Das „Wunder des roten Fadens“

Roter Faden, Altstadt von Jerusalem (2015)
Roter Faden, Altstadt von Jerusalem (2015)

Der Tal­mud ist neben dem Tanach, den für das Juden­tum nor­ma­tiv gel­ten­den Bibel­tex­ten, die wich­tig­ste Schrift der Juden. Er lie­fert in bei­den Ver­sio­nen, sowohl dem Baby­lo­ni­schen als auch dem Jeru­sa­le­mer Tal­mud, eine Gegen­erzäh­lung, ein Anti-Evan­ge­li­um, um die Hin­rich­tung Jesu zu recht­fer­ti­gen – und er ent­hält eine Viel­zahl abscheu­li­cher Aus­sa­gen gegen Chri­stus und die Chri­sten. Den­noch bestä­tigt auch er, völ­lig unbe­ab­sich­tigt, das Kreu­zes­op­fer Jesu.

Tal­mud und Sohar berich­ten, daß der jüdi­sche Hohe­prie­ster nur ein­mal im Jahr, an Jom Kip­pur, dem „Tag der Süh­ne“ oder „Ver­söh­nungs­tag“, das Aller­hei­lig­ste des Tem­pels betrat, um Tier­op­fer dar­zu­brin­gen (sie­he auch Hebr 9,6–7). Damit bat er um Ver­ge­bung für die Sün­den der Juden, die einst Israe­li­ten genannt wur­den. Der Sohar ist die bedeu­tend­ste Schrift der Kab­ba­la, einer jüdi­schen Geheim­leh­re. Bei­de Schrif­ten erwäh­nen „das Wun­der des roten Fadens“.

Im Sohar heißt es im Kom­men­tar zum Waji­kra, wie das Buch Levi­ti­kus oder Drit­te Buch Mose auf hebrä­isch heißt:

„An die­sem Tag wer­den alle Sün­den ver­ge­ben […] die Unrein­hei­ten der See­len und Kör­per […] sie alle, an die­sem Tag […] Gott ver­gibt Isra­el und befreit es von allen Sün­den. An die­sem Tag bit­tet der Prie­ster für sich, sein Haus, die Prie­ster, für alle und für das Hei­lig­tum um Ver­ge­bung […] durch einen beson­de­ren roten Faden, wis­sen sie, ob der Prie­ster Erfolg hat­te“ (Waji­kra, 3).

Wenn der rote Faden weiß wur­de, herrsch­te Jubel im gan­zen Volk. Wenn er rot blieb, herrsch­te all­ge­mei­ne Nie­der­ge­schla­gen­heit, denn das war das Zei­chen, daß das Opfer des Hohe­prie­sters und sei­ne Gebe­te von Gott nicht erhört wur­den. Prie­ster und Volk wuß­ten, daß Gott ihnen die Sün­den nicht ver­ge­ben hat­te.

Die Ent­ste­hung des Sohar wird von der For­schung inzwi­schen ins 13. Jahr­hun­dert datiert und die Autoren­schaft Mosche de Leon zuge­schrie­ben. Den­noch hält nicht nur das ortho­do­xe Juden­tum an der Autoren­schaft Schi­mon ben Jochais, eines tal­mu­di­schen Rab­bis des 2. nach­christ­li­chen Jahr­hun­derts, fest.

Der Pro­phet Jesa­ja spielt bereits auf die­sen „Faden“ an, ohne ihn aus­drück­lich zu nen­nen. Das war für die Juden auch gar nicht not­wen­dig. Sie wuß­ten die Wor­te zu deu­ten:

„Wären eure Sün­den auch rot wie Schar­lach, sie sol­len weiß wer­den wie Schnee. Wären sie rot wie Pur­pur, sie sol­len weiß wer­den wie Wol­le“ (Jes 1,18).

40 Jahre blieb das Wunder aus

Der Tal­mud berich­tet, daß die­ses gro­ße Wun­der der gött­li­chen Bestä­ti­gung für die Annah­me des hohe­prie­ster­li­chen Opfers, und damit die Ver­ge­bung der Sün­den, bereits vier­zig Jah­re vor der Zer­stö­rung des Jeru­sa­le­mer Tem­pels auf­hör­te.

„Ursprüng­lich befe­stig­ten sie den roten Faden am Tor des äuße­ren [Tempel-]Hofes. Wur­de er weiß, freu­te sich das Volk, wenn er nicht weiß wur­de, war es beküm­mert. […] Vier­zig Jah­re lang vor der Zer­stö­rung des Tem­pels wur­de der rote Faden nicht mehr weiß, son­dern blieb rot“ (Baby­lo­ni­scher Tal­mud, Rosh Hasha­nah 31b).

Glei­ches berich­tet der Jeru­sa­le­mer Tal­mud in der Misch­na im Lehr­satz yYom 6,3,43c.

Jesus vor Kaiphas, der sich die Kleider zerreißt, Duccio di Buoninsegna, um 1300
Jesus vor Kai­phas, der sich die Klei­der zer­reißt, Duc­cio di Buon­in­segna, um 1300

Der Tal­mud ist die zen­tra­le Schrift des Juden­tums, die nach der Ver­leug­nung und Hin­rich­tung Chri­sti ent­stan­den ist. Die zitier­te Stel­le geht auf die Zeit des pha­ri­säi­schen Rab­bi Gama­liel II. zurück, der im Jahr 114 nach Chri­stus gestor­ben ist. Gama­liel sorg­te für den end­gül­ti­gen Aus­schluß der Juden­chri­sten aus der Syn­ago­ge und ihre Ver­flu­chung als Häre­ti­ker.

Der Tem­pel wur­de im Jahr 70 nach Chri­stus durch die Römer zer­stört. Den mili­tä­ri­schen Ober­be­fehl hat­te Titus.

Titus war der Sohn von Kai­ser Ves­pa­si­an und wur­de spä­ter selbst Kai­ser. Das „Wun­der des roten Fadens“ trat dem­zu­fol­ge seit dem Jahr 30 nach Chri­stus nicht mehr auf. Das ent­spricht genau der Zeit, als Jesus auf Gol­go­ta gekreu­zigt wur­de. Das Neue Testa­ment, das von Juden geschrie­ben wur­de, die Chri­stus erkann­ten und ihm nach­folg­ten, lehrt, daß das Kreu­zes­op­fer Chri­sti die Tier­op­fer des Alten Bun­des ersetz­te. Der alte Tem­pel hat­te sei­ne Bedeu­tung ver­lo­ren und die Tier­op­fer ihre Wirk­sam­keit. An die Stel­le des alten Bun­des war ein neu­er Bund getre­ten.

Der Übergang vom Alten Bund zum Neuen Bund

Im Brief an die Hebrä­er wird der Über­gang theo­lo­gisch erklärt:

„Chri­stus opfer­te auch nicht das Blut von Böcken und Käl­bern für unse­re Sün­den. Viel­mehr opfer­te er im Aller­hei­lig­sten sein eige­nes Blut ein für alle Mal. Damit hat er uns für immer und ewig von unse­rer Schuld vor Gott befreit.
Schon nach den Regeln des alten Bun­des wur­de jeder, der nach den reli­giö­sen Vor­schrif­ten unrein gewor­den war, wie­der äußer­lich rein, wenn er mit dem Blut von Böcken und Stie­ren oder mit der Asche einer geop­fer­ten Kuh besprengt wur­de.
Wie viel mehr wird das Blut Jesu Chri­sti uns inner­lich erneu­ern und von unse­ren Sün­den rein­wa­schen! Erfüllt von Got­tes ewi­gem Geist, hat er sich selbst für uns als feh­ler­lo­ses Opfer Gott dar­ge­bracht. Dar­um sind unse­re Sün­den ver­ge­ben, die letzt­lich nur zum Tod füh­ren, und unser Gewis­sen ist gerei­nigt. Jetzt sind wir frei, dem leben­di­gen Gott zu die­nen“ (Hebr 9,12–14)

Der Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel riß entzwei

Die­ser Über­gang vom Alten zum Neu­en wird in der Hei­li­gen Schrift auch durch äuße­re Zei­chen über­lie­fert: Zum Zeit­punkt, als Jesus am Kreuz einen schreck­li­chen Tod starb, „herrsch­te eine Fin­ster­nis im gan­zen Land“ (Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44). „Die Son­ne ver­dun­kel­te sich“ (Lk 23,45a). „Die Erde beb­te und die Fel­sen spal­te­ten sich“ (Mt 27,51b). „Da riß der Vor­hang im Tem­pel von oben bis unten ent­zwei.“ (Mt 27,51a; Mk 15,38; Lk 23,45b). „Die Grä­ber öff­ne­ten sich und die Lei­ber vie­ler Hei­li­gen, die ent­schla­fen waren, wur­den auf­er­weckt“ (Mt 27,52).

Mit dem Zer­rei­ßen des Vor­han­ges stand allen der Blick ins Aller­hei­lig­ste offen, der bis dahin nur dem Hohe­prie­ster vor­be­hal­ten war. Der Vor­hang soll­te das Aller­hei­lig­ste ver­ber­gen: die Bun­des­la­de. In Wirk­lich­keit war es leer, weil die Bun­des­la­de seit der Baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft, also seit vie­len Jahr­hun­der­ten, ver­schol­len war. Unge­ach­tet des­sen war der Bund Got­tes mit den Israe­li­ten wirk­sam geblie­ben. Nun mach­te der zer­ris­se­ne Vor­hang aber das Ende des alten Aller­hei­lig­sten und den Über­gang zum neu­en Aller­hei­lig­sten sicht­bar, das Chri­stus selbst ist durch den Opfer­tod am Kreuz.

Der Prozeß gegen Jesus

Jesus vor Kaiphas, Szene aus dem Spielfilm "Die Passion" von Mel Gibson (2005)
Jesus vor Kai­phas, Sze­ne aus dem Spiel­film „Die Pas­si­on“ von Mel Gib­son (2005)

Die­sen Über­gang woll­ten der Hohe­prie­ster und die Mehr­heit des Vol­kes nicht erken­nen. Sie erkann­ten aber das Ende ihres Aller­hei­lig­sten. Die­ses Ende wur­de bereits frü­her ein­ge­lei­tet und durch ein wei­te­res Zei­chen sicht­bar. Kai­phas, der von 18–36 n. Chr. Hohe­prie­ster war, ließ als höch­ster Ver­tre­ter des Juden­tums Jesus vor dem Hohen Rat, dem San­he­drin, ankla­gen. Die Ankla­ge lau­te­te auf Got­tes­lä­ste­rung, dem schlimm­sten aller denk­ba­ren Ver­bre­chen, weil Jesus von sich sag­te, der Sohn Got­tes zu sein. Kai­phas war dabei von blin­der Ent­schlos­sen­heit getrie­ben, Jesus zu ver­nich­ten und für immer zum Schwei­gen zu brin­gen (Mt 26,3–4; 26,59; 27,20).

Im Mat­thä­us-Evan­ge­li­um wird der ent­schei­den­de Moment der Rats­ver­samm­lung wie folgt berich­tet:

„Dar­auf sag­te der Hohe­prie­ster zu ihm: Ich beschwö­re dich bei dem leben­di­gen Gott, sag uns: Bist du der Mes­si­as, der Sohn Got­tes? Jesus ant­wor­te­te: Du hast es gesagt. Doch ich erklä­re euch: Von nun an wer­det ihr den Men­schen­sohn zur Rech­ten der Macht sit­zen und auf den Wol­ken des Him­mels kom­men sehen“ (Mt 26,63–64).

Dar­auf­hin wur­de Jesus vom San­he­drin schul­dig gespro­chen und zum Tode ver­ur­teilt. Um ein siche­res Todes­ur­teil zu errei­chen, empör­te sich der Hohe­prie­ster mit thea­tra­li­schem Gestus und tat dabei etwas, was im Juden­tum durch­aus üblich, ihm aber ver­bo­ten war:

„Da zer­riß der Hohe­prie­ster sei­ne Gewän­der und rief: Wozu brau­chen wir noch Zeu­gen? Ihr habt die Got­tes­lä­ste­rung gehört. Was ist eure Mei­nung? Und sie fäll­ten ein­stim­mig das Urteil: Er ist schul­dig und muß ster­ben“ (Mk, 14,63–64; Mt 26,65).

Das Ende des jüdischen Hohepriestertums

Das Zer­rei­ßen der Klei­der brach­te in der jüdi­schen Welt eine tie­fe Gefühls­re­gung zum Aus­druck, beson­ders in Momen­ten der Ver­zweif­lung, größ­ter Empö­rung, tie­fer Trau­er oder gro­ßer Demü­ti­gung. Die Hei­li­ge Schrift berich­tet meh­re­re Epi­so­den (Gen 37,18–35; Hiob 1,18–20; 1 Sam 4,12–17; 2 Kön 22,8–13; Apg 14,14; 22,23). Ver­pflich­tend war das Zer­rei­ßen des Gewan­des, wenn ein Jude eine Läste­rung des Got­tes­na­mens hör­te. Eben das, was Kai­phas in der San­he­drin-Ver­samm­lung von Jesus behaup­te­te. Aber bereits der Pro­phet Joel mahn­te, daß eine inne­re Zer­knir­schung ent­schei­den­der sei, als ein äußer­li­cher Gestus:

„Zer­reißt eure Her­zen und nicht eure Klei­der, und kehrt um“ (Joel 2,13).

Das Buch Levi­ti­kus ent­hält die Vor­schrif­ten für das Prie­ster­tum. Dar­in aber heißt es vom Hohe­prie­ster:

„Der Prie­ster, der unter sei­nen Brü­dern den höch­sten Rang ein­nimmt, auf des­sen Haupt das Salb­öl aus­ge­gos­sen wur­de und der durch das Anle­gen der hei­li­gen Gewän­der ein­ge­setzt ist, soll […] sei­ne Klei­der nicht zer­rei­ßen“ (Lev 21,10).

Das Zer­rei­ßen der Klei­der durch Kai­phas war daher, unbe­ab­sich­tigt, „eine pro­phe­ti­sche Geste“, mit der er selbst das Ende des Hohe­prie­ster­tums anzeig­te, so Papst Leo der Gro­ße (440–461), der von West- und Ost­kir­che als Hei­li­ger ver­ehrt wird.

Tat­säch­lich ist kein ande­res Bei­spiel eines Hohe­prie­sters bekannt, der sein Gewand zer­ris­sen hat. Der häu­fig genann­te Jona­than (1 Makk 11,71) dürf­te zum Zeit­punkt der Zer­rei­ßung noch nicht Hohe­prie­ster gewe­sen sein. Vor allem aber han­del­te er, im Gegen­satz zu Kai­phas gegen­über Jesus, nicht als ober­ster Prie­ster, son­dern als Feld­herr.

Rechtfertigungsversuche für Kaiphas

Tal­mu­di­sche Autoren ver­tei­di­gen Kai­phas, indem sie Levi­ti­kus 21,10 nach pha­ri­säi­scher Art aus­le­gen und Aus­nah­men behaup­ten. Unter ande­rem damit, daß dem Hohe­prie­ster beim Hören einer Got­tes­lä­ste­rung das Zer­rei­ßen des Ober­ge­wan­des nicht ver­bo­ten gewe­sen sei. Dem steht ent­ge­gen, daß im Alten Testa­ment zwar von zahl­lo­sen Got­tes­lä­ste­run­gen berich­tet wird, aber von kei­nem Hohe­prie­ster, der des­halb sein Gewand zer­ris­sen hät­te. Das unter­streicht die Ein­zig­ar­tig­keit der Situa­ti­on zwi­schen Kai­phas und Jesus.

In sei­nem Eifer zer­riß Kai­phas nicht nur sein Ober­ge­wand, son­dern auch das Unter­ge­wand (Mk 14,63).

Er tat es zudem nicht in der, laut jüdi­schen Autoren, für den Hohe­prie­ster in einem so schwer­wie­gen­den Aus­nah­me­fall vor­ge­se­he­nen Art und Wei­se. Ein Jude hat­te sein Ober­ge­wand von oben nach unten zu zer­rei­ßen, der Hohe­prie­ster aber als – und nur er – von unten nach oben. Dar­in sind sich die jüdi­schen Autoren einig von Rab­bi Jona­than ben Usiel, einem Tanait der ersten Genera­ti­on, Schü­ler von Hil­lel dem Älte­ren und Zeit­ge­nos­se Jesu, über Mai­mo­n­i­des bis Micha­el Crei­zen­ach. In der Beto­nung des Unter­schie­des im Gestus des Klei­der­zer­rei­ßens wird erkenn­bar, daß sich die jüdi­schen Gelehr­ten durch­aus bewußt waren, mit ihren Aus­nah­me­be­stim­mun­gen vom Ver­bot in Levi­ti­kus 21,10 letzt­lich gegen gött­li­ches Gebot zu ver­sto­ßen. Bis Kai­phas hat­te den­noch kein Hohe­prie­ster von den behaup­te­ten Aus­nah­men Gebrauch gemacht. Viel­mehr ist anzu­neh­men, daß die Fra­ge zu Levi­ti­kus 21,10 im Juden­tum erst durch Kai­phas und sei­nen Gestus Bedeu­tung erhielt.

An die­ser Stel­le soll nicht wei­ter auf die Details der jüdi­schen Gepflo­gen­hei­ten im all­ge­mei­nen und jener für den Hohe­prie­ster im beson­de­ren ein­ge­gan­gen wer­den. Auch nicht auf die Klei­der­ord­nung des Hohe­prie­sters, die beson­de­ren Stof­fe, Far­ben und Web­ar­ten sei­ner Gewän­der. Ent­schei­dend ist, daß Kai­phas, spä­te­stens durch die Art wie er sei­ne Gewän­der zer­riß, unbe­ab­sich­tigt selbst das Ende des alten Hohe­prie­ster­tums anzeig­te.

Das Hohe­prie­ster­tum ende­te de fac­to in den Abend­stun­den des Grün­don­ners­ta­ges mit der Zer­rei­ßung der Klei­der durch Kai­phas (zwei Tage vor Pascha), dem Zer­rei­ßen des Tem­pel­vor­han­ges am Kar­frei­tag (einen Tag vor Pascha) und dem Aus­blei­ben der Ver­fär­bung des roten Fadens an Jom Kip­pur im September/Oktober des­sel­ben Jah­res.

For­mal bestand das jüdi­sche Hohe­prie­ster­amt auch nach Jesu Tod und Auf­er­ste­hung wei­ter. Phan­ni­as ben Samu­el beklei­de­te von 66–70 als letz­ter das Amt des Hohe­prie­sters, obwohl er selbst kei­ner prie­ster­li­chen Fami­lie ent­stamm­te. Im Jahr 70 fand er bei der Zer­stö­rung des Jeru­sa­le­mer Tem­pels durch die römi­schen Trup­pen den Tod. Mit ihm ende­te das alte Hohe­prie­ster­amt auch de jure.

Der Verlust der Kapitalgerichtsbarkeit

Zerstörung des Jerusalemer Tempels, Francesco Hayez (1867)
Zer­stö­rung des Jeru­sa­le­mer Tem­pels, Fran­ces­co Hay­ez (1867)

Ein wei­te­rer Aspekt ver­dient in die­sem Zusam­men­hang Erwäh­nung. Mit dem Todes­ur­teil durch den San­he­drin wäre das Schick­sal Jesu besie­gelt gewe­sen. Doch wie bei­de Tal­mud-Über­lie­fe­run­gen, sowohl der Jeru­sa­le­mer als auch der Baby­lo­ni­sche, über­ein­stim­mend berich­ten, wur­de dem San­he­drin 40 Jah­re vor Zer­stö­rung des Tem­pels, also wie­der­um im Jahr 30 nach Chri­stus, von den Römern die Kapi­tal­ge­richts­bar­keit ent­zo­gen (Baby­lo­ni­scher Tal­mud, San­he­drin 41b; Jeru­sa­le­mer Tal­mud, San­he­drin I,1). Auch die Hei­li­ge Schrift berich­tet dies (Joh 18,31).

