Kardinal Burke widerspricht Papst Franziskus: „Überlieferter Ritus ist keine Ausnahme“

Kardinal Burke widerspricht Papst Franziskus: Überlieferter römischer Ritus ist "keine Ausnahme für Nostalgiker"
Kardinal Burke widerspricht Papst Franziskus: Überlieferter römischer Ritus ist "keine Ausnahme für Nostalgiker"

(Rom) Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke wider­spricht Papst Fran­zis­kus: „Der über­lie­fer­te römi­sche Ritus ist kei­ne Aus­nah­me“.

Am 10. Novem­ber kam in Ita­li­en das neue Papst-Buch „In dei­nen Augen ist mein Wort“ (Nei tuoi occhi è la mia paro­la) in den Buch­han­del. Her­aus­ge­ge­ben wur­de es vom Papst-Ver­trau­ten Pater Anto­nio Spa­daro SJ, dem Lei­ter der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca. Das Buch ent­hält vor­wie­gend Tex­te von Pre­dig­ten und Anspra­chen, die Jor­ge Mario Ber­go­glio vor sei­ner Wahl zum Papst als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires gehal­ten hat­te.

Papst Franziskus: „Nur eine Ausnahme für Nostalgiker“

Teil des Buches ist zudem ein aus­führ­li­ches, aktu­el­les Inter­view. Dar­in befrag­te Spa­daro den Papst auch zur „latei­ni­schen Mes­se“. Als Ant­wort sag­te Fran­zis­kus, die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus sei „nur eine Aus­nah­me für Nost­al­gi­ker“ Die voll­stän­di­ge Pas­sa­ge des Buches lau­tet:

„Die latei­ni­sche Mes­se? ‚Nur eine Aus­nah­me‘‚ stellt der Papst klar: ‚Papst Bene­dikt hat eine rich­ti­ge und groß­zü­gi­ge Geste gesetzt, um einer gewis­sen Men­ta­li­tät von eini­gen Grup­pen und Per­so­nen ent­ge­gen­zu­kom­men, die Nost­al­gie hat­ten und sich ent­fern­ten‚, unter­streicht Ber­go­glio, indem er von der triden­ti­ni­schen Mes­se spricht, die von Ratz­in­ger 2007 mit dem Motu pro­prio für alle Prie­ster ein­ge­führt wur­de, die sie zele­brie­ren möch­ten. ‚Sie ist aber eine Aus­nah­me‘.“

Kardinal Burke: „Keine Ausnahme. Es genügt das Motu proprio von Benedikt XVI. zu lesen“

Gestern ant­wor­te­te der nam­haf­te US-ame­ri­ka­ni­sche Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke auf die­se Aus­sa­ge des Pap­stes. In einem Inter­view mit der Inter­net-Tages­zei­tung La Fede Quo­ti­dia­na (FQ) sag­te der Kar­di­nal­pa­tron des Mal­te­ser­or­dens, der zu den vier Kar­di­nä­len gehört, die Papst Fran­zis­kus mit Dubia (Zwei­feln) zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia in Bedräng­nis gebracht haben:

FQ: Im neu­en Buch von Pater Spa­daro „In dei­nen Augen ist mein Wort“ nennt Papst Fran­zis­kus den über­lie­fer­ten römi­schen Ritus eine „Aus­nah­me“. Was den­ke Sie dazu?

Kar­di­nal Bur­ke: Daß er kei­ne Aus­nah­me ist. Er ist die Mes­se der Kir­che aller Zei­ten und daher kann er nicht über­gan­gen wer­den und hat glei­che Wür­de. Im übri­gen genügt es das Motu pro­prio von Papst Bene­dikt XVI. zu lesen, das ein­deu­tig ist.

Text: Gisuep­pe Nar­di
Bild: Lisa Johnston/FQ (Screen­shot)

