Der Schlüssel zum Verständnis der Glaubenskrise – Fatima und die Pflicht der Hirten (3. Teil)

o-l-fatima-bust2-e1305212573542von MMag. Wolf­ram Schrems

„Weh euch Geset­zes­leh­rern! Ihr habt den Schlüs­sel der Erkennt­nis weg­ge­nom­men. Ihr selbst seid nicht hin­ein­ge­gan­gen, und die, die hin­ein­ge­hen woll­ten, habt ihr dar­an gehin­dert“ (Lk 11, 52).

Im Anschluß an mei­ne Bei­trä­ge vom 21. und vom 26. März hier der drit­te und letz­te Teil.

Bevor wir uns dem eigent­li­chen The­ma zuwen­den, drei Vorbemerkungen:

  1. Ich dan­ke allen Kom­men­ta­to­ren, die Lob oder Kri­tik geäu­ßert haben. Viel­leicht ist es nicht über­flüs­sig zu sagen, daß es im gege­be­nen Rah­men nicht mög­lich ist, viel mehr Details im Zusam­men­hang mit Fati­ma wie­der­zu­ge­ben. Ich beschrän­ke mich auf eine rigo­ro­se Aus­wahl von Punk­ten, die für mei­ne Aus­sa­ge­ab­sicht rele­vant sind, näm­lich daß die Unter­drückung von Fati­ma durch die kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten die der­zei­ti­ge Glau­bens­kri­se nach sich gezo­gen hat.
  2. Ich möch­te auch ein gele­gent­lich auf­tre­ten­des Miß­ver­ständ­nis aufklären:Ich spre­che in die­ser Arti­kel­se­rie für kei­ne Grup­pe. Ich bin weder – über die Kon­sul­ta­ti­on der betref­fen­den Publi­ka­tio­nen hin­aus – mit der Pius­bru­der­schaft in regel­mä­ßi­gem Kon­takt noch mit dem Apo­sto­lat von Hoch­wür­den Nicho­las Gru­ner (The Fati­ma Cen­ter) noch mit sonst irgend­ei­ner Ver­ei­ni­gung. Ich appel­lie­re daher an den geschätz­ten Leser, aus­schließ­lich die von mir dar­ge­stell­ten Fak­ten und bei­gebrach­ten Argu­men­te zu wür­di­gen – und kei­ne Spe­ku­la­tio­nen zu betrei­ben, wes­sen Agent ich wohl sein könnte.Im ver­gan­ge­nen Jahr hielt mich anläß­lich eines Podi­ums­ge­sprächs, bei dem ich eine für ein bestimm­tes „kon­ser­va­ti­ves“ Seg­ment kon­tro­ver­se Stel­lung­nah­me abge­ge­ben hat­te, ein erbo­ster Pfar­rer sogar für einen Agen­ten der öster­rei­chi­schen Bischofskonferenz.So leicht kann man sich täuschen.Ich spre­che hier nur als jemand, der vor knapp drei Jah­ren durch einen Zufall in Form eines Buches ((Mark Fel­lows, Fati­ma in Twi­light, dan­ke noch ein­mal sehr herz­lich an den Aus­lei­hen­den!)) ange­regt wor­den ist, sich inten­si­ver mit Fati­ma zu beschäf­ti­gen und im Sin­ne der Ansprü­che von Glau­ben und Ver­nunft die Ergeb­nis­se mei­ner Über­le­gun­gen einem brei­te­ren Publi­kum bekannt zu machen. Dabei neh­me ich nicht in Anspruch, ein „Fati­ma-Exper­te“ im tech­ni­schen Sinn des Wor­tes zu sein.
  3. Schließ­lich muß ich bezüg­lich der Aus­wahl mei­ner Gewährs­leu­te und Quel­len vor­aus­schicken, daß es zur Logik der Offen­ba­rung Got­tes gehört, daß die­je­ni­gen, die ihr fol­gen, ten­den­zi­ell zu Ver­fem­ten, Ver­leum­de­ten, out­casts und under­dogs wer­den. Das beginnt bei den alt­te­sta­men­ta­ri­schen Pro­phe­ten, reicht über die Apo­stel und geht zu vie­len ande­ren Gläu­bi­gen, beson­ders in kri­ti­schen Zei­ten wie der unsrigen.