Mit dem Jahr, in dem Jesus von der jüdi­schen Eli­te der Pro­zeß gemacht wur­de, war es dem San­he­drin nicht mehr mög­lich, Todes­ur­tei­le zu voll­strecken. Um Jesus den­noch hin­rich­ten zu kön­nen, muß­ten Kai­phas und sei­ne sad­du­zäi­sche und pha­ri­säi­sche Gefolg­schaft bei Hero­des Anti­pas und Pon­ti­us Pila­tus vor­spre­chen, obwohl sie den einen ver­ach­te­ten und den ande­ren haß­ten. Hero­des Anti­pas aus der idu­mäi­schen Dyna­stie der Hero­dia­ner, römi­scher Kli­en­tel­kö­ni­ge, war Tetrarch von Gali­läa. Pon­ti­us Pila­tus war von 26–36 mit har­ter Hand römi­scher Prä­fekt von Judäa.

Anstatt zur erhoff­ten Hin­rich­tung kam es jedoch zu einer vier­fa­chen Fest­stel­lung der Schuld­lo­sig­keit Jesu: eine erste Fest­stel­lung der Schuld­lo­sig­keit erfolg­te durch Pila­tus, gefolgt von einer eben­sol­chen Fest­stel­lung durch Hero­des, auf die eine zwei­te und noch eine drit­te Fest­stel­lung der Schuld­lo­sig­keit durch Pila­tus folg­te. Erst als der Prä­fekt die uner­bitt­li­che Ent­schlos­sen­heit der jüdi­schen Füh­rung und der von ihr auf­ge­bo­te­nen Volks­men­ge erkann­te und einen Auf­stand befürch­ten muß­te, gab er nach und ließ das Urteil des San­he­drin voll­strecken (Lk 23,1–24).

Vom Tieropfer zum Kreuzesopfer: Vollendung des Hohepriestertums

Auch die jüdi­sche Über­lie­fe­rung bestä­tigt damit, wenn auch unbe­ab­sich­tigt, den Zusam­men­hang zwi­schen dem Kreu­zes­tod Jesu und dem Ende des alten Hohe­prie­ster­tums, dem Ende des Jeru­sa­le­mer Tem­pels und dem Ende der Tier­op­fer des Alten Bun­des zur Sün­den­ver­ge­bung. Im Jahr 30 ging das Hohe­prie­ster­tum auf Chri­stus über. Er mach­te sich zugleich selbst durch den Tod am Kreuz zum Opfer, um die Sün­den der Men­schen zu süh­nen, und stif­te­te damit einen Neu­en Bund (Hebr 9,11ff). Das Hohe­prie­ster­tum fand in ihm sei­ne Voll­endung als wah­rer und ewi­ger Hohe­prie­ster.

Die Tat­sa­che, daß er dabei vom Hohe­prie­ster des Jeru­sa­le­mer Tem­pels ans Kreuz gebracht wur­de, ist kei­nes­wegs ein Zufall.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Lloyd Wolf/Christus vor Kai­aphas, Duc­cio (um 1300)/Wikicommons/Youtube (Screen­shot)

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78 Kommentare

  1. Die Lei­dens­be­rich­te der Evan­ge­li­sten sind sehr nüch­tern geschrie­ben. Sie pro­to­kol­lie­ren das Gesche­hen eher, als sie den Lei­den­den und die Zei­chen sei­nes Lei­dens beschrei­ben. Sie ent­spre­chen for­mal dem römi­schen Kanz­lei- und Pro­to­koll­stil und doku­men­tie­ren das Gesche­he­ne. Sie über­las­sen aber die Beur­tei­lung dem Leser. Die­ses gilt ins­be­son­de­re für den johann­ei­schen Pro­zess­be­richt. Im Sin­ne die­ses hoch­in­ter­es­san­ten Arti­kels, soll­te der johann­ei­sche Pro­zess­be­richt näher betrach­tet wer­den:

    Dort heißt es in Johan­nes 19,16: die Hohen Prie­ster „rie­fen wir haben kei­nen König als den Kai­ser.“ Die­se Aner­ken­nung des Kai­sers als höch­ste Auto­ri­tät durch die Hohen Prie­ster vor Pila­tus muss unter ver­schie­de­nen Gesichts­punk­ten betrach­tet wer­den:
    1. Der offi­zi­el­le Titel des Kai­sers Tibe­ri­us war „fili­us divi Augu­sti“. Die Aner­ken­nung die­ses Titels war den Juden unmög­lich, da sie dem Gebot Jahwe´s wider­spro­chen hät­te „Du sollst kei­ne Frem­den Göt­ter neben mir haben.“
    2. Dar­aus folgt: Die Hohen Prie­ster erkann­ten mit der Aus­sa­ge in Johan­nes 19, 16 auch die Divi­ni­fi­zie­rung der römi­schen Kai­ser an. Bei die­sen grund­sätz­li­chen Über­le­gun­gen muss zusätz­lich berück­sich­tigt wer­den, dass bereits der Name „Augu­stus“ nicht ein Eigen­nah­me, son­dern ein Ehren­nah­me war und über­setzt der Erha­be­ne oder Anbe­tungs­wür­di­ge bedeutet.(1)
    3. Kon­kret über­gin­gen die Hohen Prie­ster durch die Aner­ken­nung des fili­us divi augu­sti das Gebot Jahwe´s „Du sollst kei­ne Frem­den Göt­ter neben mir haben.“ und kün­dig­ten so den Bund mit Gott auf.
    4. Pila­tus hat­te nie gehofft die­se höch­ste Aner­ken­nung sei­nes Her­ren durch einen Juden zu erhal­ten. Des­we­gen steht auch im johann­ei­schen Text „da gab Pila­tus nach“. Pila­tus sprach nach dem Pro­zess­be­richt kein Urteil, son­dern gab den Befehl zur Kreu­zi­gung. Der Tod Chri­sti war ein Deal des Pila­tus mit den Hohen Prie­stern. Bei­de erreich­ten ihr Ziel, Pila­tus die vol­len Aner­ken­nung des römi­schen Kai­sers als welt­li­che und reli­giö­se Auto­ri­tät, und die Hohen Prie­ster die Ermor­dung Jesu Chri­sti.
    Die Tra­gik besteht dar­in, dass die Hohen Prie­ster der Aner­ken­nung des Soh­nes des toten Got­tes den gaben Vor­zug vor der Aner­ken­nung des Soh­nes des leben­di­gen Got­tes. Die­se anti­the­ti­sche Bezie­hung hier Fili­us Dei und dort Fili­us Divi ist bereits aus der Ant­wort des Petrus in Matth. 16,16 bekannt „Du bist Chri­stus der Sohn des leben­di­gen Got­tes“. Petrus betont eigens „Du bist der Sohn des leben­di­gen Got­tes“, weil oben in unmit­tel­ba­rer Nähe auf dem Berg in Cäsa­räa Phil­ip­pi der Sohn des toten Got­tes ver­ehrt wur­de. Es ist jene Stadt in der Hero­des 20 v. Chr. einen Tem­pel für den divi­ni­fi­cier­ten Augu­stus und die Göt­tin Roma bau­en ließ. Hier wur­de auch dem fili­us divi Augu­sti geopfert.(5)
    Nach die­sen Über­le­gun­gen ende­te der alte Bund Got­tes mit dem israe­li­schen Volk durch die vol­le Aner­ken­nung des römi­schen Kai­sers als fili­us divi Augu­sti. Die Juden kün­dig­ten den Heils­weg des jüdi­schen Vol­kes mit Jah­we ein­sei­tig durch die Hohen Prie­ster auf.

    • Sehr spe­ku­la­tiv — und v.a. wie kann der Hohe­prie­ster „den Heils­weg des jüdi­schen Vol­kes mit Jah­we ein­sei­tig durch den Hohe­prie­ster“ auf­kün­di­gen?

      Kor­rekt wäre es zu sagen: „Der Hohe­prie­ster kün­dig­te … auf“. Er ist aber nicht „das jüdi­sche Volk“. Wis­sen wir, wo die ein­zel­nen Men­schen des jüdi­schen Vol­kes tat­säch­lich stan­den?

      Andern­falls müss­te Sie akzep­tie­ren, dass auch Sie durch Fran­zis­kus‘ Irr­leh­ren ein­sei­tig den Heils­weg der Kir­che mit dem leben­di­gen Gott auf­kün­di­gen.

      • So tra­gisch und zuge­spitzt die Sach­la­ge ist — aber Isra­el hat schon mehr­fach durch Glau­bens­ab­fall „ein­sei­tig“ den Bund „auf­ge­kün­digt“ — man den­ke an die furcht­ba­ren Baals­kul­te in Isra­el.

        Das alles aber war nicht Zei­chen dafür, dass Gott sei­ner­seits sei­nen Bund auf­ge­kün­digt hät­te. Er kann einen Bund nie­mals auf­kün­di­gen, weil ein Bund Got­tes immer ein Bund Got­tes ist. Er ist ja kein Mensch und bin­det sich in Treue an sei­ne Zusa­gen.

        Falls es also wie­der mal drum gehen soll­te zu bewei­sen, dass Gott sei­ner­seits das Volk „ver­sto­ßen hat“, dann: for­get it!

        Jesus hat gesagt, dass selbst die schlimm­ste Läste­rung gegen den Sohn ver­ge­ben wird. Auch wenn die Juden viel­leicht irri­ger­wei­se dach­ten, ihre Begeg­nung mit Jesus sei zu Ende, als ihre Ober­schicht (nicht das gan­ze Volk!) ihn töte­ten — dar­aus folgt nicht, dass Got­tes Geschich­te mit ihnen zu Ende ist.

        War­ten wirs ab.

  2. Die Ange­le­gen­heit mit der Bestä­ti­gung des Neu­en Bun­des durch das Juden­tum ist mir von den Schrif­ten der FSSPX her geläu­fig.

  3. Sehr geehr­ter Herr Nar­di,
    erlau­ben Sie, dass ich Ihnen und dem gan­zen Team von katholisches.info ein gutes, von Gott geseg­ne­tes und hof­fent­lich auch finan­zi­ell aus­ge­gli­che­nes Jahr 2016 wün­sche!
    Bezüg­lich ihres Ati­kels: Wür­den Sie bit­te die Tat­sa­che, dass der Hohe­prie­ster Kai­phas sei­ne Klei­der zer­riss doch noch etwas genau­er aus­füh­ren? Woher wis­sen Sie, dass er sowohl Ober- als auch Unter­ge­wand zer­riss und woher wis­sen Sie, dass er sie von oben nach unten zer­ris­sen hat?
    Im Vor­aus vie­len Dank!

  4. Eben­falls DANKE! Für mich ist „katholisches.info“ die wich­tig­ste Infor­ma­ti­ons­quel­le gewor­den, weit vor „kath.net“, „kathnews.de“ und „summorum pon­ti­fi­cum“ sowie „Ach­se des Guten“, „Jun­ge Frei­heit“ und „Tichys Ein­blick“ im welt­li­chen Bereich.

  5. Das ist ein sehr inter­es­san­ter Arti­kel. Dar­um auch die Ankün­di­gung in der Bibel, dass Gott den Tem­pel der Juden ver­las­sen wer­de, die Stel­le weiß ich lei­der nicht mehr, aber ich habe sie in einem ande­ren Kom­men­tar 2015 zitiert und genau­so gedeu­tet. Wenn dem so ist, dann haben die Juden ja die Mög­lich­keit, durch Ihren Tal­mud die Erkennt­nis zu erhal­ten, dass mit dem Aus­blei­ben des Woll-Wun­ders der alte Bund zur Sün­den­ver­ge­bung unwirk­sam gewor­den sein muss.

  6. Aus Zeit­man­gel bin ich schon län­ger nur­mehr sel­ten auf Ihrer Sei­te. Die­ser hoch­in­ter­es­san­te Arti­kel hat mir indes erneut gezeigt, wie loh­nend es ist, Ihre Sei­te nach Mög­lich­keit wie­der öfter zu besu­chen. Vie­len Dank, Herr Nar­di — und den Neu­jahrs­wün­schen von @Kanadier schlie­ße ich mich ger­ne an!

  7. Es gehört zwar nicht zu die­sem Arti­kel, aber da in älte­ren Arti­keln Kom­men­ta­re deak­ti­viert sind, bleibt mir kei­ne ande­re Mög­lich­keit.
    Die bri­ti­sche Köni­gin Eliza­beth soll in einer Weih­nachts­an­spra­che eben­falls gesagt haben, dass die­ses Weihnachten(2015) das letz­te für vie­le sein wür­de.
    http://n8waechter.info/2015/12/weihnachtsansprache-der-queen-geniessen-sie-ihr-letztes-weihnachten/
    Papst Fran­zis­kus soll ja das Glei­che gesagt haben.

    • @ dhmg: Viel­leicht wäre es bes­ser gewe­sen, Sie hät­ten den Text der Anspra­che der Köni­gin auf der offi­zi­el­len Web­site des Königs­hau­ses nach­ge­le­sen, anstatt irgend­wel­chen Sei­ten im Inter­net zu ver­trau­en:
      http://www.royal.gov.uk/ImagesandBroadcasts/TheQueensChristmasBroadcasts/ChristmasBroadcasts/ChristmasBroadcast2015.aspx

      Kei­ne Rede von „letz­tes Weih­nach­ten für vie­le“, die Köni­gin spricht viel­mehr jene an, die im ver­gan­ge­nen Jahr einen gelieb­ten Men­schen ver­lo­ren haben, da das erste Weih­nachts­fest nach so einem Ereig­nis für die Hin­ter­blie­be­nen oft sehr schwer ist.
      Sie erwähnt die Schrecken des abge­lau­fe­nen Jah­res, zitiert aber als Trost Johan­nes 1,5, daß das Licht in der Fin­ster­nis scheint und die Dun­kel­heit es nicht über­wun­den habe. Klingt nicht nach Welt­un­ter­gang, fin­de ich.

      Tut mir leid, wenn ich da jetzt eine „Ver­schwö­rungs­theo­rie“ kaputt­ge­macht haben soll­te.
      Sicher ist es für „gewöhn­li­che Sterb­li­che“ nicht immer mög­lich, Infor­ma­tio­nen anhand der Pri­mär­quel­le nach­zu­prü­fen. Doch hier ist das Inter­net mal eine gute Sache, um in weni­gen Minu­ten die nöti­gen Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten.

      Ich kann mich immer nur wun­dern, daß Men­schen den eta­blier­ten Medi­en gar nichts mehr glau­ben wol­len, egal, wor­um es geht, zugleich aber völ­lig unkri­tisch jeden Mist für bare Mün­ze neh­men, den irgend­ein Spin­ner oder Fana­ti­ker ins Netz gestellt hat und es dann noch unge­prüft ver­lin­ken.

      • Naja, ich weiß jetzt trotz­dem soviel wie vor­her. Denn in dem Link wird geschrie­ben, dass Queen Eliza­beth in einem ersten Ver­such einer Weih­nachts­an­spra­che Erwähn­tes gesagt haben soll und dann die­se Anspra­che sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen abge­bro­chen wor­den wäre. Pau­scha­li­sie­ren­de Urtei­le brin­gen hier auch kei­ne wirk­li­che Auf­klä­rung.

      • dhmg
        Ihre Infor­ma­tio­nen stam­men wenn ich mich recht ent­sin­ne von Jour­na­li­sten des BBC. Sie wol­len die­se Äuße­run­gen der Köni­gin gehört haben, die aus der Anspra­che ent­fernt oder her­aus­ge­hal­ten wor­den sei­en.

      • @ dhmg
        Ich ver­ste­he Sie jetzt nicht ganz. Selbst in dem von Ihnen ver­link­ten Arti­kel steht doch aus­drück­lich, daß es kei­ne wei­te­re Quel­le gibt, als die Behaup­tun­gen die­ses Blog­gers über den angeb­li­chen Ablauf der Auf­zeich­nung der Anspra­che.
        Es wird also nur ein Gerücht wei­ter­ge­ge­ben, sogar im Kon­junk­tiv geschrie­ben, weil man meint, es pas­se zu ande­ren Welt­un­ter­gangs­sze­na­ri­en. Mir sagt der Name die­ses Blog­gers nichts, aber ich hal­te die Schil­de­rung für unglaub­wür­dig.
        Und selbst wenn die Köni­gin der Mei­nung wäre, es gäbe irgend­wel­che Mäch­te, gegen die sie macht­los sei, so müss­te ihr ihre lan­ge Erfah­rung doch sagen, daß sol­che Aus­sa­gen nie gesen­det wür­den, eben weil die­se „Mäch­te“ das zu ver­hin­dern wüss­ten.
        Auch die angeb­li­che Aus­sa­ge, Prin­zes­sin Dia­na habe liqui­diert wer­den müs­sen, weil sie „zuviel wuß­te“, spricht nicht für die Serio­si­tät die­ser „Quel­le“.

  8. Ich ken­ne zwar den Jeru­sa­le­mer Tal­mud nicht, jedoch den Baby­lo­ni­schen Tal­mud nach Laza­rus Gold­schmidt. Dar­aus eini­ge Stel­len. Die Kreu­zi­gung Jesu wird im Tal­mud nicht erwähnt. Nach der Stei­ni­gung häng­te man ihn nach jüdi­schem Recht. Im Übri­gen wur­de auch Ste­pha­nus von den Juden gestei­nigt, ohne dass die Römer dar­an betei­ligt waren.

