Noch einmal Martin Luther – Die neue Theologie und ihre Folgen

Buchbesprechung

Martin Luther und die Gründzüge seiner Theologie
Martin Luther und die Gründzüge seiner Theologie

von Wolf­ram Schrems*

Im Anschluß an mei­ne Rezen­si­on über Paul Hacker, Das Ich im Glau­ben bei Mar­tin Luther – Der Ursprung der anthro­po­zen­tri­schen Reli­gi­on, vom 18. Novem­ber auf die­ser Sei­te, die gro­ße Dis­kus­sio­nen aus­lö­ste und mir aus mei­nem Umfeld und Freun­des­kreis, auch aus dem pro­te­stan­ti­schen, äußerst auf­schluß­rei­che und durch­aus ermu­ti­gen­de Rück­mel­dun­gen ein­brach­te, und zum Zweck wei­te­rer kri­ti­scher Erör­te­run­gen im Hin­blick auf das her­an­na­hen­de „Luther-Jahr“ 2017 sei hier noch ein wei­te­res Stan­dard­werk zur Theo­lo­gie Mar­tin Luthers prä­sen­tiert: Theo­bald Beer, Der fröh­li­che Wech­sel und Streit — Grund­zü­ge der Theo­lo­gie Mar­tin Luthers.

Ein Klassiker

Es han­delt sich um einen Klas­si­ker katho­li­scher Luther-Ana­ly­se. Prä­lat Beer (1902 – 2000) stamm­te aus der Nähe von Lands­hut in Nie­der­bay­ern und ging in den 30er Jah­ren in das Bis­tum Dres­den-Mei­ßen. Somit war ihm auch eine pro­te­stan­tisch gepräg­te Kul­tur ver­traut, nicht nur die Lite­ra­tur. Er wur­de zum Fach­mann, der auch luthe­ri­sche Kir­chen­män­ner über Luther beleh­ren und kor­ri­gie­ren konn­te.

Als für einen spe­zia­li­sier­ten Adres­sa­ten­kreis kon­zi­pier­tes theo­lo­gi­sches Fach­buch setzt es ein über­durch­schnitt­li­ches Maß an Vor­bil­dung und Pro­blem­be­wußt­sein vor­aus. Der dama­li­ge Pro­fes­sor Joseph Ratz­in­ger, der Beer an die Uni­ver­si­tät Regens­burg zu ein­schlä­gi­gen Semi­na­ren hol­te, lob­te es mit enthu­sia­sti­schen Wor­ten.

Aussageabsicht des Werkes

Die Grund­aus­sa­ge des umfang­rei­chen Wer­kes ist, daß Luther sich von der klas­si­schen katho­li­schen Gna­den­leh­re, beson­ders von sei­nem Ordens­va­ter Augu­sti­nus und dem all­ge­mei­nen Leh­rer Tho­mas von Aquin, ablö­ste und zu die­sem Zweck auch eine neue Ter­mi­no­lo­gie ein­führ­te bzw. die alte mit neu­en Bedeu­tun­gen füll­te:

Theobald Beer: Grundzüge der Theologie Martin Luthers
Theo­bald Beer: Grund­zü­ge der Theo­lo­gie Mar­tin Luthers

„Der Ein­fluß des Neu­pla­to­nis­mus, der pseud­oher­me­ti­schen Lite­ra­tur und der Gno­sis (…) läßt sei­ne Pole­mik gegen die grie­chi­sche Phi­lo­so­phie und gegen die Scho­la­stik in einem ganz ande­ren Licht erschei­nen“ (J. Ratz­in­ger).

Die­se Vor­gangs­wei­se gibt der luthe­ri­schen Theo­lo­gie ihre schil­lern­de und eso­te­ri­sche Qua­li­tät. Oft ist sie nicht auf den Punkt zu brin­gen, da es immer auch wider­strei­ten­de Aus­sa­gen gibt:

„Luther­for­scher kla­gen: Die Spra­che Luthers kann den rei­nen Logi­ker, für den die Ein­deu­tig­keit der ver­wen­de­ten Begrif­fe und Denk­mit­tel ober­stes Gesetz ist, zur Ver­zweif­lung brin­gen. Aber nicht nur die Spra­che, son­dern die Sache selbst ist es, die den Wider­spruch in sich trägt“ (173).

Prä­lat Beer muß daher, um Luther eini­ger­ma­ßen gerecht zu wer­den, des­sen Leh­re zu Gna­de, Glau­be und Recht­fer­ti­gung, zu Chri­sto­lo­gie und Anthro­po­lo­gie, auf gut fünf­hun­dert Sei­ten detail­reich rekon­stru­ie­ren. (Davon ist aller­dings ein erheb­li­cher Teil Appa­rat mit vie­len Luther-Zita­ten auf Latein, die nur für den Fach­mann von Inter­es­se sind, somit für das Gesamt­ver­ständ­nis nicht gele­sen wer­den müs­sen.)

Widersprüche im lutherischen Denken

Es ist doch bezeich­nend, daß jemand, der den Schlacht­ruf „Sola-Scrip­tu­ra“ aus­ge­ge­ben hat, Schrif­ten im Umfang von 127 Quart­bän­den (etwa 80.000 Sei­ten) hin­ter­läßt (Wei­ma­rer Aus­ga­be). Offen­bar reicht „die Schrift allei­ne“ doch nicht.

Das ist nicht der ein­zi­ge Selbst­wi­der­spruch bei Mar­tin Luther:

Beer stellt an man­chen Stel­len her­aus, wo und wie Luther von der katho­li­schen Leh­re und von der Bibel abweicht.

„Um Luthers Anlie­gen zu ver­ste­hen, kann man nicht von der Schrift aus­ge­hen (…)“ (331).

Es ist bizarr zu sehen, wie jemand, der vor­geb­lich ein Ver­tei­di­ger der Bibel und des Sola-Scrip­tu­ra-Prin­zips ist, den Apo­stel Pau­lus für des­sen Leh­re kri­ti­siert (!):

„Nicht nur den Papi­sten macht Luther den Vor­wurf, daß sie zwei Din­ge mit­ein­an­der ver­mi­schen, er ist auch der Mei­nung, Pau­lus ver­let­ze in Gal 3,5.6 die Regeln der dia­lek­ti­schen Schluß­fol­ge­rung, d.h. er hal­te Wür­dig­keit und Fol­ge (im Sin­ne Luthers) nicht aus­ein­an­der … Auch in der klas­si­schen Stel­le für die Ter­mi­ni gra­tia und donum, Röm 5,15, sieht Pau­lus zum Befrem­den Luthers Gna­de und Gabe in dem einen Vor­gang der Recht­fer­ti­gung zusam­men“ (167).

Neue Lehren

Inhalt­lich geht es dabei um den „fröh­li­chen Wech­sel und Streit“, also das, was die katho­li­sche Theo­lo­gie als admi­ra­bi­le com­mer­ci­um, den „wun­der­ba­ren Tausch“ bezeich­net: Chri­stus nimmt die Schuld der Men­schen auf sich und läßt sie im Gegen­zug an der gött­li­chen Natur Anteil erhal­ten (vgl. 2 Petr 1, 4). Dabei for­mu­liert Luther aber neu­ar­ti­ge und sehr kom­pli­zier­te Leh­ren bzw. Gedan­ken­kon­struk­te, die sich so aus dem Bibel­text nicht erge­ben und die Kon­ti­nui­tät bis­he­ri­ger Bibel­aus­le­gung abbre­chen.

Die Aus­wir­kun­gen sind enorm.

Martin Luther von Lucas Cranach d. Älteren
Mar­tin Luther von Lucas Cra­nach d. Älte­ren

Um sei­ne Sicht der Din­ge durch­zu­set­zen, muß Luther sogar die mensch­li­che Natur vor dem Sün­den­fall als „Kot“ bezeich­nen (!) – was der Weis­heit des Schöp­fers Hohn spricht und direkt gegen den Schöp­fungs­be­richt for­mu­liert ist („Es war sehr gut.“ Gen 1, 31). Luther muß hier eine gei­sti­ge Ver­wandt­schaft zum Ket­zer Mar­ki­on (2. Jhdt.) und zum Manichäis­mus (3. Jhdt.) kon­sta­tiert wer­den, gemäß denen die Schöp­fung schlecht bzw. sogar böse sei.

Auch die wah­re mensch­li­che Natur Jesu Chri­sti wird zur „Lar­ve“ her­ab­ge­setzt, was die wirk­li­che Mensch­wer­dung des Wor­tes (nach Joh 1, 14) abschwächt und zu unzi­tier­ba­ren Ent­glei­sun­gen führt (389). Dem wider­spricht wie­der­um Luthers Fest­hal­ten an „alle[n] Elemente[n] der katho­li­schen Mari­en­ver­eh­rung“ (381), ins­be­son­de­re den Dog­men der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis und der Him­mel­fahrt (!):

„Daß Luther aus die­sen Ele­men­ten der Mari­en­ver­eh­rung nicht die Kon­se­quen­zen zieht, hat sei­nen Grund im Begriff der Gna­de, wel­che Chri­stus ist, und in sei­ner Leh­re von der dop­pel­ten Recht­fer­ti­gung. Die Gna­de, wel­che Chri­stus ist, oder die for­ma dei, bezieht das Geheim­nis der Inexi­stenz [soviel wie „Dar­in-Bestehen“ o. ä., Anm.] des Logos in der Mensch­heit Chri­sti nicht in die Erwä­gung mit ein und läßt die katho­li­sche tra­di­tio­nel­le Chri­sto­lo­gie und Mario­lo­gie, die Luther bewahrt hat neben sei­ner Recht­fer­ti­gung­s­chri­sto­lo­gie, als getrenn­tes Feld lie­gen“ (382).

