Beruft Papst Franziskus nächste Synode zur Aufhebung des Zölibats ein? — Neue Mutmaßungen

Austen Ivereigh, der Enthüller des Teams Bergoglio mutmaßt: Nächste Bischofssynode über das Priestertum zur Abschaffung des Zölibats
Austen Ivereigh, der Enthüller des Teams Bergoglio mutmaßt: Nächste Bischofssynode über das Priestertum zur Abschaffung des Zölibats

(Rom) Crux, das pro­gres­si­ve katho­li­sche Por­tal des Bos­ton Glo­be, leg­te kurz vor dem Hoch­fest Mariä Him­mel­fahrt eine umfas­sen­de Ana­ly­se vor, war­um Papst Fran­zis­kus die näch­ste Bischofs­syn­ode zum The­ma Prie­ster­tum ein­be­ru­fen könn­te mit dem Zweck, den Zöli­bat abzu­schaf­fen. Damit erhal­ten ent­spre­chen­de Gerüch­te neue Nahrung.

Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster hat­te bereits im Dezem­ber 2015, kurz nach Ende der Dop­pel-Bischofs­syn­ode über die Fami­lie, gemut­maßt, daß Papst Fran­zis­kus die näch­ste Bischofs­syn­ode dem Prie­ster­tum wid­men könn­te, die wahr­schein­lich 2018/2019 statt­fin­den wer­de. Magi­ster schrieb damals: Der Zweck der Syn­ode über die Fami­lie sei die Zulas­sung der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten gewe­sen, der Zweck einer Syn­ode über das Prie­ster­tum könn­te die Auf­he­bung des Zöli­bats sein. Magi­ster leg­te im Janu­ar 2016 noch ein­mal nach und sprach davon, daß es „mehr ist als nur eine Intui­ti­on“, daß Fran­zis­kus den Prie­ster­z­ö­li­bat abschaf­fen wolle.

Austen Ivereigh folgt Sandro Magister

Der am 12. August ver­öf­fent­lich­te Crux-Auf­satz stammt aus der Feder von Austen Ive­r­eigh, dem ehe­ma­li­gen Pres­se­spre­cher von  Kar­di­nal Cor­mac Mur­phy-O’Con­nor, der bis 2009 Erz­bi­schof von West­min­ster und Pri­mas von Eng­land war.

Pfarrerin und Bischof Erwin Kräutler (rechts) in der "Amazonas-Werkstatt"
Pfar­re­rin und Bischof Erwin Kräut­ler (rechts) in der „Ama­zo­nas-Werk­statt“

Ive­r­eigh leg­te Ende Novem­ber 2014 das Buch „The Gre­at Refor­mer“ über Papst Fran­zis­kus vor. Vier Tage bevor das Buch im Han­del erhält­lich war, wur­de Ive­r­eigh von Papst Fran­zis­kus emp­fan­gen, dem er ein Exem­plar des Buches über­reich­te. Der über­zeug­te Pro­gres­si­ve Ive­r­eigh gab sich als eben­so über­zeug­ter Ber­go­glia­ner zu erken­nen und ent­hüll­te in sei­ner Papst-Bio­gra­phie, daß eine Grup­pe von vier Kar­di­nä­len, die er Team Ber­go­glio nann­te, die Wahl von Papst Fran­zis­kus vor­be­rei­tet und orga­ni­siert hat­te. Ziel der Akti­on sei es gewe­sen, den „Betriebs­un­fall“ der Wahl von Papst Bene­dikt XVI. von 2005 wie­der­gut­zu­ma­chen und das Pon­ti­fi­kat von Johan­nes Paul II. zu kor­ri­gie­ren. Die vier Kar­di­nä­le des Teams Ber­go­glio waren laut Ive­r­eigh sein ehe­ma­li­ger Chef, Kar­di­nal Cor­mac Mur­phy-O’Con­nor, der ehe­ma­li­ge Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel, God­fried Dan­neels und die bei­den Deut­schen, Karl Leh­mann und Wal­ter Kasper.

In sei­nem Auf­satz „Next syn­od likely to focus on orda­i­ning mar­ried men“ (Näch­ste Syn­ode kon­zen­triert sich wahr­schein­lich auf die Wei­he ver­hei­ra­te­ter Män­ner) folgt Ive­r­eigh weit­ge­hend der Linie von San­dro Magi­ster und listet detail­liert die Signa­le auf, die von Papst Fran­zis­kus in die­se Rich­tung aus­ge­sen­det wur­den. Im Mit­tel­punkt steht dabei die „Ama­zo­nas-Werk­statt“ des bra­si­lia­ni­schen Kar­di­nals Clau­dio Hum­mes und des öster­rei­chi­schen Mis­si­ons­bi­schofs Erwin Kräut­ler.