Die­ses Phä­no­men gibt es zuneh­mend inner­halb der Kirche:

Es gilt beson­ders für die Trä­ger spe­zi­el­ler Offen­ba­run­gen und War­nun­gen in unse­rer Zeit. Den­ken wir nur dar­an, wie die kirch­li­che Hier­ar­chie mit Sr. Lucia oder Pater Pio ver­fah­ren ist. Alle Prie­ster­ge­lehr­ten, die im Zuge ihrer Arbeit zu „posi­tiv“ zu Fati­ma gestan­den sind, beka­men Pro­ble­me: Der mexi­ka­ni­sche Prie­ster Augu­stin Fuen­tes, Vize-Postu­la­tor für den Selig­spre­chungs­pro­zeß von Jacin­ta und Fran­cis­co Mar­to, wur­de nach dem Inter­view mit Sr. Lucia vom 26. Dezem­ber 1957 (ihr letz­tes „öffent­li­ches Inter­view“, wie ich lese) vom Ordi­na­ri­at von Coim­bra ver­leum­det und sei­nes Postens ent­ho­ben. P. Joa­qin Maria Alon­so CMF, der kir­chen­of­fi­zi­el­le Histo­ri­ker für Fati­ma, durf­te sei­ne vier­und­zwan­zig­bän­di­ge Stu­die über Fati­ma nicht ver­öf­fent­li­chen und erhielt nach sei­nem Tod 1981 kei­nen Nach­fol­ger. Der Jesu­it Luis Gon­za­ga da Fon­se­ca, gestor­ben 1963, wur­de mit sei­ner Stu­die Nos­sa Sen­ho­ra de Fati­ma (drit­te Auf­la­ge, Hei­lig­tum von Fati­ma, 1978) nicht von der Hier­ar­chie der Kir­che rezi­piert, statt­des­sen berief sich die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on für ihre Erklä­rung vom Jahr 2000 auf einen Fati­ma gegen­über nega­tiv ein­ge­stell­ten und theo­lo­gisch moder­ni­sti­schen Jesui­ten namens P. Edouard Dha­nis – der sich übri­gens gewei­gert hat­te, mit Sr. Lucia über­haupt nur zu sprechen.

Ange­sichts die­ser Fak­ten erscheint es gleich­sam als Qua­li­täts­kri­te­ri­um, daß Father Nicho­las Gru­ner als Spin­ner, Sek­tie­rer oder Sedis­va­kan­tist gebrand­markt wird. Sein Apo­sto­lat (auf www.fatima.org) macht aber nicht den Ein­druck, daß hier ein Ver­rück­ter oder Häre­ti­ker spricht.

Daß ein Prie­ster eines west­li­chen Lan­des heu­te in Kon­flikt mit der Hier­ar­chie gerät, was hier offen­sicht­lich der Fall ist, spricht erfah­rungs­ge­mäß noch nicht a prio­ri gegen des­sen Recht­gläu­big­keit oder Zurech­nungs­fä­hig­keit, eher im Gegenteil.

Im übri­gen bezie­he ich mich auch auf das bri­san­te Buch des bekann­ten ita­lie­ni­schen Jour­na­li­sten Anto­nio Soc­ci, Il quar­to segre­to di Fati­ma (2006), des­sen eng­li­sche Über­set­zung ich kon­sul­tiert habe (The Fourth Secret of Fati­ma, Lore­to Publi­ca­ti­ons 2009). Die­ser wie­der­um greift neben eige­ner Recher­che auf Vit­to­rio Mess­o­ri und Soli­deo Pao­li­ni zurück. Sehr aus­sa­ge­kräf­tig ist auch der ent­spre­chen­de Film The Secret Still Silen­ced.