Bei Luther fällt prak­tisch alles aus­ein­an­der, was zusam­men gehört.

Die Schluß­fol­ge­rung Beers ist, daß die alles zer­set­zen­de Bibel­kri­tik Rudolf Bult­manns nicht ein Abfall von der Chri­sto­lo­gie Luthers ist son­dern deren letz­te Kon­se­quenz:

„Weil es in der Phi­lo­so­phie kei­nen Begriff für ein Sup­po­si­tum gibt, des­halb meint Luther, die Aus­sa­gen der Hei­li­gen Schrift, die die per­so­na­le Ein­heit der bei­den Natu­ren in Chri­stus aus­sa­gen, auf­spal­ten zu müs­sen. Er tut es mit Sprach- und Denk­mit­teln, die aus phi­lo­so­phi­schen und welt­an­schau­li­chen Kon­zep­tio­nen kom­men, die die Väter und die Kon­zi­li­en gera­de über­win­den und umfor­men muß­ten, damit sie Instru­men­te für die Aus­sa­ge eines Sup­po­si­tums wer­den konn­ten. Wäh­rend die Väter um einen pas­sen­den Aus­druck für das Geheim­nis der Ein­heit in Chri­stus rin­gen, ist Luther gezwun­gen, in das­sel­be Geheim­nis eine Kon­trä­ri­tät ein­zu­brin­gen. … Die Schlüs­sel, die Luther zur Eröff­nung der Hei­li­gen Schrift benützt, sind geformt nach der neu­pla­to­nisch-neu­py­tha­go­rei­schen Phi­lo­so­phie, nach dem gno­stisch beein­fluß­ten Bild vom gekö­der­ten Levia­than und nach dem an Myste­ri­en­kul­te erin­nern­den Wech­sel. Damit kann jedoch die Hei­li­ge Schrift nicht erschlos­sen wer­den, es wer­den viel­mehr Wider­sprü­che in sie hin­ein­ge­tra­gen und die Türe zu ihrem Ver­ständ­nis ver­schlos­sen. Bult­mann spricht, mit Beru­fung auf Luther, von dem gro­ßen Rät­sel oder Wider­spruch im Neu­en Testa­ment, wie aus dem Ver­kün­di­ger der Ver­kün­dig­te wur­de“ (405f).

Nur „theologische Spitzfindigkeiten“?

Vie­le Leser mögen sich unter Umstän­den fra­gen, ob das nicht alles aka­de­mi­sche Spitz­fin­dig­kei­ten sind, die mit dem „rea­len Leben“ nichts zu tun hät­ten.

Dem ist eben nicht so.

Luthers Theo­lo­gie, die aus per­sön­li­chen Grün­den von sei­ner Recht­fer­ti­gungs- und Gna­den­leh­re ihren Aus­gang nahm (vgl. dazu Paul Hackers erwähn­tes Buch), brach­te direkt und indi­rekt gro­ßen Ein­fluß auf Poli­tik und Kul­tur her­vor. Den­ken wir nur an die Schwä­chung der Abwehr gegen die tür­ki­sche Aggres­si­on über den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg bis zum preu­ßi­schen Mili­ta­ris­mus (der ohne die luthe­ri­sche Staats­hö­rig­keit nicht denk­bar gewe­sen wäre).

„Reformation“, Revolution und das Fischen im Trüben

Die­je­ni­gen revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gun­gen, die man nach­träg­lich unter dem irre­füh­ren­den Schlag­wort „Refor­ma­ti­on“ zusam­men­faß­te, wur­den von Men­schen geprägt, die ihre eige­nen Lieb­lings- oder auch Wahn­ideen den Mit­men­schen auf­nö­ti­gen woll­ten (Eric Voe­ge­lin, Luther und Cal­vin – Die gro­ße Ver­wir­rung) und zu die­sem Zweck alte tra­di­tio­nel­le Bin­dun­gen zer­schnei­den muß­ten. Obgleich die kirch­li­che Situa­ti­on zur Zeit der Wen­de vom 15. zum 16. Jahr­hun­dert unbe­strit­ten reform­be­dürf­tig war, näm­lich im eigent­li­chen Sinn des refor­ma­re, des „in die rech­te Form Zurück­brin­gens“, hat Luther das Reform­an­lie­gen ver­fehlt.

Daß man heut­zu­ta­ge Wahr­heits­fra­ge, Glau­be und Moral aus der Öffent­lich­keit ver­bannt, dafür alle mög­li­chen Per­ver­sio­nen im öffent­li­chen Raum zele­brie­ren läßt, ist ein Armuts­zeug­nis unse­rer Zeit.

Und auch indi­rek­te Fol­ge der Refor­ma­ti­on, da sich deren Prot­ago­ni­sten nur auf ihr eige­nes Gewis­sen berie­fen (wie ehr­lich auch immer) und das Glau­bens­gut des geof­fen­bar­ten Glau­bens und der wah­ren Moral über den Hau­fen war­fen.

Man darf nicht ver­ges­sen, daß ja aus der Revo­lu­tio­nie­rung des Glau­bens auch eine Revo­lu­tio­nie­rung der Moral folgt, somit in erster Linie auch eine Selbst­er­mäch­ti­gung für eigen­mäch­ti­ges, eigen­nüt­zi­ges bzw. selbst­süch­ti­ges Han­deln. Vie­le Glau­bens­neue­rer (nicht: Glau­bens­er­neue­rer) und Gurus ent­deck­ten, daß ihr neu­es Glau­bens­sy­stem eine (ver­meint­li­che) Erlaub­nis zu bis dahin ver­bo­te­nem Han­deln bie­ten. Unter neu­en Umstän­den ließ sich also treff­lich im Trü­ben fischen. Wenn also Pater Mar­tin sagen durf­te „Hier ste­he ich, ich kann nicht anders“, fühl­ten auch ande­re die­se Erlaub­nis.

Aber nur ein gemein­sa­mer Glau­be, der die mit der Herr­schaft Beauf­trag­ten mit den Beherrsch­ten ver­bin­det und bei­de mit der­sel­ben Ver­pflich­tung zu Wahr­heit und Wohl­wol­len, kann in Kir­che und Staat Will­kür­herr­schaft und Skla­ve­rei ver­hin­dern!

Beer spricht an einer Stel­le die psy­chi­sche Ver­faßt­heit Luthers an, ohne sie näher aus­zu­füh­ren. Aber der ver­sier­te Leser ver­steht, daß die gewalt­tä­ti­ge Umin­ter­pre­ta­ti­on des gesam­ten über­lie­fer­ten Glau­bens, ein­schließ­lich des Wort­lau­tes der hl. Schrift, etwas Patho­lo­gi­sches an sich hat. Anders ist die Ver­bis­sen­heit der Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung nicht zu erklä­ren.

Aus heu­ti­ger Sicht hät­te man einen Men­schen, der mit sich nicht im Rei­nen ist und zur Skru­pu­lo­si­tät neigt, nicht in das klö­ster­li­che Leben ein­tre­ten las­sen dür­fen. Das Klo­ster erwies sich für sein See­len­le­ben als nicht hilf­reich.

Obwohl Beer nicht näher auf die (cha­rak­te­ri­stisch bru­ta­le) Dik­ti­on Luthers ein­geht, fällt doch auf­grund der Zita­te auf, daß Luther die scho­la­sti­schen Theo­lo­gen vor ihm und sei­ner Zeit pau­schal als „Sophi­sten“ ver­un­glimpft. Das ist – ver­gli­chen mit son­sti­gen Aus­fäl­len Luthers – zwar rela­tiv harm­los, aber der Sache nach unfair und despek­tier­lich und fällt auf Luther selbst zurück.

Resümee

Die­ses Buch gehört zur Pflicht­lek­tü­re für alle, die im offi­zi­el­len katho­lisch-luthe­ri­schen „Dialog“-Betrieb enga­giert sind. Dort ist ja bekannt­lich die Gefahr inhalts­lee­rer Phra­seo­lo­gie und des kon­se­quen­ten und wil­lent­li­chen Anein­an­der­vor­bei­re­dens am größ­ten. Das Kon­zept scheint dort zu sein: Wenn man sei­nen Job nicht ver­lie­ren will, muß man den Dia­log pro­lon­gie­ren und darf unter kei­nen Umstän­den zu einem kon­kre­ten Ergeb­nis kom­men, etwa zu einer Ver­ei­ni­gung der getrenn­ten Chri­sten.
Aber ein Dia­log, der die­sen Namen ver­dient (gemäß den Pla­to­ni­schen Dia­lo­gen oder dem berühm­ten Dia­lo­gue Con­cer­ning Here­sies des hl. Tho­mas Morus von 1528, der die Posi­tio­nen Luthers und Wil­liam Tyn­da­les wider­legt), benö­tigt eine inhalt­li­che Erdung.