    San­he­drin 43ab: Am Vor­abend des Pesah­fe­stes häng­te man Jeschu. Vier­zig Tage zuvor hat­te der Herold aus­ge­ru­fen: Er wird zur Stei­ni­gung hin­aus­ge­führt, weil er Zau­be­rei getrie­ben und Jis­ra­el ver­führt und abtrün­nig gemacht hat; wer etwas zu sei­ner Ver­tei­di­gung zu sagen hat, der kom­me und sage es. Da aber nichts zu sei­ner Ver­tei­di­gung vor­ge­bracht wur­de, so häng­te man ihn am Vor­abend des Pesah­fe­stes. Die Rab­ba­nan lehr­ten: Fünf Jün­ger hat­te Jeschu: Mat­haj, Naqaj, Neçer, Buni und Tho­da.
    Der baby­lo­ni­sche Tal­mud. Hrsg. von Laza­rus Gold­schmidt. Bd. 7. BT Bd. 8, S. 631–32

    Womit nach dem Tal­mud Jesus im Toten­reich bestraft wird zeigt fol­gen­de Stel­le:

    Git­tin 56b: „Onkelos Sohn des Kalo­ni­kos (Kal­li­ni­kos), ein Schwe­ster­sohn des Titus, woll­te sich zum Juden­tum bekeh­ren. Da ließ er durch Nekro­man­tie (Toten- Gei­ster­be­schwö­rung) Titus erschei­nen und sprach zu ihm: Wer in jener Welt am geach­tet­sten sei? Die­ser erwi­der­te: Jis­ra­el. Soll man sich ihnen anschlie­ßen? Er sag­te: Ihre reli­giö­sen Vor­schrif­ten sind zahl­reich, du wirst sie nicht hal­ten kön­nen; & lie­ber gehe und bedrän­ge sie, so wirst du Ober­haupt wer­den so heißt es: ihre Bedrän­ger sind zum Haup­te gewor­den und wer Jis­ra­el bedrängt, wird Ober­haupt. Dann frag­te er ihn: Womit bist du gerich­tet? Die­ser erwi­der­te: Was ich selbst über mich ver­fügt habe: jeden Tag wird mei­ne Asche gesam­melt und nach­dem ich abge­ur­teilt wer­de, wie­der ver­brannt und auf sie­ben Mee­re gestreut. Hier­auf ließ er Bileam durch Nekro­man­tie erschei­nen und frag­te ihn: Wer ist in jener Welt am geach­tet­sten sei? Die­ser erwi­der­te: Jis­ra­el. Soll man sich ihnen anschlie­ßen? Er erwi­der­te: ‚Nicht suche ihren Frie­den und ihr Bestes alle dei­ne Tage.‘ (5. Mos. 23, 6) Dann frag­te er ihn: Womit bist du gerich­tet? Mit sie­den­dem Sper­ma.
    Hier­auf ließ Onkelos Jesus (Jeschu) durch Nekro­man­tie erschei­nen und frag­te ihn: Wer in jener Welt am geach­tet­sten sei? Die­ser erwi­der­te: Jis­ra­el. Soll man sich ihnen anschlie­ßen? Die­ser erwi­der­te: Suche ihr Bestes und suche nicht ihr Böses; wer an ihnen rührt, das gilt so, rührt an sei­nen Aug­ap­fel. Sodann frag­te er ihn: Womit wirst du gerich­tet? Er sag­te: Mit sie­den­dem Kote, der Mei­ster sag­te näm­lich: Wer über die Wor­te der Wei­sen spot­tet, wird mit sie­den­den Kote gerich­tet. Komm und sieh den Unter­schied zwi­schen den Abtrün­ni­gen Jis­ra­els und der Pro­phe­ten der welt­li­chen.“ Git­tin 56b: BT Bd.6, S.368

    Eru­bin 21b: „… Rab­bi Papa bar Acha bar Ada hat gesagt: Jeder, der die Wor­te des Wei­sen aus­spot­tet, wird durch sie­den­den Kot gerich­tet.“ Eru­bin 21b, BT Bd. 2, S. 67

    • @Baldur
      Ich bin heu­te Abend und am Anfang des neu­en Tages nicht gut drauf. Sie haben viel geschrie­ben was ich erst sor­tie­ren muß wenn es mir wie­der bes­ser geht. Was sagt denn ihr baby­lo­ni­scher Tal­mud zur Mut­ter Got­tes wenn er schon die Kreu­zi­gung ihres Soh­nes nicht mit­ge­kriegt hat. Das wür­de mich so ganz neben­bei mal inter­es­sie­ren. Ja ich möch­te den Sohn Got­tes ver­tei­di­gen wo immer mir es auch mög­lich ist. Ich fin­de es außer­or­dent­lich ver­nünf­tig das Jesus Chri­stus von den Toten auf­er­stan­den ist und damit die Stra­fe des Toten­rei­ches recht­zei­tig aus dem Weg gegan­gen ist. Ja es gibt kei­ne Zwei­fel er ist der Sohn Got­tes.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • @shuka: Also erstens: Es ist nicht „mein Tal­mus“ aus dem ich zitiert habe. Das ist die wich­tig­ste Schrift im Juden­tum. Der Tal­mud ran­giert vor der Tora! Ein Buch vol­ler Unge­reimt­hei­ten, Magie und Aber­glau­be. Dazu die Lügen über Jesus, Maria und alle Chri­sten und die zahl­rei­chen Ver­dam­mun­gen die dort ent­hal­ten sind. Wie im Tal­mud Maria dar­ge­stellt wird:

        Die baby­lo­ni­schen Quel­len neh­men christ­li­che Moti­ve auf und ver­keh­ren sie in ihr Gegen­teil. Maria hat­te sich auf einen römi­schen Sol­da­ten mit dem von par­the­nos (gr. Jung­frau) abzu­lei­ten­den Panthera/Pandera ein­ge­las­sen. Jesus hat einen sexu­ell zwei­fel­haf­ten Lebens­wan­del, treibt Magie und ver­führt Men­schen zum Göt­zen­dienst, stirbt zu Recht ( gestei­nigt und anschlie­ßend gehängt ) und schmort in der Höl­le. Sei­ne Schü­ler leh­ren in sei­nem Namen und haben – hier bestä­tigt sich die leben­di­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Chri­sten­tum auch in rab­bi­ni­schen Krei­sen. –  Die palä­sti­ni­schen Quel­len kon­zen­trie­ren sich hin­ge­gen auf die Schü­ler Jesu, auf deren sek­tie­re­ri­sches Auf­tre­ten, ihren Hang zur Magie.
        (http://hbjk.sbg.ac.at/kapitel/jesus-aus-juedischer-sicht/)Fol. 104b:

        „Es wird gelehrt: R. Elie­zer sprach zu den Wei­sen:
        Trak­tat Schab­bath 104b: Baby­lo­ni­scher Tal­mud Band I, S. 749
        Sohn Sate­das (gemeint ist JESUS, ali­as Sata­da, Sta­da, Seta­da) brach­te Zau­ber­kün­ste aus Ägyp­ten durch Rit­zun­gen auf sei­nem Lei­be mit. Sie erwi­der­ten: Die­ser war ein Narr und vom Nar­ren ist kein Beweis zu erbrin­gen. ‚Sohn Sate­das‘? er war der Sohn Pan­de­ras. — R. Chis­da erwi­der­te. Der Ehe­mann (sei­ner Mut­ter hieß) Sate­da, ihr Buh­le hieß Pan­de­ra. Ihr Ehe­mann war ja Papos ben Jehu­da? Sei­ne Mut­ter hieß Sate­da. Sei­ne Mut­ter war ja MIRJAM (Maria) die Frau­en­haar­flech­te­rin. Dar­um hieß sie Sate­da, weil, wie sie es in der Stadt Pum­bei­tha erklär­ten: die­se war ihrem Man­ne untreu.“ (San­he­drin 67a, BT Band8, S. 730)

        Hier wird die Her­kunft Jesu bespro­chen. Im May­er­schen Tal­mud steht S. 202 in der Fuß­no­te 576: „Pan­de­ras Sohn ist eine pole­mi­sche Ver­dre­hung von Jung­frau­en-
        Sohn (grie­chisch: Par­the­nos), wie sie sich auch bei heid­ni­schen Chri­sten­geg­nern fand. Nach Orige­nes (Kir­chen­va­ter), „Acht Bücher gegen Cel­sus“, hat die­ser jeden­falls behaup­tet, Jesus sei von einem römi­schen Sol­da­ten Pan­the­ra gezeugt, sei­ne Mut­ter dann wegen Ehe­bruchs ver­sto­ßen wor­den; er habe in Ägyp­ten Zau­be­rei ken­nen­ge­lernt und, zurück­ge­kehrt, sich in Isra­el für Gott erklärt. “

    • In den Tal­mud ist alles hin­ein­ge­packt — höch­ste Weis­heit neben größ­tem Unsinn. Was für eine Ver­ir­rung, ein sol­ches Sam­mel­su­ri­um der Hei­li­gen Schrift gleich zu ach­ten. Da wird also die Aus­beu­te einer spi­ri­ti­sti­schen Toten­be­fra­gung, vor­ge­nom­men von einem römi­schen Goy, berich­tet. Nekro­man­tie ist von Gott im Gesetz Mosis streng ver­bo­ten. Kein Jude mit Ver­stand im Kopf kann die­se Aus­sa­ge als in irgend­ei­ner Wei­se als ver­bind­lich für sei­nen Glau­ben anse­hen. Der Bericht ist Klatsch ohne jeden geist­li­chen Sinn. Und ein Christ erkennt sofort den fre­chen dämo­ni­schen Trug dahin­ter. Wo der Herr Jesus Chri­stus ist, erfah­ren wir aus dem gott­in­spi­rier­ten Zeug­nis der Evan­ge­li­sten und Apo­stel. Als Ste­pha­nus, der erste christ­li­che Blut­zeu­ge, von den Juden gestei­nigt wur­de, sah er mit sei­nem gei­sti­gen Auge, wo Jesus ist: erhöht zur Rech­ten Got­tes des Vaters!

      • Ganz genau: ein Sam­mel­su­ri­um spi­ri­ti­sti­scher ‚Offen­ba­run­gen‘, in die sich ein­fach alles hin­ein­mischt, was dem Herrn ein Greu­el ist.
        Dem Teu­fel kommt es nur dar­auf an, mit­hil­fe sei­ner Gefolg­schaft, den Dämo­nen, die Gott­heit Chri­sti zu leug­nen.
        Der Arti­kel Herrn Nar­dis ist vor­züg­lich…

      • @Leo Laemm­lein — Ich habe im Unter­richt, bei einem jüdi­schen Leh­rer über die Tra­di­ti­on und Geschich­te des Juden­tums, eini­ge Stel­len aus dem Tal­mud zum Lesen bekom­men, die er uns aus­führ­lich erklärt hat. In die­sen wur­den bestimm­te Fei­er­ta­ge wie Rosch Hosch­a­na oder Purim rab­bi­nisch erklärt und ver­tieft, oder auch Stel­len aus den Büchern Mose erläu­tert. Dar­in war nichts okkul­tes, aber­gläu­bi­sches oder eso­te­ri­sches. Das fand ich sehr erhel­lend und ver­tie­fend zum Ver­ständ­nis der jüdi­schen Tra­di­ti­on. Die wider­sprüch­li­chen und deli­ka­ten Text­tei­le haben wir weg gelas­sen und der Tal­mud besteht aus 12 Bän­den mit jeweils cir­ca 800 Sei­ten, also ins­ge­samt 9600 Sei­ten. Selbst gläu­bi­ge Juden lesen und rezi­tie­ren nicht andau­ernd alles davon. Sie lesen auch aus der Misch­na, der Barai­ta oder der Misch­ne Tora des Mai­mo­n­i­des u.v.m. Die jüdi­sche Tra­di­ti­on und das ortho­do­xe Juden­tum sind in sich sehr kom­plex und wenn man mit die­sen in direk­tem Kon­takt ist, dann wird einem vie­les kla­rer. Ich mer­ke immer wie­der, dass vie­le hier im Forum kei­ner­lei leben­di­gen Kon­takt zu gläu­bi­gen jüdi­schen Mit­bür­gern haben. Das ist scha­de.

  9. @Baldur
    Eru­bin 21b: „… Rab­bi Papa bar Acha bar Ada hat gesagt: Jeder, der die Wor­te des Wei­sen aus­spot­tet, wird durch sie­den­den Kot gerich­tet.“ Eru­bin 21b, BT Bd. 2, S. 67
    Ich fürch­te weder Tod noch Teu­fel und sie­de­ner Kot ist das letz­te was mich erschrecken kann.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Wer an den Jesus Chri­stus glaubt, dass er der Sohn Got­tes ist und für unse­re Sün­den durch sein Lei­den und Ster­ben am Kreuz gesühnt hat und am drit­ten Tag von den Toten auf­er­stan­den ist; wer ihn als den Herrn sei­nes Glau­bens ange­nom­men hat — was Gna­de ist und bedeu­tet, dass er von Jesus gefun­den wur­de — und Ihn vor den Men­schen bekennt; wer Buße tut und von Jesus Ver­ge­bung der Sün­den emp­fan­gen hat, wer die Sün­de flieht und nach Hei­lig­keit trach­tet: der ist geret­tet und braucht weder Tal­mud noch Koran noch sonst irgend­et­was oder irgend­je­mand unter der Son­ne zu fürch­ten.

      • Ach, oben im Text sind stö­ren­de Feh­ler, des­halb noch ein­mal:

        Wer an Jesus Chri­stus glaubt, dass Er der Sohn Got­tes ist und für unse­re Sün­den durch sein Lei­den und Ster­ben am Kreuz gesühnt hat und dass Er am drit­ten Tag von den Toten auf­er­stan­den ist; wer ihn als den Herrn sei­nes Lebens ange­nom­men hat – was Gna­de ist und bedeu­tet, dass er von Jesus gefun­den wur­de – Ihm gehorcht, und Ihn vor den Men­schen bekennt; wer Buße tut und von Jesus Ver­ge­bung der Sün­den emp­fan­gen hat, wer die Sün­de flieht und nach Hei­lig­keit trach­tet: der ist geret­tet und braucht weder Tal­mud noch Koran noch sonst irgend­et­was oder irgend­je­mand unter der Son­ne zu fürch­ten.

  10. Wer­ter @ Bal­dur
    Um den histo­ri­schen Kon­text her­zu­stel­len:
    Der Baby­lo­ni­sche Tal­mud ent­stand in Per­si­en im 3./4. Jahr­hun­dert und dien­te im oben zitier­ten Teil der inner­jü­di­schen Abwehr des Skan­dals, die Juden hät­ten ihren so lan­ge ersehn­ten Mes­si­as gekreu­zigt.
    Die Kreu­zi­gung war die gefürch­tet­ste, grau­sam­ste und schänd­lich­ste aller Todes­ar­ten, die die Römer kann­ten. Kreu­zi­gun­gen waren bei den Römern die übli­che Stra­fe bei Auf­wieg­lern, Volks­ver­het­zern, Auf­stands­an­stif­tern, etc. Cice­ro (106 v. Chr.- 43 v. Chr.) schrieb über sie: „…die blo­ße Bezeich­nung sei nicht nur von Leib und Leben der römi­schen Bür­ger ver­bannt, son­dern auch von ihren Gedan­ken, Augen und Ohren. Denn alle die­se Din­ge sind eines römi­schen Bür­gers und frei­en Man­nes unwür­dig.“ (Mar­cus Tul­li­us Cice­ro, Pro Rab­i­rio, 5.16)

    Nach der Zer­stö­rung des Tem­pels (70) und der Zer­streu­ung des Vol­kes Isra­el im gan­zen Römer- und Per­ser­reich erfor­der­te der vom San­he­drin ein­ge­for­der­te Kreu­zes­tod Jesu durch Pila­tus eine Ant­wort auf die Fra­ge, ob die­ser Jesus von Naza­reth nicht doch ihr erwar­te­ter Mes­si­as gewe­sen sein könn­te, wie die Chri­sten seit über 250 Jah­ren im gan­zen Römer­reich unter Todes­ge­fahr ver­brei­te­ten, und sich freu­dig ihren Mar­ty­ri­en stell­ten, wie es von Hl. Igna­ti­us über­lie­fert ist und der unter ande­ren mit sei­nen Brie­fen aus zeit­li­cher Nähe zu Jesus Zwei­feln­den Eini­ges zu den­ken gege­ben hat.
    Igna­ti­us, Bischof von Antio­chia (um 35-ca.117 n. Chr. gehör­te der Fol­ge­ge­nera­ti­on Jesu (8/7–30) an und hat­te wahr­schein­lich noch Kon­takt zu Augen­zeu­gen der Kreu­zi­gung Jesu. Er bezeugt, dass Jesus unter Pon­ti­us Pila­tus gekreu­zigt wur­de:
    „Jesus Chri­stus, der aus dem Geschlecht Davids stammt, der Sohn der Maria war, der wirk­lich Mensch wur­de, der aß und trank, wirk­lich ver­folgt wur­de, unter Pon­ti­us Pila­tus wirk­lich gekreu­zigt wur­de und ange­sichts aller starb … der auch wirk­lich von den Toten erweckt wur­de, da sein Vater ihn auf­er­ste­hen ließ.“ (Igna­ti­us, Tral­lia­ner­brief 9.1–2)
    Und wei­ter:
    „Erkann­te ich euch doch als … rest­los über­zeugt von unse­rem Herrn, der dem Fleisch nach wirk­lich aus Davids Geschlecht stammt, nach Got­tes Wil­len und Macht der Sohn Got­tes ist, wirk­lich gebo­ren von der Jung­frau, getauft durch Johan­nes, auf dass jeg­li­che Gerech­tig­keit an ihm erfüllt wer­de, wirk­lich unter Pon­ti­us Pila­tus und dem Vier­für­sten [Tetrarch] Hero­des [Anti­pas] um unse­ret­wil­len ange­na­gelt im Fleisch.“ (Smyr­nä­er­brief 1.1–2)
    An der Tat­sa­che von Jesu Kreu­zes­tod selbst konn­te es kei­nen Zwei­fel geben.Verschiedene Ver­wei­se auf die Kreu­zi­gung Jesu, die neu­te­sta­ment­lich sicher belegt ist, las­sen sich auch bei außer­bi­bli­schen Autoren fin­den:
    Fla­vi­us Jose­phus, (37/38 — ca. 100), jüdi­scher Histo­ri­ker und Poli­ti­ker berich­tet in sei­nem Werk „Jüdi­sche Alter­tü­mer, XVIII.3.3: „Und obgleich ihn [Jesus] Pila­tus auf Betrei­ben der Vor­nehm­sten unse­res Vol­kes zum Kreu­zes­tod ver­ur­teil­te, wur­den doch sei­ne frü­he­ren Anhän­ger ihm nicht untreu.“

    • Fort­set­zung
      Taci­tus, römi­scher Histo­ri­ker, Sena­tor, Pro­kon­sul und Statt­hal­ter über Asi­en schrieb vor 100 in sei­nen Anna­len: „Es waren jene Leu­te, die das Volk wegen ihrer (angeb­li­chen?) Schand­ta­ten haß­te und mit dem Namen >Chri­sten< beleg­te. Die­ser Name stammt von Chri­stus, der unter Tibe­ri­us vom Pro­cu­ra­tor Pon­ti­us Pila­tus hin­ge­rich­tet wor­den war.“
      (Taci­tus, Anna­len, XV.44)
      Luki­an von Samo­sa­ta, ein grie­chisch­spra­chi­ger Sati­ri­ker aus Syri­en, über­lie­fer­te: „Übri­gens ver­ehr­ten die­se Leu­te den bekann­ten Magus, der in Palä­sti­na des­we­gen gekreu­zigt wur­de, weil er die­se neu­en Myste­ri­en in die Welt ein­ge­führt hatte.“(Lukian, De mor­te Pere­gri­ni, 11)
      Für die jüdi­schen Gelehr­ten, die das Juden­tum in sei­ner Exi­stenz bedroht sehen muss­ten, gab es nur zwei Mög­lich­kei­ten: Zum Chri­sten­tum zu kon­ver­tie­ren oder Kreu­zes­tod und Auf­er­ste­hung Jesu zu leug­nen, Jesus zum Auf­rüh­rer zu stem­peln, ihn post­hum ins Toten­reich zu ver­ban­nen und mit „sie­den­dem Kot“ zu bedecken, wie es der Baby­lo­ni­sche Tal­mud ver­sucht hat — aus jüdi­scher Sicht ver­ständ­lich, nicht aber aus christ­li­cher!

      • Sophus
        Darf ich Sie auf mei­nen Kom­men­tar oben ver­wei­sen?
        Was ein heid­ni­scher Nekro­mant aus der Jen­seits­welt berich­tet, wird m.E. kein Jude mit kla­rem Ver­stand als eine jüdi­sche Glau­bens­aus­sa­ge anneh­men. Es ist wie eine List: Wer dumm ist, nimmt den Inhalt des Berichts für bare Mün­ze. Wer klug ist, erkennt den Text als das, was er ist.
        Wenn ich mich recht erin­ne­re, geht die Jüdi­sche Enzy­klo­pä­die in ihrem Arti­kel über Jesus davon aus, dass er gekreu­zigt wur­de.

  11. Das “ Licht “ kam in die Welt, doch sein Volk die Juden, nah­men ihn nicht auf, da sie
    ihn nicht erkann­ten. Der erste Bund Got­tes, ging mit Jesu Tod und Auf­er­ste­hung zu Ende.
    Da die ortho­do­xen Juden bis heu­te, Jesus nicht als Ret­ter und Mes­si­as aner­ken­nen, so
    kön­nen sie auch nicht unse­re “ älte­ren Brü­der im Glau­ben ( nach Johan­nes Paul II. )
    sein. Der “ Rote Faden “ erzählt Bän­de, nicht zum Vor­teil der Juden.