Am mei­sten bezie­he ich mich aber auf die kirch­li­che und welt­li­che Rea­li­tät, die von der gras­sie­ren­den Apost­asie deut­lich Zeug­nis gibt. Jeder kann das sehen.

Damit zum Thema:

Zum Problem des „Dritten Geheimnisses“

Etwa sie­ben­und­zwan­zig Jah­re nach der Erschei­nung vom 13.07.1917 schrieb Sr. Lucia den drit­ten Teil des Fati­ma-Geheim­nis­ses (das ein unteil­ba­res Gan­zes ist) auf, näm­lich Anfang Jän­ner 1944. Auf­grund des schreck­li­chen Inhal­tes erleb­te sie, trotz eines bischöf­li­chen Befehls zur Nie­der­schrift, eine mona­te­lan­ge inne­re Blocka­de, den Text zu Papier zu brin­gen. Erst eine Inter­ven­ti­on der Mut­ter­got­tes ermög­lich­te die Nie­der­schrift der betref­fen­den etwa zwan­zig Zeilen.

Schon zuvor, näm­lich in ihrer 3. Lebens­er­in­ne­rung vom 31. August 1941, hat­te sie fol­gen­des geschrieben:

„J.M.J.

Der drit­te Teil des Geheim­nis­ses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fati­ma, offen­bart wurde.

Ich schrei­be aus Gehor­sam gegen­über Euch, mei­nem Gott, der es mir auf­trägt, durch sei­ne Exzel­lenz, den Hoch­wür­dig­sten Herrn Bischof von Lei­ria, und durch Eure und mei­ne aller­hei­lig­ste Mutter.

Nach den zwei Tei­len, die ich schon dar­ge­stellt habe, haben wir links von Unse­rer Lie­ben Frau etwas ober­halb einen Engel gese­hen, der ein Feu­er­schwert in der lin­ken Hand hielt; es sprüh­te Fun­ken, und Flam­men gin­gen von ihm aus, als soll­ten sie die Welt anzün­den; doch die Flam­men ver­lösch­ten, als sie mit dem Glanz in Berüh­rung kamen, den Unse­re Lie­be Frau von ihrer rech­ten Hand auf ihn aus­ström­te: den Engel, der mit der rech­ten Hand auf die Erde zeig­te und mit lau­ter Stim­me rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem unge­heu­ren Licht, das Gott ist: „etwas, das aus­sieht wie Per­so­nen in einem Spie­gel, wenn sie davor vor­über­ge­hen“ einen in Weiß geklei­de­ten Bischof „wir hat­ten die Ahnung, daß es der Hei­li­ge Vater war“. Ver­schie­de­ne ande­re Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­män­ner und Ordens­frau­en einen stei­len Berg hin­auf­stei­gen, auf des­sen Gip­fel sich ein gro­ßes Kreuz befand aus rohen Stäm­men wie aus Kork­ei­che mit Rin­de. Bevor er dort ankam, ging der Hei­li­ge Vater durch eine gro­ße Stadt, die halb zer­stört war und halb zit­ternd mit wan­ken­dem Schritt, von Schmerz und Sor­ge gedrückt, bete­te er für die See­len der Lei­chen, denen er auf sei­nem Weg begeg­ne­te. Am Berg ange­kom­men, knie­te er zu Füßen des gro­ßen Kreu­zes nie­der. Da wur­de er von einer Grup­pe von Sol­da­ten getö­tet, die mit Feu­er­waf­fen und Pfei­len auf ihn schos­sen. Genau­so star­ben nach und nach die Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­leu­te und ver­schie­de­ne welt­li­che Per­so­nen, Män­ner und Frau­en unter­schied­li­cher Klas­sen und Posi­tio­nen. Unter den bei­den Armen des Kreu­zes waren zwei Engel, ein jeder hat­te eine Gieß­kan­ne aus Kri­stall in der Hand. Dar­in sam­mel­ten sie das Blut der Mär­ty­rer auf und tränk­ten damit die See­len, die sich Gott näherten.

