Das Zeugnis des Kardinals für die Freiheit der Kirche

Kardinal Júlio Duarte Langa

Júlio Duarte Langa, Bischof Xai-Xai und schließlich Kardinal, verteidigte die Freiheit der Kirche während der sozialistischen Diktatur in Mosambik
Júlio Duarte Langa, Bischof Xai-Xai und schließlich Kardinal, verteidigte die Freiheit der Kirche während der sozialistischen Diktatur in Mosambik

Von Giu­sep­pe Brienza*

Am 3. August 2026 starb im Alter von 98 Jah­ren im Kran­ken­haus der mosam­bi­ka­ni­schen Haupt­stadt Mapu­to der eme­ri­tier­te Bischof von Xai-Xai, Kar­di­nal Júlio Duar­te Lan­ga. Er war gleich­sam der „Vater“ der Prie­ster des afri­ka­ni­schen Staa­tes, da er inner­halb der Bischofs­kon­fe­renz lan­ge Zeit für die Aus­bil­dung und den Schutz der Diö­ze­san­prie­ster ver­ant­wort­lich gewe­sen war.

Júlio Duar­te Lan­ga wur­de am 27. Okto­ber 1927 in Man­gun­ze in der Diö­ze­se Xai-Xai gebo­ren und am 9. Juni 1957 im dama­li­gen Erz­bis­tum Lou­ren­ço Mar­ques zum Prie­ster geweiht. Die Stadt wur­de nach der Unab­hän­gig­keit Mosam­biks 1975 von den mar­xi­sti­schen Revo­lu­tio­nä­ren der Befrei­ungs­front Mosam­biks (FRELIMO) in Mapu­to umbe­nannt. Nach sei­ner Tätig­keit als Kaplan und anschlie­ßend als Pfar­rer in der Mis­si­on Malaisse wur­de er zum Diö­ze­sancon­sul­tor, zum Mit­glied des Prie­ster­ra­tes und schließ­lich zum Gene­ral­vi­kar der Diö­ze­se ernannt.

Als pro­fun­der Ken­ner der ein­hei­mi­schen Spra­chen wur­de er am 31. Mai 1976 zum Bischof der flä­chen­mä­ßig sehr gro­ßen Diö­ze­se João Belo ernannt, die am 1. Okto­ber des­sel­ben Jah­res in Xai-Xai umbe­nannt wur­de. Am 24. Juni 2004 trat er aus Alters­grün­den von der Lei­tung der Diö­ze­se zurück.

Im Kon­si­sto­ri­um vom 14. Febru­ar 2015 erhob ihn Papst Fran­zis­kus zum Kar­di­nal und ver­lieh ihm die römi­sche Titel­kir­che San Gabrie­le dell’Addolorata. Er war damit der zwei­te Mosam­bi­ka­ner, der die Kar­di­nals­wür­de erhielt.

An den Trau­er­fei­er­lich­kei­ten für Duar­te Kar­di­nal Lan­ga, die am 8. August im Hei­lig­tum Unse­rer Lie­ben Frau von Lour­des in Xon­gue­ne statt­fan­den, nah­men die wich­tig­sten zivi­len und kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten Mosam­biks sowie zahl­rei­che Gläu­bi­ge teil.

Die Ver­tei­di­gung der Frei­heit der Kir­che in der schwie­ri­gen nach­ko­lo­nia­len Zeit sowie – als Bischof – die Bewah­rung des reli­giö­sen Lebens in einer beson­ders von Armut gepräg­ten Regi­on, die von Hun­gers­nö­ten, Epi­de­mien und Natur­ka­ta­stro­phen heim­ge­sucht wur­de, bil­de­ten die wesent­li­chen Eck­punk­te des pasto­ra­len Wir­kens von Kar­di­nal Duar­te Langa.