    • Wer­ter @ fre­di­us
      Sie sagen so ein­fach: „Der erste Bund Got­tes ging mit Jesu Tod und Auf­er­ste­hung zu Ende“.
      Das hat der jüdi­sche Reli­gi­ons­phi­lo­soph Mar­tin Buber nicht so gese­hen. Als er in der Nach­kriegs­zeit ein­mal in Mainz auf dem in einem ärm­li­chen Zustand befind­li­chen jüdi­schen Fried­hof stand und den Kon­trast zum hoch­auf­ra­gen­den Dom gewahr wur­de, soll er gesagt haben: Aber Er hat uns den Bund nicht auf­ge­kün­digt!“ Buber wuss­te, dass nur Gott, der den Alten Bund mit Isra­el geschlos­sen hat­te, die­sen hät­te auf­kün­di­gen kön­nen. Dage­gen stand aber Sei­ne gött­li­che Bun­destreue. Auch Jesus hat im Rah­men des Letz­ten Abend­mahls bei der Ein­set­zung des Neu­en Bun­des den Alten Bund nicht auf­ge­löst und die­sen vor­her auch nie nicht in Zwei­fel gezo­gen. Man den­ke an sein Jota-Wort. Wenn Pau­lus daher von einem neu­en Bund spricht, meint er damit nach Gal 4,42 und Eph 2,12 einen zwei­ten Bund. Damit besteht der Alte Bund wei­ter, denn die Juden konn­ten und kön­nen die­sem Bund nur untreu wer­den, aber ihn nicht auf­kün­di­gen. Inso­fern kön­nen die Juden nach wie vor mit Papst Johan­nes Paul II. als unse­re „älte­ren Brü­der im Glau­ben“ bezeich­net wer­den.

      • @Sophus — Das sehe ich auch so. Jesus Chri­stus hat in den Evan­ge­li­en nir­gends etwas davon gesagt, dass der ‚Alte Bund‘ auf­ge­kün­digt sei. Er sagt, dass ER den Neu­en gege­ben hat, aber nicht, dass der Alte aus­ge­löscht sei. Nur Pau­lus äußert sich in die­se Rich­tung. Jedoch ist Pau­lus nicht Jesus Chri­stus, und auch nicht Gott Vater.

      • Sophus
        Die Fra­ge des Alten Bun­des ist nicht ein­fach. Es fin­den sich hier­über im Neu­en Testa­ment gegen­läu­fi­ge Aus­sa­gen, die man mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren und rich­tig ver­ste­hen muss.
        Den mei­sten Katho­li­ken ist wohl nicht klar, dass der Neue Bund gemäß der Schrift mit Isra­el geschlos­sen wird. Hier­über z.B. hier:
        http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=qa&answer_id=664
        Über die Kir­che aus den Hei­den hat der Herr Jesus Chri­stus fast über­haupt nicht gespro­chen, weil er zu den ver­lo­re­nen Scha­fen Isra­els gesandt war. Sie war ein Geheim­nis, seit Ewig­keit in Gott ver­bor­gen, im Alten Testa­ment nur ange­deu­tet, das dem Apo­stel Pau­lus geof­fen­bart und von ihm ver­kün­det wur­de. Die Kir­che (Gemein­de, Ver­samm­lung) ist ein gna­den­haf­ter Ein­schub in die Geschich­te Isra­els — die Kir­che aus den Hei­den sind die wil­den Zwei­ge, die auf den edlen Ölbaum auf­ge­propft wur­den. Pau­lus spricht davon, dass auch die aus­ge­ris­se­nen Zwei­ge — das ungläu­bi­ge Isra­el — wie­der in den Baum ein­ge­setzt wer­den, wenn es zum Glau­ben an sei­nen Mes­si­as gekom­men ist. Dazu muss ein ungläu­bi­ges Isra­el aber 2000 Jah­re lang wei­ter­exi­stiert haben. Das hat die Kir­che die läng­ste Zeit ver­kannt. Die­ses ver­streu­te Isra­el wird in der End­zeit wie­der gesam­melt, wovon wir seit einem Jahr­hun­dert, beson­ders aber seit der Staats­grün­dung Isra­els den Anfang sehen. Voll­endet wird die Samm­lung am Ende der Drang­sal Jakobs, sie­he Mat­thä­us 24,31.

      • @Jeanne dArc

        Aus dem NT geht her­vor, daß Jesus Chri­stus den Alten Bund voll­endet hat. Das bedeu­tet nicht, es gäbe heu­te Alten und Neu­en Bund neben­ein­an­der. Jesus Chri­stus hat gesagt, der Glau­be an die Aller­hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit sei not­wen­dig, um das Heil über­haupt erlan­gen zu kön­nen. Wären die Juden von der heils­not­wen­di­gen Aner­ken­nung des Mes­si­as aus­ge­nom­men, so fän­de sich ein Hin­weis in die­se Rich­tung im NT.

        An der gött­li­chen Inspi­ra­ti­on bei Pau­lus von Tar­sus zu zwei­feln, ist ein ganz schlech­ter Ansatz. Dies impli­ziert näm­lich, sei­ne in der Hei­li­gen Schrift fest­ge­hal­te­nen Wor­te könn­ten Irr­leh­ren sein. Die­sen Gedan­ken fort­ge­führt müß­te das hei­ßen, die Kir­che hät­te Irr­leh­ren als Teil der Hei­li­gen Schrift kano­ni­siert. Daher kann ich nur abra­ten, sol­che Ansich­ten in christ­li­chen Krei­sen zu äußern.

      • @Chlodwig — Ich aner­ken­ne Pau­lus als gött­li­chen Leh­rer und Prie­ster, der von Jesus Chri­stus ermäch­tigt wur­de, was aber nicht heißt, dass er in VEREINZELTEN Details irdisch-mensch­li­che Mei­nun­gen hat­te, die auf­grund sei­ner dama­li­gen Erfah­rungs­si­tua­ti­on ent­stan­den. Sei­ne Äuße­rung in Hebr 8, 13 sehe ich in die­ser Rich­tung: „…Indem er von einem neu­en Bund spricht, hat er den ersten für ver­al­tet erklärt. Was aber ver­al­tet und über­lebt ist, das ist dem Unter­gang nahe“. Das hat Jesus Chri­stus so nie gesagt. Noch heu­te gibt es Suk­kot, das Laub­hüt­ten­fest, noch heu­te gibt es Jom Kip­pur, noch heu­te gibt es Cha­nuk­ka und Rosch Hasch­a­na, und noch heu­te gibt es das Purim­fest, trotz 1600 Jah­re Dia­spo­ra der jüdi­schen Gemein­den. Das gibt zu den­ken.

      • Ergän­zung: Jesus Chri­stus sag­te dar­über: „Wahr­lich ich sage euch: Ihr wer­det mit den Städ­ten Isra­els nicht zu Ende kom­men, bis des Men­schen Sohn kommt.“ (Mt 10, 23) ER ist es, der sich ihnen direkt und unmit­tel­bar offen­ba­ren und zu erken­nen geben wird, so wie es der Pro­phet Sach­ar­ja sagt: „Und sie wer­den auf den blicken, den sie durch­bohrt haben. Sie wer­den um ihn kla­gen, wie man um den ein­zi­gen Sohn klagt; sie wer­den bit­ter um ihn wei­nen, wie man um den Erst­ge­bo­re­nen weint. (Sach 12, 10). In Kapi­tel 10, 6–10 beschreibt der Pro­phet Sacha­ri­ja die Rück­füh­rung der Juden aus der Dia­spo­ra. Die­se Pro­phe­tie hat sich bereits erfüllt, wie man auch in der Grün­dung des Staa­tes Isra­el 1948 sehen kann.

      • Nur hat auch der hei­li­ge Pau­lus nie­mals gesagt, der Alte Bund sei von Got­tes Sei­te her auf­ge­kün­digt.

        Am besten trifft hier @ Leo Lämm­lein den neu­te­sta­ment­li­chen Sach­ver­halt.

        Die Juden sind „zurück­ge­stellt“, mit einer „Decke“ ver­se­hen“, aber sie sind und blei­ben Got­tes erste Lie­be. Um der Hei­den wil­len, der „wil­den Zwei­ge“, die ein­ge­pfropft wer­den sol­len, sind sie ver­blen­det wor­den. Am Ende aber holt sie Gott zurück an sein Herz.

        Jeder Hei­den­christ, der nicht unter Schmer­zen emp­fin­det, dass der Preis für sei­ne Bekeh­rung — nach Pau­lus — die vor­läu­fi­ge Blind­heit der Juden ist, soll­te sich klar machen, was ihm Pau­lus im Römer­brief sagt: Du Hei­de erhe­be dich nicht! Du bist schnel­ler wie­der aus­ge­bro­chen aus dem edlen Stamm als du gucken kannst!

        Eben­so wie man immer wie­der stau­nend sagen muss: „Die Kir­che hat nur durch Got­tes Gna­de aus­ge­hal­ten“ — so wider­lich wie ein gro­ßer Teil ihrer Expo­nen­ten doch war und ist — eben­so muss man staun­den sagen: Kein ande­res zer­streu­tes Volk hät­te so lan­ge über­le­ben kön­nen wie die Juden. Und nun haben sie sich sogar — wie vor­aus­ge­sagt in der Schrift — wie­der gesam­melt in dem Land, das Gott ihnen zuge­sagt hat.

        Das ist alle sein Geheim­nis und sehr span­nend, aber kein Grund zu heid­ni­scher Über­heb­lich­keit gegen die Juden, wovon auch die­ser extrem dümm­li­che Tal­mu­dab­schnitt zeugt. Kein halb­wegs tief­sin­ni­ger Jude beschäf­tigt sich mit sol­chem Mist!

        Und noch was: das höch­ste Buch ist nicht der Tal­mud, son­dern die Tho­ra und die Pro­phe­ten und die Schrift­wer­ke — auch heu­te.

        Ist mir immer wie­der ein Rät­sel, wie Chri­sten einen sol­chen anders­lau­ten­den Unsinn ver­brei­ten kön­nen.

      • @Zeitschnur — Ich stim­me Ihnen zu, dan­ke Frau Zeit­schnur ! Das was Gott der Herr mit dem jüdi­schen Volk vor­hat und wie ER sie durch die Zei­ten beglei­tet, davor kön­nen wir Chri­sten nur mit Stau­nen und wah­rer Anteil­nah­me ste­hen. Es steht uns nicht zu zu urtei­len. Ich sag­te oben in einem posting, dass es sehr scha­de ist, dass vie­le hier im Forum kei­nen leben­di­gen Kon­takt zu den jüdi­schen Mit­bür­gern und zu gläu­bi­gen Juden haben. Die jüdi­sche Tra­di­ti­on ist über­aus kom­plex und viel­fäl­tig. Ich habe nie erlebt, dass pole­misch gehetzt wur­de. Im Gegen­teil, ich wur­de immer mit Respekt behan­delt. ‚So wie man in den Wald hin­ein schreit, schallt es zurück‘. Mein Ein­druck war der, dass wie Sie sagen häupt­säch­lich aus der Tora und den Pro­phe­ten gele­sen und rezi­tiert wird. Vor allem in Hin­sicht auf den sehr kom­pli­zier­ten und man­nig­fal­ti­gen Fest­ka­len­der.
        Beim Pro­phe­ten Sacha­ri­ja wird ein­deu­tig gesagt, dass Gott der Herr an ihnen han­delt und sie zuerst nach Isra­el aus der Dia­spo­ra zurück holt und im wei­te­ren Ver­lauf wird ER sich ihnen direkt zu erken­nen geben. Unse­re Auf­ga­be ist vor allem die Näch­sten­lie­be vor­zu­le­ben und ein wirk­li­ches Ver­ständ­nis für die jüdi­schen Mit­bür­ger zu ent­wickeln.

  12. Mein Dank gilt allen Kom­men­ta­to­ren auf die­ser Sei­te. Ihre Bele­sen­heit, ihr Wis­sen, ihre nüch­ter­ne Argu­men­ta­ti­on und ihr Wil­le Wis­sen­schaft und Wahr­heit zu die­nen, schät­ze ich außer­or­dent­lich. Neben­bei erhellt sich der Arti­kel für mich dadurch unge­mein. Für mich sind die Kom­men­ta­re wert­vol­le Vor­le­sun­gen.
    Mein Dank gilt auch der Redak­ti­on, weil sie immer wie­der etwas aus­ge­fal­le­ne The­men berück­sich­tigt. Es wäre ein Jam­mer, wenn katholisches.info ein­ge­stellt wür­de.

  13. Als katho­li­scher Laie habe ich vor eini­gen Jah­ren — also unter Papst Bene­dikt XVI. — dem Vati­kan die Anre­gung unter­brei­tet, eine israe­li­tisch-unier­te Kir­che ins Leben zu rufen. Dem Gedan­ken des mes­sia­ni­schen Juden­tums begeg­ne ich mit gro­ßer Sym­pa­thie, sit­zen die­se Men­schen doch zwi­schen allen Stüh­len.

    • @HELL Sepp — Ich war in Isra­el eini­gen Grup­pen von mes­sia­ni­schen Juden begeg­net. Mein Ein­druck ist, dass sie mit Katho­li­ken nicht viel zu tun haben wol­len. Jeden­falls jene, denen ich begeg­net war. Sie waren pro­te­stan­tisch-frei­kirch­lich beein­flusst und lehn­ten sowohl den Pri­mat Petri als auch die Mut­ter­got­tes strikt ab.

    • HELL Sepp
      Eine sol­che Gemein­schaft katho­li­scher Juden bzw. jüdi­scher Katho­li­ken exi­stiert schon. Sie erhielt unter Papst Johan­nes Paul II. offi­zi­ell den apo­sto­li­schen Segen.
      Hier ist sie:
      http://www.hebrewcatholic.net/
      Es dürf­te eine klei­ne Grup­pe sein. Zahl­rei­cher, von grö­ße­rer Aus­strah­lung und von wach­sen­dem Ein­fluss sind die von Jean­ne d’Arc erwähn­ten mes­sia­ni­schen Juden. Ich selbst ken­ne wel­che, wenn­gleich nur vir­tu­ell.
      Sie sind unter­ein­an­der recht unein­heit­lich. Die gan­zen Fra­gen, die in der Urkir­che auf­ka­men, wer­den wie­der neu aus­ge­foch­ten. Beson­ders natür­lich die Fra­ge nach der Rele­vanz des Geset­zes. Aber auch die früh­christ­li­chen dog­ma­ti­schen Streit­fra­gen, beson­ders die Gott­heit Jesu Chri­sti und die Tri­ni­tät. Der dog­ma­ti­sche Streit wird oft­mals grob und stur, von eini­gen aber auf hohem theo­lo­gi­schem Niveau geführt. Ein Teil von ihnen sind Tri­ni­ta­ri­er, ein ande­rer Teil sind Uni­ta­ri­er.
      Mit kirch­li­chen Tra­di­tio­nen braucht man den mei­sten mes­sia­ni­schen (= christ­li­chen, jesus­gläu­bi­gen) Juden nicht zu kom­men, und das wird nach mei­ner Pro­gno­se auch in Zukunft so blei­ben. Juden ori­en­tie­ren sich an der Schrift. Juden sind nicht gegen Maria die Mut­ter Jesu. Sie sind gegen Mari­en­dog­men und dage­gen, dass sie an die Stel­le Jesu gerückt wird. Nun, das Ver­mächt­nis der neu­te­sta­ment­lich bezeug­ten Maria liegt in ihren Wor­ten: „Was E R sagt, das tut.“ Dar­an ver­su­chen mes­sia­ni­sche Juden („jehu­dim meschi­chim“) sich zu hal­ten.

    • @HELL Sepp

      Im Latei­ni­schen Patri­ar­chat von Jeru­sa­lem, das sich auch über den Staat Isra­el erstreckt, gibt es mit David Neu­haus SJ einen Patri­ar­chal­vi­kar, der spe­zi­ell für die dor­ti­gen Katho­li­ken neu­he­bräi­scher Spra­che zustän­dig ist. Ara­mäisch­spra­chi­ge Lit­ur­gie fin­det man bei den katho­li­schen Teil­kir­chen der Syri­schen Riten.

  14. Wer Inter­es­se hat, hier ein Lite­ra­tur­hin­weis: Peter Schä­fer, „Jesus im Tal­mud“, Mohr Sie­bek Ver­lag, Tübin­gen, 2007: http://www.amazon.de/Jesus-im-Talmud-Peter-Schäfer/dp/3161502531/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1451901986&sr=8–1&keywords=Peter+Schäfer%2C+Jesus+im+Talmud — Schä­fer bringt alle Stel­len des Tal­mud, in denen es um Jesus und die Jün­ger geht und erklärt sie. Ich habe ande­re Tei­le des Tal­mud im Unter­richt gele­sen und war von den spi­ri­tu­el­len Aus­sa­gen der Rab­bi­ner über vie­le ande­re The­men sehr ange­tan. Die Ange­le­gen­heit hin­sicht­lich Jesus im Tal­mud und in der jüdi­schen Tra­di­ti­on ist ein sehr kom­pli­zier­tes The­ma und ich habe auch viel mit mei­nen jüdi­schen Freun­den dar­über gespro­chen. Hier noch ein Arti­kel aus jüdi­scher Sicht­wei­se über Jesus im Juden­tum: http://www.breslev.co.il/articles/spiritualität/judentum_halacha/warum_juden_nicht_an_jesus_glauben.aspx?id=26993&language=germany — Der Arti­kel war für sehr erhel­lend und ist auch abso­lut sach­lich und ohne Pole­mik ver­fasst.

      • Klei­ne Ergän­zung: Mot­ty Stein­metz und der Shira Chor „El Hanaar“ von Shlo­mo Yehu­da Rech­nitz: https://www.youtube.com/watch?v=BjrCMS6wKmU — Eines der schön­sten Lie­der, das ich je hör­te, und Mot­ty Stein­metz ist ein begna­de­ter jüdi­scher Kan­tor, der aus­schließ­lich nur spi­ri­tu­el­le und ideell hohe Lie­der singt (guckt mal unter sei­nem Namen auf You­tube). Die Gesän­ge und Musik der Juden zeigt auch ihren tie­fen Glau­ben und die Erha­ben­heit ihrer Kul­tur.

      • @JK
        Ich habe mir gera­de den Ama­zon-Link ange­se­hen und eine Rezen­si­on gele­sen — und bin f u r c h t b a r ent­setzt.
        „Balaam (Jesus) for­ni­ca­ted with his jack­ass.“ … und ande­re auf­ge­zähl­te abgrund­tie­fe Wider­lich­kei­ten in die­sem „Buch“.
        Das muß ich erst­mal ver­ar­bei­ten. Was für ein Dreck. Dan­ke @ katholisches.info für die­sen Augen­öff­ner!

      • Damit es nicht zu Miß­ver­ständ­nis­sen kommt: Mit die­sem „Buch“ mei­ne ich selbst­ver­ständ­lich nicht die sicher­lich aus­ge­zeich­ne­te Arbeit des katho­li­schen Prie­sters I.B. Pra­nai­tis, die er mit sei­nem Buch „The Tal­mud Unmas­ked“ lie­fert.

    • Dan­ke @ Jean­ne dArc für Ihre über­aus wert­vol­len Lite­ra­tur­hin­wei­se zum The­ma des Threads und die Mit­tei­lung über Ihre per­sön­li­che Ein­schät­zung! Zu Schä­fers Buch gibt es auf ama­zon übri­gens eine lesens­wer­te Rezen­si­on!

