Carlo Acutis, Verehrer der Eucharistie und von Fatima

Eine Gestalt, die sowohl Jugendliche als auch Erwachsene anspricht

Carlo Acutis, ein junger Heiliger
Carlo Acutis, ein junger Heiliger

Von Rober­to de Mattei*

    Am 12. Okto­ber fei­ert die Kir­che den lit­ur­gi­schen Gedenk­tag des hei­li­gen Car­lo Acu­tis, der am 7. Sep­tem­ber 2025 von Leo XIV. auf dem Peters­platz hei­lig­ge­spro­chen wurde.

    Der ihm gewid­me­te Film von Gia­co­mo Cam­piot­ti, „Mein Name ist Car­lo“, der am 23. Sep­tem­ber 2026 auf dem Fern­seh­sen­der Cana­le 5 aus­ge­strahlt wur­de, erreich­te 4,269 Mil­lio­nen Zuschau­er und bei­na­he 30 Pro­zent Markt­an­teil – ein außer­ge­wöhn­li­cher Erfolg, der selbst die Ver­ant­wort­li­chen von Media­set, die den Film pro­du­ziert hat­ten, überraschte.

    Car­lo Acu­tis, der am 12. Okto­ber 2006 im Alter von nur 15 Jah­ren starb, war ein Jugend­li­cher, der ganz und gar sei­ner Zeit ange­hör­te. Auf­grund sei­ner Fähig­keit, moder­ne tech­ni­sche Mit­tel zu nut­zen, wur­de er sogar als der „Hei­li­ge des Inter­nets“ bezeich­net. Die­ser Aus­druck birgt jedoch die Gefahr, das Licht zu ver­dun­keln, das sei­ne See­le lei­te­te. „Immer mit Jesus ver­bun­den zu sein – das ist mein Lebens­pro­gramm“, hat­te er bereits als Kind geschrie­ben. Die­sem Pro­gramm woll­te er bis zu sei­ner Krank­heit treu blei­ben, einer ful­mi­nan­ten Leuk­ämie, die ihn inner­halb von zehn Tagen in den Tod führ­te – im Alter von gera­de ein­mal fünf­zehn Jahren.

    Car­lo wur­de am 3. Mai 1991 in Lon­don in eine wohl­ha­ben­de ita­lie­ni­sche Fami­lie hin­ein­ge­bo­ren, die sich wegen der beruf­li­chen Tätig­keit sei­nes Vaters dort auf­hielt. Weni­ge Mona­te spä­ter kehr­te die Fami­lie nach Mai­land zurück. Dort besuch­te er zunächst die Schu­le der Mar­cel­li­nen-Schwe­stern und anschlie­ßend das Gym­na­si­um des Insti­tuts Leo­ne XIII. Am 16. Juni 1998, im Alter von sie­ben Jah­ren, emp­fing er die Erste Hei­li­ge Kom­mu­ni­on. Von die­sem Zeit­punkt an wur­de die Eucha­ri­stie zum Mit­tel­punkt sei­ner täg­li­chen Lebens­füh­rung. Er bezeich­ne­te die Eucha­ri­stie als sei­ne „Auto­bahn zum Him­mel“. Mit einem Bild, das einem Jugend­li­chen ver­traut war, bezeich­ne­te er die rea­le Gegen­wart Chri­sti als den Weg, auf dem er gehen woll­te. „Man kommt gera­de­wegs in den Him­mel“, sag­te er, „wenn man jeden Tag die Eucha­ri­stie empfängt!“

    Car­lo war über­zeugt, daß der ent­schei­den­de Augen­blick, um den Herrn um Gna­den zu bit­ten, die Wand­lung sei. Nach der Wand­lung sag­te er zum Herrn: „Durch das Hei­lig­ste Herz Jesu und das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens brin­ge ich dir all mei­ne Bit­ten dar und bit­te dich, sie zu erhö­ren“ (Nico­la Gori, Eucha­ri­stie. Mei­ne Auto­bahn zum Him­mel. Bio­gra­phie von Car­lo Acu­tis (1991–2006), San Pao­lo, 2024, S. 89).