Nicht zuletzt soll­ten sich die katho­li­schen Hier­ar­chen, beson­ders die Bischö­fe und Kar­di­nä­le deut­scher Spra­che, die­ses Buch vor­neh­men. Es wäre eine gute Nach­hil­fe für theo­lo­gisch ver­wirr­te Hir­ten.

Nach­dem das Buch Luther ernst nimmt und des­sen Leh­re gründ­lichst durch­leuch­tet, dabei auf klas­si­sche Pole­mik oder psy­cho­lo­gi­sche Inter­pre­ta­tio­nen ver­zich­tet, eig­net es sich beson­ders für pro­te­stan­ti­sche Gelehr­te, die sich über ihre Glau­bens­vor­aus­set­zun­gen inten­si­ver Rechen­schaft geben wol­len. Betriebs­blind­heit gibt es ja nicht nur in Indu­strie­be­trie­ben oder Ver­ei­nen.

Prä­lat Beer war selbst kein Kon­ver­tit, daher fehl­te ihm auch der für Kon­ver­ti­ten oft cha­rak­te­ri­sti­sche Eifer oder Über­ei­fer. Ange­sichts sehr aus­führ­li­cher fach­lich-neu­tra­ler Dar­stel­lun­gen luthe­ri­scher Gedan­ken­ir­run­gen fragt man sich aber manch­mal, ob nicht manch­mal mehr Wür­ze ange­bracht gewe­sen wäre.

Dem Johan­nes-Ver­lag Ein­sie­deln, der beson­ders für sei­ne schö­ne Rei­he „Christ­li­che Mei­ster“ bekannt ist, gebührt das Ver­dienst, Theo­bald Beers Mei­ster­werk zu einem gün­sti­gen Preis für For­schung, Apo­lo­ge­tik und Kon­tro­vers­theo­lo­gie in einem Band bereit­ge­stellt zu haben. In Zei­ten eines gewal­ti­gen Kon­for­mi­täts­drucks und einer von oben ver­ord­ne­ten offi­ziö­sen Geschichts­schrei­bung und ‑deu­tung ist der­ar­ti­ge Lite­ra­tur von kaum zu über­schät­zen­dem Wert.

Theo­bald Beer, Der fröh­li­che Wech­sel und Streit – Grund­zü­ge der Theo­lo­gie Mar­tin Luthers, Johan­nes-Ver­lag, Ein­sie­deln, 2. ver­mehr­te Auf­la­ge 1980, 563 Sei­ten, 12,- [D]; Hori­zon­te Neue Fol­ge 19 (Erst­aus­ga­be Ben­no-Ver­lag, Leip­zig 1974)

*MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, Kate­chist, rei­che Erfah­rung im inter­kon­fes­sio­nel­len Gespräch

Bild: Una Fides

57 Kommentare

  1. MMag. Schrems ist sehr zu dan­ken für die­se treff­li­che Zusam­men­schau des Stan­dard­wer­kes von Theo­bald Beer. Die gedank­li­chen Bizar­re­ri­en Luthers ent­stam­men in letz­ter Kon­se­quenz in der Tat einer patho­lo­gi­schen Natur. Albert Mock setzt mit sei­ner Unter­su­chung „Abschied von Luther“ genau da an und ergänzt somit das, was Beer, auf­grund sei­ner feh­len­den psy­cho­lo­gi­schen Fach­kennt­nis­se, seriö­ser Wei­se nur andeu­ten konn­te.

  2. „hier ste­he ich und kann nicht anders ..“ natür­lich konn­te er nicht anders.
    wenn er nicht gewillt war, ein geist­li­ches leben zu füh­ren, d.h. die größ­te trieb­kraft des men­schen, die sexu­al­kraft durch ein keu­sches leben zu bän­di­gen, zu sub­li­mie­ren für das gei­sti­ge wachs­tum, — mit einem wort, wenn er neben dem geist­li­chen leben ein welt­li­ches leben füh­ren woll­te, also ein dop­pel­le­ben, dann kann er eben nicht anders.

    der gan­ze sinn der ehe­lo­sig­keit zielt nicht auf kastei­ung um ihrer selbst wil­len, son­dern daß sich die dadurch gewon­ne­ne gei­stes­kraft auf höhe­re zie­le hin­len­ke durch die gna­de Got­tes, der dem bemü­hen ent­ge­gen­kommt und es voll­endet.

    die wirk­lich gro­ßen den­ker des chri­sten­tums waren zöli­ba­tä­re. das wird auch in zukunft nicht anders sein. denn da wo die kraft zer­split­tert wird für welt­li­che wün­sche und schein-refor­men, bringt sie nichts als ver­wir­rung und irr­tum her­vor.

    • „Pastors Kin­der, Leh­rers Vieh
      gedei­hen sel­ten oder nie.“

      Die­ser Spruch drückt das Dilem­ma aus. — Was hat der Pro­te­stan­tis­mus an Gütern her­vor­ge­bracht? In der Kunst, man den­ke an die Kir­chen — kein eigen­stän­di­ges Schaf­fen, die Kir­chen sind Kopien der kath. Bau­sti­le, und theo­lo­gisch — was ist da zu nen­nen?
      Den Pro­te­stan­tis­mus kenn­zeich­net eine Kraft­lo­sig­keit. Mit­tel­mä­ßig­keit. Und das wol­len nun auch Katho­li­ken anstre­ben, allen vor­an etli­che Bischö­fe. Wor­in liegt da der Reiz?

      • @M.S.
        Die schö­nen ober­schwä­bi­schen Kir­chen im Roko­ko­stil sind wahr­lich ein Stück Him­mel auf Erden, zau­ber­haft wer­den sie mit Orgel­mu­sik.…. von Bach.

  3. Ein herz­li­ches Vergelt’s Gott den vor­he­ri­gen Kom­men­ta­ren. Man kann es auch noch prä­zi­ser sagen, im Blick auf die patho­lo­gi­sche Per­sön­lich­keits­struk­tur des Dr. Mar­ti­nus. Er war:

    - Tot­schlä­ger (der des­halb im Klo­ster Unter­schlupf such­te)
    — Trin­ker (8 bis 10 Bier jeden Abend)
    — Neu­ro­ti­ker, mit etli­chen ihn sel­ber quä­len­den Zwän­gen
    — Poly­ga­mist, der sei­ne „Ehe­frau“ dau­ernd betrog
    — Wüster Anti­se­mit und damit im Gei­ster ein Vor­läu­fer des Herrn A.H.
    — Mor­phi­nist
    — Öffent­li­cher Anstif­ter zu mör­de­ri­schen Pro­gro­men („Haut, stecht, würgt sie!“)

    Renom­mier­te katho­li­sche Histo­ri­ker zie­hen eine ideen­ge­schicht­li­che Ent­wick­lungs­li­nie des deut­schen Pro­te­stan­tis­mus: Luther — Fried­rich „der Gro­sse“ — Bis­marck — Hit­ler

    • Sehr rich­tig!
      Erin­nern wir uns erneut an die Wor­te des Hei­li­gen Papa Sar­to aus sei­ner berühm­ten „Bor­ro­mäu­sen­zy­kli­ka“ editae saepe (1910), in der den „Refor­ma­to­ren“ die Mas­ke her­un­ter­reißt und ihren Moder ent­larvt (frei­lich ein fürch­ter­li­ches Ärger­nis für die ertapp­ten Neue­rer der Kon­zils­kir­che, denen der Wit­ten­ber­ger als „unser gemein­sa­mer Leh­rer“ gilt).:

      „Damals tob­ten die Lei­den­schaf­ten; die Kennt­nis der Wahr­heit war ver­wirrt und ver­dun­kelt; es herrsch­te ein bestän­di­ger Kampf mit den Irr­leh­ren; die mensch­li­che Gesell­schaft stürz­te sich allem Unheil ent­ge­gen und schien dem Ver­der­ben preis­ge­ge­ben.

      Inmit­ten sol­cher Ver­hält­nis­se tra­ten hoch­mü­ti­ge und wider­spen­sti­ge Män­ner auf, ‘Fein­de des Kreu­zes Chri­sti’, Men­schen von ‘irdi­scher Gesin­nung, deren Gott der Bauch ist‘.[1] Die­se rich­te­ten ihr Augen­merk nicht auf die Ver­bes­se­rung der Sit­ten, son­dern auf die Leug­nung der Dog­men; sie ver­mehr­ten die Unord­nung und lie­ßen zu ihrem eige­nen und zu ande­rer Nut­zen der Zügel­lo­sig­keit frei­en Lauf; oder doch unter­gru­ben sie, indem sie die auto­ri­ta­ti­ve Lei­tung der Kir­che ablehn­ten, nach dem Belie­ben gera­de der ver­kom­men­sten Für­sten oder Völ­ker wie unter einem Joch die Leh­re, Ver­fas­sung und Dis­zi­plin er Kir­che.

