Papst Franziskus und das Drama der Sodomie in der Kirche

(Rom) Der bekann­te Kir­chen­hi­sto­ri­ker und katho­li­sche Intel­lek­tu­el­le Rober­to de Mattei befaß­te sich in einem jüng­sten Auf­satz mit der auf­se­hen­er­re­gen­den Fest­stel­lung von Papst Fran­zis­kus, daß im Vati­kan eine „Homo-Lob­by“ exi­stie­re.

Von Rober­to de Mattei

Die Fest­stel­lung von Papst Fran­zis­kus, daß es im Vati­kan eine „Homo-Lob­by“ gibt, ist nicht auf einen impro­vi­sier­ten Scherz zu redu­zie­ren. Sie ist viel­mehr zu beden­ken und in ihrer tra­gi­schen Trag­wei­te abzu­schät­zen. „In der Kurie gibt es hei­li­ge Per­so­nen, wirk­lich, aber es gibt auch eine kor­rup­te Strö­mung. Man spricht von einer ‚Homo-Lob­by‘ und so ist es, sie exi­stiert. Wir müs­sen abwä­gen, was getan wer­den kann.“

Aussage über „Homo-Lobby“ authentisch – Lobby übt verborgenen Druck in Kirche aus

Der Hei­li­ge Vater hat die­se Wor­te im Rah­men einer Audi­enz für die Füh­rungs­spit­ze der Kon­fö­de­ra­ti­on der Ordens­leu­te Latein­ame­ri­kas und der Kari­bik (CLAR) aus­ge­spro­chen, die am ver­gan­ge­nen 6. Juni in Rom statt­fand. Es han­del­te sich um eine Pri­vat­au­di­enz, aber der Papst ist immer Papst und der Gesprächs­part­ner war ein maß­geb­li­cher Ver­band, der eine schrift­li­che Zusam­men­fas­sung der päpst­li­chen Anspra­che erstell­te. Die­ser Text war nicht für die Ver­öf­fent­li­chung bestimmt, aber er ist authen­tisch, wie der CLAR-Vor­stand bestä­tig­te und wie die Tat­sa­che beweist, daß er rund um die Welt ging, ohne daß er vom Hei­li­gen Stuhl demen­tiert wur­de.

Der Papst bezog sich nicht auf die Kir­che all­ge­mein, son­dern auf den Vati­kan, was noch schwer­wie­gen­der ist, weil das der Ort ist, wo er lebt, umge­ben von sei­nen eng­sten Mit­ar­bei­tern. Und genau inner­halb der Leo­ni­ni­schen Mau­ern hat er die Exi­stenz einer „Lob­by“ bestä­tigt, das heißt einer mäch­ti­gen und orga­ni­sier­ten Grup­pe, die imstan­de ist, all das zu tun, was eine Lob­by eben­so macht: auf lega­le oder ille­ga­le Wei­se star­ken Druck aus­zu­üben, um eini­ge Ent­schei­dun­gen zu den eige­nen Gun­sten zu beein­flus­sen.

Das Inter­es­se der „Homo-Lob­by“ wäre, in die­sem Fall, im Inne­ren der vati­ka­ni­schen Insti­tu­tio­nen Män­ner zu för­dern, die Pra­xis und Ideo­lo­gie der Homo­se­xua­li­tät tei­len, und zu ver­hin­dern, daß die­ses Laster als sol­ches im Bewußt­sein der Kir­che ver­ur­teilt wird.

Was wäre geschehen, wenn Benedikt XVI. von „Homo-Lobby“ gesprochen hätte?

Erne­sto Gal­li del­la Log­gia schrieb in einem Arti­kel, der am 23. Juni im Cor­rie­re del­la Sera ver­öf­fent­licht wur­de:

„Ich fra­ge mich, was gesche­hen wäre, wenn der­sel­be Aus­druck „Homo-Lob­by“ statt von Papst Fran­zis­kus von Papst Bene­dikt gebraucht wor­den wäre, oder, viel beschei­de­ner, von einem Ver­tre­ter des noto­ri­schen Machis­mo wie Sil­vio Ber­lus­co­ni (…). Es braucht nicht viel, um es sich vor­zu­stel­len: Anschul­di­gun­gen von allen Sei­ten wegen einer offen­sicht­lich homo­pho­ben Spra­che, auf­ge­reg­tes Anpran­gern ver­leum­de­ri­scher Absich­ten, die ein sol­cher Aus­druck impli­zie­re, Pro­te­ste aller Homo-Ver­bän­de, (…) und so wei­ter.
Wie es tat­säch­lich pünkt­lich in der Ver­gan­gen­heit jedes Mal gesche­hen ist, wenn jemand ver­gleich­ba­re Wor­te ver­wen­det hat und die­ser jemand aus wel­chem Grund auch immer jener poli­ti­sche Sei­te unsym­pa­thisch war, sie dich ohne Wenn und Aber mit der Sache der Rech­te für Homo­se­xu­el­le iden­ti­fi­ziert.
Aber die­ser Mal wur­de der Aus­druck ‚Homo-Lob­by‘ von jemand wie Papst Fran­zis­kus, der sich den uni­ver­sa­len Ruf erwor­ben hat, „ein­fach“ und „gut­her­zig“ zu sein, gebraucht und zwar, um eine mäch­ti­ge Grup­pe von Prä­la­ten zu tref­fen , die sich den nicht weni­ger uni­ver­sa­len Ruf erwor­ben haben, „böse“ zu sein, und dies, um uns rich­tig zu ver­ste­hen, durch­aus zu recht. Bru­tal ver­ein­fa­chend gesagt: weil die­ses Mal die Wor­te nur einen Teil getrof­fen hat, der in der all­ge­mei­nen Wahr­neh­mung (ange­fan­gen bei der Homo-Bewe­gung und deren Ver­tre­tern selbst) per defi­ni­tio­nem als kor­rupt und reak­tio­när gilt. Und des­halb kön­ne man ruhig ‚Homo-Lob­by‘ sagen.“