Hauptakteure progressiv, emeritiert (und meist aus dem deutschen Sprachraum)

Bei allen Haupt­ak­teu­ren, den vier Kar­di­nä­len des Teams Ber­go­glio, den Erfin­dern der „Ama­zo­nas-Werk­statt“  und noch zu nen­nen­den fal­len zwei gemein­sa­me Aspek­te auf. Alle gehö­ren der pro­gres­si­ven Rich­tung an und sind bereits eme­ri­tiert. Ein drit­ter Aspekt sticht her­vor: Der Groß­teil die­ser Ver­tre­ter stammt im enge­ren oder wei­te­ren Sinn aus dem deut­schen Sprach­raum.  Dar­aus läßt sich noch etwas ablei­ten: Mit dem Pon­ti­fi­kat und im Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus suchen ins Alter gekom­me­ne Kir­chen­krei­se eine Revan­che für die, ihrer Ansicht nach, „fal­sche“ Wei­chen­stel­lung von 1978 und die Pon­ti­fi­ka­te von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI.

Antonio José de Almeida (links) mit Leonardo Boff
Anto­nio José de Almei­da (links) mit Leo­nar­do Boff

Die „Ama­zo­nas-Werk­statt“ gilt die­sen Krei­sen als eine Speer­spit­ze zur Durch­set­zung einer Alt-68er-For­de­rung: der Auf­he­bung des Prie­ster­z­ö­li­bats, den in der gesam­ten Chri­sten­heit nur die römisch-katho­li­sche Kir­che durch­ge­hal­ten hat, wäh­rend ihn die Ost­kir­chen auf­ge­weicht und die pro­te­stan­ti­schen Kir­chen mit dem sakra­men­ta­len Prie­ster­tum gleich ganz ver­wor­fen haben. Grund­la­ge des Vor­sto­ßes ist das bra­si­lia­ni­sche Doku­ment „Presbà­teros para as comu­ni­dades sem Euca­ri­stia: em bus­ca de pro­postas con­cre­tas e cor­a­jo­sas“ (Prie­ster für die Gemein­schaf­ten ohne Eucha­ri­stie: Auf der Suche nach kon­kre­ten und muti­gen Vor­schlä­gen). Es stammt vom Prie­ster und Theo­lo­gen Anto­nio José de Almei­da, der Pro­fes­sor an der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Paraná (PUCPR) ist, und der im Titel Auf­for­de­run­gen von Papst Fran­zis­kus anklin­gen läßt. Erwin Kräut­ler beton­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr­fach, Papst Fran­zis­kus habe die Bischö­fe zu „kon­kre­ten und muti­gen Vor­schlä­gen“ aufgefordert.

Ideengeber Fritz Lobinger

De Almei­da wie­der­um stützt sich in sei­ner Arbeit auf die The­sen des aus Pas­sau stam­men­den pro­gres­si­ven Mis­si­ons­bi­schofs Fritz Lobin­ger. Lobin­ger wirk­te den Groß­teil sei­nes Lebens in Süd­afri­ka, wo er von 1987–2004 Bischof von Ali­wal war. De Almei­da argu­men­tiert, Lobin­ger fol­gend, mit dem Prie­ster­man­gel und der Not­wen­dig­keit, die katho­li­schen Gemein­schaf­ten mit den Sakra­men­ten zu ver­sor­gen. Als Lösung nennt er die Auf­he­bung des Zöli­bats und die Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zum Priestertum.

Die For­de­rung wird aller­dings nicht so direkt und pla­ka­tiv erho­ben. De Almei­da zitiert Lobin­ger, der die The­se ver­tritt, daß bestimm­te Gemein­schaf­ten, die einen „guten kirch­li­chen Weg“ gehen, wobei unklar bleibt, was genau damit gemeint ist, die Mög­lich­keit haben soll­ten, sich aus den eige­nen Rei­hen Prie­ster zu wäh­len. Die­se Prie­ster, in der Regel ver­hei­ra­tet, wür­den nach ihrer Wei­he die prie­ster­li­chen Dien­ste „exklu­siv“ für ihre Gemein­schaft ausüben.

Bischof Fritz Lobinger
Bischof Fritz Lobinger

Lobin­ger ent­wickel­te die Klei­nen Christ­li­che Gemein­schaf­ten (KCG) als neu­es pasto­ra­les und struk­tu­rel­les Modell, das zum Ersatz für das histo­ri­sche Orga­ni­sa­ti­ons­mo­dell der Kir­che in Pfar­rei­en wer­den könn­te. Die­se „basis­de­mo­kra­ti­schen“ Gemein­schaf­ten dürf­ten von de Almei­da und Lobin­ger mit „bestimm­ten Gemein­schaf­ten“ gemeint sein, die sich ihre Prie­ster sel­ber wählen.