      Sodann ahm­ten sie jenen Gott­lo­sen nach, denen die Dro­hung gilt ‘Wehe euch, die ihr das Böse gut und das Gute böse nennt‘, und nann­ten die­se auf­rüh­re­ri­sche Erhe­bung und die Ver­derb­nis des Glau­bens wie der Sit­ten Reform und sich selbst Refor­ma­to­ren. Allein in Wahr­heit waren sie Ver­füh­rer, und dadurch, daß sie durch Streit und Krie­ge die Kräf­te Euro­pas erschöpf­ten, haben sie die Revo­lu­tio­nen und den Abfall der Neu­zeit vor­be­rei­tet, in denen sich die drei Arten des Kamp­fes, wel­che frü­her getrennt waren und aus denen die Kir­che immer sieg­reich her­vor­ge­gan­gen war, zu einem ein­zi­gen Angrif­fe ver­ei­nig­ten: näm­lich die blu­ti­gen Ver­fol­gun­gen der ersten Jahr­hun­der­te, sodann die inne­re Pest der Häre­si­en und schließ­lich unter dem Vor­wand der evan­ge­li­schen Frei­heit eine Ver­derbt­heit der Sit­ten und eine Ver­kehrt­heit der Dis­zi­plin, wel­che das Mit­tel­al­ter in die­sem Gra­de viel­leicht nicht ein­mal erreicht hat.”

      Vgl. Sie hie­zu die Besu­che von Her­me­neu­tik-Kon­ti­nui­tät-Vater B.- in den Gebets­häu­sern die­ser Leu­te in Rom u. Erfurt.

      • Sehr gut, vergelt’s Gott für die Erin­ne­rung an die­se gross­ar­ti­ge Enzy­kli­ka. Wenn uns doch heu­te solch ein Papa ange­li­cus geschenkt wür­de, der wie­der die­se wun­der­ba­re, kla­re, kern­ka­tho­li­sche Spra­che spre­chen wür­de. Aber da wer­den wir in die­sen vom pro­te­stan­ti­schen und frei­mau­re­ri­schen Sub­jek­ti­vis­mus ver­gif­te­ten Zei­ten noch weit über unse­re eige­ne Lebens­zeit hin­aus war­ten müs­sen.
        Kon­ti­nui­täts-Bene­dikt war sich nicht ein­mal zu scha­de, bei sei­nem Deutsch­land-Besuch 2011 aus­ge­rech­net in Erfurt in dem Gebetstem­pel der pro­te­stan­ti­schen Häre­ti­ker von M.L. als „Leh­rer im Glau­ben“ zu spre­chen und ihn als „lei­den­schaft­li­chen Got­tes­gläu­bi­gen“ zu wür­di­gen. Unfass­bar.

    • Im frü­hen 19. Jahr­hun­dert ist erst­mals Mor­phin aus dem mil­chi­gen Saft des Schlaf­mohns iso­liert wor­den. Wie soll dann Mar­tin Luther als Per­son des 16. Jahr­hun­derts „Mor­phi­nist“ gewe­sen sein? Zwi­schen Luthers Tod und der ersten Iso­la­ti­on von Mor­phin lie­gen gan­ze 258 Jah­re. Höch­stens kann er sich an Opi­um, dem direk­ten Natur­pro­dukt des Schlaf­mohns, berauscht haben.

      • Ich habe es bei der höchst­löb­li­chen tra­di­ti­ons­treu­en Phi­lo­so­phin Prof. Dr. Alma von Stock­hau­sen gele­sen, dass Luther Mor­phi­nist war. Sie ist eine der besten Ken­ne­rin­nen und Demas­kie­re­rin­nen die­ser ver­hee­rend­sten Figur der frü­hen Neu­zeit.

    • „Renom­mier­te katho­li­sche Histo­ri­ker zie­hen eine ideen­ge­schicht­li­che Ent­wick­lungs­li­nie des deut­schen Pro­te­stan­tis­mus: Luther – Fried­rich „der Gro­sse“ – Bis­marck – Hit­ler“

      Wie kön­nen Sie es wagen, Fried­rich den Gro­ßen und Bis­marck mit Hit­ler in einen Satz zu nen­nen? Im Sin­ne einer Ent­wick­lungs­li­nie! Selbst wenn Sie als Öster­rei­cher es noch nicht ver­wun­den haben, daß Ihre Lands­leu­te einst­mals vor den Sol­da­ten die­ser bei­den Staats­män­ner davon­lie­fen, soll­ten Sie sich die­ser Sie­ger­pro­pa­gan­da­pa­ro­le schä­men.

      • Woher wol­len Sie wis­sen, dass ich Öster­rei­cher bin? Sebst wenn Sie das offen­bar schreck­lich fin­den, aber die Zahl renom­mier­ter Histo­ri­ker, die die­se ideen­ge­schicht­li­che Linie zwei­fels­frei auf­ge­wie­sen haben, ist gross. Und nicht nur Histo­ri­ker: auch der her­vor­ra­gen­de tra­di­ti­ons­treue katho­li­sche Phi­lo­soph Diet­rich von Hil­de­brandt hat dies nach­ge­wie­sen.

        Fried­rich „der Gro­sse“ und Bis­marck waren Gestal­ten, an die jeder Katho­lik nur mit Schau­dern den­ken kann, bei all dem, was die­se der Kir­che und Mil­lio­nen Katho­li­ken ange­tan haben. Sie haben den preu­ssi­schen Mili­ta­ris­mus, der aus dem Gei­ste des staats­hö­ri­gen Pro­te­stan­tis­mus gebo­ren wur­de, eta­bliert.

      • Nicht „Staats­män­ner“ son­dern ekla­tan­te Kir­chen­fein­de und Ver­bre­cher wider dem ius gen­ti­um.

      • Sie brin­gen es ein­mal mehr in aller Kür­ze so auf den Punkt, dass man gar nicht mehr sagen muss. Herr „Wlo­fang Franz“ ist offen­kun­dig ein sog. Deutsch­na­tio­na­ler, dem die­ses wich­ti­ger ist als das Bekennt­nis zur alles Natio­na­le letzt­lich tran­szen­die­ren­den Una Sanc­ta.
        Ich dan­ke Ihnen für Ihre mir immer wie­der so erbau­li­chen Kom­men­ta­re. Gott zum Gru­sse!

  4. Völ­lig fach­fremd dan­ke ich ganz herz­lich für die­se sach­li­che Rezes­si­on, die nicht ohne Lie­be zu den Din­gen und Per­so­nen geschrie­ben ist.
    Rät­sel­haft war mir frü­her (als ich mich lai­en­haft noch damit beschäf­tig­te) stets, wes­halb die Kir­che, (dort wo sie nicht ver­lot­tert war), sich mit der luthe­ri­schen Oppo­si­ti­on nicht hat arran­gie­ren kön­nen, sie sich die­se Oppo­si­ti­on nicht hat ein­ver­lei­ben kön­nen? (trotz histo­ri­scher Ereig­nis­se, trotz Bul­le…) Die Kir­che war vor dem Triden­ti­num (das lan­ge auf sich war­ten ließ) ja wohl eine ganz ande­re als danach! Da erst wur­den doch feste Posi­tio­nen for­mu­liert, um es mög­lichst objek­tiv zu sagen.
    Viel­leicht ist Beers Werk ein indi­rek­ter Schlüs­sel für mei­ne Fra­ge­stel­lung? Viel­leicht hilft mir jemand freund­li­cher­wei­se wei­ter, es gibt ja soviel Gelehr­sam­keit und Got­tes­ge­lehr­sam­keit auf die­sem Forum!

    • Der Wech­sel vom Spät­mit­tel­al­ter zur Frü­hen Neu­zeit um das Jahr 1500 her­um war nicht nur mit der erfolg­rei­chen Aus­brei­tung pro­te­stan­ti­scher Häre­si­en ver­bun­den, son­dern mar­kier­te zugleich den Über­gang vom ver­al­te­ten Per­so­nen­ver­bands­staat zum neu­ar­ti­gen Staat büro­kra­ti­scher Orga­ni­sa­ti­on. Die Kir­che war daher ver­an­laßt, mensch­li­che Miß­stän­de im Inne­ren effek­ti­ver zu unter­bin­den, um der pro­te­stan­ti­schen Häre­sie mög­lichst wenig Angriffs­flä­che zu bie­ten, und all­ge­mein auf die Erfor­der­nis­se der Zeit zu reagie­ren. Kon­stan­ti­no­pel war von den Moham­me­da­nern erobert, der Buch­druck mit metal­li­schen Let­tern erfun­den, der ame­ri­ka­ni­sche Dop­pel­kon­ti­nent nebst ande­rer ent­le­gen­der Welt­ge­gen­den für Euro­pa ent­deckt, das Gift des Sub­jek­ti­vis­mus ins Glau­bens­le­ben des Abend­lan­des gespritzt etc. Ange­sichts die­ser viel­fäl­ti­gen Zäsu­ren konn­te die Kir­che nicht so tun, als lebe man nach wie vor in der Epo­che des Mit­tel­al­ters, wes­halb das Triden­ti­num sehr not­wen­dig gewe­sen ist.