21 Kommentare

  1. Der Schrift­lei­ter der Jesui­ten­zeit­schrift , Pater Spa­daro SJ, hat in ita­lie­ni­scher Spra­che ein Neu­es Buch vor­ge­stellt „In Dei­nen Augen ist mein Wort“ In die­sem Buch wird auch Papst Fran­zis­kus zur über­lie­fer­ten Form des römi­schen Mess­ri­tus befragt. ( Bespre­chung auf Katho­li­sches. Info) Er ant­wor­te­te:
    „Die latei­ni­sche Mes­se? ‚nur eine Aus­nah­me. Papst Bene­dikt hat eine rich­ti­ge und groß­zü­gi­ge Geste gesetzt, um einer gewis­sen Men­ta­li­tät von eini­gen Grup­pen und Per­so­nen ent­ge­gen­zu­kom­men, die Nost­al­gie hat­ten und sich ent­fern­ten.“ Es erstaunt, dass der Papst hier von einer Grup­pe in der Kir­che Jesu Chri­sti spricht, die Nost­al­gie hat­ten und sich ent­fern­ten und es empört, dass er hier mit den Begriff „Nost­al­gie hat­ten“ Gläu­bi­ge in der Kir­che male­di­ziert , die die Reform der Reform leben und so dem Bild der Eccle­sia sem­per refor­man­da ent­spre­chen wol­len. Zunächst muss jedoch Fra­ge gestellt wer­den, was ist unter Nost­al­gie eigent­lich zu ver­ste­hen? Der Begriff Nost­al­gie setzt sich den alt­grie­chi­schen Wor­ten νόστος, nóstos (Rück­kehr, Heim­kehr, Rei­se) und άλγος, algos (= Schmerz, Kum­mer, Leid) zusam­men und bedeu­tet soviel wie Heim­weh oder Sehn­sucht nach alten und geschätz­ten Wer­ten. Der Begriff beschreibt aber auch, wie alle Wor­te, die auf „algie“ enden ein medi­zi­ni­sches Krank­heits­bild, ohne dabei auf kau­sa­le medi­zi­ni­sche Ursa­chen ein­zu­ge­hen. Bekannt sind mit „algie“ enden­den Krank­heits­bil­der, wie Keph­al­gie, Myal­gie, Neur­al­gie, Fibro­my­al­gie etc. Die Nost­al­gie als Krank­heits­bild wur­de zum ersten Male in der Dis­ser­ta­ti­on, „medi­ca de nost­al­gia“ beschrie­ben, die Johan­nes Hofer 1688 an der Uni­ver­si­tät Basel ein­ge­reicht hat. Nost­al­gie ist kei­ne Gegen­warts­flucht, son­dern sie sucht eine ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Balan­ce wider­her­zu­stel­len. Im kon­kre­ten Fall sucht die ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Balan­ce nichts Gerin­ge­res als die höch­ste Form der Got­tes­ver­eh­rung, die unblu­ti­ge Wie­der­ho­lung des Kreu­zes­op­fers Chri­sti in der hei­li­gen Mes­se mit der Anbe­tung des All­mäch­ti­gen die dem Aller­höch­sten geschul­de­te Form zu geben bzw. die­se wie­der­zu­fin­den.
    Ein Wei­te­res sagt der Papst: Papst Bene­dikt XVI habe die­se … Geste gesetzt, um einer gewis­sen Men­ta­li­tät von eini­gen Grup­pen und Per­so­nen ent­ge­gen­zu­kom­men. Die­se Aus­sa­ge muss eben­so irri­tie­ren, da die Men­ta­li­tät auch die sub­lim­ste Form einer sub­jek­ti­ven Ideo­lo­gie sein kann. Wäre aber eine sub­jek­ti­ve Ideo­lo­gie der wah­re Hin­ter­grund des Wun­sches nach der Ein­füh­rung triden­ti­ni­schen Mes­se gewe­sen, hät­te Bene­dikt nie sein Muto pro­prio erlas­sen, ja er hät­te es nie erlas­sen dür­fen. Das wah­re Ziel des muto pro­prio war kein Gna­den­akt für Außen­sei­ter jen­seits des lit­ur­gi­schen Main­streams, son­dern es mar­kiert den Weg auf der Suche nach der höch­sten Form der Anbe­tung Got­tes, einem Ziel, dem wir als Chri­sten ver­pflich­tet sind, weil wir wis­sen und beken­nen, dass wir Sün­der sind. Übri­gens beginnt Bene­dikt sein Schrei­ben mit den Wor­ten: Die Sor­ge der Päp­ste ist es bis zur heu­ti­gen Zeit stets gewe­sen, dass die Kir­che Chri­sti der Gött­li­chen Maje­stät einen wür­di­gen Kult dar­bringt, „zum Lob und Ruhm Sei­nes Namens“ und „zum Segen für Sei­ne gan­ze hei­li­ge Kir­che“.
    Soll­ten die im Buch von Pater Spa­daro über­lie­fer­ten Wor­te wahr sein und die päpst­li­che Mei­nung wie­der­ge­ben, so spal­tet der Papst die Kir­che und zwar an dem Punkt, an dem Gläu­bi­ge nach der tief­sten Form der gött­li­chen Anbe­tung suchen. Betrof­fen von die­ser Spal­tung sind auch sei­ne Vor­gän­ger, die eine ande­re Affas­sung vom Ritus und sei­ner Bedeu­tung ver­tra­ten.