  15. Ich den­ke, dass der baby­lo­ni­sche Tal­mud nach der Über­tra­gung durch Laza­rus Gold­schmidt (1871–1950)neben der rein reli­giö­sen Bedeu­tung auch ein Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des heu­ti­gen poli­ti­schen Welt­ge­sche­hens ist. Um hier nur ein Bei­spiel zu nen­nen. Ein berühm­tes Tal­mud­zi­tat wird oft im Zusam­men­hang des zwei­ten Welt­kriegs genannt. „Wer einen Men­schen tötet, tötet die gan­ze Welt, wer einen Men­schen ret­tet, ret­tet die gan­ze Welt“. Die­ses Zitat prangt am Ein­gang zahl­rei­cher Syn­ago­gen, es ist auch auf der Medail­le der „gerech­ten unter den Völ­kern“ geprägt (den Juden­ret­tern im Zwei­ten Welt­krieg) und wur­de am Ende des Films „Schind­lers Liste“ von Ste­ven Spiel­berg erwähnt, als die von Schind­ler geret­te­ten Juden ihm zum Dank einen Gold­ring mit die­ser Gra­vur anfer­ti­gen.
    Der Spruch hat nur einen ent­schei­den­den Schön­heits­feh­ler; er stimmt näm­lich so nicht!
    Der ech­te Spruch aus dem Trak­tat Syn­he­drin Kap.IV Fol.37a 37b lau­tet „Der Mensch wur­de des­halb ein­zig erchaf­fen, um dich zu leh­ren, dass wenn jemand eine israe­li­ti­sche See­le ver­nich­tet, es ihm die Schrift anrech­net, als hät­te er eine gan­ze Welt ver­nich­tet, und wenn jemand eine israe­li­ti­sche See­le erhält, es ihm die Schrift anrech­net, als hät­te er eine gan­ze Welt erhal­ten“
    Über­tra­gen auf die Zeit des zwei­ten Welt­kriegs heisst das; die Ermor­dung oder Ret­tung jedes Juden, kommt der Ermor­dung oder Ret­tung der gan­zen Welt gleich. Die Ermor­dung eines unschul­di­gen Nicht­ju­dens, Sozi­al­de­mo­kra­ten, Kom­mu­ni­sten die in den Gesta­po-Fol­ter­kel­lern zu Tode gemar­tert wur­den, Polen, Rus­sen, deut­schen Kin­dern die im bren­nen­den Alphalt in Dres­den umge­kom­men sind ist völ­lig gleich­gül­tig; es han­delt sich ja um Nicht­ju­den.
    Ein ande­res wich­ti­ges Tal­mud­zi­tat Baba Meçia Kap.IX Fol.114a 114b lau­tet näm­lich „ihr heisst Men­schen, die welt­li­chen Völ­ker aber hei­ssen nicht Men­schen, son­dern Tie­re“
    Es fällt auf, dass die Ent­schä­di­gungs­pra­xis der Opfer des zwei­ten Welt­krie­ges sich eng an die­se Defi­ni­ti­on des Tal­muds anlehnt. Hier nur vier Bei­spie­le.
    ‑Wäh­rend des zwei­ten Welt­krie­ges wur­den zir­ka 77.000 Juden aus Frank­reich in die Todes­la­ger depor­tiert, 22.000 fran­zö­si­sche Juden und 55.000 Aus­län­der. Zir­ka 2500 über­leb­ten die Todes­la­ger. Gleich­zei­tig wur­den etwa 80.000 Nicht­jü­di­sche Fran­zo­sen, Wider­stands­kämp­fer oder poli­ti­sche Geg­ner depor­tiert. Davon über­leb­ten etwa 23.000 die KZ Haft.
    Anfang der 90er Jah­re haben jüdi­sche fran­zö­si­sche Orga­ni­sa­tio­nen und der jüdi­sche Welt­kon­gress Druck auf Frank­reich aus­ge­übt, um den jüdi­schen Wai­sen der Depor­tier­ten eine Ent­schä­di­gung zu gewähr­lei­sten, die auch geneh­migt wur­de. Die Wai­sen der Nicht­jü­di­schen depor­tier­ten Fran­zo­sen gin­gen aller­dings völ­lig leer aus. Als ein paar Abge­ord­ne­te auf den Skan­dal hin­wie­sen, bequem­te sich die Regie­rung ihnen auch eine Ent­schä­di­gung zukom­men zu las­sen, die aber gerin­ger aus­fiel, die Mit­tel waren auf­ge­braucht.
    ‑Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges bela­ger­te die Wehr­macht drei Jah­re lang zwi­schen 1941 und 1943, die zweit­gröss­te rus­si­sche Stadt Lenin­grad, heu­te St-Peters­burg mit damals 3 Mil­lio­nen Men­schen. Auf Grund der Unter­bre­chung der Ver­sor­gungs­we­ge in die Stadt kamen rund 1 Mil­li­on Ein­woh­ner an Hun­ger, Käl­te und Krank­heit ums Leben, dar­un­ter 300.000 Juden. 2008 ver­ein­bar­te die Bun­des­re­gie­rung mit der jüdi­schen Claims Con­fe­rence eine Ent­schä­di­gung der jüdi­schen Über­le­ben­den. Die rus­sisch-ortho­do­xe, sla­wi­schen Über­le­ben­den gin­gen völ­lig leer aus. Als Nicht­ju­den waren sie ja kei­ne Holo­caust-Opfer!
    ‑In Polen kamen zwi­schen 1939 und 1945 rund 6 Mil­lio­nen Men­schen ums Leben, 3 Mil­lio­nen Katho­li­ken und eben­so­vie­le Juden. Als 1989 das kom­mu­ni­sti­sche Regime stürz­te, bemän­gel­ten die zio­ni­sti­schen Orga­ni­sa­tio­nen, das das pol­ni­sche Natio­nal­ge­den­ken, den ermor­den­ten Polen den glei­chen Stel­len­wert, als den im Holo­caust ermor­de­ten Juden zuge­stand. (Die Polen hät­ten den Juden einen höhe­ren Stel­len­wert zuge­ste­hen sol­len!)
    ‑Wäh­rend des zwei­ten Welt­krie­ges wur­den die Juden aus Frank­reich mit den Zügen der fran­zö­si­schen Staats­bahn S.N.C.F. abtrans­por­tiert. Die S.N.C.F. stand damals unter Kon­trol­le der Wehr­macht und der Reichs­bahn. Wäh­rend des Krie­ges wur­den über 2500 fran­zö­si­sche Bahn­ar­bei­ter, die che­mi­no­ts erschos­sen, manch­mal wegen so gering­fü­gi­ger Ver­ge­hen, wie einer ille­ga­ler Flug­blatt­ak­ti­on. Ab den 1990 Jah­ren nahm die S.N.C.F. an Auschrei­bun­gen für den ame­ri­ka­ni­schen Eisen­bahn­hoch­ge­schwin­dig­keits­markt teil.Amerikanische jüdi­sche Orga­ni­sa­tio­nen droh­ten der Kon­zern­lei­tung mit Boy­cott falls sie die Über­le­ben­den jüdi­schen Depor­tier­ten nicht ent­schä­dig­te.
    2015 kam dann eine Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung zustan­de, die von „eini­gen Tau­send“ Über­le­ben­de der Trans­por­te der S.N.C.F. in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus­ging. Inter­es­sant ist, das die Gesamt­zahl der jüdi­schen Über­le­ben­den 1945 mit nur 2500 frü­her ange­ge­ben wor­den war. Wenn man doch eine natür­li­che Sterb­lich­keits­ra­te die­ser Grup­pe ab 1945 aus­geht fragt man sich wie man 2015 auf eine Zahl von meh­re­ren Tau­send kom­men kann. Durch die­se Rege­lung hat die Lei­tung der S.N.C.F. prak­tisch ihre Ange­stell­ten der Jah­re 1939 bis 1944, die sel­ber Nazi-Opfer gewe­sen waren, zu Holo­caust-Kom­pli­zen abge­stem­pelt. Und wie­der gin­gen die Nicht­jü­di­schen Depor­tier­ten völ­lig leer aus.
    Die­ser unter­schied­li­che Stel­len­wert des jüdi­schen und des nicht­jü­di­schen Lebens im Westen erklärt auch wie­so die zio­ni­sti­sche Ver­bre­chen in Palä­sti­na völ­lig unkri­ti­siert blei­ben. Im Westen hat sich die Les­art auf­ge­drängt, dass ein jüdi­sches Leben weit über einem Nicht­jü­di­schen steht. Ganz nach den Tal­mud­schrif­ten!

    • @ Mei­ers

      Daß sich jüdi­sche Orga­ni­sa­tio­nen vor allem für die Inter­es­sen von Juden ein­set­zen, ist doch logisch. Was soll das mit einer angeb­li­chen unter­schied­li­chen Wer­tig­keit jüdi­schen oder nicht-jüdi­schen Lebens zu tun haben?
      Der Bund der Ver­trie­be­nen hat sich doch auch nur für die deut­schen Hei­mat­ver­trie­be­nen ein­ge­setzt.

      Die Claims Con­fe­rence ist expli­zit gegrün­det wor­den, um Ansprü­che von Holo­caust-Über­le­ben­den gel­tend zu machen, von denen vie­le alles ver­lo­ren hat­ten und oft nur eine klei­ne Ren­te für ihre Lei­den in den Lagern beka­men.

      Wenn die nicht-jüdi­schen Opfer der Bela­ge­rung Lenin­grads nichts bekom­men haben, so ist dafür das feh­len­de Enga­ge­ment der sowje­ti­schen Behör­den ver­ant­wort­lich — nicht die Claims Con­fe­rence.

      Bei den Wai­sen der Depor­tier­ten ist für mich der eigent­li­che Skan­dal, daß sich der fran­zö­si­sche (und mög­li­cher­wei­se auch der deut­sche) Staat fast 50 Jah­re vor einer Ent­schä­di­gung gedrückt hat und erst auf Druck einer mas­si­ven Kam­pa­gne reagier­te. Das­sel­be gilt auch für ande­re nicht-jüdi­sche Depor­tier­te, die kei­ne, oder wenig Ent­schä­di­gung erhiel­ten. Dafür sind die deut­schen Regie­run­gen bzw. die Regie­run­gen ihrer Hei­mat­län­der ver­ant­wort­lich, die sich nicht dar­um geküm­mert haben — NICHT die Claims Con­fe­rence oder ande­re Orga­ni­sa­tio­nen.

      Was die ermor­de­ten SNCF-Leu­te angeht, selbst wenn sie wegen Baga­tel­len hin­ge­rich­tet oder ins KZ depor­tiert wur­den, so geschah das, weil sie etwas gemacht hat­ten — oder des­sen beschul­digt wor­den sind. Sie wur­den nicht ein­fach nur ermor­det, weil sie zur SNCF gehör­ten.
      DAS ist der ent­schei­den­de Unter­schied: Juden wur­den depor­tiert und ermor­det, ein­fach nur, weil sie Juden waren.

      Nur in einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Ver­tre­ter der Claims Con­fe­rence und ande­rer jüdi­scher Orga­ni­sa­tio­nen sind nach 1989 in den Staa­ten teil­wei­se auf­ge­tre­ten, wie der Ele­fant im Por­zel­lan­la­den, wohl, weil sie in typisch ame­ri­ka­ni­scher (nicht jüdi­scher!) Sicht­wei­se unfä­hig waren zu begrei­fen, das in die­sen Staa­ten eine ande­re „Erin­ne­rungs­kul­tur“ vor­herrsch­te, in der der Holo­caust nicht die­sel­be teil­wei­se pseu­do-sakra­le Bedeu­tung hat, wie in den USA und West­eu­ro­pa.

      Die­se Denk­wei­se hat ver­mut­lich mit den Wunsch nach Macht- und Ein­fluß­mög­lich­kei­ten zu tun, in man­chen Fäl­len auch mit Geld. Aber die­ses Ver­hal­ten mit einem aus dem Tal­mud begrün­de­ten Men­schen­bild abzu­lei­ten, hal­te ich für abwe­gig.

      • Der zitier­te Spruch „Wer einen Men­schen tötet…“ ist auch ein belieb­ter Koran­vers, der auch dort nur Mus­li­me meint.

        Das alles hat aber mit der Lage nach dem Krieg nichts zu tun.

        Viel­leicht wäre @ Mei­ers so freund­lich und näh­me zu Kennt­nis, dass der­zeit v.a. Juden inter­ve­niert haben, als es um die welt­wei­te Beach­tung der Chri­stent­ver­fol­gung durch Mus­li­me geht und ging… Es sind auch pri­va­te Juden, die christ­li­che Flücht­lin­ge zu Tau­sen­den unter­stützt haben.
        Davon kann sei­tens der Kir­che nicht mal ansatz­wei­se die Rede sein.

        Hören Sie mir also auf mit dem bös­ar­ti­gen Gere­de davon, dass Juden nur Juden unter­stüt­zen wür­den. Das ist lächer­lich und bös­ar­tig!

        Wenn Juden erst mal ihres­glei­chen unter­stüt­zen soll­ten, wäre das übri­gens auch erst mal nor­mal!

        Sie tun aber noch viel mehr!

        Und wenn sie in Isra­el auch mus­li­mi­sche Idio­ten im Kran­ken­haus pfle­gen, die wegen ihrer Ter­ror­hand­lun­gen sich selbst ver­letzt haben, dann ste­hen Leu­te wie Sie auf der Mat­te und behaup­ten unge­schützt: Seht ihr, die Juden, die unter­stüt­zen die Ter­ro­ri­sten, jetzt wis­sen wir, wer hin­ter dem IS steht.

        Wür­den die Juden das Ter­ro­ri­sten-Pack auf der Stra­ße ver­blu­ten las­sen hieß es es von Ihrer Sei­te: Seht ihr, für die Juden sind nur Juden rich­ti­ge Men­schen — kein Wun­dern muss­te sich der IS grün­den.

        Ich bin immer wie­der über­rascht dar­über, wie tief die Ver­schwö­rungs­theo­rien der Isla­mi­sten mit denen gewis­ser katho­li­scher Krei­se über­ein­stim­men!
        Ihr soll­tet echt einen Club grün­den, einen isla­misch-katho­lisch-tra­di­tio­na­li­sti­schen Juden­has­serclub.

      • @zeitschnur
        Sie top­pen mal wie­der alles: „bös­ar­ti­ges Ger­de“, „Juden­has­serclub“! Ich bit­te Sie!
        Setz­ten Sie mal Unwis­sen­heit vor­aus und schwin­gen Sie nicht gleich die medi­al gelern­te Hass­keu­le!

    • @Pater Pio — „Setz­ten Sie mal Unwis­sen­heit vor­aus…“—- Ich habe wei­ter unten ein paar Links und Infos ein­ge­hängt, wo man mehr über die jüdi­sche Tra­di­ti­on und jüdi­sche Mit­bür­ger erfah­ren kann und auch Ver­an­stal­tun­gen mit­er­le­ben kann (Israel­ta­ge). Hof­fe damit hel­fen zu kön­nen.

    • @Zeitschnur (5.Januar 0.21)
      Im Koran steht das Zitat „Wer einen Men­schen tötet..“ in der 5.Koransure v.33. Dort ist aller­dings von „Men­schen“ die Rede und nicht von „israe­li­ti­schen See­len“ wie im Tal­mud. Aus dem Koran­text ist somit nicht ersicht­lich, dass sich das Zitat nur auf Mus­li­me bezieht, und dies um so mehr, dass die vor­an­ste­hen­den Ver­se sich auf Abel und Kain bezie­hen, also auf eine Zeit lan­ge vor dem Stamm­va­ter Abra­ham und sei­ne Kin­der, also vor der Zeit von Juden und Mus­li­me.
      Des Übri­gen neh­me ich ger­ne zur Kennt­nis, dass sich Juden gegen Chri­sten­ver­fol­gun­gen durch Mus­li­me enga­giert haben, vor­aus­ge­setzt Sie neh­men zur Kennt­nis, dass in den letz­ten Tagen der jüdi­sche Rab­bi­ner Ben­zi Gop­stein, ein Schü­ler Meir Kaha­nes, die Chri­sten im Hei­li­gen Land als „Bluts­au­fen­de Vam­pi­re“ bezeich­net hat, die „aus Isra­el her­aus­ge­schmis­sen gehör­ten“, dass „das Weih­nachts­fest ver­bo­ten gehör­te“. Die Äusse­run­gen Gop­steins haben zu einem Pro­test der katho­li­schen Ordi­na­ria­te im hei­li­gen Land geführt, unter Hin­weis auf „Nostra Aeta­te“; sie haben bean­stan­det, dass ihre vier Mona­te alte Anzei­ge gegen Gop­stein wegen Auf­rufs zum reli­giö­sen Hass von der Staats­an­walt­schaft nicht ver­folgt wur­de.
      Im letz­ten Jahr wur­den des Übri­gen zahl­rei­che christ­li­che Kir­chen in Isra­el von Anhän­gern Gop­steins ange­zün­det und Geist­li­che belei­digt.
      Es ist aber natür­lich immer ein­fa­cher die Sün­den der ande­ren anzu­pran­gern!
      Wenn sie sagen „Wenn Juden erst mal ihres­glei­chen Unter­stüt­zen soll­ten, wäre das übri­gens auch erst mal nor­mal“ kann man natür­lich so den­ken. Betrach­tet man aller­dings die Geschich­te am Bei­spiel zwei­er gro­ssen euro­päi­scher Staa­ten Frank­reich und Deutsch­land, so hat jedes Land zu unter­schied­li­chen Zei­ten die Erfah­rung gemacht sich für den Nabel der Welt zu hal­ten. Frank­reich unter Napo­le­on und Deutsch­land in ersten und zwei­ten Welt­krieg. Bei­de Staa­ten dach­ten auch in die­ser Peri­ode es wäre „nor­mal“ sich selbst auf Kosten aller ande­ren der Näch­ste zu sein. Mit dem Ergeb­nis dass abwech­selnd bei­de Staa­ten zum meis­ge­hass­ten Staat der Erde wur­de!
      Isra­el ist eben auch nicht vor die­ser Erfah­rung gefeit!
      Sie wer­den wohl selbst an der Bericht­erstat­tung der letz­ten Mona­te fest­ge­stellt haben, dass die aller­mei­sten der palä­sti­nen­si­schen Selbst­mord­at­ten­tä­ter ihre Tat nicht über­lebt haben, weil sie von Sicher­heits­kräf­ten erschos­sen wur­den. Die­je­ni­ge die tat­säch­lich in israe­li­schen Kran­ken­häu­ser behan­delt wur­den sind höch­stens Aus­nah­men.
      Ich wür­de mich übri­gens nicht selbst als Juden­has­ser bezeich­nen; ich hal­te es eher mit einem Spruch des fran­zö­si­schen Revo­lu­tio­närs Geor­ges Dan­ton. Als er von sei­nen Fein­den, den Jako­bi­nern unter Robes­pierre aus dem Regie­rungs­aus­schuss her­aus­ge­schmis­sen wur­de, hat man ihn gefragt ob er einen Groll hät­te oder Nach­tra­gend wäre. Das hat er mit der Bemer­kung ver­neint er hät­te nur ein sehr gutes Gedächt­nis!

  16. @Zeitschnur
    „isla­misch-katho­lisch-tra­di­tio­na­li­sti­schen Juden­has­serclub“… Ist das Gegen­teil aber bes­ser?
    Es wäre unter Chri­sten leich­ter, wenn die Juden­lieb­ha­ber seit 1945 in ihren Über­zeu­gun­gen nicht eben­so über­trei­ben wür­den, wie die Juden­has­ser davor. Nut­zen? Null.
    Die Absto­ßung (und Anzie­hung?), die das jüdi­sche Rest­volk aus­löst, kann eigent­lich nur mit der in der Bibel genann­ten Ver­stockung zusam­men­hän­gen und wäre damit Teil der Stra­fe für die Ableh­nung Chri­sti. Ein Zustand, der also nicht durch Men­schen beho­ben wer­den kann.