  5. Dan­ke für die­ses Buch, aber obwohl es schon so vie­le gute, d.h. kur­ze und bün­di­ge und doch ein umfas­sen­des Bild zeich­nen­de Bücher über Luther, sei­nen Juden­hass, Hit­lers Ver­eh­rung für ihn und sei­ne gan­ze Men­schen­ve­er­ach­tung, sind die Men­schen immer noch in einem Rausch, etli­che Katho­li­ken, allen vor­an die rot­grü­nen Prie­ster mit ein­ge­schlos­sen.
    Selbst als ehe­mals über­zeug­te Pro­te­stan­tin (mir wird schelcht, wenn ich dar­an den­ke, was ich alles für Luther und gegen die katho­li­sche Kir­che gesagt habe, doch heu­te bin ich schlau­er) habe ich schon als Kind immer wie­der Momen­te des Zwei­fels über Luther gehegt.
    Über sei­ne Ein­stel­lung zu Hexen, über die Abschaf­fung des hei­li­gen Bischof Niko­laus, der doch wirk­lich nicht prunk­süch­tig und lie­be­voll war, wie ich selbst im evan­ge­li­schen Reli­gi­ons­grund­schul­un­ter­richt (!) gelernt hat­te. Über sei­ne offen­sicht­li­che Men­schen­ver­ach­tung, die aus sei­nen Lehr­fa­beln, die wir im Deutsch­un­ter­richt behan­delt hat­ten, sprach. Das alles hat­te ich erfah­ren, bevor ich anfing neu­tra­le luther­kri­ti­sche Lite­ra­tur zu lesen.
    Wer auch nur ein Fun­ken auf­rich­ti­ger Suche nach der Wahr­heit in sich hat, der muss wis­sen, wes­sen Gei­stes Kind Luther gewe­sen ist, und wie schreck­lich die­ser Geist noch immer wirkt!
    Lasst Euch nicht besäu­seln, jeder kann die­se Wahr­heit ohne Mühe erken­nen, wer sie nicht aner­kennt, und dabei behaup­tet etwas Gutes zu wol­len, der lügt hem­mungs­los!

    • Ganz und gar nicht wür­de es mich wun­dern, wenn für vie­le pro­te­stan­ti­sche Pasto­ren die eige­nen „Refor­ma­to­ren“ der Anlaß für Glau­bens­schwä­che und sogar inner­li­che Apost­asie sein soll­ten. Wer Per­so­nen wie Mar­tin Luther, Johan­nes Cal­vin und Huld­rych Zwing­li zu Vor­bil­dern ver­klärt, der muß min­de­stens arg ein­sei­tig und selek­tiv unter­wegs sein, um über­haupt Lob­hu­de­lei­en für sie übrig zu haben.

  6. Sola scrip­tu­ra ? Der Hin­weis auf die umfang­rei­chen Schrif­ten Luthers läßt doch sehr an dem Grund­satz „Sola scrip­tu­ra“ zwei­feln. Das ist ein sehr wich­ti­ger Hin­weis.

    • Sola scrip­tu­ra ist letzt­lich nur der Vor­wand, die Tra­di­ti­on und das Lehr­amt der Kir­che Jesu Chri­sti in Fra­ge zu stel­len, um im Anschluß mit zahl­lo­sen Sub­jek­ti­vis­men den ver­blen­de­ten eige­nen Anhän­gern zu ver­klickern, wie denn die Rück­be­sin­nung auf das „Urchri­sten­tum“ aus­zu­se­hen habe. So etwas nennt man ein durch und durch per­fi­des Vor­ge­hen.

  7. Hw Robert Mäder nann­te den Pro­te­stan­tis­mus den Vater des Libe­ra­lis­mus.

    Hw Ster­nin­ger
    benennt die Ergeb­nis­se der unsäg­li­chen „Refor­ma­ti­on“ als
    B e t r u g 
    an Mil­lio­nen Men­schen.
    So zeich­ne sich der von der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che abge­fal­le­ne
    Luther für die Mut­ter­lo­sig­keit der pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten ver­ant­wort­lich.

    Hw Ster­nin­ger in einem mehr­tei­li­gen Vor­trag über die
    aller­se­lig­ste Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria:
    -
    „Luther hat Mil­lio­nen Men­schen, 
    gan­ze Natio­nen, von der Muttergetrennt.….und damit auch von
    Chri­stus!
    Denn wo Maria ist, ist auch der wah­re Chri­stus.
    Maria ist die Über­win­de­rin aller Häre­si­en.“
    -

    Und gleich­sam als Zusam­men­fas­sung:“
    -
    „Bei den Pro­te­stan­ten ist die Mut­ter gestor­ben.“
    -

    Dazu ver­weist er auf die Tat­sa­che, dass in jenen Regio­nen, in denen eine beson­de­re 
    Ver­eh­rung der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria
    gepflegt wur­de, die Häre­si­en der „Refor­ma­ti­on“ nicht Fuss fas­sen konn­ten.

    Hin­zu­fü­gen müs­sen wir heu­te lei­der die Tat­sa­che, dass in oben genann­ten Gebie­ten ein Weich­spül­ka­tho­li­zis­mus das zu schaf­fen gewillt ist, was Luther und Kon­sor­ten nicht gelun­gen war.…die Schlei­fung der römisch katho­li­schen Iden­ti­tät.

    • Erst kam der Pro­te­stan­tis­mus, dann in sei­nem Macht­be­reich 1717 die Frei­mau­re­rei, die das Fun­da­ment für den Libe­ra­lis­mus bil­det, wie wir ihn heu­te ken­nen. Zwar haben sich bei­spiels­wei­se eini­ge Evan­ge­li­ka­le gegen die Frei­mau­re­rei gewandt, ver­tre­ten dafür aber ande­re schwer­wie­gen­de Irr­tü­mer.

  8. Luther oder ein Weg ohne Ziel, nur eine Aus­re­de um vom Weg zu Gott abzu­wei­chen.
    Viel­leicht liebt der Mensch das kom­pli­zier­te um nicht zu ein­fach an das Ziel zu gelan­gen. Stu­diert er des­halb alles um wenig zeit zu fin­den für die Ein­fach­heit der Natur und Got­tes Schöp­fung.
    Das Kom­pli­zier­te ist span­nend und führt immer wie­der in die Irre. Oder will der Mensch von grund aus immer gesucht und geret­tet wer­den, aus dem Schlamma­sel das ihm so begehrt.

  9. Nur eins, was mir wich­tig erscheint — i.S. nahen­des Luther-Jahr 2017!
    Mir düngt, dass es kei­ne Fei­er­lich­keit i.S. Luther geben wird!
    Die­se Häre­sie wird der Him­mel NIE zulas­sen!!

  10. Lei­der ist der Pro­te­stan­tis­mus so weit in die kon­zi­lia­re oder nach­kon­zi­lia­re Kir­che ein­ge­drun­gen, dass fast schon ein neu­er Glau­be ent­stan­den ist.
    Natür­lich sind die eige­nen Erfah­run­gen nicht reprä­sen­ta­tiv, aber ich erle­be es immer wie­der in Gesprä­chen mit Katho­li­ken, die sich selbst als „gut katho­lisch“ bezeich­nen, dass sie katho­li­sche Grund­wahr­heit leug­nen: „…Dog­men, die Zeit ist vor­bei. Die Unfehl­bar­keit des Pap­stes wur­de doch erst vor weni­gen Jahr­hun­der­ten ‚erfun­den.‘ Wir glau­ben alle an einen Gott.“

    Es gibt nie nur einen Grund, aber der wich­tig­ste Grund dürf­te die pro­te­stan­ti­sier­te Mes­se Paul VI. sein und Bischö­fe und Prie­ster, die den Öku­me­nis­mus des 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zils zu einem Eck­pfei­ler ihrer Ver­kün­di­gung machen.
    Wenn Jesus Chri­stus nicht mehr der ein­zi­ge Ret­ter und Erlö­ser der Welt ist, der sein Wir­ken durch sei­ne Kir­che mit ihren Prie­stern fort­setzt, dann dege­ne­riert die katho­li­sche Kir­che zu einer katho­lisch-evan­ge­li­ka­len Misch-Reli­gi­on. Dann ver­sie­gen die Prie­ster- und Ordens­be­ru­fun­gen, und die Kir­chen lee­ren sich.

    Mar­tin Luther hat übri­gens nie die Aller­lö­sung behaup­tet, wie eini­ge unse­rer Star-Theo­lo­gen und Johan­nes Paul II., dem man eine Nähe zu die­ser Theo­rie lei­der nicht abspre­chen kann.
    Luther bestand noch dar­auf: Der Glau­be, dass Jesus Chri­stus uns am Kreuz erlöst hat, ist zu unse­rem Heil unbe­dingt erfor­der­lich. Er leug­ne­te wütend, dass in jeder hl. Mes­se das Kreu­zes­op­fer Jesu Chri­sti sakra­men­tal ver­ge­gen­wär­tigt wird.