  2. Ich stim­me Kar­di­nal Bur­ke zu: „Es genügt, das Motu pro­prio zu lesen“:
    Art. 5 § 1. In Pfar­rei­en, wo eine Grup­pe von Gläu­bi­gen, die der frü­he­ren lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on anhän­gen, dau­er­haft exi­stiert, hat der Pfar­rer deren Bit­ten, die hei­li­ge Mes­se nach dem im Jahr 1962 her­aus­ge­ge­be­nen Römi­schen Meß­buch zu fei­ern, bereit­wil­lig auf­zu­neh­men. Er selbst hat dar­auf zu ach­ten, daß das Wohl die­ser Gläu­bi­gen har­mo­nisch in Ein­klang gebracht wird mit der ordent­li­chen Hir­ten­sor­ge für die Pfar­rei, unter der Lei­tung des Bischofs nach der Norm des Canon 392, wobei Zwie­tracht zu ver­mei­den und die Ein­heit der gan­zen Kir­che zu för­dern ist.
    § 2. Die Fei­er nach dem Meß­buch des sel. Johan­nes XXIII. kann an den Werk­ta­gen statt­fin­den; an Sonn­ta­gen und Festen kann indes eben­falls eine (kur­siv gedruckt!) Fei­er die­ser Art statt­fin­den.
    § 3. Gläu­bi­gen oder Prie­stern, die dar­um bit­ten, hat der Pfar­rer auch zu beson­de­ren Gele­gen­hei­ten Fei­ern in die­ser außer­or­dent­li­chen Form zu gestat­ten, so z. B. bei Trau­un­gen, bei Begräb­nis­fei­ern oder bei Fei­ern zu bestimm­ten Anläs­sen, wie etwa Wall­fahr­ten.

    Dar­aus geht völ­lig ein­deu­tig her­vor, dass der Ritus von Johan­nes XXIII. die „außer­or­dent­li­che“ Form ist, zu des­sen Fei­er ver­schie­de­ne Bedin­gun­gen erfüllt sein müs­sen. Papst Fran­zis­kus hat mit dem Begriff „Aus­nah­me“ daher recht und Kar­di­nal Bur­ke liegt falsch! Der Ritus, der kei­nen Bedin­gun­gen unter­liegt, ist die Regel­form. Der Ritus, für den Bedin­gun­gen erfüllt wer­den müs­sen, ist die Aus­nah­me. Jede ande­re Inter­pre­ta­ti­on des Begrif­fes „Aus­nah­me“ kann nur falsch sein.

  3. Das MP ist wirk­lich ein­deu­tig. Das MR1962 ist die for­ma extra­or­di­na­ria. Dem­nach, also laut MP, müss­te die alte Mes­se wirk­lich die Aus­nah­me sein. Jeden­falls dürf­te streng­ge­nom­men nie­mand, der sich auf Summorum pon­ti­fi­cum beruft/stützt, aus­schließ­lich oder auch nur über­wie­gend die alte Mes­se fei­ern.

    Aller­dings gibt es ja auch Leu­te, die aus­schließ­lich Hand­kom­mu­ni­on emp­fan­gen, die auch nur die for­ma extra­or­di­na­ria des Kom­mu­nion­emp­fangs ist. Die­se hat zudem nach wie vor nur den Rang eines Indults, nicht den prin­zi­pi­el­ler, zumin­dest theo­re­ti­scher, recht­li­cher Gleich­ran­gig­keit.

    Es war aber vor­her­seh­bar, dass ordentlich/außerordentlich nach B XVI. so inter­pre­tiert wer­den wür­de.

    Das hät­te Ratz­in­ger gut ver­mei­den kön­nen, wenn er vor­aus­schau­end wie im Begleit­schrei­ben auch im MP selbst nur von der neue­ren und der älte­ren Form des Römi­schen Ritus gespro­chen hät­te. Viel­leicht woll­te er es aber auch gar nicht kon­se­quent ver­mei­den.

  4. Wie könn­te eine hl. Mes­se, im alten Ritus gefei­ert, eine Aus­nah­me sein.
    Da kommt mir schon eher der Gedan­ke, dass sei­ne von ihm zele­brier­ten Eucha­ri­stie­fei­ern eine Aus­nah­me sind — z.B. kein Knie­en wäh­rend der Wand­lung. Sonst kann er es ja auch (Fuß­wa­schung von mus­li­mi­schen Frau­en und Män­nern am Grün­don­ners­tag).
    Und das von vie­len als schmerz­haft emp­fun­de­ne jeg­li­che Feh­len einer wür­di­gen und fei­er­li­chen Atmo­sphä­re könn­te man auch als Aus­nah­me anse­hen.