In den mehr als 28 Jah­ren, in denen er die Diö­ze­se Xai-Xai lei­te­te, muß­te der Prä­lat sich mit der reli­giö­sen Ver­fol­gung aus­ein­an­der­set­zen, die wäh­rend des lan­gen Bür­ger­kriegs statt­fand, der Mosam­bik von der Unab­hän­gig­keit bis zu den soge­nann­ten „Frie­dens­ab­kom­men“ vom 4. Okto­ber 1992 in Rom blu­tig heim­such­te – soge­nannt, weil – lei­der – zu den Krie­gen, die kei­ne „Schlag­zei­len machen“, von denen es welt­weit etwa 60 an der Zahl gibt, auch jener gehört, der im Nor­den Mosam­biks wei­ter­hin Opfer fordert.

In die­sem Zusam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, daß seit der Unab­hän­gig­keit des Lan­des von Por­tu­gal im Jahr 1975 sämt­li­che Prä­si­den­ten und Regie­run­gen, die Mosam­bik nach­ein­an­der führ­ten, aus ein und der­sel­ben Par­tei her­vor­ge­gan­gen sind: der FRELIMO, die sich – wie auch gleich­ge­sinn­te Par­tei­en in Euro­pa – nach 1989 als „post­kom­mu­ni­sti­sche“ Par­tei neu erfand.

Die Mosam­bi­ka­ni­sche Befrei­ungs­front – Fren­te de Liber­ta­ção de Moçam­bi­que, eine 1962 in Tan­sa­nia von Edu­ar­do C. Mond­la­ne gegrün­de­te mar­xi­sti­sche Revo­lu­ti­ons­be­we­gung, die bereits 1964 zum bewaff­ne­ten Kampf über­ging –, regier­te das Land nach dem Ende des anti­ko­lo­nia­len Krie­ges und der Erlan­gung der Unab­hän­gig­keit als Ein­par­tei­en­staat und trug damit zu einem lan­gen Bür­ger­krieg bei, der erst 1990 teil­wei­se zum Erlie­gen kam. Nach­fol­gen­de Mehr­par­tei­en­wah­len bestä­tig­ten die FRELIMO wie­der­holt an der Macht, wobei es immer wie­der Vor­wür­fe von Wahl­be­trug und Mani­pu­la­ti­on gab.

Auch das Ergeb­nis der letz­ten Wahl vom Okto­ber 2024, durch die der der­zei­ti­ge Staats­chef Dani­el Chapo ins Prä­si­den­ten­amt gelang­te, wur­de vom wich­tig­sten Oppo­si­ti­ons­füh­rer Venân­cio Mond­la­ne, der zunächst der Par­tei Ren­a­mo (Natio­na­ler Wider­stand Mosam­biks) nahe­stand und spä­ter eine eige­ne Bewe­gung ins Leben rief, als „mani­pu­liert“ bezeich­net. Mond­la­ne, der nach der Wahl ins Exil gezwun­gen wor­den war, kehr­te im Janu­ar 2025 in sei­ne Hei­mat zurück; dort wur­de ihm der Paß abge­nom­men und er von der mosam­bi­ka­ni­schen Staats­an­walt­schaft der „Anstif­tung zum Ter­ro­ris­mus“ beschuldigt.

Für die FRELIMO han­delt es sich dabei kei­nes­wegs um neue Metho­den. Die Par­tei ist bis heu­te dafür bekannt, daß sie unmit­tel­bar nach ihrer Macht­über­nah­me 1975 eine sozia­li­sti­sche Dik­ta­tur errich­te­te, ver­bun­den mit einem rigi­den Wirt­schafts­pro­gramm. Die­ses führ­te bei­spiels­wei­se zur ent­schä­di­gungs­lo­sen Ver­staat­li­chung sämt­li­cher pri­va­ter Wohn­ge­bäu­de samt deren Ein­rich­tung; in die umfas­sen­de Ent­eig­nung wur­den auch alle katho­li­schen Schu­len des Lan­des einbezogen.