    „Unse­re Aller­lö­ser“ hal­ten noch nicht mal den Glau­ben an die Erlö­sung für heils­not­wen­dig. Die ein­lei­ten­den und die abschlie­ßen­den Wor­te von Johan­nes Paul II. zum inter­re­li­giö­sen Tref­fen in Assi­si 1986 sind nur noch erschreckend. Das Cha­ris­ma die­ses Pap­stes, sei­ne Fröm­mig­keit, die Ver­tei­di­gung und gute Begrün­dung der katho­li­schen Moral­leh­re ver­decken sei­ne teils gefähr­li­che Theo­lo­gie, die über Mar­tin Luther noch hin­aus geht.

    Hier­mit hät­ten sich katho­li­sche Theo­lo­gen drin­gend aus­ein­an­der zu set­zen. Doch sie rüsten bereits zu Ein­heits­be­kun­dun­gen im Hin­blick auf das Luther-Jubi­lä­um 2017.

  11. Zur erwäh­nen:
    Die Luther­mes­se
    Von der Luther­mes­se zur neu­en Mess­ord­nung. (von Mar­cel Leve­b­v­re)
    Dies geht auf ein Werk von Leo Cri­stia­ni, aus dem Jah­re 1910 zurück und steht somit nicht im Ver­dacht von den gegen­wär­ti­gen Refor­men beein­flusst wor­den zu sein

  12. Ich dan­ke für das Inter­es­se und die wohl­wol­len­den Kom­men­ta­re.

    Ich ersu­che um Nach­sicht für die zunächst vor­han­de­nen Feh­ler im Text, die trotz mehr­fa­cher Durch­sicht übrig geblie­ben sind, inzwi­schen aber kor­ri­giert wur­den.

  13. Das wars, was ich neu­lich mein­te: man muss die fal­sche Theo­lo­gie Luthers kon­kret nach­wei­sen und sich nicht mit sei­nem angeb­li­chen oder wirk­li­chen „patho­lo­gi­schen“ Cha­rak­ter abge­ben — das führt zu nichts, beweist nichts und ist auch nicht zuläs­sig.

    Der Wider­sinn des „sola scrip­tu­ra-Prin­zips“ liegt dar­in, dass es die Schrift vor die Tra­di­ti­on lagert, als sei die vom Him­mel gefal­len. Nun ist die Schrift vor­nehm­stes Pro­dukt der Tra­di­ti­on Isra­els und der Kir­che. Wenn man das Tra­di­ti­ons­prin­zip ablehnt, muss man zwangs­läu­fig eines Tages auch die tra­dier­te Schrift über Bord wer­fen. Zu dem Schluss kam der jun­ge Schlei­er­ma­cher: der wah­re Glau­ben­de ist der, der sich selbst eine Hei­li­ge Schrift schrei­ben kann.

    Dass aller­dings maches, was Luther so bru­tal auf­ühr­te, ganz „katho­lisch“ war, sag­te ich schon — man kann es nicht ihm anla­sten. Nicht Luther erfand den Hexen­wahn, nicht Luther erfand den Anti­ju­da­is­mus, nicht Luther erfand die Schmä­hung der Frau — das alles lie­fer­te reich ein katho­li­scher Main­stream sei­ner Zeit, frei­lich nie­mals lehr­amt­lich aner­kannt (was mit einer Kri­tik am jüdi­schen Irr­glau­ben und der Bestä­ti­gung, dass es Hexer gibt, nicht zu ver­wech­seln ist).

    Es ist in all die­sem Gewirr not­wen­dig anzu­er­ken­nen, dass die Lage der Kir­che im 15./16. Jh so deso­lat war, und dies seit Jahr­hun­der­ten der Schis­men, des macht­kamp­fes zwi­schen Kai­ser und Papst, zwi­schen Kai­ser und Für­sten (!), mit Hurern und Mör­dern auf dem Stuhl Petri, raff­gie­ri­gen Bischö­fen, Ämter­kauf, ungu­ten Machen­schaf­ten von Kir­chen­leu­ten und Für­sten, theo­lo­gi­schem Cha­os auch damals schon (!!!), dazu die Umstür­ze der begin­nen­den Neu­zeit mit ihren Ent­zau­be­run­gen.…

    Die Spra­che der Renais­sance und frü­hen Neu­zeit ist bru­tal für heu­ti­ge bür­ger­li­che Ohren. Dazu lese man spät­mit­tel­al­ter­li­che deut­sche Schrif­ten oder den Sim­pli­cis­si­mus. Das war damals nicht unüb­lich. Ich wür­de Luthers Spra­che an sich selbst, die ande­rer­seits wie­der sehr schön sein kann, mora­lisch nicht über­be­wer­ten. Har­te theo­lo­gi­sche Aus­sa­gen wären auch dann hart, wenn er sie vor­neh­mer for­mu­liert hät­te!

    Mir fällt durch die Ver­tie­fung in die Geschich­te auf, dass all die­ses Irri­ge von Anfang an schwel­te, dass die Zeit der Kir­che eben kein ste­ti­ges „Hin zum Bes­se­ren“ ist, son­dern ein Aus­gä­ren des „myste­ri­um ini­qui­ta­tis“ (Geh. d. Bösen) NEBEN UND MIT der Aus­brei­tung des Evan­ge­li­ums in alle Welt.
    Luther hat nicht bloß etwas „Erreich­tes“ ver­sto­ßen, son­dern lan­ge Gären­des aus­ge­fal­tet.
    Und das wird so wei­ter­ge­hen, bis der Herr wie­der­kommt — sagt die Tra­di­ti­on.

    Es wäre daher ein ech­tes Nota bene aus der Geschich­te, sich klar­zu­ma­chen, dass uns all dies vor­her­ge­sagt ist, wir hier kei­nen Ort haben und kei­ne Ruhe fin­den wer­den, son­dern einem ande­ren Äon ent­ge­gen gehen.

    Wer irren will, der wird wei­ter­ir­ren — es wird nichts brin­gen, den wil­lent­lich Irren­den mit anti­lu­the­ri­schen Prü­geln zu schla­gen. Das hat 500 Jah­re lang nichts gebracht!
    Ihn aber zurück­las­sen und auf den kom­men­den Herrn schau­en.
    Das wäre ein Zei­chen.

    • Und wei­ter geht es mit den Dolch­stö­ßen gegen die Tra­di­ti­on aus der Feder der apo­sta­ti­schen Frau „Zeit­schnur“…

      • Sie rela­ti­viert den Erz­här­eit­ker Luther durch und durch, indem sie schreibt, dass alles, was an Luther ver­ab­scheu­ungs­wür­dig war, im Grun­de schon vor­her in der Kir­che „ange­legt“ gewe­sen sein. Das ist klas­si­sche Nest­be­schmut­zung, ja schlicht die Unwahr­heit.

        Schlim­mer noch: sie lobt den Luther sogar noch für sei­ne angeb­lich „schö­ne“, in Wahr­heit aber ordi­nä­re und abgrund­tief unter­grif­fi­ge Spra­che.

      • @ Tra­di­ti­ons­treu­er

        Ihr Schwarz-Weiß-Den­ken ver­sperrt Ihnen jede Mög­lich­keit, einen etwas kom­ple­xe­ren Gedan­ken­gang zu ver­ste­hen…

        Ich habe etwas ganz ande­res geschrie­ben. Das, was an Luther ver­ab­scheu­ungs­wert ist, ist einer­seits und v.a. sei­ne fal­sche Theo­lo­gie — das, was die Kir­che ver­ur­teilt hat. Das ist das eigent­li­che und ver­häng­nis­vol­le Pro­blem. Alles ande­re ist zweit­ran­gig.

        Dabei muss man aber beach­ten, dass er in vie­lem, was eben­falls ver­ab­scheu­jngs­wür­dig ist, dem dama­li­gen (und lei­der auch heu­ti­gen) tra­di­tio­nel­len „katho­li­schen „Main­stream“ ent­sprach (der aber nicht der Leh­re ent­spricht).

        Es hat also was, dass aus­ge­rech­net sol­che „Tra­di­ti­ons­treu­en“, die die­sel­ben drei­sten und vul­gä­ren Sprü­che, die sie Luther vor­wer­fen, sogar hier im Forum schon zum besten gege­ben haben, nun dies­be­züg­lich zu Gericht über den „Erz­hä­re­ti­ker“ sit­zen.
        Den­ken Sie dar­über ein­fach mal in Ruhe nach…

        Wer von Spra­che nichts ver­steht, soll­te dar­über schwei­gen. Luther war mit sei­ner der­ben Spra­che ganz im dama­li­gen Zeit­stil.
        Den­noch ist sei­ne Bibel­über­set­zung — völ­lig unab­hän­gig von damit ver­bun­de­nen theo­lo­gi­schen Fragen.…..ich wer­be um dif­fe­ren­zier­tes Den­ken und Fair­ness gegen­über dem Feind (wie war das mit der Fein­des­lie­be?) — sprach­lich in gro­ßen Tei­len sehr schön. Dar­über besteht aller­dings unter Sprach­wis­sen­schaft­lern und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lern auch sach­lich begrün­de­te Einig­keit. Es ist so, wie man Goe­the eine wirk­lich poe­ti­sche und schö­ne Spra­che zuge­ste­hen MUSS, auch wenn man ideo­lo­gisch sei­nen Tex­ten mit Distanz begeg­nen will.