Tuy‑3–1‑1944“. (Zitiert nach der offi­zi­el­len vati­ka­ni­schen Publi­ka­ti­on)

Es ist bemer­kens­wert, daß die­se römi­sche Erklä­rung die 3., aber nicht die 4. Lebens­er­in­ne­rung von Sr. Lucia her­an­zieht, anstatt des­sen aber erklärt:

„Im Hin­blick auf die Beschrei­bung der bei­den ersten Tei­le des ‚Geheim­nis­ses‘, das übri­gens schon ver­öf­fent­licht und daher bekannt ist, wur­de der Text gewählt, den Schwe­ster Lucia in der drit­ten Erin­ne­rung am 31. August 1941 nie­der­ge­schrie­ben hat; in der vier­ten Erin­ne­rung vom 8. Dezem­ber 1941 wer­den dann eini­ge Bemer­kun­gen angefügt.

Der drit­te Teil des ‚Geheim­nis­ses‘ wur­de ‚auf Anwei­sung Sei­ner Exzel­lenz, des Hoch­wür­dig­sten Herrn Bischofs von Lei­ria, und der Aller­hei­lig­sten Mut­ter …‘ am 3. Janu­ar 1944 nie­der­ge­schrie­ben“ (ebd.).

In der 4. Lebens­er­in­ne­rung steht auch der schwer­wie­gen­de Satz: „In Por­tu­gal wird das Dog­ma des Glau­bens immer bewahrt wer­den etc.“

War­um hat sich die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on kei­ne Deu­tung die­ses Sat­zes gebo­ten? Was hat es mit dem „etc.“ auf sich?

Die auffällige Lücke

Auf Fatima.org liest man ((eige­ne Übersetzung)):

In ihrer 4. Lebens­er­in­ne­rung (vom 8. Dezem­ber 1941) schrieb Sr. Lucia die ersten zwei Tei­le des Fati­ma-Geheim­nis­ses Wort für Wort auf – ein­schließ­lich des­sen, was als Kon­klu­si­on des gesam­ten Geheim­nis­ses erscheint:

„Am Ende wird mein Unbe­fleck­tes Herz tri­um­phie­ren. Der hl. Vater wird mir Ruß­land wei­hen und es wird sich bekeh­ren, und eine Peri­ode des Frie­dens wird der Welt geschenkt werden.“

Dann füg­te Sr. Lucia sofort den fol­gen­den Text ihrer 4. Lebens­er­in­ne­rung an:

„In Por­tu­gal wird das Dog­ma des Glau­bens immer bewahrt wer­den etc.“

Was kann man dar­aus ablei­ten? Daß das Dog­ma des Glau­bens anders­wo ver­schwin­den wird (vgl. Lk 18, 8)? Hat das even­tu­ell mit der Hier­ar­chie und den Gott­ge­weih­ten zu tun (vgl. Lk 12,45ff)? Steht hier even­tu­ell eine War­nung an die Hier­ar­chie (vgl. Jes 56, 10ff) – oder Schlimmeres?

Ohne hier jetzt die gesam­te Dis­kus­si­on nach­zeich­nen zu kön­nen –  hier ist etwas faul. Es ist offen­kun­dig, daß uns hier etwas vor­ent­hal­ten wird.

Sagen wir es offen: Wir ken­nen das Drit­te Geheim­nis nicht.

Und die bei­den ersten Tei­le ken­nen Katho­li­ken und Nicht-Katho­li­ken auch meist nur zufäl­lig und in den wenig­sten Fäl­len durch offi­zi­el­le kirch­li­che Kanäle.