    • @Jodok — „Ist das Gegen­teil aber bes­ser ?“ — Mei­ne Beob­ach­tung und Erfah­rung ist die, dass ich ehr­lich und kon­kret mit mei­nen jüdi­schen Bekann­ten und Freun­den umge­he. Man kann auch zu Juden mal was sagen was einem nicht gefällt, und man muss sie nicht auf den über­höh­ten Sockel stel­len. Näch­sten­lie­be bedeu­tet im direk­ten Umgang ver­ständ­nis­voll und mir wirk­li­cher Empa­thie zu han­deln. Ihre Aus­sa­ge, dass der Nut­zen gleich Null sei, kann ich in kein­ster Wei­se bestä­ti­gen. Ich habe in vie­len Begeg­nun­gen, sogar mit Lei­tern des Zen­tral­ra­tes der Juden, auf mehr gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis und mehr Akzep­tanz hin­ge­ar­bei­tet. Haben Sie denn einen direk­ten Kon­takt zu jüdi­schen Mit­bür­gern ? Ich möch­te alle in die­sem Forum dar­um bit­ten, sich tie­fer in die jüdi­sche Kul­tur ein­zu­ar­bei­ten und im leben­di­gen Kon­takt mit Juden sich ein tole­ran­te­res, lie­be­vol­le­res und für­sorg­li­che­res Ver­ständ­nis zu erlan­gen. Das was Sie als „Ver­stockung“ titu­lie­ren, ist in Wirk­lich­keit REALE Angst ! Wuß­ten Sie, dass vie­le jüdi­sche Mit­bür­ger vor Katho­li­ken ANGST haben ? Angst vor Ver­fol­gung, Angst vor Pro­gro­men und Angst dass ‚Alles‘ wie­der von vor­ne los gehen könn­te. Sie äußern das aber nicht offen.
      An eini­gen Stel­len hier im Thread wird her­um­ge­re­det, aber nichts in der Rea­li­tät getan ! Wel­ches Bild geben wir Katho­li­ken auf der ande­ren Sei­te denn ab !? Wer denkt eigent­lich dar­an ?

    • @ Jodok

      Es klingt zynisch, was Sie schrei­ben. Eine juden­freund­li­che Hal­tung scha­det nie­man­dem. Eine anti­ju­da­isti­sche Hal­tung, wie sie für wei­te katho­li­sche Krei­se typisch war und ist, hat Mil­lio­nen Men­schen Tod und Unglück, Trau­er, Hass und Ver­zweif­lung gebracht und in den Juden die Idee ein­ge­prägt, dass alles, was ihre Väter einst nega­tiv über Jesus und sei­ne Anhän­ger sag­ten, wohl zwei­fel­los stim­mem muss!
      Sagen wir es wie es ist: Wir haben uns den Juden gegen­über pha­sen­wei­se und in gro­ßer Zahl wie die Teu­fel auf­ge­führt und nicht wie erlö­ste Per­so­nen, die in der Lie­be Chri­sti gehei­ligt sind.

      Es kann sein, dass Kräf­te in der Kir­che mit dar­an schuld sind, dass die Juden so lan­ge den Herrn nicht erken­nen konn­ten.

      An den Zustän­den nach 1945 sind die Juden schuld? Ist es das, was Sie sagen wol­len?

      Tut mir leid — aber von sol­chen Mei­nun­gen kann ich als gläu­bi­ger Katho­lik nur mit Ent­set­zen Abstand neh­men.

      „Schuld“ an den Zustän­den sind wir alle gemein­sam — und schuld am Tod Jesu sind wir auch gemein­sam. So hat es auch die Kir­che stets gelehrt. Jeden­falls vom Lehr­amt her. Die Sün­de hat zahl­rei­chen Nach­wuchs gezeugt, die Ver­flech­tun­gen sind kom­plex. An uns ist es nicht, bei ande­ren die „Schuld“ zu suchen, son­dern bei uns selbst.

      Wenn wir vor der Hl. kom­mu­ni­on an die Brust schla­gen und sagen „Domi­ne non sum dignus“, dann den­ken wir dabei doch offen­sicht­lich immer erst mal an die Schuld der ande­ren…

      Wir sind ein Bild des Jam­mers und ver­un­treu­en das, was der Herr uns auf­ge­tra­gen hat.

      • @zeitschnur
        Sie sagen wah­re Din­ge, die ich ger­ne unter­schrei­be, wenn es dar­um geht, unse­re eige­ne Schwach­heit und Unwür­dig­keit zu beken­nen. Das ändert nichts dar­an, dass aus Ihren Zei­len eine zwei­fel­haf­te Judo­phi­lie spricht. Es bleibt ein Zwei­fel…
        Die Juden haben den Erlö­ser ver­schmäht. Das wird auf Ihnen Lasten bis zum Ende der Zei­ten.
        Wenn Sie Juden Gutes tun wol­len, dann füh­ren Sie sie zu Chri­stus. Die Ver­hei­ßung im Römer­brief birgt Hoff­nung am Ende des Hori­zonts. Bis dahin mag sie roman­tisch ver­an­lag­te Gei­ster befrie­di­gen, ist aber in Wirk­lich­keit eine schreck­li­che Ver­wün­schung. Den­ken Sie an die unzäh­li­gen Genera­tio­nen, die bis dahin ver­lo­ren­ge­hen.
        Das soll­te zu nüch­ter­ner Klar­sicht abseits aller fal­scher Ver­klä­rung auf­rüt­teln. Es muss unse­re inner­ster Wunsch sein, Juden wie Mos­lems, Athe­isten wie Bud­dhi­sten zu Chri­stus zu füh­ren. Alles ande­re ist eitel Wahn und Trug.
        (NB: Und, bit­te, fuch­teln Sie nicht mit Keu­len her­um, deren Gewicht Ihre Kräf­te über­stei­gen.)

  17. Wer­ter @ Leo Laemm­lein
    Auf Ihren Link http://www.bibelkommentare.de ist kein Ver­lass, denn zum Pro­blem­be­reich Neu­er Bund – Alter Bund wird Mt 26, 26 –28 falsch zitiert, wenn es heißt:
    „Wäh­rend sie aber aßen, nahm Jesus Brot, seg­ne­te, brach und gab es den Jün­gern und sprach: Neh­met, esset; die­ses ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dank­te und gab ihnen den­sel­ben und sprach: Trin­ket alle dar­aus. Denn die­ses ist mein Blut, das des neu­en Bun­des, wel­ches für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den.“ (Mt 26,26–28)
    Das stellt eine gro­be Ver­fäl­schung dar, denn von einem Neu­en Bund ist weder bei Mt 26,28 noch bei Mk 14,24 die Rede. Bei Mat­thä­us heißt der Satz nach dem Münch­ner Neu­en Testa­ment: „Denn dies ist mein Blut des Bun­des, das für vie­le aus­ge­gos­se­ne zum Erlaß von Sün­den“. Und bei Mar­kus heißt es noch kar­ger: „Dies ist mein Blut des Bun­des, das aus­ge­gos­se­ne für vie­le“.
    Von einer Auf­kün­di­gung des Alten Bun­des ist nir­gends die Rede. Er bleibt in sei­ner Gesetz­lich­keit bestehen, auch wenn sein Joch schwer ist und Ver­stö­ße gegen die 313 Gebo­te und Ver­bo­te kaum zu ver­mei­den sind. Jesu Joch dage­gen ist leicht und besteht in der For­de­rung nach Got­tes- und Näch­sten­lie­be. Bei den bei­den älte­sten Syn­op­ti­kern liegt die Beto­nung auf dem Aus­druck „mein Blut“. Im Gegen­satz zu dem regel­mä­ßig ver­spreng­ten Blut von Opfer­tie­ren im Tem­pel, mit dem Kei­ne Sün­den­ver­ge­bung ver­bun­den war, ist durch das stell­ver­tre­tend im Opfer­tod Jesu Chri­sti aus Lie­be ver­gos­se­ne Blut die Mög­lich­keit des Erlas­ses der Sün­den (bei Wie­der­gut­ma­chung, Reue und gutem Vor­satz) gege­ben. Ob damit ein „neu­er“ Bund geschlos­sen wor­den ist, der die Juden aus­schließt, wie es vie­le anneh­men?

    Vom „Neu­en Bund“ in den Ein­set­zungs­wor­ten spre­chen nur Lukas ( 22,20) und Pau­lus. ( 1Kor 11,25).
    Bei Lukas steht: „Die­ser Becher ist der neue Bund in mei­nem Blut, das für euch aus­ge­gos­se­ne!“
    Pau­lus sagt, dass er die Ein­set­zungs­wor­te vom Herrn über­nom­men habe und erwei­tert sie im Ersten Brief an die Korin­ther im Sin­ne von Lukas, der sich wie­der­um an Mat­thä­us und Mar­kus ori­en­tiert hat: „ Eben­so (nahm) er auch den Becher nach dem Essen, sagend: Die­ser Becher ist der neue Bund in mei­nem Blut; dies tut, jedes­mal wenn ihr trinkt, zu mei­ner Erin­ne­rung!“
    Nach Gal 4,24 gibt es bei Pau­lus zwei Bün­de, die „Bün­de der Zusa­ge“, wie er es in Eph 2,12 aus­drückt, wobei der Neue Bund auch den im Text des Ephe­ser­brie­fes adres­sier­ten Hei­den­chri­sten, die den Glau­ben an Jesus Chri­stus ange­nom­men haben, offen­steht.

    • Ver­bes­se­rung: 613 Gebo­te und Ver­bo­te muss es natür­lich hei­ßen!
      Dazu eini­ge Erläu­te­run­gen!
      Die pau­li­ni­sche Bezeich­nung „Wer­ke des Gesetzes“(Z.B Galaterbrief)erfasste weit mehr Wer­ke, als die, wel­che nach den Zehn Gebo­ten zu beach­ten sind, und sie waren ihrer Natur nach grund­ver­schie­den von den heils­not­wen­di­gen Wer­ken der Got­tes- und Näch­sten­lie­be.
      Dabei han­delt es sich, wie kor­ri­giert, um ins­ge­samt 613 Gebo­te und Ver­bo­te, unter denen die ver­schie­de­nen Spei­se- Rein­heits- und Sab­bat­ge­bo­te die bekann­te­sten sind und deren genaue­ste Befol­gung gera­de von Pha­ri­sä­ern als Vor­aus­set­zung für die Recht­fer­ti­gung vor Gott gefor­dert wor­den ist. Um Pau­lus zu ver­ste­hen, muss man wis­sen, mit wel­cher Akri­bie geset­zes­treue Juden sei­ner Zeit die­se Gebo­te und Vor­schrif­ten in ihren Lebens­all­tag hin­ein­ge­nom­men und sich in ihrem Ver­hal­ten peni­bel nach ihnen gerich­tet haben, um sich gegen die Ein­flüs­se des Hei­den­tums in ihrer unmit­tel­ba­ren Umwelt zu schüt­zen. Das wahr­haft Drücken­de an die­ser Geset­zes­treue war das Bewusst­sein, dass die vol­le Sum­me die­ser Geset­ze und Vor­schrif­ten zu erfül­len war, um vor Gott gerecht­fer­tigt zu sein. Hat­te man ein ein­zi­ges Gebot nicht erfüllt, so die Leh­re, hat­te man gegen das gesam­te Gesetz gesün­digt und durf­te nicht auf Recht­fer­ti­gung hof­fen. Der ein­mal im Jahr im Tem­pel von den Hohen­prie­stern mit Sün­den bela­de­ne und in die Wüste geschick­te „Sün­den­bock“ — ein ver­geb­li­cher Ver­such, sich von den Sün­den zu befrei­en, mach­te das immer­wäh­rend schwe­re Joch auf den Schul­tern der Juden nicht leich­ter.
      Das Maß an Ernst­haf­tig­keit die­ses Bemü­hens um Recht­fer­ti­gung vor Gott zeigt noch ein Text aus neue­rer Zeit. Er ist dem Werk „Von einer Welt, die nicht mehr ist“ von Isra­el J. Sin­ger (1883–1944), dem älte­ren Bru­der des Nobel­preis­trä­gers Isaak B. Sin­ger, ent­nom­men: „ Reb Jesa­ja hat­te zahl­rei­che from­me Bücher geschrie­ben, in denen er nach­wei­sen woll­te, dass alles in der Welt ver­bo­ten sei. Sei­ner Behaup­tung nach konn­te ein Jude kei­nen Schritt tun, ohne das hei­li­ge Gesetz zu bre­chen. Die Hei­lig­keit des Sab­bats war für Reb Jesa­ja ein beson­ders kost­ba­res Gut. Am Sab­bat, so behaup­te­te er, sei es sogar ein Sün­de, in den Schnee zu pis­sen, denn dies sei dem Pflü­gen am hei­li­gen Tag ver­gleich­bar. Kurz­um: Reb Jesa­ja riet den Juden, sich am Sab­bat an Hän­den und Füßen zu fes­seln, um den Fei­er­tag nicht zu ent­hei­li­gen. Völ­li­gen Schutz kön­ne aber auch dies nicht gewährleisten“(S.121f.).
      Der Alte Bund bewahr­te und bewahrt das Juden­tum vor dem Auf­ge­hen im Hei­den­tum. Er kann nicht nur von Juden, wie von Mar­tin Buber ver­tre­ten, nach wie vor als bestehend — aller­dings als schwer erfüll­bar — ange­se­hen wer­den. Jesus hat den Juden die Mög­lich­keit eröff­net, das lasten­de Joch der Total­erfül­lung der 613 Gebo­te und Ver­bo­te im Glau­ben an Ihm, der aus lie­ben­dem Mit­leid den Opfer­tod am Kreuz gestor­ben ist, abzu­strei­fen, wenn sie sich statt des­sen zur christ­li­chen Got­tes-und Näch­sten­lie­be ver­pflich­ten. Damit wur­de nach Pau­lus auch Hei­den der Weg zum Heil eröff­net — was, wie die der gegen­wär­tig flä­chen­decken­de Rück­fall von west­li­chen Chri­sten ins Hei­den­tum zeigt, nicht mehr von jedem als Akt der gött­li­chen Gna­de begrif­fen wird.

      • Wer­ter @ Leo Laemm­lein
        Sie sagen u.a.oben: „Was ein heid­ni­scher Nekro­mant aus der Jen­seits­welt berich­tet, wird m.E. kein Jude mit kla­rem Ver­stand als eine jüdi­sche Glau­bens­aus­sa­ge anneh­men. Es ist wie eine List: Wer dumm ist, nimmt den Inhalt des Berichts für bare Mün­ze. Wer klug ist, erkennt den Text als das, was er ist“. Das gilt sicher für das Juden­tum der Gegen­wart, aber gilt das auch für Juden der Spät­an­ti­ke und der wei­te­ren Jahr­hun­der­te? Und gilt das auch für heu­ti­ge Chri­sten? Das fra­ge ich mich als gelern­ter Histo­ri­ker, dem es um die Histo­ri­zi­tät und die histo­ri­sche Wir­kung von Tex­ten geht!
        Zum Bei­spiel bei @ Bal­dur! Er hat sei­ne Tal­mud-Zita­te mit den Wor­ten ein­ge­lei­tet: „Ich ken­ne zwar den Jeru­sa­le­mer Tal­mud nicht, jedoch den Baby­lo­ni­schen Tal­mud nach Laza­rus Gold­schmidt. Dar­aus eini­ge Stel­len. Die Kreu­zi­gung Jesu wird im Tal­mud nicht erwähnt. Nach der Stei­ni­gung häng­te man ihn nach jüdi­schem Recht. Im Übri­gen wur­de auch Ste­pha­nus von den Juden gestei­nigt, ohne dass die Römer dar­an betei­ligt waren. Da schwingt schon Zwei­fel an der Über­lie­fe­rung der Evan­ge­li­en über die Kreu­zi­gung mit. Daher mei­ne kur­ze Dar­stel­lung der außer­bi­bli­schen Bezeu­gung der Kreu­zi­gung Jesu, die heu­te wis­sen­schaft­lich — auch im Juden­tum — als abso­lut gesi­chert gilt. Doch woher kommt bei @ Bal­dur die Moti­va­ti­on, hier auf „katho­li­sches“ auf die im Tal­mud schein­bar abwei­chen­de Tötung Jesu hin­zu­wei­sen. Es ist offen­sicht­lich, dass der Ver­fas­ser des Tal­mud an die­ser Stel­le unbe­dingt den christ­li­chen Sym­bol­be­griff „Kreuz“ ver­mei­den woll­te. Daher bedien­te er sich des älte­ren Begriffs für die „Kreu­zi­gung“, dem des „an den Pfahl hän­gen“, einem Vor­gang, bei dem der Quer­bal­ken fehlt, der Tod aber auf gleich quä­len­de Wei­se ein­tritt, wie an einem Quer­bal­ken mit aus­ge­brei­te­ten Armen. Doch die Ver­schleie­rung geht wei­ter. In @ Bal­durs Satz:„Im Übri­gen wur­de auch Ste­pha­nus von den Juden gestei­nigt, ohne dass die Römer dar­an betei­ligt waren“ ist nur das Wört­chen „auch“ falsch. Der Ver­fas­ser will aus Rück­sicht gegen­über den Römern aber auch den Juden sug­ge­rie­ren, dass die Hin­rich­tung Jesu eine rein jüdi­sche Ange­le­gen­heit gewe­sen ist. Dazu muss man wis­sen, dass Kai­ser Tibe­ri­us auf Betrei­ben des Sejan im Jahr 30 den Juden die „Blut­ge­richts­bar­keit“ genom­men, die­se aber 2–3 Jah­re spä­ter wie­der zurück­ge­ge­ben hat­te, so dass Ste­pha­nus gestei­nigt wer­den konn­te, Jesus aber nicht.
        Auch inso­fern ist der Baby­lo­ni­sche Tal­mud eine wich­ti­ge histo­ri­sche Quel­le für Jesu Tod zum Pascha­fest des Jah­res 30.
        Der Nekro­man­ten-Bericht über Jesus in der Unter­welt muss als Anti­au­f­er­ste­hungs­pro­pa­gan­da gewer­tet wer­den, die mög­li­cher­wei­se im Zusam­men­hang mit dem Tole­ran­ze­dikt Kai­ser Kon­stan­tins ent­stan­den ist und ent­spre­chen­de Abwehr­wir­kun­gen bei heid­ni­schen Per­sern und Römern, aber auch bei Juden erzie­len soll­te.

    • Geehr­ter @Sophus. Sie schrei­ben: „Wäh­rend sie aber aßen, nahm Jesus Brot, seg­ne­te, brach und gab es den Jün­gern und sprach: Neh­met, esset; die­ses ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dank­te und gab ihnen den­sel­ben und sprach: Trin­ket alle dar­aus. Denn die­ses ist mein Blut, das des neu­en Bun­des, wel­ches für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den.“ (Mt 26,26–28)
      Das stellt eine gro­be Ver­fäl­schung dar, denn von einem Neu­en Bund ist weder bei Mt 26,28 noch bei Mk 14,24 die Rede.

      In der Homi­lie des Chryso­sto­mus († 407) — Kom­men­tar zum Evan­ge­li­um des hl. Mat­thä­us (In Matthae­um homi­liae I‑XC) lese ich fol­gen­des:

      V.26: „Wäh­rend sie aber aßen, nahm Jesus Brot und seg­ne­te es, brach es und gab es sei­nen Jün­gern und sprach: Neh­met hin und esset“ die­ses ist mein Leib. V.27; Und er nahm den Kelch, sag­te Dank und gab ihnen den­sel­ben, indem er sag­te: Trin­ket alle aus ihm. V.28: Denn die­ses ist mein Blut des Neu­en Bun­des, wel­ches für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den.“

      Wel­che Schrift hat Chryso­sto­mus ver­wen­det? War das auch schon eine Fäl­schung?

      • @ Sophus: Die Leug­nung der Kreu­zi­gung im Tal­mud bezeugt deut­lich, dass der Tal­mud ein Buch vol­ler Lügen ist. Ein Buch mit Hass gegen alles Nicht­jü­di­sche ist augen­fäl­lig. Men­schen sind grund­sätz­lich nur Juden.