  5. Bur­ke hat natür­lich recht. Aber was die Nost­al­gi­ker angeht, muss man dem Papst zugu­ten hal­ten, dass das ita­lie­ni­sche Wort „nost­al­gia“ einen etwas ande­ren Sinn hat als das deut­sche Wort „Nost­al­gie“. Es bedeu­tet näm­lich soviel wie Sehn­sucht. Der Papst sprach also von Men­schen, die sich nach der alten Mes­se gesehnt haben. Es ist mit­hin etwas unfair, wenn man dem Papst auf­grund die­ser Äuße­rung atte­stiert, er habe die­se Men­schen als Nost­al­gi­ker abqua­li­fi­ziert.

    • Das ist eine inter­es­san­te Nuan­ce, dan­ke. Fair muss man blei­ben! Und das weiß nicht jeder, Herr Nar­di aller­dings bestimmt.

    • Also bit­te, der Kon­text des hier und andern­orts Gesag­ten ergibt ein­deu­tig, dass Ber­go­glio Nost­al­gie und Nost­al­gi­ker ein­deu­tig nega­tiv kon­no­tiert.

  6. Was soll die­se Wort­klau­be­rei und das Zitie­ren aus dem Zusam­men­hang des Tex­tes!? Ich amü­sie­re mich köst­lich, wie hier eini­ge Zuschrei­ber mei­nen, Kar­di­nal Bur­ke oder Nico­la Bux beleh­ren zu müs­sen. Ber­go­glio nennt die Fei­er der triden­ti­ni­schen Mes­se eine Aus­nah­me für Nost­al­gi­ker, also für einen klei­nen, exklu­si­ven Kreis im Sin­ne eines für die­sen Kreis erlas­se­nen Gna­den­ak­tes. Das trifft viel­leicht noch auf die Situa­ti­on unter Johan­nes Paul II. zu, wo man für die Fei­er der Mis­sa triden­ti­na noch ein Indult benö­tig­te. Bene­dikt XVI. legt in sei­nem MP hin­ge­gen fest, dass allen Gläu­bi­gen der freie Zugang zur Fei­er der Mis­sa triden­ti­na gewährt wer­den müs­se, dass jeder Prie­ster und Ordens­mann, der es wün­sche, frei und ohne etwai­ge Son­der­er­laub­nis durch den Orts­or­di­na­ri­us die­se Mes­se fei­ern kön­ne und dass ein Rec­tor eccle­siae kein Recht hat, eine Grup­pe von Gläu­bi­gen oder einen mit ordent­li­chem Celeb­ret ver­se­he­nen Prie­ster die Fei­er der Mis­sa triden­ti­na in sei­nem Got­tes­haus zu unter­sa­gen. Das war ja gera­de das uner­hört Neue am MP Bene­dikts, dass er die triden­ti­ni­sche Mess­form wie­der in ihr Recht setz­te, gemäß sei­nem Mot­to: was frü­her der Kir­che hei­lig war, kann heu­te nicht ver­bo­ten sein. Wenn er, um das Auf­heu­len der getrof­fe­nen Hun­de abzu­mil­dern, Begrif­fe wie „außer­or­dent­lich“ und „ordent­lich“ gebrauch­te, so ist damit eben gera­de kei­ne Exklu­si­vi­tät im Sin­ne eines außerd­or­dent­li­chen Gna­den­ak­tes gemeint. Eine sol­che Auf­fas­sung steht dem Geist des MP dia­me­tral gegen­über. Und in die­sem Sin­ne hat Kar­di­nal Bur­ke sehr wohl recht und damit auch das Recht, die anti­quier­ten und des­halb fal­schen Aus­sa­gen Ber­go­gli­os zu kor­ri­gie­ren! Im Übri­gen ver­stieß auch der Erz­bi­schof von Zagreb gegen die­ses päpst­li­che Recht, als er Kar­di­nal Bur­ke in nero­ni­scher Ver­mes­sen­heit die Fei­er der triden­ti­ni­schen Mes­se in sei­nem Bis­tum unter­sag­te.

