Um dem, was übrig ist, den Stoß zu versetzen

Das Konsistorium und ein Schlag ins Gesicht


Von Aldo Maria Valli*

Die Leser wis­sen es gut. Unmit­tel­bar nach der Wahl Leos XIV. woll­te ich mit aller Kraft an den neu­en Papst und an die Mög­lich­keit eines Kurs­wech­sels glau­ben, oder bes­ser noch: an eine Wen­de im Zei­chen der Tra­di­ti­on und des ech­ten Glau­bens, gegen den syn­odal-öko­lo­gi­stisch-regen­bo­gen­bun­ten Wahnsinn.

Ein Teil von mir warn­te mich: Du bist ein armer Narr und Illu­sio­nist. Aber als guter Papst­treu­er woll­te ich mich täu­schen las­sen. Die kal­te Dusche (ja viel­mehr eine gan­ze Rei­he kal­ter Duschen) hat mich jedoch rasch aus mei­nem Traum geris­sen, in Gestalt von Erklä­run­gen, die ganz auf der Linie des berg­o­glia­ni­schen Desa­sters lie­gen, sowie von Initia­ti­ven nach dem Muster von „Peace & Love“, geprägt von einem kon­ven­tio­nel­len Huma­ni­ta­ris­mus, der eben­so ober­fläch­lich wie frei von jedem Bezug auf Tran­szen­denz, Sün­de, Bekeh­rung und das Heil der See­le ist.

Es ist müßig, die ein­zel­nen Bei­spie­le auf­zu­zäh­len. Die jüng­sten Äuße­run­gen Leos über die Bischofs­wei­hen der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. waren ledig­lich eine wei­te­re Bestä­ti­gung. Der Sturz in den Abgrund setzt sich mit zuneh­men­der Geschwin­dig­keit fort, und wer es wagt, dies aus­zu­spre­chen, wird als Feind gebrandmarkt.

Ich fin­de nicht ein­mal mehr die Wor­te dafür. Wenn mich jemand nach mei­ner Mei­nung zu Leo fragt, zie­he ich es vor zu schwei­gen, auch wenn mir dabei oft ein resi­gnier­tes Kopf­schüt­teln entschlüpft.

Und nun ste­hen wir vor dem Pro­gramm des außer­or­dent­li­chen Kon­si­sto­ri­ums vom 26. bis 27. Juni, das eigens dazu gemacht zu sein scheint, uns Gläu­bi­gen, die an der Tra­di­ti­on fest­hal­ten und sich der Ver­wü­stung nicht erge­ben wol­len, einen kräf­ti­gen Schlag zu versetzen.

Unter Leo hütet sich die Kir­che nicht nur davor, den Kurs umzu­keh­ren; sie bestä­tigt viel­mehr mit Nach­druck das syn­oda­le Modell, um es in eine dau­er­haf­te Metho­de der kirch­li­chen Lei­tung zu verwandeln.

Es genügt, einen Blick auf die Namen der Emi­nen­zen zu wer­fen, die dazu beru­fen wur­den, die wich­tig­sten Sit­zun­gen zu lei­ten. Eine Schar ein­ge­fleisch­ter Syn­oda­li­sten, ver­eint durch einen völ­li­gen Man­gel an Glaub­wür­dig­keit. Schon ihre Namen bil­den die Bot­schaft: Es gibt kein Zurück. Im Gegen­teil – vol­le Kraft vor­aus. Denn, wie Leo den Jour­na­li­sten sag­te: „Wir müs­sen vorangehen.“

So ver­wan­delt sich auch das Kon­si­sto­ri­um selbst. Kein wirk­li­cher Aus­tausch mehr, offen für unter­schied­li­che Stand­punk­te (ja, in der Kir­che sprach man frü­her tat­säch­lich mit­ein­an­der, noch bevor sie zur Syn­oda­len Kir­che wur­de), son­dern eine nach ideo­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten orga­ni­sier­te Versammlung.

Im Mit­tel­punkt steht die Linie der Enzy­kli­ka „Magni­fi­ca huma­ni­tas“, eines enzy­kli­schen Sam­mel­su­ri­ums, das wenig Erha­be­nes an sich hat und viel­mehr wie eine rein hori­zon­ta­le sozio­lo­gi­sche Abhand­lung wirkt, die aus wie­der­ge­käu­ten Gedan­ken zusam­men­ge­setzt wurde.

Kri­se der Lit­ur­gie? Fehlanzeige.

Lehr­mä­ßi­ge Pro­ble­me? Fehlanzeige.

Rück­gang der reli­giö­sen Pra­xis? Fehlanzeige.

Eutha­na­sie des Ordens­le­bens? Fehlanzeige.

Der fak­ti­sche Nie­der­gang der Leh­re von der Königs­herr­schaft unse­res Herrn Jesus Chri­stus? Fehlanzeige.

Eine Sit­zung wird der Umset­zung des syn­oda­len Pro­zes­ses gewid­met sein – wie könn­te es anders sein – sowie der Pla­nung der kom­men­den Ver­samm­lun­gen bis zum Jahr 2028. Damit wird der per­ma­nen­te Ver­samm­lungs­be­trieb fak­tisch institutionalisiert.

Der Koch hat gewech­selt, nicht aber die Spei­se­kar­te. Und wer es wagt, die Hand zu heben und zu sagen, daß eben die­se Spei­se­kar­te höchst schwer ver­dau­lich, ja gera­de­zu gif­tig sei, wird höf­lich in die Abtei­lung der zu „nor­ma­li­sie­ren­den“ Ver­wor­fe­nen verwiesen.

Dann begeg­net man irgend­ei­nem kon­ser­va­ti­ven Freund, der einem erklärt, man müs­se Geduld haben und Ver­trau­en zu Leo bewah­ren. Und dann könn­te man wei­nen. Um des Freun­des wil­len, um des Papst­tums wil­len und um der Kir­che willen.

Mise­re­re nobis, Domine.

Fiat vol­un­tas tua.

*Aldo Maria Val­li, Stu­di­um der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Mai­land, seit 1978 Publi­zist, seit 1985 Berufs­jour­na­list, ab 1995 für das Staats­fern­se­hen RAI tätig, von 2007 bis 2019 Lei­ter der Reli­gi­ons­ab­tei­lung und Chef-Vati­ka­nist der RAI – als sol­cher ging er nach län­ge­rem inne­rem Rin­gen ab 2016 auf Distanz zur Linie von Papst Fran­zis­kus, die er als „kon­fus“ kri­ti­sier­te –, 2019 wur­de er des­halb zu RAI Sport ver­setzt und 2020 pen­sio­niert. Er ist Buch­au­tor und betreibt den Blog Duc in altum.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Duc in Altum

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