Heuchelnde Massenmeiden, „doch Pädophile und Homosexuelle scheinen dieselbe Lobby zu bilden“

Homo-Lobby im Vatikan Gedanken von Roberto de MatteiMan könn­te auch fra­gen, war­um die­sel­ben Mas­sen­me­di­en, die von „mora­li­scher Mit­ver­ant­wor­tung“ spre­chen, wenn ein Bischof zu schwach gegen einen tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen pädo­phi­len Prie­ster vor­geht, bereit sind, ihn sofort als homo­phob anzu­grei­fen, wenn er ent­schlos­sen gegen einen homo­se­xu­el­len Prie­ster vor­geht. War­um ist die Pädo­phi­lie ein Ver­bre­chen und die Homo­se­xua­li­tät ein Recht? Die Ant­wort ist ein­fach. Für die rela­ti­vi­sti­sche Pseu­do­kul­tur ist das, was die Pädo­phi­lie zu einem Ver­bre­chen macht, nicht die mora­li­sche Unord­nung, son­dern die Tat­sa­che, daß die wider­na­tür­li­che Hand­lung zum Scha­den eines Kin­des began­gen wird. Die Ableh­nung lei­tet sich nicht aus dem Moral­ge­setz her, son­dern aus der unein­ge­schränk­ten Selbst­be­stim­mung des Sub­jekts.

Die Pädo­phi­lie ver­letzt die Rech­te der Min­der­jäh­ri­gen, wäh­rend die Homo­se­xua­li­tät die Rech­te der Erwach­se­nen bestä­tigt. Pädo­phi­le Prie­ster und homo­se­xu­el­le Prie­ster schei­nen aber in Wirk­lich­keit ein und die­sel­be „Lob­by“ zu bil­den, weil sie sich aus der­sel­ben liber­ti­nen und pan­se­xu­el­len Ideo­lo­gie spei­sen, die in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren auch in das Inne­re der Kir­che ein­ge­drun­gen ist.

„Homohäresie“ geht Hand in Hand mit Konkubinat: der Feind ist der kirchliche Zölibat

Die „Homo­hä­re­sie“, das heißt die Theo­lo­gie der Homo­se­xua­li­tät, wie sie vom Kra­kau­er Dom­herrn Dari­usz Oko ange­pran­gert wur­de, geht im Gleich­schritt mit der Theo­lo­gie der ver­hei­ra­te­ten Prie­ster. In bei­den Fäl­len ist der kirch­li­che Zöli­bat der Feind, jene mora­li­sche Säu­le, auf die die Kir­che seit ihren Anfän­gen ruht. Abge­se­hen davon: wenn der Papst sich so aus­ge­drückt hat, hat er es mit gutem Grund getan. Eini­ge, wie der Vati­ka­nist Ingra­zio Ingrao, behaup­ten, die drei von Papst Bene­dikt XVI. mit Ermitt­lun­gen in der Kurie beauf­trag­ten Kar­di­nä­le Juli­an Her­ranz, Sal­va­to­re De Gior­gi und Jozef Tom­ko in ihrer Rela­tio ein gan­zes Kapi­tel dem „Homo-Netz­werk“ gewid­met hät­ten. Es gibt jene, die ver­mu­ten, daß gera­de die Ent­deckung, daß ein sol­ches Netz­werk exi­stiert, für Bene­dikt XVI., der bereits beab­sich­tig­te, auf das Pon­ti­fi­kat zu ver­zich­ten, der letz­te Anstoß war, der ihn zum Rück­tritt ver­an­laßt habe. Es gibt auch man­che, die den­ken, daß die Wor­te des Pap­stes im Zusam­men­hang mit Nach­rich­ten über jüng­ste Vor­fäl­le im Almo Col­le­gio Capra­ni­ca stün­de, die von Cor­ris­pon­den­za Roma­na mit dem Arti­kel „Das Dra­ma der Sodo­mie in der Diö­ze­se Rom“ ange­pran­gert wur­de, der nach einer Anzei­ge durch den Rek­tor des Kol­legs auf Anord­nung des Land­ge­richts Rom vom Netz genom­men wer­den muß­te.

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Homo-Ring in Rom

In den Nach­rich­ten des pri­va­ten Fern­seh­sen­ders La7 vom 25. Juni wur­de von Ermitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft Rom gegen einen schwin­del­erre­gen­den Ring von Kle­ri­kern berich­tet die sexu­el­le Kon­tak­te mit Min­der­jäh­ri­gen hät­ten. Die Anzei­ge, die die Ermitt­lun­gen ins Rol­len brach­te, ent­hal­te rund 20 Namen, dar­un­ter ein ehe­ma­li­ger Zere­mo­ni­är des Pap­stes, ein Sekre­tär des Kar­di­nal­vi­kars von Rom, vier amtie­ren­de Pfar­rer von Rom West und Nord und ande­re höhe­re Kir­chen­ver­tre­ter. ((Die „Ermitt­lun­gen“ bezie­hen sich auf Aus­sa­gen des ehe­ma­li­gen Prie­sters Patri­zio Pog­gi. Pog­gi war 2007 wegen sexu­el­len Miß­brauchs von Min­der­jäh­ri­gen lai­siert wor­den. Von einem ita­lie­ni­schen Gericht wur­de erwe­gen pädo­phi­ler Straf­ta­ten zu einer Gefäng­nis­stra­fe ver­ur­teilt, die er inzwi­schen abge­ses­sen hat. Der Kar­di­nal­vi­kar der Diö­ze­se Rom, Agosti­no Val­li­ni erklär­te, „vol­les Ver­trau­en in die Arbeit der Justiz“ zu haben und zeig­te sich über­zeugt, daß „der ver­leum­de­ri­sche Plan auf­ge­deckt“ wer­de, den er Pog­gi zuschreibt, der unbe­schol­te­ne Prie­ster ver­leum­de. Ita­lie­ni­sche Medi­en hat­ten Aus­zü­ge aus einer Sach­ver­halts­dar­stel­lung Pog­gis ver­öf­fent­licht. Inzwi­schen demen­tier­te der lei­ten­de Staats­an­walt von Rom, Giu­sep­pe Pigna­to­ne, daß es wegen Pog­gis Aus­sa­gen Ermitt­lun­gen gegen Prie­ster der Diö­ze­se gebe.))