  7. Das sind doch auf­fäl­li­ge Haar­spal­te­rei­en @Aventin, die Sie hier betrei­ben. Papst Fran­zis­kus ist ein­deu­tig dem guten Kar­di­nal Sarah, der ab über­mor­gen, 1. Advent, eine Ost­aus­rich­tung der Mes­se im NO vor­ge­schla­gen hat­te, in den Rücken gefal­len und hat­te ihn abge­kan­zelt. Wegen befürch­te­ter Ras­sis­mus-Vor­wür­fen bei Ent­fer­nu­ung darf Kar­di­nal Sarah aber noch im Amt blei­ben.
    Die­ser Papst will eben KEINE Hei­lig­keit der hl. Mes­se haben, son­dern einen „Gemein­de­got­tes­dienst“, wo jeder sich „ein­brin­gen“ darf und soll, Jesus Chri­stus aber völ­lig an den Rand gedrängt wird- in aller Barm­her­zig­keit ver­steht sich.

  8. Lie­ber Aven­tin, mei­ne Wor­te waren: „Es erstaunt, dass der Papst hier von einer Grup­pe in der Kir­che Jesu Chri­sti spricht, die Nost­al­gie hat­ten und sich ent­fern­ten und es empört, dass er hier mit den Begriff „Nost­al­gie hat­ten“ Gläu­bi­ge in der Kir­che male­di­ziert.“ Anschlie­ßen habe ich das Wort „Nost­al­gie“ von sei­ner seman­ti­schen und medi­zi­ni­schen Bedeu­tung erklärt, die übri­gens auch dem ita­lie­ni­schen Begriff Nost­al­gie zugrun­de liegt. Mein Bezugs­punkt für die Deu­tung die­ses für den päpst­li­chen Sprach­ge­brauch sehr merk­wür­di­gen Begriffs war die grie­chi­sche Spra­che (nicht die deut­sche), aus der das Wort ent­lehnt ist. Es geht bei der Betrach­tung jedoch nicht um die Fra­ge, wie es frü­her war als Sehn­sucht nach der Ver­gan­gen­heit, son­dern ich glau­be und ver­tre­te die Mei­nung: müs­sen wir, als Chri­sten, uns nicht die Fra­ge stel­len, ist die Form der Got­tes­ver­eh­rung, die die Kir­che heu­te Gott anbie­tet, wirk­lich der Kult, den wir Gott schul­den. Oder kon­kret gespro­chen,: wie steht es mit unse­rer Got­tes­ver­eh­rung, mit der Anbe­tung des Aller­höch­sten.
    Bemü­hen wir uns und unse­re Lit­ur­gi­ker Gott in Wort und Zei­chen die höch­ste Ver­eh­rung zu zei­gen, oder glau­ben wir in einem selbst­be­frie­di­gen­den Event Gott die geschul­de­te Ehre erwei­sen zu kön­nen. Ver­zei­hen Sie, wenn ich die­ses so klar schrei­be, aber letz­te­res muss ich lei­der immer wie­der beim Besuch der hl. Mes­se erfah­ren. Die Fra­ge ist also nicht, wel­cher der bei­den Arten der Mess­fei­er, der triden­ti­ni­schen oder der „neu­en“ nach Paul VI ist die rich­ti­ge
    und die hei­li­ge­re, son­dern war­um ist die heu­te übli­che Form der Mess­fei­er nach Paul VI lit­ur­gisch so aus­drucks­los. Jeder Prie­ster fei­ert sie anders und ver­sucht sei­ne ein­ge­bil­de­te Intel­lek­tua­li­tät durch sein anders Fei­ern und anders (=indi­vi­du­ell) beten zu bewei­sen. Ich ken­ne bei­de Riten und wun­de­re mich, war­um der neue Ritus bei vie­len Prie­stern so ver­kom­men ist. die ihn des­we­gen und ver­mut­lich nur des­we­gen unbe­dingt fei­ern möch­ten. Ein Papst, der die­se Malai­se nicht ver­steht. bleibt für mich ein Rät­sel. Papst Bene­dikt schrieb noch: Die Sor­ge der Päp­ste ist es bis zur heu­ti­gen Zeit stets gewe­sen, dass die Kir­che Chri­sti der Gött­li­chen Maje­stät einen wür­di­gen Kult dar­bringt, „zum Lob und Ruhm Sei­nes Namens“ und „zum Segen für Sei­ne gan­ze hei­li­ge Kir­che“. Die­ser Sor­ge woll­te ich mit mei­nem Schrei­ben Aus­druck geben.