Die Botschaft von Fatima und das Schweigen der Hirten

Anhand der wei­te­ren Wei­chen­stel­lun­gen der kirch­li­chen Lehr­ver­kün­di­gung nach dem Tod von Papst Pius XII. kön­nen wir die Reak­ti­on der Kir­che auf die drei Tei­le der Fati­ma-Bot­schaft so zusammenfassen:

  1. Ent­ge­gen der Aus­sa­ge­ab­sicht der Höl­len­vi­si­on ist die Leh­re von der Höl­le aus der Lehr­ver­kün­di­gung und der aka­de­mi­schen Theo­lo­gie ver­schwun­den, Papst Johan­nes Paul II. zeig­te sogar eine star­ke Ten­denz zur Aller­lö­sungs­leh­re. Die Andacht zum Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens, „um die See­len zu ret­ten“, wur­de nicht ver­brei­tet. Das Fest des Unbe­fleck­ten Her­zens Mari­ens (am 22. August) ist in der „refor­mier­ten“ Lit­ur­gie nach 1970 sogar zum optio­na­len Gedenk­tag (g) hin­un­ter­ge­stuft worden (!).
  2. Die Wei­he Ruß­lands wur­de nicht durch­ge­führt. Die Süh­ne­sams­ta­ge wur­den nicht bekannt­ge­macht – geschwei­ge denn forciert.
  3. Das „Drit­te Geheim­nis“ wur­de 1960 nicht ver­öf­fent­licht und danach auch nicht, die Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom 26. Juni 2000 ist unglaub­wür­dig. Sie ver­setzt die Bedeu­tung der zitier­ten Visi­on in die Ver­gan­gen­heit (Atten­tat auf Johan­nes Paul II.) und beraubt sie so jeder Wirkung.

Wenn das Atten­tat von 1981 in der Visi­on gemeint wäre, war­um ist man dann nicht zeit­na­he damit an die Öffent­lich­keit gegangen?

Daß in der Erklä­rung von 2000 etwas fehlt, geht auch dar­aus her­vor, daß die Seher­kin­der zu der Schau­ung (Visi­on) immer erklä­ren­de Wor­te (Audi­tion) der Mut­ter­got­tes erhiel­ten, außer Fran­cis­co, der kei­ne Audi­tion erhielt (des­we­gen auch die berich­te­te Anwei­sung, ihm die Bot­schaft ver­bal mitzuteilen).

Anstatt der Warnung von oben: der „Aufbruch“ in die „Moderne“

Anstatt der War­nun­gen der Mut­ter­got­tes leg­te die Hier­ar­chie die zwei­deu­ti­gen, sur­rea­len, anti­no­mi­schen und desa­strö­sen Tex­te des II. Vati­can­ums vor, ein­schließ­lich des gehäs­si­gen Kom­men­tars durch Rah­ner und Vor­grim­ler, sie gab uns eine neue Mes­se, die die Kir­chen leer­te und die den ver­blie­be­nen Kir­chen­be­su­chern zum Ärger­nis wur­de, und – im deut­schen Sprach­raum – die ten­den­ziö­se „Ein­heits­über­set­zung“ der hl. Schrift, die Zwei­fel an der Zuver­läs­sig­keit der Evan­ge­li­en för­der­te. Man woll­te nicht mehr obsku­ran­ti­stisch sein, son­dern „nach zwei Jahr­hun­der­ten Ver­zö­ge­rung“ end­lich in der wun­der­vol­len „Moder­ne“ ankommen.

Dabei wur­de die Volks­fröm­mig­keit weit­ge­hend aus­ge­rot­tet, aber auch nicht durch eine sinn­vol­le, intel­lek­tu­ell anspruchs­vol­le aka­de­mi­sche Theo­lo­gie ersetzt. Es ist wie immer: Die ratio ver­schwin­det mit der fides ver­schwun­den, die sci­en­tia mit der pietas.