Von die­ser tra­gi­schen Zeit berich­te­te Kar­di­nal Duar­te Lan­ga in einem Interview:

„1975, nach dem Ende der Kolo­ni­al­zeit, kam die Unab­hän­gig­keit und mit ihr der Auf­stieg des kom­mu­ni­sti­schen tota­li­tä­ren Regimes. Es war eine Zeit gro­ßen Lei­dens. Wir waren ohne Frei­heit; das Regime woll­te uns hin­weg­fe­gen, aber wir haben nie­mals auf­ge­ge­ben. Trotz der Ver­fol­gun­gen gin­gen wir wei­ter. Das Regime ver­bot uns kate­go­risch, unse­rem Volk das Wort Got­tes zu ver­kün­den; es ver­bot uns Chri­stus. 1977 ver­sam­mel­te sich der gesam­te Kle­rus Mosam­biks, um über die schwie­ri­ge Situa­ti­on zu bera­ten, in der wir leb­ten. Wir beschlos­sen, uns am Bei­spiel der ‚frü­hen Kir­che‘ zu ori­en­tie­ren, und grün­de­ten klei­ne christ­li­che Gemein­schaf­ten, um unse­ren Glau­ben zu beken­nen. Es war ein Wachs­tum in klei­nen Schrit­ten, wie ein Was­ser­trop­fen, der einen Fel­sen aus­höhlt. Die Kir­che sieg­te über die Unter­drückung.“1

Trotz des Schwei­gens, das von der lin­ken Poli­tik und Ver­tre­tern der soge­nann­ten „woken“ Strö­mun­gen über die Gewalt der nach­ko­lo­nia­len Zeit gelegt wor­den sei, ver­säum­te es Kar­di­nal Duar­te Lan­ga nie, auf die­se für ihn und sein Land so dra­ma­ti­sche Epo­che hin­zu­wei­sen. Über das Jahr­zehnt vor den „Frie­dens­ab­kom­men“ bezeug­te er:

„Ich erin­ne­re mich leb­haft an die Ereig­nis­se jener Zeit: Der Prä­si­dent von Mosam­bik hat­te eine Mau­er gegen die Kir­che errich­tet. Er hielt unse­re Got­tes­dien­ste für gefähr­lich, weil sie sehr vie­le Gläu­bi­ge mobi­li­sier­ten. Das Regime war sehr besorgt über uns. Auch wäh­rend des Bür­ger­kriegs, als die Repres­sio­nen in regel­rech­te Blut­bä­der mün­de­ten, bestand unse­re Stär­ke im Dia­log, in der Aus­ein­an­der­set­zung mit jenen, die uns angrif­fen. Am Ende gelang­ten wir zu einem Kom­pro­miß; die Mau­ern began­nen mit der Zeit zu ver­schwin­den, bis schließ­lich die Frie­dens­ab­kom­men von 1992 erreicht wurden.“

Auch im Licht die­ser Erin­ne­run­gen erscheint das Leben des mosam­bi­ka­ni­schen Kar­di­nals als ein Leben, das ganz in den Dienst der Kir­che, des Frie­dens und sei­nes Vol­kes gestellt war. Ein Volk, das er trotz der Gefahr für sein eige­nes Leben nie­mals ver­las­sen woll­te. Damit setz­te er das bischöf­li­che Mot­to, das er als Hir­te von Xai-Xai gewählt hat­te, in die Tat um:

In finem dil­e­xit eos – „Er lieb­te sie bis ans Ende“ (Joh 13,1).

*Giu­sep­pe Bri­en­za, Jour­na­list und Publi­zist, Stu­di­um der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten an der Sapi­en­za in Rom, schreibt für Fides Catho­li­ca, Il Borg­he­se, Cor­ri­spon­den­za Roma­na, Il Cor­rie­re del Sud, Autor meh­re­rer Bücher u. a. in der Rei­he „St. Peters­bur­ger Aben­de heu­te“: „56 kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re Pfei­le“ (2021), Vor­schlä­ge, Autoren, Ideen und Schlach­ten gegen geg­ne­ri­sche Kul­tu­ren (2025), aber auch Bio­gra­phien über Evi­ta Perón, Nel­son Man­de­la und ande­re mehr.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana


  1. Zitiert nach Mar­co Spre­ca­cé: Kar­di­nal Lan­ga: „Rispon­de­re alla vio­len­za con il dia­lo­go. La sto­ria del Mozam­bico ce lo insegna“, in: L’Ancora online, 20. Mai 2015 ↩︎

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*