    Den täg­li­chen Kom­mu­nion­emp­fang ver­band er mit dem Rosen­kranz­ge­bet und, wann immer es ihm mög­lich war, mit der Anbe­tung des Aller­hei­lig­sten Sakra­ments. Nach einem Besuch der Grot­te des hei­li­gen Erz­engels Micha­el am Gar­ga­no begann er außer­dem, die Engels­kro­ne zu beten, die den neun Chö­ren der Engel gewid­met ist.

    Zu sei­nem Glau­ben gehör­te auch ein leben­di­ges Bewußt­sein für die Sün­de und für die Not­wen­dig­keit der Beich­te. In sei­nem geist­li­chen Leben hat­te er stets die soge­nann­ten Letz­ten Din­ge vor Augen: Tod, Gericht, Höl­le und Him­mel. Er sag­te einmal:

    „Wenn die See­len tat­säch­lich Gefahr lau­fen, ver­lo­ren­zu­ge­hen – wie vie­le Hei­li­ge bezeugt haben und auch die Erschei­nun­gen von Fati­ma bestä­tigt haben –, fra­ge ich mich, war­um heu­te kaum noch über die Höl­le gespro­chen wird. Denn sie ist etwas so Schreck­li­ches und Furcht­ba­res, daß mir allein der Gedan­ke dar­an Angst macht“
    (N. Gori, a. a. O., S. 81).

    Leo XIV. erin­ner­te in sei­ner Pre­digt bei der Hei­lig­spre­chung an einen Aus­spruch Car­los: „Das Ein­zi­ge, was wir wirk­lich fürch­ten müs­sen, ist die Sün­de.“ Hei­lig­keit war in sei­nen Augen kein unbe­stimm­tes Gefühl, son­dern ein Leben, das aus den Sakra­men­ten sei­ne Kraft schöpft und auf das ewi­ge Heil aus­ge­rich­tet ist.

    Die Näch­sten­lie­be Car­los hat­te kon­kre­te Adres­sa­ten. Er führ­te sei­nen Haus­an­ge­stell­ten und treu­en Freund Rajesh, der Hin­du war, zum katho­li­schen Glau­ben. Nach des­sen Tau­fe berei­te­te er ihn auf den Emp­fang der Sakra­men­te der Eucha­ri­stie und der Fir­mung vor. Er erteil­te Kin­dern Kate­chis­mus­un­ter­richt, half den Men­schen, denen er in sei­nem Vier­tel begeg­ne­te, und wid­me­te den Armen sei­ne Zeit. Er besuch­te Sup­pen­kü­chen und küm­mer­te sich um Obdach­lo­se. Auch einen Teil des Gel­des, das er von sei­nen Eltern erhielt, ver­wen­de­te er, um Men­schen in Not groß­zü­gig zu unterstützen.

    Dank sei­ner Infor­ma­tik­kennt­nis­se ent­wickel­te er eine inter­na­tio­na­le Aus­stel­lung über eucha­ri­sti­sche Wun­der. Dafür trug er Foto­gra­fien, histo­ri­sche Infor­ma­tio­nen und Doku­men­te über zahl­rei­che Ereig­nis­se zusam­men. Die Wahl die­ses The­mas zeigt, was ihm beson­ders am Her­zen lag. Car­lo frag­te sich, wie es mög­lich sei, daß so vie­le Men­schen bereit sei­en, für ein Kon­zert lan­ge War­te­zei­ten in Kauf zu neh­men, wäh­rend nur weni­ge vor dem Taber­na­kel ver­weil­ten. Die Berich­te über eucha­ri­sti­sche Wun­der soll­ten in sei­nem Pro­jekt dazu ein­la­den, das Geheim­nis wie­der­zu­ent­decken, das sich täg­lich auf dem Altar vollzieht.

    Die Ver­eh­rung der Jung­frau Maria, der er sich geweiht hat­te, nahm einen festen Platz in sei­nem Leben ein. Er besuch­te Lour­des und Fati­ma. Er pfleg­te die Andacht der ersten Frei­ta­ge des Monats und vor allem jene der ersten Sams­ta­ge des Monats, die die Got­tes­mut­ter in Fati­ma erbe­ten hatte.