Im enge­ren Sinn scheint der Vor­stoß zur Auf­he­bung des Zöli­bats „nur“ für indi­ge­ne Gemein­schaf­ten (Ama­zo­nas) zu gel­ten, die noch kei­nen Zugang zum sakra­men­ta­len und zöli­ba­tä­ren Prie­ster­tum hät­ten. In Wirk­lich­keit die For­de­rung nie von indi­ge­nen Gemein­schaf­ten Latein­ame­ri­kas oder Afri­kas aus, son­dern von pro­gres­si­ven euro­päi­schen Kir­chen­krei­sen. Im west­li­chen Kon­text sind auch die Haupt­ver­tre­ter zu suchen: nicht nur die sicht­ba­ren Akteu­re, son­dern auch deren Unter­stüt­zer. Zu ihnen zählt bei­spiels­wei­se der neue Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel, Jozef De Kesel, der am ver­gan­ge­nen 8. Mai die Auf­he­bung des Prie­ster­z­ö­li­bats for­der­te, und damit ganz in die Fuß­stap­fen sei­nes För­de­rers Dan­neels, trat, der dem Team Ber­go­glio und dem Geheim­zir­kel Sankt Gal­len angehörte.

Ein Frau­en­prie­ster­tum wir von de Almei­da nicht gefor­dert. Er ver­weist dazu auf Papst Fran­zis­kus, der erklärt hat­te, daß die „Tür zur Frau­en­or­di­na­ti­on geschlos­sen ist“. Der Papst habe aber, wie der bra­si­lia­ni­sche Theo­lo­ge hin­zu­fügt, nicht gesagt, daß auch die Tür zum „Frau­en­dia­ko­nat“ geschlos­sen sei. Man­che Kri­ti­ker sehen dar­in aber ledig­lich ein tak­ti­sches Vorgehen.

De Almei­da ver­tritt damit die Posi­tio­nen von Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni, einem Mit­bru­der von Jor­ge Mario Ber­go­glio im Jesui­ten­or­den. Der 2012 ver­stor­be­ne, ehe­ma­li­ge Erz­bi­schof von Mai­land galt als pro­gres­si­ver Gegen­spie­ler von Papst Johan­nes Paul II. und als Orga­ni­sa­tor einer „Wen­de“ durch die Wahl eines Pap­stes, der an die „Visio­nen Johan­nes XXIII.“ anknüp­fe. Damit schei­ter­te Mar­ti­ni, der Grün­der des inner­kirch­li­chen Geheim­zir­kels Sankt Gal­len, zwar 2005 — bereits damals ver­such­te er durch sei­nen Mit­bru­der Ber­go­glio die Wahl von Papst Bene­dikt XVI. zu ver­hin­dern -, doch sei­nen Mit­strei­tern gelang es 2013 das Ziel zu errei­chen. Kar­di­nal Mar­ti­ni war es, der laut Aus­sa­ge eines ande­ren anwe­sen­den Jesui­ten, im Juni 2012 — kurz vor sei­nem Tod — Papst Bene­dikt XVI. in einem pri­va­ten Gespräch unmiß­ver­ständ­lich zum Rück­tritt auf­for­der­te.

Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, der „Papst­ma­cher“, der dem erwähl­ten Kar­di­nal Ber­go­glio nahe­leg­te, sich Fran­zis­kus zu nen­nen, nann­te kurz nach dem Kon­kla­ve unter ande­rem die Auf­he­bung des Zöli­bats und das Frau­en­prie­ster­tum als Zie­le des neu­en Pon­ti­fi­kats. Letz­te­res ver­nein­te Papst Fran­zis­kus, erste­rem scheint er zuzu­stre­ben, wenn man den Dar­stel­lun­gen von San­dro Magi­ster und Austen Ive­r­eigh folgt, zwei katho­li­schen Jour­na­li­sten ganz unter­schied­li­cher Aus­rich­tung, die eine Rei­he von Gesten minu­ti­ös nachzeichnen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: MiL/

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5 Kommentare

  1. Ich akzep­tier kei­nen ver­hei­ra­te­ten Priester.Dann gehe ich in eine ande­re Kir­che fuer die H.Messe.

    • Bei aller berech­tig­ten Kri­tik an Zölibatsaufhebungsgedanken:

      Es gab und gibt katho­li­sche Prie­ster, die ver­hei­ra­tet sind — und das ist nor­mal: näm­li­chen bei den so genann­ten unier­ten Kir­chen und aus Kir­chen der Refor­ma­ti­on kon­ver­tier­te Amts­trä­ger, die ver­hei­ra­tet blei­ben dür­fen. Sie fei­ern genau­so legi­tim und gül­tig das hl. Mess­op­fer. So ehr­lich soll­te man schon sein!

  2. Ich kann und will mir nicht vor­stel­len, dass es in naher Zukunft so weit kom­men könn­te, auf der ande­ren Sei­te weiß man in der heu­ti­gen Zeit nie — ins­be­son­de­re bei die­sem Pon­ti­fi­kat. Aber die­ser „Beschluss“ wür­de sicher­lich ein Schis­ma zur Fol­ge haben; ich gehe nicht davon aus, dass der Papst SO kurz­sich­tig ist. Schau­en wir, was die Zukunft bringt.

  3. Beruf und Fami­lie zer­stört Fami­lie, beson­ders Kinder.
    Beru­fung und Fami­lie zer­stört Fami­lie, beson­ders Kin­der und die Gemeinde.

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