„Nulltoleranz“ für Pädophile, aber „maximale Toleranz“ für Homosexuelle?

Die Hal­tung gewis­ser kirch­li­cher Auto­ri­tä­ten gegen­über sol­chen Skan­da­len ist erstaun­lich. Wenn sie Kennt­nis von der Exi­stenz einer unmo­ra­li­schen Situa­ti­on in einer Pfar­rei, in einem Kol­leg oder einem Semi­nar erlan­gen, dann stel­len sie nicht Erhe­bun­gen an, um die Wahr­heit fest­zu­stel­len, ent­fer­nen nicht die Schul­di­gen, til­gen nicht den Schmutz aus, son­dern zei­gen sich belä­stigt, wenn sie nicht sogar Miß­bil­li­gung äußern für jene, die das Übel gemel­det haben. Im besten Fall, wenn sie aktiv wer­den, beschrän­ken sie sich auf das, was die zivi­le Gerichts­bar­keit inter­es­sie­ren könn­te, aus Angst in eine Gerichts­sa­che ver­wickelt zu wer­den. Sie schwei­gen aber zu dem, was von mora­li­scher und kir­chen­recht­li­cher Rele­vanz ist. Das Mot­to könn­te lau­ten: „Null­to­le­ranz“ für die Pädo­phi­len, „maxi­ma­le Tole­ranz“ für die Homo­se­xu­el­len. Letz­te­re behal­ten pro­blem­los ihre Posten als Pfar­rer, Bischö­fe, Rek­to­ren von Kol­le­gi­en und bil­den jene „Homo-Mafia“, die Papst Fran­zis­kus nun als „Homo-Lob­by“ bezeich­net hat.

Auf gleicher Ebene: Paul VI: „Rauch Satans in Kirche eingedrungen“ – Franziskus: „Homo-Lobby“

Die Bemer­kung des Pap­stes geht über die schon schwe­re Kla­ge über den „Schmutz in der Kir­che“ hin­aus, die Kar­di­nal Ratz­in­ger am Kar­frei­tag 2005, am Vor­abend zu sei­ner Wahl zum Papst führ­te. Auch damals bezog sich der künf­ti­ge Papst Bene­dikt XVI. mit Sicher­heit auf jene mora­li­sche Pla­ge, die im Kleid der Pädo­phi­lie, der Ephe­bo­phi­lie oder ein­fa­cher gesagt, des Homo­se­xua­lis­mus sich in der Kir­che aus­brei­tet. Die Trag­wei­te der Aus­sa­ge von Fran­zis­kus ist wei­ter­ge­hend und kommt jener von Papst Paul VI. gleich, als die­ser in sei­ner Pre­digt vom 29. Juni 1972 erklär­te, daß „durch irgend­ei­nen Spalt“ der „Rauch Satans in den Tem­pel Got­tes ein­ge­drun­gen ist“. Was geschieht, ist genau die Fol­ge jenes Rauchs Satans, der die Kir­che heu­te ein­hüllt und erstickt. Wird Papst Fran­zis­kus ein­grei­fen? Das ist die Fra­ge all jener, die für eine wirk­li­che mora­li­sche und dok­tri­nel­le Erneue­rung des mysti­schen Lei­bes Chri­sti beten und kämp­fen.

Text: Rober­to de Mattei/Corrispondenza Roma­na
Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

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33 Kommentare

  1. Unter den gege­be­nen poli­ti­schen Umstän­den, die zur Stun­de den Anschein erwecken, „gewon­nen“ zu haben, wird F. aller­größ­te Pro­ble­me haben, hier etwas zu ändern. Denn die inner­kirch­li­che „Homo­lob­by“ ist mit Sicher­heit ver­ban­delt mit der säku­la­ren „Homo­lob­by“.
    Und wie ein ande­rer Arti­kel hier zeigt, ist die Homo­lob­by wie­der­um aufs eng­ste mit dem glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus ver­bun­den, so, wie über­haupt die sexu­el­le Schran­ken­lo­sig­keit des Indi­vi­du­ums mit ganz, ganz viel Geld ver­bun­den ist, ver­bun­den war und immer ver­bun­den sein wird.
    „Sexu­el­le Selbst­be­stim­mung“ hat kei­ne defi­nier­te Gren­ze mehr, solan­ge der ande­re alles mit­macht … und solan­ge mein Geld mir dazu ver­hilft, den ande­ren zu allem zu brin­gen. Im Zwei­fels­fall auch Kin­der, die von ihren Eltern ver­kauft wer­den. Wir haben die­se Zustän­de schon längst in den armen Län­dern.
    Sexu­el­le Selbst­be­stim­mung kor­re­liert immer mit Macht und Kapi­tal. Die sexu­el­le Befrie­di­gung, sobald sie erreicht ist, fühlt sich an, als hät­te man end­lich etwas gekauft oder auch geraubt, wor­auf man gie­rig war und es nun „besitzt“ — es hat sei­nen Glanz ver­lo­ren, ist schal gewor­den und das Leben hat sich ver­dü­stert. Und was macht man dann? Man geht hin­aus und spie­gelt ande­ren die Begehr­lich­keit des „Besit­zes“ vor, will ihren Neid und ihre Gier erre­gen… Es ist wie auf die­sem Vexier­bild („All is vani­ty“): http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Allisvanity.jpg

    Der Zöli­bat steht die­sem Den­ken der Gier und Eitel­keit, die­ser Unmo­ral total im Wege. Der Zöli­bat ist eines die­ses Vexier­bil­der, die vor­der­gün­dig viel­leicht einen Ver­lust zei­gen, aber dann kippt die Wahr­neh­mung und wir sehen in den Him­mel hin­ein. Der Narr sieht es frei­lich umge­kehrt…
    Der Zöli­bat aber ist unse­re letz­te Chan­ce und unse­re letz­te Erin­ne­rung an rei­ne und ech­te Lie­be.