  9. Allein die Begriff­lich­keit ist ver­rä­tisch: Ein AUSSER­or­dent­li­cher Ritus ist ja nicht die Regel, ein ORDENTLICHER schon. Papst Bene­dikt hät­te die Mög­lich­keit gehabt, eine ande­re Benen­nung vor­zu­neh­men. Das hat er nicht getan. Und die unglück­li­che und m.E. auch fal­sche Infor­ma­ti­on in die Welt gesetzt, dass der Alte Ritus nie ver­bo­ten war. Ja, wenn denn das stimmt — war­um hat die Pius­bru­der­schaft so gekämpft? Etwa für ein Gespenst. Nein, Paul VI. HAT den alten Ritus abge­schafft. Das hat auch Georg May immer so fest­ge­hal­ten. Und der wur­de ja auch nicht mit dem Novus Ordo warm.

    • Wer­ter Kar­lEu­gen, natür­lich hat Paul VI. die Fei­er der Mis­sa triden­ti­na in unbarm­her­zig­ster Wei­se ver­bo­ten. Ich ken­ne per­sön­lich dut­zen­de Prie­ster, die des­we­gen unend­lich gelit­ten haben. Nur weni­ge von ihnen hat­ten unter dem all­ge­mei­nen Druck des „Aggior­na­men­to“ den Mut, ein Indult für die Fei­er der triden­ti­ni­schen Mes­se zu bean­tra­gen, noch viel weni­ger, zumeist sehr alte, nicht in der „Pasto­ral“ ste­hen­de Prie­ster haben ein sol­ches unter Paul VI. dann auch erhal­ten. Natür­lich hat Paul VI. die Fei­er der triden­ti­ni­sche Mes­se in unglaub­li­cher Über­schät­zung sei­ner Hir­ten­ge­walt de fac­to ver­bo­ten! Aber eben nicht per Dekret (übri­gens der glei­che lächer­li­che Buden­zau­ber wie bei Amo­ris lae­ti­tia: offi­zi­ell bleibt die Leh­re unbe­rührt, aber fak­tisch wird die Tra­di­ti­on und Leh­re der Kir­che abge­schafft). Inso­fern war die triden­ti­ni­sche Mes­se offi­zi­ell nie abge­schafft wor­den. Ratz­in­ger stell­te im Nach­hin­ein die­se Über­schät­zung der päpst­li­cher Hir­ten­ge­walt und die Irr­sin­nig­keit einer sol­chen fak­ti­schen Abschaf­fung fest, als er das befrei­en­de Wort sprach: was der Kir­che durch Jahr­hun­der­te hei­lig war, kann heu­te nicht ver­bo­ten oder abge­schafft sein. Als logi­sche Kon­se­quenz erließ er dann das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, mit dem er die Fei­er der Mis­sa triden­ti­na wie­der frei gab. Die For­mu­lie­rung „außer­or­dent­li­cher Ritus“ ist ledig­lich eine ein­ord­nen­de Bezeich­nung, die letzt­lich den „einen Ritus in sei­nen zwei For­men“ von­ein­an­der unter­schei­den und wohl auch die ätzen­de Kri­tik der Kon­zi­lia­ren mode­rat hal­ten soll­te. Fakt ist, dass die Fei­er der triden­ti­ni­schen Mes­se für Gläu­bi­ge, Prie­ster und Ordens­leu­te ohne irgend­wel­che Son­der­er­laub­nis­se frei­ge­ge­ben wur­de. Die Fei­er der triden­ti­ni­schen Mes­se ist des­halb kei­ne Aus­nah­me, son­dern eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, auch wenn das die Kon­zils­fe­ti­schi­sten und Bruchher­me­neu­ten in ihrer Fixiert­heit auf die ver­meint­li­chen Errun­gen­schaf­ten aus dem (Un)Geist des Kon­zils bis heu­te nicht begrei­fen oder aner­ken­nen wol­len.

    • Ja, aber als Papst konn­te Bene­dikt fest­stel­len, dass der alte Ritus im Prin­zip nie­mals recht­lich abge­schafft wor­den sei, das nennt man römisch­recht­lich eine fic­tio. Juri­stisch durch­aus mög­lich und üblich. Nur so konn­te Bene­dikt mE irgend­wie die Ein­füh­rung des neu­en (!) Ritus irgend­wie (mehr schlecht als recht) und damit Paul VI. recht­fer­ti­gen. Den Bene­dikt übri­gens nicht nennt, wenn er im MP bestimm­te Päp­ste anführt, die sich um den Römi­schen Ritus in beson­de­rer Wei­se ver­dient gemacht haben.

    • Das Wort „außer­or­dent­lich“ kann man aber auch im Sin­ne von „beson­ders gut“, „groß­ar­tig“ oder „exzel­lent“ ver­ste­hen; wäh­rend das Wort „ordent­lich“ nur „nor­mal“ oder „durch­schnitt­lich“ meint!

