Papst Leo XIV. plant Reise nach Argentinien

Was Franziskus vermieden hat


Papst Leo XIV. hegt die Absicht, zu tun, was sein Vorgänger vermieden hat: Argentinien zu besuchen
Papst Leo XIV. hegt die Absicht, zu tun, was sein Vorgänger vermieden hat: Argentinien zu besuchen

Vati­k­an­na­he Krei­se bestä­ti­gen eine außen­po­li­tisch bemer­kens­wer­te Ent­schei­dung des regie­ren­den Pap­stes Leo XIV.: Für Ende Novem­ber 2026 ist eine mehr­tä­gi­ge Rei­se nach Süd­ame­ri­ka vor­ge­se­hen. Sta­tio­nen sol­len Uru­gu­ay (ein Tag), Argen­ti­ni­en (drei Tage) und Peru (sechs Tage) sein. Par­al­lel wur­de zudem die Ernen­nung eines neu­en Apo­sto­li­schen Nun­ti­us für Argen­ti­ni­en bestä­tigt, der vor einer kom­ple­xen kir­chen­po­li­ti­schen Aus­gangs­la­ge ste­hen dürfte.

Die Rei­se hat auch eine sym­bo­li­sche Dimen­si­on. Leo XIV. setzt damit einen kla­ren Akzent in einer Regi­on, die für die katho­li­sche Kir­che histo­risch und demo­gra­phisch zen­tral ist. Beson­ders auf­fäl­lig ist der geplan­te Besuch in Argen­ti­ni­en – dem Her­kunfts­land sei­nes Vor­gän­gers Papst Franziskus.

Fran­zis­kus hat­te wäh­rend sei­nes zwölf­jäh­ri­gen Pon­ti­fi­kats es bewußt gemie­den, sein Hei­mat­land zu besu­chen – ein auf­fal­len­der und unge­wöhn­li­cher Umstand, der immer wie­der poli­tisch und kir­chen­in­tern dis­ku­tiert wur­de. Wohl­wol­len­de Beob­ach­ter sahen dar­in den Ver­such, jede Form von natio­na­ler Ver­ein­nah­mung sei­nes Amtes zu ver­mei­den und inner­ar­gen­ti­ni­sche Span­nun­gen nicht zusätz­lich zu ver­schär­fen. Sein Pon­ti­fi­kat war geprägt von einer auf­fäl­li­gen Distanz zu Argen­ti­ni­en, wäh­rend er zahl­rei­che ande­re Län­der Latein­ame­ri­kas berei­ste. Er selbst sag­te, er „ver­mis­se Argen­ti­ni­en nicht“.

Zugleich bemüh­te sich Fran­zis­kus durch Unter­stüt­zung link­spe­ro­ni­sti­scher Kan­di­da­ten Ein­fluß auf Wah­len zu neh­men,schei­ter­te damit jedoch auf brei­ter Front – wäh­rend er zu den Ver­su­chen der Abtrei­bungs­le­ga­li­sie­rung schwieg mit dem Hin­weis, sich nicht in „inne­re Ange­le­gen­hei­ten“ ein­mi­schen zu wollen.

Der nun ange­kün­dig­te Schritt von Leo XIV. wirkt daher wie eine bewuß­te Akzent­ver­schie­bung. Wäh­rend Fran­zis­kus sein Her­kunfts­land mied, sucht der neue Papst offen­bar die direk­te Begeg­nung – auch mit einem kirch­lich und gesell­schaft­lich kom­ple­xen Umfeld. Gera­de Argen­ti­ni­en gilt mit sei­nen Pola­ri­sie­run­gen, die sein Vor­gän­ger zugun­sten einer Sei­te zu ent­schei­den ver­such­te, als anspruchs­vol­les Terrain.

Kir­chen­ana­ly­sten wer­ten die geplan­te Rei­se als Signal an Latein­ame­ri­ka ins­ge­samt. Die Regi­on bleibt mit einem hohen Anteil an Katho­li­ken ein zen­tra­ler Pfei­ler der Welt­kir­che, steht aber zugleich vor wach­sen­den Säku­la­ri­sie­rungs­ten­den­zen und inner­kirch­li­chen Kon­flik­ten zwi­schen pro­gres­si­ven und kon­ser­va­ti­ven Strö­mun­gen, wobei letz­te­re in der berg­o­glia­ni­schen Ära syste­ma­tisch geschwächt wur­den. Als Gegen­re­ak­ti­on wach­sen kon­ser­va­ti­ve evan­ge­li­kal-pro­te­stan­ti­sche Denominationen.

Ob Leo XIV. mit sei­nem Besuch tat­säch­lich eine neue Linie gegen­über sei­nem Vor­gän­ger eta­bliert, wird sich erst zei­gen. Poli­tisch und sym­bo­lisch mar­kiert die Rei­se jedoch bereits jetzt den Bruch mit zumin­dest einer auf­fäl­li­gen Leer­stel­le im Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus: dem kon­se­quen­ten Fern­blei­ben von Argentinien.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*