    • Hier wird offen­bar Zöli­bat und prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit ver­wech­selt!

      Der Zöli­bat geht tat­säch­lich auf die hl. Schrift zurück (1 Tim. 3): Hier heißt es, daß ein Wei­he­kan­di­dat nur ein­mal ver­hei­ra­tet sein darf. Das schließt für den Geweih­ten eine Wie­der­hei­rat nach Ver­wit­we­ung aus. Daß auch ein ledig Geweih­ter nicht mehr hei­ra­ten darf, bedeu­tet eine Aus­wei­tung der Zöli­bats­ver­pflich­tung. So ist es noch heu­te in den Ost­kir­chen: Nach der Dia­ko­nen­wei­he darf nicht mehr gehei­ra­tet wer­den. Im Osten kommt für den Bischof und im Westen für den Prie­ster eine bestehen­de Ehe als Wei­he­hin­der­nis hin­zu.

      Auch für unse­re ver­hei­ra­te­ten stän­di­gen Dia­ko­ne gilt der Zöli­bat: nach der Wei­he dür­fen sie nicht (nach Ver­wit­we­ung erneut) hei­ra­ten.

      Wird ein ver­hei­ra­te­ter evan­ge­li­scher Pfar­rer nach Kon­ver­si­on zur katho­li­schen Kir­che (nicht etwa zum Katho­li­zis­mus!) Prie­ster, so wird ledig­lich vom eheb­ding­ten Wei­he­hin­der­nis dis­pen­siert, nicht jedoch vom Zöli­bat: nach Ver­wit­we­ung darf er nicht erneut hei­ra­ten.

      Die prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit ist also weit jün­ger, als der Zöli­bat.

      Der Zöli­bat hat ganz sicher nichts mit sexu­el­len Ver­feh­lun­gen von Kle­ri­kern zu tuen, die prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit nach damals ver­öf­fent­lich­ten Unter­su­chun­gen eben­falls nicht.

      • Hier wird nichts ver­wech­selt — mir ging es nicht um einen gelehr­ten Dis­kurs. Ich kann nicht erken­nen, was Ihr Text mit mei­nem Posting zu tun hat…

        • Hier wird swchon ver­wech­selt, denn Zöli­bat und prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit ist nun ein­mal nicht das­sel­be, wie ich auch aus­ge­führt habe.

          • Das ist Ihre ganz per­sön­li­che Inter­pre­ta­ti­on, Herr Gut­ten­ber­ger. Neh­men Sie Kar­di­nal Stick­ler: „Der Kle­ri­ker­zö­li­bat“ oder die neue­sten For­schun­gen von Ste­fan Heid: „Der Zöli­bat in der frü­hen Kir­che“ zur Kennt­nis, und Sie wer­den erken­nen, dass sich Ihre Unter­schei­dung nicht hal­ten lässt. Von der theo­lo­gisch äusserst frag­wür­di­gen und kon­tra­pro­duk­ti­ven Dis­penspra­xis der Kon­zils­kir­che ein­mal ganz abge­se­hen!

          • Stick­ler ist auch nicht unfehl­bar. In den Ost­kir­chen­naht sich bekannt­lich die urkirch­li­che Pra­xis der Unter­schei­dung von Ehe­lo­sig­keit und Zöli­bat erhal­ten.

      • Lie­ber Jörg Gut­ten­ber­ger,

        bit­te neh­men Sie das Fol­gen­de als Ergän­zung, kei­nes­falls als Kri­tik.

        Der Zöli­bat galt schon immer, das ist sicher. Die Ehe­lo­sig­keit theo­re­tisch aber auch, weil es am Anfang ein­fach kei­ne unver­hei­ra­te­ten Män­ner gab. Der hei­li­ge Josef und der Apo­stel Johan­nes sind mir als Aus­nah­men bekannt. Josef hat im hohen Alter von 33 Jah­ren Maria gehei­ra­tet.

        Eben­so wie die Ehe von Josef und Maria ent­halt­sam geführt wur­de, so waren alle ver­hei­ra­te­ten Prie­ster und Bischö­fe gehalten,nach der Wei­he ent­halt­sam zu leben.

        Weil das offen­bar nicht immer ein­ge­hal­ten wur­de, des­halb wur­den dann eben kei­ne Ver­hei­ra­te­ten mehr geweiht.

        Und für alle Nicht-Ver­hei­ra­te­ten gilt das sowie­so bis auf den heu­ti­gen Tag.

        • Man muss sich auch ein­mal fra­gen, wel­che kirch­li­che Pra­xis denn nun rigi­der, wider­sprüch­li­cher und sexu­al­feind­li­cher ist: von Anfang an in der Zöli­bats­gna­de das wesent­li­che Kri­te­ri­um für eine Prie­ster­be­ru­fung zu sehen, das heißt, das Prie­ster­um von vorn­her­ein mit dem Zöli­bat zu ver­bin­den, oder die­se Gna­de nicht vor­aus­zu­set­zen, die Prie­ster hei­ra­ten und in Ehe leben zu las­sen, um ihnen im Fal­le der Ver­wit­we­rung das Zöli­bat nach­träg­lich auf­zuok­troy­ie­ren. Let­ze­res ist unmensch­lich, unlo­gisch und in unse­rem hyper­se­xua­li­sier­ten Kul­tur­kreis ohne­hin nicht ver­mit­tel- und durch­führ­bar. Die­ses ortho­do­xe Zuge­ständ­nis kann also nie­mals als Vor­bild für die latei­ni­sche Kir­che die­nen. Die­se Prie­ster­ehe ent­spricht zudem nicht dem Vor­bild und der Wei­sung Jesu (Matth. 10, 37ff) und ist auch von der Pra­xis der frü­hen Kir­che nicht gedeckt!