      • Kir­chen­recht­lich eben nicht, sonst müß­ten Sie von außer­or­dent­li­chen Kom­mu­ni­ons­pen­dern, vul­go: Kom­mu­ni­on­hel­fern, ja ganz begei­stert sein.

  10. „Wort­klau­be­rei, Haar­spal­te­rei­en, Zitie­ren aus dem Zusam­men­hang“ — was soll das alles?
    Natür­lich wur­de die Eucha­ri­stie­fei­er nach dem Ritus des Mis­sa­les von Johan­nes XXIII. (Triden­ti­nisch ist ja gar nicht rich­tig, da es meh­re­re Refor­men, z.B. die Fei­er der Oster­nacht von Pius XII., gege­ben hat) von Paul VI. ver­bo­ten. Ich erin­ne­re mich noch genau an die Beweg­grün­de. Man woll­te den refor­mier­ten Ritus ein­heit­lich in der gesam­ten latei­ni­schen Kir­che nur mit den Frei­hei­ten, die das neue Mis­sa­le selbst anbot.
    Bene­dikt XVI. woll­te mit sei­nem MP dem Bedürf­nis einer (im Verhhält­nis doch sehr klei­nen) Grup­pe nach­kom­men (In mei­ner Umge­bung von Pfar­ren mit ins­ge­samt 10.000 Ein­woh­nern ken­ne ich nur eine ein­zi­ge Per­son, die ger­ne den alten Ritus hät­te). Außer­dem hat er auf eine kir­chen­recht­li­che Ver­stän­di­gung mit der Prie­ster­bru­der­schaft Pius X. gehofft, es war also auch hier ein Zuge­ständ­nis. Die Bezeich­nun­gen „Ordent­lich“ und „außer­or­dent­lich“ waren ein­deu­tig Absicht und soll­ten auch so genom­men wer­den. Ein wei­te­rer Hin­weis dar­auf ist, dass — soviel ich weiß — Bene­dikt XVI. nie in der „außer­or­dent­li­chen Form“ zele­briert hat.

    • Hm,da hat Bene­dikt XVI,lediglich aus tak­ti­schen Gründen,in Rah­men sei­ner Politik,das Motu proprium,verfasst.Alles klar,ohne Wortklauberei…usw.Und es geht hier,an erster Stelle,nur darum(schon wieder)ob Papst Fran­zis­kus Recht hat(schon wieder).Mehr ist ja nicht bei Bene­dikt XVI,zu suchen.Punkt.

