier­tel ein­ge­bro­chen. Ver­schie­de­ne tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Gemein­schaf­ten wur­den auf­ge­löst, Prie­ster und Orden aus der Diö­ze­se ent­fernt, zahl­rei­che Umbe­set­zun­gen vor­ge­nom­men.

Ganz anders ist die Reak­ti­on in der Diö­ze­se San Fran­cis­co en Cor­do­ba in Argen­ti­ni­en. Dort ist kei­ne „brü­der­li­che“ Visi­ta­ti­on vor­ge­se­hen, denn das Bis­tum gilt als „offe­ne für die Über­ra­schun­gen des Hei­li­gen Gei­stes“. Zu denen für die Zei­tung La Capi­tal offen­bar auch die Zeu­gung von Kin­dern durch Prie­ster gehört.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ciu­dad de San Fran­cis­co (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Da soll einer sagen, dass hin­ter die­sem Umbau der Kir­che seit Jahr­zehn­ten kein ein­heit­li­cher Plan steht, der mit der Dick­häu­tig­keit, Stur­heit und zuwei­len Wut eines Nas­horns durch­ge­zo­gen wird.

  2. Im Bis­tum Ant­wer­pen unter Bischof Johan Bon­ny ist man schon eine Stu­fe wei­ter:
    — Einer­seits wur­de ein Prie­ster, der vor vie­len Jah­ren eine Bezie­hung mit einer Pasto­ral­re­fe­ren­tin hat­te, wor­aus ein Sohn ent­spros­sen war (die Bezie­hung wur­de offen­sicht­lich beid­sei­tig recht schneel been­det) sofort ver­setzt in die Senio­ren­pa­sto­ral und in die Pro­vinz, mit natür­lich Mel­dung an alle Medi­en.
    — Ander­seits wur­de der total durch­ge­knall­te Sexuo­lo­ge, Psy­cho­lo­ge und ex-/erneut-„Priester“ T.Schellekens mit viel Tamtamm in die Pasto­ral in Ant­wr­pen-Stadt wie­der ein­ge­setzt und sitzt der Sym­pa­thi­sant der „Arbeits­grup­pe für die Unter­stüt­zung vn Pädo­phi­len in dr Kir­che“ (1984) Jef Bar­zin fest im Sat­tel- er hat es schon zu Dekan gebracht und ist ein guter Freund von „Bischof“ Johan Bon­ny!
    „Bischof“ Bon­ny hat übri­gens mit Weih­nach­ten 2014 ein gro­ßes Inter­view in der Zei­tung „De Mor­gen“ gege­ben“, wo er öffent­lich tota­le Häre­sie und Apost­asie ver­kün­de­te.
    Daß Bon­ny dann den im Pädo­phi­len-Prie­ster­schutz invol­vier­ten brüg­ge­ner Kir­chen­ju­ri­sten Patrick Degrieck auf­ge­nom­men hat im Bis­tum Ant­wer­pen, paßt wun­der­bar dazu.
    Die meist stin­kend augi­asstäl­le wer­den nicht gemi­stet — und sicher nicht visi­tiert.

  3. Die Situa­ti­on der Kir­che hat etwas gera­de­zu Unwirk­li­ches. So als gel­te es, den Teu­fel unbe­dingt im Spiel zu hal­ten; viel­leicht, weil man noch auf sei­nen Sieg gewet­tet hat oder sich auch nur am Spiel noch wei­ter ergöt­zen möch­te. So, als sei es zu früh oder zu uner­träg­lich, der Ring­pa­ra­bel ein Ende zu den­ken, also daß so berau­schen­de und selbst­ge­fäl­li­ge „Dul­dungs- und Scho­nungs­ge­fühl“ (Goe­the) doch um der Wahr­heit wil­len auf­ge­ben zu müs­sen.
    Und doch ist wohl gera­de die­se Stim­mung und die all­ge­gen­wär­tig gezei­tig­te Hal­tung ein siche­res Zei­chen dafür, daß das Ende bereits spür­bar gewor­den ist. Das Spiel ist im Grun­de aus, der Sie­ger steht so gut wie fest. Und alle, die Ihm hul­di­gen, kön­nen nicht ver­lie­ren.

Kommentare sind deaktiviert.