      • Es ist doch nicht zu bestrei­ten, daß alle Häre­si­en schon sehr früh in der Kir­chen­ge­schich­te auf­tauch­ten. Vor kur­zem kam mei­ne Toch­ter mit einer Häre­sie aus dem Reli­gi­ons­un­ter­richt, die ich mit Justin dem Mär­ty­rer beant­wor­ten konn­te!
        Ist halt so.
        Und was die Spra­che angeht: Ver­glei­chen Sie den Psalm 23 in der Luther- mit der Ein­heits­über­set­zung. Daher rührt ja auch Luthers Erfolg.

      • ich emp­fin­de das genau­so-es ist mei­nes Erach­tens abso­lut unmög­lich die sehr geschun­de­ne ‚von Natur aus tiefre­li­giö­se See­le Luthers in ihren abgrund­tie­fen Ver­ir­run­gen zu ver­ste­hen ohne die Patho­lo­gie die­ses armen Men­schen zu betrachten.Dazu gehört sei­ne unbän­di­ge Fäkal­spra­che die sämt­li­che dama­lig ähn­lich­ge­la­ger­te Gelehr­te zuei­gen hatten.Aber er lässt die­se weit hin­ter sich.Sicherlich auch eine Fol­ge sei­ner Sprach­ge­walt-die ja mehr als ausser­or­dent­lich ist.Aber die Trieb­fe­dern beson­ders in sei­nen letz­ten Jah­ren sind Hass und Rache gegen sei­ne Hauptfeinde:Juden-Muslime(Türken) und beson­ders der Papst und unse­re Hei­li­ge Kirche..Anna katha­ri­na Emme­rich sag­te, er sei geret­tet , müs­se aber bis zum Jüng­sten Tag im Fege­feu­er war­ten.
        nb.darüber debat­tie­re ich nicht son­dern bete instän­dig für sei­ne See­le-Gott möge sich sei­ner erbar­men-was wir für uns alle eben­so erfle­hen.

      • @Wolfgang Franz:
        Luthers Fäkel‑, Gos­sen- und Sudel­s­pra­che hat doch nicht vor sei­ner „Bibel­über­set­zung“ halt gemacht! Schau­en Sie sich mal an, wie oft Wor­te wie „geil“ und „Gei­len“ in der unse­li­gen „Luther­bi­bel“ vor­kom­men.
        Ich bin frei­lich auch kein Freund der „Ein­eits­über­set­zung“. Aber zivi­li­sier­ter als der ordi­nä­re Luther ist sie natür­lich.

        Mein Fazit: Man hät­te die Hl. Schrift nie­mals aus dem Latei­ni­schen in „Volks­spra­chen“ über­set­zen sol­len. Es ist ein schlim­mer Sün­den­fall des Räu­ber­kon­zils, dass sich die Kir­che damit auf die Spu­ren des Popu­li­sten Luther bege­ben hat. Die Bibel gehört — wie das über 19 Jahr­hun­der­te Usus war n der Kir­che, in die Hän­de des Kle­rus, nicht des Vol­kes (es sei denn, die Leu­te kön­nen noch anstän­dig Latein).

      • Ich habe das drin­gen­de Gefühl, daß Sie in Wahr­heit ein hier getarnt schrei­ben­der Frei­mau­rer sind. Mit Ihren pöbel­haf­ten Aus­las­sun­gen und Belei­di­gun­gen die­nen Sie nur der Dis­kre­di­tie­rung der Tra­di­ti­on und Ihrer Anhän­ger.
        Jeder, der Ihr nied­ri­ges Geschreib­sel liest, wen­det sich mit Schau­dern ab und fragt sich, ob das reprä­sen­ta­tiv für die Tra­di­ti­ons­an­hän­ger ist.

      • Nicht nur das. Er ist auch — gemein­sam mit den erz­pro­te­stan­ti­schen Preu­ßen­kö­ni­gen und Kai­sern! — der gei­sti­ge Vater des 1. und 2. Welt­kriegs, also mit­ver­ant­wort­lich für an die 80 Mil­lio­nen Tote.

    • Ver­ehr­te Zeit­schnur, und wie das etwas bringt, gegen Luther zu schimp­fen!
      Erstens ist schwer zu unter­schei­den, wie wil­lent­lich jemand irrt, ich habe zwar immer mal wie­der Zwei­fel an Luther gehabt und bin in der luthe­ri­schen Kir­chen­ge­mein­schaft nur geblie­ben, weil die sozia­li­sti­sche die es sonst gab noch schlim­mer war, aber ich habe noch im Alter von knapp 18 Jah­ren einen flam­men­den Auf­satz über Luther und sei­nen hel­den­haf­ten Kampf gegen die Obrig­keit geschrie­ben (wahr­haf­tig, den Brech­reiz ob des­sen kann ich nur unter­drücken, weil die­ser Auf­satz nun eine star­ke Waf­fe gegen Luther gewor­den ist).
      Mir hät­te es viel gebracht, mich ein­mal damit zu beschäf­ti­gen, was Luther wirk­lich über die Juden gesagt hat, und was eigent­lich wirk­lich in den 95 The­sen stand, und mei­nem Vater auch! Und für die wil­lent­lich Irren­den schafft es wenig­stens kla­re Ver­hält­nis­se, denn kei­ner der Luthers Hetz­schrif­ten, ins­be­son­de­re gegen die Juden kennt, kann behaup­ten, er hät­te es nicht gewusst, was er tut, wenn er Öku­me­ne pre­digt!
      Dann hat jeder treue Katho­lik das Recht, sie als Hit­ler­söh­ne zu beschimp­fen, ich ver­si­che­re, das bringt jeden auf die Pal­me, und ver­wirrt außer­dem ihr bestehen­de Bild ganz beträcht­lich, und schafft, wie gesagt, in jedem Fall eines: Kla­re Ver­hält­nis­se!
      Ich sage: Benennt alle Pasto­ren und Öku­mene­prie­ster als Nazis, denn sie sind es!!!

      • @ euca

        Es ist aber doch ein Unter­schied zwi­schen einer sach­li­chen und fun­dier­ten Aus­ein­an­der­set­zung ad rem und einer Het­ze ad per­so­nam.

        Eine Aus­ein­an­der­set­zung „ad rem“ (in der Sache) ist eine ver­nünf­ti­ge, ver­nunft­ge­lei­te­te und fai­re Unter­su­chung Luthers und sei­ner Theo­lo­gie samt deren Fol­gen.

        Eine wider­wär­ti­ge und unzu­läs­si­ge Aus­ein­an­der­set­zung ad per­so­nam (gegen die Per­son) will den, des­sen Werk man ablehnt, durch Patho­lo­gi­sie­rung und Dämo­ni­sie­rung „wider­le­gen“.
        Es ist Zei­chen eines kata­stro­pha­len Nie­der­gangs, dass man das auch unter Tra­dis stän­dig auf­recht­hal­ten muss — das war mal Zivi­li­sa­ti­ons­stan­dard! Und bis heu­te ist sol­che öffent­li­che Patho­lo­gi­sie­rung in einer aktu­el­len Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Per­so­nen straf­bar, viel­leicht wis­sen Sie das gar nicht.…

        Ihren poli­ti­schen Aus­las­sun­gen kann und will ich nicht fol­gen. Das ist unmög­lich und anti­christ­lich. Für den Glau­ben sind auch pro­te­stan­ti­sche Pfar­rer ermor­det wor­den — Bon­hoef­fer oder die­ser Dorf­pfar­rer Paul Schnei­der, des­sen Wit­we ich als Stu­den­tin ein­mal zufäl­lig noch ken­nen­ler­nen konn­te — gleich wie man zu deren Theo­lo­gie ste­hen mag (und sie sind auch nur Nach­fah­ren einer Linie, für die sie nicht selbst ver­ant­wort­lich waren, sahen es viel­leicht nicht bes­ser, konn­ten nicht — das ist so schwer zu beur­tei­len von außen!), das waren kei­ne „Nazis“, son­dern Opfer der Nazis, ermor­det von den Nazis.

        Es ist mir unend­lich pein­lich, wenn wir uns auf die­sem Niveau bewe­gen.

        Es ist der Hei­li­ge Geist, der auch den ein­zel­nen zur Wahr­heit führt.
        Und nun fra­ge ich Sie: hat der Hei­li­ge Geist je Hetz­pam­phle­te gegen Luther ver­fasst oder auf die­se Wei­se Leu­te zurück zur Katho­li­schen Kir­che gebracht?