    • Fati­ma,
      Es ist natür­lich sehr trau­rig daß Sie in Ihrer Umge­bung (etwa 10 000 Gläu­bi­gen) nur eine Per­son ken­nen, die die alt­ehr­wür­di­ge Mess wünscht.
      Die Sehn­sucht nach der tra­di­tio­nel­len Lit­ur­gie ist lokal sehr unter­schied­lich aus­ge­prägt: Gebie­te mit tra­di­tio­nel­lem Modr­nis­mus und Pro­te­stan­ti­sie­rung sind aus Erfah­rung sehr schwie­rig, Gebie­te mit viel Event und Pop(ulär)charakter eben­falls.
      (Ver­wei­send nach dem Arti­kel auf katholisches.info v. 20.12.2012 betr. Gläu­bi­gen­zah­len):
      Bei ins­ge­samt ca. 1,1 Mil­li­ar­den Katho­li­ken wür­de 1/10 000-tel ca. 110 000 Gläu­bi­gen bedeu­ten.
      Die Tra­di­ti­on zählt jetzt ca.3000 Geist­li­chen, was ein Ver­hält­nis von 1 Prie­ster pro 37 Gläu­bi­gen bedeu­ten wür­de.
      Es wür­de noch deut­lich nied­ri­ger, wenn die Diö­ze­se Cam­pos aus­ge­rech­net wur­de.
      Fakt ist, daß sowohl die Anzahl der Spender(innen) als auch der Besuch der Fei­ern im tra­di­tio­nel­len Ritus (hier­zu rech­ne ich auch z.B. die Ves­per­dien­ste, die im post­kon­zi­liä­rem Raum qua­si total ver­schwun­den sind)) hoch ist, und beson­ders wich­tig mit kon­ti­nu­ier­li­chem Zuwachs (was ander­wei­tig nicht der Fall ist).
      Ein gutes Bei­spiel ist­Brüs­sel, wo pro Wochen­en­de ca. 5 bis 8 Dien­ste im tra­di­tio­nel­lem Ritus gefei­ert wer­den, mit durch­schnitt­lich etwa 500 Besu­cher; bei Ihrem Zah­len­ver­hält­nis müß­te dies mit etwa 5 Mil­lio­nen Gläu­bi­gen kor­re­spon­die­ren- der Groß­raum Brüs­sel zählt jedoch höch­stens etwa 1,5 Mil­lio­nen Mensen, dar­un­ter etwa 350 000 Mus­lims, brav geschätzt etwa 700000 Athe­isten und Ungläu­bi­gen;
      der Kirch­gang liegt inzwi­schen bei etwa 1 bis 2 %, was dazu führt daß im Zen­trum und Süden Brüs­sels etwa 10% aller katho­li­schen Gläu­bi­gen eine tra­di­tio­nel­le Hl. Mes­se besu­chen.
      Ten­dens stei­gend.
      Star­ke Zuwach­se bei den Tau­fen (die Moder­ni­sten sind nun gera­de bei dem Schutz des Lebens, der Gebo­re­nen und der Fami­lie nicht sehr pro­fi­liert) und bei den Trau­er­dien­sten (die wer­den in den bel­gi­schen Bis­tü­mern jetzt rasant abge­schafft).
      Ein ähn­li­ches Bild bie­tet sich in Frank­reich (z.B. der Pélerinage Paris-Char­tres): das ist eine brei­te Volks­be­we­gung.
      Das Umfeld und die Sym­pa­thi­san­ten berück­sich­ti­gend, kann man die Zahl der Anhän­ger der katho­li­schen Tra­di­ti­on bezif­fern zwi­schen etwa 3 Mil­lio­nen (die Geist­li­chen­zahl, die Beru­fun­gen und die Zahl der Non­nen und Schwe­stern berück­sich­ti­gend) und etwa 600 000 (wiki­pe­dia) welt­weit.
      Jetzt wird wohl ein Geheul bei den Moder­ni­sten, beson­ders in Deutsch­land auf­ge­hen; es bringt jedoch nichts, sich in der Tasche zu lügen:
      die katho­li­sche Tra­di­ti­on lebt, sie wächst an den mei­sten Stel­len, nicht sel­ten kräf­tig, sehr unter­schied­lich von Ort und Stel­le, und mit viel und über die Jahr­zehn­te zune­men­der Qua­li­tät.
      EB Msgr. Lef­eb­v­re war ein sehr gro­ßer Mann und von hei­li­ger Lie­be zum Glau­ben durch­tränkt;
      ich hof­fe und wün­sche, daß er auf uns stolz sein darf.

  11. Fakt ist, daß sich die Kir­che als über­zeit­lich versteht.Und gemes­sen dar­an, ist eben der Novus Ordo die „ausser­or­dent­li­che Form“.Daran kann man nicht vor­bei. Gemes­sen an der immer­wäh­ren­den Kir­che sind des­halb die Ortho­do­xen katho­li­scher, als wir mit unse­rer „ausser­or­dent­li­chen Form“ unse­rer begrent­zen Zeit. Inso­fern hat jedes bischöf­li­che oder päpst­li­che Wort hier sei­ne Gren­zen, weil es vor­ran­gig den Glau­ben betrifft, und zweit­ran­gig die Dis­zi­plin.

  12. Wenn Paul VI sehen könn­te (viel­leicht sieht er es ja auch), was aus dem von ihm kre­iertem Ritus gewor­den ist — Zer­stö­rung und Ver­lust des Glau­bens an die Real­prä­senz, des Sakra­len und Gött­li­chen, Ver­welt­li­chung und Muta­ti­on zum evan­ge­li­schen Got­tes­dienst, Ver­lust der Anzie­hungs­kraft und des Glau­bens mit Ent­lee­rung der Kir­chen — wür­de er es noch ein­mal tun? Der Novus Ordo schafft sich wegen feh­len­dem Ordo selbst ab. Aus der ordent­li­chen ist schon lan­ge eine unor­dent­li­che Form gewor­den. Scha­de.

  13. Es ist erschreckend wie sehr die Abnei­gung von Papst Fran­zis­kus gegen­über der triden­ti­ni­schen Mes­se, und der Tra­di­ti­on über­haupt, sich in die­sem Inter­view mani­fe­stiert. Es ist ein von oben her­ab, mit unglaub­li­cher Arro­ganz gespro­che­nes State­ment, daß für alle der Tra­di­ti­on ver­bun­de­nen Grup­pie­run­gen nichts Gutes bedeu­ten kann. Doch er irrt sich gewal­tig, wenn er glaubt, daß es nur weni­ge sind, die in „Nost­al­gie“ ver­har­ren. Den Sie­ges­zug des alten Ritus kann und wird er nicht auf­hal­ten.

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