        Abtrünnige/Häretiker, das sind die Chri­sten: Der Mei­ster lehrt: man sto­ße sie hin­ab (in die Gru­be) und zie­he sie nicht her­auf. Wenn man sie sogar hin­ab­sto­ßen soll, wozu lehrt er vom Her­auf­zie­hen!? R. Joseph b. Hama erwi­der­te im Namen R. Ses­eths: Dies lehrt, daß wenn in der Gru­be sich eine Stie­ge befin­det, man sie unter Anwen­dung einer Aus­re­de zer­stö­re; man sage zu ihm: damit kein Tier hin­ein­ge­ra­te. Rab­ba und R. Joseph erklär­ten bei­de: Dies lehrt, daß wenn sich ein Stein am Ran­de befin­det (zum Zudecken der Öff­nung), man sie zudecke und zu ihm sage: ich will mein Vieh hin­über­füh­ren. Rabi­na erklär­te: Wenn dar­in sich eine Lei­ter befin­det, so neh­me man sie fort und sage zu ihm: Ich will mei­nen Sohn vom Dache herabholen.Aboda zara 26b BT Bd.9, S. 515

    • Sehr geehr­ter @ sophus,
      dan­ke für Ihre ver­schie­de­nen Ant­wor­ten.
      Hier nur eben zu der Mat­thä­us-Stel­le. Das Pro­blem ist leicht auf­zu­klä­ren, und ein wenig wun­de­re ich mich, dass Sie nicht selbst dar­an gedacht haben. Aber das kann vor­kom­men.
      Den unter­schied­li­chen Text­ver­sio­nen lie­gen natür­lich ver­schie­de­ne neu­te­sta­ment­li­che Manu­skrip­te zugrun­de, und ein Blick in den text­kri­ti­schen Appa­rat von Nest­le-Aland ver­schafft rasche Auf­klä­rung. -
      Vie­le kon­ser­va­ti­ve Pro­te­stan­ten bevor­zu­gen heu­te noch immer den Tex­tus Recep­tus, auf Grund des­sen die Refor­ma­to­ren über­setz­ten. Der hat zwar sei­ne Män­gel (wor­über man sich im Inter­net unter­rich­ten kann). Er hat aber den Vor­zug, dem byzan­ti­ni­schen Reichts­text („Koi­ne“, „Mehr­heits­text“) und der Vul­ga­ta nahe­zu­ste­hen. Die belieb­te Schlach­ter-Über­set­zung fußt auf dem TR, wäh­rend die eben­falls belieb­te Elber­fel­der das Novum Testa­men­tum Grae­ce nach Nest­le-Aland zur Grund­la­ge hat, aber auf den Tex­tus Recep­tus hin­schaut und ihn stel­len­wei­se berück­sich­tigt. (Kon­ser­va­ti­ve bibel­treue Pro­te­stan­ten, die am refor­ma­to­ri­schen Tex­tus Recep­tus hän­gen, sind beim Bibel­text also mehr mit der katho­li­schen Über­lie­fe­rung ver­bun­den als die zweit­va­ti­ka­ni­sche katho­li­sche Kir­che, die nach Nest­le-Aland über­setzt, wel­cher oft­mals Vari­an­ten der alex­an­dri­ni­sche Redak­ti­on bevor­zugt.)
      Nach dem byzan­ti­ni­schen Reichs­text nun (wel­cher sich mit rund 90 Pro­zent der über­lie­fer­ten neu­te­sta­ment­li­chen Manu­skrip­te deckt und der amt­li­che, in der Lit­ur­gie ver­wen­de­te Text der grie­chi­schen Kir­che ist) lau­tet Mat­thä­us 26,28: „toûto gár esti tò haîmá mou tò tês kainês diathékes …“, wört­lich: „Denn das ist mein Blut, das des neu­en Bun­des…“.
      Nest­le-Aland (26. Aufl.) rekon­stru­iert den Urtext aber so, wie Sie ihn nach dem Münch­ner NT zitier­ten: „toûto gár esti tò haîmá mou tês diathékes …“. Im kri­ti­schen Appa­rat fin­den wir zu Nest­le-Alands zwei­ten Aus­las­sung des Wor­tes „neu“ (kainós), dass der Mehr­heits­text (= byzan­ti­ni­scher Reichs­text) und eine Rei­he wei­te­rer wich­ti­ger Codi­ces A C D W usw., sowie alte Über­set­zun­gen, wie die syri­schen, sowie auch der Kir­chen­va­ter Ire­nä­us (2. Jh!) den Text mit „des neu­en Testa­men­tes“ auf­weist. Damit stimmt auch die Vul­ga­ta Cle­men­ti­na (und sogar die Neue Vul­ga­ta) über­ein: „Hic est enim san­gu­is meus novi testa­men­ti…“. Die moder­ne katho­li­sche Ein­heits­über­set­zung hin­ge­gen liest: „das ist mein Blut, das Blut des Bun­des…“. —
      Auf sei­ner Heim­sei­te bricht Rudolf Eberts­häu­ser eine Lan­ze für den Tex­tus Recep­tus:
      http://www.das-wort-der-wahrheit.de/textus-receptus

  18. Ich hän­ge jetzt mal hier unten noch ein paar wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen an. Mei­ne Aus­sa­ge oben war ja, dass Katho­li­ken mehr leben­di­gen Kon­takt mit jüdi­schen Mit­bür­gern haben könn­ten. Eine wun­der­ba­re Mög­lich­keit sind die Israel­ta­ge, die in jeder Groß­stadt im Mai ver­an­stal­tet wer­den. Dort gibt es vie­le Info­stän­de, Vor­trä­ge und Info­ma­te­ri­al. Hier ein Link dazu: http://www.i‑like-israel.de/ — Sehr gut ist auch die DIG (Deutsch-Israe­li­sche-Gesell­schaft) mit Haupt­sitz in Ber­lin und Zweig­stel­len in Frank­furt, Mün­chen, Stutt­gart u.a.: http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/ — die DIG hat oft auch einen Info­stand auf den Israel­ta­gen. — Eine sehr schö­ne Web­sei­te, die von Rab­bi­nern auch auf Deutsch publi­ziert wird ist die von „breslev.co.il“: http://www.breslev.co.il/default.aspx?language=germany — Ich hof­fe hier­mit eini­ge sach­dien­li­che Hin­wei­se gege­ben zu haben.

    • Wich­ti­ge INFO !!: Am19. Juni 2016 fin­det der 4. ISRAELKONGRESS in Frank­furt statt: http://israelkongress.de/ — dort hat man alle wich­ti­gen Ver­ei­ne, Grup­pen und Men­schen, die im Juden­tum vor­han­den sind, auf einem Platz zusam­men und kann sich super infor­mie­ren. Eben­so haben die ande­ren Ver­bän­de (z.B. DIG) und auch die christ­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen, die mit dem Juden­tum ver­bun­den sind, dort Stän­de. Die Vor­trä­ge und Gast­red­ner sind auch äußerst inter­es­sant. Ich kann es nur wei­ter emp­feh­len (ich war 2011 dort).

  19. Wir kön­nen heu­te beob­ach­ten, wie Jesus im zeit­ge­nös­si­schen Juden­tum, auch in Isra­el, immer mehr wahr­ge­nom­men wird. Und zwar durch­aus nicht nur von libe­ra­len Juden, wie schon vor Jahr­zehn­ten Scha­lom Ben-Cho­rin, des­sen Bücher in Deutsch­land Ver­brei­tung fan­den. Dafür zwei Bei­spie­le aus dem ver­gan­ge­nen Monat: In der zweit­größ­ten israe­li­schen Inter­net­plat­form Wal­la!, auf das täg­lich mil­lio­nen­fach zuge­grif­fen wird, war das Jesus-The­ma län­ge­re Zeit auf der Start­sei­te, mit vie­len Inter­views mit mes­sia­ni­schen Juden (http://www.breakingchristiannews.com/articles/display_art.html?ID=17214# ). Und kurz vor Weih­nach­ten brach­ten 25 ortho­do­xe Rab­bi­ner aus Isra­el und dem Aus­land eine Erklä­rung her­aus, wonach Juden mit einem neu­en Blick auf Jesus und den neu­te­sta­ment­li­chen Glau­ben schau­en soll­ten (http://www.israeltoday.co.il/NewsItem/tabid/178/nid/28027/Default.aspx ).

    • Wer­ter @ Leo Lämm­lein, auf der isra­li­schen Inter­net­platt­form Wal­la, wur­de das Jesus-The­ma ent­fernt. Dazu berich­tet Israel.heute:

      „Lei­der muss ich jetzt berich­ten, dass die Video­se­rie über Jesus been­det wur­de und alle Andeu­tun­gen über Jesus und mes­sia­ni­sche Juden von der Sei­te ent­fernt wor­den sind.

      Wal­la News erhielt hef­ti­ge Dro­hun­gen aus der ultra-ortho­do­xen Gemein­de, die sich zusam­men­ge­tan hat­te, um die Nach­rich­ten­agen­tur zu ver­kla­gen, da sie Jesus und mes­sia­ni­schen Juden eine Platt­form gege­ben hat­te. Wal­la News erhielt wei­te­re Dro­hun­gen von ultra-ortho­do­xen Reprä­sen­tan­ten, die mit einen goß­an­ge­leg­ten Boy­kott droh­ten. Die Nach­rich­ten­agen­tur beschloss dar­auf­hin die Inter­views am 25. Dezem­ber von der Web­site zu ent­fer­nen.“

      • Das mag sein, aber den­noch zeigt das von Leo L. ange­zeig­te Inter­es­se vie­ler Juden an dem The­ma, dass die­ses Inter­es­se nun mal in hohem Maße vor­han­den ist — auch wenn es ein paar leu­te gibt, die dage­gen steu­ern wol­len.

        Es ging bei Leo L. dar­um zu zei­gen, DASS Jesus die Juden heu­te sehr inter­es­siert!

  20. Wer­te @ Chri­stin
    Der grie­chi­sche Text der Nest­le-Aland-Aus­ga­be in der 6. Auf­la­ge, über­setzt von Ernst Dietz­fel­bin­ger, bie­tet in der Inter­li­near­ver­si­on Mt 26,28 in fol­gen­der Fas­sung: „Denn dies ist mein Blut des Bun­des, für vie­le ver­gos­sen wer­dend zur Ver­ge­bung (der) Sün­den.“ Es ist nicht auf­ge­schlos­sen, dass Chryso­sto­mus zum Zwecke der Abgren­zung vom Juden­tum die Hin­zu­fü­gung „des Neu­en Bun­des“ aus der pau­li­ni­schen Vari­an­te der Ein­set­zungs­wor­te über­nom­men hat. Klaus Ber­ger über­setzt die Stel­le nach der Nest­le-Aland-Aus­ga­be mit „…das ist mein Bun­des­blut..“ Einen Bezug zu einem „Neu­en Bund“ kann auch K.Berger offen­sicht­lich nicht erken­nen.

    • Wer­ter @ Sophus.

      Sehr schwer vor­stell­bar für mich, dass Chryso­sto­mus dies hin­zu­ge­fügt haben könn­te. Sei­ne Aus­le­gung zu dem Text fin­de ich schlüs­sig und wie er den Neu­en Bund begrün­det.

      „Und wäh­rend sie aßen, nahm er das Brot und brach es.“ War­um fei­er­te er die­ses Geheim­nis gera­de jetzt, zur Zeit des Oster­fe­stes? Zum deut­li­chen Beweis, dass er auch der Stif­ter des Alten Bun­des ist und dass des­sen Ein­rich­tun­gen wie ein Schat­ten die­se Ereig­nis­se vor­her­ver­kün­dig­ten. Des­halb setzt er jetzt an Stel­le des Bil­des die Wirk­lich­keit. Der Abend war ein Hin­weis, dass die Fül­le der Zei­ten erschie­nen sei und sei­ne Lauf­bahn sich nun­mehr dem Ende zunei­ge. Durch die Dank­sa­gung gibt er uns zu erken­nen, wie die­ses Geheim­nis zu ver­ste­hen ist, und zeigt, dass er nicht gegen sei­nen Wil­len das Lei­den antritt. End­lich belehrt er uns, saß wir alles, was immer uns trifft, dank­bar hin­neh­men sol­len, und stellt uns auch dadurch seli­ge Hoff­nun­gen in Aus­sicht. Wenn schon das Vor­bild von einer so drücken­den Knecht­schaft befrei­te, wie­viel mehr wird die Wahr­heit die Welt erlö­sen und durch ihre Hin­ga­be unse­rem Geschlech­te Heil brin­gen. Des­halb hat­te Jesus das Geheim­nis auch nicht frü­her ein­ge­setzt, son­dern erst, als die Ver­bind­lich­keit des Geset­zes auf­hö­ren soll­te. Er hebt auch das Haupt­fest der Juden auf, indem er sie an einen ande­ren Tisch voll hei­li­gen Schau­ers setzt: „Neh­met und esset“, sagt er,„das ist mein Leib, der für vie­le geop­fert wird.“ Wie kommt es nun aber, dass die Apo­stel bei die­sen Wor­ten nicht erschra­ken? Weil er ihnen schon oft in der Zeit vor­her gro­ße Din­ge geweis­sagt hat­te. Daher trifft er auch kei­ne beson­de­ren Vor­be­rei­tun­gen mehr, sie hat­ten ja bereits genug davon gehört, wohl aber gibt er als Zweck sei­nes Lei­dens an: die Til­gung der Sün­den. Er nennt sein Blut das Blut des Neu­en Bun­des, d.h. des Ver­spre­chens, der Ver­hei­ßung des neu­en Geset­zes. Sein Blut hat­te er seit alters ver­hei­ßen; es bil­det die Grund­la­ge des Neu­en Bun­des. Das Alte Testa­ment besaß­für sei­ne Opfer Scha­fe und Käl­ber, das Neue hat das Blut des Herrn. Zugleich weist Jesus dar­auf hin, dass sein Tod not­wen­dig ist, des­halb gebraucht er das Wort Testa­ment und erin­nert an den Alten Bund, der ja auch durch Blut geschlos­sen wor­den war. Und noch ein­mal spricht er von dem Zwecke sei­nes Todes: „Das für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den“, und fügt bei: „Dies tut zu mei­nem Andenken„1 Kor 11,26 . Siehst du, wie er die jüdi­schen Gebräu­che abschafft und besei­tigt? Der Sinn ist: Gleich­wie ihr jene Fei­er begin­get zur Erin­ne­rung an die Zei­chen in Ägyp­ten, so fei­ert auch die­ses Geheim­nis zur Erin­ne­rung an mich. Dort wur­de das Blut ver­gos­sen zur Erret­tung der Erst­ge­burt, mein Blut wird ver­gos­sen zur Ver­ge­bung der Sün­den der gan­zen Welt. Denn: „Das ist mein Blut, das ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den.“ Durch die­se Wor­te woll­te der Herr zugleich dar­auf hin­wei­sen, dass sein Lei­den und sein Kreu­zes­tod ein Geheim­nis ist, und woll­te so sei­ne Jün­ger wie­der trö­sten.…“

      https://www.unifr.ch/bkv/kapitel491.htm

      • Nun ist Chryso­sto­mus nicht das Wort Got­tes — das nur vor­ab, son­dern ein Kir­chen­va­ter, der nicht unfehl­bar ist, auch wenn er mit hohem Respekt gele­sen wer­den soll.

        Der Gedan­ke, dass der alte Bund mit sei­nen Riten ein sinn­li­cher Schat­ten des­sen, was erst noch kom­men soll­te im neu­en Bund, war, steckt zwar auch in den Über­le­gun­gen des hl. Pau­lus, ins­be­son­de­re im Hebrä­er­brief.
        Soweit so gut also.

        Aber die eigent­lich Fra­ge ist hier ja, ob durch den Neu­en Bund der Alte Bund, wenn er nun noch „fälsch­li­cher­wei­se“ wei­ter­ze­le­briert wird, „auf­ge­ho­ben“ ist.

        Man pflegt in Pius­krei­sen die­se Fra­ge äußerst vul­gär zu beant­wor­ten: Ja klar, der alte Bund ist auf­ge­ho­ben, es gibt ihn nicht mehr, die Juden hän­gen im Nie­mands­land und sind nicht mehr das Volk Got­tes. Man nimmt die Juden wie hal­be Dämo­nen wahr. Das ist aber ein­deu­tig irrig.

        So ein­fach ist aber die Sach­la­ge nach dem Befund im NT nicht. Fak­tisch ist es ja so, dass der Neue Bund ein­ge­setzt IST, aber ein Teil derer, die zum Alten Bund gehör­ten, nicht „mit­ka­men“ und über­dies „ver­stockt wur­den“, dies aber zu dem Zweck, dass auch die uned­len und wild­ge­wach­se­nen Hei­den in den „edlen Stamm Isra­els ein­ge­pf­opft“ wür­den. Aus­drück­lich sagt der hl. Pau­lus, sie sei­en (i.S. des Alten Bun­des) nicht ver­wor­fen, weil Gott sich selbst nicht untreu wer­den kann.

        Der hl. Pau­lus spricht aber auch von einem „Geheim­nis“, das hier zum Tra­gen kommt.

        Geheim­nis­se sind Geheim­nis­se.

        Es hat etwas Ver­mes­se­nes, wenn wir uns auf­schwin­gen, und die­ses Geheim­nis Got­tes „klä­ren“ wol­len.

        Dass nicht „zwei Bün­de neben­ein­an­der“ exi­stie­ren, scheint klar — hier irrt Johan­nes Paul II eben­so. Gott ist bekannt­lich kein Biga­mist — da muss man den Pius­leu­ten mal recht­ge­ben.

        Es gibt aber auch kei­ne zwei hin­ter­ein­an­der­lie­gen­de Bün­de, die sich gegen­sei­tig aus­schlie­ßen — denn dann wäre Gott eben doch ein Biga­mist, denn sei­ne erste Braut lebt ja noch. Hier an die­ser Stel­le wird die Absur­di­tät der Piu­s­ar­gu­men­ta­ti­on deut­lich!

        Es liegt ein Geheim­nis dar­in — las­sen wir es doch als geheim­nis ste­hen. Ob da nun steht, es sei „Bun­des­blut“ oder „Blut des Neu­en Bun­des“ ist aus die­ser Sicht uner­heb­lich, denn einer­seits ist in Chri­stus alles neu, ande­rer­seits knüpft es prä­zi­se an das Vor­han­de­ne im Glau­ben Isra­els an, von dem Jesus ja nach sei­ner eige­nen Aus­sa­ge bekannt­lich „kein Jota“ zu ändern gedach­te. Es wäre auch gefähr­lich zu sagen: Er gab dem alten Bund einen neu­en Sinn — nein, das tat er nicht!
        Er gab dem alten Bund sei­nen Sinn nun so, dass vie­le ihn end­lich viel mehr als je ver­ste­hen konn­ten. Vie­le, noch nicht alle oder auch nie „alle“. Die aber, die „noch nicht ver­ste­hen in die­ser Tie­fe“, wer­den eines Tages ver­ste­hen. Das ist die Visi­on des hl. Pau­lus.
        Wann?
        Er sagt es uns: Dann, wenn die Zahl der Hei­den, die in den Bund hin­ein sol­len, erfüllt sein wird. Dann holt der Herr auch „ganz Ira­el“ wie­der dazu und wird anschlie­ßend das Tor schlie­ßen.