          • Sie müs­sen unterche­i­den zwi­schenn Prie­ster­ehe und Prie­ster­hei­rat. Das Ver­bot dr Hei­rat eines Prie­sters geht auf die genenn­te Pau­lus-Stel­le zurück, wohin­ge­gen die Prie­ster­ehe deut­lich jün­ger ist.

        • Bischö­fe der alten Kir­che hat­ten durch­aus Nach­wuchs! Wie kom­men Sie über­haupt dar­auf, daß die Geweih­ten nach der Wei­he ent­halt­sam gelebt haben? Hier­zu sind weder unse­re ver­hei­ra­te­ten Dia­ko­ne, noch die ver­hei­ra­te­ten öst­li­chen Prie­ster- und Dia­ko­ne ver­pflich­tet.

          Der Zöli­bat geht auf den genann­te Pau­lus-Stel­le zurück. Auf wel­che Quel­le bezie­hen Sie sich mit Ihrer Behaup­tung, der Ver­pflich­tung zur Ent­halt­sam­keit ver­hei­ra­te­ter Kle­ri­ker? Mir scheint, Sie zitie­ren hier eine bekann­te Spe­ku­la­ti­ons­prxis, die wis­sen­schaft­lich völ­lig unhalt­bar ist.

          Woher wol­len Sie das Hei­rats­al­ter des hl. Josef wis­sen? In der Bibel sgeht davon nichts. In apo­kry­phen Schrif­ten wird zum Teil behaup­tet, der hl. Josef sei schon ein Greis gewe­sen.

          Wor­aus zie­hen Sien den Schluß, weil die hl. Fami­lie enthaltsa,m gelebt hat, hät­ten die Apo­stel auch ent­halt­sam gelebt und gegf ab wann?

          Daß Unver­hei­ra­te­te ent­halt­sam leben, ver­steht sich für den ernst zu neh­men­den Chri­sten von selbst.

  2. Aus Ihrem letz­ten Satz muss man fol­gern, dass “ rei­ne und ech­te Lie­be“ nur im Zöli­bat mög­lich ist. Mei­nen Sie das wirk­lich so?

    • Ja, das mei­ne ich so — nur da ist er oder sie wirk­lich frei, ohne Ansprü­che an den andern zu lie­ben. In der Ehe wird man das wohl nie rein hin­be­kom­men. Des­halb wird im NT immer wie­der gesagt, der Ver­zicht um des Him­mel­rei­ches wil­len sei das „bes­se­re“ — aber nur fass­bar von denen, die es fas­sen kön­nen. (Das sage ich als Ver­hei­ra­te­te!) Schon vie­le haben fest­ge­stellt, dass auch die ehe­li­che Lie­be am Ende nur dann wirk­lich ech­te Lie­be ist, wenn sie ver­zich­ten kann.

      • Natür­lich ist auch ehe­li­che Lie­be frei! denn es wird bei der Trau­ung aus­drück­lich gefragt, ob die Braut­leu­te frei und unge­zwun­gen gekom­men sind, um das Ehe­sa­kra­ment zu emp­fan­gen. Frei­heit ist also unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung zum Emp­fang des Sakra­men­tes, genau­so wie für die ande­ren Sakra­men­te ein­schließ­lich Wei­he­sa­kra­ment auch.

      • Lie­be Zeit­schnur, wenn sie wüss­ten wie recht Sie haben!
        Aber das kann man nur ver­ste­hen, wenn man von Gott weiß, weil erst dann ver­steht man was vom Men­schen. man kriegt erst dann ein Gespür für die poe­ti­schen Schwin­gun­gen der Wor­te
        Zur Lek­tü­re emp­feh­le ich, auch dem Herrn Gut­ten­ber­ger: von Roma­no Guar­di­ni:
        Die Annah­me sei­ner selbst — Den Men­schen erkennt nur, wer von Gott weiß

      • Man soll­te nicht den per­fekt geleb­ten Zöli­bat (der wohl eher die Aus­nah­me ist) mit durch­schnitt­li­cher ehe­li­cher Sexua­li­tät ver­glei­chen, so als ob „wah­re und rei­ne Lie­be“ nur bei den Zöli­ba­tä­ren zu fin­den sei, wäh­rend sie in der Ehe fast not­wen­dig durch ego­isti­sche Gier beschmutzt wür­de. Das ist unred­lich.

        • Tan­tum­quan­tum, Ihre oben geäu­ßer­te Unter­stel­lung muss man auf das Schärf­ste zurück. Nicht der per­fekt geleb­te Zöli­bat ist die Aus­nah­me, son­dern die, die ihn nicht per­fekt leben, sprich: gegen ihr Zöli­bats­ver­spre­chen ver­sto­ßen. Aber auch in die­sem Fal­le ist Reue und Umkehr mög­lich. Von inter­es­sier­ten Krei­sen und durch die müh­sam am Leben gehal­te­ne Miss­brauchs­de­bat­te, sol­len Ein­zel­fäl­le dafür her­hal­ten, das Zöli­bat und die Moral­leh­re der Kir­che ins­ge­samt in Zwei­fel zu zie­hen. Das ist unred­lich!

          • Da Sie offen­bar den bes­se­ren Durch­blick haben, neh­me ich die „Unter­stel­lung“ ger­ne zurück. Zufrie­den? Mir ging es in mei­nem Posting auch gar nicht um den Zöli­bat, son­dern um die unge­recht­fer­tig­te pau­scha­le Abwer­tung der Ehe als etwas Unrei­nes, die ich aus Frau Zeit­schnurs Posting zuerst her­aus­ge­le­sen hat­te. Im Übri­gen: Ob im Ein­zel­fall der Zöli­ba­tär oder der Verheiratete/ die Ver­hei­ra­te­te die grö­ße­ren Opfer bringt, das sei mal dahin­ge­stellt.