Das offi­zi­el­le Welt-Apo­sto­lat von Fati­ma (WAF), das am 7. Okto­ber 2005 (!) kirch­lich aner­kannt wur­de (Dring­lich­keit gibt es ja kei­ne), spielt im deut­schen Sprach­raum ((https://www.fatima-weltapostolat.de/)) (( https://fatima.ch/)) so gut wie kei­ne Rol­le, der Rosen­kranz­süh­ne­kreuz­zug, der vom Ehr­wür­di­gen Die­ner Got­tes P. Petrus Pav­licek OFM im Geist von Fati­ma 1947 in Wien gegrün­det wor­den ist, ist nach ver­dienst­vol­lem und erfolg­rei­chen Wir­ken (Abzug der Roten Armee 1955 aus Öster­reich) inner­kirch­lich prak­tisch irrele­vant, von einem Fort­schritt im Selig­spre­chungs­pro­zeß für P. Petrus habe ich noch nie etwas gehört.

In Fati­ma selbst bau­te man eine Kir­che, die mehr an Stone­henge erin­nert als an ein Got­tes­haus, und gestat­te­te heid­ni­sche Ritua­le in der Capelinha.

Wie ich höre, sind die Süh­ne­sams­ta­ge sogar im Kar­me­li­tin­nen­klo­ster von Sr. Lucia in Coim­bra erst vor kur­zem ein­ge­führt worden.

Damit ist klar

Die kirch­li­che Hier­ar­chie hat den Gläu­bi­gen und den Nicht-Gläu­bi­gen Fati­ma vor­ent­hal­ten. Man konn­te zwar als loya­ler Laie ab und zu davon hören, von irgend­ei­ner Dring­lich­keit war aber kei­ne Spur.

Und wenn etwas nicht dring­lich ist, ist es wahr­schein­lich auch nicht wich­tig. Nach­dem Päp­ste und Kar­di­nä­le sich immer um das „Drit­te Geheim­nis“ her­um­ge­drückt haben und auf aller­hand Aus­re­den gekom­men sind, war­um es den Gläu­bi­gen nicht vor­ge­legt wer­den soll, muß man anneh­men, daß es eine nicht schmei­chel­haf­te Aus­sa­ge über die Hier­ar­chie selbst ist. Genau das legen nam­haf­te Fati­ma-Exper­ten nahe – ein­schließ­lich der Sehe­rin selbst.

Ange­sichts der Fak­ten kann man es sich auch selbst denken.

Eine autobiographische Anmerkung

Ich erin­ne­re mich düster an die Erklä­rung von 2000. Mein Ein­druck war, die Hier­ar­chie woll­te bezüg­lich Fati­ma ver­mit­teln: Kei­ne Panik, wir haben alles im Griff. O. ä. Ich war ver­mut­lich nicht der ein­zi­ge, der Erleich­te­rung ver­spür­te. Alles im grü­nen Bereich.

Die­sen Ein­druck ver­mit­tel­te auch Ursu­la Bley­en­berg mit ihrem Auf­satz „Fati­ma im Leben und Den­ken des Pap­stes“ in: Anton Zie­gen­aus (Hg.), Totus Tuus, Maria in Leben und Leh­re Johan­nes Paul II., Pustet, Regens­burg 2004, ein Buch, das ich im Jahr 2005 für die VISION 2000 rezensierte.

Ich erin­ne­re mich auch schwach an 2010, als Papst Bene­dikt XVI. in Fati­ma sag­te, daß sich täu­sche, wer sage, die pro­phe­ti­sche Bot­schaft Fati­mas sei abge­schlos­sen. Ich erin­ne­re mich aber nicht, daß mich das irgend­wie beun­ru­higt hät­te, denn wenn es etwas Drin­gen­des gege­ben hät­te, hät­te der Papst das sicher deut­lich aus­ge­spro­chen. Davon war aber nicht die Rede, irgend­ei­nen Appell an die Gläu­bi­gen habe ich nicht in Erinnerung.