        Fal­len wir auf die Knie vor dem Opfer Chri­sti, das uns mit­ein­schlie­ßen woll­te und beten wir für die, die um uns­ret­wil­len für eine Zeit abge­stürzt sind, dass sie bald zurück­keh­ren kön­nen ins Reich Got­tes, auf das sie immer noch ein Vor­recht haben. Gott — so scheint es mir — nimmt sie in ein­zig­ar­ti­ger Wei­se mit hin­ein in das Opfer, Er hat­te ihnen viel gege­ben, sie haben es fahr­läs­sig ver­wal­tet und er ver­langt ihnen dar­um viel ab, aber es ist mir nur ein Schat­ten des Erah­nens und vor allem steht es kei­nem zu, von außen nun sich über die­se Dra­ma­tik zu erhe­ben.

        Beu­gen wir die Knie vor der Erha­ben­heit und Hei­lig­keit des Vaters im Him­mel, des­sen Plä­ne weit über uns­re Ver­nunft gehen.

    • Aber fast die gesam­te Chri­sten­heit las hier durch alle Jahr­hun­der­te „mein Blut, das des neu­en Bun­des“. Erst die kri­ti­sche Bibel­wis­sen­schaft rekon­stru­ier­te hier auf­grund weni­ger Text­zeu­gen die kür­ze­re Vari­an­te.

      • Da Got­tes Geheim­nis ja kein mensch­li­ches Zah­len­rät­sel ist, das man mathe­ma­tisch klä­ren könn­te, plä­die­re ich dafür, dass es uner­heb­lich ist, ob es so oder so gesagt wur­de — s. mei­ne Aus­füh­ren dazu oben. Bei­de „Vari­an­ten“ sind prä­zi­se und wider­spre­chen ein­an­der nicht — das ist das Fazit, das man auf­grund der nicht ganz ein­deu­ti­gen in jedem Fall Über­lie­fe­rung zie­hen muss.

  21. Wer­ter @ Leo Laemm­lein
    Für mich ist der „Nestle-Aland“-Text, der durch ein Abkom­men zwi­schen dem Vati­kan und den pro­te­stan­ti­schen Welt­bi­bel­ge­sell­schaf­ten im Jahr 1968 zum allein ver­bind­li­chen Text für alle Bibel­über­set­zun­gen welt­weit erklärt wor­den ist, die maß­geb­li­che Text­grund­la­ge. Wie Sie wis­sen, nimmt er in For­schung, Leh­re und kirch­li­cher Pra­xis die inter­na­tio­nal beherr­schen­de Stel­lung ein. Der von Ihnen genann­te refor­ma­to­ri­sche Tex­tus Recep­tus, auf dem auch die Luther­bi­bel von 1912 beruht, besitzt für mich, gestützt auf das Urteil des Wie­ner Hand­schrif­ten­pro­fes­sors Dr. Karl Jarós, nur ver­glei­chen­de Bedeu­tung.
    Und das hat sei­nen Grund.
    Ein Bei­spiel ist Luthers Behand­lung von 2 Petr 1,10–11. Luthers Über­set­zung lau­tet: „Dar­um, lie­be Brü­der, tut desto mehr Fleiß, eure Beru­fung und Erwäh­lung fest­zu­ma­chen; denn wo ihr sol­ches tut, wer­det ihr nicht strau­cheln. Und also wird euch reich­lich dar­ge­reicht wer­den der Ein­gang zu dem ewi­gen Reich unse­res Herrn und Hei­lan­des Jesu Chri­sti“ (947)
    Jeder auf­merk­sa­me Leser wird sich fra­gen, wodurch oder wor­in er sich beflei­ßi­gen soll, sei­ne „Beru­fung“ und „Erwäh­lung“ fest­zu­ma­chen. Hat sich Petrus wirk­lich so vage aus­ge­drückt?
    Nein, denn es geht um das Tun „guter Wer­ke“ in 2 Petr 1,10–11.
    Ein Blick in eine grie­chi­sche Text­über­lie­fe­rung, die nicht luthe­risch ein­ge­trübt ist, gibt zumin­dest in einer Fuß­no­te den Hin­weis, dass in Edi­tio­nen wie die von Lach­mann auf­grund der Hand­schrif­ten­la­ge „kalón egón“ = „ gute Wer­ke“ zu ergän­zen wäre. Dann bekommt 2 Petr 1,10–11 ein neu­es Gesicht: Durch gute Wer­ke muss die Beru­fung und Erwäh­lung fest­ge­macht wer­den. Dass dies die älte­re Les­art ist, beweist die über­aus zuver­läs­si­ge Pes­hit­ta MSS, der öst­li­che Text des NT, der in Ara­mä­isch über­lie­fert und in juden­christ­li­chen Krei­sen in der Dia­spo­ra Syri­ens, Liba­nons, Meso­po­ta­mi­ens, Per­si­ens und Süd­in­di­ens seit dem ersten Jahr­hun­dert im Gebrauch gewe­sen ist und gemäß alt­jü­di­scher Schrift­tradi­ti­on den Text „ein­fach, wahr und gera­de­her­aus“ über­lie­fert. Nichts ande­res bedeu­tet das Wort „Pes­hit­ta“. Geor­ge M. Lam­sa hat 1940 den Text ins Eng­li­sche über­setzt. (Lam­sa V) Die Stel­le 2 Petr 1.10–11 lau­tet dort: „For this very rea­son, my brethren, be dili­gent; for through your good deeds, you make your cal­ling and your elec­tion sure: and when you do the­se things, you shall never fall. For by so doing, an ent­ran­ce shall be given to you into the ever­la­sting king­dom of our Lord and Saviour Jesus Christ“(476)

    Auch Hie­ro­ny­mus über­setzt die Stel­le in sei­ner Vul­ga­ta Lati­na wie die Pes­hit­ta: „ Qua­prop­ter, fra­tres, magis sagi­te, ut per bona ope­ra cer­tam vestram voca­tio­nem et elec­tio­n­em facia­tis. Haec enim faci­en­tes, non pec­ca­bi­tis ali­quan­do. Sic enim abundan­ter mini­stra­b­itur vobis introitus in aeter­num regnum Domi­ni nostri et Sal­va­to­ris Jesu Christi“(946). Der klu­ge Mensch sichert sei­ne Beru­fung und Erwäh­lung aus Gna­de durch gute Wer­ke ab; für den, der dies tut, öff­net sich das Him­mels­tor sperr­an­gel­weit.
    In die­ser Tra­di­ti­on über­setzt Prof. Dr. Joseph Kürz­in­ger, Eich­stätt, rich­tig: „Daher, Brü­der, seid umso mehr bestrebt, eure Beru­fung und Aus­er­wäh­lung durch gute Wer­ke auf festen Grund zu stel­len. Denn wenn ihr die­ses tut, wer­det ihr nie zu Fall kom­men. So wird euch in rei­cher Fül­le der Zutritt in das ewi­ge Reich unse­re Herrn und Hei­lan­des Jesus Chri­stus gewährt wer­den“ (Kürz­in­ger, 318).
    Den Gedan­ken, dass gute Wer­ke dem gan­den­haft Erwähl­ten die Him­mels­tür weit auf­sto­ßen und offen hal­ten, kann Luther nicht gebrau­chen. Denn auch das Gegen­teil ist denk­bar. Böse Wer­ke kön­nen sie ver­schlie­ßen und ver­schlos­sen hal­ten. Luther will den Ein­fluss von Wer­ken auf Got­tes Gerichts­ur­teil nicht akzep­tie­ren – sei­en es gute oder böse. Unter ande­rem mit Hil­fe der Ver­kür­zung von 2 Petr 1, 10–11 beschafft er sich eine wei­te­re text­li­che Vor­aus­set­zung für sei­ne Recht­fer­ti­gungs­leh­re, in der er die Heils­wir­kung alle Wer­ke ver­wirft, auch die heils­not­wen­di­gen Wer­ke der Barm­her­zig­keit, die zu tun Jesus als Aus­druck der Näch­sten­lie­be auf­er­legt hat. Daher kann er getrost sei­ne täg­li­chen Abend­gä­ste auf­for­dern, zu Hau­se die Magd zu neh­men, wenn die Frau nicht wol­le.
    Sie wer­den ver­ste­hen, wer­ter @ Leo Laemm­lein, dass ich dem byzan­ti­nisch-pro­te­stan­ti­schen Tex­tus Recep­tus nicht traue und ihn daher oben zur Erklä­rung über­haupt nicht ins Auge gefasst habe. Aber vie­len Dank für Ihre wert­vol­len Aus­füh­run­gen und Hin­wei­se.

  22. Wer­ter @ Leo Laemm­lein
    Sie geben mit Recht zu beden­ken: „Aber fast die gesam­te Chri­sten­heit las hier durch alle Jahr­hun­der­te „mein Blut, das des neu­en Bun­des“. Erst die kri­ti­sche Bibel­wis­sen­schaft rekon­stru­ier­te hier auf­grund weni­ger Text­zeu­gen die kür­ze­re Vari­an­te“.
    Sie haben sicher gele­sen, dass ich zur @ Chri­stin gesagt habe:Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass Chryso­sto­mus zum Zwecke der Abgren­zung vom Juden­tum die Hin­zu­fü­gung „des Neu­en Bun­des“ aus der pau­li­ni­schen Vari­an­te der Ein­set­zungs­wor­te über­nom­men hat“. Die­se luka­nisch-pau­li­ni­sche Vari­an­te konn­te im Herr­schafts­ge­biet Ost­roms men­gen­mä­ßig in der Hand­schrif­ten­über­lie­fe­rung im Rück­blick so domi­nant wer­den, weil dort die christ­li­che Tra­di­ti­on bis 1492 währ­te und erst dann mit der Herr­schaft des Islam der Ago­nie ver­fiel — wobei die Bestän­de der Biblio­thek von Kon­stan­ti­no­pel nach Rom und damit in die latei­ni­sche Kir­che geret­tet wer­den konn­ten. Das war im alex­an­dri­ni­schen Bereich, wel­cher dem Mis­si­ons­ge­biet von Mar­kus ent­sprach, von dem Mat­thä­us abhängt, nicht der Fall. Dass hier nur weni­ge Hand­schrif­ten mit den Ein­set­zungs­wor­ten über­lie­fert sind, ist das Ergeb­nis der unter­schied­li­chen histo­ri­schen Ent­wick­lung gegen­über Byzanz, denn hier wur­de mit der Zer­stö­rung des Sera­pei­ons (klei­ne Bibliothek)im Jahr 389 dem letz­ten Sitz anti­ker Theo­lo­gie und Gelehr­sam­keit ein Ende gesetzt. 641 erober­te der Islam die Stadt und der Koran fass­te Fuß, was die Ver­nich­tung der Hand­schrif­ten von „Ungläu­bi­gen“ bedeu­ten muss­te. Daher der zah­len­mä­ßig gra­vie­ren­de Unter­schied im vor­han­de­nen Hand­schrif­ten­be­stand. Doch die weni­gen Hand­schrif­ten auf die sich NA stützt, ste­hen in der Tra­di­ti­on des Evan­ge­li­sten Mar­kus, des­sen Evan­ge­li­um nach Papi­as von Hier­a­po­lis auf der Petruspre­digt 42/43 in Rom beruht und damit älter ist als die luka­nisch-pau­li­ni­sche Linie.

  23. Ich dan­ke für die wirk­lich hoch­in­ter­es­san­te Dis­kus­si­on über Pro­ble­me der Bibel-Exege­se. Wenn ich da an das Niveau in den kath.net Foren den­ke!

    Ich möch­te hier noch einen Gedan­ken in die Dis­kus­si­on ein­wer­fen. Bund meint ja im christ­li­chen Glau­ben nicht etwas Exklu­si­ves. Im Gegen­teil, die­ser mit dem Blut Chri­sti besie­gel­te Bund umfasst alle Men­schen, sofern sie ihr Herz Gott öff­nen. Der von Gott geschlos­se­ne Bund ist mit­hin kei­ne Zwangs­ge­mein­schaft, son­dern eine ein­sei­ti­ge(!) Zusa­ge Got­tes. Dar­um bleibt der Bund auch bestehen, obwohl sich die Men­schen immer wie­der von Gott abwen­den. Gott bleibt treu, unab­hän­gig davon, wie die Men­schen sich kon­kret zu die­sem Bund ver­hal­ten. Bund bedeu­tet daher die Offen­heit Got­tes für den Men­schen. Damit ver­bin­det sich aber kein Auto­ma­tis­mus des Heils, wie es heu­te ger­ne in pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­sen gese­hen (inter­pre­tiert) wird. Das Heil ist nicht etwas, was dem Men­schen ein­fach so zuteil wird, son­dern es folgt aus dem Sinn­haf­ten unse­rer Exi­stenz, was das Tun des Men­schen not­wen­dig ein­schließt. Gott zum Wohl­ge­fal­len zu Han­deln ist nicht Bei­werk, son­dern die Sub­stanz unse­res Seins. Die Frei­heit des Men­schen schließt immer ein, dass der Mensch auch gegen sei­ne Bestim­mung han­deln kann. Wo er dies tut, ver­schließt er sich der gött­li­chen Gna­de. Wie der hoch­ver­ehr­te @ Sophus sehr anschau­lich erläu­tert, han­delt es sich um eine Ver­kür­zung des christ­li­chen Glau­bens, wenn man das Tun guter Wer­ke als nicht heils­not­wen­dig bei­sei­te schiebt. Sinn­haf­tig­keit schließt Han­deln ein. Wo kei­ne Hand­lung, da stellt sich auch kein Sinn­haf­tes ein. Die Dis­kus­si­on um „Alten Bund“ und „Neu­en Bund“ erscheint mir hier an man­chen Stel­len eher ins Spie­le­ri­sche abzu­glei­ten. Dass der Bund mit dem Vol­ke Isra­el auf­ge­ho­ben sei, wider­spricht schon Mt 15,26. Viel­mehr muss man davon spre­chen, dass er sich wei­tet, wie es dann in Mt 15,28 zum Aus­druck kommt. Es ist der Glau­be, der das Heil eröff­net, nicht die Zuge­hö­rig­keit zu einem Vol­ke. Ohne Glau­ben kann man nicht in das Him­mel­reich gelan­gen. Der Bund Got­tes ist eine Zusa­ge und kein Kon­trakt. Die­se Zusa­ge gilt allen, die das Wort hören und nach ihm han­deln wol­len, die offen sind für Gott oder anders gesagt, die sich dem Heil nicht ver­schlie­ßen. Nicht das indi­vi­du­el­le Schei­tern des Men­schen, also sein immer wie­der Zurück­fal­len ins Sünd­haf­te, des Unge­nü­gens, schließt vom Heil aus, son­dern die bewuss­te Abkehr von Gott führt ins Ver­der­ben. Dies kommt in den Wor­ten Jesu bei Mt 15,26–28 in ein­dring­li­cher Dich­te zum Aus­druck.

  24. Fort­set­zung:
    Pau­lus hat­te sich mit einem ein­zi­gen Satz aus dem Juden­tum und des­sen, durch Ver­bo­te und Gebo­te abge­si­cher­ten, kom­ple­xen mosai­schen Lebens­stil, durch den sich Isra­el gegen die Ver­su­chun­gen des Hei­den­tums schüt­zen muss­te, eman­zi­piert. Aus Ver­är­ge­rung über die von ihm „bekehr­ten“ Gala­ter, die von Jeru­sa­le­mer Juden­chri­sten zu glau­ben began­nen, Hei­den müss­ten sich beschnei­den las­sen und damit unter das mosai­sche Gesetz stel­len, bevor sie Jesus Chri­stus anneh­men könnten,hat den fol­gen­schwe­ren Satz gespro­chen: „Wir wis­sen aber, dass nicht gerecht­ge­spro­chen wird ein Mensch aus Wer­ken des Geset­zes, son­dern aus Glau­ben an Jesus Chri­stus, und wir glau­ben an Chri­stus Jesus, damit wir gerecht­ge­spro­chen wer­den aus Glau­ben an Chri­stus und nicht aus Wer­ken des Geset­zes, weil aus Wer­ken des Geset­zes gerecht­ge­spro­chen wer­den wird kein Fleisch“ (Gal 2,16). Damit hat­te Pau­lus den mosai­schen Weg zu Gott über die Heils­wer­tig­keit der „Wer­ke des Geset­zes“, also über alle jüdi­schen Gebo­te und Ver­bo­te, die durch die Beschnei­dung ver­pflich­tend erfasst wer­den, als nutz­los gebrand­markt und damit das zukünf­ti­ge Ver­hält­nis zwi­schen Juden und Chri­sten zusätz­lich zur Mes­sias­fra­ge schwer bela­stet. Weil die Juden einen an den Pfahl Gehenk­ten nach Moses als Ver­fluch­ten ansa­hen und wei­ter­hin ihren Mes­si­as erwar­te­ten, der sie zur Herr­schaft über Jeru­sa­lem zurück­führt, kam es nicht zu Mas­sen­be­keh­run­gen inner­halb des Juden­tums zu einem Chri­sten­tum „ohne Wer­ke des Geset­zes“, wie es Pau­lus erhofft und ab dem Gala­ter­brief in sei­ner Recht­fer­ti­gungs­leh­re pro­pa­giert hat­te.

    Das ist der Hin­ter­grund dafür, dass im luka­nisch-pau­li­ni­schen Tex­tus Recep­tus, der sei­ne Wur­zeln in Klein­asi­en hat, dem Mis­si­ons­ge­biet von Pau­lus, in den Kelch­wor­ten von einem „neu­en Bund“ gespro­chen wird, dage­gen in der alex­an­dri­nisch-palä­sti­nen­si­schen Über­lie­fe­rungs­li­nie nicht.
    Dass Luther erste­re der letz­te­ren vor­ge­zo­gen hat, liegt auf der Hand! Die sich aus­brei­ten­de Refor­ma­ti­on ließ Luther tat­säch­lich noch bis etwa 1525 hof­fen, dass sich vie­le Juden aus dem Zwang der „Wer­ke des Geset­zes“ lösen und zu sei­nem Chri­sten­tum „ohne Wer­ke“ bekeh­ren wür­den. Das Gros der Juden sah aller­dings in Luthers Refor­ma­ti­on ein hoff­nungs­vol­les Zei­chen für das Her­an­na­hen ihrer mes­sia­ni­schen End­zeit. Die rela­tiv weni­gen Kon­ver­tier­ten streb­ten mit der Bekeh­rung zum luthe­ri­schen Chri­sten­tum eher nach mehr poli­ti­schen Rech­ten und Frei­hei­ten in den pro­te­stan­tisch gewor­de­nen lan­des­herr­li­chen Ter­ri­to­ri­en und Reichs­städ­ten. Nicht weni­ge von ihnen hiel­ten an den gewohn­ten „Wer­ken des Geset­zes“ fest. Nach­dem sich Luthers Hoff­nun­gen auf mas­sen­haf­te Bekeh­run­gen von Juden zer­schla­gen hat­ten, geriet er gegen sie in Wut. Nun waren es neben den ver­hass­ten Papi­sten, die ihrer­seits an der Not­wen­dig­keit des frei­wil­li­gen Tuns guter Wer­ke fest­hiel­ten, auch die Juden, die von Befol­gung ihrer iden­ti­täts­stif­ten­den und heils­wirk­sa­men „Wer­ke des Geset­zes“ in Treue zu Mose nicht las­sen woll­ten.
    Nach Luther bil­de­ten die Juden zusam­men mit Papi­sten, Tata­ren und Zigeu­nern die „Grund­sup­pe aller losen, bösen Buben, aus aller Welt zusam­men­ge­flos­sen“, die sich zusam­men­ge­rot­tet hät­ten, um die christ­li­chen Län­der aus­zu­kund­schaf­ten und zu ver­ra­ten, Was­ser zu ver­gif­ten, Kin­der zu steh­len und hin­ter­häl­tig und wo immer mög­lich, Scha­den anzu­rich­ten. Sei­ne Hetz­schrif­ten ab 1543 gegen die Juden, die den gewöhn­li­chen Anti­ju­da­is­mus der Zeit um Län­gen über­tref­fen, sind bekannt und wer­den sein Ange­den­ken auch 2017 bela­sten.

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