          • Tja, Tan­tum­quan­tum, Frau Zeit­schnur hat nicht gesagt, dass die Ehe etwas Unrei­nes ist und ich wer­te sie auch nicht paschal ab. Auch vom Opfer­brin­gen habe ich nicht gespro­chen.
            Da aber Jesus selbst gesagt hat, im Him­mel wer­de nicht mehr gehei­ra­tet, son­dern wir wür­den dann sein wir die Engel, hat die Kir­che von Anfang an ange­nom­men, dass in der zöli­ba­tä­ren lebens­wei­se die­se rei­ne „Ide­al“ der Lie­be „im Vor­griff“ ver­wirk­licht wird. Das heißt nicht, dass das in der Ehe nicht auch gelingt (lesen Sie halt mei­ne Postungs so wie ich sie geschrie­ben habe, mei­ne Güte, ist das denn so schwer — nein, bei mir grie­fen nicht dioe gewöhn­li­chen Front­li­ni­en, man muss genau lesen, tut mir leid), aber es ist dort viel schwe­rer, vor allem in jun­gen Jah­ren, weil die Sexua­li­tät in der Regel vom eige­nen ver­meint­li­chen Bedürf­nis her gese­hen und „bean­sprucht“ wird. Ande­rer­seits wird Sexua­li­tät auch aus christ­li­cher Sicht zur „Pflicht“. Und es ist für vie­le Leu­te ziem­lich schwer, sich in die­sem Span­nungs­feld rich­tig zu ver­hal­ten. All die­ser Span­nun­gen ist man im Zöli­bat doch ent­ho­ben.

      • @ Jörg Gut­t­e­ber­ger et alte­res:
        Sie ver­ste­hen ein­fach nicht, was ich gesagt habe. Unter Frei­heit ver­ste­he ich die Frei­heit, ohne in per­sön­li­che Ansprü­che ver­wickelt zu sein, zu lie­ben. Das ist in einer Ehe aus­ge­spro­chen schwer zu ver­wirk­li­chen, schwe­rer als in einer zöli­ba­tä­ren Lebens­wei­se. Und wenn die Lie­be zum Ehe­part­ner frei und rein gewor­den ist, hat sie letzt­end­lich eine zöli­ba­tä­re Pra­xis ent­wickelt. Das heißt nicht, dass Sexua­li­tät in der Ehe schlecht oder aus­ge­schlos­sen sein muss, son­dern dass es ein „Haben als hät­te man nicht“ ist, wie St. Pau­lus sag­te.

  3. „Der Zöli­bat aber ist unse­re letz­te Chan­ce und unse­re letz­te Erin­ne­rung an rei­ne und ech­te Lie­be.“

    Dem ist wohl so. Und es ist in der Tat alles dar­an zu set­zen, die­se Lie­be rein und echt zu erhal­ten. Was mich jedoch bei die­ser gan­zen (von außen auf­ge­dräng­ten) Sex‑, Pädo- und Homo­ma­nie, die in der Kir­che plötz­lich aus­ge­bro­chen ist, bedenk­lich stimmt, ist die Mög­lich­keit, dass die­se von inter­es­sier­ten Krei­sen dazu benützt wer­den könn­te, den Zöli­bat selbst als Nähr­bo­den unge­sun­der Nei­gun­gen zu erklä­ren und dadurch sei­ne Abschaf­fung zu for­cie­ren. Genau­so kann die Rede von der angeb­li­chen Homo-Lob­by an der Kurie als Schwä­chung der Kurie und als Argu­ment für irged­wel­che Refor­men genutzt wer­den, die der Dezen­tra­li­sie­rung die­nen. Ich fürch­te, für man­che, die sich auf Grund aller mög­li­chen Gerüch­te gerech­ter­wei­se für eine Rei­ni­gung ein­set­zen, könn­te es am Ende noch ein böses Erwa­chen geben, wenn sie fest­stel­len müs­sen, dass ihr gerech­tes Anlie­gen instru­men­ta­li­siert wur­de, so wie man sol­cher­lei auch bei Gro­er und Krenn kir­chen­po­li­tisch instru­men­ta­li­sier­te.

    • Ja, so, wie man sich des Ein­drucks nicht ganz erweh­ren kann, daß auch der (z.T.[?] sicher­lich haus­ge­mach­te) Prie­ster­man­gel instru­men­ta­li­siert und als will­kom­me­ner Anlaß genom­men wird, den Zöli­bat (als ver­meint­li­che Ursa­che) noch mehr infra­ge zu stel­len, die Wei­he von Frau­en zu for­dern und über­haupt das Prie­ster­amt selbst dadurch noch wei­ter an den Rand zu drän­gen, daß in den Diö­ze­sen mas­si­ve ‚Umstruk­tu­rie­run­gen‘ vor­ge­nom­men wer­den, Stich­wort ‚Koope­ra­ti­ve Pasto­ral‘ und die­se ‚WoG­oFen‘ — „garan­tiert prie­ster­frei“ … — die­se „Umge­stal­tun­gen“ gegen die aus­drück­li­che Vor­ga­be Papst Bene­dikts XVI. (und des Kir­chen­rechts), wes­halb man dann auch noch gegen die­sen lei­di­gen „diri­gi­sti­schen römi­schen Zen­tra­lis­mus“ pole­mi­siert. Tja, ‚tout se tient‘ …

  4. „Wird Papst Fran­zis­kus ein­grei­fen?“
    Was soll er denn machen?