Genau das ist aber das Pro­blem: Fati­ma ist dringlich!

Erst im Jahr 2011 bin ich durch die aus­sa­ge­kräf­ti­ge Stu­die von Mark Fel­lows (ver­mut­lich ein Pseud­onym) auf die Pro­ble­ma­tik adäquat auf­merk­sam gemacht wor­den. Eine der­ar­ti­ge Mate­ri­al­fül­le, die der Autor mit etwa 600 Fuß­no­ten in den Text ein­ar­bei­tet, und einen sol­chen ana­ly­ti­schen Scharf­sinn habe ich sel­ten gefunden.

Fazit

Mark Fel­lows Arbeit zeigt über­zeu­gend, daß wir in einer ablau­fen­den Frist leben. Papst und Gläu­bi­ge müß­ten dar­auf reagie­ren. Die Uhr tickt.

Frei­lich kann man fra­gen: Woher sol­len die Gläu­bi­gen über die­se Din­ge im Bil­de sein, wenn die Hier­ar­chie schweigt oder die Boten zum Schwei­gen bringt? Nun, man muß sich dann offen­sicht­lich an die ver­fem­ten und dis­kre­di­tier­ten under­dogs halten.

Es liegt an der Kir­che als gan­zer, also auch an den Lai­en, durch ihre Umset­zung der Fati­ma-Bot­schaft, die kom­men­den Kala­mi­tä­ten abzu­mil­dern. Es liegt nicht zuletzt an der Ver­brei­tung und Umset­zung der Süh­ne­sams­ta­ge, daß die Wei­he Ruß­lands end­lich voll­zo­gen wird.

Das ist die Schluß­fol­ge­rung der gan­zen Arti­kel­se­rie: Es ist seit dem Kon­zil zwei­fel­los „die Stun­de der Laien“.

Weil näm­lich die Hier­ar­chie in prä­ze­denz­lo­ser Wei­se vom Glau­ben abge­wi­chen ist. Weil die Hier­ar­chie den Gläu­bi­gen nicht „zur rech­ten Zeit die Nah­rung zuteilt“ (Lk 12, 42). Weil sich eine gro­ße Anzahl der Bischö­fe und Kar­di­nä­le – Wla­di­mir Solo­wjew hat es in sei­ner Kur­zen Erzäh­lung vom Anti­christ 1900 vor­aus­ge­sagt – lie­ber mit dem Geist der Welt und des Anti­christ fraternisiert.

Das ent­hebt die Gläu­bi­gen aber nicht ihrer Ver­pflich­tung. Auch sie ste­hen unter einem Anspruch Got­tes, den sie ver­mit­telt durch den über­zeit­li­chen und unver­än­der­li­chen Glau­ben selbst im Gewis­sen hören – Hier­ar­chie hin, Hier­ar­chie her.

Sr. Lucia sag­te zu P. Fuentes:

„Pater, wir soll­ten nicht auf einen Auf­ruf an die Welt von sei­ten Roms, sei­tens des hl. Vaters war­ten, um Buße zu tun. Noch soll­ten wir dar­auf war­ten, daß die­ser Ruf zur Buße von den Bischö­fen unse­rer Diö­ze­sen kommt oder von den Orden. Nein, Unser Herr hat die­se Mit­tel oft benützt und die Welt hat nicht gehört. Des­we­gen muß jeder selbst anfan­gen, sich geist­lich zu erneu­ern. Jeder hat die Auf­ga­be, nicht nur sei­ne eige­ne See­le zu ret­ten, son­dern auch alle See­len, die Gott ihm über den Weg geschickt hat“.

Heu­te, am Herz Mariä-Süh­ne­sams­tag des April 2014, kann jeder damit wirk­sam anfangen.

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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