        Sie wis­sen es genau­so gut wie ich: NEIN.

        Der ein­zel­ne, der im Pro­te­stan­tis­mus auf­wächst, muss vie­le Hür­den über­win­den, und mög­lich macht dies ruhi­ge Auf­klä­rung, ein fai­rer, aber kla­rer Dis­kurs und ein­fach Zeit, die man dem ver­irr­ten Schaf zuge­steht. Es soll doch kei­ner erst kopf­los gemacht und dann zurück­ge­prü­gelt wer­den oder durch ad-per­so­nam-Pam­phle­te in Panik ver­setzt wer­den. Durch wach­sen­de Erkennt­nis und Umkehr, alles in Ruhe, alles in der sanf­ten Lei­tung des Hl. Gei­stes — das ist der rech­te Weg.

  14. Ja, Herr Franz, das darf gewagt wer­den. Fried­rich II. ist der Toten­grä­ber des alten Rei­ches. Sein Raub­krieg hat das poli­ti­sche Gefü­ge Euro­pas nach­hal­tig nega­tiv ver­än­dert. Bis­marck war auch kein Glück für Deutsch­land. Erin­nert sei die har­te Ver­fol­gung der katho­li­schen Kir­che. Wir haben kei­nen Grund, die­se Per­so­nen hoch zu schät­zen.

    • Das alte Reich war wahr­haf­tig schon vor Fried­rich dem Gro­ßen tot. Das Haus Habs­burg hat­te dar­an auch sei­nen Anteil, küm­mer­te es sich doch nie wirk­lich um das Reich. Der „Raub­krieg“, den Sie wohl mei­nen, war wahr­haf­tig nicht der ein­zi­ge im 18. Jh. Da Gefü­ge Euro­pas hat er weni­ger ver­än­dert als das der Welt. Ob die Geburt der bri­ti­schen See­herr­schaft und damit auch der USA, wes­we­gen er eng­lisch nur „Fre­de­rick the Gre­at“ heisst, posi­tiv oder nega­tiv ist, ist Auf­fas­sungs­sa­che.
      Bis­marcks Kul­tur­kampf möch­te ich nicht ver­tei­di­gen. Aber er hat immer­hin Deutsch­land wie­der­ver­ei­nigt. Ihn aber mit Hit­ler in einen Topf zu wer­fen, ist infam.

      • Ohne den pro­te­stan­ti­schen Preu­ßen­mi­li­ta­ris­mus, ins­be­son­de­re des unsäg­li­chen Fried­rich Zwo, kein Hit­ler.

      • Was soll dar­an ein Ver­dienst sein, dass Bis­marck Deutsch­land ver­ei­nigt hat? Das führ­te dazu, dass die gesun­den süd­deutsch-katho­li­schen Län­der unterr die Knu­te des fana­tisch mili­ta­ri­sier­ten preu­ssi­schen Staats­pro­te­stan­tis­mus kamen und nichts mehr zu mel­den hat­ten. Und so geht es bis heu­te…

  15. Zu @ Zeit­schnur
    Da hat sie aber kräf­tig zuge­grif­fen in die Mot­ten­ki­ste, in der die so bös­ar­ti­ge katho­li­sche Kir­che für alle Kir­chen­fein­de lagert.
    Zunächst: Die katho­li­sche Kir­che lehrt selbst, dass ihre Mit­glie­der hier auf Erden Sün­der sind. Mensch­li­che Schwä­chen, Sün­den haf­ten immer auch an Päp­sten, Bischö­fen und den Gläu­bi­gen.

    Nie hat sich die katho­li­sche Kir­che in Fra­gen des Glau­bens grund­le­gend geirrt. Es gab nie ein all­ge­mei­nes „Glau­bens­cha­os“, der emp­fan­ge­ne geof­fen­bar­te Glau­be wur­de nie geän­dert. Theo­lo­gi­sche Strei­tig­kei­ten wur­den dann been­det, wenn das Lehr­amt unfehl­bar ent­schie­den hat. Der fort­wäh­ren­de Kampf gegen Häre­ti­ker ist nicht mit Glau­bens­cha­os zu ver­wech­seln. Um es deut­lich zu sagen: Es gibt kein ein­zi­ges Dog­ma, das vom Lehr­amt ver­bind­lich und defi­ni­tiv geän­dert wur­de. 2000 Jah­re lang! Auch das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat kei­ne neue Glau­bens­wahr­heit ver­kün­det, die defi­ni­tiv von der gan­zen Kir­che zu glau­ben ist.

    Mar­tin Luther wur­de zu recht als Häre­ti­ker ver­ur­teilt:
    1) Er leug­ne­te das ver­bind­li­che, unfehl­ba­re Lehr­amt der Kir­che. Jeder kann die Hei­li­ge Schrift nach sei­nem Gewis­sen aus­le­gen.
    2) Er hat­te ein völ­lig nega­ti­ves Bild vom Men­schen. Er sah ihn als so böse, als so ver­dor­ben an, dass er mit der von Jesus Chri­stus ver­dien­ten oder geschenk­ten Gna­de nicht mit­ar­bei­ten kann.
    3) Des­we­gen muss­te er den Opfer­cha­rak­ter der hl. Mes­se leug­nen. Dass uns hier die Ver­dien­ste Jesu Chri­sti zuge­wen­det wer­den bei inne­rer Auf­nah­me­be­reit­schaft, passt nicht in sei­ne Theo­lo­gie, nach der nur allein der Glau­be, dass Jesus Chri­stus uns am Kreuz erlöst hat, zählt, wäh­rend unse­re Wer­ke belang­los sind. Was der Bot­schaft Jesu Chri­sti in kei­ner Wei­se ent­spricht.

    Genug der Auf­zäh­lun­gen, die mir spon­tan ein­fal­len. Noch ein Blick zurück in die Mot­ten­ki­ste: Nach­weis­lich ent­stand der Hexen­wahn in Mit­tel- und Nord­eu­ro­pa. Mit der römisch-katho­li­schen Kir­che hat­te er am wenig­sten zu tun. Lan­ge Zeit wei­ger­te sich die Inqui­si­ti­on, trotz Ankla­gen über­haupt Pro­zes­se zuzu­las­sen. Soweit mir bekannt ist, hat die spa­ni­sche Inqui­si­ti­on nie einen Hexen­pro­zess geführt: Weil die katho­li­sche Kir­che nicht an Hexen glaub­te, konn­te sie auch nie­man­den als Hexen ver­ur­tei­len.
    Der Druck kam aus einer teils hyste­ri­schen Bevöl­ke­rung, die Hexen­pro­zes­se fan­den in der Regel vor der welt­li­chen Gerichts­bar­keit statt.
    Die katho­li­sche Kir­che hat nie die Per­sön­lich­keit Luthers offi­zi­ell in Lehr­aus­sa­gen hin­ein­ge­nom­men, sie hat aus­schließ­lich sei­ne Häre­si­en ver­ur­teilt.

    Den­noch ist die Per­sön­lich­keit eines Reli­gi­ons­stif­ters nicht gleich­gül­tig. Wir sind kei­ne rei­nen Gei­ster, wir sind kei­ne Engel. Wir wer­den nicht nur von unse­rer Ver­nunft gesteu­ert, son­dern auch von unse­ren Emo­tio­nen, Trie­ben.

    Wie eine gute Mut­ter kommt uns unse­re Kir­che ent­ge­gen: Mit Hil­fe einer guten Beicht­vor­be­rei­tung kön­nen wir unser Gewis­sen erfor­schen, unse­re Sün­den bereu­en. Im Namen Jesu Chri­sti spricht uns der Prie­ster von unse­ren Sün­den los.
    Mar­tin Luther lehn­te die­se Kir­che ab.

    • Ein gro­sses Dan­ke für die­se kla­re Ant­wort auf die uner­träg­li­chen Angrif­fe der Frau Zeit­schnur gegen die Tra­di­ti­on der Kir­che. Sie haben alles Wesent­li­che gesagt!

  16. Wie mit all den bedrücken­den Ent­wick­lun­gen in der katho­li­schen Kir­che umge­hen?

    Der letz­te Absatz im Kom­men­tar von @Zeitlos ist tröst­lich für mich.
    Gewis­sens­er­for­schung, gute Beicht­vor­be­rei­tung, Reue und das fro­he Ver­trau­en auf die Los­spre­chung der eige­nen Sün­den.
    Die­se Auf­zäh­lung ist immer gül­tig und neh­me sie des­halb ger­ne und dank­bar an.
    Aber es kann schwie­rig sein, einen Prie­ster zu fin­den, der eine Sün­de auch als eine sol­che erkennt und benennt und mit dem Beich­ten­den dar­über spricht?
    Ich möch­te kein „Schwamm drüber“-Gespräch, son­dern erhof­fe eine wirk­li­che Hil­fe.
    Des­halb brau­che ich das unbe­ding­te Ver­trau­en in die Glau­bens­treue des Prie­sters, bei einem zeit­gei­sti­gen habe ich das nicht.

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