    Seit dem Kon­zil ver­steht sich die Kir­che als Gemein­schaft von Men­schen, die in der Welt von heu­te sich irgend­wie mit­ein­an­der arran­gie­ren müs­sen. Seit­her ist sie ein zahn­lo­ser Tiger.
    Sie hat ver­ges­sen, daß sie aus drei Tei­len besteht: der strei­ten­den Kir­che, der lei­den­den Kir­che, der tri­um­phie­ren­den Kir­che. Sie ist heu­te nur­mehr das „pil­gern­de Volk Got­tes“.

    Der Bil­der­sturm der Lit­ur­gie­re­form hat schwe­re Schä­den ange­rich­tet. Erst wur­den die Bil­der der Hei­li­gen aus den Kir­chen ent­fernt und nach­her ist das Bewusst­sein weg, daß es einen Bei­stand gibt, der von oben her hel­fen kann und wird, sofern man die Demut hat, ihn um Hil­fe anzu­ru­fen.

    Eini­ge Pro­ble­me kön­nen nicht von die­ser irdi­schen Ebe­ne aus gelöst wer­den. Das war frü­her nicht anders. Nur daß man sich frü­her recht­zei­tig und ver­trau­ens­voll an die zustän­di­gen „Stel­len“ gewen­det hat.

    Aber das war vor dem Kon­zil, und dahin wol­len wir ja nicht mehr zurück.

    • Das Wort von dem plgern­den Volk Got­tes gilt doch wohl auss­cließ­lich für die strei­ten­de und die lei­den­de, nicht jedoch für die tri­um­phie­ren­de Kir­che.

      Auch wird das Wort von der pil­gern­den Kir­che wohl zu eng ver­stan­den: Chri­stus ist eben der Weg, den wir gehen müs­sen. Inso­fern ist das Bild vom pil­gern­den Got­tes­volk richitg. Chri­stus ist aber eben nicht aus­schließ­lich der Weg, son­dern auch Wahr­heit und Leben, d. h. er beglei­tet uns stän­dig als das Leben, das wir in uns tra­gen und die Wahr­heit, die wir gemein­sam suchen und auch schon in uns tra­gen, deren wir uns bewußt wer­den müs­sen.

      • Wie Sie rich­tig sagen, gilt das Wort vom pil­gern­den Volk Got­tes nicht für alle drei Berei­che, es wird also ein wesent­li­cher Teil der Kir­che aus­ge­klam­mert. (Die himm­li­schen Kräf­te) Und genau das ist das Ver­häng­nis.
        Das wird mehr und mehr deut­lich.

        Die rein irdi­sche Platt­form reicht nicht.

        • Da haben Sie völ­lig Recht: wir müs­sen immer das Gan­ze sehen, sonst ergibt sich ein ver­eng­tes Bewußt­sein, und das führt in die Irre.

          Wenn wir nur die irdi­sche Platt­form sehen, erwar­ten wir unser gan­zes Glück vom Irdi­schen, und das führt zwangs­läu­fig zu Ent­täu­schun­gen. Denn wah­re Freun­de kommt letzt­lich von Innen, aber auch nur dann, wenn wir uns bewußt snd, daß Chri­stus als stän­dig flie­ßen­de nie ver­sie­gen­de Quel­le jeg­li­cher Freun­de und allen Glückes in uns lebt und wir ihn gewäh­ren las­sen, uns also nicht in uns selbst ver­kramp­fen, denn dann wen­den wir uns vom Herrn ab und dem Satan zu.

          Bei Kyrill von Jeru­sa­lem lesen wir: „Mit rei­nem Her­zen bezeich­nen wir Gott als unse­ren Vater und beten: ‚Vater unser im Him­mel‘. Wie groß ist doch Got­tes Lie­be zu den Men­schen! Denen, die von ihm abge­fal­len sind und sich in die schwer­sten Sün­den gestürzt haben, gibt er in einer Wei­se Ver­zei­hung der Sün­den und Teil­nah­me an der Gna­de, daß er sich gera­de­zu Vater nen­nen läßt. ‚Vater unser im Him­mel‘. Unter dem Him­mel dürf­ten übri­gens auch jene zu ver­ste­hen sein, wel­che ein Abbild des Him­mels sind und in wel­chen Gott wohnt und wan­delt.“

          Wenn aber Gott in uns wan­delt, so tra­gen wir auch den Him­mel in uns, denn Gott ist nun ein­mal im Him­mel.

          Wir müs­sen hier aller­dings auf ein beson­ders deut­sches Miß­ver­ständ­nis ach­ten. Wir ken­nen nur ein Wort für Him­mel. Im Latei­ni­schen gibt es zwei Wor­te: cae­l­um ist der Him­mel, in dem Gott wohnt und fir­ma­men­tum ist der mehr oder weni­ger blaue Him­mel über uns. Im Eng­li­schen ent­spre­chen hea­ven und sky.

          • das ist ein ganz ande­res The­ma, was Sie hier anschnei­den und hat mit mei­nem Kom­men­tar nicht viel zu tun.

    • „(Jesus) beglei­tet uns stän­dig als das Leben, das wir in uns tra­gen und die Wahr­heit, die wir gemein­sam suchen und auch schon in uns tra­gen, deren wir uns bewußt wer­den müs­sen.“

      Das über­zeugt mich nicht. Wir tra­gen gar nichts schon in uns — ander­falls wäre nicht ver­ständ­lich, war­um es zum Bei­spiel über den ver­lo­re­nen Sohn heißt, er sei (als Ver­lo­re­ner) „tot“ gewe­sen und nun nach sei­ner Umkehr sei er „leben­dig“. Schon im AT beschei­nigt Gott den Men­schen durch die Pro­phe­ten, sie trü­gen ein Stein­herz im leib, das ER durch ein Fleisch­herz erset­zen wür­de.

      Es geht nicht dar­um, dass wir etwas in uns ent­decken, son­dern dar­um, dass wir umkeh­ren und dann zum Leben erwa­chen — ER macht alles (!) neu!