    Schwe­ster Lucia starb am 13. Febru­ar 2005 im Alter von 97 Jah­ren im Klo­ster von Coim­bra. Weni­ge Tage nach ihrem Tod träum­te Car­lo von der Sehe­rin von Fati­ma. Sie sag­te ihm, daß man durch die Übung der Fünf Ersten Sams­ta­ge des Monats die Geschicke der Welt ver­än­dern könne.

    Car­lo war im Hei­li­gen Jahr 2000 in Rom und besuch­te den Peters­platz. Damals voll­zo­gen die Bischö­fe aus aller Welt gemein­sam mit Papst Johan­nes Paul II. die Wei­he des neu­en Jahr­tau­sends an die Jung­frau Maria. Car­lo war tief bewegt, als er sah, daß die Sta­tue Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma eigens aus Por­tu­gal her­bei­ge­bracht wor­den war.

    Als er im Okto­ber 2006 plötz­lich erkrank­te, sag­te er eini­ge Tage vor sei­ner Ein­wei­sung in das Kran­ken­haus San Gerar­do in Mon­za zu sei­nen Eltern:

    „Ich opfe­re dem Herrn alle Lei­den auf, die ich ertra­gen muß, für den Papst und für die Kir­che, damit ich nicht ins Fege­feu­er kom­me, son­dern direkt in den Himmel.“

    Am 12. Okto­ber um 6.45 Uhr hör­te sein Herz auf zu schla­gen – am Vor­abend des Tages, an dem in Fati­ma die letz­te Erschei­nung der Got­tes­mut­ter gefei­ert wird.

    Car­los Leben erfüll­te sich in die­ser Hin­ga­be, nach­dem er über Jah­re hin­weg gelernt hat­te, den Herrn im Gebet und in der Anbe­tung zu suchen. Die Kir­che sprach ihn am 10. Okto­ber 2020 in Assi­si selig und hei­lig­te ihn fünf Jah­re spä­ter in Rom, nach­dem zwei Wun­der aner­kannt wor­den waren. Sei­ne sterb­li­chen Über­re­ste ruhen heu­te in der Kir­che San­ta Maria Mag­gio­re in Assisi.

    Wäh­rend der Hei­lig­spre­chungs­ze­re­mo­nie griff Leo XIV. einen der Aus­sprü­che auf, die den Weg des hei­li­gen Car­lo Acu­tis beson­ders tref­fend zusammenfassen:

    „Nicht ich, son­dern Gott.“

    In einer Zeit, die dazu ein­lädt, sich selbst in den Mit­tel­punkt zu stel­len und dabei Gott und den Näch­sten zu ver­ges­sen, wei­sen die­se vier Wor­te auf eine ande­re Per­spek­ti­ve hin – eine theo­zen­tri­sche und über­na­tür­li­che Per­spek­ti­ve. Car­lo ver­zich­te­te nicht auf die Mög­lich­kei­ten, die ihm sei­ne Zeit bot, son­dern lern­te, alles auf die Lie­be zu Gott hin zu ordnen.

    Des­halb spricht sei­ne Gestalt sowohl Jugend­li­che als auch Erwach­se­ne an: Sie erin­nert alle dar­an, daß ein Leben kurz und den­noch erfüllt sein kann, wenn es in der Eucha­ri­stie und in der Ver­eh­rung der Jung­frau Maria sei­ne Mit­te fin­det und aus die­sem Geist her­aus die Lie­be zum Näch­sten sowie das öffent­li­che Zeug­nis des eige­nen Glau­bens lebt.

    *Rober­to de Mat­tei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom. De Mat­tei ist zudem Autor zahl­rei­cher Stan­dard­wer­ke, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to für den Erhalt der katho­li­schen Tra­di­ti­on, Schrift­lei­ter des Inter­net­me­di­ums Cor­ri­spon­den­za Roma­na und der Monats­zeit­schrift Radi­ci Cri­stia­ne. Von 2002 bis 2011 war er Vize­prä­si­dent des ita­lie­ni­schen Natio­na­len For­schungs­ra­tes (CNR) mit Zustän­dig­keit für die Gei­stes­wis­sen­schaf­ten. Er ver­öf­fent­lich­te mehr als drei­ßig Bücher, die in zahl­rei­che Spra­chen über­setzt wurden.

    Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
    Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

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