      • Natür­lich tra­gen wir seit der Tau­fe göt­li­ches Leben in uns. Die­ses gött­li­che Leben wirkt frei­lich nicht mecha­nisch, son­dern wir müs­sen uns öff­nen, damit wir kein Herz aus Stein haben, das das gött­li­che Leben ver­drängt, aber eben nicht voll­stän­dig ver­drängt. Das Gött­li­che bleibt wegen dres unaus­lös­cli­chen Merk­mals immer in nuns!

          • Ich for­mu­lie­re kla­rer: seit der Tau­fe tra­gen wir das gött­li­che Lebern als durch das Sakra­ment unaus­lö­scb­li­che Merk­mal unwi­der­ruf­lich in uns. Das neimm uns nicht die Frei­heit, uns von Gott abzu­wen­den.

          • Mir ist bei die­ser abstrak­ten Rede­wei­se ehr­lich gesagt nicht wohl — Jesus als „das Leben“, das „Gött­li­che“ „in uns“, das wir seit der Tau­fe unaus­lösch­lich etc. Ich bin mir nicht sicher, ob das so über­haupt Leh­re der Kir­che ist. Jesus ist eine leib­haf­ti­ge Per­son. Die Tau­fe wäscht unse­re Sün­den ein für alle­mal ab. Wir tra­gen aber die leib­haf­ti­ge Per­son Jesu nicht als abstrak­tes „gött­li­ches Leben“ in uns, son­dern als Per­son, durch die Teil­nah­me an der Eucha­ri­stie, durch das Gebet und dadurch, dass ER zu uns in viel­fäl­tig­ster Wei­se kommt.
            Was Sie dage­gen sagen, klingt sehr magisch, nach Auto­ma­tis­mus, mir ist nicht wohl dabei.
            Jesus ist auch nicht ein abstrak­ter Weg, den wir gehen müs­sen, son­dern er ist der Bräu­ti­gam, dem die Kir­che folgt in eng­ster Umar­mung.
            Zwar wird mei­ne Tau­fe durch mei­nen mög­li­chen Abfall nicht „auf­ge­ho­ben“. Gott löscht natür­lich sei­ne Zusa­gen nicht. Aber eine Umkehr fin­det nicht in mich selbst hin­ein statt, son­dern eben zu IHM hin, damit er mei­ne Tau­fe wie­der „leben­dig“ macht, die ich selbst aus­lö­schen woll­te — so geht es ja vie­len heut­zu­ta­ge, die sich total los­sa­gen, obwohl sie mal getauft wur­den. Sie wer­den in sich wohl kaum mehr fin­den als ein Unge­tauf­ter, fürch­te ich. Es ist aus­schließ­lich und immer wie­der Jesus, der nicht ein­fach mei­ne „Rück­sei­te“ ist, der zur Umkehr ruft und Umkehr mög­lich macht, Getauf­te wie Unge­tauf­te.
            Die abstrak­te Rede ver­dun­kelt voll­kom­men die gro­ße, lei­den­schaft­li­che und treue Lie­be, die hier von Gott aus im Spiel ist.
            Sol­che abstrak­te Rede ist es auch, die all die Per­ver­sio­nen der Lie­be auch in der Kir­che salon­fä­hig gemacht hat — zusam­men mit Dr. Freuds Super­dog­ma von der Sexu­al­theo­rie.
            Ich fin­de, da muss sich jeder Christ radi­kal los­sa­gen von einer Ter­mi­no­lo­gie, die nicht christ­lich ist und uns schon seit min­de­stens 200 Jah­ren in die Irre führt!

  5. Das wah­re Dra­ma in der Einen, Hei­li­gen, Katho­li­schen und Apo­sto­li­schen Kir­che Got­tes unse­res Herrn ist die Tat­sa­che, das sich die neue Glau­bens­ge­mein­schaft Namens „Kon­zils­kir­che“ jahr­zehn­te­lang Blind, Taub und Stumm stell­te, so das aus vie­len ein wah­res gräu­li­ches, sata­ni­sches Dra­ma ent­wickel­te, sie­he die Miss­brauchs­fäl­le, akti­ve Homo­se­xua­li­tät , den Zöli­bats Bruch, der wei­ter­hin obwohl vie­len Bischö­fen bekannt ‚nicht geahn­det wird. Das­sel­be trifft auch auf die vie­len häre­tisch-schis­ma­ti­schen Ver­ei­ne zu, die unge­ach­tet des gül­ti­gen Kir­chen­rechts ihren Feld­zug im Namen des „aller­nied­rig­sten“ unge­hin­dert fort­füh­ren kön­nen.

    Aus „Weh­ret den Anfän­gen“ wur­de in der „Kon­zils­kir­che“ — „Näh­ret die Anfän­ge“ und so steht die­se nun vor dem gigan­ti­schen Scher­ben­hau­fen den sie sel­ber ange­rich­tet hat, aber anstatt die­sen auf­zu­räu­men, steigt sie ein­fach auf die­sen Hau­fen Namens „Her­me­neu­tik des Bruchs“ nimmt ein Fern­rohr in die Hand und zeigt mit einen Fin­ger über den Hori­zont und schreit “ da Ganz hin­ten könn­te sie sein, die Her­me­neu­tik der Tra­di­ti­on“ aber lei­der ist dort nur ein Luft­schloss.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

  6. Wer den Zöli­bat für den Morast in der Kir­che ver­ant­wort­lich machen will, der soll­te sich ernst­haft prü­fen ob er nicht auch schon hier­in ver­sun­ken ist, zu min­de­sten gei­sti­ger Wei­se.– Es kann nur ein Wie­der­be­le­ben in der Katho­li­schen Kir­che geben, wenn die­ses Übel aus­ge­rot­tet wird und die Prie­ster­an­wär­ter den ein­fa­chen Weg eines wirk­li­chen Hir­tens gehen will und nicht dem Gel­tungs­drang mit abge­si­cher­tem Wohl­stand wäh­len. Eine wirk­li­che Beru­fung als ver­ant­wor­tungs­vol­ler See­len­füh­rer ist gefragt .

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